{"id":1951,"date":"2017-02-26T14:23:53","date_gmt":"2017-02-26T12:23:53","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1951"},"modified":"2017-02-26T14:25:00","modified_gmt":"2017-02-26T12:25:00","slug":"ernest-mandel-theorien-ueber-den-faschismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1951","title":{"rendered":"Ernest Mandel: Theorien \u00fcber den Faschismus"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Faschismus ist zugleich die Geschichte der Theorie \u00fcber den Faschismus. F\u00fcr kein neues gesellschaftliches Ph\u00e4nomen der modernen Zeit ist die Simultaneit\u00e4t von Erscheinung und Versuch der Erkenntnis so frappant wie f\u00fcr den Faschismus.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">I<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde dieser Gleichzeitigkeit sind offensichtlich. Es handelt sich um eine schlagartig auftretende Neuerscheinung, die eine langfristige historische Tendenz des \u00bbFortschritts\u00ab j\u00e4h umzuwerfen scheint. Aufmerksame Zeitgenossen sind umso erschrockener, als die Brutalit\u00e4t der geschichtlichen Wende von einer noch pr\u00e4ziseren Brutalit\u00e4t der gegen einzelne gerichteten Brachialgewalt begleitet wird. Historisches und individuelles Schicksal werden pl\u00f6tzlich f\u00fcr Tausende &#8211; und sp\u00e4ter f\u00fcr Millionen &#8211; identisch. Nicht nur die Niederlage von Gesellschaftsklassen und der Untergang von politischen Parteien, sondern die Existenz und das physische \u00dcberleben von gro\u00dfen Menschengruppen stehen pl\u00f6tzlich auf der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Es ist deshalb verst\u00e4ndlich, da\u00df sich die Betroffenen \u00fcber das sie treffende Schicksal praktisch sofort um Selbstverst\u00e4ndigung bem\u00fchten. Aus den Flammen des ersten Volkshauses, das die faschistischen Banden in Italien ansteckten, mu\u00dfte unvermeidlich die Frage aufleuchten: \u00bbWas ist dieser Faschismus?\u00ab. Vierzig Jahre lang, bis in die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, hat diese Frage die f\u00fchrenden Theoretiker sowohl der Arbeiterbewegung als auch der b\u00fcrgerlichen Intelligenz fasziniert. Obwohl der Druck der Ereignisse und der \u00bbunbew\u00e4ltigten Vergangenheit\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> in den letzten Jahren etwas nachgelassen hat, bleibt die Faschismustheorie weiterhin ein willkommenes Objekt der Politologie und der politischen Soziologie<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>Da\u00df in den immer wieder aufkommenden Versuchen zur Deutung der gr\u00f6\u00dften Trag\u00f6die zeitgen\u00f6ssischer europ\u00e4ischer Geschichte oft nicht viel Wissenschaft und umso mehr zweckbedingte Ideologie steckt, d\u00fcrfte wohl niemanden erstaunen, der sich der sozialen Bedingtheit der sogenannten Geschichtswissenschaften bewu\u00dft ist. Der wissenschaftliche Stoff wird ihnen ohne Zweifel von der historischen und zeitgen\u00f6ssischen Realit\u00e4t selbst geliefert. Auch das Instrumentarium von Begriffen und Konzepten, womit dieser Stoff geordnet und immer wieder neu geordnet werden soll, wird gr\u00f6\u00dftenteils von jeder Generation von Soziologen und Politologen vorgefunden und nur teilweise erneuert. Aber die Art und Weise, in der diese analytischen Instrumente auf den Stoff angewandt werden, und das Ergebnis zu dem sie f\u00fchren, sind keineswegs immanent vorbestimmt. Von Robert Michels&#8216; Konzept der b\u00fcrokratisierten Partei etwa oder von Mannheims Begriff der freischwebenden Intelligenz aus l\u00e4\u00dft sich objektiv gesehen in unz\u00e4hlige Richtungen vorsto\u00dfen. Wenn der Hauptvorsto\u00df aber nicht nach allen Seiten zugleich erfolgt, sondern nur nach einer oder einigen wenigen, wenn dieser Vorsto\u00df dann noch zus\u00e4tzlich bestimmte politische Vorstellungen untermauert, die die Selbstsicherheit und Selbstzufriedenheit bestimmter Gesellschaftsklassen best\u00e4rkt, dagegen die politische und moralische Angriffsfl\u00e4che, die sie den ihnen feindlich gegen\u00fcberstehenden Gesellschaftsklassen bieten, bedeutend einschr\u00e4nkt &#8211; dann kann wohl kaum bezweifelt werden, da\u00df es sich hier um einen funktionellen Proze\u00df handelt, d.h., da\u00df die vorherrschende Deutung einer bestimmten historischen Erscheinung eine ganz konkrete Funktion in der fortlaufenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu erf\u00fcllen hat<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>.<\/p>\n<p>In demselben Sinne scheint es uns offensichtlich, da\u00df die Simultaneit\u00e4t von Faschismus und Faschismustheorie kaum auf den wissenschaftlich-kontemplativen Charakter dieser Theorie beschr\u00e4nkt werden kann. Wenn sich Theoretiker m\u00fchen, das Wesen des Faschismus zu erfassen, so nicht nur aus Liebe zur Soziologie oder zur wissenschaftlichen Erkenntnis \u00fcberhaupt, sondern auch in der verst\u00e4ndlichen und durchaus vern\u00fcnftigen Annahme, man w\u00fcrde den Faschismus umso erfolgreicher bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen, je pr\u00e4ziser man seine Natur erfa\u00dft. Die parallele Entwicklung von Faschismus und Faschismustheorie bedingt demnach eine notwendige Inkongruenz. Der Faschismus konnte sich \u00fcber zwei Jahrzehnte nur darum erfolgreich entwickeln, weil seine wirkliche Natur nicht richtig erfa\u00dft wurde, weil es den gegen seinen Vormarsch K\u00e4mpfenden an einer wissenschaftlichen Faschismustheorie mangelte, weil die vorherrschende Faschismustheorie eine falsche &#8211; oder unvollst\u00e4ndige &#8211; war.<\/p>\n<p>Wir sprechen von einer notwendigen Inkongruenz, weil wir im zeitweiligen Sieg des italienischen, deutschen und spanischen Faschismus nicht das Ergebnis irgendwelcher, dem Eingriff praktisch handelnder Menschen und Gesellschaftsklassen entrissener, blinder Schicksalskr\u00e4fte erblicken, sondern das Produkt genau me\u00dfbarer, erfa\u00dfbarer und zu bew\u00e4ltigender Verschiebungen der \u00f6konomischen, politischen und ideologischen Beziehungen zwischen den gesellschaftlichen Klassen des Sp\u00e4tkapitalismus. Und wenn man von der Annahme ausgeht, da\u00df dieser zeitweilige Sieg des Faschismus nicht unvermeidlich und fatal war, dann mu\u00df man schon annehmen, da\u00df eine den wirklichen Erscheinungen kongruente und sie durchleuchtende Theorie den Kampf gegen den Faschismus entscheidend erleichtert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Aufstiegs des Faschismus ist hiermit gleichzeitig die Geschichte der Unzul\u00e4nglichkeit der vorherrschenden Faschismustheorie. Dies beinhaltet jedoch keineswegs, da\u00df die unzul\u00e4ngliche Faschismustheorie die einzige Faschismustheorie war. Am Rande der organisierten politischen Kr\u00e4fte und ihrer Ideologien arbeitete die analytische Intelligenz mit einer Sch\u00e4rfe, die heute nur Staunen und Bewunderung hervorrufen kann. Sie erfa\u00dfte das neue Ph\u00e4nomen, erkannte zeitig die gewaltige Gefahr, warnte die Zeitgenossen, zeigte den Weg zur Bew\u00e4ltigung des drohenden Ungeheuers und erreichte auf theoretischem Gebiet alles, was auf diesem Feld \u00fcberhaupt erreicht werden kann. Die Theorie allein kann die Geschichte nicht machen, dazu mu\u00df sie die Massen ergreifen. Die b\u00fcrokratischen Apparate, die die Massenorganisationen der Arbeiterschaft beherrschten, konnten mit Erfolg verhindern, da\u00df eine ad\u00e4quate Faschismustheorie und eine wirksame Strategie und Taktik zum Kampf gegen den Faschismus in die Massen eindrangen. Sie zahlten daf\u00fcr sp\u00e4ter selbst den Preis einer geschichtlichen Niederlage und oft der physischen Vernichtung. Der Preis, den die Menschheit zahlte, war ungleich h\u00f6her. Auch die Zahl von 60 Millionen Toten des 2. Weltkrieges bringt ihn nur unvollst\u00e4ndig zum Ausdruck, denn die objektiven Folgen vor allem des Sieges des deutschen Faschismus im Jahre 1933 wirken bis heute auf vielen Gebieten weiter<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p>In der Geschichte geschieht aber nichts vergeblich; keine historische Leistung bleibt auf die Dauer ergebnislos. Wenn auch die wissenschaftliche Faschismustheorie nicht gen\u00fcgend Masseneinflu\u00df gewann, um den Siegesmarsch der faschistischen Banden in den drei\u00dfiger und anfangs der vierziger Jahre aufzuhalten, so wirkt auch sie bis heute weiter, beleuchtet und erkl\u00e4rt neue gesellschaftliche Nachkriegserscheinungen, bereitet neue K\u00e4mpfe vor und vermeidet neue Niederlagen, wenn man sich ihre Lehren aneignet. Es ist demnach kein Zufall, da\u00df die Renaissance des sch\u00f6pferischen Marxismus in der Bundesrepublik vor allem im Zuge der Massenradikalisierung der Studentenschaft &#8211; das Interesse an der Faschismustheorie wieder stark belebt hat. Darum ist es angebracht, da\u00df der 1. Band der \u00bbGesammelten Werke\u00ab Leo Trotzkis den Schriften \u00fcber den Faschismus gewidmet ist. Denn unter jener kleinen Zahl von Theoretikern, die Wesen und Funktion des Faschismus richtig erkannt haben, nimmt Trotzki ohne Zweifel den ersten Platz ein.<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Trotzkis Faschismustheorie entstammt der Marxschen Methode der Gesellschaftsanalyse und spiegelt die eindrucksvolle \u00dcberlegenheit sowohl dieser Methode als auch der akkumulierten Ergebnisse ihrer Anwendung &#8211; im Vergleich zu der Vielzahl von b\u00fcrgerlichen Geschichts- und Gesellschaftsinterpretationen &#8211; auf besonders treffende Weise wider. Diese \u00dcberlegenheit liegt vor allem in ihrem \u00bbtotalen\u00ab Charakter, d. h. in dem doppelten Versuch, alle Aspekte gesellschaftlicher T\u00e4tigkeit als miteinander verbunden und einander strukturell zugeordnet zu erfassen und in diesem sich fortdauernd wandelnden Komplex von Beziehungen jene zu isolieren, die f\u00fcr den Gesamtkomplex als bestimmend gelten k\u00f6nnen, d.h.: jene Wandlungen, die der bestehenden Struktur integrierbar sind, von jenen, die nur durch gewaltsame Sprengung der bestehenden Gesellschaftsstruktur erreicht werden k\u00f6nnen, zu trennen.<\/p>\n<p>So ist es auffallend, wie hilflos die meisten b\u00fcrgerlichen Wissenschaftler an das Problem \u00bbPrimat der Politik oder Primat der \u00d6konomie\u00ab, das in den Debatten \u00fcber die Faschismustheorie eine wichtige Rolle spielt, herangehen<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. In m\u00fchseliger Kleinarbeit versuchen sie, diese oder jene Handlung des Hitlerregimes zu deuten &#8211; nutzte sie dem Gro\u00dfkapital?, lief sie den schriftlich dokumentierten W\u00fcnschen der Unternehmer zuwider? &#8211; anstatt sich die Frage zu stellen, ob die immanenten Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise durch dieses Regime verwirklicht oder verneint wurden. Die artikulierte Mehrheit der amerikanischen Gro\u00dfb\u00fcrger schrie Zeter und Mordio \u00fcber Roosevelts \u00bbNew Deal\u00ab; sogar Trumans \u00bbFair Deal\u00ab wurde mit nicht wenig Geschrei \u00fcber \u00bbschleichenden Sozialismus\u00ab beantwortet. Aber kein objektiver Beobachter der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft und Gesellschaft der letzten 35 Jahre k\u00f6nnte heute bestreiten, da\u00df sich in dieser Epoche die Akkumulation des Kapitals erweitert und nicht eingeschr\u00e4nkt hat; da\u00df die amerikanischen Gro\u00dfkonzerne unvergleichbar reicher und m\u00e4chtiger geworden sind, als sie in den zwanziger Jahren waren; da\u00df die Bereitschaft anderer Gesellschaftsklassen &#8211; haupts\u00e4chlich der Industriearbeiterschaft &#8211; die Herrschaft dieser Konzerne unmittelbar politisch und gesellschaftlich in Frage zu stellen, geringer geworden ist, als sie w\u00e4hrend und sofort nach der gro\u00dfen Wirtschaftskrise war. Die Schlu\u00dffolgerung dr\u00e4ngt sich demnach auf, da\u00df Roosevelt und Truman nicht ohne Erfolg die Klassenherrschaft des amerikanischen Besitzb\u00fcrgertums konsolidiert haben. Sie unter solchen Bedingungen als \u00bbantikapitalistische Staatsm\u00e4nner\u00ab darzustellen, bringt demnach die Bilanz ihres Wirkens keineswegs zum Ausdruck und entspricht nur der Unf\u00e4higkeit, Parteien und Regierungen nach dem zu beurteilen, was sie wirklich tun, statt nach dem, was sie selbst \u00fcber sich &#8211; oder andere \u00fcber sie &#8211; sagen.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Methode mu\u00df bei der globalen Beurteilung des Faschismus angewandt werden. Es ist unwesentlich, zu bestimmen, ob Krupp oder Thyssen Hitler mit Begeisterung, mit Zur\u00fcckhaltung oder mit Widerwillen an diesem oder jenem Punkt seiner Herrschaft begegneten. Es ist dagegen wesentlich, festzustellen, ob die Hitlerdiktatur die gesellschaftlichen Institutionen des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Unterordnung der zum Verkauf ihrer Arbeitskraft gezwungenen Werkt\u00e4tigen unter die Herrschaft des Kapitals aufrechterhalten oder zerst\u00f6rt, konsolidiert oder unterminiert hat. Die historische Bilanz scheint uns in dieser Beziehung eindeutig. Wir werden im Weiteren noch darauf zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p>Ebenso hilflos erscheint die Methode, irgendwelche Perioden der Hitlerherrschaft scharf voneinander zu trennen und z.B. mit dem Konzept des \u00bbpartiellen Faschismus\u00ab zu operieren, der im Gegensatz zum \u00bbtotalen Faschismus\u00ab durch eine bedeutsame Sph\u00e4re direkter Machtaus\u00fcbung des Gro\u00dfkapitals gekennzeichnet sein soll<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>.<\/p>\n<p>Hier wird nicht nur die v\u00f6llige Autonomie der politischen F\u00fchrung unterstellt, sondern auch und vor allem die Autonomie der von gesellschaftlichen Klasseninteressen losgel\u00f6sten Kriegswirtschaft. Denn s\u00e4mtliche Eingriffe der Hitlerregierung in den wirtschaftlichen Machtbereich einzelner Gro\u00dfkonzerne k\u00f6nnen letzten Endes auf die innere Logik der Kriegswirtschaft zur\u00fcckgef\u00fchrt werden<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>.<\/p>\n<p>Nun ist aber eine solche \u00bbAutonomie\u00ab bisher keineswegs bewiesen und kann auch nicht bewiesen werden. Krieg und Kriegswirtschaft fielen nicht vom Himmel und waren keine Kompostbl\u00fcten faschistischer Ideologie. Sie entsprangen einem bestimmten und bestimmbaren Mechanismus \u00f6konomischer Gegens\u00e4tze, imperialistischer Konflikte und Expansionstendenzen, die den Interessen der herrschenden monopolkapitalistischen Gruppen der sp\u00e4tb\u00fcrgerlichen Gesellschaft entsprechen. Schlie\u00dflich hat es auch vor Hitler einen Ersten Weltkrieg gegeben und gibt es seit dem Zweiten Weltkrieg eine permanente Aufr\u00fcstung in den USA<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>. Auch die Wurzeln der deutschen Kriegswirtschaft greifen tief in die vorhitlersche Zeit zur\u00fcck<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>. Demnach k\u00f6nnen die Kriegswirtschaft und ihre ehernen Gesetze keineswegs als etwas dem deutschen Monopolkapitalismus Entgegengesetztes angesehen werden, sondern sind als dessen Produkt zu verstehen. Und wenn die Kriegswirtschaft in ihrer letzten Phase unzweifelhaft Formen extremer Irrationalit\u00e4t nicht nur vom Standpunkt des Einzelkapitalisten, sondern sogar von dem der b\u00fcrgerlichen Klasse als solcher annimmt, so sind diese Formen nicht auf das Naziregime beschr\u00e4nkt. Sie dr\u00fccken nur in sch\u00e4rfster Weise die der kapitalistischen Produktionsweise innewohnende Irrationalit\u00e4t aus &#8211; die bis zum \u00e4u\u00dfersten betriebene Verbindung von Anarchie und Planung, von objektiver Sozialisierung und privater Aneignung, die bis ins Absurde gesteigerte Verdinglichung gesellschaftlicher Beziehungen &#8211; und enthalten dazu einen sehr realen rationalen Kern<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>.