{"id":1940,"date":"2017-02-22T19:53:22","date_gmt":"2017-02-22T17:53:22","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1940"},"modified":"2017-02-22T19:53:22","modified_gmt":"2017-02-22T17:53:22","slug":"wie-viele-todesopfer-wuerde-ein-krieg-zwischen-den-usa-und-russland-fordern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1940","title":{"rendered":"Wie viele Todesopfer w\u00fcrde ein Krieg zwischen den USA und Russland fordern?"},"content":{"rendered":"<p><em>Andre Damon. <\/em>Die amerikanische herrschende Klasse steckt in einem erbitterten internen Konflikt \u00fcber die Ausrichtung der Au\u00dfenpolitik und die Frage des Kriegs. Die Demokratische Partei, ein Teil der Republikaner und ein Gro\u00dfteil der Medien<!--more--> f\u00fchren eine hysterische Kampagne gegen Donald Trump, dem sie eine vers\u00f6hnliche Haltung gegen\u00fcber Russland und Pr\u00e4sident Wladimir Putin unterstellen. Diese Kr\u00e4fte agieren als Werkzeuge des Geheimdienstapparats, der jedes Abr\u00fccken von dem aggressiven Konfrontationskurs der Obama-Regierung gegen Moskau verhindern will.<\/p>\n<p>Trump hingegen spricht f\u00fcr Elemente der herrschenden Elite und des Staatsapparats, die den Iran und China als die kurzfristige Ziele amerikanischer Provokationen und Kriegsvorbereitungen betrachten. Diese Elemente wollen den Konflikt mit Russland vorerst d\u00e4mpfen, um Teheran und Peking zu isolieren.<\/p>\n<p>In diesem Kampf zwischen zwei reaktion\u00e4ren und kriegsl\u00fcsternen Fraktionen des US-Imperialismus geht es auf keiner der beiden Seiten um Demokratie. Allerdings versuchen die Demokraten, den Widerstand der Bev\u00f6lkerung gegen die Trump-Regierung f\u00fcr den Kriegskurs gegen Russland einzuspannen. Hierzu berufen sie sich auf die haltlose Beschuldigung, Russland habe die Wahl 2016 beeinflusst.<\/p>\n<p>Die Titelseiten der f\u00fchrenden Zeitungen waren monatelang voll mit Artikeln \u00fcber die angebliche Einmischung Russlands in die politischen Angelegenheiten der USA und anderer L\u00e4nder. Als Grundlage dienten die angeblichen Aussagen anonymer Geheimdienstmitarbeiter. Putin wurde von bekannten Kolumnisten als Diktator, Tyrann und M\u00f6rder verunglimpft, der Europa beherrschen und die amerikanische Demokratie unterwandern wolle.<\/p>\n<p>Einige Kongressabgeordnete bezeichneten Russlands angebliche Einmischung in die amerikanische Wahl als \u201ekriegerischen Akt\u201c (John McCain) und versprachen, Russland \u201ein den Arsch zu treten\u201c (Lindsey Graham).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend diese Kampagne l\u00e4uft, verlegen die USA und die Nato Soldaten, Panzer und schweres Kriegsger\u00e4t an die russische Westgrenze und bereiten eine baldige milit\u00e4rische Eskalation in Syrien vor, wo von den USA unterst\u00fctzte \u201eRebellen\u201c gegen syrische Regierungstruppen k\u00e4mpfen, die ihrerseits von iranischen Truppen und russischen Luftstreitkr\u00e4ften sowie Milit\u00e4rberatern unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>In den baltischen L\u00e4ndern und im Nahen Osten herrschen Bedingungen, unter denen selbst ein unbeabsichtigter Zusammensto\u00df zwischen amerikanischen und russischen Truppen einen offenen Krieg zwischen den beiden gr\u00f6\u00dften Atomm\u00e4chten der Welt ausl\u00f6sen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Doch weder die Medien noch die Politiker, die f\u00fcr eine aggressivere Haltung gegen\u00fcber Moskau eintreten, diskutieren dar\u00fcber, wohin diese Politik f\u00fchrt. Noch viel weniger diskutieren sie \u00fcber die wahrscheinlichen Folgen eines Kriegs zwischen den USA und Russland.<\/p>\n<p>Wie viele Todesopfer w\u00fcrde ein solcher Krieg fordern? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Atomwaffen zum Einsatz kommen? \u00dcber diese existentiellen Fragen schweigen die Kommentatoren und Politiker, die sich st\u00e4ndig \u00fcber Trumps angebliche Nachgiebigkeit gegen\u00fcber Putin auslassen.<\/p>\n<p>Hinter den Kulissen f\u00fchren die Geheimdienste, das Pentagon und ihnen angeschlossene geostrategische Denkfabriken jedoch heftige Diskussionen und entwerfen detaillierte Pl\u00e4ne. Sie gehen dabei von der Voraussetzung aus, dass ein gr\u00f6\u00dferer Krieg mit Russland m\u00f6glich, ja sogar unausweichlich ist. Die Pl\u00e4ne und Vorbereitungen auf einen derartigen Krieg und einen \u201eSieg\u201c der USA sehen auch den Einsatz von Atomwaffen vor.