{"id":1973,"date":"2017-03-09T12:28:07","date_gmt":"2017-03-09T10:28:07","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1973"},"modified":"2017-03-09T12:28:07","modified_gmt":"2017-03-09T10:28:07","slug":"der-finanzmarktgetriebene-kapitalismus-eine-buergerliche-irrlehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1973","title":{"rendered":"Der finanzmarktgetriebene Kapitalismus \u2013 eine b\u00fcrgerliche Irrlehre"},"content":{"rendered":"<p><em>Guenther Sandleben. <\/em>Wer einigerma\u00dfen mit der \u00f6konomischen Literatur vertraut ist wird wissen, dass die Vorstellung von der Herrschaft des Finanzkapitals zu einer herrschenden Lehre geworden ist. Die politische Bedeutung dieser Lehre ist nicht zu <!--more-->untersch\u00e4tzen. Sie ist Sammelpunkt einer diffusen Kapitalismuskritik, die politisch von weit rechts bis hin zu linksorientierten Diskursen reicht. Stephen Bannon z.B., Chefberater von Trump und Ideengeber f\u00fcr die Wende hin zu \u201eAmerica First\u201d, soll ein \u201escharfer Kritiker des Finanzkapitalismus\u201d sein<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>.<\/p>\n<p>Auch viele \u201eMarxisten\u201d teilen noch immer diese Theorie und geben den Versuch nicht auf, sie mit der Kritik der politischen \u00d6konomie von Marx zu verbinden. Das bisherige Resultat solcher Bem\u00fchungen ist nicht nur ein brutaler Eklektizismus, der untauglich ist, die sich vor unseren Augen abspielenden \u00f6konomischen Katastrophen zu begreifen, sondern auch eine v\u00f6llige Verunstaltung der Marxschen Theorie.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrt zur These, dass die Lehre vom finanzmarktgetriebenen Kapitalismus selbst in den\u00a0 \u201emarxistischen\u201d Variationen nicht \u00fcber das theoretische Feld b\u00fcrgerlicher Argumentationsweisen hinausgekommen ist. Sie hat mit der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie nur insofern etwas zu tun, als sie diese in apologetischer Absicht b\u00fcrgerlich uminterpretiert und dabei verf\u00e4lscht. Unter falscher Flagge wird gesegelt. Solche F\u00e4lschungsversionen bilden Blockaden in der Aneignung der Kritik der politischen \u00d6konomie und eines kritischen Verst\u00e4ndnisses des Bestehenden. Dagegen richtet sich der folgende Artikel, der ganz dem Motto folgt:<\/p>\n<p>\u201eVergesst die Marxisten, lest Marx! Denn der ist modern.\u201d<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>Inzwischen hat sich zwar wegen der offensichtlichen Schw\u00e4che der Banken und der niedrigen Zins- bzw. Verwertungsraten von Finanzkapitalen die theoretische Diskussion etwas verlaufen, eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Lehre hat aber nicht stattgefunden. Auch viele \u201eMarxisten\u201d teilen noch immer die Vorstellung von der Herrschaft des Finanzkapitals und geben den Versuch nicht auf, sie mit der Kritik der politischen \u00d6konomie von Marx zu verbinden. Das bisherige Resultat solcher Bem\u00fchungen ist nicht nur ein brutaler Eklektizismus, der untauglich ist, die sich vor unseren Augen abspielenden \u00f6konomischen Katastrophen zu begreifen, sondern auch eine v\u00f6llige Verunstaltung der Marxschen Theorie. Aus der einstigen Kritik der politischen \u00d6konomie ist eine Rechtfertigungslehre bestehender Verh\u00e4ltnisse geworden.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p>Nachfolgend wird die These entwickelt, dass die Lehre vom finanzmarktgetriebenen Kapitalismus selbst in den\u00a0 \u201emarxistischen\u201d Variationen nicht \u00fcber das theoretische Feld b\u00fcrgerlicher Argumentationsweisen hinausgekommen ist. Sie hat mit der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie nur insofern etwas zu tun, als sie diese in apologetischer Absicht b\u00fcrgerlich uminterpretiert und dabei verf\u00e4lscht. Unter falscher Flagge wird gesegelt. Solche F\u00e4lschungsversionen bilden Blockaden in der Aneignung der Kritik der politischen \u00d6konomie und eines kritischen Verst\u00e4ndnisses des Bestehenden.