<\/p>\n<p>Das Wesen des Faschismus kann nicht, wie es die b\u00fcrgerliche Ideologie versucht, durch Herausl\u00f6sung eines bestimmten Moments &#8211; Autonomie der politischen F\u00fchrung, \u00bbPrimat der Politik\u00ab &#8211; erkannt werden; deren Schw\u00e4che zeigt sich auch in ihrer Unf\u00e4higkeit, bestimmte historische Eigent\u00fcmlichkeiten des Faschismus in ein gesellschaftliches Gesamtkonzept zu integrieren. Ernst Nolte mi\u00dft dem von Ernst Bloch zuerst in breitem Rahmen verarbeiteten Konzept der \u00bbUngleichzeitigkeit\u00ab der Geschichte (d.h. dem Fortbestehen \u00e4lterer Daseinsformen in der zeitgen\u00f6ssischen Gesellschaft) gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Ph\u00e4nomens des Faschismus bei (dasselbe Konzept wurde wenigstens im Ansatz von Labriola und Trotzki vor oder unabh\u00e4ngig von Bloch entwickelt)<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>. Es ist richtig, da\u00df in der Ideologie des Faschismus und in der Massenpsychologie des deklassierten Kleinb\u00fcrgertums, das den gesellschaftlichen N\u00e4hrboden f\u00fcr das Aufkommen faschistischer Massenbewegungen bildet, vorkapitalistische, z\u00fcnftlerische, halbfeudale Ideologie-Bruchst\u00fccke vergangener Zeiten eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Nolte kommt aber zu einem offenbaren Trugschlu\u00df, wenn er schreibt: \u00bbWenn er (der Faschismus) ein Ausdruck von \u2019archaischen militaristischen Tendenzen\u2019 ist, dann hat er einen eigenen und unableitbaren Ursprungsbereich in der menschlichen Natur, und dann ist er kein Spro\u00df des kapitalistischen Systems, obgleich er in der Gegenwart nur auf dem Boden des kapitalistischen Systems, d.h. in bestimmten Augenblicken von dessen Gef\u00e4hrdung, emporkommen konnte.\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>.<\/p>\n<p>Das einzige, was aus dem ersten Teil des Satzes folgt, ist der Gemeinplatz, wenn es keinen \u00bbaggressiven Zug\u00ab in der menschlichen Natur g\u00e4be, w\u00fcrde es auch nicht zu aggressiven Handlungen kommen, ohne Aggressivit\u00e4t keine Aggression, oder, wie es der unsterbliche Moli\u00e8re ausdr\u00fcckte: Das Opium schl\u00e4fert den Menschen ein, weil es einschl\u00e4fernde Eigenschaften besitzt. Nolte scheint nicht zu verstehen, da\u00df er dadurch noch keineswegs den zweiten Teil seines Satzes bewiesen hat. Er m\u00fc\u00dfte zeigen, da\u00df in \u00bbguten alten Zeiten\u00ab die \u00bbarchaischen militaristischen Tendenzen\u00ab ebenfalls faschistische oder faschismusartige Regierungsformen h\u00e4tten erzeugen k\u00f6nnen. Leider aber f\u00fchrten sie da zu Eroberungsz\u00fcgen von Sklavenhaltern, Raubz\u00fcgen von Hirtenv\u00f6lkern oder feudalen Kreuzz\u00fcgen, die mit den wesentlichen Merkmalen, des faschistischen, Regimes ebenso wenig zu tun haben wie eine r\u00f6mische Villa oder ein mittelalterliches Dorf mit einem modernen Gro\u00dfbetrieb. Demnach ist das Spezifische am Faschismus nicht, da\u00df er die \u00bbin der menschlichen Natur verwurzelte Aggressivit\u00e4t\u00ab zum Ausdruck bringt (denn diese kommt in unz\u00e4hligen, verschiedenartigen historischen Bewegungen ebenfalls zum Ausdruck), sondern da\u00df er diese Aggressivit\u00e4t in eine bestimmte gesellschaftliche, politische und milit\u00e4rische Form gie\u00dft, die es fr\u00fcher nie gegeben hat. Und demnach ist der Faschismus wohl tats\u00e4chlich ein Produkt des imperialistischen Monopolkapitalismus. Alle anderen Versuche, den Faschismus haupts\u00e4chlich aus psychologischen Faktoren deuten zu wollen, leiden an derselben grundlegenden Schw\u00e4che.<\/p>\n<p>Der Versuch, den Faschismus als ein Produkt spezifischer Wesensz\u00fcge bestimmter V\u00f6lker oder Rassen &#8211; oder einer bestimmten historischen Vergangenheit &#8211; zu erfassen, ist methodologisch kaum stichhaltiger; man steigt von der Individual- zur V\u00f6lkerpsychologie auf, ohne tats\u00e4chlich mehr zu erkl\u00e4ren als jene Faktoren, die im allgemeinsten Sinne eine Erscheinung wie den Faschismus \u00fcberhaupt erm\u00f6glichen. Weder die historische R\u00fcckst\u00e4ndigkeit Italiens, noch die preu\u00dfisch-milit\u00e4rische Tradition Deutschlands, und ganz sicher nicht der \u00bbHang zur Disziplin\u00ab oder die \u00bbFurcht vor der Freiheit\u00ab k\u00f6nnen den j\u00e4hen Auf- und Abstieg des Faschismus w\u00e4hrend der Jahre 1920 bis 1945 ausreichend erkl\u00e4ren. Oft sind diese Argumente deutlich widerspruchsvoll: war Italien ein relativ r\u00fcckst\u00e4ndiges Industrieland, so war Deutschland gerade die entwickelste Industrienation auf dem europ\u00e4ischen Festland. War der \u00bbHang zur Disziplin\u00ab ein Grundzug des \u00bbdeutschen Volkscharakters\u00ab (zur\u00fcckzuf\u00fchren auf die versp\u00e4tete Aufhebung der Leibeigenschaft in Preu\u00dfen), so geh\u00f6ren die Italiener zu den \u00bbdisziplinlosesten V\u00f6lkern\u00ab Europas, nicht zu reden von der dort v\u00f6llig fehlenden milit\u00e4rischen Tradition. Als sekund\u00e4re Faktoren und Ursachen haben diese Elemente ohne Zweifel eine Rolle gespielt, um dem Faschismus in jedem einzelnen Fall einen spezifisch nationalen Charakter zu verleihen, der der historischen Besonderheit von Monopolkapitalismus und Kleinb\u00fcrgertum in jedem einzelnen Land entspricht. Aber gerade wenn man den Faschismus als allgemeine Erscheinung erfa\u00dft, die ohne besondere geographische Begrenzung in allen imperialistischen L\u00e4ndern Wurzel fa\u00dfte &#8211; und morgen wieder Wurzel fassen kann &#8211; sind die Erkl\u00e4rungsversuche, die haupts\u00e4chlich die nationalen Besonderheiten dieser oder jener Situation in den Vordergrund r\u00fccken, besonders unzul\u00e4nglich<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>.<\/p>\n<p>Die Detailforschung nach besonderen Interessengruppen, und engeren, sich befehdenden Sektoren des Gro\u00dfkapitals als spezifischen \u00bbTr\u00e4gern\u00ab des Faschismus hat vor allem durch die Ver\u00f6ffentlichung der Protokolle und Materialien der N\u00fcrnberger Prozesse ein weites Bet\u00e4tigungsfeld gefunden. Vieles davon best\u00e4tigt, was man zuvor ahnen oder theoretisch-deduktiv erkennen konnte: da\u00df es in st\u00e4rkerem Ma\u00dfe die Schwerindustrie als die Leichtindustrie war, die an der Hitlerschen Machtergreifung und Aufr\u00fcstung ein Interesse hatte, da\u00df die \u00bbArisierung\u00ab j\u00fcdischen Kapitals keine bedeutende Rolle in der deutschen Wirtschaft gespielt hat<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a>; da\u00df der IG-Farben-Trust einen besonders aktiven und bestimmenden Einflu\u00df auf eine Reihe von wirtschafts- und finanzpolitischen Entscheidungen des Hitlerregimes aus\u00fcben konnte, usw.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Es ist schlie\u00dflich nicht n\u00f6tig, Berge von Akten zu durchforschen, um zu erkennen, da\u00df in der besonderen Situation des deutschen Kapitalismus anno 1934 Fabrikanten von Kanonen, Panzern und Ersatzmaterialien mehr an der Aufr\u00fcstung profitierten als Hersteller von Unterw\u00e4sche, Spielwaren oder Taschenmessern. Nolte aber begeht wiederum einen typischen Denkfehler, wenn er behauptet: \u00bb&#8230;wenn er (Otto Bauer) aber verschiedene in ihren Interessen wesentlich (?) entgegengesetzte Fraktionen \u2019der\u2019 Kapitalistenklasse unterscheidet (z.B. die auf Export angewiesene Fertigwarenindustrie oder die pazifistische Rentnerklasse im Gegensatz zu der an R\u00fcstungsprofiten interessierten Schwerindustrie), dann n\u00fctzt die altgewohnte und triviale Unterscheidung von herrschender Klasse und regierender Kaste nichts mehr, und dann f\u00e4llt die Rede vom Faschismus als dem Vollzugsorgan \u2019des\u2019 Kapitals dahin. Dann l\u00f6st sich die konstruierte \u00f6konomische Einheit in die Vielfalt ihrer historischen Elemente auf, und als relevante Frage bleibt nur die zur\u00fcck, unter welchen Voraussetzungen die Vielfalt als Einheit erscheinen mu\u00df, und inwiefern sie gerade dadurch eine Herrschaft verlieren kann, die in gewisser Hinsicht seit 150 Jahren in allen Staaten Europas selbstverst\u00e4ndlich, aber in keinem Falle uneingeschr\u00e4nkt war\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a>.<\/p>\n<p>Die gesamte Argumentation dreht sich um das Wort \u00bbwesentlich\u00ab und kann nur durch eine Analyse der Wesensz\u00fcge der kapitalistischen Produktionsweise verdeutlicht werden. \u00bbWesentlich\u00ab sind f\u00fcr diese Produktionsweise und die in ihr herrschende Klasse weder die Ausrichtung der Au\u00dfenpolitik noch die M\u00f6glichkeit, politisch frei reden und schreiben und direkt von ihr selbst gew\u00e4hlte Vertreter mit den Regierungsgesch\u00e4ften betrauen zu k\u00f6nnen. Das alles hat es in verschiedenen Epochen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft gegeben und in vielen anderen wiederum nicht (oder nicht in demselben Ma\u00dfe). Wesentlich ist das Privateigentum, die M\u00f6glichkeit, Kapital zu akkumulieren und Mehrwert zu realisieren. Und da sprechen die Zahlen eine besonders deutliche Sprache. Die Profite s\u00e4mtlicher Industrie- und Handelsunternehmen stiegen von 6,6 Milliarden Mark im Jahre 1933 auf 15 Milliarden Mark im Jahre 1938; aber w\u00e4hrend der Umsatz der Bremer Wollk\u00e4mmerei praktisch stagnierte und der der AEG nur um 55% zunahm, verdoppelte sich der von Siemens, verdreifachte sich der Umsatz von Krupp und Mannesmann-R\u00f6hrenwerke, versechsfachte sich der der Philipp Holzmann AG und verzehnfachte sich der der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken AG<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a>. Weit davon entfernt, nur eine gedankliche Konstruktion zu sein, ergibt sich demnach ein sehr eindeutiges wirtschaftliches Gesamtinteresse der kapitalistischen Klasse, wie sich gleichzeitig auch Sonderinteressen im Rahmen dieses Gesamtinteresses immer wieder abheben und durchsetzen. Schlie\u00dflich war der Satz, das kapitalistische Privateigentum entst\u00fcnde und wachse immer aus der Expropriation vieler kleiner (und manch gro\u00dfer) Eigent\u00fcmer, nicht in der Hitlerschen Epoche geschrieben worden, sondern bezog sich auf die Gesamtgeschichte dieser Produktionsweise.<\/p>\n<p>Die methodologischen Schw\u00e4chen der Ans\u00e4tze b\u00fcrgerlicher Faschismustheorien springen somit deutlich ins Auge. Weil ihnen das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Gesellschaftsstrukturen und Produktionsweisen fehlt, sind die b\u00fcrgerlichen Ideologen unf\u00e4hig, die widerspruchsvollen Momente der faschistischen Wirklichkeit als eine dialektische Einheit zu erfassen und die Faktoren zu erkennen, die sowohl die Integration wie die darauffolgende Desintegration &#8211; den Aufstieg und den Niedergang &#8211; dieser Momente in einer zusammenh\u00e4ngenden Totalit\u00e4t bestimmen.<\/p>\n<p>Die methodologische \u00dcberlegenheit des Marxismus besteht darin, da\u00df ihm eine solche Integration widerspruchsvoller analytischer Momente &#8211; in Widerspiegelung einer widerspruchsvollen gesellschaftlichen Wirklichkeit &#8211; gelingen kann. Der Marxismus garantiert keinesfalls eine solche Analyse; das zeigen leider zu viele Beispiele, deren Kritik viele Arbeiten des hier vorliegenden Bandes gelten; da\u00df er sie erm\u00f6glicht, zeigt in gl\u00e4nzender Weise gerade der Beitrag Trotzkis zur Faschismustheorie.<\/p>\n<p>III<\/p>\n<p>Trotzkis Faschismustheorie bildet eine Einheit von sechs Elementen, denen eine gewisse Autonomie zukommt; jedes durchl\u00e4uft auf Grund seiner inneren Gegens\u00e4tze eine bestimmte Entwicklung, aber sie k\u00f6nnen nur als geschlossene und dynamische Totalit\u00e4t verstanden werden und nur in ihrem inneren Zusammenhang Aufkommen, Sieg und Niedergang der faschistischen Diktatur erkl\u00e4ren.<\/p>\n<ol>\n<li>a) Das Aufkommen des Faschismus ist Ausdruck einer schweren gesellschaftlichen Krise des Sp\u00e4tkapitalismus, einer Strukturkrise, die, wie in den Jahren 1929 bis 1933, wohl mit einer klassischen wirtschaftlichen \u00dcberproduktionskrise zusammenfallen kann, aber weit \u00fcber eine solche Konjunkturschwankung hinausgeht. Es handelt sich grunds\u00e4tzlich um eine Krise der Verwertungsbedingungen des Kapitals, d.h. um die Unm\u00f6glichkeit, eine \u00bbnat\u00fcrliche\u00ab Kapitalakkumulation unter den gegebenen Konkurrenzbedingungen auf dem Weltmarkt (d.h. auf dem bestehenden Niveau der Reall\u00f6hne und der Arbeitsproduktivit\u00e4t, bei dem bestehenden Zugang zu Rohstoffen und Absatzm\u00e4rkten) fortsetzen zu k\u00f6nnen. Die historische Funktion der faschistischen Machtergreifung besteht darin, diese Verwertungsbedingungen schlagartig. und gewaltsam zugunsten der entscheidenden Gruppen des Monopolkapitalismus zu \u00e4ndern.<\/li>\n<li>b) Die politische Herrschaft des B\u00fcrgertums wird unter den Bedingungen des Imperialismus und der historisch gewachsenen, modernen Arbeiterbewegung am g\u00fcnstigsten &#8211; d.h. mit den geringsten Unkosten &#8211; auf dem Wege der b\u00fcrgerlich-parlamentarischen Demokratie ausge\u00fcbt, die u.a. gleichzeitig die Vorteile bietet, durch gewisse Sozialreformen die Explosivit\u00e4t der gesellschaftlichen Gegens\u00e4tze periodisch abbauen zu k\u00f6nnen und einen bedeutenden Sektor der b\u00fcrgerlichen Klasse direkt oder indirekt (\u00fcber b\u00fcrgerliche Parteien, Zeitungen, Hochschulen, Unternehmerverb\u00e4nde, Kommunal- und Regionalverwaltungsorgane, die Spitzen des Staatsapparates, das Zentralbanksystem usw.) an der Aus\u00fcbung der politischen Macht zu beteiligen. Diese Herrschaftsform des Gro\u00dfb\u00fcrgertums &#8211; historisch gesehen keineswegs die einzige<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> &#8211; ist jedoch durch ein sehr labiles Gleichgewicht von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen bedingt. Wird dieses Gleichgewicht durch die objektive Entwicklung zerschlagen, dann bleibt dem Gro\u00dfb\u00fcrgertum kaum ein anderer Ausweg als der Versuch, auch um den Preis der Aufgabe der unmittelbaren Aus\u00fcbung der politischen Macht eine h\u00f6here Form der Zentralisierung der exekutiven Staatsgewalt zur Verwirklichung seiner historischen Interessen durchzusetzen. Historisch gesehen ist also der Faschismus Verwirklichung wie Verneinung der dem Monopolkapital innewohnenden und von Hilferding zuerst erkannten Tendenzen zur totalit\u00e4ren \u00bbOrganisierung\u00ab des gesamten gesellschaftlichen Lebens in seinem Interesse<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a>: Verwirklichung, weil der Faschismus letzten Endes diese historische Funktion erf\u00fcllt hat; Verneinung, weil er sie, entgegen den Annahmen Hilferdings, nur durch die weitgehende politische Expropriation des B\u00fcrgertums selbst erf\u00fcllen konnte<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a>.<\/li>\n<li>c) Unter den Bedingungen des modernen industriellen Monopolkapitalismus und der zahlenm\u00e4\u00dfig ungeheuren Disproportion zwischen Lohnabh\u00e4ngigen und Gro\u00dfkapitalbesitzern ist eine solche gewaltsame Zentralisierung der Staatsgewalt mit Ausschaltung der meisten (wenn nicht aller) Errungenschaften der modernen Arbeiterbewegung (u.a. jener \u00bbKeime der proletarischen Demokratie im Rahmen der b\u00fcrgerlichen Demokratie\u00ab, wie Trotzki zu Recht die Organisationen der Arbeiterbewegung nennt) praktisch mit rein technischen Mitteln unm\u00f6glich. Weder eine Milit\u00e4rdiktatur noch ein reiner Polizeistaat &#8211; ganz zu schweigen von einer absolutistischen Monarchie &#8211; verf\u00fcgen \u00fcber zureichende Mittel, um eine millionenstarke, bewu\u00dfte Gesellschaftsklasse f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit zu atomisieren, zu entmutigen und zu demoralisieren und so einem schon durch das einfache Spiel der Marktgesetze periodisch beg\u00fcnstigten Wiederaufflackern wenigstens elementarer Klassenk\u00e4mpfe vorzubeugen. Dazu ist eine Massenbewegung notwendig, die ihrerseits gro\u00dfe Menschenmengen in Bewegung bringt, die bewu\u00dfteren Teile des Proletariats in systematischem Massenterror, in Kleinkrieg und Stra\u00dfenkrieg zerm\u00fcrbt und demoralisiert und es nach der Macht\u00fcbernahme durch v\u00f6llige Zerschlagung der Massenorganisationen nicht nur atomisiert, sondern auch entmutigt und resignieren l\u00e4\u00dft. Diese Massenbewegung kann es &#8211; mit den ihr eigenen, den Bed\u00fcrfnissen der Massenpsychologie angepa\u00dften Methoden &#8211; dann sogar erreichen, da\u00df nicht nur ein riesiger Apparat von Blockwarten, Stra\u00dfenkontrolleuren, NSBO-Zellen und einfachen Spitzeln die Massen der klassenbewu\u00dften Lohnabh\u00e4ngigen st\u00e4ndig \u00fcberwacht, sondern da\u00df auch ein Teil der weniger bewu\u00dften Arbeiter und (vor allem) Angestellten ideologisch beeinflu\u00dft und teilweise in eine funktionierende Klassenzusammenarbeit reintegriert wird.