{"id":1860,"date":"2017-01-21T16:32:15","date_gmt":"2017-01-21T14:32:15","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1860"},"modified":"2017-01-21T16:32:15","modified_gmt":"2017-01-21T14:32:15","slug":"aktuelle-ansatzpunkte-solidarischer-politik-mit-kurdistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1860","title":{"rendered":"Aktuelle Ansatzpunkte solidarischer Politik mit Kurdistan"},"content":{"rendered":"<p>Noch vor zwei Jahren, im Fr\u00fchjahr 2015, haben wir als Kampagne dar\u00fcber diskutiert, ob wir nicht unseren Namen und unser Selbstverst\u00e4ndnis \u00e4ndern sollten. \u201eTATORT Kurdistan\u201c sei doch nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Die urspr\u00fcngliche inhaltliche Konzentration auf die Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland und der deutschen Wirtschaft an den Verbrechen in Kurdistan w\u00e4re einem positiven Bezug unsererseits auf die Ideen des Demokratischen Konf\u00f6deralismus und das Projekt der Demokratischen Autonomie gewichen. Heute, anderthalb Jahre sp\u00e4ter, zeigt sich, dass die Gr\u00fcnde, die uns 2010 dazu bewegt hatten, die Kampagne TATORT Kurdistan ins Leben zu rufen, aktueller nicht sein k\u00f6nnten, der Name nicht treffender.<\/p>\n<p>Mit dem folgenden Beitrag wollen wir einige Aspekte unserer Arbeit darstellen und Handlungsm\u00f6glichkeiten linker Politik aufzeigen, die wir wichtig finden. \u00dcber R\u00fcckmeldungen freuen wir uns immer und laden alle solidarischen Interessierten zur Mit- und Zusammenarbeit ein.<\/p>\n<p>Bei den ersten Parlamentswahlen im Juni 2015 hatte die HDP (Demokratische Partei der V\u00f6lker) die 10%-Wahlh\u00fcrde deutlich geknackt und war als erste multiethnische und -religi\u00f6se, linke Partei ins Parlament der T\u00fcrkei eingezogen. Sie hatte im Zuge des Dialogs zwischen der Regierung und der PKK (Arbeiterpartei Kurdistan) ab Ende 2012 immer mehr Zustimmung in der Gesellschaft der T\u00fcrkei und der internationalen \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr ihr politisches Projekt erhalten: ein autonomes Kurdistan als Teil u.a. einer radikal demokratischen, pluralistischen T\u00fcrkei. W\u00e4hrenddessen hatte sich die AKP (Partei f\u00fcr Entwicklung und Gerechtigkeit) mit ihrem r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten und einf\u00f6rmigen (monistischem) Denken in eine politische Sackgasse man\u00f6vriert. In dieser Situation hatte die AKP nicht l\u00e4nger Interesse an einer politischen L\u00f6sung des Konflikts, brach den Dialog (bereits im April 2015) ab und eskalierte dann im Juli den Krieg in Kurdistan erneut. Seitdem verfolgt sie ihr Ziel, ein Pr\u00e4sidialregime einzurichten, noch viel aggressiver.<\/p>\n<p>Diese Z\u00e4sur f\u00fchrt deutlich vor Augen, dass das Demokratiedefizit der T\u00fcrkei und die mit ihm verbundene Gewalt als Mittel, gesellschaftliche Fragen zu l\u00f6sen, Ursachen der kurdischen Frage und des Konflikts sind und nicht deren Resultate.