{"id":1896,"date":"2017-02-02T10:49:54","date_gmt":"2017-02-02T08:49:54","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1896"},"modified":"2017-02-02T10:49:54","modified_gmt":"2017-02-02T08:49:54","slug":"ueber-rassistische-einbuergerungsverfahren-und-echte-schweizer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1896","title":{"rendered":"\u00dcber rassistische Einb\u00fcrgerungsverfahren und \u00abechte Schweizer\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><em>BFS Jugend Z<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rich.<\/em><strong> Am 12. Februar 2017 wird <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ber den Bundesbeschluss <\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong>Zur erleichterten Einb<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>rgerung von Personen der dritten Ausl<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ndergeneration<\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong> abgestimmt. Dieses Gesetz ist <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>berf<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>llig.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> Allerdings m<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ssen unsere Forderungen weitergehen und das Einb<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>rgerungsverfahren muss insgesamt an den Pranger gestellt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Wie zu erwarten war, stellt sich die SVP gegen diesen Vorschlag. Parteipr\u00e4sident Albert R\u00f6sti argumentiert offen rassistisch gegen den Vorstoss. Er meint, heute seien es mehrheitlich \u00abdie Italiener\u00bb, die vom neuen Gesetz \u00abprofitieren\u00bb w\u00fcrden. In 20 Jahren w\u00e4re es aber anders: \u00abDann sind es dann Afrikaner.\u00bb<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> Der Wahn der angeblichen \u00dcberfremdung scheint mal wieder durch die Hirne der SVP-Politiker*innen zu spuken. Immerhin rufen solch rassistische Aussagen noch etwas Emp\u00f6rung hervor und auch die SP stellt sich gegen den Rassismus, welcher die Diskussion \u00fcber Einb\u00fcrgerung immer wieder beherrscht. Allerdings vergessen die SP und andere linke Kr\u00e4fte dabei (oder sie verzichten darauf, es zu benennen), dass nicht nur die SVP, sondern das gesamte Einb\u00fcrgerungsverfahren an sich rassistisch ist.<\/p>\n<p><strong>Rassistisches Einb<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>rgerungsverfahren<\/strong><\/p>\n<p>Wenn eine Person in einem Land geboren wird, dort zur Schule geht, dort arbeitet, Steuern zahlt und so weiter, w\u00e4re es eigentlich v\u00f6llig normal, dass diese Person auch dieselben Rechte besitzen w\u00fcrde, wie alle anderen, die im selben Land geboren worden sind. In vielen Staaten werden Menschen nach diesem Prinzip eingeb\u00fcrgert: wer innerhalb der Staatsgrenzen geboren wird und auch dort lebt, soll auch Staatsb\u00fcrger*in sein. Dieses Prinzip nennt sich <em>ius soli<\/em>, lateinisch f\u00fcr Gesetz des Bodens. Der Geburtsort ist also ausschlaggebend daf\u00fcr, wer Staatsb\u00fcrger*in sein darf und wer nicht. Nat\u00fcrlich gilt es auch an Staaten, die sich nach dem <em>ius soli<\/em> richten, viel zu kritisieren. Schliesslich werden auch dort viele Menschen diskriminiert, wenn sie die falschen oder gar keine Papiere haben. Doch in der Schweiz ist die Situation eine Stufe schlimmer.<\/p>\n<p>Hierzulande ist es m\u00f6glich, seit drei Generationen wohnhaft zu sein und immer noch keine Staatsb\u00fcrger*innenschaft zu besitzen. Wie geht das? In der Schweiz sind nicht der Geburtsort und die Lebenssituation entscheidend, sondern die Abstammung. Ein Kind von Eltern mit Schweizer Pass, erh\u00e4lt diesen ebenfalls automatisch, selbst wenn die Familie nicht in der Schweiz wohnt. Dieses Kind k\u00f6nnte die Schweizer Staatsb\u00fcrger*innenschaft wiederum an seine Kinder vererben, ohne jemals in der Schweiz gewesen zu sein. Die Staatsb\u00fcrger*innenschaft ist also im Blut begr\u00fcndet und wird deshalb auch <em>ius sanguinis<\/em>, Gesetz des Blutes, genannt.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>Dass das Blut von Schweizer*innen wissenschaftlich nicht vom Blut der \u00abAusl\u00e4nder*innen\u00bb zu unterscheiden ist, ist klar. Auch dass es keine \u00abRassen\u00bb gibt, hat die Genetik l\u00e4ngst bewiesen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> Allen wissenschaftlichen und logischen Argumenten zum Trotz klammert sich der Schweizer Staat an ein Einb\u00fcrgerungsgesetz, das auf rassistischen Ideen von Blut und Rasse basiert.<\/p>\n<p>Auch wenn es biologisch gesehen keine Rassen gibt, scheinen in der gesellschaftlichen Realit\u00e4t nicht alle Menschen gleich viel wert zu sein. Dies zeigt sich eben am Diskurs \u00fcber Schweizer*innen, Ausl\u00e4nder*innen und die Einb\u00fcrgerung.