<\/li>\n<li>d) Eine solche Massenbewegung kann nur auf dem Boden der dritten Gesellschaftsklasse entstehen, die im Kapitalismus neben B\u00fcrgertum und Proletariat existiert: des Kleinb\u00fcrgertums. Ist dieses Kleinb\u00fcrgertum von der Strukturkrise des Sp\u00e4tkapitalismus so schwer betroffen, da\u00df es in Hoffnungslosigkeit verf\u00e4llt (Inflation, Bankrott der Kleinunternehmen, Massenerwerbslosigkeit von Akademikern, Technikern und h\u00f6heren Angestellten usw.), dann wird wenigstens in einem Teil dieser Gesellschaftsklasse aus einer Verbindung von ideologischen Reminiszenzen und psychologischen Ressentiments eine typisch kleinb\u00fcrgerliche Bewegung entstehen, die extremen Nationalismus und, zumindest verbal ausgepr\u00e4gte, antikapitalistische Demagogie<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> mit gr\u00f6\u00dfter Feindschaft gegen\u00fcber der organisierten Arbeiterbewegung (\u00bbwider den Marxismus\u00ab, \u00bbwider den Kommunismus\u00ab) verkn\u00fcpft. Sobald sich diese vor allem in den deklassierten Teilen des Kleinb\u00fcrgertums rekrutierte Bewegung auf den Einsatz direkter physischer Gewalt gegen die Lohnabh\u00e4ngigen, ihre Aktionen und Organisationen einstellt, ist eine faschistische Bewegung geboren. Nachdem sie eine autonome Entwicklung durchlaufen hat, um eine Massenbewegung zu werden und Massenwirkung zu erreichen, bedarf sie der finanziellen und politischen Unterst\u00fctzung wichtiger Teile des Monopolkapitals, um sich bis zur Machtergreifung durchzusetzen.<\/li>\n<li>e) Die vorherige Zerm\u00fcrbung und Zur\u00fcckschlagung der Arbeiterbewegung, die, wenn die faschistische Diktatur ihre historische Rolle erf\u00fcllen will, unerl\u00e4\u00dflich ist, ist jedoch nur m\u00f6glich, wenn sich in der der Machtergreifung vorangehenden Periode die Waagschale entscheidend zugunsten der faschistischen Banden und zuungunsten der Lohnabh\u00e4ngigen senkt<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a>. Der Aufstieg der faschistischen Massenbewegung kommt sozusagen einer Institutionalisierung des B\u00fcrgerkriegs gleich, in dem jedoch objektiv gesehen beide Seiten eine Erfolgschance besitzen (dies ist, nebenbei gesagt, der Grund, weshalb das Gro\u00dfb\u00fcrgertum nur unter ganz besonderen, \u00bbabnormen\u00ab Bedingungen derlei Experimente guthei\u00dfen und finanzieren wird; ein bestimmtes Risiko ist in solcher Va-banque-Politik ohne Zweifel von vornherein vorhanden). Gelingt es den Faschisten, den Feind, d.h. die organisierte Arbeiterschaft, zu zersplittern, zu paralysieren, zu entmutigen und zu demoralisieren, dann ist ihnen der Sieg gewi\u00df. Gelingt es aber der Arbeiterbewegung, erfolgreich zur\u00fcckzuschlagen und selbst die Initiative zu ergreifen, dann kann nicht nur dem Faschismus, sondern auch dem Kapitalismus, der ihn gebar, eine entscheidende Niederlage zugef\u00fcgt werden. Das hat technisch-politische wie sozialpolitische und sozialpsychologische Gr\u00fcnde. Die faschistischen Banden organisieren anfangs nur die entschlossensten und desperatesten Teile des Kleinb\u00fcrgertums (seinen \u00bbwild gewordenen\u00ab Teil). Die Masse der Kleinb\u00fcrger, wie auch der bewu\u00dftlose und nicht organisierte Teil der Lohnabh\u00e4ngigen und vor allem der Arbeiter- und Angestelltenjugend, wird normalerweise zwischen den beiden Lagern hin- und herschwanken. Er wird dazu neigen, sich auf diejenige Seite zu schlagen, die am meisten K\u00fchnheit und Entschlu\u00dfkraft zeigt; er setzt am liebsten auf das Pferd, das gewinnt. Deshalb l\u00e4\u00dft sich sagen, da\u00df der Sieg des Faschismus historisch gesehen die Unf\u00e4higkeit der Arbeiterbewegung zum Ausdruck bringt, die Strukturkrise des Sp\u00e4tkapitalismus in ihrem eigenen Interesse und gem\u00e4\u00df ihren eigenen Zielen zu l\u00f6sen. Erst eine solche Krise bietet im Allgemeinen der Arbeiterbewegung die Chance, sich durchzusetzen. Nur wenn diese Chance verpa\u00dft wird und die Klasse verf\u00fchrt, gespalten und demoralisiert ist, kann der Zusammensto\u00df zum Triumph des Faschismus f\u00fchren.<\/li>\n<li>f) Ist es dem Faschismus gelungen, \u00bbals Rammbock die Arbeiterbewegung zu zerschlagen\u00ab, dann hat er vor dem Standpunkt der Monopolkapitalisten seine Schuldigkeit getan. Seine Massenbewegung wird b\u00fcrokratisiert und dem b\u00fcrgerlichen Staatsapparat weitgehend einverleibt, was nur geschehen kann, wenn die extremsten Formen plebejisch-kleinb\u00fcrgerlicher Demagogie, die zu den \u00bbZielen der Bewegung\u00ab geh\u00f6rten, von der Oberfl\u00e4che und aus der offiziellen Ideologie verschwinden<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a>. Dies steht zu der fortdauernden Verselbst\u00e4ndigung des h\u00f6chst zentralisierten Staatsapparates keineswegs im Gegensatz. Ist aber die Arbeiterbewegung besiegt und haben sich die Verwertungsbedingungen des Kapitals im Inneren entscheidend zugunsten des Gro\u00dfb\u00fcrgertums ver\u00e4ndert, so konzentriert sich dessen politisches Interesse mit Notwendigkeit auf eine \u00e4hnliche \u00c4nderung auf dem Weltmarkt. Dazu dr\u00e4ngt gleichfalls der drohende Staatsbankrott. Die Va-banque-Politik des Faschismus wird aus der sozialpolitischen in die finanzielle Sph\u00e4re hineingetragen, sch\u00fcrt die permanente Inflation und l\u00e4\u00dft letzten Endes keinen anderen Ausweg als das au\u00dfenpolitisch-milit\u00e4rische Abenteuer. Diese ganze Entwicklung bedingt jedoch innenpolitisch wie wirtschaftlich (im Zuge der Kriegswirtschaft) keinen Ausbau, sondern einen Abbau der Position des Kleinb\u00fcrgertums (mit Ausnahme jenes Teils, der mit Pfr\u00fcnden im verselbst\u00e4ndigten Staatsapparat abgespeist werden kann). Es kommt zu keiner \u00bbBrechung der Zinsknechtschaft\u00ab, sondern zur prononcierten Beschleunigung der Konzentration des Kapitals. Hierin zeigt sich der Klassencharakter der faschistischen Diktatur, der dem der faschistischen Massenbewegung nicht entspricht. Nicht die historischen Interessen des Kleinb\u00fcrgertums, sondern die des Monopolkapitals werden durch sie vertreten. Setzt sich diese Tendenz einmal durch, dann vermindert sich notwendigerweise die bewu\u00dfte und aktive Massenbasis des Faschismus. Die faschistische Diktatur hat die Tendenz, selbst diese Massenbasis abzubauen und zu zersetzen. Die faschistischen Banden werden zu Anh\u00e4ngseln der Polizei. Der Faschismus verwandelt sich in der Phase seines Niedergangs in eine besondere Form des Bonapartismus zur\u00fcck<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dies sind die konstitutiven Elemente von Trotzkis Faschismustheorie. Sie fu\u00dft auf einer Analyse der besonderen Bedingungen, unter denen sich der Klassenkampf in den hochindustrialisierten L\u00e4ndern w\u00e4hrend der sp\u00e4tkapitalistischen Strukturkrise (Trotzki selbst sprach von der \u00bbEpoche des Niedergangs des Kapitalismus\u00ab) entwickelt, und auf einer besonderen &#8211; f\u00fcr Trotzkis Marxismus charakteristischen &#8211; Verbindung objektiver und subjektiver Faktoren in der Theorie des Klassenkampfes wie beim Versuch, ihn praktisch zu beeinflussen.<\/p>\n<p>IV<\/p>\n<p>In welchem Verh\u00e4ltnis steht nun die Faschismustheorie Trotzkis zu der der anderen Str\u00f6mungen der Arbeiterbewegung? Welche spezifischen Merkmale ergeben sich aus einem Vergleich mit anderen Versuchen, das Problem des Faschismus mit Hilfe der marxistischen Methode zu ergr\u00fcnden?<\/p>\n<p>Bei den sozialdemokratischen Autoren f\u00e4llt vor allem die pragmatisch-apologetische Natur der Analyse auf; die Theorie mu\u00df der erzopportunistischen Praxis zu Hilfe eilen und ihr Versagen durch die \u00bbSchuld des Gegners\u00ab erkl\u00e4ren. Dieser Opportunismus hatte in der damaligen Zeit die Nabelschnur zum objektivistisch-fatalistischen Vulg\u00e4rmarxismus Kautskys noch nicht durchschnitten. Neben der \u00bbSchuld der Gegner\u00ab erscheint als ultima ratio immer die Gewalt der \u00bbobjektiven Bedingungen\u00ab: die \u00bbKr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse\u00ab erlaubten halt nicht, Besseres zu erreichen. Da\u00df eigenes Handeln diese Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse \u00e4ndern kann, da\u00df auch eigene Unt\u00e4tigkeit diese Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse &#8211; n\u00e4mlich zugunsten des Klassenfeindes &#8211; \u00e4ndert, war dieser Schule nie gel\u00e4ufig.<\/p>\n<p>Grundtenor ist hierbei die abgeschmackte These, die radikale Agitation der \u00bbBolschewisten\u00ab h\u00e4tte dem Faschismus die M\u00f6glichkeit oder zumindest den Vorwand zur Mobilisierung der ver\u00e4ngstigten und konservativen Bev\u00f6lkerungsschichten geboten. Der Faschismus sei die Strafe, die dem Proletariat von der Gro\u00dfbourgeoisie f\u00fcr kommunistische Agitation auferlegt worden sei. \u00bbWollt Ihr die Kleinb\u00fcrger nicht erschrecken und die Gro\u00dfkapitalisten nicht reizen, so bleibt gem\u00e4\u00dfigt\u00ab. Diese liberale Weisheit der \u00bbgoldenen Mitte\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> \u00fcbersieht, da\u00df es gerade der Bankrott der \u00bbgem\u00e4\u00dfigten\u00ab Alltagspolitik im b\u00fcrgerlichen Parlamentarismus unter Bedingungen der versch\u00e4rften Strukturkrise des Sp\u00e4tkapitalismus ist, der die Kleinb\u00fcrger verzweifelt in die Arme der Faschisten treibt. Um sie davon abzuhalten, mu\u00df eine Alternativl\u00f6sung angeboten werden, f\u00fcr die sich Erfolgschancen in der t\u00e4glichen Praxis des Kampfes ergeben. Fehlt diese Alternativl\u00f6sung und bleibt dem verarmten und deklassierten Kleinb\u00fcrgertum nur die Wahl zwischen ohnm\u00e4chtigem Parlamentarismus und aufmarschierendem Faschismus, dann wird es sich konsequenterweise f\u00fcr den Faschismus entscheiden. Und gerade die \u00bbgem\u00e4\u00dfigte\u00ab Selbstbeschr\u00e4nkung und Selbsteinsch\u00fcchterung der Arbeiterbewegung wird die Massen in dem Gef\u00fchl best\u00e4rken, das faschistische Pferd sei das aussichtsreichste.<\/p>\n<p>Besonders hilflos zeigt sich die sozialdemokratische Faschismustheorie dann, wenn sie die These \u00bbUm jeden Preis an der Legalit\u00e4t festhalten\u00ab vertritt, in dem irrigen Glauben, gerade wenn die Faschisten den Boden der Legalit\u00e4t verlie\u00dfen, m\u00fc\u00dften die Organisationen der Lohnabh\u00e4ngigen sich ausschlie\u00dflich auf legale Aktionen beschr\u00e4nken. Sie \u00fcbersieht dabei, da\u00df Legalit\u00e4t und Staat nicht Verdinglichungen abstrakter Begriffe, sondern Ausdruck konkreter Gesellschaftsinteressen und -klassen sind. Die \u00bbLegalit\u00e4t\u00ab und der \u00bbStaat\u00ab, das waren letzten Endes die Richter, die Oberste und Majore der Reichswehr, die durch tausend F\u00e4den mit ihren \u00bbKameraden\u00ab vom Stahlhelm und von der SS verbunden waren, und die die organisierte Arbeiterbewegung ebenso &#8211; nur etwas \u00bbzivilisierter\u00ab &#8211; ha\u00dften und bek\u00e4mpften, wie die faschistischen Banden es taten. Sie als Schutz gegen diese Banden zu benutzen, hie\u00df tats\u00e4chlich, jenen schutzlos gegen\u00fcberzutreten.<\/p>\n<p>Ein bedeutsames Element der sozialdemokratischen Faschismustheorie liegt auch in der Hypostasierung des Faktors \u00bbWirtschaftskrise\u00ab und \u00bbMassenerwerbslosigkeit\u00ab: Wenn es keine Wirtschaftskrise g\u00e4be, w\u00fcrde die Gefahr des Faschismus verschwinden. Man \u00fcbersieht dabei, da\u00df die Strukturkrise wichtiger ist als die Konjunkturkrise und da\u00df beim Fortdauern der ersteren auch die Milderung der letzteren die Lage nicht grundlegend \u00e4ndert. Das mu\u00dften belgische Sozialdemokraten wie Spaak und de Man erleben, die mit allen Mitteln auf den Abbau der Erwerbslosigkeit hinarbeiteten &#8211; auch unter Preisgabe wichtiger Positionen, vor allem der Kampfkraft der Lohnabh\u00e4ngigen &#8211; und dennoch die Faschisten wachsen und nicht zur\u00fcckfluten sahen.<\/p>\n<p>Alle Ans\u00e4tze zu dieser sozialdemokratischen Faschismustheorie sind bereits in den ersten Arbeiten vorhanden, die die italienischen Sozialdemokraten der \u00fcber sie hereinbrechenden Katastrophe widmeten. So schreibt Giovanni Zibordi schon im Jahre 1922: \u00bb&#8230; den Exzessen des Extremismus (ist) die Verantwortung daf\u00fcr zuzuschreiben, da\u00df sie die Atmosph\u00e4re geschaffen haben, wie der sozialistischen und Arbeiterbewegung im Ganzen die Verantwortung daf\u00fcr zukommt, da\u00df sie jene kleinb\u00fcrgerlichen und intellektuellen Schichten in die Arme des Faschismus stie\u00dfen, die keinen wahren \u00f6konomischen Grund haben, den Sozialismus zu f\u00fcrchten und zu hassen\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>. Turati wiederholt ein paar Jahre sp\u00e4ter: \u00bb &#8230; infolge der philo\u2011bolschewistischen Exzesse (ist) die Furcht der besitzenden Klassen, ihre Privilegien zu verlieren, so infantil und phantastisch sie war, in gewissen Augenblicken real und sehr gro\u00df gewesen &#8230; Der Schlu\u00df ist zul\u00e4ssig, da\u00df ohne dieses Verhalten die plutokratisch faschistische Zusammenarbeit nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a>. Und es ist zu bedauern, da\u00df ein ehemaliger Kommunist und Marxist wie Angelo Tasca in seinem vor dem Zweiten Weltkrieg verfa\u00dften Buch zu dem Schlu\u00df kommt, man k\u00f6nne nicht gleichzeitig Staatsapparat und Faschismus bek\u00e4mpfen und m\u00fcsse sich deshalb mit dem ersten gegen den letzteren verb\u00fcnden<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a>.<\/p>\n<p>Die deutschen Sozialdemokraten bieten nur einen vulgarisierten und verflachten Abklatsch dieser Thesen. Ihr bedeutendster Theoretiker der zwanziger Jahre, der belgische Antimarxist Hendrik de Man, der die Psychologie des Kleinb\u00fcrgertums im Faschismus zu ergr\u00fcnden versuchte, kam auch nach der deutschen Katastrophe zu dem Schlu\u00df, man d\u00fcrfe das Kleinb\u00fcrgertum nicht \u00bberschrecken\u00ab und lie\u00df deshalb eine gro\u00dfe Welle von Arbeiterenthusiasmus und Kampfwillen f\u00fcr den Generalstreik im Jahre 1935 j\u00e4h abblasen, womit er alle Voraussetzungen f\u00fcr das riesige Anschwellen der faschistischen Bewegung Belgiens seit dem Jahre 1936 schuft<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a>. Nur L\u00e9on Blum war klug genug, nach der Machteroberung Hitlers auszusprechen, der Sieg der Nazis sei die Strafe daf\u00fcr, da\u00df die deutsche Sozialdemokratie nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches die Ans\u00e4tze zur proletarischen Revolution erstickt und dadurch alle jene Faktoren &#8211; von der Reichswehr bis zu den Freikorps &#8211; freigesetzt und gest\u00e4rkt h\u00e4tte, die sie nun schm\u00e4hlich davonjagen w\u00fcrden<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a>. Aber derselbe L\u00e9on Blum konnte, als er wenige Jahre sp\u00e4ter mit einem gro\u00dfen Massenstreik konfrontiert wurde, nichts anderes tun, als die Abwiegelungspolitik der Ebert und Scheidemann wiederholen, was zum Zusammenbruch der Dritten Republik und zur Machtergreifung des senilen Vichy-Bonapartismus f\u00fchren mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Die offizielle Faschismustheorie der Komintern nach Lenins Tod hat die Bew\u00e4hrungsprobe kaum besser bestanden als die sozialdemokratische. Gewi\u00df gab es Ans\u00e4tze zu einer marxistischen Analyse der drohenden Gefahr, die international \u00fcber der Arbeiterbewegung hing. Bei Clara Zetkin, Radek, Ignazio Silone und manchmal auch bei Sinowjew findet man Elemente einer marxistischen Faschismustheorie. Sehr bald geriet aber die theoretische Arbeit der Komintern ins Fahrwasser der Fraktionsk\u00e4mpfe der russischen Kommunistischen Partei. Es galt nicht mehr, objektive Prozesse wissenschaftlich zu erfassen, sondern einer Stalin h\u00f6rigen Fraktion die F\u00fchrung der KPD zuzuspielen. Diesem Ziel wurden r\u00fccksichtslos alle Erfordernisse marxistischer Analyse und des revolution\u00e4ren Klassenkampfes in Deutschland untergeordnet.