<\/p>\n<p><strong>Grundz<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ge der Lehre von der Dominanz der Finanzm<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rkte<\/strong><\/p>\n<p>Die Lehre von der Dominanz der Finanzm\u00e4rkte pr\u00e4sentiert sich unter verschiedenen Namen: In Formulierungen wie \u201eRaubtierkapitalismus\u201d, \u201eHierarchie der M\u00e4rkte\u201d, \u201efinanzmarktgetriebener Kapitalismus\u201d, \u201efinanzgetriebene Akkumulation\u201d, \u201efinanzkapitalistisches Akkumulationsregime\u201d, \u201efinanzinvestorengetriebener Kapitalismus\u201d oder schlicht \u201eFinanzmarktkapitalismus\u201d (FMK) ist die Dominanz des Finanzsektors eingraviert. S\u00e4mtliche Vorstellungen laufen darauf hinaus, dem aufgebl\u00e4hten Finanzsektor und den dort handelnden Akteuren eine dominante Stellung in der Wirtschaft einzur\u00e4umen. Finanzm\u00e4rkte und Finanzinvestoren darunter die Banken sollen die Warenproduktion, die h\u00e4ufig als \u201eReal\u00f6konomie\u201d bezeichnet wird, bestimmen, indem sie die Profitorientierung in der Produktion erzwingen und dar\u00fcber entscheiden, in welchem Umfang \u00fcberhaupt investiert werden soll. Begriffe wie \u201eHierarchie der M\u00e4rkte\u201d mit dem Finanzsektor als zentraler Steuerungsgr\u00f6\u00dfe oder \u201efinanzmarktgetriebener\u201d bzw. \u201efinanzinvestorengetriebener Kapitalismus\u201d verweisen auf die Dominanz der Finanzm\u00e4rkte bzw. der Finanzinvestoren. Lucas Zeise macht darauf aufmerksam, \u201edass die These von der Herrschaft des Finanzkapitals &#8211; in dieser oder jener Formulierungsvariante &#8211; mittlerweile Allgemeingut geworden ist\u201d<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>. Dies gilt vor allem f\u00fcr den linken Mainstream, wobei nicht \u00fcbersehen werden sollte, dass die FMK-Theorie schon fr\u00fchzeitig auf heftige Kritik stie\u00df, die in j\u00fcngster Zeit mehr Beachtung zu finden scheint.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<p>Dominanz hei\u00dft, dass Finanzm\u00e4rkte Industrie und Handel antreiben, oder &#8211; wie es Joachim Bischoff ausdr\u00fcckte &#8211; \u201edass das Leihkapital und seine Anlageformen die industriellen und merkantilen Operationen des gesamtgesellschaftlichen Kapitals beherrschen.\u201d<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> \u201eFinanzinvestoren\u201d, darunter Banken, Versicherungsunternehmen, Hedgefonds, Pensions- und Investmentfonds seien heute die \u201em\u00e4chtigsten Agenten des modernen kapitalmarktgetriebenen Kapitalismus\u201d.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/p>\n<p>Die Dominanz-These weist in ihrer vollst\u00e4ndigen Ausgestaltung drei Argumentationsstufen auf:<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Allgemeine Grundlage ist die These von der Herrschaft des Geldes <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ber die Ware.<\/strong><\/li>\n<li><strong> Die zweite Ebene der Argumentation lautet: Geld schafft den Zins und der Zins spielt eine besondere Rolle nicht nur f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r die Verwertung des Finanzkapitals sondern auch f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r das in Industrie und Handel angelegte Kapital.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>III.<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><strong> Auf der dritten Argumentationsstufe ist der zentrale gesamtwirtschaftliche Zusammenhang formuliert: Der Finanzsektor beherrscht die Industrie.<\/strong><\/p>\n<p>J\u00f6rg Huffschmid hat in der deutschsprachigen Diskussion die These von der Vormacht oder Herrschaft der Finanzm\u00e4rkte bzw. Finanzinvestoren ma\u00dfgeblich bef\u00f6rdert. Zahlreiche Aufs\u00e4tze, vor allem aber seine popul\u00e4re Schrift \u201ePolitische \u00d6konomie der Finanzm\u00e4rkte\u201d, geschrieben Ende der 1990er Jahre und als \u201eepochales Werk\u201d<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a> gew\u00fcrdigt, pr\u00e4gten die Diskussion. Die Dominanz-These wurde theoretischer Bezugspunkt f\u00fcr ein breites Spektrum politischer Bewegungen und Organisationen, die sich im Umfeld der 2007 einsetzenden gro\u00dfen Krise zusammenfanden, darunter globalisierungskritische Autoren von Attac, die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Memorandum-Gruppe), die Euro-Memo-Group, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, gro\u00dfe Teile der Gewerkschaften und der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, diverse Zeitschriften, darunter \u201eBl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik\u201d und \u201eSozialismus\u201d.