<\/p>\n<p>Man muss nicht lange suchen, um die Verantwortlichen f\u00fcr diese Kriegspl\u00e4ne zu finden. Am Montag ernannte Pr\u00e4sident Trump den Milit\u00e4rstrategen und Generalleutnant H.R. McMaster zu seinem neuen Nationalen Sicherheitsberater.<\/p>\n<p>Trumps Entscheidung f\u00fcr McMaster gilt allgemein als Zugest\u00e4ndnis an seine antirussischen Kritiker aus Politik und Geheimdiensten. Er ist die f\u00fchrende Gestalt eines Projekts der US-Armee mit dem Namen \u201eRusslands neue Generation der Kriegsf\u00fchrung\u201c (Russia\u2018s New Generation Warfare). Die Teilnehmer an diesem Projekt haben mehrfach die Schlachtfelder der Ostukraine besucht, um Russlands milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten zu studieren und Strategien sowie Waffensysteme zu entwickeln, um es zu schlagen. McMaster hat die Vorbereitung auf einen konventionellen Krieg hoher Intensit\u00e4tsstufe gegen Russland gefordert, in dem nicht nur Langstreckenraketen und Tarnkappenflugzeuge zum Einsatz kommen w\u00fcrden, sondern in dem es auch zu \u201eNahk\u00e4mpfen\u201c kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Abgesehen von konventioneller Kriegsf\u00fchrung diskutieren die Strategen der amerikanischen Denkfabriken auch dar\u00fcber, was notwendig w\u00e4re, um einen Atomkrieg zu \u201egewinnen\u201c. Das Center for Strategic and Budgetary Assessments (CSBA) ver\u00f6ffentlichte vor Kurzem einen 140-seitigen Bericht mit dem Titel \u201ePreserving the Balance: A US Eurasia Defense Strategy\u201c (Wahrung des Gleichgewichts \u2013 eine amerikanisch-eurasische Verteidigungsstrategie). Darin wurde dieses Thema detailliert diskutiert. Der Vorsitzende des CSBA ist Andrew Krepinevich, der auch den Bericht verfasst hat. Im Vorstand der Organisation sitzen Personen wie der ehemalige Staatssekret\u00e4r f\u00fcr die Armee, Nelson Ford, der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey und der ehemalige General Jack Keane.<\/p>\n<p>Krepinevich schreibt: \u201eMan muss das Problem eines begrenzten Atomkriegs \u00fcberdenken, egal ob die USA direkt daran beteiligt sind, oder ob er zwischen Parteien stattfindet, an denen die USA aus sicherheitspolitischen Gr\u00fcnden interessiert sind \u2026 Im Kalten Krieg stellte man sich als Folge eines Atomkriegs zwischen den Superm\u00e4chten eine weltweite Apokalypse vor. Doch nach einem Krieg zwischen kleineren Atomm\u00e4chten oder sogar zwischen den USA und einem atomar bewaffneten Iran oder Nordkorea w\u00fcrde die Welt h\u00f6chstwahrscheinlich noch funktionieren. Daher m\u00fcssen die amerikanischen Streitkr\u00e4fte darauf vorbereitet sein, auf unterschiedliche strategische Kriegsf\u00fchrungen an der eurasischen Peripherie zu reagieren.\u201c<\/p>\n<p>In einem fr\u00fcheren Bericht mit dem Titel \u201eRethinking Armageddon\u201c (Armageddon neu durchdenken) hatte Krepinevich argumentiert, der Einsatz einer \u201egeringen Zahl\u201c von taktischen Atomwaffen sollte zu den angemessenen Reaktionen eines amerikanischen Pr\u00e4sidenten auf konventionelle Drohungen aus Russland gez\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Kalten Krieges galt der \u201ebegrenzte\u201c Einsatz von Atomwaffen als Auftakt zu einem uneingeschr\u00e4nkten Atomkrieg, der mit der Zerst\u00f6rung des Planeten enden w\u00fcrde. Heute gelten solche Diskussionen als \u201eehrenwert\u201c und vern\u00fcnftig.<\/p>\n<p>Diese Pl\u00e4ne werden gegenw\u00e4rtig in Bezug auf die amerikanischen Waffensysteme umgesetzt. Das amerikanische Atomarsenal wird f\u00fcr eine Billion Dollar modernisiert. Im Mittelpunkt dieses Programms, das noch von Obama in Auftrag gegeben wurde, steht der Erwerb von kleineren, man\u00f6vrierf\u00e4higen Atomwaffen, die eher im Kampf eingesetzt werden. Allerdings hat das Defense Science Board, ein Beraterkomitee des Pentagon, die Trump-Regierung vor Kurzem zu weiteren Ma\u00dfnahmen aufgefordert. Sie soll Waffen entwickeln lassen, die f\u00fcr einen \u201ebegrenzten Einsatz\u201c im Rahmen einer \u201ema\u00dfgeschneiderten nuklearen Option\u201c geeignet sind.