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist bekannt. Es ist die Theorie, die den eigenst\u00e4ndigen Massencharakter der faschistischen Bewegung verkennt und den Faschismus als direkten Ausdruck der Interessen der \u00bbaggressivsten Teile des Monopolkapitals\u00ab versteht. Ihr folgt die Theorie des Faschismus als des \u00bbZwillings\u00ab der Sozialdemokratie im Dienste des Monopolkapitals, die Theorie der \u00bbgraduellen\u00ab oder \u00bbschrittweisen Faschisierung\u00ab der Weimarer Republik, die die Werkt\u00e4tigen \u00fcber den katastrophalen Charakter der faschistischen Machtergreifung t\u00e4uscht und sie vom Kampf gegen noch bevorstehende Gefahren abh\u00e4lt. Das Ganze wird durch die Theorie des \u00bbSozialfaschismus\u00ab gekr\u00f6nt, die in ihrer extremsten Form zu der These f\u00fchrt, erst m\u00fcsse man die Sozialdemokratie geschlagen haben, bevor man den Faschismus schlagen k\u00f6nne<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a>. Als Abschlu\u00df kam noch der typisch sozialdemokratische und def\u00e4tistische Zusatz, \u00bbHitler w\u00fcrde\u00ab &#8211; u. a. durch seine Unf\u00e4higkeit, die Wirtschaftskrise zu l\u00f6sen &#8211; \u00bbrasch abwirtschaften\u00ab, \u00bbund nach Hitler kommen wir\u00ab. Dieses \u00bbanalytische\u00ab Element beinhaltete praktisch, da\u00df man sich bereits mit der Unabwendbarkeit der Hitlerschen Machtergreifung abgefunden hatte und die Auswirkungen dieser Machtergreifung auf die Zerschlagung der Arbeiterbewegung gewaltig untersch\u00e4tzte. Die gesamte Analyse konnte nur den Widerstand gegen den siegreichen Aufmarsch der Nazis verwirren und paralysieren.<\/p>\n<p>Erst 25 Jahre sp\u00e4ter vermochte sich die \u00bboffizielle\u00ab kommunistische Weltbewegung zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der falschen Faschismustheorie Stalins aufzuraffen. Der praktische Bruch mit dieser Theorie war allerdings sehr rasch geschehen &#8211; nachdem es zu sp\u00e4t war. Die Wende zur Volksfrontpolitik im Jahre 1935 implizierte eine v\u00f6llige Revision der Theorie des \u00bbSozialfaschismus\u00ab und eine sprunghafte Wendung zu einer ebenso fehlerhaften Rechts-Politik, nachdem die ultralinke Politik so verheerende Folgen gehabt hatte<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a>. Aber da Stalins Schriften und Thesen bis zum Jahre 1956 tabu waren, begann eine vorsichtige Revision der Sozialfaschismustheorie erst nach Beginn der sogenannten Entstalinisierung<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a>. Der italienische KP-F\u00fchrer Togliatti sprach offen aus, was die meisten kommunistischen Kader im stillen dachten, und die offizielle, in der DDR ver\u00f6ffentlichte \u00bbGeschichte der deutschen Arbeiterbewegung\u00ab unterwarf Theorie und Praxis der KPD in den Jahren 1930 bis 1933 einer zwar vorsichtigen, aber doch gr\u00fcndlichen Kritik, ohne freilich neue Fehler in der Bestimmung von Wesen und Funktion des Faschismus zu vermeiden<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a>.<\/p>\n<p>Die Theorien von der \u00bbgraduellen Faschisierung\u00ab und vom \u00bbSozialfaschismus\u00ab sind nicht nur falsche Einsch\u00e4tzungen der politischen Konjunktur und taktische Fehler im Kampf gegen den Aufmarsch des Faschismus. Sie gehen am entscheidenden Merkmal des Faschismus vorbei, das durch Trotzki so richtig erkannt und durch die Geschichte so tragisch best\u00e4tigt wurde.<\/p>\n<p>Der Faschismus ist nicht blo\u00df eine neue Etappe der St\u00e4rkung und Verselbst\u00e4ndigung der Exekutive des b\u00fcrgerlichen Staates. Er ist nicht blo\u00df \u00bbdie offene Diktatur des Monopolkapitals\u00ab. Er ist eine besondere Form der \u00bbstarken Exekutive\u00ab und der \u00bboffenen Diktatur\u00ab, die sich durch v\u00f6llige Zerschlagung s\u00e4mtlicher Arbeiterorganisationen &#8211; auch der gem\u00e4\u00dfigten, sicher der sozialdemokratischen &#8211; kennzeichnet. Er ist der Versuch, durch v\u00f6llige Atomisierung der Werkt\u00e4tigen jegliche Form des organisierten Klassenkampfes, der organisierten Selbstverteidigung der Lohnabh\u00e4ngigen, gewaltsam zu verhindern. Man sieht, wie falsch die These ist, die besagt: weil die Sozialdemokratie dem Faschismus den Weg ebne, seien Faschismus und Sozialdemokratie Verb\u00fcndete, und man k\u00f6nne sich nicht mit der letzteren gegen den ersteren Verb\u00fcnden.<\/p>\n<p>Gerade das Umgekehrte trifft zu. Die Sozialdemokratie bereitete tats\u00e4chlich die Machtergreifung des Faschismus vor, indem sie die Kampfkraft der Werkt\u00e4tigen durch ihre Politik der Klassenkollaboration untergrub und sich mit dem Bankrott der parlamentarischen Demokratie identifizierte. Die Machtergreifung des Faschismus ist aber gleichzeitig der Untergang der Sozialdemokratie. Dessen werden sich die Masse der sozialdemokratischen Mitglieder und nicht wenige ihrer F\u00fchrer umso bewu\u00dfter, je n\u00e4her der Augenblick der Katastrophe r\u00fcckt und sich in zahlreichen blutigen Zwischenf\u00e4llen schon in der Gegenwart ank\u00fcndigt. Und dieses Bewu\u00dftsein &#8211; das zugleich alle Widerspr\u00fcche der sozialdemokratischen Politik ausdr\u00fcckt &#8211; kann bei richtiger Einheitsfrontpolitik zum Ausgang einer wirklichen Aktionseinheit der Lohnabh\u00e4ngigen und einer tats\u00e4chlichen, schlagartigen \u00c4nderung der gesellschaftspolitischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse werden, die nicht nur zum Sieg \u00fcber den Faschismus, sondern auch zum Sieg \u00fcber den Kapitalismus (und au\u00dferdem zum Sieg \u00fcber die sozialdemokratische Politik der Zusammenarbeit der Klassen und der Vers\u00f6hnung) f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dieselbe Verkennung der spezifischen Besonderheit des Faschismus finden wir in einer Reihe theoretischer Versuche von Autoren, die zwischen Marxismus und vulg\u00e4rem Sozialreformismus stehen. So sieht Max Horkheimer im Faschismus \u00bbdie modernste Form der monopolkapitalistischen Gesellschaft\u00ab. Eine \u00e4hnliche Konzeption vertrat auch Paul Sering (Richard L\u00f6wenthal) mit der These, Nationalsozialismus sei \u00bbPlanimperialismus\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a>. Beide Meinungen kn\u00fcpfen offensichtlich an die Hilferdingsche These von der Kongruenz zwischen der politischen Machtzentralisation im b\u00fcrgerlichen Staat und der \u00bbh\u00f6chsten Form der Konzentration des Kapitals\u00ab an, die jener im Finanzkapital sah. Aber so genial und historisch zutreffend die skizzierte Voraussage &#8211; trotz der implizierten Vereinfachung &#8211; im Jahre 1907 auch war, so unzutreffend wird sie in den Jahren unmittelbar vor und nach der Hitlerschen Machtergreifung. Man kann den Faschismus nicht begreifen, wenn man von zwei entscheidenden Momenten der Analyse abstrahiert: da\u00df die h\u00f6chste Form der Zentralisation des b\u00fcrgerlichen Staates nur durch die politische Selbstentmachtung des B\u00fcrgertums erreicht werden kann<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a>, und da\u00df es sich nicht um die \u00bbmodernste Form der monopolkapitalistischen Gesellschaft\u00ab, sondern um den Ausdruck der sch\u00e4rfsten Form der Krise dieser Gesellschaft handelt<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a>.<\/p>\n<p>In seinem Buch \u00bbDer Faschismus &#8211; Seine Entstehung und seine Entwicklung\u00ab versucht Ignazio Silone nicht ohne Erfolg, den Faschismus als das Ergebnis der tiefen Strukturkrise der italienischen b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und der gleichzeitigen Unf\u00e4higkeit der italienischen Arbeiterbewegung darzustellen, diese Krise durch eine sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft zu l\u00f6sen<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a>. Auch hat er richtig den Unterschied zwischen Faschismus und \u00bbklassischer\u00ab Milit\u00e4rdiktatur oder Bonapartismus erkannt<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a>. Seine Definition der \u00bbpolitischen Unreife\u00ab der Arbeiterbewegung bleibt jedoch an der Schwelle des zu l\u00f6senden Problems stehen. Welcher Faktor hindert diese Arbeiterbewegung, als Vertreterin s\u00e4mtlicher ausgebeuteten Schichten der Nation aufzutreten, breite Schichten des Kleinb\u00fcrgertums zu neutralisieren oder f\u00fcr sich zu gewinnen und den Kampf um die Macht auf die Tagesordnung zu setzen? Es. ist kein Zufall, da\u00df der Begriff \u00bbsozialistische Revolution\u00ab in Silones Buch kaum vorkommt und da\u00df er wenig Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zeigt, da\u00df die L\u00f6sung der von ihm selbst geschilderten, komplexen Aufgabe einen strategischen Plan erfordert, der nur durch eine dazu geschaffene, revolution\u00e4re Partei gel\u00f6st werden kann. So richtig seine Kritik an den italienischen Reformisten, Maximalisten und den unreifen ultralinken und fatalistischen Tendenzen der jungen italienischen KP auch sein mag, sie f\u00fchrt zu keiner Alternativl\u00f6sung und l\u00e4\u00dft den Eindruck entstehen, \u00bbpolitische Reife\u00ab und F\u00e4higkeit zur politischen F\u00fchrung seien entweder das Ergebnis eines biologischen Zufalls (\u00bbIn Ru\u00dfland gab es Lenin\u00ab) oder eine mystische Angelegenheit. Es ist verst\u00e4ndlich, da\u00df Silone nicht lange an diesen typischen \u00dcbergangspositionen festhalten konnte; er entwickelte sich rasch zum Reformisten zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die beiden wichtigsten Beitr\u00e4ge zur Faschismustheorie, die neben dem Trotzkis in den zwanziger und drei\u00dfiger Jahren von marxistischer Seite geleistet wurden, waren die von August Thalheimer und Otto Bauer<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a>. August Thalheimers Faschismusanalyse kommt der Trotzkis am n\u00e4chsten. Durch zu enge Anlehnung an die Marxsche Analyse des Bonapartismus des 19. Jahrhunderts und \u00dcberbetonung der \u00bbgraduellen Faschisierung\u00ab untersch\u00e4tzt er aber den qualitativen Unterschied zwischen Bonapartismus und Faschismus (Verselbst\u00e4ndigung des Staatsapparats mit \u00bbtraditioneller\u00ab Repression der revolution\u00e4ren Bewegung versus Verselbst\u00e4ndigung des Staatsapparats mit Zertr\u00fcmmerung aller Arbeiterorganisationen und Versuch einer vollst\u00e4ndigen Atomisierung der Lohnabh\u00e4ngigen). Ferner reduziert er das Faschismusproblem auf die gesellschaftspolitischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse &#8211; die Arbeiterschaft ist noch nicht f\u00e4hig, die politische Herrschaft auszu\u00fcben; das Gro\u00dfb\u00fcrgertum ist dazu selbst nicht mehr f\u00e4hig -, ohne den Zusammenhang der Entwicklung dieser Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse mit der Strukturkrise des Sp\u00e4tkapitalismus zu durchleuchten<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a>. Trotzkis Faschismustheorie vereint dagegen die widerspruchsvollen Momente zu einer dialektischen Einheit, indem sie einerseits die Triebkr\u00e4fte aufzeigt, die in einer Situation der strukturellen Krise des Kapitalismus die Arbeiterschaft zur Eroberung und Aus\u00fcbung der politischen Herrschaft bef\u00e4higen k\u00f6nnten \u2013 in dieser Frage war die Thalheimersche Verwechslung der objektiv-historisch bedingten Unreife der franz\u00f6sischen Arbeiterklasse in den Jahren 1848 bis 1850 mit der nur subjektiven Unreife der deutschen Arbeiterklasse in den Jahren 1918 bis 1933, die gerade im Widerspruch zur objektiven M\u00f6glichkeit steht, besonders verh\u00e4ngnisvoll -, andrerseits den funktionellen Charakter der \u00bbVerselbst\u00e4ndigung\u00ab des Staatsapparates unter dem Faschismus hervorhebt, die ja gerade durch die Verhinderung jeglichen organisierten Klassenwiderstands des Proletariats die Verwertungsbedingungen des Kapitals radikal zugunsten des Gro\u00dfb\u00fcrgertums \u00e4ndert und dadurch die Strukturkrise zeitweilig &#8211; bis zur n\u00e4chsten Explosion &#8211; l\u00f6sen soll.<\/p>\n<p>Otto Bauer sieht im Faschismus eine Verbindung dreier Momente: der Deklassierung von Teilen des Kleinb\u00fcrgertums durch den Krieg; der Verelendung weiterer Teile des Kleinb\u00fcrgertums durch die Wirtschaftskrise, die zu deren Bruch mit der b\u00fcrgerlichen Demokratie f\u00fchrt; schlie\u00dflich des Interesses des Gro\u00dfkapitals an vermehrter Ausbeutung der Arbeitskraft, wozu der Widerstand der Arbeiterklasse und der Arbeiterorganisationen notwendigerweise gebrochen werden mu\u00df<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a>. Richtig erkennt er auch, da\u00df \u00bbder Faschismus nicht in einem Augenblick gesiegt (hat), in dem die Bourgeoisie von der proletarischen Revolution bedroht gewesen w\u00e4re. Er hat gesiegt, als das Proletariat schon l\u00e4ngst geschw\u00e4cht und in die Defensive gedr\u00e4ngt, die revolution\u00e4re Flut schon abgeebbt war. Die Kapitalistenklasse und der Gro\u00dfgrundbesitz haben die Staatsmacht den faschistischen Gewalthaufen nicht \u00fcberantwortet, um sich vor einer drohenden proletarischen Revolution zu sch\u00fctzen, sondern um die L\u00f6hne zu dr\u00fccken, die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse zu zerst\u00f6ren, die Gewerkschaften und die politischen Machtpositionen der Arbeiterklasse zu zertr\u00fcmmern; nicht also, um einen revolution\u00e4ren Sozialismus zu unterdr\u00fccken, sondern um die Errungenschaften des reformistischen Sozialismus zu zerschlagen\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a>.<\/p>\n<p>So sehr diese Analyse dem unsinnigen Nachplappern der faschistischen These, der Faschismus stelle nur eine Antwort auf die \u00bbbolschewistische Gefahr\u00ab dar, durch die Vulg\u00e4rreformisten \u00fcberlegen ist, so leidet sie doch fatal an der Untersch\u00e4tzung der tiefen Strukturkrise, die den Kapitalismus in den Jahren 1918 bis 1927 in Italien und in den Jahren 1929 bis 1933 in Deutschland ersch\u00fctterte, die diese Gesellschaftsordnung schw\u00e4chte und nicht st\u00e4rkte, dadurch aber zugleich die objektiven M\u00f6glichkeiten einer Machteroberung durch die Arbeiterklasse verbesserte. Die mechanische Trennung von \u00bbDefensive\u00ab und \u00bbOffensive\u00ab &#8211; wie Otto Bauer sieht auch Thalheimer den Sieg des Faschismus als logischen Ausgang der nach Niederschlagung der Ans\u00e4tze der proletarischen Revolution von 1918 bis 1921 sich immer weiter ausdehnenden Konterrevolution, ohne zu erkennen, da\u00df die 15 Jahre von 1918 bis 1933 durch ein periodisches An\u2011 und Abschwellen der revolution\u00e4ren M\u00f6glichkeiten und keineswegs durch einen geradlinigen Abstieg gekennzeichnet waren &#8211; f\u00fchrt lediglich dazu, diesen Zusammenhang zu verschleiern.<\/p>\n<p>Und die unvollst\u00e4ndige Analyse f\u00fchrt ihrerseits zu schwerwiegenden taktischen Fehlern. Da man sich in einer \u00bbdefensiven Phase\u00ab befand, glaubte der \u00bbrevolution\u00e4re Sozialist\u00ab Otto Bauer, sich darauf beschr\u00e4nken zu m\u00fcssen, \u00bbGewehr bei Fu\u00df\u00ab abzuwarten, bis die kleriko-faschistische Reaktion die Arbeiterorganisationen angriff; dann &#8211; aber nur dann &#8211; w\u00fcrde man sich mit allen Mitteln, inklusive Waffen, verteidigen. Dies f\u00fchrte zum heroischen Schutzbundkampf vom Februar 1934, der gewi\u00df der kampflosen Kapitulation der SPD und der KPD vor dem Naziregime haushoch \u00fcberlegen war, doch genau wie diese zur Niederlage f\u00fchren mu\u00dfte. Denn nur wenn die Arbeiterbewegung die ganze Tiefe der Strukturkrise erkennt, offen ausspricht, da\u00df sie diese Krise nur mit ihren eigenen Mitteln l\u00f6sen will und deshalb den Kampf um die Eroberung der Macht als ein Nahziel anvisiert, kann es ihr gelingen, die am status quo (und auch an der blo\u00dfen \u00bbVerteidigung\u00ab der Arbeiterorganisationen) nicht mehr interessierten Mittelschichten und die schwankenden Teile der Bev\u00f6lkerung auf ihre Seite zu ziehen.<\/p>\n<p>Ein so scharfsinniger Historiker wie Arthur Rosenberg beschlie\u00dft seine Geschichte der Weimarer Republik im Jahre 1930 mit den Worten: \u00bb1930 ging die b\u00fcrgerliche Republik in Deutschland zugrunde, weil ihr Schicksal den H\u00e4nden des B\u00fcrgertums anvertraut war und weil die Arbeiterschaft nicht mehr stark genug war, um die Republik zu retten\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a>. Da\u00df &#8211; sofern die F\u00fchrung der Arbeiterschaft nicht versagte &#8211; noch fast drei Jahre Zeit blieben, um durch aktiven Kampf der Arbeiterschaft zwar nicht die b\u00fcrgerliche Demokratie zu retten, aber das, was von demokratischen Elementen sich zu erhalten lohnt, in den Sozialismus hin\u00fcberzuretten, entging der fatalistischen Geschichtsschreibung Rosenbergs.