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Herrschaft des Geldes <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ber die Ware<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Schon immer tat sich die \u00f6konomische Theorie schwer, das Geld zu begreifen. Geld wird definiert, statt erkl\u00e4rt. Es soll das Medium oder der Gegenstand sein, der Geldfunktionen erf\u00fcllt. Wie es zu diesen Geldfunktionen kommt, wird nicht gesagt. Nehmen wir die wichtige Funktion des Geldes als Wertstandard. Von ihr wird gesagt, dass sie die verschiedenen Arten des stofflichen Reichtums einer Gesellschaft vergleichbar machen w\u00fcrde. Wie kann das m\u00f6glich sein? Wie sollen Papierzettel mit dem Aufdruck Euro, Dollar, Yen etc. der G\u00fcterwelt mit ihren vielf\u00e4ltigen Gebrauchswerten einen gemeinsamen Nenner schenken k\u00f6nnen? \u00a0Das ist Zauberei!<\/p>\n<p>Marx hat das Geldr\u00e4tsel gel\u00f6st, indem er nachwies, dass in unserer Zeit die G\u00fcter keineswegs blo\u00dfe Gebrauchswerte sondern Waren sind, also neben dem Gebrauchswert noch einen Wert, der sich als\u00a0 Tauschwert darstellt, besitzen w\u00fcrden. Das Spezifische der Warenform bestehe in der Wertform, die sich weiter entwickeln w\u00fcrde zur Geldform.<\/p>\n<p>An dieser Stelle sei schon der Hinweis erlaubt, dass der Geld- und Finanzsektor in der Theorie von Marx keineswegs etwas von der \u201eRealproduktion\u201d Abgetrenntes sein kann, sondern dass die als Waren produzierten G\u00fcter die Geldform notwendig besitzen m\u00fcssen. Das Geld dient als Erscheinungsform der Warenwerte, d. h. die Warenwerte k\u00f6nnen sich im Geld als gleichnamige, qualitativ gleiche und quantitativ vergleichbare Gr\u00f6\u00dfen darstellen. Diese wissenschaftliche Erkenntnis des Geldes hat gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr die Erkl\u00e4rung von Krisen, deren Wurzeln in der Warenproduktion stecken und die deshalb nicht oberfl\u00e4chlich als Krisen der Finanzm\u00e4rkte gedeutet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie positioniert sich in dieser Frage die FMK-Theorie? Die zentrale These, wonach der Finanzsektor die Real\u00f6konomie beherrschen w\u00fcrde, verweist auf die Zweiteilung und Gegen\u00fcberstellung beider Sektoren: Auf der einen Seite das Geld und der daraus hervorgehende Kredit, auf der anderen Seite steht eine heterogene G\u00fcterwelt. Die \u00d6konomie zerf\u00e4llt in zwei Parallelwelten, die unvermittelt existieren sollen. Diese Zweiteilung von monet\u00e4rem und realem Sektor durchzieht die gesamte b\u00fcrgerliche Theoriegeschichte, die bis heute das von Marx gel\u00f6ste Geldr\u00e4tsel weitgehend ignoriert.<\/p>\n<p>Schon vor etwa 150 Jahren brachte Marx seine Kritik an dieser Dichotomisierung der \u00d6konomie auf den Punkt als er in den Theorien \u00fcber den Mehrwert vermerkte:<\/p>\n<p>\u201eHier wird also erstens Ware, in der der Gegensatz von Tauschwert und Gebrauchswert existiert, in blo\u00dfes Produkt (Gebrauchswert) und daher der Austausch von Waren in blo\u00dfen Tauschhandel von Produkten, blo\u00dfen Gebrauchswerten, verwandelt. Es wird nicht nur hinter die kapitalistische Produktion, sondern sogar hinter die blo\u00dfe Warenproduktion zur\u00fcckgegangen.\u201d In dem Wort \u201eProdukt\u201d, so Marx weiter, werde das \u201eWesen der Ware und der in ihr liegende Widerspruch unterdr\u00fcckt.\u201d<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a><\/p>\n<p>Marx bezog seine Kritik auf das \u201ekindische Geschw\u00e4tz eines Say\u201d &#8211; ein franz\u00f6sischer \u00d6konom, der bis heute durch das nach ihm benannte \u201eSaysche Theorem\u201d bekannt geblieben ist. W\u00e4hrend diese klassisch-neoklassische Traditionslinie im Geld eine blo\u00df verschwindende Form des Austauschs &#8211; eine Art Schleier &#8211; sieht, verwandelt die FMK-Theorie das Geld in eine die G\u00fcterwelt beherrschende Macht. Im Zentrum steht die These von der \u201eNichtneutralit\u00e4t des Geldes\u201d. Dahinter steckt eine besondere Auffassung vom Geld, die sich nicht auf Marx, sondern auf John Maynard Keynes beruft und den Kern des heutigen Monet\u00e4rkeynesianismus<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a> bildet.