{"id":1882,"date":"2017-01-27T15:51:51","date_gmt":"2017-01-27T13:51:51","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1882"},"modified":"2017-01-27T15:51:51","modified_gmt":"2017-01-27T13:51:51","slug":"1917-bis-1989-revolution-und-thermidor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1882","title":{"rendered":"1917 bis 1989: Revolution und Thermidor"},"content":{"rendered":"<p><em>Willi Eberle.<\/em><strong> Hundert Jahre nach der Russischen Revolution bleiben deren Grundkonflikte weiterhin von h\u00f6chster Aktualit\u00e4t. So k\u00f6nnen die arabischen Revolutionen ab 2010 und deren blutige Zerschlagung durch die nationale<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> und internationale Bourgeoisie nicht ohne eine Interpretation als eine zugespitzte Form des Klassenkonfliktes verstanden werden. Auch die Arbeiterk\u00e4mpfe bei uns in der Schweiz zeigen die gleichen Insignien einer Arbeiterklasse, die immer wieder versucht, den herrschenden Eliten die Kontrolle \u00fcber ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu entwinden. Es sei an den Ausspruch von Laurent, einem streikenden Arbeiter bei Swissmetell in R\u00e9convilier vom Februar 2006 erinnert: <a name=\"_Toc172861440\"><\/a>\u00abWir Arbeiter und Arbeiterinnen brauchen die Aktion\u00e4re und das Management nicht, um die Firma zu f\u00fchren. Wir k\u00f6nnen das gut selbst tun!\u00bb. Die damalige Fabrikbesetzung sah sich schnell der mobilisierten Staatsgewalt in Form der Polizei gegen\u00fcber.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der untenstehende Aufsatz stammt aus dem Jahre 2007 und wurde in einem Sammelband publiziert. Wir machen ihn mit einigen leichten Korrekturen und einem erweiterten Literaturverzeichnis wieder zug\u00e4nglich.<\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten den Stalinismus<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> oder gar die gesamte Geschichte der Sowjetunion und derer wichtigen Akteure als durch die Geschichte gerichtet beiseitelegen. Dies ist aber aus zwei Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. Erstens entwickelte sich im Laufe des Jahres 1917 unter F\u00fchrung vor allem der proletarischen Massen im Rahmen der R\u00e4tebewegung ein sehr weit gediehener Bruch mit den Regierungsformen der Besitzenden und des Ancien R\u00e9gime. Dabei spielte die bolschewistische Partei eine entscheidende Rolle. Innerhalb eines Jahrzehnts setzte dann ein Thermidor<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> ein, der ab dem Ende der 1920er-Jahre als Stalinismus in eine weitgehende Ausl\u00f6schung von allen Ans\u00e4tzen von Dissens und vor allem von gesellschaftlicher Selbstorganisation und einer Massenvernichtung vor allem unter der Bauernschaft, der demokratischen Kr\u00e4fte und der bolschewistischen Alten Garde und einer beispiellosen Disziplinierung der Arbeiterklasse f\u00fchrte. Zweitens wird der Stalinismus immer noch als Beweis f\u00fcr die Unm\u00f6glichkeit einer Alternative zur kapitalistischen Entwicklung, als Kronzeuge von TINA<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> wie dies heute heisst, angef\u00fchrt. Die Frage, die uns hier besch\u00e4ftigt, lautet: Wenn der Stalinismus nicht das unvermeidliche Resultat der Revolution von 1917 und der Machteroberung der bolschewistischen Partei und ihrer Strategien war, was f\u00fchrte dann zu dessen Sieg gegen Ende der 1920er-Jahre?<\/p>\n<p>Die Einsch\u00e4tzung dieser Entwicklung ist nicht zu trennen von den eigenen politischen Perspektiven und Pr\u00e4ferenzen. F\u00fcr die b\u00fcrgerliche europ\u00e4ische \u00d6ffentlichkeit war das Unheil bereits unmittelbar bei der Oktoberrevolution und im wesentlichen mit der Infragestellung der privaten Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln gegeben. Die massgeblichen Sektoren der internationalen Bourgeoisie f\u00f6rderten in den sich versch\u00e4rfenden politischen Krisen ab dem 1. Weltkrieg meistens die faschistischen Str\u00f6mungen. Sie haben bis heute ein Interesse, die Aspekte einer Kontinuit\u00e4t des Schreckens ab der Oktoberrevolution \u00fcber Zwangskollektivierung, Hungersn\u00f6te, Gulag, Stagnation, Zusammenbruch zu betonen. Im Sinne, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter und vor allem die Bolschewiki die nat\u00fcrliche Entwicklung von Privateigentum, Markt und Demokratie gest\u00f6rt h\u00e4tten.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Gleichfalls die Sozialdemokratie, f\u00fcr die der konsequente Bruch der Bolschewiki mit ihnen und mit der Bourgeoisie im Vordergrund steht. F\u00fcr die Sozialdemokratie und die Bourgeoisie war die Oktoberrevolution denn auch nichts anderes, als ein Putsch der bolschewistischen Partei, insbesondere von deren F\u00fchrung um Lenin und Trotzki. Aus anderen Motiven sind die verschiedenen Traditionen des Stalinismus an der Betonung einer Kontinuit\u00e4t interessiert (gewesen). F\u00fcr sie waren die terroristischen Z\u00fcge des Stalinismus Unf\u00e4lle oder gar Notwendigkeiten auf einem Weg des Aufbaus des Sozialismus. Obwohl es unverkennbare Kontinuit\u00e4ten gibt vor allem ab ca. 1919, z.B. die \u00a0starke Rolle der B\u00fcrokratie, der Hang zur staatlichen Zentralisierung und Technikgl\u00e4ubigkeit und die damit zusammenh\u00e4ngenden Probleme, so werden im folgenden doch die Unterschiede und Br\u00fcche betont, die die Phase von 1917 bis um die Mitte der 1920er-Jahre von der Zeit nach 1928 und 1929 trennen, insbesondere die schnell abnehmende Bedeutung der Massenspontaneit\u00e4t und der Einflussm\u00f6glichkeiten der Alten Garde der Bolschewiki, bis dann gegen die Mitte der 1920er-Jahre die wichtigen Voraussetzungen f\u00fcr den Stalinismus erkennbar wurden. Und dieser sich ab der Krise von 1927 und 1928 durchsetzte.<\/p>\n<p>Sozialismus und Demokratie h\u00e4ngen auf vielf\u00e4ltige Art innerlich zusammen (Meiksins Wood). Einmal geschichtlich. Denn die Entwicklung der b\u00fcrgerlichen Demokratie konnte ab den 1890er- Jahren nur mehr unter dem Druck insbesondere der organisierten Arbeiterklasse inhaltlich vorangebracht werden, insofern diese die demokratischen Prozesse und Beziehungen auf die gesellschaftlichen Bereiche von Produktion und Verteilung ausdehnen wollte, um ihre Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern zu k\u00f6nnen. Dies bedeutet, dass seither die Weiterentwicklung der Demokratie weitgehend nur mehr in Richtung einer proletarischen Demokratie, das heisst \u00fcber eine Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der Interessen der Kapital- und Grundeigent\u00fcmer aus den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen m\u00f6glich war.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Dies ist eine der Leitideen dieses Aufsatzes, und wird am Beispiel der Russischen Revolution bis zum Oktober 1917 im ersten Kapitel ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Im zweiten Kapitel soll die Entwicklung ab der Oktoberrevolution von 1917 bis zum Thermidor in den wichtigsten Z\u00fcgen skizziert werden. Im dritten Kapitel geht es um einige Aspekte der Frage, was die Sowjetunion in einem gr\u00f6sseren geschichtlichen Zusammenhang war, ob es sich z.B. nicht einfach um ein Modell autozentrierter Entwicklung handelte, wie bei anderen L\u00e4ndern, die sich aus dem imperialistischen Zusammenhang herausl\u00f6sen wollten. Im letzten Kapitel soll die Leistung der Bolschewiki gerade an den Elementen ihres Bruches mit der 2. Internationale, die ihre f\u00fchrende Rolle in der Oktoberrevolution erm\u00f6glichten, festgemacht werden.Luxemburg stellt in ihrem Aufsatz \u00fcber die Russische Revolution im Jahr 1918 deren Leistungen und die Notwendigkeit der Besch\u00e4ftigung damit, folgendermassen dar: \u00abAlles was in Russland vorgeht, ist begreiflich und eine unvermeidliche Kette von Ursachen und Wirkungen, deren Ausgangspunkte und Schlusssteine das Versagen des deutschen Proletariates und die Okkupation Russlands durch den deutschen Imperialismus sind. Es hiesse, von Lenin und Genossen \u00dcbermenschliches verlangen, wollte man ihnen auch noch zumuten, unter solchen Umst\u00e4nden die sch\u00f6nste Demokratie, die vorbildlichste Diktatur des Proletariats und eine bl\u00fchende sozialistische Wirtschaft hervorzuzaubern. Sie haben durch ihre entschlossene revolution\u00e4re Haltung, ihre vorbildliche Tatkraft und ihre unverbr\u00fcchliche Treue dem internationalen Sozialismus wahrhaftig genug geleistet, was unter so verteufelt schwierigen Umst\u00e4nden zu leisten war. Das Gef\u00e4hrliche beginnt dort, wo sie aus der Not eine Tugend machen, ihre von diesen fatalen Bedingungen aufgezwungene Taktik nunmehr in allen St\u00fccken fixieren und dem internationalen [Proletariat] als das Muster der sozialistischen Taktik zur Nachahmung empfehlen wollen.\u00bb Und: \u00abSich kritisch mit der russischen Revolution in allen historischen Zusammenh\u00e4ngen auseinandersetzen, ist die beste Schulung der deutschen wie der internationalen Arbeiter f\u00fcr die Aufgaben, die ihnen aus der gegenw\u00e4rtigen Situation erwachsen.\u00bb Dies gilt gerade heute immer noch!