{"id":1856,"date":"2017-01-20T09:52:43","date_gmt":"2017-01-20T07:52:43","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1856"},"modified":"2017-01-20T09:52:43","modified_gmt":"2017-01-20T07:52:43","slug":"leo-trotzki-1789-1848-1905","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1856","title":{"rendered":"Leo Trotzki: 1789 \u2013 1848 \u2013 1905 &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Geschichte wiederholt sich nicht. Wie oft man auch die russische Revolution [von 1905] mit der Gro\u00dfen Franz\u00f6sischen Revolution vergleichen mag, die eine wird dadurch noch lange nicht eine blo\u00dfe Wiederholung der zweiten. Das 19. Jahrhundert ist nicht umsonst vergangen.<\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Schon das Jahr 1848 stellt einen riesigen Unterschied gegen\u00fcber 1789 dar. Im Vergleich zur Gro\u00dfen Revolution \u00fcberraschten die preu\u00dfische oder \u00f6sterreichische durch ihre Schwunglosigkeit. Sie kamen einerseits zu fr\u00fch, andererseits zu sp\u00e4t. Die gigantische Kraftanstrengung, die die b\u00fcrgerliche Gesellschaft braucht, um radikal mit den Herren der Vergangenheit abzurechnen, kann nur <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">entweder<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> durch die machtvolle <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">Einheit der ganzen Nation,<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> die sich gegen den feudalen Despotismus erhebt, oder durch eine m\u00e4chtige Entwicklung <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">des Klassenkampfes<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> innerhalb dieser sich emanzipierenden Nation erreicht werden. Im ersten Fall, der zwischen 1789 und 1793 gegeben war, wird die durch den schrecklichen Widerstand der alten Ordnung konzentrierte nationale Energie im Kampf gegen die Reaktion v\u00f6llig verbraucht. Im zweiten Fall, der bisher in der Geschichte noch nicht dagewesen ist und den wir lediglich als M\u00f6glichkeit erw\u00e4gen, wird das Ma\u00df an Energie, das zum Sieg \u00fcber die dunklen M\u00e4chte der Vergangenheit notwendig ist, innerhalb der b\u00fcrgerlichen Nation durch einen \u201estrittigen\u201c Klassenkampf erzeugt. Die harten inneren Konflikte, die einen Gro\u00dfteil der Energie verschlingen und der Bourgeoisie die M\u00f6glichkeit rauben, die Hauptrolle zu spielen, sto\u00dfen ihren Antagonisten vorw\u00e4rts, geben ihm in einem Monat die Erfahrungen von Jahrzehnten, stellen ihn an die vorderste Front und h\u00e4ndigen ihm die straffgezogenen Z\u00fcgel aus. Entschieden, keine Zweifel kennend, verleiht er den Ereignissen einen m\u00e4chtigen Schwung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Entweder eine Nation, die sich wie ein zum Sprung ansetzender L\u00f6we zu einem Ganzen zusammenzieht, oder eine Nation, die sich im Proze\u00df des Kampfes endg\u00fcltig gespalten hat, um ihren besten Teil f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufgabe freizumachen, f\u00fcr die das Ganze nicht mehr Kraft genug hat. Dies sind zwei entgegengesetzte Typen, die sich in ihrer reinen Form nat\u00fcrlich nur theoretisch gegen\u00fcberstellen lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Mittelweg ist hier wie in so vielen anderen F\u00e4llen, das allerschlimmste; auf diesem Mittelweg befand sich das Jahr 1848.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">In der heroischen Periode der franz\u00f6sischen Geschichte sehen wir eine aufgekl\u00e4rte, aktive Bourgeoisie vor uns, die noch nicht die Widerspr\u00fcche ihrer Position entdeckt hatte. Die Geschichte hatte ihr die Aufgabe der F\u00fchrung im Kampf um die neue Ordnung der Verh\u00e4ltnisse nicht nur gegen die \u00fcberholten Institutionen Frankreichs, sondern auch gegen die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte ganz Europas \u00fcbertragen. Die Bourgeoisie begreift sich folglich in allen ihren Fraktionen insgesamt als der F\u00fchrer der Nation, zieht die Massen in den Kampf hinein, gibt ihnen die Losungen und diktiert ihnen die