<\/p>\n<p>Die Regierung Erdo\u011fan h\u00e4tte es in der Hand gehabt, eine tiefgreifende Demokratisierung der T\u00fcrkei zuzulassen, was die Freiheitsbewegung Kurdistans \u2013 allen voran der PKK-Vorsitzende Abdullah \u00d6calan \u2013 seit Jahren fordert. Im Zuge dessen w\u00e4re eine dauerhafte politische L\u00f6sung des Konflikts m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Stattdessen wurden ein Dutzend kurdische St\u00e4dte (teilweise) im Wortsinn dem Erdboden gleich gemacht. \u00dcber 300 Zivilist*innen wurden dabei unter Missachtung jeglicher Menschlichkeit get\u00f6tet. 500.000 Menschen haben ihre Bleibe verloren und befinden sich auf der Flucht oder in improvisierten Camps au\u00dferhalb der St\u00e4dte. Diese offenkundige Vernichtungsstrategie des t\u00fcrkischen Staats rechtfertigen keine Selbstmordanschl\u00e4ge wie die der TAK (Freiheitfalken Kurdistans), stellen aber unbestreitbar Motive dar. Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller.<\/p>\n<p>Gerade diejenigen, die sich f\u00fcr Frieden und den Prozess einer politischen L\u00f6sung einsetzen, sind von der Zerschlagung der Zivilgesellschaft am st\u00e4rksten betroffen. Die basisdemokratischen Strukturen der Selbstverwaltung in den kurdischen St\u00e4dten wurden als Erstes im August 2015 angegriffen. Mittlerweile sind nahezu alle zivilgesellschaftlichen Organisationen und kritischen Medien in Nordkurdistan verboten. Akademiker*innen, die zum Frieden aufgerufen haben, werden immer noch verfolgt, entlassen oder suspendiert. Etwa 75 gew\u00e4hlte Kob\u00fcrgermeister*innen wurden mittlerweile abgesetzt und ihre Kommunen unter Zwangsverwaltung gestellt. Damit ist ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Kommunen, die von der DBP (Partei der Demokratischen Regionen) verwaltet werden, von den kolonialistischen Zwangsma\u00dfnahmen betroffen.<\/p>\n<p>Kommunale Infrastruktur und Hilfsorganisationen wie der Rojava-Hilfsverein oder der Verein zur Armutsbek\u00e4mpfung Sarma\u015fik in Amed\/Diyarbakir k\u00f6nnen die notwendigen Arbeiten nicht weiter fortsetzen. Ihre bisherige Leistung, der staatlich bewusst gef\u00f6rderten Armut eine selbstorganisierte, ideelle und materielle Unterst\u00fctzung entgegenzusetzen, kann nur unzureichend aufgefangen werden. Auf mehreren Ebenen wird dadurch die seit Jahrzehnten angestrebte und teilweise schon umgesetzte Politik der kapitalistischen Urbarmachung, ideologischen Assimilierung und der Entv\u00f6lkerung von Kurd*innen ein weiteres Mal intensiviert. Darum wurden Projekte wie das der \u201eFamilienpatenschaften\u201c f\u00fcr die vom Krieg in Nordkurdistan betroffenen Menschen entwickelt. Der Kontakt zu Familien, die ihr Zuhause durch die Angriffe des Milit\u00e4rs verloren haben, wird direkt hergestellt. Das Geld (mindestens 150,00 Euro im Monat) wird unmittelbar z.B. aus Deutschland per Geld-Transfer an die betroffene Familie geschickt, ohne eine Bank oder Organisation zwischenzuschalten, die das Geld (teilweise) abgreifen k\u00f6nnten. Auf diese Weise l\u00e4uft die Armut, die das AKP-Regime als Waffe gegen die Gesellschaft einsetzt, zumindest tempor\u00e4r und l\u00fcckenhaft ins Leere. Zudem besteht die <a href=\"http:\/\/civaka-azad.org\/nothilfe-fuer-kurdistan-projekt-familienpatenschaften-jetzt-erst-recht\/\">M\u00f6glichkeit eines direkten Austausches mit den Menschen in Nordkurdistan<\/a>, die mit der entgegengebrachten Solidarit\u00e4t eine konkrete Person in Verbindung bringen k\u00f6nnen und sich nicht ganz verlassen f\u00fchlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Den Parlamentarier*innen der HDP, die im Dialogprozess eine Vermittler*innenrolle innehatten