<\/p>\n<p>In diesem Sinne h\u00e4ngen die \u00dcberlegungen und Folgerungen dieses Aufsatzes mit den Folgerungen zusammen, die f\u00fcr eine linke Praxis gezogen werden k\u00f6nnen. Dies umso mehr, als dass die Einsch\u00e4tzungen zur Russischen Revolution und ihrem Schicksal nach wie vor direkt oder indirekt im Zentrum von Strategiediskussionen und der damit zusammenh\u00e4ngenden Aus\u00addifferenzierungen der Linken stehen. Denn dort lagen die meisten Probleme, die uns noch heute besch\u00e4ftigen, so offen und dicht zutage wie kaum mehr seither. Somit liegen auch meiner Argumentation bestimmte grunds\u00e4tzliche Auffassungen \u00fcber eine linke Strategie zugrunde. Eine explizite Formulierung strategischer Folgerungen f\u00fcr eine linke Politik wird in einer nachfolgenden Arbeit versucht werden. <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Russische Revolution und die proletarische Demokratie<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklung in Russland war w\u00e4hrend 1917 ab der Februarrevolution gepr\u00e4gt durch eine bis heute nie mehr erreichte Intensivierung und Radikalisierung der R\u00e4tebewegung und f\u00fchrte als solche unmittelbar in die Oktoberrevolution (Anweiler; ICC; auch Rabinowitch, Remington). Aus einer emanzipatorischen Perspektive war die Russische Revolution das wichtigste Ereignis des 20. Jahrhunderts (Anweiler; Remington; Berger und andere in Drewski). Dies betrifft in erster Linie den Grad der gesellschaftlichen Selbstorganisation, das heisst das allm\u00e4hliche Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der besitzenden Eliten aus den wichtigen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungszusammenh\u00e4ngen, bis dann in der Oktoberrevolution der Bruch vollendet werden sollte. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Entwicklung waren vielf\u00e4ltig und werden z.B. auch in der angef\u00fchrten Literatur aufgearbeitet. Die Schw\u00e4che der russischen Bourgeoisie und des Zarismus ist daraus ersichtlich, dass diese angesichts der sich seit den 1890er-Jahren versch\u00e4rfenden politischen Krise keine M\u00f6glichkeit eines wirkungsvollen korporatistischen Arrangements sahen, wie es sich z.B. in Westeuropa als Sozial-Imperialismus mit den entsprechenden Integrationsideologien durchzusetzen begann (Stone; Wehler). Sie fl\u00fcchteten sich blind in den 1. Weltkrieg, von dem sie, wie die meisten Regierungen in Westeuropa, eine L\u00f6sung der verschiedenen Probleme erhofften (Kolko).<\/p>\n<p>Die aussichtslose Lage Russlands im Krieg und die damit verbundenen H\u00e4rten f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, f\u00fcr die Bauernschaft, die Soldaten und die Arbeiterschaft beg\u00fcnstigte ab der Februarrevolution ein Wiederaufleben der R\u00e4tebewegung in den Fabriken, im Dorfe und im Distrikt, in der Armee. Die R\u00e4tebewegung hatte bereits in der Revolution von 1905 eine entscheidende Rolle gespielt.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Im Februar 1917 wurden die sozialistischen Parteien und die Gewerkschaften von der Kraft und dem Inhalt dieser R\u00e4tebewegung teilweise v\u00f6llig \u00fcberrascht und \u00fcberrannt. Diese Kr\u00e4fte suchten einen Kompromiss mit den alten M\u00e4chten und der Bourgeoisie, der in die Provisorische Regierung m\u00fcndete, \u00e4hnlich wie 1 1\/2 Jahre sp\u00e4ter in Deutschland. (Harman)<\/p>\n<p>Ab Januar bzw. Juli und August 1917 festigte sich bei Lenin die Einsicht, dass nur ein sofortiger Bruch mit allen Strukturen der b\u00fcrgerlichen Provisorischen Regierung das Land vor einer Katastrophe bewahren konnte und dass dazu die R\u00e4tebewegung im Sinne einer Stellung der Machtfrage weitergetrieben werden musste. Im Verlauf des Kornilov-Putsches vom August und um diverse Ereignisse im September und Oktober erlangten die Bolschewiki in den allermeisten R\u00e4testrukturen die Mehrheit. Nur sie waren mit den klaren Forderungen pr\u00e4sent, die die alten M\u00e4chte und die Provisorische Regierung offenbar nicht erf\u00fcllen konnten, und die die Motive dieser Radikalisierung zusammenfassten: \u00abFriede, Land, Brot!\u00bb Und \u00abAlle Macht den Sowjets!\u00bb. Und zwar sofort!<\/p>\n<p>Diese R\u00e4tebewegung war jedoch bis zur Oktoberrevolution kaum zusammenh\u00e4ngend und nicht darauf angelegt, die Machtfrage in ihren Konsequenzen zu stellen. Dazu fehlte ihr eine koh\u00e4rente programmatische und strategische Orientierung f\u00fcr die Eroberung der Macht und vor allem f\u00fcr die Zeit danach. Gerade dies sollte ihr \u00fcbrigens bald zum Verh\u00e4ngnis werden. Lenin dr\u00e4ngte, selbst in der F\u00fchrung der Partei mehr oder weniger v\u00f6llig isoliert, ab ca. Mitte September auf einen sofortigen Sturz der Regierung Kerenski und einer \u00dcbergabe der Macht an eine Sowjetregierung, z.B. anl\u00e4sslich des geplanten All-Russischen Sowjetkongresses von Ende Oktober. F\u00fcr die Einzelheiten dieser st\u00fcrmischen Entwicklung vergleiche man z.B. Rabinovitch und Trotzki. Das Ergebnis der R\u00e4teherrschaft der ersten Monate der Sowjetmacht war jedoch nicht eine B\u00e4ndigung, sondern eine Steigerung des durch Krieg und Revolution herbeigef\u00fchrten wirtschaftlichen Chaos und des Zerfalls jeglicher festen Ordnung. Die Losung \u00bbAlle Macht den Sowjets!\u00ab, verst\u00e4rkt durch eine allgemeine Abneigung gegen den alten b\u00fcrokratischen zaristischen Staat, f\u00fchrte zu einer raschen Aufl\u00f6sung der \u00fcberkommenen zentralen Autorit\u00e4ten und der Institutionen der Provisorischen Regierung. Im Nu hatte die Revolution eine Unzahl autonomer, untereinander weitgehend gleichberechtigter Fabriken, Kommunen, Regionen und Regimenter geschaffen, die einer L\u00f6sung der anstehenden Probleme \u2013 z.B. die grossen Versorgungsprobleme der St\u00e4dte und der Industrie &#8211; im Wege standen und mit einem Auseinanderbrechen Russlands drohten. Die Bolschewiki waren \u00fcber ihre Partei die einzigen, die durch ihre Verankerung im revolution\u00e4ren Prozess diesem Trend eine Gegenkraft entgegensetzen konnten. Und dies entsprach sowieso einem ihrer zentralen organisatorischen und strategischen Grundprinzipien. (Remington)<\/p>\n<p><strong>Von der Oktoberrevolution zum <\/strong><strong>Thermidor<\/strong><\/p>\n<p>In den ersten Monaten nach der Oktoberrevolution herrschte eine kurze Phase des \u00abunschuldigen Urkommunismus\u00bb (Anweiler) der Fabrikkomitees, der linken Sozialrevolution\u00e4re, einiger anarchistischer und syndikalistischer Str\u00f6mungen. Demgegen\u00fcber setzte sich unter der Macht der bolschewistischen Partei die staatliche Zentralisierung bereits ab Fr\u00fchjahr 1918 mehr oder weniger als Staatskapitalismus (ICC) durch; eine territoriale Organisation der Macht anstelle der autonomen Fabriken und D\u00f6rfer entstand. Die bereits seit dem Sommer 1917 weitgehend b\u00fcrokratisierten zentralen und regionalen Sowjetstrukturen wurden ab Winter 1917\/1918 allm\u00e4hlich mit Funktionen als Tr\u00e4ger der Staatsgewalt ausgestattet. Die Fabrikkomitees wurden im Sommer 1918 den Gewerkschaften eingegliedert und damit faktisch bedeutungslos (Pankratova). Der durch den B\u00fcrgerkrieg notwendige Aufbau der Roten Armee und die Reaktion auf das wachsende wirtschaftliche Chaos setzte den dezentralen Ans\u00e4tzen in der ohnehin beinahe demobilisierten Armee und in der \u00d6konomie ein Ende, ausser sie entwickelten sich spontan und ausserhalb der Anstrengungen zur Zentralisierung, und damit aber tendenziell eher gegen die bolschewistische Partei. Zu dieser Zeit hatte diese bereits weitgehend das politische Monopol.<\/p>\n<p>Der bereits im Sommer 1917 einsetzende B\u00fcrgerkrieg und die ab Fr\u00fchsommer 1918 folgenden ausl\u00e4ndischen Interventionen erforderten eine vermehrte Anspannung der Kr\u00e4fte. Dies verst\u00e4rkte bei den Bolschewiki die sowieso vorhandene Tendenz zur staatlichen Zentralisierung und beinhaltete unter anderem eine Einschr\u00e4nkung der politischen Rechte, eine Militarisierung der Arbeit, Privilegien f\u00fcr Spezialistinnen und Direktoren, die Zwangseintreibung von Lebensmitteln bei der Bauernschaft, die als Kriegskommunismus bezeichnet wird. Am Ende dieses Krieges war die Gesellschaft um ca. 50 Jahre zur\u00fcckgeworfen, die industrielle Produktion auf weniger als einem F\u00fcnftel von 1914 abgesunken, das Proletariat war als handelnde Klasse in hohem Masse aufgerieben oder durch Krieg und Not vernichtet, jede moralische und zivilisatorische Kultur war in diesem barbarischen Kampf zerst\u00f6rt worden. Dass der B\u00fcrgerkrieg gewonnen wurde, ist \u2013 nebst der Zusammenf\u00fchrung aller Kr\u00e4fte durch die Bolschewiki &#8211; darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die grosse Mehrheit der Bauernschaft und der Arbeiterklasse letztendlich doch den Bolschewiki folgten: sie wollten keine R\u00fcckkehr zur alten Ordnung! (Marie 2005a)<\/p>\n<p>Die Ausl\u00e4ufer der Vitalit\u00e4t der revolution\u00e4ren Phase dr\u00fcckten sich in einer Welle von sozialen Erhebungen vor allem ab 1920 bis in den Fr\u00fchsommer 1921 aus, etwa die Bauernaufst\u00e4nde in Tambov, in Zentralrussland, die Streikbewegungen in Moskau, im Ural und in Leningrad, denen mit mehr oder weniger Gewalt begegnet wurde. Dies gipfelte im blutig niedergemachten Kronst\u00e4dter Aufstand vom Februar und M\u00e4rz 1921 w\u00e4hrend des 10. Parteikongresses. Um den Druck auf die Bev\u00f6lkerung zu lockern und den chaotischen Auswirkungen der planlosen Zentralisierung zu begegnen, schwenkte die Partei an diesem Kongress unter F\u00fchrung Lenins mit der Neuen \u00f6konomischen Politik (NEP) auf einen sogenannten proletarischen Thermidor (Lewin 2005) ein, der im wesentlichen aus der Wiederzulassung einiger Marktelemente bestand. Gleichzeitig wurden mehrere w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkrieges erlassenen befristeten kriegsrechtlichen Massnahmen versch\u00e4rft und auf unbestimmte Zeit verl\u00e4ngert. (Marie 2005b)<\/p>\n<p>In dieser Zeit des R\u00fcckzuges bedeutete Bolschewismus f\u00fcr Lenin in erster Linie, die in seiner Einsch\u00e4tzung unrealistische sozialistische Vision fallen zu lassen und auf eine gemischte \u00d6konomie zu setzen. Dies bedeutete jedoch nur einen Aufschub der Perspektive des unmittelbaren Aufbaus des