<\/p>\n<p><strong>Das Dominanzverh<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ltnis von Geld und Ware im Monet<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rkeynesianismus<\/strong><\/p>\n<p>Wenn dieser Keynesianismus die \u201eNichtneutralit\u00e4t des Geldes\u201d proklamiert und die monet\u00e4ren Grundlagen der klassisch-neoklassischen Theorie angreift, dann bedeutet das keineswegs, dass das \u201ekindische Geschw\u00e4tz eines Say\u201d zur Dichotomisierung der \u00d6konomie in G\u00fcter- und Geldsph\u00e4re kritisch \u00fcberwunden worden w\u00e4re. Die theoretische Trennung beider \u00f6konomischer Sph\u00e4ren dient auch dem Monet\u00e4rkeynesianismus als Ausgangspunkt, nur mit dem Unterschied, dass die G\u00fctersph\u00e4re nicht als ein sich eigengesetzlich steuernder Bereich mit dem Geld als blo\u00dfem Schleier dar\u00fcber gesehen wird. Es soll sich anders herum verhalten: Geld besitzt angeblich eine \u201eSteuerungsfunktion\u201d und dominiert den \u201eG\u00fctermarkt\u201d.<\/p>\n<p>Die \u00e4u\u00dferliche Gegen\u00fcberstellung von Geld- und G\u00fctersph\u00e4re mit dem Geld als \u00fcbergreifender Macht offenbart eine entscheidende Schw\u00e4che der monet\u00e4r-keynesianischen Dominanzthese. Es entsteht das R\u00e4tsel, weshalb Waren im Geld eine gemeinsame Wertform erhalten k\u00f6nnen, wenn sie &#8211; reduziert auf heterogene, inkommensurable G\u00fcter &#8211; keine Gemeinsamkeit untereinander besitzen.<\/p>\n<p>Mit einer solchen Interpretationsweise von Waren wird nicht nur deren spezifischer Charakter ausgeblendet, also genau das gemacht, was Marx an der Sayschen Produkttheorie kritisierte. Auch die Bestimmung des Geldes, etwas Gemeinsames zu verk\u00f6rpern und gegen jede beliebige Ware austauschbar zu sein, kann unm\u00f6glich aus einer heterogenen G\u00fcterwelt hervorgehen. Sie muss so aufgefasst werden, als habe sie einen Ursprung, der mit den G\u00fctern nichts zu tun hat.<\/p>\n<p>Say bildete sich ein, dass der Geldcharakter unmittelbar aus der stofflichen Natur des Goldes entstehe, eine Fehlinterpretation, die Marx als \u201eMagie des Geldes\u201d, oder als \u201eGeldfetisch\u201d bezeichnete, der \u201enur das sichtbar gewordene, die Augen blendende R\u00e4tsel des Warenfetischs\u201d sei.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Zur L\u00f6sung des Geldr\u00e4tsels fehlt die verbindende Wert- und Geldtheorie.<\/p>\n<p>Keynes und die Monet\u00e4rkeynesianer setzen der G\u00fcterwelt ein Geld gegen\u00fcber, dessen Ursprung nicht weniger mysteri\u00f6s ist. Es soll nicht aus den Eingeweiden der Erde herauskommen, sondern stattdessen aus den Gelddruckmaschinen der Notenbanken. Der Staat soll die Macht besitzen, Papierzetteln durch seinen Stempel in Geld zu verwandeln.<\/p>\n<p>Die Frage, wie ein solcher Stempel den Papierzetteln die Geldeigenschaft stiften kann, die darin besteht, sich gegen jede andere Ware auszutauschen, ist auf diese Weise nicht zu beantworten. Statt die Voraussetzungen des Geldes zu kl\u00e4ren, setzt der Monet\u00e4rkeynesianismus die Bestimmungen des Geldes als gegeben voraus. Geld wird zu einer technischen Angelegenheit.<\/p>\n<p>Das hier ungel\u00f6st gebliebene Geldr\u00e4tsel l\u00e4sst zugleich die Frage offen, durch welchen \u00f6konomischen Prozess die heterogene G\u00fcterwelt gleichnamig gemacht wird. Wodurch verwandeln sich G\u00fcter in Waren? F\u00fcr Monet\u00e4rkeynesianer wie f\u00fcr Neoklassiker entsteht die gemeinsame Qualit\u00e4t der Ware durch das Geld, das den Waren ihren Wert stiften soll. Anders ausgedr\u00fcckt: Erst das Geld verwandelt die heterogenen G\u00fcter in Waren. Hansj\u00f6rg Herr, ein Monet\u00e4rkeynesianer, bringt diese mysteri\u00f6se Funktion des Geldes auf den Punkt, wenn er schreibt:<\/p>\n<p>Geld auf Warenm\u00e4rkten ist als Wertstandard von zentraler Bedeutung, \u201eweil es die verschiedenen Arten des stofflichen Reichtums einer Gesellschaft erst vergleichbar(!) macht\u2026Geld als Wertstandard erzeugt(!) erst die (Be-)Rechenbarkeit \u00f6konomischer Prozesse.\u201d<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a> Im Lehrbuch wird sp\u00e4ter zu dieser \u201eGeldfunktion Wertstandard\u201d folgendes vermerkt: \u201eGeld als Wertstandard(!) ist grunds\u00e4tzlich eine Nicht-Ware und wird der G\u00fcterwelt von au\u00dfen(!) vorausgesetzt\u201d.