{"id":1904,"date":"2017-02-03T12:05:41","date_gmt":"2017-02-03T10:05:41","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1904"},"modified":"2017-02-03T12:05:41","modified_gmt":"2017-02-03T10:05:41","slug":"die-obama-illusion-und-die-rassistische-kontinuitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1904","title":{"rendered":"Die Obama-Illusion und die rassistische Kontinuit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>F<\/em><\/strong><strong><em>\u00fc<\/em><\/strong><strong><em>r viele US-amerikanische Linke hat Keeanga-Yamahtta Taylor das wichtigste Buch des letzten Jahres geschrieben. In ihrem preisgekr<\/em><\/strong><strong><em>\u00f6<\/em><\/strong><strong><em>nten Buch <\/em><\/strong><strong><em>\u00bb<\/em><\/strong><strong><em>From #BlackLivesMatter to Black Liberation<\/em><\/strong><strong><em>\u00ab<\/em><\/strong><strong><em> trifft<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong><em> eine r<\/em><\/strong><strong><em>\u00fc<\/em><\/strong><strong><em>cksichtslose Kritik alles Bestehenden auf den revolution<\/em><\/strong><strong><em>\u00e4<\/em><\/strong><strong><em>ren Optimismus, der sich in den Stra<\/em><\/strong><strong><em>\u00df<\/em><\/strong><strong><em>en von Ferguson nach Baltimore und dar<\/em><\/strong><strong><em>\u00fc<\/em><\/strong><strong><em>ber hinaus zusammenballte. Die Professorin f<\/em><\/strong><strong><em>\u00fc<\/em><\/strong><strong><em>r African American Studies in Princeton kritisiert die US-amerikanische Rhetorik der Farbenblindheit als Verschleierung der rassistischen Kontinuit<\/em><\/strong><strong><em>\u00e4<\/em><\/strong><strong><em>t und der Enteignung der Armen. Ihr Buch analysiert die Macht wei<\/em><\/strong><strong><em>\u00df<\/em><\/strong><strong><em>er Vorherrschaft, aber auch das Scheitern der Schwarzen Eliten und die <\/em><\/strong><strong><em>\u00bb<\/em><\/strong><strong><em>Illusion Obama<\/em><\/strong><strong><em>\u00ab<\/em><\/strong><strong><em>. George Ciccariello-Maher interviewte sie f<\/em><\/strong><strong><em>\u00fc<\/em><\/strong><strong><em>r das Magazin ROAR.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Einleitung deines Buches tr<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>gt den Titel <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>Black Awakening in Obama&#8217;s America<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong>. Das ist eine Referenz an Robert Allens Klassiker <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>Black Awakening in Capitalist America<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong> von 1969. Mit seiner Aufmerksamkeit f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r das komplexe Zusammenspiel von Rasse und Klasse stellt es einen Vorg<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>nger deines eigenen Buches dar. <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> In welchem Ausma<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong> siehst du deine Arbeit als eine Fortsetzung von Allens Analyse der K<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>mpfe einer fr<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>heren Generation?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Keeanga-Yamahtta Taylor<\/strong>: Allen erfasste die F\u00e4higkeit der Schwarzen Bewegung, den amerikanischen Staat in seinen Grundfesten zu ersch\u00fcttern. Das Schwarze Erwachen war nicht nur eine Angelegenheit Schwarzer Menschen &#8211; es war eine Bedrohung des Systems selbst. Und das System reagierte dementsprechend. Allen widmete sich insbesondere den wiederholten Versuchen des Kapitals, die Schwarze Bewegung zu absorbieren, sich ihrer zu bem\u00e4chtigen und &#8211; in manchen F\u00e4llen &#8211; zu kooptieren. W\u00e4hrend der Nachwehen der Aufst\u00e4nde von 1966 und 1967, nachdem Schwarze Leute den Gesch\u00e4ftsverkehr mit Br\u00e4nden und Pl\u00fcnderungen gest\u00f6rt hatten, gab es von Unternehmerseite aus eine gemeinsame Anstrengung, sich in Schwarzen urbanen Nachbarschaften als das freundliche Gesicht des Kapitals zu pr\u00e4sentieren. Manche Menschen begr\u00fc\u00dften das Angebot an Gesch\u00e4ften. Von Schwarzen gef\u00fchrte Gesch\u00e4fte und mehr Zugang zu amerikanischem Wohlstand waren verlockende Versprechen. Aber f\u00fcr die Mehrheit Schwarzer Menschen war es der Widerstand, der ihnen eine bessere Zukunft versprach.