<\/p>\n<p>V<\/p>\n<p>Wir haben Trotzkis Faschismustheorie mit anderen Versuchen zur Erkl\u00e4rung des Faschismusph\u00e4nomens verglichen und ihre eindeutige \u00dcberlegenheit erkannt, die u.a. aus der F\u00e4higkeit zur Integration einer Vielzahl von Teilaspekten in eine dialektische Einheit entspringt. Wir verf\u00fcgen heute \u00fcber eine bedeutende Anzahl empirischer Daten, die Trotzki und anderen marxistischen Autoren der Periode unmittelbar vor und nach der Machtergreifung durch die NSDAP unbekannt waren. Was k\u00f6nnen diese Daten bez\u00fcglich einiger der entscheidenden, strittigen Punkte der Faschismustheorie aussagen?<\/p>\n<p>Am eindeutigsten bleibt das Zeugnis \u00fcber die wirtschaftliche und gesamtpolitische Funktion der faschistischen Diktatur. Durch Zerschlagung der organisierten Arbeiterbewegung gelang es Hitler, einen f\u00fcr die kapitalistischen Unternehmer geradezu mirakul\u00f6sen Lohnstopp zu erzielen. Die Stundenl\u00f6hne wurden auf der Basis der Wirtschaftskrise eingefroren; das Verschwinden der Massenerwerbslosigkeit f\u00fchrte zu keiner bedeutsamen Erh\u00f6hung der Lohns\u00e4tze. Gleiche L\u00f6hne zahlen zu k\u00f6nnen, wenn es 5 Millionen Erwerbslose gibt, und gleiche L\u00f6hne zu zahlen, wenn es keine Erwerbslosen gibt &#8211; das war dem Kapital in seiner gesamten Geschichte noch nie gelungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr qualifizierte Arbeiter sank der Durchschnittsstundenlohn von 95,5 Pfennigen im Jahre 1928 auf 70,5 Pfennige im Jahre 1933 und stieg dann auf 78,3 Pfennige im Jahre 1936, 79,0 Pfennige im Jahre 1940 und 80,8 Pfennige im Oktober 1942<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a>. Diese Zahlen beziehen sich auf den durchschnittlichen Tariflohn in 17 Industriezweigen. Andere Quellen zitieren etwas h\u00f6here Zahlen der durchschnittlichen Tarifl\u00f6hne gelernter Arbeiter in der Gesamtwirtschaft des Deutschen Reiches; diese sollen vom Januar 1933 bis 1937 weiter gefallen sein, von 79,2 Pfennigen auf 78,5 Pfennige, um dann langsam auf 79,2 Pfennige im Jahre 1939, 80 Pfennige im Dezember 1941 und 81 Pfennige im Oktober 1943 zu Steigen<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn46\" name=\"_ftnref46\">[46]<\/a>. Aber auch diese Zahlen best\u00e4tigen eindeutig das Bild von Tarifl\u00f6hnen, die weit unter dem Vorkrisenniveau blieben &#8211; bei gewaltigem Arbeitskr\u00e4ftemangel f\u00fcrwahr eine \u00bbgro\u00dfartige\u00ab Leistung des NS\u2011Regimes! Zusammenfassend stellt Neumann fest, da\u00df sich die Verteilung des deutschen Nationaleinkommens zwischen 1932 und 1938 scharf zugunsten des Kapitals ver\u00e4ndert hat: der Anteil des Kapitals (Kapitaleinkommen, Industrie- und Handelsprofit sowie unverteilte Gewinne der Industrie) stieg von 17,4% des Volkseinkommens im Jahre 1932 (und 21% im Jahre 1929) auf 25,2% im Jahre 1937 und 26,6% im Jahre 1938<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a>. Es sollte sich angesichts dieser Daten eigentlich er\u00fcbrigen, \u00fcberhaupt noch \u00fcber die Klassennatur des faschistischen Staates diskutieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach diesen grundlegenden Fragen der wirtschaftlichen Funktion des Faschismus sollte seine Auswirkung auf Akkumulation und Konzentration des Kapitals erw\u00e4hnt werden. Auch auf diesem Gebiet verf\u00fcgen wir heute \u00fcber ein umfassendes Tatsachenmaterial, das die marxistischen Thesen voll und ganz best\u00e4tigt. Das Gesamtkapital aller deutschen Aktiengesellschaften stieg von 18,75 Milliarden RM im Jahre 1938 (20,6 Milliarden RM im Jahre 1933) auf mehr als 29 Milliarden RM zu Ende des Jahres 1942; gleichzeitig fiel jedoch die Zahl der Aktiengesellschaften von 5518 im Jahre 1938 auf 5404 im Jahre 1942; und sie war bereits vorher von 10437 im Jahre 1931 und 9148 im Jahre 1933 auf beinahe die H\u00e4lfte dieser Zahl im Jahre 1938 zur\u00fcckgegangen. Der Anteil der Gr\u00f6\u00dftkonzerne mit einem Kapital von mehr als 20 Milliarden RM an diesem Gesamtkapital stieg von 51,4% im Jahre 1933 auf 53,5% im Jahre 1939 und 63,9% im Jahre 1942<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn48\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a>.<\/p>\n<p>Der Staat beg\u00fcnstigte diese Konzentration des Kapitals durch die verschiedensten Mittel. Zwangskartellierungen, Zusammenschl\u00fcsse unter \u00bbWehrwirtschaftsf\u00fchrern\u00ab, Organisation von \u00bbReichsvereinigungen\u00ab und \u00bbGauwirtschaftskammern\u00ab f\u00fchrten zur h\u00f6chsten Form von Fusion zwischen Monopolkapital und faschistischem Staat. Die Reichsvereinigung Eisen und Stahl wurde vom Gro\u00dfkapitalisten R\u00f6chling gef\u00fchrt; die Reichsvereinigung Kunstfasern von Dr. Vits von den Vereinigten Glanzstoffwerken. Dasselbe galt f\u00fcr die \u00bbReichsgruppen\u00ab und \u00bbHauptaussch\u00fcsse\u00ab. An der Spitze von 8 (von insgesamt 15) dieser Aussch\u00fcsse standen Direktvertreter der Gro\u00dfkonzerne (Mannesmann, August Thyssen H\u00fctte, Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken, Henschel-Flugzeugwerke, Auto-Union, Siemens, Weiss &amp; Freytag und Hommelwerke)<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn49\" name=\"_ftnref49\">[49]<\/a>.<\/p>\n<p>Gerade auf Grund dieser einwandfrei feststellbaren Entwicklung, die nicht nur dem demagogischen Programm der Nazis, sondern auch ihrem \u00bbpolitischen Sonderinteresse\u00ab (der Konservierung einer breiten Massenbasis in Mittelstand, Kleinb\u00fcrgertum und Kleinbetrieb) direkt widersprach, ist unverst\u00e4ndlich, wie Tim Mason zu dem Schlu\u00df kommen kann, der industrielle Machtblock habe sich im faschistischen Deutschland nach 1936 \u00bbzersetzt\u00ab die wirtschaftspolitische Macht der Industrie sei \u00bbzersplittert\u00ab, \u00bb\u00fcbrig blieben allein die primitivsten (!), kurzfristigsten Interessen einer jeden Firma\u00ab; \u00bbdas kollektive Interesse die kapitalistischen Wirtschaftssystems l\u00f6ste sich 1936 bis 1939 schrittweise in eine reine Anh\u00e4ufung von Firmenegoismen auf\u00ab<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn50\" name=\"_ftnref50\">[50]<\/a>. Mason vertritt die naiv-formale Ansicht, das \u00bbkollektive Interesse des kapitalistischen Wirtschaftssystems\u00ab sei haupts\u00e4chlich durch Unternehmerverb\u00e4nde vertreten, w\u00e4hrend diese ja wie bekannt im Zeitalter des Monopolkapitalismus, und schon ganz besonders des Sp\u00e4tkapitalismus, im allgemeinen nur versuchen, die Interessen der Masse der Mittel- und Kleinunternehmer mit jenen der Gro\u00dfkonzerne zu vers\u00f6hnen oder sie gegen diese recht und schlecht zu verteidigen. Monopolkapitalismus ist nicht \u00bbAufl\u00f6sung\u00ab des Systems in \u00bbeine reine Anh\u00e4ufung von Firmenegoismen\u00ab, sondern immer zunehmende Identifizierung des Systems mit den Firmenegoismen von einigen Dutzend Gro\u00dfkonzernen, auch auf Kosten der Masse der Klein- und Mittelbetriebe. Und das ist ja gerade im faschistischen Deutschland in einem vorher wie nachher noch nicht wiederholten Ausma\u00df geschehen.<\/p>\n<p>Ein ausgezeichnetes Indiz f\u00fcr die tats\u00e4chlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse zwischen Monopolkapitalisten und Partei- und Staatsb\u00fcrokratie bietet die Bestimmung von Preis- und Gewinnmargen in der R\u00fcstungsindustrie sowie das Verh\u00e4ltnis zwischen privatem und verstaatlichtem Sektor der Wirtschaft. Die grundlegende Tendenz war dabei nicht die der Verstaatlichung, sondern die der Reprivatisierung<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn51\" name=\"_ftnref51\">[51]<\/a>, nicht der Primat irgendeiner \u00bbpolitischen F\u00fchrung\u00ab, sondern der Primat der Surplusprofite der Gro\u00dfkonzerne<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn52\" name=\"_ftnref52\">[52]<\/a>.<\/p>\n<p>Inmitten des Krieges, als man von Fanatikern der \u00bbtotalen Kriegsf\u00fchrung\u00ab v\u00f6llige R\u00fccksichtslosigkeit gegen\u00fcber irgendwelchen Privatinteressen h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen, ereigneten sich zwei Zwischenf\u00e4lle im Zusammenhang mit dem Flick-Konzern, die an Deutlichkeit hinsichtlich der vorherrschenden Produktionsverh\u00e4ltnisse nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lassen. Am 4. Mai 1940 verhandelte dieser Konzern mit einem staatlichen Beauftragten \u00fcber die Herstellung von Panzergranaten. Ministerialbeamte hatten berechnet, da\u00df &#8211; unter Einbeziehung eines \u00bbgerechten Profits\u00ab &#8211; Flick pro Granate 24.\u2011 RM erhalten sollte. Der Konzern forderte jedoch 39,25 RM pro Granate. Man einigte sich schlie\u00dflich auf 37.\u2011 RM: ein Extragewinn von 13 RM pro Granate, d.h. mehr als 35% oder \u00fcber eine Million RM Extragewinne f\u00fcr alle bis Ende 1943 fabrizierten Granaten. Man sieht, da\u00df der Unterschied zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg nicht so bedeutend ist: in beiden F\u00e4llen glaubten die Landser, f\u00fcr das Vaterland zu sterben, und in beiden F\u00e4llen starben sie f\u00fcr Extraprofite der Konzernherren.<\/p>\n<p>Noch \u00bbsch\u00f6ner\u00ab ist das zweite Beispiel: Die Wehrmacht hatte verschiedene eigene Betriebe mit dem Kapital der \u00f6ffentlichen Hand errichtet. Diese Betriebe wurden meist gegen eine staatliche Gewinnbeteiligung von 30 bis 35% an die Konzerne verpachtet. Im Jahre 1942 dr\u00e4ngte der Flick-Konzern auf \u00dcbernahme der Maschinenfabrik Donauw\u00f6rth-GmbH. Am 31. M\u00e4rz betrug ihr Anschaffungswert 9,8 Millionen, der Buchwert jedoch nur 3,6 Millionen. Der Konzern erhielt das mit modernsten Maschinen ausger\u00fcstete Werk f\u00fcr den Buchpreis. Klaus Drobisch sch\u00e4tzt den Profit in diesem Fall auf mehr als 8 Millionen RM<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn53\" name=\"_ftnref53\">[53]<\/a>.<\/p>\n<p>Hier entdeckt man, wenn die politische H\u00fclle abgedeckt wird, den realen Kern der Klassenherrschaft. H\u00e4tte der Nazistaat systematisch Munitionsbetriebe verstaatlicht, h\u00e4tte er die Gewinnspannen auf 5 oder 6% herabgesetzt, h\u00e4tte er darauf bestanden, da\u00df z.B. mehr als die H\u00e4lfte der Mitglieder der Aufsichtsr\u00e4te der f\u00fcr den Krieg arbeitenden Konzerne aus direkten Staats- und Wehrmachtsvertretern bestehen sollten &#8211; alles Forderungen, die man berechtigterweise aus den Bed\u00fcrfnissen einer wirksameren Kriegsf\u00fchrung h\u00e4tte ableiten k\u00f6nnen -, dann w\u00e4re die Frage nach dem Klassencharakter dieses Staates wenigstens zum Teil berechtigt gewesen. Die Daten jedoch zeigen eindeutig ein umgekehrtes Bild: brutale Unterordnung aller Interessen unter jene der Gro\u00dfkonzerne. Auch die im Interesse dieser Konzerne durchgef\u00fchrte, barbarische Kriegsf\u00fchrung mu\u00dfte dort Halt machen, wo es um das A und O der Kapitalakkumulation ging.<\/p>\n<p>Empirische Daten sprechen auch eine deutliche Sprache in Bezug auf die Etappen, die vom Durchbruch der Hitler-Bewegung in den Reichstagswahlen des Jahres 1930 zur Machtergreifung vom 30. Januar 1933 gef\u00fchrt haben. Wir wissen, wie eine massive Finanzierung der Nazis durch bestimmte &#8211; noch recht begrenzte &#8211; Kreise des Gro\u00dfkapitals einsetzte, welches Z\u00f6gern und welche Meinungsverschiedenheiten es in den Kreisen des Gro\u00dfkapitals und der Gro\u00dfgrundbesitzer in ihrer Haltung gegen\u00fcber Hitler und der NSDAP gab, wie dieses Z\u00f6gern u.a. durch das Va-banque-Spiel des Diktator-Kandidaten gesteigert, aber durch die Passivit\u00e4t und Ratlosigkeit der Arbeiterbewegung gemindert wurde; wie sich das von der Gro\u00dfindustrie bereits im Jahre 1931 aufgestellte, in Richtung auf einen autorit\u00e4ren Staat, massiven Lohnabbau und eine Revision des Versailler Vertrages um jeden Preis zielende Programm<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn54\" name=\"_ftnref54\">[54]<\/a> mit dem Machtantritt Hitlers verkn\u00fcpfte, als der zuk\u00fcnftige F\u00fchrer seinen linksplebejischen Fl\u00fcgel zur Seite schob und den Konzernherren alle erforderlichen Garantien zur Verteidigung des Privateigentums und der Anwendung des \u00bbF\u00fchrerprinzips\u00ab auf die Betriebe &#8211; u.a. in seiner Rede im Industrieklub vom 27. Januar 1932 &#8211; lieferte; wie sich die Allianz von Gro\u00dfindustrie und NSDAP krisenhaft, u.a. \u00fcber den Umweg der Wahlniederlage der NSDAP im November 1932 und der gro\u00dfen Geldnot, die darauf folgte, herstellte, und wie schlie\u00dflich nach dem Osthilfeskandal die Zusammenkunft vom 4. Januar 1933 bei Baron von Schr\u00f6der in K\u00f6ln das Schicksal der Weimarer Republik besiegelte<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn55\" name=\"_ftnref55\">[55]<\/a>. Wenn wir Trotzkis Analyse in den Jahren 1930 bis 1933 verfolgen, so k\u00f6nnen wir nur feststellen, da\u00df das heute vorhandene Material diese Analyse in allen Punkten best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Somit bleibt ein letzter und nicht unbedeutender Faktor. Wie stand es um die M\u00f6glichkeit, den Aufmarsch des Nationalsozialismus durch eine Aktionseinheit der Arbeiterklasse aufzuhalten? Wie stand es um die M\u00f6glichkeit dieser Aktionseinheit selbst? Obwohl hier das Material nat\u00fcrlicherweise fragmentarischer ist als auf dem Gebiet der Wirtschaftsverfassung oder der Haltung einer kleinen Gruppe von Konzernherren, so mu\u00df doch die F\u00fclle der Zeugnisse beeindrucken, die andeuten, da\u00df sowohl unter sozialdemokratischen wie unter kommunistischen Arbeitern und unteren Funktion\u00e4ren der Wunsch nach einer gemeinsamen Aktion gegen Hitler sehr gro\u00df war. Reminiszenzen flammen aus der Masse der Memoirenliteratur auf &#8211; wie das Reichsbanner seine Stafetten zur \u00bbF\u00fchrung\u00ab schickte &#8211; dieses Wort wurde wohl nie so verdinglicht gebraucht wie in diesem Zusammenhang! -, um zum Kampf aufzufordern, und die irrsinnige Antwort erhielt, man d\u00fcrfe kein Arbeiterblut vergie\u00dfen (als ob Hitlers Sieg Arbeiterblut nicht in Str\u00f6men h\u00e4tte flie\u00dfen lassen, wie Trotzki es voraussagte); wie sich die lokalen Ans\u00e4tze, noch in letzter Stunde zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten eine gemeinsame Kampflinie zu finden, mehrten; wie ohnm\u00e4chtig die F\u00fchrungen von der Machtergreifung zum Reichstagsbrand und von dieser Provokation zum Erm\u00e4chtigungsgesetz taumelten, ohne auch nur den geringsten strategischen Plan zur Abwehr und zur Selbstverteidigung der Arbeiterbewegung zu verfolgen<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn56\" name=\"_ftnref56\">[56]<\/a>. Diese gespensterhaft wirkende, oft von schlechtem Gewissen durchdrungene Literatur liest sich wie eine bittere Anklage gegen die damalige SPD-, KPD- und ADGB-F\u00fchrung, auch wenn sie im Zeichen der Selbstrechtfertigung verfa\u00dft wurde. Nie zuvor in der modernen Geschichte haben so Viele f\u00fcr die Fehler so Weniger so teuer zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>VI<\/p>\n<p>Trotzkis Faschismustheorie ist jedoch nicht nur ein unerbittliches Anklagedokument im Rahmen der Vergangenheit. Auf die Gegenwart und Zukunft schauend ist sie eine Warnung vor neuen theoretischen Fehlern und vor neuen Gefahren.<\/p>\n<p>Das Spezifische des Faschismus kann nur im Rahmen des imperialistischen Monopolkapitalismus erfa\u00dft werden. Es ist absurd, irgendwelche autorit\u00e4ren Bewegungen in halbkolonialen L\u00e4ndern \u00bbfaschistisch\u00ab zu nennen, nur weil sie einem F\u00fchrer Gefolgschaft schw\u00f6ren oder ihre Anh\u00e4nger in eine Uniform stecken. Ist in einem Land der wichtigste Teil des Kapitals in ausl\u00e4ndischem Besitz, und ist das Geschick der Nation durch diese Herrschaft des ausl\u00e4ndischen Imperialismus bestimmt, so kann keine Rede davon sein, eine Bewegung der nationalen Bourgeoisie, die sich von dieser Beherrschung im eigenen Interesse zu befreien sucht, faschistisch zu nennen. Sie kann mit dem Faschismus einige oberfl\u00e4chliche Merkmale gemeinsam haben: den extremen Nationalismus, den F\u00fchrerkult, manchmal sogar auch den Antisemitismus. Wie der Faschismus mag sie ihre Massenbasis im deklassierten und verarmten Kleinb\u00fcrgertum finden. Aber der entscheidende sozial- und wirtschaftspolitische Unterschied zum Faschismus tritt sofort zutage, wenn man ihre Haltung gegen\u00fcber den beiden entscheidenden Klassen der modernen Gesellschaft untersucht: dem Gro\u00dfkapital und der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>Der Faschismus konsolidiert die Herrschaft des ersteren und verschafft ihm wirtschaftlich h\u00f6chste Gewinne; er atomisiert die Arbeiterklasse und zerschl\u00e4gt ihre Organisationen. Dagegen werden die f\u00e4lschlich als faschistisch verketzerten nationalistischen Bewegungen der nationalen Bourgeoisie halbkolonialer L\u00e4nder dem &#8211; vorwiegend ausl\u00e4ndischen &#8211; Gro\u00dfkapital manch ernste und dauerhafte Schl\u00e4ge zuf\u00fcgen und der Arbeiterschaft neue Organisationsm\u00f6glichkeiten schaffen. Das beste Beispiel daf\u00fcr ist die peronistische Bewegung Argentiniens, die, weit davon entfernt, die Arbeiterklasse zu atomisieren, zum ersten Mal allgemeine Massengewerkschaften der Fabrikarbeiterschaft zum Durchbruch kommen lie\u00df, die bis zum heutigen Tage das Geschick des Landes bedeutend beeinflu\u00dft haben.