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a><\/p>\n<p>Offenkundig ist, dass die Waren im Preis eine gemeinsame Qualit\u00e4t haben, die sie als G\u00fcter nicht besitzen w\u00fcrden. Dass staatlich gedruckte Papierzettel daf\u00fcr die Ursache sein sollen, ist \u00fcberhaupt nicht einsehbar. Wie sollte eine solche \u201eNicht-Ware\u201d heterogene G\u00fcter in gleichnamige Waren verwandeln? Dieser Umwandlungsprozess bleibt ein unergr\u00fcndliches Geheimnis, das ohne Kl\u00e4rung des inneren Zusammenhangs von Waren und Geld, also ohne Werttheorie und der daraus hervorgehenden Frage nach der Notwendigkeit des Geldes nicht gel\u00fcftet werden kann.<\/p>\n<p>Halten wir fest: Wenn Geld die Kraft besitzt, G\u00fcter in Waren zu verwandeln und auf diese Weise deren Wert stiftet, dann dominiert es die Ware.<\/p>\n<p><strong>Zur Bedeutung von Silvio Gesell<\/strong><\/p>\n<p>Die These von der Herrschaft des Geldes \u00fcber die Ware ist keineswegs eine monet\u00e4r-keynesianische Erfindung. Keynes verweist in seinem bekannten Werk \u201eAllgemeine Theorie der Besch\u00e4ftigung, des Zinses und des Geldes\u201d (1936) auf den \u201ezu Unrecht \u00fcbersehenen Propheten Silvio Gesell (1862 &#8211; 1930)\u201d, dessen Werk \u201eEinf\u00e4lle tiefer Einsicht enth\u00e4lt\u201d.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat Gesell das Dominanzverh\u00e4ltnis von Geld und Ware in grunds\u00e4tzlich gleicher Weise bestimmt wie Keynes, was zu dem Vorwurf f\u00fchrte, Keynes habe die Geld-, Zins- und Kapitaltheorie Gesells plagiiert<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a>. Da die monet\u00e4r-keynesianische Dominanzthese &#8211; wie noch gezeigt wird &#8211; auch auf den n\u00e4chsten zwei Argumentationsstufen eine gro\u00dfe strukturelle \u00c4hnlichkeit mit der Argumentation von Gesell besitzt, l\u00e4sst sie sich als gesellianisch-keynesianisch charakterisieren.<\/p>\n<p>Die Vorstellung von der Herrschaft des Geldes \u00fcber die Ware hat die marxistisch ausgelegten FMK-Theorien stark gepr\u00e4gt. Unter ihrem Einfluss wurde die Werttheorie, das Herzst\u00fcck der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie, in eine \u201emonet\u00e4re Werttheorie\u201d umgem\u00fcnzt. Ein bedeutender Vertreter ist Michael Heinrich.<\/p>\n<p><strong>Der Beitrag der monet<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ren Wertlehre zur Dominanzthese <\/strong><\/p>\n<p>Monet\u00e4r nennt sich diese Wertlehre deshalb, weil hier das Geld eine die Werte schaffende Kraft besitzen soll. Allerdings hat Heinrich den auffallend engen Bezug seiner Wertlehre zum Monet\u00e4rkeynesianismus nicht thematisiert. Stattdessen versucht er den Eindruck zu erwecken, seine Wertlehre sei Resultat einer \u201eneuen Marxlekt\u00fcre\u201d, die zur Beseitigung von Fehlern und Inkonsistenzen gef\u00fchrt habe, die Marx wegen des nicht immer gelungenen \u201eBruchs mit dem theoretischen Feld der klassischen politischen \u00d6konomie\u201d unterlaufen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wie an anderer Stelle n\u00e4her ausgef\u00fchrt, l\u00e4uft Heinrichs monet\u00e4re Wertlehre auf \u201edie v\u00f6llige Aufl\u00f6sung der Marxschen Werttheorie unter dem Schein ihrer konsequenten Ausf\u00fchrung\u201d hinaus<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a>. Er betreibt eine \u201eKeynesianisierung der Marxschen Theorie\u201d<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a>, mit der Konsequenz, dass sich die uminterpretierten Geld- und Wertkategorien f\u00fcr die in der FMK-Theorie enthaltene Dominanzthese verwerten lassen.<\/p>\n<p>Die zentrale Vorstellung des Monet\u00e4rkeynesianismus, dass Geld v\u00f6llig ohne Geldware auskommen w\u00fcrde, dass es heutzutage reines Zeichengeld der Zentralbank also eine Nicht-Ware sei und der G\u00fcterwelt \u00e4u\u00dferlich gegen\u00fcberstehe, ist in der monet\u00e4ren Wertlehre ebenso fest verankert wie die Auffassung, dass die G\u00fcter ihre Werte und damit ihren Warencharakter erst im Austausch durch den Bezug auf Geld erhalten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>In der monet\u00e4ren Wertlehre gehen die produzierten Dinge in den Austausch, ohne dass sie Werte besitzen. Sie sind nur stofflich verschieden.