{"id":1854,"date":"2017-01-18T08:54:51","date_gmt":"2017-01-18T06:54:51","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1854"},"modified":"2017-01-18T08:54:51","modified_gmt":"2017-01-18T06:54:51","slug":"acht-milliardaere-reicher-als-die-aermere-haelfte-der-weltbevoelkerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1854","title":{"rendered":"Acht Milliard\u00e4re reicher als die \u00e4rmere H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung"},"content":{"rendered":"<p><em>Nick Beams. <\/em>Acht Milliard\u00e4re, sechs von ihnen aus den USA, verf\u00fcgen \u00fcber ebenso viel Reichtum wie die \u00e4rmere H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung, circa 3,6 Milliarden Menschen. <!--more-->Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie \u00fcber globale Ungleichheit, die die britische Entwicklungshilfeorganisation Oxfam j\u00fcngst ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n<p>Die Studie erschien am Montag, kurz vor Beginn des j\u00e4hrlichen Weltwirtschaftsforums im Schweizer Urlaubsort Davos. Dort versammeln sich in dieser Woche viele der Ultrareichen. Die Oxfam-Studie zeigt in Statistiken das atemberaubende Wachstum der sozialen Ungleichheit. Die Kluft zwischen den Einkommen und dem Reichtum einer winzigen Finanzelite und dem Rest der Weltbev\u00f6lkerung hat sich in dramatischem Tempo vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n<p>Neue Daten von Oxfam machen deutlich, dass der Reichtum noch viel st\u00e4rker konzentriert ist, als die Organisation bisher selbst annahm. Im letzten Jahr hatte Oxfam berichtet, dass 62 Menschen soviel besitzen wie die \u00e4rmerer H\u00e4lfte der Menschheit. Im j\u00fcngsten Bericht stellt die Hilfsorganisation fest: \u201eH\u00e4tten diese neuen Daten letztes Jahr vorgelegen, dann h\u00e4tten sie gezeigt, dass neun Milliard\u00e4re soviel besitzen wie die \u00e4rmste Bev\u00f6lkerungsh\u00e4lfte unseres Planeten.\u201c<\/p>\n<p>Bei Oxfam hei\u00dft es, dass seit 2015 das reichste Prozent der Weltbev\u00f6lkerung mehr besitzt als der gesamte Rest der Welt. Im letzten Vierteljahrhundert hat das oberste Prozent mehr Einkommen verzeichnet als die \u00e4rmsten 50 Prozent zusammen.<\/p>\n<p>Die Studie stellt fest: \u201eAnstatt nach unten durchzusickern, wird das Einkommen und der Reichtum in alarmierendem Tempo noch oben gesaugt.\u201c Sie erkl\u00e4rt, dass die 1.810 Dollar-Milliard\u00e4re der Forbes-Reichenliste von 2016 insgesamt 6,5 Billionen Dollar besitzen, \u201esoviel Verm\u00f6gen wie die \u00e4rmeren 70 Prozent der Menschheit\u201c.<\/p>\n<p>Im Verlauf der n\u00e4chsten 20 Jahre werden etwa 500 Menschen ihren Erben mehr als 2,1 Billionen Dollar hinterlassen. Das ist eine Summe, die gr\u00f6\u00dfer ist als das Bruttoinlandsprodukt von Indien, ein Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern.<\/p>\n<p>Oxfam zitiert die j\u00fcngsten Forschungsergebnisse des Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty und anderer. Sie zeigen, dass in den letzten 30 Jahren der Einkommenszuwachs bei den \u00e4rmsten 50 Prozent bei Null lag, w\u00e4hrend die Einkommen des obersten Prozent um 300 Prozent gestiegen sind.<\/p>\n<p>Derselbe Prozess vollzieht sich in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt. Die Oxfam-Studie bemerkt, dass der reichste Vietnamese an einem Tag mehr verdient als der \u00e4rmste Einwohner des Landes in zehn Jahren.<\/p>\n<p>Der Bericht verweist auf den systematischen Transfer des globalen Reichtums in die obersten Schichten der Gesellschaft. Die Wirtschaft konzentriert sich darauf \u201eden reichen Eigent\u00fcmern und Top-F\u00fchrungskr\u00e4ften immer h\u00f6here Rendite\u201c zu liefern, w\u00e4hrend die Firmen, \u201edarauf ausgerichtet sind, Steuern zu umgehen, die L\u00f6hne der Arbeiter zu senken und die Erzeuger auszupressen\u201c.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren barbarische und kriminelle Methoden. Oxfam zitiert einen Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation, nach dem es weltweit etwa 21 Millionen Zwangsarbeiter gibt, die jedes Jahr 150 Milliarden Dollar Profit erwirtschaften. Die gr\u00f6\u00dften Bekleidungsfirmen der Welt unterhalten alle Verbindungen zu Baumwollspinnereien in Indien, die routinem\u00e4\u00dfig M\u00e4dchen als Zwangsarbeiterinnen einsetzen.