Kommunismus, bis das europ\u00e4ische Proletariat den Durchbruch schaffen w\u00fcrde. Dabei soll in einem Pakt mit der Bauernschaft die Entwicklung weitergetrieben werden, und insbesondere soll von einer zwangsweisen Durchsetzung des Kommunismus auf dem Lande abgesehen werden. Die \u00abzivilisatorische Rolle\u00bb des Kapitalismus, gesteuert durch den \u00abproletarischen Staat\u00bb w\u00fcrde gem\u00e4ss dieser Auffassung die Bauern zu sozialistischen Strukturen f\u00fchren. Denn gerade die L\u00f6sung der sogenannten Agrarfrage, die Enteignung des feudalen Grossgrundbesitzes durch die Bauern, war in der Oktoberrevolution nicht nach den Erwartungen der Bolschewiki verlaufen. Diese hatten auf spontane kollektive Formen der Aneignung des Landes gesetzt, w\u00e4hrend die Bauern sich das Land zum gr\u00f6ssten Teil individuell angeeignet hatte, und die traditionellen kollektiven Strukturen des russischen Dorfes kaum zum Tragen kamen. So konnte die Bauernschaft vorderhand nicht gewonnen werden f\u00fcr die kollektivistische Perspektive der Kommunisten. Ferner soll in der Absicht Lenins die Funktionsweise der Partei gegen die erdr\u00fcckende B\u00fcrokratisierung so entwickelt werden, dass die einfachen Basismitglieder wieder einen m\u00f6glichst grossen Einfluss gewinnen sollten, gerade auf das Generalsekretariat; in diesem Zusammenhang sollten auch die Parteikongresse gest\u00e4rkt werden. Und angesichts der brutalen \u00dcbergriffe z.B. Stalins gegen die V\u00f6lker im Kaukasus sollte in der Konzeption Lenins der grossrussische Nationalismus bek\u00e4mpft werden, und f\u00fcr alle V\u00f6lker der Sowjetunion die selben Rechte und Pflichten gelten. Keine dieser Ausrichtungen wurden von Stalin aufgenommen. (Lewin\u00a0 2005)<\/p>\n<p>Sosehr die Bolschewiki im Oktober getragen waren durch die grosse Mehrheit des Proletariats, so war dessen Mehrheit zu Beginn des Jahres 1921, am Ende des B\u00fcrgerkrieges, entweder kritisch-solidarisch, gleichg\u00fcltig, hatte sich von ihnen abgewandt oder stellte sich gar gegen sie. Der Staatsapparat, seine B\u00fcrokratie und einige energische und zielbewusste F\u00fchrer aus der bolschewistischen Partei, darunter vor allem Trotzki, waren die Tr\u00e4ger der \u00fcber den B\u00fcrgerkrieg im Rahmen des \u00bbKriegskommunismus\u00ab gewachsenen Zentralisierung. Die R\u00e4testrukturen in den Fabriken waren nun bedeutungslos oder zerfallen. Die Alte Garde war sich der gef\u00e4hrlichen Lage jedoch kaum bewusst. Trotzki f\u00fchrte zwar bereits um 1918 eine Kampagne, um die Partei aus der Verschmelzung mit dem Staatsapparat herauszul\u00f6sen. Diese Verbindung war aber selbst ein wesentliches Element der Machtergreifung durch die Bolschewiki gewesen. Die Partei sollte als proletarische Avant-Garde eine Autonomie gegen\u00fcber der Staatsmacht behalten bzw. zur\u00fcckgewinnen. Die Gefahr eines Auseinanderfallens der wirklichen Interessen des Proletariats und des Staatsapparates wurde jedoch vor allem vom sp\u00e4ten Lenin ab 1922 wahrgenommen. Er war dann jedoch\u00a0 krankheitshalber bereits nicht mehr in der Lage, den n\u00f6tigen Einfluss auszu\u00fcben. (Lenin 1922; Brou\u00e9; Lewin 2005)<\/p>\n<p>Die Frage der Macht im Staate wurde ab 1923 nur mehr im engsten Kreise des ZKs entschieden. Allerdings war Stalin der einzige, der sich dessen voll bewusst war und entsprechend handelte (Bajanow). \u00a0Dabei konnte er, der seit 1922 Generalsekret\u00e4r der KPdSU war, sich auf die seit dem B\u00fcrgerkrieg schnell wachsende B\u00fcrokratie st\u00fctzen, bei der er durch seine Stellung bereits 1924 eine grosse Loyalit\u00e4t und eine weitgehende Autorit\u00e4t genoss. Der Staatsapparat war in dieser Zeit grosser Probleme der sicherste Weg f\u00fcr den sozialen Aufstieg, was der Partei massenweisen Zustrom verschaffte. Denn die Partei wurde oft als Eingangstor zum Staatsdienst wahrgenommen. Und Stalin verstand es, seine Entourage mit Leuten aufzubauen, die darin sozialisiert wurden und die eine offene Rechnung mit jemandem aus der Alten Garde, insbesondere mit Trotzki offen hatten. Ganz abgesehen von der w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkrieges angeschwollenen Parteibasis, die meistens keinerlei Verbindung hatte zu den Erfahrungen der heroischen Phase des demokratischen Zentralismus und der Revolution. Die autorit\u00e4ren Prinzipien hatten bereits in den Ausnahmesituationen &#8211; Klan\u00adde\u00adsti\u00adnit\u00e4t, Revolution, B\u00fcrgerkrieg &#8211; eine gewisse Bedeutung, wo die Parteimitglieder, nachdem eine Linie mal festgelegt war, gehorchen mussten.\u00a0 Aber nun wurde diese Logik auf ganz andere Verh\u00e4ltnisse \u00fcbertragen, auf die Partei, auf den Staatsapparat, auf die Verwaltung der Alltagsprobleme mit ihrer Routine und Stabilit\u00e4t. Ab dem 13. Kongress der KPdSU (1924) waren die Kader bereits disziplinierte Funktion\u00e4re in einer Hierarchie und die Alten erkannten ihre Partei nicht wieder. Bereits seit der Zeit des B\u00fcrgerkrieges wurden die Kader und die Mitglieder des ZKs kaum mehr durch die Basis bestimmt. (Lewin 2005)<\/p>\n<p>Stalin und die B\u00fcrokratie hatten eine tiefe Feindschaft gegen\u00fcber der Partei als politischer F\u00fchrung, was sie von der Alten Garde grunds\u00e4tzlich unterschied.\u00a0 Daneben nahm Stalin jedoch die B\u00fcrokratie als objektive Bedrohung seiner autokratischen Herrschaft wahr, was z.B. in folgender Passage aus einer Rede Stalins um 1924 illustriert wird: \u00bbF\u00fcr uns gibt es keine objektiven Schwierigkeiten; das einzige Problem ist dasjenige der Kader. Wenn die Dinge nicht vorw\u00e4rtsgehen oder schlecht laufen, so m\u00fcssen die Gr\u00fcnde nicht bei irgendwelchen objektiven Umst\u00e4nden gesucht werden, es ist der Fehler der Kader.\u00ab (Lewin 2003, 52) Die b\u00fcrokratische Neurose ist eine Art, echte Reformen zu umgehen, ausgehend von der Lieblingsidee Stalins, dass man nur die Verwalter zu korrigieren brauche.<\/p>\n<p>Stalin schaffte sich somit die Voraussetzungen f\u00fcr ein System, das mehr oder weniger blind gegen\u00fcber den gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Realit\u00e4ten wurde. Denn durch die faktische Liquidierung der Partei und damit aller politischen Parteien \u00fcberhaupt, beseitigte er ein wichtiges Instrument politischer Herrschaft, um die gesellschaftlichen Konflikte politisch aufscheinen zu lassen und damit \u00fcberhaupt wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Er konnte seine Machtposition ohne unmittelbare R\u00fccksicht auf die objektive Natur von Problemen ausbauen und sichern. Denn durch die Willk\u00fcrherrschaft \u00fcber die Spitzen der B\u00fcrokratie gelang es ihm, die Schuld f\u00fcr auftauchende Probleme immer wieder auf seine Gegner und auf potentielle Rivalen abzuw\u00e4lzen und eine L\u00f6sung \u00fcber eine dramatische Folge von despotischen \u00bbNotstandsmassnahmen\u00ab anzugehen. \u00a0Diese Blindheit konnte so gerade zur Grundlage einer politischen Diktatur werden, einer \u00abverantwortungslosen Diktatur\u00bb. (Lewin 2003)<\/p>\n<p>Mit dem krankheitsbedingten Ausscheiden Lenins als massgebender Pers\u00f6nlichkeit ab dem Fr\u00fchjahr 1922 versch\u00e4rften sich in der Partei die Konflikte vor dem Hintergrund schwelender Probleme um die Weiterentwicklung der Partei und der Sowjetunion, die nun in einen Sog der K\u00e4mpfe um die Nachfolge Lenins als Parteif\u00fchrer gerieten. Dabei gelang es Stalin durch taktisches Geschick und entschlossenem Durchgreifen, seine Machtposition recht schnell auf Kosten seiner Hauptrivalen, insbesondere Trotzkis, auszubauen. Im Rahmen der sich versch\u00e4rfenden Krise der NEP, die sich als breite Verarmung in den St\u00e4dten und auf dem Land und als Stagnation \u00e4usserte, versch\u00e4rften sich die Auseinandersetzungen in der Partei um den weiteren Kurs der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung. Durch die politische Ausschaltung der linken Opposition und dann der vereinten Opposition wurden neben anderen Trotzki und Sinowjew 1927 aus der Partei ausgeschlossen, ein Jahr sp\u00e4ter die rechte Opposition um Kamenew, Bucharin und um den Gewerkschaftsf\u00fchrer Tomsky.<\/p>\n<p>Damit war f\u00fcr Stalin der Weg f\u00fcr seine \u00abModernisierung von oben\u00bb frei. Die wichtigsten Elemente (Golubovic, Reiman und andere in Daniels) dieser forcierten Modernisierung von oben waren: Totale staatliche Kontrolle der industriellen und landwirtschaftlichen Produktionsmittel, kompromisslose Zentralisierung der wirtschaftlichen Entscheidungen, beschleunigte Industrialisierung durch eine versch\u00e4rfte Ausbeutung der Arbeiterschaft, Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und die Einf\u00fchrung quasi-feudaler Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse zwischen Bauernschaft und Staat, indem neue Gesetze die Bauern zwangsm\u00e4ssig an ihre Kollektive banden. Ferner verloren die Gewerkschaften den letzten Rest von Autonomie und wurden nur mehr gebraucht, um die st\u00e4ndigen Erh\u00f6hungen des Plansolls nach unten weiterzuvermitteln. Damit dies durchgesetzt werden konnte, musste die B\u00fcrokratie auf ganz neue Grundlage gestellt werden, was durch eine grossangelegte Bildungs- und Bef\u00f6rderungsoffensive vor allem im Proletariat eingeleitet wurde. Zudem wurde eine grossangelegte Propagandakampagne lanciert. Darin ging es einerseits darum, ein breites Einverst\u00e4ndnis der arbeitenden Massen mit den immer h\u00e4rteren Arbeitsbedingungen und der St\u00e4rkung hierarchischer Strukturen in der Arbeit und im Alltag herzustellen. Und andererseits ging es um die Schaffung eines Klimas der Bedrohung durch den Klassenfeind, das zu einer Legitimation der politischen F\u00fchrung beitrug, die sich ihre Gegner laufend mit politischen Prozessen, Arbeitslagern, Mord und Massenterror vom Halse schaffte. Dies alles war ein Bruch mit der gesamten Entwicklung bis dahin, wies aber doch einige \u00c4hnlichkeiten auf mit dem Regime des Kriegskommunismus (1918 bis 1921), w\u00e4hrend dem Stalin und der gr\u00f6sste Teil der B\u00fcrokratie ihre entscheidenden Erfahrungen gemacht hatten.