<\/p>\n<p>\u201eGebrauchswerte werden also erst(!) innerhalb und durch(!) den Austausch zu Waren\u201d, schreibt Heinrich und er stellt immer wieder den Punkt heraus, \u201edass die Produkte ihre Wertgegenst\u00e4ndlichkeit erst im Austausch(!) erhalten, vor dem Austausch also noch gar keine(!) Waren sind\u201d.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a> Der Wert existiert nur \u201eals Bezug der Ware auf Geld\u201d, hei\u00dft es sp\u00e4ter. \u201eNur indem die Waren auf Geld bezogen werden, kann sich ein koh\u00e4renter gesellschaftlicher Zusammenhang zwischen den verschiedenen Privatarbeiten herstellen\u201d.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a><\/p>\n<p>Konsequent ist es, wenn Heinrich im Gegensatz zur Marxschen Wertbestimmung nicht mehr in der Arbeitszeit das Gr\u00f6\u00dfenma\u00df des Werts sieht, sondern im Geld<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a>, denn schlie\u00dflich soll es f\u00fcr die Wertbildung zust\u00e4ndig sein.<\/p>\n<p>Heinrich sagt &#8211; gelegentlich verklausuliert: G\u00fcter werden durch das Geld kommensurabel gemacht, indem es den Wert stiftet. Das ist die gleiche Auskunft \u00fcber die zentrale Funktion des Geldes, die\u00a0 Hansj\u00f6rg Herr gegeben hat. Diese Vorstellung vom Geld ist tief verwurzelt in der b\u00fcrgerlichen Theorie. Beide sind in diesem theoretischen Feld stecken geblieben. Beide ignorieren den theoretischen Inhalt der wissenschaftlichen Revolution von Marx.<\/p>\n<p>Marx hat das direkte Gegenteil geschrieben:<\/p>\n<p>\u201eDie Waren werden nicht durch das Geld kommensurabel. Umgekehrt. Weil alle Waren als Werte vergegenst\u00e4ndlichte menschliche Arbeit, daher an und f\u00fcr sich kommensurabel sind, k\u00f6nnen sie ihre Werte gemeinschaftlich in derselben spezifischen Ware messen und diese dadurch in ihr gemeinsames Wertma\u00df oder Geld verwandeln\u201d.<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[xxi]<\/a><\/p>\n<p>Hier ist das Geld \u00e4u\u00dferes Ma\u00df der in den Waren schon existierenden Werte, nicht der Sch\u00f6pfer der Werte. Es misst, was in der Ware vorhanden ist. Es dominiert nicht die Ware. Vielmehr ist Geld eine Konsequenz der Ware.<\/p>\n<p>Heinrichs monet\u00e4re Wertlehre wiederholt einerseits das \u201ekindische Geschw\u00e4tz eines Say\u201d, worin das \u201eWesen der Ware und der in ihr liegende Widerspruch unterdr\u00fcckt\u201d (Marx) wird, andererseits wird Say\u2018s vulg\u00e4r\u00f6konomische Botschaft monet\u00e4r-keynesianisch durch die These von der Dominanz des Geldes korrigiert.<\/p>\n<p>Die monet\u00e4re Wertlehre stellt die Marxschen Werttheorie auf den Kopf. Sie dementiert wesentliche Zusammenh\u00e4nge und ist keineswegs deren Rekonstruktion. Dass sie in der mehr marxistisch ausgelegten FMK-Theorie weit verbreitet ist, beweist nur, dass die Verwendung Marxscher Formulierungsweisen missbraucht wird, um gegenteilige b\u00fcrgerliche Inhalte zu mystifizieren. Man segelt unter falscher Flagge.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Herrschaft des Geldes <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ber die Verwertung des Kapitals<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Magie des Geldes, G\u00fcter in Waren zu verzaubern und zu dominieren, wird auf der zweiten Argumentationsstufe um Kapitaleigenschaften erweitert, die gleichfalls im Geld stecken sollen und die Kraft zu besitzen scheinen, ihren Verwertungszwang in die \u201eReal\u00f6konomie\u201d hineinzutragen. In der FMK-Theorie wird ein solches Dominanzverh\u00e4ltnis h\u00e4ufig in der Weise vorgebracht, dass die Finanzmarktakteure in der Lage sein sollen, ihre Renditebed\u00fcrfnisse der Wirtschaft aufzuzwingen. Da ihre Renditebed\u00fcrfnisse auf Zinseinnahmen (einschlie\u00dflich Dividenden) und Kursgewinne abzielen, erh\u00e4lt der Zins eine zentrale Bedeutung f\u00fcr die Verwertung des Kapitals, nicht nur im Finanzsektor sondern auch in Industrie und Handel.<\/p>\n<p>Diese in der heutigen FMK-Theorie enthaltene Dominanzbeziehung von Zins und Profit hat Gesell vor mehr als 100 Jahren formuliert und zu begr\u00fcnden versucht. Meist wird ausgeblendet, dass Keynes selbst und vor allem die Monet\u00e4rkeynesianer seine Dominanz-These \u00fcbernommen haben.