und immer wieder Sprachrohr f\u00fcr die prokurdische Friedensbewegung waren, wurde die Immunit\u00e4t aberkannt. Seitdem wurden bereits 12 Parlamentarier*innen inhaftiert, teilweise wieder entlassen und wieder festgenommen. Zur Zeit sind 11 Abgeordnete in Haft. Mit ihrer Situation sowie der der festgenommenen Kob\u00fcrgermeister*innen, Anw\u00e4lt*innen, Aktivist*innen, Journalist*innen, Akademiker*innen uvm. \u2013 kurz, den politischen Gefangenen \u2013 besch\u00e4ftigt sich insbesondere die Kampagne <a href=\"http:\/\/demokratiehintergittern.blogsport.de\/\">\u201eDemokratie hinter Gittern\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>Wie im Wahlkampf 2015 haben auch in den letzten Wochen faschistische Mobs u.a. weitere HDP-B\u00fcros angegriffen und verw\u00fcstet. Diejenigen, von denen die Hetze und gewaltsamen Angriffe ausgehen, verstecken sich dabei nicht einmal, sondern sch\u00fcren die Pogrom-Stimmung offen in den \u201esozialen\u201c Netzwerken, \u00fcber staatliche Medien und auf den Stra\u00dfen. Der Schulterschluss zwischen AKP und MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung) vollzieht sich nicht nur im Parlament, wo sie f\u00fcr den Krieg, das Pr\u00e4sidialsystem und die Islamisierung der Gesellschaft eintreten, sondern findet seinen Ausdruck auch im aufgeheizten Mob auf der Stra\u00dfe oder in den polizeilichen wie milit\u00e4rischen Einsatzkr\u00e4ften, die in Rhetorik und Taten regelm\u00e4\u00dfig nationalistisch und offen faschistisch auftreten. \u00d6ffentlichkeitswirksame Aufrufe gegen das Feiern von Weihnachten oder Silvester, ihre Deklarierung als \u201eunt\u00fcrkische\u201c Feste, sind dabei noch die harmloseren Aktionen. AKP und MHP sch\u00fcren bewusst \u00f6ffentlich die nationalistische und rassistische Stimmung in der Bev\u00f6lkerung, um ihre Politik durchzusetzen und den anhaltenden Krieg zu legitimieren. Der sich im Umbau befindende Staatsapparat steht mit einem Bein in einer faschistischen T\u00fcrkei neuester Auspr\u00e4gung.<\/p>\n<p>Auch in der BRD und Europa haben der t\u00fcrkische Staat und ihm nahestehende Gruppen diesen Weg eingeschlagen. Nach dem Mord an den drei kurdischen Aktivistinnen Sakine Cans\u0131z, Fidan Do\u011fan und Leyla \u015eaylemez am 09.01.2013 in Paris hat der t\u00fcrkische Geheimdienst M\u0130T seine Arbeit in Europa und der BRD weiter intensiviert, hiesige Beh\u00f6rden haben dagegen nichts unternommen. Neuere Berichte von Mordkommandos des M\u0130T, die vom Staat auf kurdische Politiker*innen und Aktivist*innen angesetzt werden, sind nur die Spitze des Eisbergs. 6.000 Informant*innen des M\u0130T sollen allein in der BRD aktiv sein. Dabei handelt es sich nicht nur um Schl\u00e4ferzellen ausgebildeter Auftragsm\u00f6rder, wie zuletzt in Bremen und Hamburg aufgedeckt wurde.<\/p>\n<p>Die AKP-nahen Lobbyorganisationen haben sich in den letzten Jahren neu aufgestellt. Die D\u0130T\u0130B (T\u00fcrkisch-Islamische Union der Anstalt f\u00fcr Religion) untersteht als Dachverband der \u201et\u00fcrkischen\u201c Moscheen in der BRD direkt dem Religionsministerium in Ankara (Diyanet). Seit dem Fl\u00fcgelkampf im Lager des politischen Islams zwischen der AKP und der G\u00fclen-Gemeinde ab 2012 wurde die D\u0130T\u0130B, wie auch andere staatliche Strukturen, immer mehr auf Linie