Taktik des Kampfes. Die Demokratie vereint die Nation unter einer politischen Ideologie. Das Volk \u2013 Kleinb\u00fcrger, Bauern und Arbeiter \u2013 w\u00e4hlt B\u00fcrger zu seinen Deputierten, und die Auftr\u00e4ge, die ihnen von der Masse erteilt werden, sind in der Sprache einer Bourgeoisie niedergeschrieben, die sich ihrer messianischen Rolle bewu\u00dft ist. W\u00e4hrend der Revolution selbst treten Klassenantagonismen zwar auch deutlich hervor, aber der einmal erreichte Schwung des revolution\u00e4ren Kampfes r\u00e4umt konsequent die verkn\u00f6cherten Elemente der Bourgeoisie politisch aus dem Weg. Keine Schicht l\u00f6st sich ab, ohne vorher ihre Energie auf die nachfolgenden zu \u00fcbertragen. Die Nation als ganze setzt dabei den Kampf f\u00fcr ihre Ziele mit immer sch\u00e4rferen und entschlosseneren Mitteln fort. Als sich die Spitzen der verm\u00f6genden Bourgeoisie von dem Kern der in Gang gekommenen nationalen Bewegung lossagen und ein B\u00fcndnis mit Ludwig XVI. eingehen, f\u00fchren die demokratischen Forderungen der Nation, die bereits <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">gegen<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> diese Bourgeoisie gerichtet sind, zum allgemeinen Wahlrecht und zur Republik als den logisch unvermeidlichen Formen der Demokratie.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Gro\u00dfe Franz\u00f6sische Revolution ist in der Tat eine nationale Revolution. Mehr noch: hier findet im nationalen Rahmen der weltweite Kampf der b\u00fcrgerlichen Gesellschaftsordnung um Herrschaft, Macht und ungeteilten Sieg seinen klassischen Ausdruck.<\/span><\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Jakobinismus<\/span><\/span><\/i><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\"> ist heute ein Schimpfwort auf den Lippen aller liberalen Klugschw\u00e4tzer. Der b\u00fcrgerliche Ha\u00df auf die Revolution, auf die Massen, auf die Gewalt, auf die Macht der Geschichte, die auf der Stra\u00dfe gemacht wird, hat sich zu einem Schrei der Entr\u00fcstung und Angst konzentriert: <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">Jakobinismus!<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> Wir, die Weltarmee des Kommunismus, haben unsere historische Abrechnung mit dem Jakobinertum schon lange hinter uns. Die gesamte internationale proletarische Bewegung der Gegenwart ist entstanden und erstarkt in der Auseinandersetzung mit den Traditionen des Jakobinismus. Wir haben ihn einer theoretischen Kritik unterworfen, seine historische Beschr\u00e4nktheit aufgezeigt, seine gesellschaftliche Widerspr\u00fcchlichkeit, seinen Utopismus, seine Phraseologie entlarvt, wir haben mit seinen \u00dcberlieferungen gebrochen, die jahrzehntelang als heiliges Erbe der Revolution gegolten hatten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Aber gegen die Angriffe, Verleumdungen und geistlosen Beschimpfungen von Seiten des blutleeren phlegmatischen Liberalismus nehmen wir den Jakobinismus in Schutz. Das B\u00fcrgertum hat alle Traditionen seiner historischen Jugend schm\u00e4hlich verraten, seine gegenw\u00e4rtigen S\u00f6ldlinge entehren die Gr\u00e4ber seiner Ahnen und verl\u00e4stern die \u00dcberreste seiner Ideale. Das Proletariat nimmt die Ehre der revolution\u00e4ren Vergangenheit des B\u00fcrgertums in Schutz. Das Proletariat, das in seiner Praxis so radikal mit den revolution\u00e4ren Traditionen des B\u00fcrgertums gebrochen hat, sch\u00fctzt diese als das Erbe von gro\u00dfen Leidenschaften, von Heroismus und Initiative, und sein Herz schl\u00e4gt voller Sympathie f\u00fcr die Reden und Taten des jakobinischen Konvents.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Was verlieh dem Liberalismus seine Anziehungskraft wenn nicht die Traditionen der Gro\u00dfen Franz\u00f6sischen Revolution! In welcher anderen Periode stieg die b\u00fcrgerliche Demokratie zu solcher H\u00f6he empor, entz\u00fcndete eine solche Flamme im Herzen des Volkes wie die jakobinische, sansculottische, terroristische Demokratie Robespierres vom Jahre 1793?