<\/p>\n<p>Gewi\u00df ist die Man\u00f6vrierf\u00e4higkeit dieser sogenannten \u00bbnationalen Bourgeoisie\u00ab zwischen ausl\u00e4ndischem Imperialismus und einheimischer Massenbewegung historisch-gesellschaftlich beschr\u00e4nkt, und sie wird dauernd zwischen diesen beiden Hauptpolen hin und her schwanken. Gewi\u00df wird sie ihr Klasseninteresse letzten Endes zu einem B\u00fcndnis mit dem Imperialismus f\u00fchren, den sie ja durch Massendruck nur um einen h\u00f6heren Anteil am Gesamtwert erpressen will, w\u00e4hrend ein zu starker Aufschwung der Massenbewegung ihre Klassenherrschaft selbst bedroht. Gewi\u00df kann sich eine solche Wendung gegen die Massen in blutiger, faschismusartiger Repression \u00e4u\u00dfern, wie etwa diejenige der indonesischen Gener\u00e4le nach dem Oktober 1965. Der grunds\u00e4tzliche Unterschied zwischen beiden Prozessen &#8211; hier Faschismus in den imperialistischen Metropolen, dort schlimmstenfalls zeitweilige Milit\u00e4rdiktaturen in halbkolonialen L\u00e4ndern der Dritten Welt &#8211; sollte aber so deutlich erkannt werden, da\u00df sich jede Begriffsverwirrung vermeiden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Im selben Sinne sollte man es auch vermeiden, die heute im Westen immer deutlicher zutage tretende Tendenz zum \u00bbstarken Staat\u00ab mit einer Tendenz zur \u00bbschleichenden\u00ab oder sogar zur \u00bboffenen Faschisierung\u00ab zu verwechseln. Die Ausgangsbasis des Faschismus ist, wie immer wieder unterstrichen werden mu\u00df, ein desperates und verarmtes Kleinb\u00fcrgertum. Nach einem zwanzigj\u00e4hrigen \u00bblangen Zyklus mit expansivem Grundton\u00ab gibt es ein solches desperates Kleinb\u00fcrgertum in kaum einem bedeutenden imperialistischen Lande des Westens. H\u00f6chstens marginale Schichten des Bauerntums sind von einer Verarmungstendenz betroffen, aber auch diese Schichten, denen keinerlei bedeutendes Gewicht in der Gesamtbev\u00f6lkerung zukommt, fanden bisher relativ leicht einen neuen Arbeitsplatz in Handel, Dienstleistungsgewerbe oder Industrie. Es vollzieht sich hier der umgekehrte Proze\u00df wie in den Jahren 1918 bis 1933. Damals wurden die Mittelschichten pauperisiert, aber nicht proletarisiert; heute werden sie proletarisiert, doch nicht pauperisiert.<\/p>\n<p>Unter Bedingungen eines vorwiegend wohlhabenden und konservativen Kleinb\u00fcrgertums fehlt einem Neofaschismus jede objektive M\u00f6glichkeit, sich eine breite Massenbasis zu erobern. Satte Besitzb\u00fcrger schlagen sich nicht mit revolution\u00e4ren Arbeitern oder radikalen Studenten auf der Stra\u00dfe. Sie ziehen es vor, an die Polizei zu appellieren und ihr bessere Waffen zur \u00bbBek\u00e4mpfung von Unruhen\u00ab zu verschaffen. Und darin liegt gerade der Unterschied zwischen dem Massen desperater Kleinb\u00fcrger organisierenden und mit ihnen ganze Industriereviere und Gro\u00dfst\u00e4dte terrorisierenden Faschismus und dem autorit\u00e4ren \u00bbstarken Staat\u00ab, der wohl Gewalt und Repression einsetzen und der Arbeiterbewegung oder radikalen Gruppen schwere Schl\u00e4ge versetzen kann, der jedoch unf\u00e4hig ist, die Arbeiterorganisationen zu vernichten und die Arbeiterklasse zu atomisieren. Ein auch nur oberfl\u00e4chlicher Vergleich zwischen der Entwicklung in Deutschland nach 1933 und jener in Frankreich nach der Errichtung des \u00bbstarken Staates\u00ab im Jahre 1958 l\u00e4\u00dft diesen Unterschied besonders deutlich erkennen. In Spanien kann der Vergleich zwischen der faschistischen Diktatur in den Jahren 1939 bis 1945 und dem dekadenten \u00bbstarken Staat\u00ab von heute, der trotz zuweilen sch\u00e4rfster Repression durch den Polizei- und Milit\u00e4rapparat v\u00f6llig unf\u00e4hig ist, eine aufsteigende Massenbewegung zu unterdr\u00fccken, nur zu demselben Schlu\u00df f\u00fchren.<\/p>\n<p>Damit eine neue, unmittelbare Gefahr des Faschismus in den imperialistischen Staaten des Westens aufkommen k\u00f6nnte, m\u00fc\u00dfte sich die Wirtschaftsentwicklung entscheidend \u00e4ndern. Dies ist f\u00fcr die Zukunft keineswegs ausgeschlossen, ja sogar wahrscheinlich. Aber solange dies nicht der Fall ist, sollte man, statt sich von einer noch nicht vorhandenen Gefahr faszinieren zu lassen, weniger \u00fcber Neofaschismus schreien und dem systematischen Kampf gegen die sehr konkrete und reale Tendenz des Gro\u00dfb\u00fcrgertums zum \u00bbstarken Staat\u00ab, d.h. zur systematischen Einengung der demokratischen Rechte der Lohnabh\u00e4ngigen (\u00fcber Notstandsgesetze, Antistreikgesetze, \u00bbKonzertierte Aktionen\u00ab mit der Zwangsjacke von Orientierungsdaten\u00ab, Geld- und Freiheitsstrafen f\u00fcr \u00bbwilde Streiks\u00ab, Begrenzung des Demonstrationsrechts, staatliche und kapitalistische Manipulation der Massenmedien, Wiedereinf\u00fchrung der Vorbeugehaft usw.) mehr Aufmerksamkeit schenken. Das K\u00f6rnchen Wahrheit, das in der These der \u00bbschleichenden Faschisierung\u00ab steckt, bezieht sich auf die Gefahr, da\u00df durch eine passive und entpolitisierte Hinnahme dieser Anschl\u00e4ge auf demokratische Elementarrechte der Appetit der Herrschenden auf schwerere Angriffe nur gereizt werden kann. L\u00e4\u00dft sich die Arbeiterbewegung widerstandslos am G\u00e4ngelband ziehen und schrittweise entmachten, dann k\u00f6nnte bei der ersten scharfen Wende der Wirtschaftslage dem ersten Abenteurer der Einfall kommen, sie wiederum radikal zu zerschlagen. Der nicht in z\u00e4hem Kleinkrieg jahrelang vorbereitete Widerstand wird bestimmt nicht \u00bbin letzter Stunde\u00ab wie ein Wunder vom Himmel fallen.<\/p>\n<p>Aber gerade weil heute die Hauptaufgabe nicht im Kampf gegen einen noch beinahe ohnm\u00e4chtigen Neofaschismus, sondern im Kampf gegen den sehr bedrohlichen \u00bbstarken Staat\u00ab liegt, w\u00e4re es unangebracht, Begriffsverwirrungen einzuf\u00fchren. Wenn man diese ersten Scharm\u00fctzel bereits f\u00fcr den Anfang der Entscheidungsschlacht erkl\u00e4rt und den Eindruck entstehen l\u00e4\u00dft, der Faschismus (ob \u00bbschleichend\u00ab oder \u00bboffen\u00ab) sei mit der immerhin noch ziemlich harmlos wirkenden Pariser CRS oder den Westberliner Polizeischl\u00e4gern identisch, schl\u00e4fert man die Wachsamkeit der Massen vor der entsetzlichen Gefahr, die ein mit der viel weiter fortgeschrittenen Technik bewaffneter Faschismus heute darstellen w\u00fcrde, ein und begeht denselben, verh\u00e4ngnisvollen Fehler der KPD-F\u00fchrer von 1930 bis 1933, die nacheinander Br\u00fcning, Papen, Schleicher und Hugenberg als Verk\u00f6rperung des Faschismus darstellten, was wiederum die Werkt\u00e4tigen nur zu dein Schlu\u00df f\u00fchren konnte, \u00bbdas Ganze sei halb so wild\u00ab.<\/p>\n<p>Die Keime dieses potentiellen neuen Faschismus liegen in den in mehreren imperialistischen L\u00e4ndern bewu\u00dft erzeugten Bazillenherden der fremdenfeindlichen und rassistischen Mentalit\u00e4t (gegen die Schwarzen, gegen die Farbigen, gegen die Gastarbeiter, gegen die Araber, usw.), in der wachsenden Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber politischen Morden in einem Land wie den USA<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn57\" name=\"_ftnref57\">[57]<\/a>, in den irrationalen Ressentiments gegen eine tendenziell immer st\u00e4rker zutage tretende \u00bbung\u00fcnstige Entwicklung\u00ab der Weltpolitik, in einem nicht weniger irrationalen Ha\u00df gegen radikale, nonkonforme Minderheiten (\u00bbMan m\u00fc\u00dfte Euch alle vergasen\u00ab wurde SDS-Demonstranten viele Male in der Bundesrepublik und Westberlin zugerufen, \u00bbIhr geh\u00f6rt ins KZ\u00ab ist ein \u00fcbliches Schimpfwort \u00bbordnungsliebender B\u00fcrger\u00ab gegen\u00fcber radikalen Demonstranten in der Bundesrepublik und in den USA). Es ist eine tragische Verblendung, da\u00df sich ein sonst kluger, liberaler Hochschullehrer wie J\u00fcrgen Habermas zur Verwendung des Schlagworts \u00bbLinksfaschismus\u00ab gegen die radikalen Studenten, d.h. gegen die ersten potentiellen Opfer eines sp\u00e4teren faschistischen Terrors hinrei\u00dfen l\u00e4\u00dft, wo doch gestern wie heute der wirkliche N\u00e4hrboden des Faschismus nicht bei nonkonformistischen Minderheiten sondern bei den \u00bbAnst\u00e4ndig, anst\u00e4ndig, Ehre, Treue\u00ab stotternden, gegen diese Studenten aufgebrachten Spie\u00dfern zu suchen ist.<\/p>\n<p>Es ist keineswegs auszuschlie\u00dfen, da\u00df im Falle einer Ersch\u00fctterung der kapitalistischen Weltwirtschaft &#8211; die nicht notwendigerweise die Form einer, beim Umfang des heutigen Staatshaushaltes unwahrscheinlichen, Weltwirtschaftskrise von der Sch\u00e4rfe jener der Jahre 1929 bis 1933 annehmen mu\u00df &#8211; diese in ganz Westeuropa vorhandenen Keime sprunghaft neue faschistische Epidemien entstehen lassen. Aber manches deutet darauf hin, da\u00df diese Gefahr in den USA viel st\u00e4rker als in Europa vorhanden sein d\u00fcrfte. Das europ\u00e4ische Gro\u00dfb\u00fcrgertum hat sich schon einmal t\u00fcchtig die Finger an einem faschistischen Experiment verbrannt. In einigen Teilen des Kontinents verlor es dadurch Kopf und Kragen, in anderen konnte es nur in letzter Minute seine Klassenherrschaft retten. Es wird sich umso weniger zu einer Wiederholung des Abenteuers verleiten lassen, als auch in den Volksmassen die Erfahrung tiefe Spuren hinterlassen hat, und die pl\u00f6tzlich aufkommende Gefahr eines neuerlichen Faschismus zu den sch\u00e4rfsten Reaktionen f\u00fchren mu\u00df.<\/p>\n<p>Ein g\u00fcnstiges Omen stellt in diesem Sinne die Entwicklung der westeurop\u00e4ischen Studentenschaft dar. Diese war seit Beginn des Jahrhunderts die geistige Brutst\u00e4tte des Faschismus. Aus ihr rekrutierte sich der erste Kader der faschistischen Banden. Sie stellte die organisierten Streikbrecher der zwanziger Jahre, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Gro\u00dfbritannien w\u00e4hrend des Generalstreiks des Jahres 1926. Lange bevor Hitler in die Reichskanzlei einzog, hatte er die Herrschaft \u00fcber die Hochschulen erobert. Und als die franz\u00f6sische Volksfront die Wahlen von 1936 gewann, beherrschten die halbfaschistischen Camelots du Roi weiterhin das Quartier Latin.<\/p>\n<p>Heute hat sich das Bild radikal gewandelt. In allen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern geht der Haupttrend der Studenten nach links und extrem links, und nicht nach extrem rechts. Nicht Streikbrecher, sondern Streikposten werden unter den Studenten rekrutiert, und diese wenden sich an die Betriebe, nicht um den Unternehmern zu helfen, \u00bbRuhe und Ordnung wiederherzustellen\u00ab, sondern um die Lohnabh\u00e4ngigen dazu zu bringen, die sp\u00e4tkapitalistische \u00bbOrdnung\u00ab viel radikaler in Frage zu stellen, als dies ihre traditionellen Massenorganisationen selbst tun. Es ist unwahrscheinlich, da\u00df sich dieser Trend in den kommenden Jahren j\u00e4h \u00e4ndern wird. War der Faschismus nach dem Ersten Weltkrieg vor allem ein Aufstand der Jugend, so gibt es heute kaum Anzeichen daf\u00fcr, da\u00df die Jugend irgendwo in Westeuropa in ihrer Masse durch rechtsextreme Losungen verf\u00fchrt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Welle in Europa wird nach links und extrem links gehen &#8211; das zeigt der Seismograph der Jugend an, die der Massenbewegung um einige Jahre vorauseilt. Und daf\u00fcr waren die Maiereignisse in Frankreich 1968 nur ein Auftakt. Erst wenn diese Welle erfolglos zur\u00fcckfluten w\u00fcrde und die Entt\u00e4uschung der jungen Generation mit einer Ersch\u00fctterung der Wirtschaft zusammenfiele, h\u00e4tte der Faschismus abermals gewisse Chancen.<\/p>\n<p>Auch in den USA d\u00fcrfte die gleiche dialektische Bewegung zu erwarten sein, die wir seit 1918 immer wieder erlebt haben. Bei der Ersch\u00fctterung der sp\u00e4tkapitalistischen Gesellschaft schl\u00e4gt das Pendel immer erst nach links aus, und nur, wenn die Arbeiterbewegung versagt, hat die Rechte ihre Chance. Aber die amerikanische Gro\u00dfbourgeoisie ist weniger erfahren und deshalb brutaler als die westeurop\u00e4ische, denn sie hat bisher kaum schwer unter eingegangenen Risiken gelitten, hat deshalb weniger Instinkt f\u00fcr die nat\u00fcrlichen Grenzen der Va-banque-Politik, und besitzt in der unpolitischen Tradition breiter Teile der amerikanischen Bev\u00f6lkerung ein Reservoir an rechtsextremem Konservatismus, der bei einem Umschlag der Wirtschaftslage und einer verpa\u00dften Chance der radikalen Linken, das Geschick des Landes in sozialistischem Sinne umzugestalten, einem faschistischen Abenteuer gr\u00f6\u00dfere Erfolgschancen bieten w\u00fcrde als in Europa. Die wachsende Gewaltt\u00e4tigkeit, die explosive Rassenfrage, das r\u00fccksichtslose Draufg\u00e4ngertum mancher imperialistischer Kreise lassen das Profil faschistoider Trends deutlicher jenseits als diesseits des Atlantiks erkennen<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftn58\" name=\"_ftnref58\">[58]<\/a>.<\/p>\n<p>Die f\u00fcrchterliche Gefahr, die ein solcher Faschismus nicht nur f\u00fcr das Fortbestehen der menschlichen Kultur, sondern f\u00fcr die physische Existenz der Menschheit \u00fcberhaupt darstellen w\u00fcrde, braucht nicht n\u00e4her erl\u00e4utert zu werden. Man stelle sich vor, was im Jahre 1944 geschehen w\u00e4re, wenn Hitler \u00fcber ein Arsenal von Kernwaffen verf\u00fcgt h\u00e4tte, das jenem der USA \u00e4hnlich gewesen w\u00e4re. \u00bbRather dead than red\u00ab &#8211; \u00bblieber tot als rot\u00ab &#8211; sagen schon heute die rechtsradikalen Anh\u00e4nger der John Birch Society und der Minutemen. Wenn in der Endphase eines Verzweiflungskampfes f\u00fcr die Rettung \u00bbihrer\u00ab monopolkapitalistischen Gesellschaft die in der \u00fcbrigen Welt bereits besiegten Gro\u00dfkonzerne die politische Macht in den USA irrationalen Gewaltt\u00e4tern ausliefern k\u00f6nnten, w\u00fcrde dies der gesamten Menschheit zum Verh\u00e4ngnis werden. Zu Ende der zwanziger oder anfangs der drei\u00dfiger Jahre konnten revolution\u00e4re Marxisten die Warnung \u00e4u\u00dfern, der Kampf gegen den Faschismus, f\u00fcr eine sozialistische L\u00f6sung der europ\u00e4ischen Krise, sei ein Kampf f\u00fcr oder wider eine auf unserem Erdteil aufmarschierende Barbarei. In den kommenden Jahrzehnten d\u00fcrfte der Kampf um ein sozialistisches Amerika einem Kampf um Leben und Tod der gesamten Menschheit gleichkommen.<\/p>\n<p>Deshalb haben die scharfen Analysen und die Kassandrarufe Trotzkis so aktuelle Bedeutung. Denn so lange der Monopolkapitalismus fortbesteht, k\u00f6nnte dieselbe Gefahr in noch schrecklicherer Form und mit noch unmenschlicherer Barbarei wiederkehren. Wir sagten zu Beginn, man werde beim Lesen dieses Buches durch die analytische Leistung Trotzkis gefesselt. St\u00e4rker noch als diese Bewunderung ist aber beim Studium dieser Schriften das Aufwallen der Emp\u00f6rung und des Zorns. Wie leicht w\u00e4re es gewesen, auf Trotzkis Mahnung zu h\u00f6ren und das Unheil zu vermeiden. Das sollte uns die gro\u00dfe Lehre sein: das \u00dcbel zu erkennen, um es zeitig und erfolgreich bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. Die deutsche Katastrophe darf sich nicht wiederholen. Und sie wird sich nicht wiederholen.<\/p>\n<ol start=\"30\">\n<li>Januar 1969<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Aus: Red.: Hans-J\u00fcrgen Schulz [et al.]