gebracht. Der Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK) und die Studierenden Frauen aus Kurdistan (JXK) haben im Herbst eine \u00d6ffentlichkeitskampagne gestartet, um \u00fcber die D\u0130T\u0130B aufzukl\u00e4ren. Sie k\u00f6nnen f\u00fcr Informationen und Veranstaltungen zum Thema angefragt werden (info@yxkonline.de). Doch gerade aufgrund dieser Kampagne schl\u00e4gt der YXK\/JXK ein immer rauerer Wind an den Unis und Hochschulen entgegen. \u201eT\u00fcrkische Kommiliton*innen f\u00fchlten sich provoziert\u201c oder \u201edie Uni stelle Terror-Unterst\u00fctzer*innen ihre R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung\u201c, hei\u00dft es h\u00e4ufig in konzertierten Protestschreiben an die akademischen Einrichtungen. Diese knicken dann oft ein, anstatt sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich kritisch und selbstbewusst zu positionieren. Neben der D\u0130T\u0130B ist die UETD (Union of European Turkish Democrats) eine klassische Lobbyorganisation der AKP, die deren Propaganda in die europ\u00e4ische \u00d6ffentlichkeit tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Auch alte Faschisten wie die Grauen W\u00f6lfe (Bozkurtlar) der MHP und Kemalisten wie die TGB (T\u00fcrkiye Gen\u00e7lik Birli\u011fi\/T\u00fcrkischer Jugendbund) kommen seit Beginn des nationalistischen Taumels in der T\u00fcrkei im Sommer 2015 wieder aus ihren L\u00f6chern gekrochen. Sie tragen ihre menschenverachtende Ideologie immer offener auf die Stra\u00dfe, werden dabei von den t\u00fcrkischen Konsulaten unterst\u00fctzt und schmieden an ihrer nationalistischen Allianz bis weit in das nationalistische Lager der vermeintlich sozialdemokratischen CHP (kemalistische Republikanische Volkspartei). Sie sind teilweise gut verankert in den Kommunalparlamenten und \u201eIntegrations-\u201c oder \u201eAusl\u00e4nder*innenbeir\u00e4ten\u201c, sind Partei- und Gewerkschaftsmitglieder. Wichtig finden wir, nicht in ein allgemeines Erdo\u011fan-, T\u00fcrk*innen- oder Muslim*innen-Bashing einzustimmen, sondern uns selbst mit (nicht nur) rechten Inhalten innerhalb migrantischer Communities auseinanderzusetzen, sie zu verstehen und ihnen Argumente entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>Dabei stehen wir nicht allein, denn gegen eben diese nationalistischen Tendenzen entwickelt sich in den t\u00fcrkeist\u00e4mmigen, alevitischen und kurdischen Communities in Europa Widerstand. Sie orientieren sich einerseits an den Erfolgen der HDP und organisieren sich andererseits gegen den aufkommenden Nationalismus in der t\u00fcrkischen Gesellschaft. Mit dem HDK-A (Kongress der Demokratischen V\u00f6lker \u2013 Europa) haben sie sich Ende 2016 eine Dachstruktur gegeben und bilden nun lokale HDK-A Plattformen, um die Zusammenarbeit der Gruppen und Gemeinschaften zu st\u00e4rken und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Diese Strukturen sind f\u00fcr Linke in der BRD prinzipiell strategische Partner*innen und sollten bewusster unterst\u00fctzt werden, um sie sichtbarer in lokale Organisierungsprozesse und antifaschistische oder antikapitalistische B\u00fcndnisse \u2013 z.B. die anstehenden G20-Proteste \u2013 einzubeziehen und die Spaltung innerhalb linker Strukturen und der ihr angeh\u00f6rigen Gesellschaft zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Die