<\/p>\n<p><strong>Geld, Geldzins und Profit in der Theorie Gesells<\/strong><\/p>\n<p>Gesell erkl\u00e4rt den Zins direkt aus der Herrschaft des Geldes \u00fcber die Ware. Den Grund f\u00fcr die \u00dcberlegenheit des herk\u00f6mmlichen Geldes sieht er in der M\u00f6glichkeit des Geldbesitzers, den Kauf von Ware zu verweigern. Geld verderbe nicht, es roste nicht und schaffe Sicherheit. Es unterliege keinem Verkaufszwang. Der Besitzer des Geldes, so Gesells Konsequenz, \u201ekann also die Nachfrage nach Waren hinausschieben; er kann seinen Willen geltend machen\u201d.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a><\/p>\n<p>Solche Entscheidungsspielr\u00e4ume bes\u00e4\u00dfen gerade nicht die Warenanbieter, denn Waren w\u00fcrden verderben, veralten, erforderten besondere Lagerkosten etc.<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[xxiii]<\/a> Sie erzwingen den Verkauf:<\/p>\n<p>\u201eDie Eigent\u00fcmer erhalten von der Ware den Befehl, sie zu Markte zu f\u00fchren \u2026 Das Angebot der Ware geht also von der Ware aus, nicht vom Eigent\u00fcmer\u201d. \u201eFolglich\u201d, so Gesell, \u201ewird die Nachfrage der Regel nach eine Sonderleistung zu fordern imstande sein f\u00fcr das Vorrecht, vom Markt fernbleiben zu k\u00f6nnen.\u201d<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[xxiv]<\/a><\/p>\n<p>Ein solcher Geldzins werde \u201evon den Waren, also unmittelbar aus dem Kreislauf von Ware und Geld erhoben\u201d.<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[xxv]<\/a> Ein Austausch von \u00c4quivalenten kann deshalb nicht stattfinden, wie Gesell hervorhebt.<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[xxvi]<\/a><\/p>\n<p>Halten wir fest. Der Geldbesitzer verf\u00fcgt \u00fcber Handlungsspielr\u00e4ume. Sein Geld kn\u00f6pft der Ware eine Abgabe ab. Diese Abgabe ist der Zins. Das Geld ist kein einfaches Tauschmittel, es ist in dieser Funktion zugleich zinsaneignendes \u201eGeldkapital\u201d.<\/p>\n<p>Gesell geht noch einen Schritt weiter, wenn er meint, Geld sei das einzige originelle Kapital, das \u00fcberhaupt existiert. Er bezeichnet diesen Kapitalcharakter des Geldes deshalb auch als \u201edas Urkapital\u201d und den Geldzins als \u201eden Urzins\u201d. Im Unterschied dazu sollen Produktionsmittel und ganze Industrieunternehmen an sich kein Kapital sein.<\/p>\n<p>W\u00e4ren solche Waren ebenfalls Kapital, k\u00f6nnte sich das Geld der Ware gegen\u00fcber nicht \u201eals Kapital aufspielen\u201d<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[xxvii]<\/a>. Wenn Fabriken, Schiffe, H\u00e4user etc. einen Kapitalcharakter erhalten, dann nur deshalb, weil sie \u201evom Geld (!) in den Adel-, in den Kapitalstand erhoben worden (sind).\u201d<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[xxviii]<\/a><\/p>\n<p>Die Verwandlung von Fabriken in industrielles Kapital oder Realkapital geschieht durch das Geld. Das Geld verhindere den Bau von Fabriken solange, bis Fabriken knapp genug w\u00e4ren, dass sie Profite abwerfen. L\u00e4ge der Profit, der auch als \u201eZins f\u00fcr Sachg\u00fcter\u201d bezeichnet wird, \u00fcber dem Geldzins, w\u00fcrde die Baut\u00e4tigkeit zunehmen und der abnehmende Mangel an H\u00e4usern, Schiffen, Fabriken etc. w\u00fcrde schlie\u00dflich zu einem Profitr\u00fcckgang f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u201eAlso mu\u00df es gesetzm\u00e4\u00dfig dahin kommen\u201d, schreibt Gesell, \u201edass die H\u00e4user, Schiffe, Fabriken, kurz, das gesamte sogenannte Realkapital den gleichen Zins eintr\u00e4gt, den das Geld dem Warenaustausch als Urzins aufb\u00fcrden kann\u201d.<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[xxix]<\/a><\/p>\n<p>Den Kennern des Monet\u00e4rkeynesianismus wird aufgefallen sein, dass die von Gesell vorgebrachte Dominanzkette von Geld, Zins und Profit zum Kernbestandteil monet\u00e4r-keynesianischer Theoriebildung geh\u00f6rt, die sich auf Keynes \u201eAllgemeiner Theorie\u201d berufen kann. Wenige Hinweise sollen gen\u00fcgen, um diese These zu belegen.