<\/p>\n<p>All diese Massnahmen konsolidierten die Herrschaft der B\u00fcrokratie. Diese unterwarf sich \u00fcber ihr Monopol auf die Entscheidungsprozesse im Staat die arbeitende Bev\u00f6lkerung und nutzte dabei auch die Versch\u00e4rfung der Herrschaft \u00fcber die Lohnarbeit mit \u00e4hnlichen Mitteln, wie dies im Kapitalismus geschieht. Dies stand im krassen Widerspruch zu den Zielen einer proletarischen Demokratie, die als Perspektive 1917 besonders virulent war und die bis in die zweite H\u00e4lfte der 1920er-Jahre immer noch angestrebt wurde, wenn auch in zeitlicher Ferne. Bis zum Ende der 1920er-Jahre bestanden immer noch Chancen f\u00fcr einen Weg der Entwicklung zum Sozialismus<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>.\u00a0 Einerseits war die Alte Garde und wichtige Segmente der Arbeiterklasse immer noch auf dieses Ziel hin orientiert, trotz aller Fehlkonzeptionen und aller sich auft\u00fcrmenden objektiven und politischen Schwierigkeiten. Und in der Gesellschaft waren immer noch die in den Oktober f\u00fchrenden Traditionen lebendig, wenn auch enorm geschw\u00e4cht. Und drittens waren die Ideale von Gleichheit und Demokratie in der Partei noch stark genug, um immer wieder der B\u00fcrokratisierung und dem Despotismus entgegenzutreten. Und den m\u00f6glicherweise unl\u00f6sbaren Problemen mit einer Vielzahl von Ideen und Ans\u00e4tzen zu begegnen. Die gewaltsamen Massnahmen des Massenterrors, der S\u00e4uberungen in der B\u00fcrokratie, der Moskauerprozesse etc. m\u00fcssen vor allem in diesem Zusammenhang gesehen werden. Diese kombinierten sich oft mit Zwangsmassnahmen, wie Arbeitslager, Zwangsumsiedlung vor allem nach Sibirien und Zentralasien, um die enormen Arbeitsleistungen f\u00fcr die forcierte Modernisierung von oben aufzubringen. Abgesehen davon, dass das Innenministerium, das MVD, f\u00fcr sich selbst mit den Arbeitslagern ab Mitte der 30er-Jahre eine lukrative wirtschaftliche Basis geschaffen hatte.<\/p>\n<p>Nach dem 2. Weltkrieg, dessen Hauptlast durch die UdSSR getragen und durch sie entschieden wurde, war diese zwar ein m\u00e4chtiges und angesehenes Land, aber innerlich doch sehr fragil und geschw\u00e4cht und am Ende ihrer Kr\u00e4fte. Als Stalin im M\u00e4rz 1953 starb, war der Reformdruck gross. So konnten die Reformen von Chruschtschew als spektakul\u00e4re Verbesserungen in vielen Bereichen wahrgenommen werden, etwa die \u00abNormalisierung\u00bb des Funktionierens, die Verbesserung der materiellen Versorgung und der Lebensbedingungen und die technischen Erfolge. Und dabei bewies die UdSSR erneut ihre grosse Vitalit\u00e4t, personifiziert in Chruschtschew. Dieser jedoch war wie Stalin kein moderner F\u00fchrer, sondern Relikt einer Agrardiktatur. Und dies weist zugleich auf die Grenzen der Reformen hin. Die Entstalinisierung unter Chruschtschew waren jedoch Taten und nicht nur Rhetorik, gerade auch was die Rehabilitierungen der Opfer des Terrors<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>, die Untersuchungen \u00fcber die Verbrechen und dann die Verurteilung Stalins und die Rationalisierung und die St\u00e4rkung der B\u00fcrokratie angeht. Seine k\u00fchnste Leistung war wohl die Zerschlagung des MVD und des Gulags, die ihn schliesslich den Kopf kostete. (Lewin 2003)<\/p>\n<p>Angesichts der stagnativen und verschwenderischen Tendenzen des Systems bildete sich vor allem ab den 1960er-Jahren eine Schattenwirtschaft heraus. Die Schattenwirtschaft spielte eine immer wichtigere Rolle und vervielfachte sich z.B. zwischen 1960 und 1990 um den Faktor 18. Diese Schatten\u00f6konomie war zumindest ambivalent. Einerseits half sie unmittelbar, die Dysfunktionalit\u00e4ten des Systems und die gr\u00f6ssten M\u00e4ngel in der Versorgung zu mildern. Andererseits aber lebte diese Schatten\u00f6konomie parasit\u00e4r von der formalen \u00d6konomie. Denn dort wurden die G\u00fcter oft entwendet, die Arbeitskr\u00e4fte von der formalen \u00d6konomie abgezogen und deren Verankerung in den vielf\u00e4ltigen Systemen sozialer Sicherung, dem Erziehungs-, Gesundheits-, und Schulsystem, der Altersvorsorge, dem Zugang zu billigem Wohnraum ausgenutzt. Ferner wurde sie zum Humus der sich entwickelnden Schattenpolitik und von politischen Zusammenh\u00e4ngen, die dann oft auch mit der Kriminalit\u00e4t und mit mafi\u00f6sen Strukturen in Verbindung standen. Die Aufsteiger in der Schatten\u00f6konomie wurden beim Zusammenbruch der Sowjetunion h\u00e4ufig zusammen mit ihren Kumpanen aus der b\u00fcrokratischen Oligarchie an die Oberfl\u00e4che gesp\u00fclt. Diese Schattenwirtschaft war der Pfeiler, auf den Gorbatschew in den 1980er-Jahren sein \u00ab\u00dcbergangsprogramm\u00bb der Perestroika st\u00fctzte. Das Ganze gedieh soweit bis zur Mitte der 1980er-Jahre, dass bei den in der Perestroika einsetzenden Privatisierungen die Schaltstellen der Netzwerke der Schatten\u00f6konomie \u2013 die Versorgungsb\u00fcros, Lagerh\u00e4user, Verteilorganisationen &#8211; sich als Erste als private Unternehmen erkl\u00e4rten. Der Boden war bereitet f\u00fcr die gerade in der urspr\u00fcnglichen Akkumulation des Kapitalismus noch ausgepr\u00e4gte Verflechtung von gewaltsamer und krimineller Aneignung und \u00abformaler \u00d6konomie\u00bb. Dass damals die demokratischen Impulse kaum eine Chance hatten, liegt gerade auch daran, dass die in der zweiten H\u00e4lfte der 1980er-Jahre erneut aufflammenden erbitterten Arbeiterrevolten fragmentiert blieben und weder von den sogenannten demokratischen Kr\u00e4ften in Russland noch im Westen Unterst\u00fctzung erhielten. (Lewin 2003)<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Natur der Sowjetunion im geschichtlichen Zusammenhang<\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage ist umso komplexer, als die Sowjetunion unter mindestens drei Versionen existiert hat. Einerseits war sie sp\u00e4testens ab Sommer 1918 ein zunehmend autorit\u00e4res System, wenn auch unter verschiedenen Varianten. Ferner war sie ab den 1930er-Jahren sicher nicht mehr sozialistisch, insofern die Produktionsmittel nicht der Arbeiterklasse geh\u00f6rten und die Demokratie zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und verweigert wurde. Aber sie war nie kapitalistisch, da die Produktionsmittel beinahe vollst\u00e4ndig Eigentum des Staates waren und dieser der B\u00fcrokratie geh\u00f6rte. Sie war ab den sp\u00e4ten 1920er-Jahren unter Stalin eine Art Agrardespotismus, sp\u00e4ter eine Art b\u00fcrokratischer Absolutismus. (Lewin 2003)<\/p>\n<p>Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bildete sich weltweit als Imperialismus eine politische Konstellation heraus, in der eine Weiterentwicklung der Demokratie nur mehr unter dem Druck von Massenbewegungen proletarischen Charakters m\u00f6glich war (Stone; Meiksins Wood).<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Die Eigentumsfrage bindet den Liberalismus und damit die Bourgeoisie immer wieder an konservative und \u2013 in Zeiten starker Umbr\u00fcche, wie sie gerade auch f\u00fcr heute kennzeichnend sind &#8211; an offen reaktion\u00e4re und autorit\u00e4re Kr\u00e4fte. Die Entwicklung in Russland muss deshalb auch als Antwort auf die politische Gestalt des Kapitalismus, wie er als Imperialismus aus der grossen Depression gegen Ende des 19. Jahrhunderts hervorging, verstanden werden. Die dabei aufgeworfenen Probleme sind heute wieder auf sehr beunruhigende Art auf dem Tisch, in der Zunahme autorit\u00e4rer, gewaltt\u00e4tiger und irrationaler Elemente in der nationalen und internationalen Politik und in der Gesellschaft und einer sichtbaren und grossr\u00e4umigen Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen. Die geschichtlichen\u00a0 Aufgaben des r\u00fcckst\u00e4ndigen Russland konnten nur durch den Weg der proletarischen Revolution erf\u00fcllt werden. Denn nur durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel konnte Russland aus der Barbarei herausgef\u00fchrt werden, ohne in die Abh\u00e4ngigkeit von den imperialistischen Staaten Europas (und sp\u00e4ter der USA) zu geraten. Oder unter diese aufgeteilt zu werden. Dies war auch die Schlussfolgerung Trotzkis, wie er sie als Gesetz der ungleichen und kombinierten Entwicklung formuliert hat.