Chancen, die f\u00fcr eine Linke in Europa darin liegen, sieht der deutsche Staat nat\u00fcrlich als Gefahr f\u00fcr sich an. Im Verfassungsschutzbericht 2015 wird die Kurdistan-Solidarit\u00e4t in b\u00fcrokratischem Staatsschutzsprech als \u201eklassisches Agitationsfeld deutscher Linksextremisten\u201c bezeichnet. Vermeintliche PKKler*innen werden entgegen jeglicher politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre auch in der BRD verfolgt, seit 2010 sogar als \u201eTerrorist*innen\u201c. Das Feindstrafrecht der \u201eTerrorismus\u201c-Gesetze (\u00a7\u00a7 129 ff. StGB) wird nunmehr sogar auf die bisher in der BRD legal arbeitende TKP\/ML (Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\/Marxistisch-Leninistisch) ausgeweitet; in M\u00fcnchen werden gleich zehn Aktivist*innen der ATIK (Konf\u00f6deration der Arbeiter*innen aus der T\u00fcrkei in Europa) angeklagt. \u00dcber die laufenden \u00a7 129b-Verfahren gegen Kurd*innen u.a. in Hamburg, Stuttgart, Berlin berichtet der Blog <a href=\"https:\/\/freiheit.blackblogs.org\/\">https:\/\/freiheit.blackblogs.org\/<\/a><\/p>\n<p>Auch Organisationen, die Betroffene und bereits Verurteilte ideell und materiell unterst\u00fctzen, sind von der Repression nicht ausgenommen. Der Rechtshilfefonds Azad\u00ee e.V. wird im Verfassungsschutzbericht 2015 unter dem Abschnitt zur PKK als \u201ewichtiges Beobachtungsobjekt\u201c aufgef\u00fchrt. Im Unabh\u00e4ngigen Jugendzentrum Kornstra\u00dfe in Hannover fand am 11.02.2016 eine Razzia wegen angeblicher PKK-Unterst\u00fctzung statt. Jugendliche sind z.B. im Rahmen von Protesten, Veranstaltungen, aber auch zu Hause vermehrt der Repression ausgesetzt. Das PKK-Verbot trifft auf diese Weise unmittelbar auch viele andere Gruppen und Menschen, die sich dessen erst mal nicht bewusst sind. Es ist nach wie vor die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde, die eine Teilhabe kurdischer (Selbst-) Organisationen an der Zivilgesellschaft verhindert und ist damit Ausdruck eines Demokratiedefizits der BRD. Eine kritische, gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der PKK wird immer noch verunm\u00f6glicht, politische Kan\u00e4le f\u00fcr eine L\u00f6sung des Kurdistan-Konflikts bleiben verschlossen. Mit diesem Tabu bricht die <a href=\"https:\/\/pkk-verbot-aufheben.blackblogs.org\/\">Kampagne \u201ePKK? Na klar!\u201c<\/a>. Sie dokumentiert das Verwenden der inkriminierten Symbole der PKK und will so R\u00e4ume er\u00f6ffnen, die auch f\u00fcr eine kritische Auseinandersetzung mit der PKK genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die BRD ist der Kurdistan-Konflikt aber nicht nur ein innenpolitisches Thema. Als imperialistische Kraft entwickelt sie eine immer eigenst\u00e4ndigere politische und milit\u00e4rische Linie im Nahen und Mittleren Osten (NMO). Die Bundeswehr steht mit Patriot-Raketen an der t\u00fcrkisch-syrischen Grenze, bewaffnet und trainiert Pe\u015fmerga-K\u00e4mpfer der undemokratischen und konservativen PDK (Demokratische Partei Kurdistan) in S\u00fcdkurdistan, liefert Daten von Tornado- und AWACS-Aufkl\u00e4rungsflugzeugen \u00fcber Syrien an NATO-Verb\u00fcndete und verkauft (nicht nur) \u00fcber die T\u00fcrkei und Saudi Arabien diverse Waffen in die Region. Gegen die Waffenexporte aus der BRD unterst\u00fctzt die Kampagne