. &#8211; Berlin : Gruppe Avanti, [1993]. &#8211; 26 pp. &#8211; (Sozialistische Theorie &amp; Geschichte ; 1) Theorien \u00fcber den Faschismus : pp.2-15<\/strong><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.ernestmandel.org\/de\/textes\/txt\/theorien_uber_den_faschismus.htm\">Ernest Mandel Internet Archiv&#8230;<\/a> <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die \u00bbunbew\u00e4ltigte Vergangenheit\u00ab steht im Zusammenhang mit der Tatsache, da\u00df die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, die die Machtergreifung des Faschismus erm\u00f6glichten, in der BRD noch immer vorhanden sind. Es ist also unm\u00f6glich, den Wurzeln der faschistischen Barbarei auf den Grund zu gehen, ohne diesen Kausalzusammenhang blo\u00dfzustellen. Und insofern die restaurierte Herrschaft des westdeutschen Kapitals eine Klassenherrschaft darstellt, ist es kaum denkbar, da\u00df diese Entlarvung Hoch- und Mittelschulunterricht beherrschen w\u00fcrde. Da man die Vergangenheit nicht ersch\u00f6pfend erkl\u00e4ren kann (oder will), kann man sie auch nicht \u00bbbew\u00e4ltigen\u00ab. &#8211; Wolfgang Fritz Haug u.a. haben in dem Aufsatz \u00bbIdeologische Komponenten in den Theorien \u00fcber den Faschismus\u00ab \u00fcberzeugend nachgewiesen, wie der Versuch einer massenpsychologischen Erkl\u00e4rung des Faschismusph\u00e4nomens dazu f\u00fchrt, zu behaupten, \u00bbder Anspruch der Massen auf das traditionelle Privileg der Besitzenden: Aufgekl\u00e4rtheit und irdisches Gl\u00fcck, habe die totalit\u00e4ren Tendenzen entbunden\u00ab. Er kommt so richtig zu dem Schlu\u00df, da\u00df diese apologetische Theorie \u00bbdas unterdr\u00fcckte Triebleben und die gesellschaftlich unterdr\u00fcckten Schw\u00e4cheren f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung verantwortlich (macht), die es so rehabilitiert\u00ab (\u00bbDas Argument\u00ab, Nr. 33, Mai 1965). Im selben Heft findet sich eine gute (unvollst\u00e4ndige) Bibliographie zur Faschismustheorie.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. die j\u00fcngsten Neuerscheinungen auf diesem Gebiet, wie Ernst Noltes mehr als 500seitiges Werk \u00bbTheorien \u00fcber den Faschismus\u00ab, K\u00f6ln-Berlin (Kiepenheuer &amp; Witsch) 1967; Wolfgang Abendroth, \u00bbFaschismus und Kapitalismus\u00ab, Frankfurt (Europ\u00e4ische Verlagsanstalt) 1967: eine Sammlung von Texten von A. Thalheimer, O. Bauer, H. Marcuse, A. Rosenberg und Angelo Tasca \u00fcber das Wesen des Faschismus; \u00bbInternational Fascism\u00ab, New York (Harper Torchbooks) 1966: eine Sammlung von Aufs\u00e4tzen \u00fcber den Faschismus; u.a.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Einen guten \u00dcberblick Ober die sogenannte \u00bbTotalitarismustheorie\u00ab bietet der Sammelband \u00bbWege der Totalitarismus-Forschung\u00ab, hg. von Bruno Seidel und Siegfried Jenkner, Darmstadt (Wiss. Buchges.) 1968, vor allem die Aufs\u00e4tze von Hannah Arendt, A. R. L. Gurland und Zbigniew Brzezinski. \u2011 Es w\u00e4re interessant, die auf- und absteigenden Wogen der Popularit\u00e4t dieser Theorie im Westen mit den auf- und absteigenden Wellen des Kalten Krieges zu vergleichen. Man w\u00e4re durch die sofort sichtbare Korrelation nicht nur auf lange Sicht, sondern in eng konjunkturellem Ausma\u00df (etwa vom Ostberliner Mauerbau bis zur Kuba-Krise von 1962 als konjunkturellem Aufschwung) \u00fcberrascht. Die in entgegengesetztem Sinne wirkende \u00bbKonvergenztheorie\u00ab w\u00e4re einer \u00e4hnlichen Untersuchung zu unterwerfen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Die Auswirkungen der Hitlerschen Machtergreifung auf die Stabilisierung der Stalinherrschaft in der UdSSR und die extremsten Formen der b\u00fcrokratischen Entartung dieses Staatsgebildes, die langfristigen Auswirkungen der Wechselwirkung Faschismus-Stalinismus auf die Entwicklung der westdeutschen Arbeiterbewegung und auf die Bedingungen, unter denen der Aufbau des Sozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg in Osteuropa begonnen werden mu\u00dfte, m\u00fc\u00dften in diese Bilanz mit einbezogen werden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Siehe z.B. die Diskussion zwischen Tim Mason und Eberhard Czichon in den Heften Nr. 41 und 47 der Berliner Zeitschrift \u00bbDas Argument\u00ab (Dez. 1966 und Juli 1968). Leider begehen mechanistische Marxisten parallele Fehler. Wir kommen darauf im Weiteren noch zur\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Siehe Arthur Schweitzer, Big Business in the Third Reich, Bloomington (Indiana University Press) 1964. Tim Mason (a.a.O.) st\u00fctzt sich auf dasselbe Konzept, das u.a. von Czichon, Dietrich Eichholz und Kurt Gossweiler scharf zur\u00fcckgewiesen wird. Ein typisches Beispiel des b\u00fcrgerlichen Versuchs, den Nazistaat als rein politisches Machtgebilde (bei v\u00f6lliger Unterordnung der entmachteten\u00ab Wirtschaft) hinzustellen, gibt David Schoenbaum, Die braune Revolution, K\u00f6ln (Kiepenheuer u. Witsch) 1968.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Siehe dazu Franz Neumann, Behemoth &#8211; The Structure and Practice of National Socialism 1933\u20111944, New York (Octagon Books, Inc.) 1963.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u00dcber die \u00f6konomischen Triebkr\u00e4fte des Militarismus im Zeitalter des Imperialismus bleibt das letzte Kapitel von Rosa Luxemburgs \u00bbDie Akkumulation des Kapitals\u00ab die klassische Vorstudie. F\u00fcr neuere Untersuchungen, vor allem des deutschen und amerikanischen Imperialismus siehe u.a. Fred J. Cook, Juggernaut, The Warfare State, Sondernummer der amerikanischen Zeitschrift \u00bbThe Nation\u00ab, 20. Oktober 1951; das 7. Kapitel des Buches von Baran-Sweezy, Monopolkapital, Frankfurt (Suhrkamp) 1967; George F. W. Hallgarten, Hitler, Reichswehr und Industrie, Frankfurt (Europ\u00e4ische Verlagsanstalt) 1955 und die Arbeiten von Harry Magdoff, erschienen in der Zeitschrift \u00bbMonthly Review\u00ab.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Siehe u.a. Georg Thomas, Geschichte der deutschen Wehr- und R\u00fcstungswirtschaft (1918\u20111943\/45). Hg. von Wolfgang Birkenfeld, Boppard a. Rh. (Boldt) 1966.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Die wachsende Entakkumulierung (Zerst\u00f6rung von Kapital), die eine sich steigernde Kriegswirtschaft von einem bestimmten Punkt ab mit sich bringt, haben wir mit dem Begriff \u00bbr\u00fcckl\u00e4ufige Reproduktion\u00ab zu umschreiben versucht (siehe Ernest Mandel, Marxistische Wirtschaftstheorie, Kapitel 10, Frankfurt Suhrkamp 1968). Beispiele aus Gro\u00dfbritannien und vor allem Japan ergeben, da\u00df es sich keineswegs um nur f\u00fcr den Faschismus typische Prozesse handelt. Der \u00bbrationale\u00ab Kern dieser Irrationalit\u00e4t liegt darin, da\u00df man imperialistische (wie alle) Kriege bekanntlich mit dem Ziel f\u00fchrt, sie zu gewinnen, und da\u00df die in bestimmten Grenzen berechtigte Hoffnung besteht, man k\u00f6nne alle Kapitalverluste auf Kosten des geschlagenen Gegners mehr als kompensieren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ernst Nolte, a.a.O. S.38, 54, usw.; Leo Trotzki, Portr\u00e4t des Nationalsozialismus (Text Nr. 48 in diesem Bande).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ernst Nolte, a.a.O. S.21.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Siehe solche Versuche u.a. bei Prof. Ren\u00e9 R\u00e9mond, La Droite en France de 1815 \u00e0 nos jours, Paris 1954 und Jean Plumy\u00e8ne und Raymond Lasierra, Les fascismes fran\u00e7ais 1923\u20111963, Paris (Editions Le Seuil) 1963, die diese These f\u00fcr Frankreich vertreten. In dem von Walter Laqueur und George L. Mosse herausgegebenen Sammelband \u00bbInternational Fascism 1920\u20111945\u00ab vertritt Eugen Weber eine \u00e4hnliche These (S. 105, 123 und passim). Hingegen arbeitete Daniel Gu\u00e9rin (\u00bbFascism and Big Business\u00ab, New York, Pioneer Publishers) schon 1938 die grundlegend gemeinsamen Z\u00fcge des deutschen und italienischen Faschismus &#8211; trotz ihrer nationalen Besonderheiten &#8211; heraus.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Die der Machtergreifung und der schrittweisen Ausdehnung antisemitischer Ma\u00dfnahmen Hitlers folgenden geringen Verschiebungen der Eigentumsverh\u00e4ltnisse im Dritten Reich sind gen\u00fcgender Beweis daf\u00fcr, wie sehr die These des \u00bbj\u00fcdischen Gro\u00dfkapitals\u00ab einer Legende entspricht. Dasselbe gilt heute auch f\u00fcr die USA (siehe u.a. Ferdinand Lundberg, The Rich and the Super-Rich, New York (Lyle Stuart) 1968, S. 297\u2011306.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Die ersten diesbez\u00fcglichen marxistischen Theorien stammen von Otto Bauer (\u00bbZwischen zwei Weltkriegen?\u00ab, Bratislava (Eugen Prager Verlag) 1936, S. 136 f.) und Daniel Gu\u00e9rin (\u00bbFascisme et grand capital\u00ab, Paris 1938, S. 27-49 der Ausgabe von 1945, Paris, Librairie Gallimard).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Ernst Nolte, a.a.0. S. 54.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Charles Bettelheim, L&#8217;\u00e9conomie allemande sous le nazisme, Paris (Rivi\u00e8re) 1946, S. 212 f.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Man ist immer wieder \u00fcber den eigent\u00fcmlichen Ged\u00e4chtnisschwund b\u00fcrgerlicher Ideologen in Bezug auf die j\u00fcngere Geschichte der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft erstaunt. In den zwei Jahrhunderten seit der 1. industriellen Revolution wechselten die Staatsformen in Westeuropa zwischen aristokratischer Monarchie, plebiszit\u00e4rem C\u00e4sarismus, konservativ-liberalem Parlamentarismus (mit einem auf etwa 10%, manchmal sogar weniger als 5% der Bev\u00f6lkerung beschr\u00e4nkten Wahlrecht) und ausgesprochener Autokratie, je nach dem Land, dessen politische Entwicklung man studiert. B\u00fcrgerliche Demokratie parlamentarischen Musters mit allgemeinem, gleichem Wahlrecht f\u00fcr alle ist praktisch \u00fcberall &#8211; mit Ausnahme einer kurzen Phase w\u00e4hrend der gro\u00dfen franz\u00f6sischen Revolution &#8211; ein Produkt des Kampfes der Arbeiterbewegung und nicht des liberalen B\u00fcrgertums gewesen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> \u00bb\u00d6konomische Macht bedeutet zugleich politische Macht. Die Herrschaft \u00fcber die Wirtschaft gibt zugleich die Verf\u00fcgung \u00fcber die Machtmittel der Staatsgewalt. Je st\u00e4rker die Konzentration in der wirtschaftlichen Sph\u00e4re, desto unumschr\u00e4nkter die Beherrschung des Staates. Diese straffe Zusammenfassung aller Machtmittel des Staates erscheint als seine h\u00f6chste Machtentfaltung, der Staat als un\u00fcberwindliches Instrument der Aufrechterhaltung der \u00f6konomischen Herrschaft&#8230; Das Finanzkapital in seiner Vollendung bedeutet die h\u00f6chste Stufe \u00f6konomischer und politischer Machtvollkommenheit in der Hand der Kapitaloligarchie. Es vollendet die Diktatur der Kapitalmagnaten\u00ab. Rudolf Hilferding, Das Finanzkapital (verfa\u00dft im Jahre 1909). Hier zitiert nach der Ausgabe von 1923, Wien (Verlag der Wiener Volksbuchhandlung) S. 476 f.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Dies f\u00fchrte Hilferding am Ende seines Lebens und am Vorabend seines tragischen Todes zu dem Trugschlu\u00df, Nazi-Deutschland sei keine kapitalistische Gesellschaft mehr, sondern die Macht geh\u00f6rt dort einer totalit\u00e4ren B\u00fcrokratie, einem Trugschlu\u00df, der zeitlich mit der Burnhamschen These vom \u00bbManager-Zeitalter\u00ab zusammenf\u00e4llt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Es handelt sich jedoch immer um eine bestimmte Form von Demagogie, die nur bestimmte Formen des Kapitalismus angreift (\u00bbZinsknechtschaft\u00ab, Warenh\u00e4user, \u00bbraffendes\u00ab im Gegensatz zum \u00bbschaffenden\u00ab Kapital usw.); Privateigentum als solches oder Unternehmerherrschaft im Betrieb werden nie in Frage gestellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Ist dies nicht der Fall und behalten die Werkt\u00e4tigen ihre Kampfkraft und ihren Kampfwillen, so kann der Versuch einer faschistischen Machtergreifung zum Auftakt eines gro\u00dfartigen revolution\u00e4ren Aufschwungs werden. In Spanien wurde der faschistische Milit\u00e4rputsch im Juli 1936 mit einem revolution\u00e4ren Aufstand der Arbeiterschaft beantwortet, der in wenigenTagen den Faschisten in s\u00e4mtlichen Gro\u00dfst\u00e4dten und Industrierevieren eine vernichtende milit\u00e4rische Niederlage zuf\u00fcgte und sie zum R\u00fcckzug in die unterentwickelten Agrargebiete des Landes zwang. Die Tatsache, dass die Faschisten von dort aus &#8211; in m\u00fchsamem, beinahe drei Jahre dauernden B\u00fcrgerkrieg &#8211; die Macht schlie\u00dflich doch erobern konnten, erkl\u00e4rt sich sowohl aus der Einwirkung internationaler Faktoren, wie aus der verh\u00e4ngnisvollen Rolle der Partei- und Staatsf\u00fchrung der Linken, die die Werkt\u00e4tigen daran hinderte, die erfolgreich begonnene sozialistische Revolution vom Juli 1936 rasch zu beenden und, u.a. durch radikale Bodenverteilung und Proklamation der Selbst\u00e4ndigkeit Marokkos, Francos letzte Machtbasis unter r\u00fcckst\u00e4ndigen Bauern und nordafrikanischen S\u00f6ldnern zu zersetzen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Siehe dazu u.a. Daniel Gu\u00e9rin, a.a.O., S. 141\u2011168.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Auf den Unterschied von Bonapartismus und Faschismus wird weiter unten noch eingegangen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Schon im \u00bbKommunistischen Manifest\u00ab machen sich Marx und Engels \u00fcber das liberale Argument lustig, die Kommunisten g\u00f6ssen nur Wasser auf die M\u00fchlen der konservativen Reaktion. In der Revolution von 1848 wurde es unendlich oft wiederholt: wenn nur die b\u00f6sen \u00bbSozialisten\u00ab nicht gewesen w\u00e4ren, dann h\u00e4tte sich das liberal-konstitutionelle Regime \u00fcberall konsolidiert. Die Sozialisten jedoch h\u00e4tten den B\u00fcrger ver\u00e4ngstigt und in die Arme der Reaktion zur\u00fcckgetrieben. In der gro\u00dfen franz\u00f6sischen Revolution benutzten die Konservativen ihrerseits ein \u00e4hnliches Argument gegen die Liberalen: ohne die Exzesse des Konvents und der \u00bblinksradikalen\u00ab Verfassung vom Jahre III w\u00e4re es nicht zur Restauration der Monarchie gekommen&#8230; Man sieht: es gibt nichts Neues unter dieser Sonne.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Giovanni Zibordi, Der Faschismus als antisozialistische Koalition, in: Ernst Nolte, Theorien \u00fcber den Faschismus, a.a.O., S. 79\u201187; hier S. 83.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Filippo Turati, Faschismus, Sozialismus und Demokratie, a.a.O., S. 143-155; hier S. 147 f.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Angelo Tasea, Nascit\u00e0 e Avvento del Fascismo, Turin 1950. Dt. im Europa-Vlg., Wien 1969.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Siehe u.a. Hendrik de Man, Sozialismus und National-Faschismus, Potsdam 1931; die Memoiren von Severing (\u00bbMein Lebensweg\u00ab, Band II: \u00bbIm Auf und Ab der Politik\u00ab (K\u00f6ln, 1950); die Memoiren von Otto Braun: \u00bbVon Weimar zu Hitler\u00ab, New York (Europa-Verlag) 1940, usw.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Otto Braun entschuldigt seine j\u00e4mmerliche Kapitulation vor dem Papenschen Staatsstreich am 20. Juli 1932 mit dem Argument, angesichts der Wirtschaftszerr\u00fcttung und der Millionen von Arbeitslosen sei ein Generalstreik wie gegen den Kapp-Putsch unm\u00f6glich. Dabei vergi\u00dft er, da\u00df auch zur Zeit des Kapp-Putsches die deutsche Wirtschaft schwer zerr\u00fcttet war. Interessanterweise f\u00fcrchteten die Unternehmerverb\u00e4nde und die reaktion\u00e4ren Politiker durchaus den Generalstreik, &#8211; entgegen den Behauptungen Otto Brauns. Auch die offizielle Geschichte der I.G. Metall \u00bbF\u00fcnfundsiebzig Jahre Industriegewerkschaft\u00ab, Frankfurt (Europ\u00e4ische Verlagsanstalt) 1966, erkl\u00e4rt ausdr\u00fccklich: \u00bbVergeblich wartete die Arbeiterschaft am 20. Juli 1932 auf ein Signal zum Handeln\u00ab (S. 279). Am unsinnigsten ist Brauns Argument, gegen die Reichswehr k\u00f6nne ein Arbeiteraufstand nur mit einer Niederlage enden. Als ob die kampflose Kapitulation nicht einer weit verheerenderen Niederlage gleichk\u00e4me!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Siehe zahlreiche Belege bei Theo Pirker, Komintern und Faschismus 1920-1940, Stuttgart (D.V.A.) 1965. Die Lekt\u00fcre der offiziellen Komintern- und KPD-Presse der Periode 1930 bis 1933 bleibt aber der eindr\u00fccklichste Beleg. In seiner Einleitung zur 2. Auflage von Ossip K. Flechtheims \u00bbDie KPD in der Weimarer Republik\u00ab, Frankfurt (Europ. Verlagsanst.) 