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">War es denn nicht der Jakobinismus, der es dem b\u00fcrgerlichen franz\u00f6sischen Radikalismus verschiedener Schattierungen erm\u00f6glichte und noch immer erm\u00f6glicht, einen riesigen Teil des Volkes, selbst des Proletariats, bis auf den heutigen Tag in Bann zu halten \u2013 und dies zu einer Zeit, wo der b\u00fcrgerliche Radikalismus in Deutschland und \u00d6sterreich seine kurze Geschichte mit nutzlosen und kl\u00e4glichen Taten ausgef\u00fcllt hat?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">War es denn nicht die Anziehungskraft des Jakobinismus, seiner abstrakten politischen Ideologie, seines Kultes der Heiligen Republik, seiner feierlichen Deklamationen, von dem sich selbst heute noch die franz\u00f6sische Radikalen und Radikalsozialisten wie Clemenceau, Millerand, Briand, Bourgeois und all die Politiker ern\u00e4hren, die die Grundfesten der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft nicht schlechter zu bewahren verstehen als die von Gottes Gnaden stumpfsinnigen Junker Wilhelms II., die von der b\u00fcrgerlichen Demokratie anderer L\u00e4nder so hoffnungslos beneidet werden, w\u00e4hrend sie zur gleichen Zeit die Quelle ihrer politischen Vorzugsstellung \u2013 den heroischen Jakobinismus \u2013 mit Verleumdungen \u00fcbersch\u00fctten? Selbst nachdem viele Hoffnungen zerst\u00f6rt waren, lebte er im Bewu\u00dftsein des Volkes als \u00dcberlieferung weiter; noch lange sprach das Proletariat von seiner Zukunft in der Sprache der Vergangenheit. Im Jahre 1840, fast ein halbes Jahrhundert nach der Regierung der \u201eBergpartei\u201c, acht Jahre vor den Junitagen des Jahres 48, besuchte Heine mehrere Werkst\u00e4tten in der Vorstadt Saint-Marceau und sah, was die Arbeiter, \u201eder kr\u00e4ftigste Teil der unteren Klasse\u201c, lasen. \u201eDort fand ich n\u00e4mlich\u201c, so berichtet er an eine deutsche Zeitung, \u201emehrere neue Ausgaben der Reden des alten Robespierre, auch von Marats Pamphleten, in Lieferungen zu zwei Sous, die Revolutionsgeschichte Cabets, Cormenins giftige Libelle, <\/span><b><span style=\"color: #000000;\">Babeufs Lehre und Verschw\u00f6rung<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"> von Buonarotti \u2013 alles Schriften, die wie nach Blut rochen; \u201e&#8230; Als eine Frucht dieser Saat\u201c, prophezeit der Dichter, \u201edroht aus Frankreichs Boden fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Republik hervorzubrechen.\u201c <\/span><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm#n5\"><span style=\"color: #0000ff;\">[5]<\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Jahre 1848 war die Bourgeoisie bereits unf\u00e4hig, eine vergleichbare Rolle zu spielen. Sie war weder willens noch k\u00fchn genug, die Verantwortung f\u00fcr die revolution\u00e4re Beseitigung der Gesellschaftsordnung zu \u00fcbernehmen, die ihrer Herrschaft im Weg stand. Wir wissen inzwischen auch <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">warum.<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> Ihre Aufgabe bestand darin \u2013 hier\u00fcber legte sie sich klar Rechenschaft ab \u2013 Garantien in das alte System einzubauen, die nicht f\u00fcr ihre politische Herrschaft, sondern lediglich f\u00fcr eine Teilung der Macht mit den Kr\u00e4ften der Vergangenheit notwendig waren. Sie hatte ein wenig gelernt durch die Erfahrung der franz\u00f6sischen Bourgeoisie, war korrumpiert durch ihren Verrat und eingesch\u00fcchtert von ihren Fehlschl\u00e4gen. Sie vers\u00e4umte nicht nur, die Massen zum Sturm auf die alte Ordnung anzuf\u00fchren, sondern suchte ihren R\u00fcckhalt bei der alten Ordnung, um die Masse abzuwehren, die sie vorw\u00e4rtsstie\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die franz\u00f6sische Bourgeoisie verstand es, ihre Revolution gro\u00df zu machen. Ihr Bewu\u00dftsein war das Bewu\u00dftsein der Gesellschaft, und nichts konnte sich in feste Institutionen verwandeln, ohne vorher von ihrem Bewu\u00dftsein als ihr Ziel, als ihre Aufgabe politischer Sch\u00f6pferkraft anerkannt zu werden. H\u00e4ufig griff sie zur theatralischen Pose, um die Beschr\u00e4nktheit ihrer eigenen b\u00fcrgerlichen Welt vor sich selbst zu verbergen \u2013 aber sie marschierte vorw\u00e4rts.