TATORT Kurdistan als Mitglied die <a href=\"http:\/\/www.aufschrei-waffenhandel.de\/\">\u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>Der EU-T\u00fcrkei-Deal im Jahr 2015 zur Abwehr von fl\u00fcchtenden Menschen wurde ma\u00dfgeblich von der Bundesregierung gestaltet. W\u00e4hrend die t\u00fcrkische Zivilgesellschaft zerschlagen und nordkurdische St\u00e4dte zerst\u00f6rt wurden, legte die Bundesregierung weitere Grundsteine ihrer NMO-Strategie. Die Milliarden an Euros, die daf\u00fcr gezahlt werden, sind eine Schwachstelle dieser Politik und kein Geheimnis, auch wenn die Bundesregierung versucht sie wegzuschweigen. Die Breite der Gesellschaft in der BRD lehnt die Zahlungen an das kriegsf\u00fchrende AKP-Regime und den EU-T\u00fcrkei-Deal ab. Als TATORT Kurdistan wollen wir die diesbez\u00fcglich bestehenden Widerspr\u00fcche aufzeigen und vertiefen, um den Druck auf die BRD zu erh\u00f6hen, den Deal und die weitere Unterst\u00fctzung des AKP-Regimes einzustellen. Darin sehen wir nicht nur einseitige Kurdistan-Solidarit\u00e4t, sondern einen Beitrag f\u00fcr eine gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen in der BRD.<\/p>\n<p>Die Ideen des Demokratischen Konf\u00f6deralismus und das Projekt der Demokratischen Autonomie stellen dabei wichtige Bezugspunkte f\u00fcr unser politisches Handeln dar, auch bei der Entwicklung von Perspektiven f\u00fcr linke Bewegungen bzw. gesellschaftliche Strukturen in Europa. Dabei lernen wir immer wieder viel von unseren Freund*innen \u2013 v.a. \u00fcber uns selbst. Darum freuen wir uns auch schon besonders auf die 3. Konferenz des Network for an Alternative Quest, die vom 14. bis 16. April 2017 in Hamburg stattfinden wird. Sie wird eine gute Gelegenheit bieten, mit Genoss*innen aus der ganzen Welt \u00fcber Alternativen zur herrschenden kapitalistischen Moderne zu diskutieren und den gemeinsamen Austausch zu vertiefen. Informationen zur Konferenz folgen bald auf <a href=\"http:\/\/networkaq.net\/\">http:\/\/networkaq.net\/<\/a><\/p>\n<p>Wer die kurdische Bewegung und die Genese der kurdischen Frage in den letzten Jahrzehnten verstehen will, kommt an den Schriften des PKK-Vorsitzenden Abdullah \u00d6calan nicht mehr vorbei. Seine Ideen sind es, die auf der Konferenz in Hamburg diskutiert und aktuell in Rojava in die Praxis umgesetzt werden. F\u00fcr Millionen von Menschen und Aktivist*innen sind diese Inspiration und real erfahrbar. Darum ist es auch uns wichtig, \u00d6calan und seine Situation in der Isolationshaft auf der Insel \u0130mral\u0131 in Erinnerung zu rufen. Er ist derjenige, der die Theorie und Praxis der Bewegung ma\u00dfgeblich gestaltet und darum Teil der L\u00f6sung des Kurdistan-Konflikts sein wird. Die Kampagne f\u00fcr seine Freilassung steht nach wie vor auf der Tagesordnung und wird ein Schritt Richtung Frieden und Demokratie in der gesamten Region sein: <a href=\"http:\/\/www.freeocalan.org\/\">http:\/\/www.freeocalan.org\/<\/a><\/p>\n<p>Anfang Februar wird ein Protestmarsch zum Europaparlament nach Strasbourg stattfinden, um auf die Situation \u00d6calans und seine Wichtigkeit f\u00fcr einen L\u00f6sungs-Prozess aufmerksam zu machen. An dem Marsch, zu dem der KCDK-E (Kongress der Demokratischen Gesellschaft Kurdistans in Europa) aufruft, beteiligen sich auch viele solidarische Internationalist*innen. Er