<\/p>\n<p>Der Schwarze Wutausbruch von 2014 war nicht einfach eine Wiederholung der Ereignisse, die 45 Jahre vorher stattgefunden hatten. Es war eine Reaktion auf ungel\u00f6ste Krisen, die Schwarze Arbeiter und Arme fortw\u00e4hrend begleiten. Unter Afroamerikanern hat es immer schon Klassenspannungen gegeben, aber sie vergr\u00f6\u00dferten sich in den sp\u00e4ten 1960ern und in den 1970ern, als das politische Establishment und die Klasse der Unternehmer gemeinsam daran arbeiteten, eine Schwarze Mittelklasse zu schaffen. Diese sollte herangezogen werden, um Schwarze St\u00e4dte und die Menschen, die in ihnen lebten, zu managen. Die Schwarze Bewegung heute ist in Teilen eine Antwort auf das Versagen dieser Strategie. Ihren spektakul\u00e4rsten Zusammenbruch erlebte diese Strategie in Baltimore. Allen antizipierte diese Entwicklungen, wir k\u00f6nnen von ihm viel lernen.<\/p>\n<p><strong>Als Obama gew<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>hlt wurde, war ernsthaft die Rede von einem <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>postracial America<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong>. Ein paar wenige Jahre sp<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ter erscheint die Idee, dass wir race <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>berwunden haben, wie die Punchline eines schlechten Witzes. Du verstehst Obama als Sinnbild f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r Schwarze F<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>hrung, die trotzdem <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>post-Schwarz<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong> ist: aktiv beteiligt am Narrativ der Farbenblindheit, das uns dahin gebracht hat, wo wir heute sind. Wie erkl<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rst du das, was du die <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>Illusion<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong> der Obama Jahre nennst, und sind Schwarze Amerikaner aus diesem Schlummer <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>aufgewacht<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong>?<\/strong><\/p>\n<p>Als Obama gew\u00e4hlt wurde, glaubten 70 Prozent der Schwarzen Bev\u00f6lkerung, dass Kings Traum wahr geworden war. Es gab enorme Erwartungen, dass ein Schwarzer Pr\u00e4sident eine wirkliche Verbesserung der Leben ganz gew\u00f6hnlicher Schwarzer Menschen bedeuten w\u00fcrde. Obama hatte diesen Glauben im Verlauf seiner Pr\u00e4sidentschaftskampagne kultiviert. Er verkn\u00fcpfte seine Kandidatur mit anderen Aufschw\u00fcngen, die den Status quo ersch\u00fctterten: Er sprach \u00fcber die abolitionistische Bewegung <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>, die Sit-Down-Streiks der 1930er, den Stonewall-Aufstand f\u00fcr die LGBTQ-Befreiung, und nat\u00fcrlich berief er sich auf die B\u00fcrgerrechtsbewegung und stellte seinen Wahlerfolg als die ultimative Frucht dieses Kampfes hin. <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> Aber von Beginn an war Obama darum bem\u00fcht, sich von Schwarzen Forderungen zu distanzieren, obwohl Schwarze W\u00e4hler der Grund f\u00fcr seinen Einzug ins Wei\u00dfe Haus waren.<\/p>\n<p>Obama hatte au\u00dfer der F\u00e4higkeit, eine neue Atmosph\u00e4re in Washington zu schaffen, sehr wenig versprochen, aber er lieferte noch weniger als das. Vielleicht sogar noch schlimmer war jedoch, dass er duldete, dass man Schwarzen Menschen kontinuierlich die Schuld f\u00fcr ihre eigene Lage gibt. Er spottete \u00fcber die Ess- und Lesegewohnheiten armer Eltern und bediente sich rechter Mythen: \u00fcber Schwarze V\u00e4ter, \u00fcber Studenten, die glauben w\u00fcrden, dass Erfolg gleichbedeutend sei mit \u00bbacting white\u00ab. Nicht nur verbesserte sich das Leben nicht, es verschlechterte sich sogar hinsichtlich Arbeitslosigkeit und Unterbesch\u00e4ftigung unter Schwarzen Menschen, Wohnsicherheit und anderer Barometer f\u00fcr Lebensqualit\u00e4t. Die ganze Zeit \u00fcbersah Obama den t\u00f6dlichen Status quo im Strafrechtssystem. All das ging im Sommer 2014 in Flammen auf, als Michael Brown in den Stra\u00dfen von Ferguson ermordet wurde. Genug war genug.