<\/p>\n<p>Politik und \u00d6konomie sind keine getrennten Ph\u00e4nomene, sondern verschiedene Aspekte gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse. Die Frage der politischen Form, wie sie sich in Russland aus dem revolution\u00e4ren Prozess ergeben sollte, musste durch die Erlangung gesellschaftlicher und damit \u00f6konomischer Macht durch eine der konkurrierenden Klassen entschieden werden. Und aus diesem Kampf um die Macht ging letztendlich die B\u00fcrokratie siegreich hervor, in der die Partei bereits gegen Mitte der 1920er-Jahre zunehmend aufging. Sie setzte sich gegen die anderen Klassen durch, die alle zu schwach waren, um ihre Interessen durchzusetzen: Das Ancien R\u00e9gime des Zarismus, getragen durch Feudaladel und B\u00fcrokratie war diskreditiert durch den Krieg und seine generelle Perspektivlosigkeit. Die Bourgeoisie war wie in allen L\u00e4ndern der imperialistischen Peripherie im 20. Jahrhundert zu schwach (Chibber), um eine nationale Entwicklung anzuf\u00fchren; die industrielle Entwicklung in Russland war zu einem grossen Teil durch europ\u00e4isches Kapital getragen, und die russische Bourgeoisie st\u00fctzte sich in diesem Prozess auf ein B\u00fcndnis mit dem Zarismus und machte sich dabei dessen starke B\u00fcrokratie und deren autorit\u00e4ren Charakter zunutze. Das (industrielle) Proletariat umfasste lediglich 5 bis 10% der Bev\u00f6lkerung. Die erdr\u00fcckende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung war 1917 agrarisch gebunden, ein Teil des Proletariats kehrte periodisch f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit aufs Land zur\u00fcck. Trotz alldem entwickelte das Proletariat ab den 1890er-Jahren in heftigen K\u00e4mpfen eine reiche Erfahrung in Ans\u00e4tzen von proletarischer Demokratie, z.B. in der Revolution von 1905, wo die R\u00e4tebewegung gerade in den Fabriken und der Gestaltung der konkreten Arbeits &#8211; und Lebensbedingungen eine grosse Bedeutung erlangte. Aber es konnte sich nach der Oktoberrevolution nicht durchsetzen. Die Bolschewiki \u00fcbernahmen im Rahmen einer Vorstellung und Strategie die Macht, die sie zu Anw\u00e4lten der proletarischen Demokratie machten \u2013 ganz als Best\u00e4tigung ihrer Konzeption einer proletarischen Avant-Garde Partei. Sie ordneten als Ausdruck ihrer Vorstellung der Entwicklung des Sozialismus die \u00d6konomie der Politik unter. Ganz entgegen der Vorstellung von Karl Marx, f\u00fcr den der Aufbau des Kommunismus darin bestand, dass die Gesellschaft den Staat absorbieren m\u00fcsse, da dieser Ausdruck der Klassenherrschaft sei (Remington). \u00a0Als aber diese Vorstellung im Verlaufe des B\u00fcrgerkrieges und des schw\u00e4cher Werdens der R\u00e4tebewegung mit den Zielsetzungen der Modernisierung, der L\u00f6sung der dringenden materiellen Probleme und des Machterhaltes konfrontiert war, bekam diese Vorstellung eine Bedeutung, die sich in der Realit\u00e4t nicht mehr auf das Proletariat abst\u00fctzte, sondern entsprechend der realen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse die Bauernschaft und das Privateigentum wieder mehr als Grundlage hatte.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den verschiedenen Modellen auto-zentrierter Entwicklung, die ab dem 2. Weltkrieg im Rahmen der Dekolonialisierung und des damit verbundenen Anti-Imperialismus als nationale Revolutionen ihren Anfang nahmen, war die Sowjetunion in ihren Anf\u00e4ngen auf einem Pfad der internationalistischen proletarischen Demokratie als autonomer Regierungsform, das heisst einer Regierung unter Ausschluss der besitzenden Klassen. Die Bolschewiki waren in der heroischen Phase organisch an die Perspektive einer internationalen proletarischen Erhebung mit dem Ziel der Macht\u00fcbernahme gebunden. Sp\u00e4testens ab 1923 war klar, dass dieser Durchbruch des europ\u00e4ischen und insbesondere des deutschen Proletariats auf absehbare Zeit unwahrscheinlich war. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr waren vielf\u00e4ltig: einerseits war dort die Bourgeoisie st\u00e4rker als in Russland, andererseits hatte diese in der Weimarer Republik die F\u00fchrung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften auf ihrer Seite. Denn die korporatistischen Strukturen waren in Deutschland nicht nur in der politischen Orientierung der Sozialdemokratie als Revisionismus<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>, sondern bis in die Betriebe hinein stark ausgepr\u00e4gt. Zudem fehlte ein organisatorischer Zusammenhang ausserhalb dieser korporatistischen Strukturen, der in den entscheidenden Momenten zwischen 1918 und 1923 in den vorw\u00e4rtst\u00fcrmenden Massen gen\u00fcgend verankert gewesen w\u00e4re, wie es z.B. die bolschewistische Partei 1917 in Russland gewesen war. (Harman)<\/p>\n<p><strong>Die Leistung der Bolschewiki. Eine kritische W\u00fcrdigung<\/strong><\/p>\n<p>Die Bolschewiki w\u00e4ren wohl eine launische und vielleicht mehr oder weniger tragische Marginalie der Geschichte geworden ohne die in Europa und Russland seit ca. 1912 stark an\u00adschwel\u00adlende Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse und der damit einhergehenden Herrschaftskrise des Ancien R\u00e9gime und der Bourgeoisie. Umgekehrt aber w\u00e4re diese erstaunliche Vitalit\u00e4t der Arbeiterklasse wahrscheinlich nicht zum Durchbruch gekommen, ohne die klare Orientierung der Bolschewiki auf die Machtfrage und deren proletarische L\u00f6sung. Diese Leistung der Bolschewiki zeichnete sie \u2013 um mit R. Luxemburg zu sprechen &#8211; vor der Sozialdemokratie \u00a0aus. Denn Lenin, dessen Sch\u00f6pfung die Partei war, und Trotzki\u00a0 mit seiner Konzeption der permanenten Revolution hatten die Partei ab dem Fr\u00fchjahr 1917 klar auf einen Bruch mit der russischen und der internationalen Bourgeoisie gef\u00fchrt. Dies \u00e4usserte sich zuerst in der Forderung einer sozialistischen Einheitsfront innerhalb und ausserhalb der Provisorischen Regierung und ab Mitte September in der Orientierung auf einen Alleingang im Hinblick auf eine Machtergreifung, zusammen mit den linken Abspaltungen der anderen sozialistischen Parteien. Lenins Parteikonzeption war bereits lange vor der Gr\u00fcndung der bolschewistischen Partei im Jahre 1912 in der Autonomie der proletarischen Organisationen gegen\u00fcber den verschiedenen korporatistischen Modellen begr\u00fcndet. Dieser Korporatismus wurde in der praktischen Orientierung von vielen Fraktionen der damals stark zersplitterten und dezimierten Menschewiki und der Sozialrevolution\u00e4re nach europ\u00e4ischem, insbesondere deutschem Muster angestrebt (LeBlanc). Und genau dies erm\u00f6glichte den Bolschewiki ab der Februarrevolution die schnelle und breite Verankerung vor allem in den Fabrikkomitees und in der Armee.<\/p>\n<p>Gleichzeitig aber zeigte sich, dass dieser Bruch mit der 2. Internationale nicht weit genug ging. Dieser Mangel macht letztendlich die tragische Rolle der Partei aus und wurde dann f\u00fcr die tragenden Kr\u00e4fte der Revolution, die Fabrikkomitees und die bolschewistische Partei selbst zum Verh\u00e4ngnis. Insbesondere \u00fcbernahm diese zumindest teilweise die sehr problematischen Vorstellungen der 2. Internationale \u00fcber den Staat, Entwicklung, Modernisierung und wirtschaftliches Wachstum, Technik, die technokratische Auffassung \u00fcber Organisation und Stellvertreterprinzip, wie sie mehr oder weniger in der Sozialdemokratie bis heute massgebend sind. Entsprechend waren ihre Vorstellungen \u00fcber die Verwirklichung des Sozialismus noch bei der Machteroberung gerade auch bei Lenin sehr einfach. Durch die entschlossene Umsetzung dieser Vorstellungen unter den ausserordentlich ung\u00fcnstigen Bedingungen wurden gerade die Fabrikkomitees als eigentliche Sch\u00f6pfungen proletarischer Demokratie immer mehr zur\u00fcckgedr\u00e4ngt (Remington). Die Vitalit\u00e4t der Arbeiterklasse war dadurch zwar noch nicht ersch\u00f6pft und kn\u00fcpfte immer wieder an die alten Zusammenh\u00e4nge und Erfahrungen an, wie sich dann z.B. in den Krisenjahren 1919 und 1920 in den Arbeiteraufst\u00e4nden zeigte. Diese stellten sich nun oft gegen die harten Bedingungen des Kriegskommunismus und damit gegen die Herrschaft der Partei, die meistens hart gegen diese Aufst\u00e4nde vorging (Aves).<\/p>\n<p>Die Vorstellungen der Bolschewiki \u00fcber den Aufbau des Sozialismus entsprachen zur Zeit der Revolution in etwa derjenigen der \u00fcbrigen damaligen 2. Internationale. Sie und insbesondere Lenin betrachteten &#8211; wie bereits vor ihnen der Zarismus und die Provisorische Regierung &#8211; die deutsche Kriegswirtschaft als organisatorisches Modell. Dabei interessierte sie vor allem, dass die Wirtschaft Deutschlands einer zentralen staatlichen Planung unterworfen und auf ein Ziel, eben die Kriegsproduktion hin orientiert war. Sie stellten sich vor, dass dasselbe Modell unter einer proletarischen Diktatur f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus genutzt werden konnte. Von daher war die Eroberung der (Staats-)Macht das wichtigste Ziel einer jeden revolution\u00e4ren Bewegung. Die 1917 von der Arbeiterbewegung geschaffenen Errungenschaften proletarischer Demokratie und gesellschaftlicher Institutionen, wie die R\u00e4te, die Fabrikkomitees, die bewaffneten Arbeitergarden, Zeitungen, Gewerkschaften, lokale, regionale und \u00fcberregionale Koordinationsorgane waren zwar notwendige Voraussetzungen, um die alten Klassen und deren Instrument, den alten Staat, zu zerschlagen. Dies war auch die Meinung Lenins in seinem im Sommer 1917 verfassten \u00abStaat und Revolution\u00bb. Nach der Revolution w\u00fcrde die revolution\u00e4re Partei, als proletarische Avant-Garde, den Staat nutzen f\u00fcr eine kombinierte gesellschaftliche und staatliche Entwicklung, in der die Klassenfeinde ausgeschaltet und das kulturelle, wirtschaftliche und politische Umfeld f\u00fcr den Sozialismus geschaffen w\u00fcrde. (Golubovic in Daniels). Dass die Alte Garde sich in den Machtk\u00e4mpfen ab 1922 immer an dieser Vorstellung der staatszentrierten Entwicklung des Sozialismus \u2013 und der damit verbundenen \u00aburspr\u00fcnglichen sozialistischen Akkumulation\u00bb<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>\u00a0 &#8211; orientierte, verunm\u00f6glichte letztendlich ein wirksames B\u00fcndnis von ihnen, insbesondere von Trotzki, mit den verschiedenen Widerstandsans\u00e4tzen in der Arbeiterklasse. Dies spielte dann dem stalinistischen Thermidor in die H\u00e4nde, der sich auf derselben konzeptionellen Grundlage entwickelte, ausser dass dabei ab 1924 offiziell nur mehr an den \u00abAufbau des Sozialismus in einem Lande\u00bb<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> gedacht wurde. Ganz abgesehen davon, dass die Alte Garde sich weigerte, einen neuen organisatorischen