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die deutsche Bourgeoisie hingegen \u201emachte\u201c von Anfang an die Revolution nicht, sondern sagte sich von ihr los. Ihr Bewu\u00dftsein rebellierte gegen die objektiven Bedingungen der eigenen Herrschaft. Zur Revolution konnte es nicht durch sie, sondern nur gegen sie kommen. Demokratische Institutionen stellten sich in ihrem Kopf nicht als das Ziel ihres Kampfes dar, sondern als eine Gef\u00e4hrdung ihres Wohlergehens.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Jahre 48 bedurfte es einer Klasse, die f\u00e4hig gewesen w\u00e4re, die Ereignisse ohne die Bourgeoisie und im Widerspruch zu ihr in die Hand zu nehmen, die bereit gewesen w\u00e4re, sie nicht nur mit ganzer Kraft vorw\u00e4rtszusto\u00dfen, sondern auch im entscheidenden Moment ihren politischen Leichnam aus dem Wege zu r\u00e4umen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Weder das Kleinb\u00fcrgertum noch die Bauernschaft war hierzu f\u00e4hig.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Das st\u00e4dtische <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">Kleinb\u00fcrgertum<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> stand nicht nur dem Gestern, sondern auch dem Morgen feindselig gegen\u00fcber. Noch immer war es eingezw\u00e4ngt in mittelalterliche Verh\u00e4ltnisse \u2013 aber schon unf\u00e4hig, sich gegen\u00fcber der \u201efreien\u201c Industrie zu behaupten; noch pr\u00e4gte es die Z\u00fcge der St\u00e4dte \u2013 aber es trat bereits seinen Einflu\u00df an die mittlere und gro\u00dfe Bourgeoisie ab; ertr\u00e4nkt in seinen Vorurteilen, bet\u00e4ubt vom L\u00e4rm der Ereignisse, ausgebeutet und selbst ausbeutend, gierig und hilflos in seiner Gier, konnte die zur\u00fcckgebliebene Kleinbourgeoisie nicht an der Spitze der Weltereignisse stehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Der <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">Bauernschaft<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> fehlte in noch gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe eine selbst\u00e4ndige politische Initiative. Seit Jahrhunderten geknechtet, verarmt, w\u00fctend, in sich alle F\u00e4den der alten wie der neuen Ausbeutung vereinend, stellte die Bauernschaft in einem bestimmten Moment eine reiche Quelle chaotischer revolution\u00e4rer Kraft dar. Aber zersplittert, verstreut, zur\u00fcckgeworfen von den St\u00e4dten, den Nervenzentren von Politik und Kultur, stumpf, in ihrem Gesichtskreis auf die n\u00e4chste Umgebung beschr\u00e4nkt, gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber allen st\u00e4dtischen Gedanken, konnte der Bauernschaft keine Bedeutung als f\u00fchrende Kraft zukommen. Sie gab Ruhe, sobald nur die B\u00fcrde der feudalen Verpflichtungen von ihr genommen war, und sie lohnte es der Stadt, die f\u00fcr ihre Rechte gek\u00e4mpft hatte, mit krasser Undankbarkeit: die befreiten Bauern wurden zu Fanatikern der \u201eOrdnung\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">demokratische Intelligenz,<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> ohne die Macht einer Klasse, hing bald als eine Art politischer Nachhut im Schlepptau ihrer \u00e4lteren Schwester, der liberalen Bourgeoisie; dann wieder trennte sie sich von ihr in kritischen Momenten, um ihre eigene Ohnmacht unter Beweis zu stellen. Sie verfing sich selbst in unl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcchen und trug diese Verwirrung \u00fcberall mit sich herum.