endet mit einer Gro\u00dfkundgebung am 11. Februar 2017. Interessierte sollten sich direkt an die Veranstalter*innen wenden: langermarsch@riseup.net<\/p>\n<p>Der sogenannte dritte Weg, den die kurdische Bewegung in Rojava eingeschlagen hat, jenseits von Nationalstaat, Patriarchat und Krieg, ist bereits heute ein Hoffnungstr\u00e4ger f\u00fcr uns. Die Ausrufung der Demokratischen F\u00f6deration Nordsyrien, von der die drei Kantone Efr\u00een, Koban\u00ea und Ciz\u00eer nur ein Teil sind, zeigt, dass das Projekt der Demokratischen Autonomie Inspiration f\u00fcr die gesamte Region des Mittleren Ostens sein kann. Also eine Alternative zur kapitalistischen und neoliberalen Agenda der dortigen Regime, Nationalstaaten und der NATO. Die SDF (Syrian Democratic Forces) k\u00f6nnen die Demokratische F\u00f6deration Nordsyrien nicht nur gegen den Einmarsch der T\u00fcrkei und denIslamischen Staat verteidigen, sondern erhalten immer mehr Unterst\u00fctzung bei der Bek\u00e4mpfung des IS, gerade auch durch arabische Milizen, kleine internationalistische Bataillonen, lokale Sympathisant*innen. Dass die SDF milit\u00e4risch auf die Unterst\u00fctzung der USA und ihrer internationalen Koalition angewiesen sind, ist eine bedauerliche Realit\u00e4t, der wir uns als Linke stellen m\u00fcssen. Es ist nicht zuletzt Ausdruck der Schw\u00e4che der internationalen Linken, dass wir unseren Genoss*innen nicht die Unterst\u00fctzung zukommen lassen k\u00f6nnen, die sie brauchen. Darum erkennen wir die Realit\u00e4t dieser Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse an, nicht um sie zu akzeptieren, sondern um sie zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Aus der ganzen Welt tragen heute Genoss*innen dazu bei, dass sich in Nordsyrien das Projekt der Demokratischen Autonomie behaupten kann. Auch aus der BRD haben viele Menschen als Internationalist*innen Teil an diesem revolution\u00e4ren Aufbruch. Kevin Jochim (Dilsoz Bahar), Ivana Hoffmann (Ava\u015f\u00een Teko\u015f\u00een G\u00fcne\u015f), G\u00fcnter Hellstern (R\u00fcstem C\u00fbd\u00ee) und zuletzt, am 24.11.2016, Anton Leschek (Zana Ciwan) haben ihr Leben bei der Verteidigung der Demokratischen Autonomie verloren. Was bedeutet das f\u00fcr uns als Linke in Europa? Welchen Bezug haben wir zum Projekt Rojava, zu bewaffneter Selbstverteidigung, zu Krieg, zu Gesellschaft, zu Internationalismus? Diese Fragen stellen sich uns, nicht zuletzt durch den Tod dieser Genoss*innen. Um sich den Antworten auf diese Fragen zu n\u00e4hern und allen internationalistischen Gefallenen, nicht nur den in Kurdistan Gestorbenen, zu gedenken, wird am 6. Mai 2017 ein Gedenkfestival in Celle stattfinden.<\/p>\n<p>Dem Strudel des Krieges gegen\u00fcber f\u00fchlen wir uns klein und ohnm\u00e4chtig. Verfolgen den Kampf um Koban\u00ea oder den Run auf Al-Bab, Mosul und Raqqa via Internet. Wenn wir aber etwas von Rojava lernen k\u00f6nnen, dann, dass wir nicht machtlos sind, wenn wir uns organisieren und bewegen. Die Demokratische Autonomie in Nordsyrien lebt heute nicht nur aufgrund der Interessenkonflikte der diversen politischen Machthaber*innen im NMO oder der unterst\u00fctzenden US-Bombardements. Letztere haben nur stattgefunden, weil sich eine internationale Solidarit\u00e4tsbewegung gebildet hatte und den Aufbau einer neuen Gesellschaft