<\/p>\n<p><strong>\u00ab<\/strong><strong>Echte Schweizer<\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong> und <\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong>Papierlischwiizer<\/strong><strong>\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Nehmen wir als Beispiel einen Schweizer mit dunkler Hautfarbe. Egal wie viele Generationen die Familie dieser Person schon in der Schweiz lebt, egal wie lange er selbst schon das Schweizer B\u00fcrger*innenrecht besitzt (vielleicht seit Geburt), wird diese Person oft nicht als Schweizer*in wahrgenommen. Denn eins wissen Herr und Frau Schweizer: echte Schweizer*innen sind weiss, weil Schweizer*in-Sein h\u00e4ngt ja mit dem Blut zusammen. So m\u00fcssen sich Menschen mit anderer Hautfarbe auch immer wieder Fragen gefallen lassen wie: \u00abWoher kommst du?\u00bb \u2013 \u00abAus der Schweiz.\u00bb \u2013 \u00abNein, ich meine deine Familie?\u00bb \u2013 \u00abAus Lenzburg.\u00bb \u2013 \u00abNein, du weisst schon, wo kommst du urspr\u00fcnglich her?\u00bb \u2013 \u00abAus meiner Mami!\u00bb\u2026 Das \u00aburspr\u00fcnglich Herkommen\u00bb sagt anscheinend mehr \u00fcber eine Person aus, als die Lebenssituation in den letzten 20 Jahren, und deshalb m\u00fcssen Herr und Frau Schweizer auch immer die Familiengeschichte der letzten 200 Jahren kennen um ihr Gegen\u00fcber einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In solchen Gespr\u00e4chen, die mensch oft genug im Alltag erlebt, zeigt sich auch eine weitere Facette des allt\u00e4glichen Rassismus: Auch wenn die sogenannten \u00abIntegrationskriterien\u00bb<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>, welche gemeinhin als Bedingung gelten, um Schweizer*in zu sein, alle erf\u00fcllt werden, bleiben alle Menschen, die ihre Staatsb\u00fcrger*innenschaft durch Einb\u00fcrgerung und nicht durch Abstammung \u00aberworben\u00bb haben, trotzdem f\u00fcr immer \u201ePapierlischwiizer\u201c. Also irgendwie schon Schweizer*innen, aber doch nicht so richtig. Denn richtige, also so richtig richtige Schweizer*innen sind halt weiss, und anst\u00e4ndig, und so\u2026 schweizerisch halt.<\/p>\n<p><strong>Forderungen, die <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ber die Abstimmung hinausgehen<\/strong><\/p>\n<p>Wir setzen uns selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr eine erleichterte Einb\u00fcrgerung von Menschen ohne Schweizerpass ein. Doch wir wollen auch aufzeigen, dass das bisherige Einb\u00fcrgerungsverfahren an sich rassistisch ist, und nicht nur die Diskussionen rund um die Abstimmung am 12. Februar!<\/p>\n<p>Deshalb fordern wir:<\/p>\n<ul>\n<li>Weg mit dem rassistischen Einb\u00fcrgerungsverfahren!<\/li>\n<li>Alle Menschen, die hier mit uns zusammenleben, sollen sofort dieselben politischen, sozialen und gewerkschaftlichen Rechte erhalten, unabh\u00e4ngig welche Hautfarbe sie haben oder in welchem Land ihre Eltern und Grosseltern geboren worden sind!<\/li>\n<li>Bleiberecht f\u00fcr alle, denn kein Mensch ist illegal!<\/li>\n<li>F\u00fcr offene Grenzen und freie Schiffspassagen \u00fcber\u2018s Mittelmeer!<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2017\/schweiz-ueber-rassistische-einbuergerungsverfahren-und-echte-schweizer\/\">sozialismus.ch&#8230;<\/a> vom 2. Februar 2017<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/in-20-jahren-sind-es-dann-die-afrikaner\/story\/14639240\">http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/in-20-jahren-sind-es-dann-die-afrikaner\/story\/14639240<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.sem.admin.ch\/sem\/de\/home\/themen\/buergerrecht.html\">https:\/\/www.sem.admin.ch\/sem\/de\/home\/themen\/buergerrecht.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Cavalli-Sforza, Luigi L. (199): Gene, V\u00f6lker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation. Oder als kurzer \u00dcberblick: <a href=\"http:\/\/www.akdh.ch\/ps\/ps_82Ausnahmen-Rgel.html\">http:\/\/www.akdh.ch\/ps\/ps_82Ausnahmen-Rgel.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> B\u00fcG, Art. 14: Die Staatsb\u00fcrgerschaft erh\u00e4lt, wer: <em>in die schweizerischen Verh\u00e4ltnisse eingegliedert ist; mit den schweizerischen Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebr\u00e4uchen vertraut ist; die schweizerische Rechtsordnung beachtet; die innere oder \u00e4ussere Sicherheit der Schweiz nicht gef\u00e4hrdet.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFS Jugend Z\u00fcrich. Am 12. Februar 2017 wird \u00fcber den Bundesbeschluss \u00abZur erleichterten Einb\u00fcrgerung von Personen der dritten Ausl\u00e4ndergeneration\u00bb abgestimmt. 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