<\/p>\n<p><strong>Eine Gruppe rund um Adolph Reed hat dich k<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>rzlich f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r folgende Behauptung kritisiert: <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>Wenn die Schwarze Bewegung in Gang kommt, wirft sie die gesamte Mythologie der Vereinigten Staaten &#8211; Freiheit, Demokratie und unendliche M<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>glichkeit &#8211; ins Chaos.<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong> <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Aber ist dieser Punkt &#8211; der, wie du schreibst, von Martin Luther King und Richard Nixon gleicherma<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>en geteilt wurde &#8211; nicht offensichtlich wahr? Von der Radical Reconstruction <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ber die B<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>rgerrechtsbewegung zu Black Lives Matter &#8211; ist es nicht einfach unbestreitbar, dass Schwarze Bewegungen immer auch eine katalysierende Wirkung auf antikapitalistischen Widerstand hatten, so wie wei<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>e Vorherrschaft eine St<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>tze f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r den US-Kapitalismus ist?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz offensichtlich ist das wahr, die negative Reaktion auf meine Aussage ist daher bizarr. Die US-amerikanische Gesellschaft ist zutiefst ideologisch &#8211; insbesondere, weil sie so durchweg und umfassend ungleich ist. Die kleine Clique, die die Ressourcen kontrolliert, und die politische Klasse in diesem Land verlassen sich auf die einge\u00fcbten Mythen \u00fcber soziale Mobilit\u00e4t, den amerikanischen Traum und die \u00bbbesondere\u00ab und beispiellose Gro\u00dfartigkeit der Vereinigten Staaten. Diesen gesamten Gedankengang l\u00e4sst die Schwarze Bewegung entgleisen. Wir reden hier \u00fcber eine Bev\u00f6lkerung, die versklavt hierhergebracht wurde und, als die Sklaverei endete, 100 Jahre mit rechtlichen Mitteln und einer B\u00fcrgerschaft zweiter Klasse unterworfen wurde. W\u00e4hrend der letzten 50 Jahren wurde diese Bev\u00f6lkerung in arme und unterversorgte Nachbarschaften ausgesondert, von der Polizei terrorisiert und \u00fcberproportional h\u00e4ufig inhaftiert.<\/p>\n<p>Wenn die Welt verstehen w\u00fcrde, wie Schwarze Menschen durch die USA schikaniert wurden, w\u00fcrde die Berechtigung dieses Landes, dem Rest der Welt seinen Willen aufzuerlegen, infrage gestellt werden, wie es auch nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall war. Denn ihre Autorit\u00e4t lebt von der Selbstdarstellung als die beste Demokratie der Welt. Deshalb war die Schwarze Bewegung die Grundlage f\u00fcr die Entstehung anderer Befreiungsbewegung wie w\u00e4hrend der Revolte in den 1960er Jahren.<\/p>\n<p><strong>In dieser Kritik steckt der Vorwurf, dass du irgendwie ein grob vereinfachendes Verst<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ndnis der Schwarzen Community besitzt, das Klassenwiderspr<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>che negiert. Und dennoch widmest du &#8211; wie es auch Allen&#8217;s Kritik des Schwarzen Kapitalismus tut &#8211; ein ganzes Kapitel den <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>Black Faces in High Places<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong>, in Anlehnung an einen starken Ausdruck von Amiri Baraka. Du lieferst eine bei<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>ende Kritik Schwarzer B<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>rgermeister von Carl Stokes bis zu Stephanie Rawlings-Blake und zeigst, wie gew<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>hlte Schwarze F<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>hrungspersonen auf Pragmatismus setzten und die