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Das <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">Proletariat<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> war zu schwach, war ohne Organisation, ohne Erfahrung und Wissen. Die kapitalistische Entwicklung war weit genug gegangen, um die Abschaffung der alten feudalen Verh\u00e4ltnisse notwendig zu machen, aber nicht weit genug, um die Arbeiterklasse, das Produkt der neuen Produktionsverh\u00e4ltnisse, als eine entscheidende politische Kraft hervortreten zu lassen. Der Antagonismus zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie hatte sich selbst im nationalen Rahmen Deutschlands zu weit entwickelt, als da\u00df es der Bourgeoisie noch m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, furchtlos in der Rolle eines nationalen Vork\u00e4mpfers zu figurieren, aber nicht weit genug, als da\u00df diese Rolle vom Proletariat h\u00e4tte \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen. Die inneren Reibungen der Revolution bereiteten das Proletariat zwar auf die politische Selbst\u00e4ndigkeit vor, schw\u00e4chten aber zugleich die Energie und Geschlossenheit der Aktion, lie\u00dfen die Kr\u00e4fte fruchtlos vergeuden und zwangen die Revolution, nach den ersten Erfolgen unt\u00e4tig auf der Stelle zu treten, um dann unter den Schl\u00e4ger der Reaktion den R\u00fcckzug anzutreten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00d6sterreich hat ein besonders klares und tragisches Musterbeispiel f\u00fcr diese Unreife und Unabgeschlossenheit politischer Verh\u00e4ltnisse in der Revolutionsperiode geliefert.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Wiener <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">Proletariat<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> zeigte 1848 einen erstaunlichen Heroismus und unersch\u00f6pfliche Energie. Wieder und wieder ging es in das Feuer, allein getrieben von einem dumpfen Klasseninstinkt, ohne eine allgemeine Vorstellung von den Zielen des Kampfes; es tastete sich von einer Losung zur anderen. Die F\u00fchrung des Proletariats ging \u2013 erstaunlicherweise \u2013 auf die <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">Studentenschaft<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> \u00fcber, die einzige aktive <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">demokratische Gruppe,<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> die dank ihrer Aktivit\u00e4t einen gro\u00dfen Einflu\u00df auf die Massen und folglich auch auf die Ereignisse hatte. Die Studenten konnten zweifellos tapfer auf den Barrikaden k\u00e4mpfen und sich ehrenvoll mit den Arbeitern verbr\u00fcdern, aber sie waren v\u00f6llig unf\u00e4hig, dem Fortgang der Revolution, der ihnen die \u201eDiktatur\u201c der Stra\u00dfe \u00fcbergeben hatte, die Richtung zu weisen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Proletariat, zersplittert, ohne politische Erfahrung und ohne selbst\u00e4ndige politische F\u00fchrung, folgte den Studenten. In jedem kritischen Augenblick boten die Arbeiter unbeirrbar den \u201eHerren, die mit dem Kopf arbeiten\u201c die Hilfe derer an, \u201edie mit ihren H\u00e4nden arbeiten\u201c. Einmal riefen die Studenten die Arbeiter zusammen, dann wieder versperrten sie ihnen den Weg in das Stadtzentrum. Mitunter verboten sie ihnen kraft ihrer politischen Autorit\u00e4t, die auf den Waffen der akademischen Legion beruhte, eigene selbst\u00e4ndige Forderungen zu erheben. Es war dies die klassisch-klare Form der wohlwollenden revolution\u00e4ren Diktatur <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">\u00fcber<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> das Proletariat.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Folgendes war das Ergebnis dieser gesellschaftlichen Umst\u00e4nde. Als am 26. Mai alle Arbeiter Wiens dem Ruf der Studenten folgten und sich auf die Beine machten, um gegen die Entwaffnung der Studentenschaft (der \u201eakademischen Legion\u201c) zu k\u00e4mpfen, als die Bev\u00f6lkerung der Hauptstadt, die alles mit Barrikaden \u00fcbers\u00e4te, sich als erstaunlich m\u00e4chtig erwies und von der ganzen Stadt Besitz ergriffen hatte, als hinter dem bewaffneten Wien \u00d6sterreich stand, als die Monarchie, die sich auf der Flucht befand, jede Bedeutung verloren hatte, als auf den Druck des Volkes hin auch die letzten Truppen aus der Hauptstadt abgezogen worden waren, als die Regierungsmacht \u00d6sterreichs ein herrenloses Gut war \u2013 da fand sich keine politische Kraft, das Steuer zu \u00fcbernehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">liberale Bourgeoisie<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> wollte die Macht bewu\u00dft nicht \u00fcbernehmen, die auf so r\u00e4uberischem Weg \u00fcbernommen worden war. Sie tr\u00e4umte nur von der R\u00fcckkehr des Kaisers, der sich aus dem verwaisten Wien nach Tirol zur\u00fcckgezogen hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">Arbeiter<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> waren tapfer genug, die Reaktion zu zerschlagen, aber nicht organisiert und bewu\u00dft genug, um deren Erbe anzutreten. Es gab eine kraftvolle Arbeiterbewegung, aber noch keinen entwickelten Klassenkampf des Proletariats, der sich bestimmte politische Ziele gesetzt h\u00e4tte. Unf\u00e4hig, selbst das Ruder zu ergreifen, konnte das Proletariat zu dieser gro\u00dfen historischen Tat auch nicht die b\u00fcrgerliche Demokratie bewegen, die sich \u2013 wie schon so oft \u2013 im entscheidenden Augenblick versteckte. Um diesen Feigling zur Erf\u00fcllung seiner Pflichten zu zwingen, h\u00e4tte das Proletariat auf jeden Fall nicht weniger Kraft und Reife ben\u00f6tigt als f\u00fcr die Organisation einer eigenen provisorischen Arbeiterregierung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Alles in allem war es eine Situation, die ein Zeitgenosse v\u00f6llig zutreffend mit den Worten charakterisiert: \u201eIn Wien war tats\u00e4chlich die Republik errichtet worden, aber ungl\u00fccklicherweise bemerkte dies niemand\u201c &#8230; Die Republik, von niemandem zur Kenntnis genommen, verschwand f\u00fcr lange Zeit von der Bildfl\u00e4che und gab den Habsburgern den Weg frei &#8230; Eine einmal verpa\u00dfte Gelegenheit kehrt nicht ein zweites Mal wieder.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Aus den Erfahrungen der ungarischen und deutschen Revolution zog Lassalle den Schlu\u00df, da\u00df sich die Revolution von nun an nur noch auf den Kassenkampf des Proletariats st\u00fctzen kann.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">In seinem Brief an Marx vom 24. Oktober 1849 schreibt Lassalle: \u201eUngarn hatte mehr als jedes andere Land die Chance, den Kampf gl\u00fccklich zu vollenden. Unter anderen Gr\u00fcnden aber auch deswegen, weil die Parteien dort noch nicht zu der bestimmten Trennung, zu dem scharfen Gegensatz gekommen waren wie in Westeuropa, weil die Revolution dort noch wesentlich in die Form eines nationalen Unabh\u00e4ngigkeitskampfes eingeh\u00fcllt war. Dennoch unterlag Ungarn, und zwar gerade durch den Verrat der <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">nationalen<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> Partei.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eDaher\u201c, f\u00e4hrt Lassalle im Zusammenhang der Geschichte Deutschlands w\u00e4hrend der Jahre 1848 und 1849 fort, \u201ehabe ich die unersch\u00fctterliche Lehre gezogen, da\u00df kein Kampf mehr in Europa gl\u00fccken kann, der nicht von vornherein ein prononziert <\/span><i><span style=\"color: #000000;\">rein sozialistischer<\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"> ist; da\u00df kein Kampf mehr gl\u00fccken wird, der die sozialen Fragen blo\u00df als dunkles Element, als an sich seienden Hintergrund in sich tr\u00e4gt und \u00e4u\u00dferlich in der Form einer nationalen Erhebung oder des Bourgeoisrepublikanismus auftritt.\u201c <\/span><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm#n6\"><span style=\"color: #0000ff;\">[6]<\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir werden uns nicht bei der Kritik dieser entscheidenden Schlu\u00dffolgerungen aufhalten. Auf jeden Fall haben sie darin unbedingt recht, da\u00df schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts die nationale Aufgabe der politischen Emanzipation nicht durch den einm\u00fctigen und homogenen Druck der ganzen Nation gel\u00f6st werden konnte. Nur die unabh\u00e4ngige Taktik des Proletariats, das die Kraft f\u00fcr den Kampf aus seiner Klassenlage und nur aus ihr sch\u00f6pfte, h\u00e4tte den Sieg der Revolution gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die russische Arbeiterklasse des Jahres 1906 gleicht in keiner Weise der Wiener Arbeiterklasse von 48. Und der beste Beweis daf\u00fcr ist die allrussische Praxis der Sowjets der Arbeiterdeputierten. Das waren keine genau vorbereiteten Verschw\u00f6rerorganisationen, die in einem Moment der Erregung die Macht \u00fcber die proletarische Masse ergriffen hatten. Nein, das waren Organe, die von dieser Masse selbst planm\u00e4\u00dfig zur Koordinierung ihres revolution\u00e4ren Kampfes geschaffen wurden. Und diese, von der Masse gew\u00e4hlten und der Masse verantwortlichen Sowjets, diese unbedingt demokratischen Einrichtungen, f\u00fchren eine \u00e4u\u00dferst entscheidende Klassenpolitik im Geiste des revolution\u00e4ren Sozialismus.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die gesellschaftlichen Besonderheiten der russischen Revolution erscheinen besonders deutlich in der Frage der Bewaffnung des Volkes. Eine Miliz (Nationalgarde) war die erste Losung und die erste Errungenschaft aller Revolutionen \u2013 1789 und 1848 \u2013 in Paris, in allen Staaten Italiens, in Wien und Berlin. Im Jahre 48 war die Nationalgarde (d.\u00a0h. die Bewaffnung der Besitzenden und \u201eGebildeten\u201c) eine Losung der gesamten b\u00fcrgerlichen Opposition, selbst der gem\u00e4\u00dfigtsten, aber ihre Aufgabe war nicht nur, die gewonnenen oder nur \u201egew\u00e4hrten\u201c Freiheiten gegen die Umsturzversuche von oben zu sch\u00fctzen, sondern auch, das b\u00fcrgerliche Eigentum gegen die \u00dcbergriffe des Proletariats abzusichern. Das Verlangen nach einer Miliz war somit eine klare Klassenforderung der Bourgeoisie. \u201eDie Italiener wu\u00dften sehr wohl\u201c, bemerkt der liberale englische Historiker der italienischen Einigung, \u201eda\u00df die Bewaffnung der zivilen Miliz ein Fortbestehen des Despotismus unm\u00f6glich machen w\u00fcrde. Au\u00dferdem war sie eine Garantie f\u00fcr die besitzenden Klassen gegen eine m\u00f6gliche Anarchie und jede Art von Volksunruhen.\u201c <\/span><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm#na\"><span style=\"color: #0000ff;\">[A]<\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\"> Und die herrschende Reaktion, die in den wichtigsten Zentren nicht \u00fcber gen\u00fcgend Milit\u00e4rmacht verf\u00fcgte, um es mit der \u201eAnarchie\u201c, d.\u00a0h. mit der revolution\u00e4ren Masse aufnehmen zu k\u00f6nnen, bewaffnete die Bourgeoisie. Der Absolutismus \u00fcberlie\u00df es zun\u00e4chst den B\u00fcrgern, die Arbeiter zu unterdr\u00fccken und zu befrieden, und dann entwaffnete und befriedete er die B\u00fcrger selbst.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Bei uns findet die Forderung nach einer Miliz nicht die geringste Unterst\u00fctzung bei den b\u00fcrgerlichen Parteien. Eigentlich k\u00f6nnen die Liberalen nicht umhin, die Bedeutung der Bewaffnung zu verstehen: der Absolutismus hat ihnen in dieser Hinsicht einige anschauliche Lektionen erteilt. Aber sie verstehen auch, da\u00df es bei uns absolut unm\u00f6glich ist, eine Miliz ohne oder gegen das Proletariat aufzustellen. Die russischen Arbeiter haben wenig \u00c4hnlichkeit mit den Arbeitern von 48, die ihre Taschen mit Steinen vollstopften und Brecheisen zur Hand nahmen, w\u00e4hrend die H\u00e4ndler, Studenten und Advokaten k\u00f6nigliche Musketen geschultert und S\u00e4bel an der Seite hatten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Revolution zu bewaffnen, bedeutet bei uns vor allem die Bewaffnung der Arbeiter. Da die Liberalen dies wissen und f\u00fcrchten, haben sie \u00fcberhaupt auf die Miliz verzichtet. Kampflos \u00fcberlassen sie dem Absolutismus diese Positionen geradeso wie der Bourgeois Thiers Paris und Frankreich Bismarck \u00fcberlie\u00df, um nur nicht die Arbeiter zu bewaffnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">In der Aufsatzsammlung <\/span><b><span style=\"color: #000000;\">Der konstitutionelle Staat,<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"> dem Manifest der liberal-demokratischen Koalition, sagt Herr Dschiwelegow in seiner