Zusammenhang aufzubauen, um den vorhandenen Widerstand zu strukturieren und ihm eine autonome Handlungsbasis zu verleihen. Ihre Loyalit\u00e4t zur Partei hinderte sie daran, diesen entscheidenden Schritt zu tun. (ICC)<\/p>\n<p>Seit dem Beginn der Russischen Revolution fanden in und ausserhalb der Partei heftige Auseinandersetzungen statt \u00fcber die Strategien zum Aufbau des Sozialismus, die bis Anfang der 1930er-Jahre anhielten. Dabei konnten sich immer wieder die Vorstellungen \u00fcber eine mehr oder weniger autorit\u00e4re staatliche Zentralisierung durchsetzen, was erheblich erleichtert wurde durch die konzeptionelle und organisatorische Schw\u00e4che der R\u00e4tebewegung. Diese konnte in den entscheidenden Auseinandersetzungen in der Partei, in den Betrieben und St\u00e4dten und \u00fcberhaupt in der Politik ihre Interessen nicht einbringen, insbesondere nicht Vorstellungen \u00fcber die Weiterentwicklung der Arbeiterkontrolle angesichts der schwierigen Probleme. Es gelang ihren verschiedenen Str\u00f6mungen nicht, den sich verbreitenden Unmut vor allem am Ende des B\u00fcrgerkrieges gegen Ende von 1920 hinter einem koh\u00e4renten Programm zu organisieren und dem sich durchsetzenden technokratischen autorit\u00e4ren Zentralismus entgegenzutreten. Die Partei w\u00e4re zu dieser Zeit f\u00fcr solchen Druck durchl\u00e4ssig gewesen, da die egalit\u00e4ren und demokratisch-proletarischen Tendenzen bis zur stalinschen Revolution (Daniels) gegen Ende der 1920er-Jahre immer noch pr\u00e4sent waren. Demgegen\u00fcber gelang es den Bolschewiki f\u00fcr ihre technokratischen Konzeptionen das Management auf Betriebsebene und die technische Intelligenz im Lande an sich zu binden und die Gewerkschaften in das Projekt einzubinden. (Remington)<\/p>\n<p>Das Verst\u00e4ndnis des Avant-Garde Konzeptes, wie es die Alte Garde der Bolschewiki verk\u00f6rperten, zeigte ihren Sinn in der Rolle der Partei ab Fr\u00fchjahr und insbesondere ab Sommer 1917. Diese Auffassung war im Zusammenhang einer vorw\u00e4rts st\u00fcrmenden Arbeiterklasse, die vor allem in der schnell wachsenden Bewegung der Fabrikkomitees ihren eindr\u00fccklichen Ausdruck fand, ein wesentliches Element f\u00fcr den Durchbruch vom Oktober und kam dadurch zu ihrer geschichtlichen Best\u00e4tigung. Aber die Frage bleibt, ob durch etwas mehr Vertrauen in die Vitalit\u00e4t der Arbeiterklasse, in das Potential der proletarischen Demokratie und der Arbeiterkontrolle nicht viele Aspekte der notwendigen Koordination von Produktion und Verteilung, von der Armee und der Verwaltung dem schnellen Aufsteigen der B\u00fcrokratie eine wirksame und vor allem demokratische Gegenkraft entstanden w\u00e4re? Immerhin hatten sich diese Fabrikkomitees vor allem ab dem Sommer 1917 in einem Teil der russischen Industrie nicht nur die Entscheidungsmacht \u00fcber Arbeitsbedingungen angeeignet. Sondern sie waren zunehmend zu Enteignungen oder doch massgebendem Einfluss auf die Ausrichtung der Produktion \u00fcbergegangen. (Pankratova) Sie begannen auch, sich im regionalen und \u00fcberregionalem Rahmen \u00fcber die Versorgung mit Rohstoffen zu koordinieren (Rachleff). Dies war ja gerade ein wichtiger Teil der sogenannten Doppelmachtsituation, wie sie sich seit der Februarrevolution herausbildete. Sicher darf dabei der grosse Problemdruck nicht ausser Acht gelassen werden, dem sich die Bolschewiki durch Krieg, B\u00fcrgerkrieg, ausl\u00e4ndische Intervention und Boykott, Auseinanderfallen jeglicher Autorit\u00e4t im Land, der zahlenm\u00e4ssigen Schw\u00e4che der Arbeiterklasse und der schwachen Industrie gegen\u00fcbersahen. Diese ung\u00fcnstigen Bedingungen waren allem voran noch potenziert durch das Ausbleiben der Unterst\u00fctzung durch das europ\u00e4ische Proletariat. Aber es bleibt, dass ab der NEP allm\u00e4hlich eine B\u00fcrokratie die faktische Macht ergriff, die dann \u00fcber ca. 3 Jahrzehnte von einem archaischen Despoten (Lewin 2003; Fitzpatrick u.a. in Daniels) auf eine total neue Grundlage gestellt wurde und immer wieder angepeitscht und in die Schranken gewiesen wurde. Und die aus tiefstem Eigeninteresse jeden Ansatz von Demokratie, geschweige denn von proletarischer Demokratie, ausschalten musste.<\/p>\n<p>Der ph\u00e4nomenale Erfolg der Bolschewiki im Sommer und Herbst 1917 war auch ihrer demokratischen, toleranten und dezentralen Struktur geschuldet. Dazu kam, dass mit der Konzeption und der Kultur des demokratischen Zentralismus die divergierenden Tendenzen immer wieder einer organisatorischen Einheit und Disziplin und damit einem verl\u00e4sslichen Zusammenhang zugef\u00fchrt werden konnten. Dadurch entstand eine enorme F\u00e4higkeit, sich den laufend \u00e4ndernden Situationen anzupassen. Und es entwickelte sich ein organisatorischer Zusammenhang, der sich im Rahmen der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in den turbulenten Klassenkonflikten um den Oktober gegen das Ancien R\u00e9gime und die Bourgeoisie stellen konnte, ganz im Sinne der R\u00e4tebewegung. Ferner verf\u00fcgte die Partei \u00fcber ein Arsenal \u00e4usserst f\u00e4higer Kader, allen voran der \u00fcberragenden F\u00e4higkeiten Lenins und ab Fr\u00fchjahr 1917 Trotzkis. Dies alles in Verbindung zu dem offenen Massencharakter der Partei. All diese Eigenschaften stehen mehr oder weniger sowohl im Gegensatz zu dem traditionellen leninistischen Modell \u2013wie es bis heute von vielen Gruppierungen der Linken angewandt wird &#8211; \u00a0wie erst recht zu den Modellen der Sozialdemokratie und des Stalinismus (LeBlanc). Diese Grundz\u00fcge, die bis in die zweite H\u00e4lfte der 1920er-Jahre hinein mehr oder weniger noch wirksam waren, erlaubten den untergeordneten Parteiinstanzen grosse Unabh\u00e4ngigkeit. Dies erm\u00f6glichte gerade w\u00e4hrend 1917 einen starken Zulauf und eine zunehmend starke Verankerung in den verschiedenen Szenarien des Zerfalls der alten Macht und der spontanen Herausbildung neuer Machtorgane. Diese untergeordneten Parteiorgane hatten eine entscheidende Rolle inne bei der Vorbereitung des Oktober und dann des organisatorischen Zusammenhalts der Sowjetunion \u00fcber die verschiedenen schwierigen Phasen der 1920er-Jahre. Die bolschewistische Partei wurde so ab Sommer 1917 zur bei weitem am besten verankerten Kraft in den vorw\u00e4rtsst\u00fcrmenden Segmenten, die an der Verteidigung der Errungenschaften der Februarrevolution, d.h. vor allem der Demokratie interessiert waren. (Rabinovitch; LeBlanc)<\/p>\n<p>Die Bolschewiki waren ab der Machtergreifung mit einer Sturmflut von ung\u00fcnstigen Problemlagen konfrontiert, \u00fcber die sie zusehends die Kontrolle verloren. Aber die Fiktion dieser Kontrolle im Interesse der Klasse der Lohnabh\u00e4ngigen, angelegt in der damals in der 2. Internationalen g\u00e4ngigen Auffassung der proletarischen Avant-Garde Partei, f\u00fchrte angesichts der Probleme ab 1918 zusehends in das, was oft als Substitutionismus bezeichnet wird. Das Proletariat war in dieser Einsch\u00e4tzung als handelndes Subjekt mehr oder weniger ausgel\u00f6scht. Die Partei handelte als dessen Stellvertreterin in deren mittel- und langfristigem Interesse. Und diese Einsch\u00e4tzung als proletarische Avant-Garde wurde der Legitimierung der KPdSU zugrunde gelegt und zunehmend via die Kommunistische Internationale von den kommunistischen Parteien Europas und ausserhalb \u00fcbernommen. Die materielle Erosion des Proletariats als geschichtlichem Subjekt und damit seiner Organe, der R\u00e4te und insbesondere der Fabrikkomitees, machte die Partei in den Augen der Bolschewiki \u2013 und vieler Beobachter &#8211;\u00a0 zum einzigen Instrument der Durchsetzung einer koh\u00e4renten Politik. Dies war gerade im B\u00fcrgerkrieg entscheidend f\u00fcr den Sieg. Trotzki formulierte bereits um 1903 die wesentliche Gefahr dieser substitutionistischen Konzeption in seiner Kritik an Lenin folgendermassen: \u00abDie Parteiorganisation tritt an die Stelle der Partei selbst, das Zentralkomitee an die Stelle der Parteiorganisation und schlussendlich der Diktator an die Stelle des Zentralkomitees.\u00bb Dies traf dann sp\u00e4testens anfangs der 1930er-Jahre ein, als der Stalinismus sich festgesetzt hatte und bereits Tausende aus der Alten Garde aus der Partei ausgeschlossen worden waren. Damals begann auch der Massenterror. Im Rahmen dieser Strategie wurde der proletarische Charakter des Staates durch die Tatsache sichergestellt, dass dieser sich in den H\u00e4nden einer proletarischen Partei befand, die danach trachtete, die Arbeiterklasse zum Sozialismus zu f\u00fchren. Es war gewissermassen das tragische Schicksal der bolschewistischen Partei, sich in den Zeiten der grossen Krisen und des Zur\u00fcckflutens der Kr\u00e4fte der R\u00e4tebewegung hartn\u00e4ckig und misstrauisch als Verk\u00f6rperung der proletarischen Interessen an der Macht zu halten und in der Konsequenz selbst unterzugehen. All der Schmach und der Verrat, der mit dem Bolschewismus assoziiert wurde und wird, h\u00e4ngt damit zusammen.