Community verliert. Vor dem Hintergrund dieses falschen Wetteinsatzes setzt du auf das, was Malcolm X die <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>kleinen Leute<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong> gegen die <\/strong><strong>\u00bb<\/strong><strong>gro<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>en Leute<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong> nannte. Welche Rolle spielten die gew<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>hlten Schwarzen Amtstr<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ger und <\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>konomischen Eliten historisch, und was ist ihre Rolle heute?<\/strong><\/p>\n<p>Die wichtigste Entwicklung f\u00fcr Schwarzes Leben in den letzten 45 Jahren war die Entstehung einer Schwarzen politischen Klasse. Ende der 1960er Jahre konnte der wei\u00dfe Politikbetrieb mehrheitlich Schwarze St\u00e4dte nicht mehr regieren. Das politische Establishment glaubte, dass gew\u00e4hlte Schwarze Beamte die Schwarze Revolte eind\u00e4mmen und vor allem K\u00fcrzungen durchsetzen konnten, von denen wei\u00dfe Funktion\u00e4re glaubten, dass sie selbst dies nicht mehr konnten. Jenseits einiger Ausnahmen war das bis zur Explosion in Baltimore im April 2015 weitgehend der Fall. Auch wenn Obama das beste Beispiel f\u00fcr das Versagen offizieller Schwarzer Politik ist, die Bed\u00fcrfnisse gew\u00f6hnlicher Schwarzer Leute anzusprechen &#8211; es gibt Hunderte kleiner, lokaler Beispiele desselben Ph\u00e4nomens. Schwarze Funktion\u00e4re erhalten einen Status quo aufrecht, der institutionell rassistisch und au\u00dferstande ist, f\u00fcr Schwarze Menschen zu tun, was n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p><strong>Donald Trump hat die Wahl gewonnen &#8211; zu einem nicht geringen Anteil deshalb, weil arme Menschen aufgeh<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>rt haben, die Demokratische Partei zu unterst<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>tzen, die sie nicht mehr repr<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>sentiert. Entgegen der Behauptung der Akzelerationisten <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> ist das keine gute Sache. Aber die Realit<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>t ist, dass die Menschen von den Demokraten genug haben und auf die Stra<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>e gehen, um zu k<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>mpfen. Was bedeutet das f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r den Schwarzen Widerstand und f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r die weitere Bewegung f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r einen revolution<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ren Wandel?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz genau. Liberale erwarten von Armen und Arbeitern aller Rassen und Ethnizit\u00e4ten, einfach zu leiden, aber im Stillen. Trump wird f\u00fcr die Arbeiterklasse eindeutig ein Desaster sein, aber die Demokraten waren ein Desaster in Zeitlupe. Die Ungleichheit hat zugenommen, ebenso wie Brutalit\u00e4t und Ungerechtigkeit. Das ist so, solange die Menschen weiterhin einer Partei, die darauf besteht, eine \u00bbPartei des Volkes\u00ab zu sein, erlauben, ihre grundlegenden Bed\u00fcrfnisse zu ignorieren und als Alternative nicht mehr anzubieten haben als keine Republikaner zu sein.<\/p>\n<p>Aber wir sollten die Herausforderung, die Krise, die Trump f\u00fcr die Schwarze Bewegung und Arbeiter im Allgemeinen darstellt, nicht untersch\u00e4tzen. Er bev\u00f6lkert sein Kabinett nun mit Rassisten und Reaktion\u00e4ren, die die Uhr zur\u00fcckdrehen wollen. Er m\u00f6chte einen Anh\u00e4nger der Rassentrennung zum Justizminister machen. Dieser Mann hat die Black Lives Matter Bewegung und die Gruppen, die sich in der Bewegung organisieren, f\u00fcr terroristisch erkl\u00e4rt. Das sind erhebliche Herausforderungen.