dort legitimiert. Rojava lebt aber eben auch von praktischer Solidarit\u00e4t. Diese Solidarit\u00e4t nimmt in vielen kleinen Projekten Gestalt an, genau wie das Konzept der Demokratischen Autonomie. Eine Ansprechpartnerin f\u00fcr diese praktische Zusammenarbeit (und ideellen Austausch) ist die Stiftung der Freien Frauen in Rojava (WJAR), bald zu erreichen unter <a href=\"http:\/\/wjar.org\/\">http:\/\/wjar.org<\/a><\/p>\n<p>Wir hoffen mit diesem Artikel einige Anregungen f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/tatortkurdistan.blogsport.de\/\">Zusammenarbeit mit uns<\/a> und der Freiheitsbewegung Kurdistans beigetragen zu haben. Zuletzt m\u00f6chten wir auf das Demokratische Gesellschaftszentrum der Kurd*innen in Deutschland (NAV-DEM: <a href=\"http:\/\/navdem.com\/de\/frontpage\/\">http:\/\/navdem.com\/de\/frontpage\/<\/a> ), das Kurdische Frauenb\u00fcro f\u00fcr Frieden (Cen\u00ee: <a href=\"http:\/\/www.ceni-kurdistan.com\/index.php\/de\/\">http:\/\/www.ceni-kurdistan.com\/index.php\/de\/<\/a> ) sowie die YXK\/JXK als Teile der Jugendbewegung Kurdistans in Europa (<a href=\"http:\/\/www.yxkonline.com\/\">http:\/\/www.yxkonline.com\/<\/a> ) hinweisen, die gute Ansprechpartner*innen sind und sowohl \u00fcber lokale Kontakte als auch \u00fcberregionale Vernetzung verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>F\u00fcr weitere Informationen und Nachrichten aus Kurdistan empfehlen wir:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/civaka-azad.org\/https:\/isku.blackblogs.org\/\">http:\/\/civaka-azad.org\/https:\/\/isku.blackblogs.org\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kurdistan-report.de\/\">http:\/\/www.kurdistan-report.de\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kurdishquestion.com\/\">http:\/\/www.kurdishquestion.com\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/anfenglish.com\/\">https:\/\/anfenglish.com\/<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/lowerclassmag.com\/2017\/01\/vom-tatort-kurdistan-zum-positiven-bezugspunkt-demokratischer-konfoederalismus\/\"><em>http:\/\/lowerclassmag.com\/2017\/01\/vom-tatort-kurdistan-zum-positiven-bezugspunkt-demokratischer-konfoederalismus\/<\/em><\/a> <em>vom 21. Januar 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch vor zwei Jahren, im Fr\u00fchjahr 2015, haben wir als Kampagne dar\u00fcber diskutiert, ob wir nicht unseren Namen und unser Selbstverst\u00e4ndnis \u00e4ndern sollten. \u201eTATORT Kurdistan\u201c sei doch nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Die urspr\u00fcngliche inhaltliche Konzentration auf &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7,5],"tags":[39,76,15,54,17],"class_list":["post-1860","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","category-kampagnen","tag-deutschland","tag-neue-rechte","tag-syrien","tag-tuerkei","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1860","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1860"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1860\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1861,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1860\/revisions\/1861"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1860"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1860"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}