<\/p>\n<p>Der politisch egalit\u00e4re Trend, ja das Ethos von 1917, der die sowjetische Modernisierung w\u00e4hrend der heroischen Phase, d.h. bis zur faktischen Marginalisierung der Alten Garde sp\u00e4testens um 1928 bis 1929 getragen hat, steht dem europ\u00e4ischen und amerikanischen Modell der Modernisierung entgegen. Es bezieht seine Ressourcen einerseits aus der l\u00e4ndlichen Tradition Russlands und andererseits aus der europ\u00e4ischen Arbeiterbewegung, insbesondere aus deren radikalen Traditionen, wie sie vor allem im revolution\u00e4ren, nicht-revisionistischen Marxismus ihren theoretischen und praktischen Ausdruck gefunden hatten (Rabinovitch). Dieses Prinzip wurde von den Bolschewiki zuerst im Kriegskommunismus, dann in verst\u00e4rktem Masse in der NEP mit der Privilegierung der technokratischen und administrativen Mittelschichten aber selbst aufgeweicht. Die Krise 1927 bis 1929 war\u00a0 selbst Ausdruck einer wachsenden Ungleichheit in der Gesellschaft: in den St\u00e4dten standen eine Mittelschicht von privilegierten Managern und B\u00fcrokraten einem wachsenden armen Proletariat gegen\u00fcber, das einer zunehmenden Arbeitslosigkeit ausgesetzt war. Auf dem Land eine verh\u00e4ltnism\u00e4ssig wohlhabende Schicht von Mittel- und Grossbauern (Kulaken) und einer verarmenden Mehrheit von Kleinbauern. Diese Widerspr\u00fcche konnten durch Stalin genutzt werden, um ab 1928 seine forcierte Modernisierung von oben (Reiman in Daniels) in der eigentlichen Er\u00f6ffnung der stalinistischen Periode durchzusetzen.<\/p>\n<p>In der Sowjetunion\u00a0 wurden aber unbestrittene Leistungen her\u00advorgebracht. Oft wohl eher trotz der Fehlleistungen von Stalin und der B\u00fcrokratie, gerade auch dank der Vitalit\u00e4t der\u00a0 Arbeiter- und Bauernschaft. Man denke nur an den Sieg \u00fcber den Faschismus, die erstaunlichen wirtschaftlichen Leistungen ab den fr\u00fchen 1930er- bis Anfang der 1960er-Jahre. Oder an die Schaffung eines Man\u00f6verierraumes f\u00fcr die anti-kolonialen oder anti-imperialistischen Revolutionen bis Ende der 1970er-Jahre. Trotz der oft problematischen, ja verbrecherischen Rolle der Kommunistischen Internationale und von Stalin und seinen Nachfolgern in dieser Hinsicht. Dass die Sowjetunion w\u00e4hrend 70 Jahren einen hohen Grad politischer und wirtschaftlicher Autonomie gegen\u00fcber den Grossm\u00e4chten Europas und der USA bewahren konnte, h\u00e4ngt gerade mit der starken Zentralisierung zusammen. Dies weist trotz aller Probleme auf die unumg\u00e4ngliche Funktion der Eroberung der Staatsmacht als strategischem Ziel von revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften hin, insbesondere in der imperialistischen Peripherie.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Dies wird gerade heute deutlich, insofern in den L\u00e4ndern des Trikonts jede politische und \u00f6konomische Autonomie wegerodiert, sofern nicht eine nationale Revolution in der Nachkriegszeit den Staatsapparat nutzte, um wichtige wirtschaftliche Entscheide zu zentralisieren. Die Zerfallserscheinungen bez\u00fcglich Lebens- und Arbeitsbedingungen f\u00fcr den gr\u00f6ssten Teil der Bev\u00f6lkerungen der ex-Sowjetunion, in Osteuropa und dem Balkan, die ab dem Zusammenbruch der Sowjetunion einsetzten, das Aufkommen starker faschistoider Str\u00f6mungen an vielen Orten z.B. in Polen, Rum\u00e4nien, der Ukraine und Ungarn und die vielen Kriege deuten darauf hin, dass die H\u00fclse dieses autorit\u00e4ren Staates zumindest das Schlimmste verhinderte. Dass beim Zusammenbruch diese zerst\u00f6rerische Entwicklung losgetreten werden konnte, hat sehr viel damit zu tun, dass am Ende der 1980er-Jahre keine der g\u00fcnstigen Voraussetzungen mehr vorhanden gewesen ist, die den Durchbruch proletarischer Demokratie 70 Jahre vorher erm\u00f6glicht hatten: es war keine revolution\u00e4re proletarische Organisation mehr vorhanden, denn die bolschewistische Partei war seit mindestens 60 Jahren untergegangen. Und die gegen Ende der achtziger Jahre aufflammende Massenspontaneit\u00e4t zur Verteidigung der Lebens- und Arbeitsbedingungen war zu fragmentiert, obwohl oft &#8211; z.B. in der Schwerindustrie, in den Bergwerken und der Erd\u00f6lindustrie im Ural, in Sibirien und vor allem in Rum\u00e4nien &#8211; erbittert und lange gek\u00e4mpft wurde. Und auf internationaler Ebene waren die vorl\u00e4ufig letzten Ausl\u00e4ufer proletarischer Erhebungen seit den 1970er-Jahren durch Repression und Korporatismus ausgetreten worden. Eigentlich entsprach dies weitgehend den Bedingungen, die global seit Ende der siebziger Jahre zur Durchsetzung der neoliberalen Offensive gegen die Arbeits- und Lebensbedingungen breitester Bev\u00f6lkerungssegmente f\u00fchrte.<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p><em>Im Text wird weitgehend auf die genauen Referenzen in der Literatur verzichtet. Dies entsprechend seinem Charakter, eher eine polemische Intervention als eine wissenschaftlich abgerundete Arbeit zu sein. Klassiker des Marxismus (z.B. Lenin, Trotzki, Bucharin, Luxemburg etc.) wurden nur ansatzweise in diese Liste aufgenommen, da ihre Schriften beinahe durchwegs herangezogen werden k\u00f6nnen, ja teilweise m\u00fcssen, um die Problematik in ihrer Breite und Tiefe begreifen zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p>Anweiler Oskar: <em>R\u00e4tebewegung in Russland 1905-1921<\/em>. E.J.Brill, Leiden 1958<\/p>\n<p>Aves Jonathan\u00a0: <em>Workers against Lenin: Labour Protest and the Bolshevik Dictatatorship<\/em>. I.B.Tauris Publishers, London &amp; New York 1996<\/p>\n<p>Bajanow Boris: <em>Stalin, der rote Diktator (von seinem Privatsekret\u00e4r)<\/em>. Verlag der Paul Aretz GmbH, o.O. 1931<\/p>\n<p>Brou\u00e9 Pierre: <em>Le parti bolch\u00e9vique. Histoire du P.C. de l\u2019U.R.S.S. <\/em>Les \u00e9ditions de minuit, Paris 1971 (2nd)<\/p>\n<p>Brou\u00e9 Pierre: <em>Trotsky<\/em>, Fayard, Paris 1988<\/p>\n<p>Brou\u00e9 Pierre: <em>Histoire de l\u2019internationale communiste. 1919 \u2013 1943<\/em>. Fayard, Paris 1997<\/p>\n<p>Burdzhalov Eduard N.: <em>Russia\u2019s Second Revolution. The February Uprising in Petrograd.<\/em> Indiana University Press, Bloomington and Indianapolis 1987<\/p>\n<p>Chibber Vivek\u00a0: <em>Reviving the Developmental State?\u00a0 The Myth of the \u2018National Bourgeoisie\u2019<\/em>. In: <em>Socialist Register 2005<\/em>, The Merlin Press, London 2004<\/p>\n<p>Cliff Tony<\/p>\n<p>Daniels Robert V. (Ed.): <em>The Stalin Revolution. Foundations of the Totalitarian Era<\/em>. Houghton Mifflin Company, Fourth Edition, Boston &amp; New York 1996<\/p>\n<p>Drewski Bruno (\u00c9d.): \u00a0<em>Octobre 1917. Causes, impact, prolongements.<\/em> Presses universitaires de France (PUF), Paris 1999<\/p>\n<p>Harman Chris\u00a0: <em>The Lost Revolution. Germany 1918 to 1923<\/em>. Haymarket Books, Chicago &amp; London 1982<\/p>\n<p>International Communist Current (ICC)\u00a0: <em>The Russian Communist Left 1918\u201330. A contribution to the history of the revolutionary movement<\/em>, o. O. 2005<\/p>\n<p>Kolko Gabriel: <em>Century of War. Politics, Conflicts, and Society Since 1914.<\/em> The New Press, New York 1997<\/p>\n<p>Krausz Tam\u00e0s: <em>Reconstructing Lenin. An intellectual Biography.<\/em> Monthly Review Press, New York 2015<\/p>\n<p>LeBlanc Paul: <em>Lenin and the Revolutionary Party<\/em>: Humanities Press International, Chicago &amp; London 1990<\/p>\n<p>Lenin Wladimir I.: <em>Der Opportunismus und der Zusammenbruch der II. Internationale<\/em>. Unter <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/le\/le22\/le22_107.htm\">http:\/\/www.mlwerke.de\/le\/le22\/le22_107.htm<\/a> (1916)<\/p>\n<p>Lenin Wladimir I.: <em>Ein Vortrag \u00fcber die Revolution von 1905<\/em>. Unter <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lenin\/1917\/01\/1905.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lenin\/1917\/01\/1905.htm<\/a> (1917)<\/p>\n<p>Lenin Wladimir I.: <em>Politischer Bericht des Zentralkomitees der KPR(B). 27. M\u00e4rz 1922.<\/em> Werke Bd. 33<\/p>\n<p>Lewin Moshe: <em>Russian Peasant and Sowiet Power. A Study of Collectivization. <\/em>W.W. Norton &amp; Company, New York and London 1975<\/p>\n<p>Lewin Moshe: <em>Le si\u00e8cle\u00a0 sovi\u00e9tique<\/em>. Fayard, Paris 2003<\/p>\n<p>Lewin Moshe: <em>Lenin\u2019s Last Struggle<\/em>. The University of Michigan Press, Ann Arbor, 2nd edition 2005<\/p>\n<p>Liebman Marcel: <em>Leninism under Lenin<\/em>. Jonathan Cape, London 1975<\/p>\n<p>Lih Lars T.: <em>Lenin Rediscovered. What Is to Be Done? in Context. <\/em>Haymarkeet Books, Chicago 2006<\/p>\n<p>Luxemburg Rosa: <em>Die russische Trag\u00f6die. (1918).<\/em> In Gesammelte Werke Band 4, Dietz Verlag, Berlin 1974<\/p>\n<p>Luxemburg Rosa: <em>Zur russischen Revolution. (1918)<\/em>. Unter <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/luxemburg\/1918\/russrev\/index.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/luxemburg\/1918\/russrev\/index.htm<\/a><\/p>\n<p>Marie Jean-Jacques:\u00a0 <em>Lenin. 1870-1924<\/em>. Balland, Paris 2004<\/p>\n<p>Marie Jean-Jacques: <em>La guerre civile russe. 1917 \u2013 1922. Arm\u00e9es paysannes rouges, blanches et vertes.<\/em> Editions Autrement, Paris 2005a<\/p>\n<p>Marie Jean-Jacques:\u00a0 <em>Cronstadt<\/em>. Fayard, Paris 2005b<\/p>\n<p>Meiksins Wood Ellen: <em>Democracy against Capitalism. Renewing Historical Materialism<\/em>. Cambridge University Press, Cambridge 1995<\/p>\n<p>Pankratova Anna M.: <em>Fabrikr\u00e4te in Russland. Der Kampf um die sozialistische Fabrik<\/em>. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M.\u00a0 1976 (Russische Ausgabe Moskau 1923)<\/p>\n<p>Rabinovitch Alexander: <em>The Bolsheviks come to Power. The Revolution of 1917 in Petrograd<\/em>. Haymarket Press and Pluto Press, 2nd edition, London and Ann Arbor 2004<\/p>\n<p>Rabinovitch Alexander: <em>Die Sowjetmacht. Das erste Jahr.<\/em> Mehring-Verlag, Essen 2010<\/p>\n<p>Rachleff Peter: <em>Soviets and Factory Committees in the Russian Revolution<\/em>. Unter: <a href=\"http:\/\/libcom.org\/library\/soviets-factory-committees-russian-revolution-peter-rachleff\">http:\/\/libcom.org\/library\/soviets-factory-committees-russian-revolution-peter-rachleff<\/a><\/p>\n<p>Reed John: <em>Ten Days That Shook the World. <\/em>Penguin, London etc 1977<\/p>\n<p>Reimann Michal: <em>Die Geburt des Stalinismus. Die UdSSR am Vorabend der \u2018zweiten Revolution\u2019<\/em>. Europ\u00e4ische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1979<\/p>\n<p>Remington Thomas F.: <em>Building Socialism in Bolshevik Russia. Ideology and Industrial Organization 1917 \u2013 1921<\/em>. University of Pittsburgh Press, Pittsburgh 1984<\/p>\n<p>Rogowin Wadim S.: <em>Trotzkismus<\/em>. Mehring Verlag, Essen 2010<\/p>\n<p>Rogowin Wadim S,: <em>Stalins Kriegskommunismus.