<\/p>\n<p>Erste Priorit\u00e4t hat momentan, dass die Linke w\u00e4chst und ideologisch und politisch kampflustig ist. Wenn ich sage, dass die Linke wachsen muss, meine ich, dass unser Aktivismus nicht auf der Hoffnung basieren sollte, f\u00fcr die Demokraten 2018 den Kongress zur\u00fcckzugewinnen oder \u00bbzur\u00fcckzukommen\u00ab zu den guten alten Tagen des \u00bbnormalen\u00ab langsamen Pl\u00e4tscherns des Neoliberalismus, im Unterschied zur Flutwelle, die Trump verspricht. <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> Wir m\u00fcssen f\u00fcr etwas Anderes k\u00e4mpfen, einen anderen Weg aus dem Zwei-Parteien-Duopol finden. Auf der Stra\u00dfe m\u00fcssen wir Trumps Agenda und der faschistischen Bedrohung, die durch ihn geweckt wurde, entgegentreten. Aber wir m\u00fcssen auch eine politische Vision der Welt, die wir wollen, und die Art von Politik, die gewinnen kann, artikulieren.<\/p>\n<p>Eine bessere Welt ist m\u00f6glich. Sie hei\u00dft Sozialismus und erfordert einen multirassischen Arbeiteraufstand, organisiert nach solidarischen Prinzipien und mit Antirassismus als ihrem Kern. Wir m\u00fcssen k\u00e4mpfen, wie wir nie gek\u00e4mpft haben. Unsere Leben und der Planet h\u00e4ngen davon ab.<\/p>\n<p><strong><em>George Ciccariello-Maher<\/em><\/strong><em> ist Professor f\u00fcr Politik und Global Studies an der Drexel Universit\u00e4t und Autor der B\u00fccher \u00bbWe Created Ch\u00e1vez\u00ab (2013), \u00bbBuilding the Commune\u00ab (2016) und \u00bbDecolonizing Dialectics\u00ab (2017).<\/em><\/p>\n<p><em>Das Interview erschien zuerst am 18.12.2016 auf <a href=\"http:\/\/www.roarmag.org\/\">www.roarmag.org<\/a>. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00dc<\/em><em>bersetzung: Hannah Schultes<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak623\/06.htm\">ak &#8211; analyse &amp; kritik &#8211; zeitung f\u00fcr linke Debatte und Praxis \/ Nr. 623&#8230;<\/a> vom 3. Februar 2017<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Im Unterschied zum biologistischen Rassebegriff ist mit \u00bbRasse\u00ab (engl.: race) hier eine soziale Konstruktion gemeint.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Die abolitionistische Bewegung war die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Die Gewerkschaft United Auto Workers rief in den 1930er Jahren Arbeiter in der Autoindustrie zu erfolgreichen Sit-Down-Streiks auf, H\u00f6hepunkt der Welle von Arbeitsk\u00e4mpfen markierten die Streiks 1936 und 1937 in Flint in Michigan gegen General Motor.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Adolph Reed ist Professor f\u00fcr Politikwissenschaften und Mitbegr\u00fcnder der US Labor Party, die zwischen 1996 und 2007 bestand.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Nach dem Amerikanischen B\u00fcrgerkrieg erreichten im S\u00fcden Schwarze Politiker in der Republikanischen Partei zahlreiche Fortschritte wie 1869 das Wahlrecht f\u00fcr Schwarze M\u00e4nner. Die Antwort rassistischer Organisationen wie des Ku-Klux-Klan waren gewaltsame Angriffe auf die treibenden Kr\u00e4fte hinter diesen politischen Erfolgen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> Die theoretische Str\u00f6mung des Akzelerationismus (Beschleunigung) l\u00e4uft auf die Vorstellung hinaus, \u00bbder Kapitalismus w\u00fcrde notwendigerweise implodieren, wenn das Potenzial seiner Konzeptionen von Arbeit und Technologie nur stark genug weitergetrieben w\u00fcrde\u00ab, wie Jens Kastner in ak 613 schrieb.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> 2018 finden in den USA Senatswahlen statt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele US-amerikanische Linke hat Keeanga-Yamahtta Taylor das wichtigste Buch des letzten Jahres geschrieben. In ihrem preisgekr\u00f6nten Buch \u00bbFrom #BlackLivesMatter to Black Liberation\u00ab trifft<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7,5],"tags":[45,76,11,46],"class_list":["post-1904","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","category-kampagnen","tag-neoliberalismus","tag-neue-rechte","tag-rassismus","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1904"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1904\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1905,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1904\/revisions\/1905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}