<\/p>\n<p>Wie viele Todesopfer w\u00fcrde ein solcher Konflikt fordern? W\u00e4hrend des Kalten Kriegs hat das Pentagon mehrere Planspiele durchgef\u00fchrt und ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass der \u201ebegrenzte\u201c Einsatz von Atomwaffen nicht nur Millionen zivile Todesopfer fordern, sondern auch schnell zu einem uneingeschr\u00e4nkten Atomkrieg eskalieren w\u00fcrde, bei dem gro\u00dfe St\u00e4dte zerst\u00f6rt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>1955 fand ein Planspiel namens Carte Blanche statt, bei dem die Reaktion auf einen russischen Einmarsch in deutsches Staatsgebiet mit einer \u201ekleinen Anzahl\u201c taktischer Atomwaffen simuliert wurde. Das unmittelbare Ergebnis waren 1,7 Millionen Todesopfer und 3,5 Millionen Verwundete in Deutschland; weitere Millionen w\u00fcrden durch radioaktiven Niederschlag sterben.<\/p>\n<p>In einem weiteren Planspiel aus dem Jahr 1983 mit dem Titel Proud Prophet f\u00fchrte die Nato einen begrenzten Erstschlag auf milit\u00e4rische Ziele der Sowjetunion durch. Doch die UdSSR gab nicht nach und begann mit einem umfangreichen Vergeltungsschlag. Das veranlasste die USA auf die gleiche Weise zu reagieren. Am Ende waren mehr als eine halbe Milliarde Menschen tot und die europ\u00e4ische Zivilisation zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Modernere Studien kamen zu \u00e4hnlich katastrophalen Ergebnissen. Laut einem Gutachten der Internationalen \u00c4rzte f\u00fcr die Verh\u00fctung des Atomkriegs von 2007 w\u00fcrde ein \u201ebegrenzter\u201c Atomkrieg zu mehr als einer Milliarde Todesopfern f\u00fchren, haupts\u00e4chlich aufgrund schwerer Klimaver\u00e4nderungen. Laut der amerikanischen National Academy of Sciences w\u00fcrde ein \u201euneingeschr\u00e4nkter Atomkrieg\u201c direkt bis zu vier Milliarden Todesopfer fordern.<\/p>\n<p>Die Gefahr, dass die atomaren Brandstifter an der Spitze des krisengesch\u00fcttelten amerikanischen Kapitalismus einen solchen Krieg ausl\u00f6sen, ist real und allgegenw\u00e4rtig. Wenn eine unabh\u00e4ngige revolution\u00e4re Intervention der Arbeiterklasse in den USA und auf der ganzen Welt ausbleibt, ist ein solcher Krieg angesichts der Hetzkampagne gegen Russland sogar unausweichlich.<\/p>\n<p>Die herrschende Elite Amerikas und ihre politischen Vertreter in beiden Parteien sind durch und durch kriminell und r\u00fccksichtslos. Die eskalierenden Kriege sind eine Verschw\u00f6rung der Eliten, in die die breite Masse der Bev\u00f6lkerung hineingezogen und geopfert werden soll.<\/p>\n<p>Wenn jemand daran zweifelt, dass die herrschende Klasse Amerikas zu solchen Taten f\u00e4hig ist, sollte er einen Blick in die Geschichte werfen. Unter Pr\u00e4sident Truman haben die USA Atombomben auf die japanischen St\u00e4dte Hiroshima und Nagasaki geworfen, die man heute als \u201ekleinere\u201c oder sogar \u201etaktische\u201c Waffen bezeichnen w\u00fcrde, nur um der Sowjetunion zu drohen. 100.000 Menschen wurden sofort get\u00f6tet, weiter 100.000 starben in den n\u00e4chsten vier Monaten an den gesundheitlichen Folgen der radioaktiven Strahlung.<\/p>\n<p>Heute stehen die USA vor noch viel gr\u00f6\u00dferen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen als in fr\u00fcheren Zeiten. Sie werden daher noch r\u00fccksichtsloser und verantwortungsloser vorgehen.<\/p>\n<p>Die wachsende Widerstandsbewegung gegen die Trump-Regierung muss gegen alle Versuche der Demokratischen Partei geimpft werden, sie mit dem Virus der imperialistischen Kriegstreiberei zu infizieren. Die gegenw\u00e4rtigen Proteste gegen Trumps Kabinett aus Milliard\u00e4ren und seine Angriffe auf Immigranten und demokratische Rechte sind nur die Vorboten einer Bewegung der Arbeiterklasse. Diese aufkeimende Bewegung muss politisch mit dem Programm des sozialistischen Internationalismus und dem Verst\u00e4ndnis bewaffnet werden, dass der Kampf gegen Krieg und Diktatur den Kampf gegen den Kapitalismus erfordert.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/02\/22\/pers-f22.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 22. Februar 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andre Damon. Die amerikanische herrschende Klasse steckt in einem erbitterten internen Konflikt \u00fcber die Ausrichtung der Au\u00dfenpolitik und die Frage des Kriegs. 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