1969, gibt Hermann Weber eine \u00dcbersicht \u00fcber die bedeutende Literatur zur KPD-Politik der Jahre 1930-33. Flechtheims Buch enth\u00e4lt auch selbst zahlreiche Quellen und liefert zahlreiche Belege f\u00fcr Trotzkis These.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> In der Theorie vom \u00bbSozialfaschismus\u00ab wird die objektive Rolle der sozialdemokratischen F\u00fchrung (ohne Zweifel ein Faktor der Stabilisierung des status quo der sp\u00e4tb\u00fcrgerlichen Gesellschaft) gegen\u00fcber ihrer Massenbasis und ihrer spezifischen Form (die das Fortbestehen der Arbeiterorganisationen impliziert) willk\u00fcrlich isoliert; in der Volksfronttheorie wird dagegen der antifaschistische Wille der Massen und der Zwang der sozialdemokratischen F\u00fchrung, sich gegen die Gefahr der Vernichtung durch den Faschismus zur Wehr zu setzen, ebenso willk\u00fcrlich vom gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang der Strukturkrise des Sp\u00e4tkapitalismus isoliert. Im ersten Fall werden die Massen durch Spaltung paralysiert, im zweiten durch R\u00fccksichtnahme auf den \u00bbliberal\u00ab-b\u00fcrgerlichen Partner der Volksfrontpolitik entscheidend gebremst. Das Pendel schwingt von der linksopportunistischen zur rechtsopportunistischen Abweichung, ohne die richtige Position, jene der Aktionseinheit der Werkt\u00e4tigen (mit einer objektiv antikapitalistischen Dynamik) je zu erfassen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Noch sp\u00e4t in den f\u00fcnfziger Jahren wurde der verzweifelte Versuch unternommen, sich an der Rechtfertigung der KPD-Politik der Jahre 1930 bis 1933 festzuklammern. Siehe u.a. das Heft: \u00bbLes Origines du Fascisme\u00ab, ver\u00f6ffentlicht in der Reihe \u00bbRecherches Internationales \u00e0 la Lumi\u00e8re du Marxisme\u00ab, Nr. 1, Editions La Nouvelle Critique, Paris 1957.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Siehe Band 4 der \u00bbGeschichte der deutschen Arbeiterbewegung\u00ab, Berlin (Dietz) 1966, S. 168, 171, 206, 239, 188 f., 300-303, 312 usw. Praktisch gibt die \u00bbGeschichte &#8230; \u00ab Trotzki in jedem Punkt der Kritik nachtr\u00e4glich recht ohne seinen Namen ein einziges Mal in diesem Zusammenhang zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Ernst Nolte, a.a.O., S. 55, 66, usw.; Harold Laski, R\u00e9flexions sur la R\u00e9volution de notre Temps, Paris (Le Seuil) 1946, S. 135.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Es w\u00e4re interessant, die tieferen Wurzeln dieses Zwangs zu untersuchen. Er liegt u.E. nicht nur in der Notwendigkeit, die Atomisierung der Arbeiterklasse durch Massenterror zu gew\u00e4hrleisten, wozu ein \u00bbnormaler\u00ab Repressionsapparat nicht ausreicht, sondern auch in der Natur der auf Privateigentum an Produktionsmitteln errichteten Produktionsweise selbst, der immer ein Element der Konkurrenz anhaftet, und in der es den direkten Vertretern der Konzerne nur auf dem Umweg des Feilschens und der gegenseitigen Auss\u00f6hnung widerspruchsvoller Teilinteressen gelingen kann, zum Gesamtinteresse der Klasse (oder genauer: ihrer entscheidenden Schicht) vorzusto\u00dfen. Soll dieses Gesamtinteresse unmittelbar und zentralisiert, also ohne lange Besprechungen und schwierige Verhandlungen sich auswirken, dann mu\u00df die Interessenvertretung des Gesamtinteresses von der gleichzeitigen Verteidigung von Partikularinteressen getrennt werden, d.h.: dann mu\u00df die Personalunion der Gro\u00dfkonzerne und der politischen F\u00fchrung aufgehoben werden. Deshalb die Neigung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zur politischen Selbstentmachtung in Krisenzeiten, in ihrer st\u00fcrmischen Jugend ebenso wie in ihrem dekadenten Alter.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Einen \u00e4hnlichen Fehler begeht auch Robert A. Brady in seinem Buch \u00bbThe spirit and structure of German fascism\u00ab, New York (The Viking Press) 1937.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Ignazio Silone, Der Faschismus &#8211; Seine Entstehung und seine Entwicklung, Europa Verlag, Z\u00fcrich 1934, S. 32 ff., 46 ff., 52 f., usw.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> A.a.O., S. 276 ff.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> August Thalheimer, \u00fcber den Faschismus, in: Faschismus und Kapitalismus; Politische Texte, herausgegeben von Wolfgang Abendroth, Frankfurt (Europ\u00e4ische Verlagsanstalt) 1967, S. 19-38; Otto Bauer, Zwischen zwei Weltkriegen?, a.a.O., S. 113-141.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Dieser Aspekt wurde auch von R\u00fcdiger Griepenburg und K. H. Tjaden in \u00bbFaschismus und Bonapartismus\u00ab (in: \u00bbDas Argument\u00ab, Heft 41, 8. Jg. Heft 6, Dezember 1966, S. 461-471) unterstrichen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Otto Bauer, a.a.O., S. 113 f.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> A.a.O. S. 116.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref44\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> Arthur Rosenberg, Geschichte der Weimarer Republik, Frankfurt (Europ\u00e4ische Verlagsanstalt) 1961, S. 211.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref45\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> Charles Bettelheim, a.a.O., S. 210.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref46\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> J\u00fcrgen Kuczynski, Die Geschichte der Lage der Arbeiter in Deutschland, Bd. II: 1933 bis 1946. Berlin (Verlag Die freie Gewerkschaft) 1947, S. 125, 199, 154.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref47\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> Franz Neumann, a.a.O., S. 43. Unter diesen Bedingungen klingt es geradezu wie Hohn, wenn Tim Mason zum Beweis des angeblichen \u00bbPrimats der Politik\u00ab nach dem Jahre 1936 die Tatsache anf\u00fchrt, da\u00df es die Hitlerregierung zwei Jahre lang, zwischen Herbst 1936 und Sommer 1938, \u00bbunterlie\u00df\u00ab, die Einschr\u00e4nkung der Freiheit des Arbeitsplatzwechsels und die Festsetzung von H\u00f6chstl\u00f6hnen zu beschlie\u00dfen: \u00bbDie beiden Ma\u00dfnahmen wurden von der politischen F\u00fchrung abgelehnt, weil so radikale Schritte gegen das materielle Interesse der Arbeiterschaft mit der politischen Aufgabe, die Arbeiter zum Nationalsozialismus zu erziehen, nicht zu vereinbaren waren\u00ab (Tim Mason, Das Primat der Politik, in: Das Argument, 8. Jahrgang, Heft 6, Dezember 1966. Nr. 41, S. 485). Wer zuviel beweisen will, beweist, da\u00df er Unrecht hat. Tim Mason scheint nicht einzusehen, da\u00df das Entscheidende dieser Aff\u00e4re nicht etwa die Tatsache war, da\u00df diese Schritte zwei Jahre lang hinausgeschoben wurden, sondern da\u00df sich umgekehrt ein zumindest demagogisch auf \u00bbVolksgemeinschaft\u00ab eingeschworenes Regime zu einer solchen Teilversklavung der eigenen Arbeiterschaft &#8211; Aufhebung der Freiz\u00fcgigkeit &#8211; und einem solchen \u00bbMonopol an R\u00fcstungsprofiten\u00ab zugunsten der Gro\u00dfkonzerne entschlo\u00df. Beweist das nicht gerade, da\u00df die Interessen der \u00bbpolitischen F\u00fchrung. schlie\u00dflich vor jenen des Monopolkapitals zur\u00fcckweichen mu\u00dften, da\u00df es also kein \u00bbPrimat der Politik\u00ab, sondern ein \u00bbPrimat des Monopolkapitals\u00ab gab?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref48\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a> Neumann, a.a.O., S. 613; Bettelheim, a.a.O., S. 63.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref49\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a> Neumann, a.a.O., S. 601 f., 591 f.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref50\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a> Tim Mason, a.a.O., S. 482 f., 487, 484.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref51\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a> Zur Reprivatisierung siehe u.a. Bettelheim, a.a.O., S. 112; Neumann, a.a.O., S. 297 f. \u00dcber die Gelsenkirchen AG-Aff\u00e4re, ihre zentrale Bedeutung bei dem \u00dcberschwenken breiter Kreise der Schwerindustrie ins Lager Hitlers und \u00fcber die Reprivatisierung der Vereinigten Stahlwerke im Jahre 1936 siehe u.a.: George F. W. Hallgarten: \u00bbHitler, Reichswehr und Industrie\u00ab, S. 108\u2011113; K. Gossweiler: \u00bbDie Vereinigten Stahlwerke und die Gro\u00dfbanken.\u00ab, in: \u00bbJahrbuch f\u00fcr Wirtschaftsgeschichte\u00ab, 1965, Teil IV, Akademie-Verlag, Berlin, S. 11-53.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref52\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a> Wir m\u00f6chten in diesem Zusammenhang nochmals auf das von Tim Mason aufgeworfene Problem, das Entscheidende sei \u00bbdie politische Willensbildung\u00ab, und \u00bbdie Innen- und Au\u00dfenpolitik der nationalsozialistischen Staatsf\u00fchrung (sei) ab 1936 in zunehmendem Ma\u00dfe von der Bestimmung durch die \u00f6konomisch herrschenden Klassen unabh\u00e4ngig\u00ab geworden (a.a.O., S. 474), zur\u00fcckkommen. Das entscheidende Wort ist hier \u00bbBestimmung\u00ab. Es wendet sich in Wirklichkeit nicht gegen die marxistische Staats- und Gesellschaftsinterpretation, sondern nur gegen ihre mechanische Verflachung. Der Marxismus impliziert, da\u00df es keine absolute Identit\u00e4t zwischen Oberbau und Unterbau gibt; da\u00df beide Ebenen ihre eigene, schon durch die Arbeitsteilung bedingte, innere Logik haben; da\u00df also Klassengesellschaften bis zu einem gewissen Grade eine Verselbst\u00e4ndigung nicht nur von Religion und Philosophie, sondern auch von Staat und Armee kennen. Worauf es ankommt ist nicht, zu wissen, ob eine Gruppe von Bankiers oder Gro\u00dfindustriellen dem Regierungschef oder Armeef\u00fchrer seine Beschl\u00fcsse unmittelbar \u00bbdiktiert\u00ab, sondern ob diese Beschl\u00fcsse dem Klasseninteresse dieser Gro\u00dffinanz oder der Gro\u00dfkonzerne entsprechen und aus der inneren Logik der Verteidigung der gegebenen Produktionsweise heraus verst\u00e4ndlich werden.<\/p>\n<p>Tim Mason \u00fcbersieht, da\u00df Militarismus und Kriege diese Autonomie schon sehr weitgehend im Rahmen des Monopolkapitalismus, lange bevor die NSDAP geboten wurde, erlangt hatten. Ja, der ganze Begriff des \u00bbPrimats der Politik\u00ab ist gerade aus dem Komplex des Ersten Weltkriegs geboren. \u00bbGewisse Andeutungen\u00ab, schrieb Tim Mason, \u00bbsind schon jetzt vorhanden, da\u00df der Angriff auf Polen 1939 und auf Frankreich 1940 keinen unabdingbaren Teil der Gesamtkonzeption der herrschenden Klasse bildete\u00ab (\u00bbPrimat der Industrie?\u00ab Eine Erwiderung. In: \u00bbDas Argument\u00ab, Heft 47, Juli 1968, S. 206). Kann man dasselbe nicht auch von Churchills Dardanellen-Abenteuer im Ersten Weltkrieg, von Verdun und den anderen gewaltigen Materialschlachten des Ersten Weltkriegs und \u00fcberhaupt von der Ausl\u00f6sung dieses Ersten Weltkriegs mindestens mit ebenso starker, r\u00fcckwirkender Kraft behaupten wie vom Zweiten Weltkrieg?<\/p>\n<p>W\u00e4re es nicht \u00bbim Interesse\u00ab des Gro\u00dfkapitals gewesen, sich lieber \u00fcber die Gegens\u00e4tze zwischen serbischen und bosnischen Schweineexporten oder zwischen deutscher und englischer Nahost-Penetration zu einigen, als Millionenverluste zu erleiden und eine sozialistische Revolution heraufzubeschw\u00f6ren? Waren es nicht Diplomaten, Kaiserkamarilla und vor allem Generalst\u00e4bler, die zwischen den Sch\u00fcssen von Sarajewo und dem Einmarsch in Belgien die Entscheidungen trafen, statt der Unternehmerverb\u00e4nde oder dem Verwaltungsrat der Deutschen Bank? Und sind nicht Militarismus, imperialistische Gegens\u00e4tze, militaristisch-nationalistische Ideologie, Wettr\u00fcsten, Rohstoffarmut Deutschlands usw. unvermeidliche Produkte einer bestimmten Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur und die letzten Ursachen des Krieges? Lag ihnen nicht das Expansionsstreben der Deutschen Bank zugrunde? Und sind die Kriegsziele nicht eng mit diesem Ursprung des Wettr\u00fcstens verbunden? In diesem Sinne mu\u00df man die marxistische These der monopolkapitalistisch-imperialistischen Natur des Nazisystems verstehen und nicht in dem eng mechanischen Sinne, da\u00df die Herren Gro\u00dfbankiers mehr Einflu\u00df auf die unmittelbare Kriegsf\u00fchrung als das Hauptquartier der Wehrmacht gehabt h\u00e4tten (was ja auch im Ersten Weltkrieg keineswegs der Fall war).<\/p>\n<p>Dietrich Eichholz und Kurt Gossweiler bringen in diesem Zusammenhang ein sch\u00f6nes Zitat des Mitglieds des Vorstands und des Zentralausschusses der IG-Farbenindustrie AG, eines Herrn Carl Krauch, vom 28. April 1939: \u00bbHeute wie 1914 erscheint die deutsche politische und wirtschaftliche Lage &#8211; eine von der Welt belagerte Festung &#8211; eine rasche Kriegsentscheidung durch Vernichtungsschl\u00e4ge gleich zu Beginn der Feindseligkeiten zu verlangen\u00ab (Das Argument, Nr. 47, S. 226). Das war die herrschende Mentalit\u00e4t der entscheidenden Kreise des Monopolkapitals. Da\u00df sie nachtr\u00e4glich genauso \u00bbirrational\u00ab erscheint wie jene des Wilhelminischen Gro\u00dfb\u00fcrgertums (und der vergleichbaren Mentalit\u00e4t zahlreicher anderer imperialistischer M\u00e4chte) beweist nur, da\u00df imperialistische Kriege \u00fcberhaupt und der Monopolkapitalismus an sich die \u00bbrationalisierte Irrationalit\u00e4t\u00ab, die immanent in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft vorhanden ist, bis zur h\u00f6chsten Potenz steigern.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref53\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a> Klaus Drobisch, Flick-Konzern und faschistischer Staat 1933\u20111939, in: Monopole und Staat in Deutschland 1917-1945, Berlin (Akademie-Verlag) 1966, S. 169 f.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref54\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a> Hierzu gibt es viele Quellen. Eine eindrucksvolle Schilderung bringt George F. W. Hallgarten, a.a.O., S. 104 ff.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref55\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a> Auch hier sind die Quellen besonders zahlreich. Siehe u.a. H. S. Hegner, Die Reichskanzlei von 1933-1945, Frankfurt (Verlag Frankfurter B\u00fccher) 1959, S. 33 ff.; Alan Bullock, Hitler, A Study in Tyranny, Penguin Books 1962, S.196 ff., 243 ff.; William L. Shirer, Aufstieg und Fall des Dritten Reiches, Bd. 1, S- 103-214, M\u00fcnchen (Knaur Verlag) 1963, gibt eine Zusammenfassung der wichtigsten Zeugnisse, vor allem das von Meissner, und eine bedeutende Bibliographie.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref56\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a> Vgl. dazu die diesem Zeitabschnitt gewidmeten Passagen in den autobiographischen Aufzeichnungen z.B. von M. Buber-Neumann, H. Brandt, G. Grosz, F. Jung, A. Koestler, S. Leonhard, G. Regler, J. Valtin.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref57\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a> Die Liste politischer F\u00fchrer, die in den USA in den letzten Jahren ermordet wurden, erinnert unheilvoll an die der Weimarer Zeit: Malcolm X, Martin Luther King, John F. Kennedy, Robert Kennedy, die beiden Black Panther-F\u00fchrer von San Francisco sind nur einige Namen aus einer langen Reihe.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ftnref58\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a> Allerdings mu\u00df darauf hingewiesen werden, da\u00df sich in diesem bereits einsetzenden Polarisierungsproze\u00df der Aktivismus von rechts in den letzten Jahren eher im Niedergang befindet und auch in den USA der politisch aktive Teil der Jugend \u00fcberw\u00e4ltigend nach links tendiert. Wie in Westeuropa findet die Konfrontation nicht zwischen Links- und Rechtsaktivisten, sondern zwischen Linksaktivisten und Polizei statt. Die relative Prosperit\u00e4t des amerikanischen Mittelstands und der ihr entsprechende Konservatismus sind daran nat\u00fcrlich nicht unbeteiligt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Faschismus ist zugleich die Geschichte der Theorie \u00fcber den Faschismus. 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