<\/em> Arbeiterpresse Verlag, Essen 1993<\/p>\n<p>Rogowin Wadim S,: <em>Vor dem grossen Terror. Stalins Neo-N\u00d6P.<\/em> Arbeiterpresse Verlag, Essen 1999<\/p>\n<p>Rogowin Wadim S,: <em>1937. Jahr des Terrors.<\/em> Arbeiterpresse Verlag, Essen 1998<\/p>\n<p>Rogowin Wadim S,: <em>Die Partei der Hingerichteten.<\/em> Arbeiterpresse Verlag, Essen 1999<\/p>\n<p>Rogowin Wadim S.: <em>Weltrevolution und Weltkrieg<\/em>. Arbeiterpresse Verlag, Essen 1998<\/p>\n<p>Stone Norman: <em>Europe transformed. 1878 \u2013 1919<\/em>. Blackwell Publishers, Oxford &amp; Maiden Ma. 1999<\/p>\n<p>Trotzki Leo: <em>Ergebnisse und Perspektiven. Die treibenden Kr\u00e4fte der Revolution<\/em>. 1906. z.B. in <em>Die permanente Revolution<\/em>. Arbeiterpresse Verlag, Essen, 1993. Oder unter: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/index.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1906\/erg-pers\/index.htm<\/a><\/p>\n<p>Trotzki Leo: <em>Die Russische Revolution 1905<\/em>, (2nd 1922). Sozialistische Alternative &#8211; SAV, Berlin, 2014<\/p>\n<p>Trotzky L\u00e9on: <em>Histoire de la r\u00e9volution russe. Tome I: La r\u00e9volution de f\u00e9vrier, Tome II: La r\u00e9volution doctobre.<\/em> \u00c9ditions du Seuil, Paris 1995. Deutsch unter: <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1930\/grr\/index.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1930\/grr\/index.htm<\/a><\/p>\n<p>Trotzki Leo: <em>Verratene Revolution.<\/em> <em>(1935)<\/em>.\u00a0 Z.B. in: <em>Trotzki Schriften. 1.2. Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur. 1936 \u2013 1940.<\/em> Rasch und R\u00f6hring Verlag, Hamurg 1988<\/p>\n<p>Trotzki Leo: Bolschewismus und Stalinismus. (1937). Unter: \u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1937\/08\/bolstal.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1937\/08\/bolstal.htm<\/a><\/p>\n<p>Trotzki Leo: <em>Stalin. Eine Biographie. (1940 unvollendet)<\/em>. Mehring Verlag, Essen 2010<\/p>\n<p>Wehler Hans-Ulrich: <em>Bismarck und der Imperialismus.<\/em> Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M.\u00a0 1984<\/p>\n<p>Wolf Eric\u00a0: <em>Les guerres paysannes du vingti\u00e8me si\u00e8cle.<\/em> Fran\u00e7ois Maspero, Paris 1974<\/p>\n<p><strong>Abk\u00fcrzungen<\/strong><\/p>\n<p>KPdSU: Kommunistische Partei der Sowjetunion<\/p>\n<p>MVD: Innenministerium; verwaltete unter anderem den Gulag<\/p>\n<p>NEP: Neue \u00f6konomische Politik. Gemischtwirtschaftliche Phase in der Sowjetunion (1921 bis 1928)<\/p>\n<p>SU: Sowjetunion<\/p>\n<p>TINA: There is no Alternative, Es gibt keine Alternative. Triumphaler Leitspruch M. Thatchers, ge\u00e4ussert bei ihrem Amtsantritt als britische Premierministerin 1979.<\/p>\n<p>UdSSR: Union der Sozialistischen Sowjet Republiken<\/p>\n<p>ZK: Zentralkomitee. F\u00fchrungsorgan der KPdSU<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Im strengen Sinne war der Stalinismus das politische und gesellschaftliche System in der Sowjetunion, das sich um die Mitte der 1920er-Jahre abzuzeichnen begann, sich mit der Einleitung der Zwangskollektivierung und dem Ersten F\u00fcnfjahresplan (1928\/29) durchsetzte und mit dem Tode Stalins (M\u00e4rz 1953) bzw. der Geheimrede Chruschtschows am 20. Parteikongress der KPdSU \u00fcber die Verbrechen Stalins (1956) endete. Diese Bezeichnung ist insofern berechtigt, als die\u00adses System zunehmend um die Person Stalins herum strukturiert war.\u00a0 Allerdings ist der Stalinismus weit \u00fcber die Sowjetunion und die Lebenszeit Stalins hinaus wirksam gewesen. In dieser Arbeit wird jedoch nur die diesbez\u00fcgliche Entwicklung in der Sowjetunion betrachtet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Unter Thermidor wird ein Abbruch und eine Umkehr einer revolution\u00e4ren Entwicklung und ein mehr oder weniger gewaltsames Zur\u00fcckdr\u00e4ngen von deren tragenden Kr\u00e4ften verstanden. Diese Bezeichnung geht auf das Ende der Franz\u00f6sischen Revolution (Thermidor 1794, Absetzung der Jakobiner) zur\u00fcck und wird von Trotzki im Zusammenhang mit der Russischen Revolution f\u00fcr die Durchsetzung der Alleinherrschaft Stalins (Ende der 1920er-Jahre) gebraucht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> TINA: There Is No Alternative, Wahlspruch am Ende der siebziger Jahre der britischen Premierministerin M. Thatcher<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Konsequenterweise beginnt f\u00fcr sie das Problem bereits sp\u00e4testens mit Marx und dem Marxismus. Ihre bis heute bekanntesten Anw\u00e4lte sind nebst einer Vielzahl anderer z.B. Karl Popper mit <em>Die offene Gesellschaft und ihre Feinde<\/em>, Friederich Hayek mit <em>Der Weg zur Knechtschaft<\/em>, Fran\u00e7ois Furet mit <em>Das Ende der Illusion. Der Kommunismus im 20. Jahrhundert<\/em>, St\u00e9phane Courtois mit <em>Das Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdr\u00fcckung, Verbrechen und Terror <\/em>oder Richard Pipes mit<em> Kommunismus.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Im Rahmen dieses Aufsatzes bleiben die inhaltliche Weiterentwicklung der Demokratie, wie sie durch die B\u00fcrgerrechtsbewegung und die Frauenbewegung bis weit ins 20. Jahrhundert erk\u00e4mpft wurden, ausgeklammert. Allerdings haben diese meistens nur dort wirklich emanzipatorische Durchschlagskraft erreicht, wo sie die Eigentumsfrage einbezogen haben, das heisst sich im Zusammenhang mit den Klassenkonflikten orientiert haben. Wie \u00fcbrigens das Umgekehrte erst recht gilt. F\u00fcr diese Diskussion m\u00f6chte ich auf z.B. auf\u00a0 den Reader von Nancy Holstrom: <em>The Socialist Feminist Project, <\/em>New York 2002, verweisen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Siehe mittlerweile beispielsweise <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=851\">Neue Strategie, neue Partei?<\/a> in inprekor vom Januar \/ Februar 2016. [eingef\u00fcgt 2017]<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Siehe Leo Trotzki: Die Russische Revolution 1905; ders.: Ergebnisse und Perspektiven; auch Lenin 1917 [eingef\u00fcgt 2017]<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> siehe dazu z.B. verschiedene Beitr\u00e4ge in Daniels; auch Lewin 2003<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Dass dabei die Mitglieder der Linken Opposition und damit auch Trotzki nie\u00a0 rehabilitiert wurden, weist ebenfalls auf die Grenzen dieser Entstalinisierung hin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Da mag eingewendet werden, dass gerade in der imperialistischen Peripherie die Revolutionen durch die Bauern getragen waren und vorl\u00e4ufig immer noch sind. Mein Argument geht aber in die Richtung, dass die proletarische Demokratie, als ein Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der Herrschaft der Eigent\u00fcmer an Kapital und Grundeigentum aus den wichtigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen in einer \u00dcberwindung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, also auch des privaten Grundeigentums besteht. Und bislang endeten die Agrarreformen, die auf Revolutionen folgten, nur ausnahmsweise in einer Durchsetzung des kollektiven Eigentums auf dem Lande, etwa in China. Das heisst, die R\u00e4testrukturen, als genuine proletarische Weiterentwicklung der Demokratie, spielten kaum eine Rolle. Das Problem liegt in der Sowjetunion ja gerade darin, dass diese demokratischen kollektiven Eigentumsformen sich nicht von der Industrie auf das Land ausgeweitet haben, w\u00e4hrend z.B. in China sich diese vom Land nur als autorit\u00e4re Formen auf die Industrie ausgeweitet haben. Man vergleiche dazu z.B. Wolf (1974), wo diese Grenzen sichtbar werden, obwohl das dort entwickelte Argument nicht in die hier vertretene Richtung geht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Als Revisionismus wird die um den Beginn des 20. Jahrhunderts sich durchsetzende Vorstellung\u00a0 bezeichnet, dass der Kapitalismus durch friedliche Reformen langsam in den Sozialismus \u00fcberf\u00fchrt werden k\u00f6nnte. Dazu\u00a0 gen\u00fcge die Eroberung der Mehrhit in den Parlamenten. Diese Vorstellung, die von E. Bernstein theoretisch formuliert wurde und eine heftige Debatte ausl\u00f6ste im sogenannten Revisionismusstreit, ist bis heute die unhinterfragte Grundauffassung der Sozialdemokratie.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Dieser Begriff geht auf Preobrashenski und Bucharin in der Zeit des Kriegskommunismus zur\u00fcck und rechtfertigt unter anderem auch die Ausbeutung der Arbeiterklasse durch den proletarischen Staat vor dem Ziel der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Rede Stalins vor dem 13. Parteikongress (1924); diese Formel wurde 1926 in der Kommunistischen Internationalen (!) best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Dies ist wohl der strategisch entscheidende Einwand gegen das Argument von\u00a0 J. Holloway, das dieser im Buch\u00a0 <em>Die Welt ver\u00e4ndern ohne die Macht zu \u00fcbernehmen<\/em>\u00a0 entwickelt, und das gerade im Umfeld der Antiglobalisierungsbewegung eine breite Zustimmung gefunden hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willi Eberle. Hundert Jahre nach der Russischen Revolution bleiben deren Grundkonflikte weiterhin von h\u00f6chster Aktualit\u00e4t. 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