<\/p>\n<p>Auch die kleinen Bauern werden in die Armut getrieben: In den 1980er-Jahren haben Kakao-Anbauer 18 Prozent vom Wert einer Tafel Schokolade bekommen, im Vergleich zu nur noch sechs Prozent heute.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der Unternehmermacht wird in einer Reihe von aufschlussreichen Statistiken beleuchtet. Was die Einnahmen angeht, so sind 69 der gr\u00f6\u00dften Wirtschaftseinheiten der Welt jetzt Konzerne und nicht L\u00e4nder. Die gr\u00f6\u00dften zehn Konzerne, darunter Unternehmen wie Wal-Mart, Shell und Apple, haben zusammen Einnahmen, die h\u00f6her sind als die summierten Staatseinnahmen von 180 L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Auch wenn die Autoren jede Verurteilung des Profitsystems per se vermeiden, sind die Informationen in ihrer Studie eine m\u00e4chtige Anklage gegen das kapitalistische System. In den Fakten und Statistiken zeigen sich zwei zentrale Prozesse, die Karl Marx, der Begr\u00fcnder des modernen Sozialismus, beschrieben hat.<\/p>\n<p>Im <em>Kapital<\/em> erkl\u00e4rt Marx, dass die objektive Logik des kapitalistischen Systems, das auf der Profitgewinnung basiert, darauf hinausl\u00e4uft, an einem Pol immer gr\u00f6\u00dferen Reichtum zu produzieren und am anderen Armut, Elend und Erniedrigung. Im <em>Kommunistischen Manifest<\/em> erkl\u00e4rt er, dass s\u00e4mtliche Regierungen nichts anderes sind als ausf\u00fchrende Organe zur Verwaltung der Gesch\u00e4fte der Kapitalistenklasse.<\/p>\n<p>Beispielhaft daf\u00fcr stehen die Steuerpolitik und andere \u201ewirtschaftsfreundliche\u201c Ma\u00dfnahmen der Regierungen \u00fcberall auf der Welt. Der Oxfam-Studie ist zu entnehmen, dass der Technologieriese Apple wohl nur 0,005 Prozent Steuern auf seine europ\u00e4ischen Profite gezahlt hat.<\/p>\n<p>Die Entwicklungsl\u00e4nder verlieren pro Jahr zirka 100 Milliarden Dollar in Folge offener Steuerhinterziehung und Regelungen zur Abgabenfreiheit, die den Unternehmen gew\u00e4hrt werden. In Kenia verliert die Regierung 1,1 Milliarden Dollar im Jahr an Einnahmen aufgrund von Freibetr\u00e4gen. Das ist fast das Doppelte der j\u00e4hrlichen Gesundheitsausgaben des Landes.<\/p>\n<p>Die Steuerpolitik der Regierungen geht Hand in Hand mit Steuerhinterziehung und Kriminalit\u00e4t. Die Studie zitiert die Sch\u00e4tzungen des Wirtschaftswissenschaftlers Gabriel Zucman, nach denen 7,6 Billionen Dollar an globalem Verm\u00f6gen in Offshore-Steueroasen liegen. Afrika alleine gehen wegen der Steueroasen 14 Milliarden an j\u00e4hrlichen Einnahmen verloren: Genug um eine Gesundheitsversorgung zu bezahlen, die das Leben von vier Millionen Kindern retten k\u00f6nnte, und um gen\u00fcgend Lehrer einzustellen, damit jedes afrikanische Kind zur Schule gehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es gibt einen wichtigen Punkt, den die Oxfam-Studie ausl\u00e4sst, wenn sie die wachsende Ungleichheit diskutiert: Die entscheidende Rolle, die Politik und Zentralbanken der Gro\u00dfm\u00e4chte gespielt haben, wird nicht erw\u00e4hnt. Seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 wurden Billionen Dollar an die Banken, gro\u00dfen Konzerne und die Finanzeliten in Form von Rettungsprogrammen und der Politik der \u201equantitativen Lockerung\u201c \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Eine Diskussion \u00fcber diese Tatsachen w\u00fcrde unbequeme politische Fragen aufwerfen. Der Bericht beginnt, indem er wohlwollend \u00c4u\u00dferungen von US-Pr\u00e4sident Barack Obama vor der UN-Generalversammlung 2016 zitiert. Obama sagte dort, dass eine Welt, in der 1 Prozent der Bev\u00f6lkerung genauso viel besitzt wie die \u00fcbrigen 99 Prozent, niemals stabil sein kann.