Er\u00f6rterung der M\u00f6glichkeit eines Staatsstreiches ganz richtig, da\u00df \u201edie Gesellschaft im entscheidenden Augenblick selbst die Bereitschaft zeigen mu\u00df, sich zum Schutz ihrer Verfassung zu erheben\u201c. Da sich aber daraus ganz von selbst die Forderung nach der Bewaffnung des Volkes ergibt, h\u00e4lt der liberale Philosoph es hier f\u00fcr \u201enotwendig hinzuzuf\u00fcgen\u201c, da\u00df es f\u00fcr die Abwehr von Staatsstreichen \u201enicht im geringsten notwendig ist, da\u00df jedermann die Waffen bereithalten m\u00fc\u00dfte\u201c. <\/span><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm#nb\"><span style=\"color: #0000ff;\">[B]<\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\"> Notwendig sei nur, da\u00df die Gesellschaft selbst zum Widerstand bereit sei. Auf welchem Wege, das bleibt unbekannt. Wenn aus diesen Ausreden \u00fcberhaupt etwas folgt, dann nur, da\u00df in den Herzen unserer Demokraten die Furcht vor dem bewaffneten Proletariat die Furcht vor der Soldateska der Autokratie besiegt hat.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">So f\u00e4llt die Aufgabe, die Revolution zu bewaffnen, in ihrer ganzen Last dem Proletariat zu. Und die zivile Miliz, die Klassenforderung der Bourgeoisie von 48, tritt bei uns von Anfang an als die Forderung nach der Bewaffnung des Volkes und vor allem des Proletariats auf. In dieser Frage enth\u00fcllt sich das ganze Schicksal der russischen Revolution.<\/span><\/span><\/p>\n<p><b><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Fu\u00dfnoten von Trotzki<\/span><\/span><\/b><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm#fa\"><span style=\"color: #0000ff;\">A.<\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\"> Bol\u2019ton King, <\/span><b><span style=\"color: #000000;\">Istorija obedinenija Italii [Geschichte der Einigung Italiens<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\">], Moskau, Bd.\u00a01, S.\u00a0220.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm#fb\"><span style=\"color: #0000ff;\">B. <\/span><\/a><b><span style=\"color: #000000;\">Konstituzionnoje gosudarstwo,<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"> sbornik statej <\/span><b><span style=\"color: #000000;\">[Der konstitutionelle Staat,<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"> Aufsatzsammlung], 1.\u00a0Aufl., S.\u00a049.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><b><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Anmerkungen<\/span><\/span><\/b><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm#f5\"><span style=\"color: #0000ff;\">5. <\/span><\/a><b><span style=\"color: #000000;\">Lutetia,<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"> Berichte \u00fcber Politik, Kunst und Volksleben, Brief vom 30. April 1840, in: H. Heine, <\/span><b><span style=\"color: #000000;\">Werke und Briefe,<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"> Berlin 1962, Bd.\u00a06, S.\u00a0268.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm#f6\"><span style=\"color: #0000ff;\">6.<\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\"> vgl. Ferdinand Lassalle, <\/span><b><span style=\"color: #000000;\">Nachgelassene Briefe und Schriften,<\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"> Dritter Band, ed. G. Mayer, Stuttgart-Berlin 1922, S.\u00a014<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><cite><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Quelle: <\/span><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/3-1789.htm\"><span style=\"color: #0000ff;\">Ergebnisse und Perspektiven (1906), Kapitel 3<\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\"> vom 19. Januar 2017<\/span><\/span><\/cite><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Calibri;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte wiederholt sich nicht. Wie oft man auch die russische Revolution [von 1905] mit der Gro\u00dfen Franz\u00f6sischen Revolution vergleichen mag, die eine wird dadurch noch lange nicht eine blo\u00dfe Wiederholung der zweiten. 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