<\/p>\n<p>Aber gerade die Politik der Obama-Regierung hat eine Schl\u00fcsselrolle dabei gespielt, diese Welt zu schaffen. Nachdem sie die Finanzoligarchen mit einem massiven Bankenrettungsprogramm vor den Folgen ihrer eigenen kriminellen Machenschaften gerettet hatte, sorgten die Regierung Obama und die US-Zentralbank daf\u00fcr, dass sie sich weiter bereichern konnten, indem sie ultrabilliges Geld zur Verf\u00fcgung stellten, das den Wert ihrer Anlagen in die H\u00f6he trieb.<\/p>\n<p>War die Ungleichheit \u00fcber Jahre gewachsen, so beschleunigte sich der Prozess doch deutlich unter Obama &#8211; zusammen mit einem Abgleiten der herrschenden Klasse in Parasitentum und Kriminalit\u00e4t. Obama hat der Finanzoligarchie den Weg zur direkten Macht\u00fcbernahme geebnet, verk\u00f6rpert in der unmittelbar bevorstehenden Pr\u00e4sidentschaft des Kasino- und Immobilien-Milliard\u00e4rs Donald Trump. Ihm wird Obama am Freitag die Schl\u00fcssel zum Wei\u00dfen Haus \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Hinter der Oxfam-Studie steht die Angst vor den politischen Folgen der st\u00e4ndig wachsenden Ungleichheit und das Bestreben, die wachsende Wut \u00fcber ihre Folgen in harmlose Kan\u00e4le zu lenken. Oxfam entwickelt die Perspektive einer \u201emenschlichen Wirtschaft\u201c, die auf der Grundlage des kapitalistischen Marktes zu erreichen sei, so die Unternehmen und Regierungen ihre Einstellungen \u00e4nderten.<\/p>\n<p>Diese Perspektive ist offensichtlich absurd und beruht auf den schon seit langem diskreditierten Anschauungen des britischen Fabianismus, der das Denken des englischen Kleinb\u00fcrgertums mehr als ein Jahrhundert lang beherrscht hat. Gekr\u00f6nt wird die Auffassung dadurch, dass die Studie sich an die globale Finanzelite wendet, die diese Woche auf dem Gipfel von Davos versammelt ist, und sie auffordert, ihre Verhaltensweise zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Der Bankrott dieser Perspektive wird nicht nur durch die heutigen Fakten und Zahlen belegt, sondern auch durch die historische Erfahrung. Vor einem Vierteljahrhundert, nach der Liquidierung der Sowjetunion, war der kapitalistische Triumph nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Befreit von der Behinderung durch die UdSSR und in der Lage, den Globus zu beherrschen, wollte die liberale kapitalistische Demokratie der Menschheit zeigen, wozu sie in der Lage ist.<\/p>\n<p>Und das hat sie auch getan und schuf eine Welt, gepr\u00e4gt durch st\u00e4ndig wachsende Ungleichheit, das Anh\u00e4ufen von Reichtum bis zu einem wahrhaft obsz\u00f6nen Ausma\u00df, Unterdr\u00fcckung, antidemokratische Formen der Herrschaft, Kriminalit\u00e4t in den h\u00f6chsten R\u00e4ngen der Gesellschaft und der schrecklichen Aussicht auf einen III. Weltkrieg.<\/p>\n<p>Dies bringt uns zu einem weiteren Jahrestag: dem hundertsten Jahrestag der Russischen Revolution. Trotz des anschlie\u00dfenden Verrats durch die stalinistische B\u00fcrokratie bewies die Russische Revolution f\u00fcr alle Zeiten, dass eine Welt jenseits des Kapitalismus und all seiner sozialen Missst\u00e4nde und B\u00f6sartigkeiten m\u00f6glich und notwendig ist. Die im Oxfam-Bericht beschriebenen gesellschaftlichen Bedingung werden zwangsl\u00e4ufig enorme soziale Auseinandersetzungen hervorbringen. Die Lehren aus der Russischen Revolution m\u00fcssen diesen K\u00e4mpfen eine Perspektive geben.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/01\/18\/pers-j18.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 18. Januar 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nick Beams. Acht Milliard\u00e4re, sechs von ihnen aus den USA, verf\u00fcgen \u00fcber ebenso viel Reichtum wie die \u00e4rmere H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung, circa 3,6 Milliarden Menschen. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7],"tags":[18,45,22],"class_list":["post-1854","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","tag-imperialismus","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1854","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1854"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1854\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1855,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1854\/revisions\/1855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}