<\/p>\n<p><strong>Gesells Dominanzthese in der monet<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>r-keynesianischen Anschauungswelt<\/strong><\/p>\n<p>Hajo Riese, ein prominenter Monet\u00e4rkeynesianer, verbindet in Anlehnung an Keynes das Geld mit der Eigenschaft, dem Geldbesitzer eine Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie zu stiften, die als \u201enichtpekuni\u00e4rer Ertrag der Geldhaltung\u201d<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[xxx]<\/a> definiert wird und das Geld gegen\u00fcber den Waren privilegiert, die meist keine Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie abwerfen w\u00fcrden. Dieser Vorzug des Geldes f\u00fchre dazu, dass Geldbesitzer ihr Geld solange zur\u00fcckhielten, bis sie einen Zins bek\u00e4men, der im Vergleich zur Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie hoch genug sei, um das Geld anderen als Kredit zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>\u201eKapital ist deshalb eine Form der Aufgabe von Liquidit\u00e4t, weil der Verm\u00f6gensbesitzer (als Gl\u00e4ubiger) dem Unternehmer (als Schuldner) Geld zum Kauf von Produktionsmitteln bereitstellen (\u201avorschie\u00dfen\u2018) mu\u00df. Kapital repr\u00e4sentiert aus diesem Grund stets einen Produktionsmittelwert\u201d. Erst diese Aufgabe von Liquidit\u00e4t f\u00fchre zur Nachfrage von Waren und damit zum Tausch.<\/p>\n<p>Das Geld beherrscht den Warenaustausch und schafft damit zugleich Schranken f\u00fcr die Bereitstellung von Fabriken, Bergwerken, Schiffen etc.<\/p>\n<p>\u201eErst das Knapphalten von Produktionsprozessen\u201d, schreibt Riese weiter, \u201el\u00e4\u00dft den Profit entstehen: Kapital wird deshalb knappgehalten, damit sich diejenigen G\u00fcterpreise bilden k\u00f6nnen, die die Erzielung eines Profits erlauben\u201d.<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\">[xxxi]<\/a><\/p>\n<p>Alle wichtigen Punkte sind der Theorie Gesells entnommen:<\/p>\n<p>o\u00a0\u00a0 <strong>Erstens<\/strong> soll Geld gegen\u00fcber der Ware privilegiert sein.<\/p>\n<p>o\u00a0\u00a0 <strong>Zweitens<\/strong> besitzt der Geldbesitzer dank des Geldprivilegs die Entscheidungsfreiheit, Geld zum Kauf von Waren zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>o\u00a0\u00a0 <strong>Drittens<\/strong> h\u00e4lt der Geldbesitzer das Geld solange zur\u00fcck, bis der gew\u00fcnschte Zins erzielt wird.<\/p>\n<p>o\u00a0\u00a0 <strong>Viertens <\/strong>stiftet diese Bereitstellung von Geld (Aufgabe von Liquidit\u00e4t) der Wirtschaft ihren Kapitalcharakter.<\/p>\n<p>o\u00a0\u00a0 <strong>F\u00fcnftens <\/strong>schafft der Zins durch Verknappung und entsprechende Preisreaktion den Profit und<\/p>\n<p>o\u00a0\u00a0 <strong>sechstens<\/strong> steuert die Zinsrate die Profitraten in der gesamten Wirtschaft.<\/p>\n<p>Das gesellschaftliche Verh\u00e4ltnis, das verschl\u00fcsselt als ein Ding in Gestalt des Geldes erscheint, wird nicht nur nicht in dieser dinglichen Gestalt erkannt, es wird umgekehrt aus dem Geld selbst hervorgezaubert. Einem solchen Geld wird nicht nur die Eigenschaft der allgemeinen Austauschbarkeit zugeordnet, sondern es soll aus sich selbst heraus Ertr\u00e4ge hervorbringen, die zun\u00e4chst in Gestalt der Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie, nach Aufgabe der Liquidit\u00e4t in Gestalt von Zins anfallen. Geld- und Kapitalfunktionen sind ineinander verschmolzen, als w\u00e4ren beide eine Eigenschaft der Banknote. Statt sie zu erkl\u00e4ren, werden sie im Geld als Kaufmittel (Riese: \u201eGeld zum Kauf von Produktionsmitteln\u201d), als \u201eLiquidit\u00e4tspr\u00e4mie\u201d, als dadurch entstehender Zins, der durch \u201eKnapphalten von Produktionsprozessen den Profit entstehen (l\u00e4\u00dft)\u201d unterstellt und dazu in der absurden Form, als entst\u00fcnden sie durch die Wunderkraft der Notenbanken.<\/p>\n<p>Gesell und Riese meinen, dass Zins und Profit aus \u00c4nderungen von Preisrelationen hervorgehen w\u00fcrden. Aber wie sollen innerhalb der Schranken des Warenaustauschs solche \u00dcbersch\u00fcsse entstehen, wo Verk\u00e4ufer zugleich K\u00e4ufer und K\u00e4ufer auch Verk\u00e4ufer sind?<\/p>\n<p>Was der Warenk\u00e4ufer als Geldbesitzer gewinnt, verliert er gleich wieder als Warenbesitzer. Es ist unm\u00f6glich, aus einem solchen Null-Summen-Spiel Zins und Profit zu erkl\u00e4ren. Die Summe der zirkulierenden Werte bleibt gleich, wie auch immer die Verteilung sein mag. Werte kann die Zirkulation nicht schaffen, gleichg\u00fcltig, ob \u00c4quivalente oder Nicht-\u00c4quivalente getauscht werden.<a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\">[xxxii]<\/a><\/p>\n<p><strong>Die monet<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>r-keynesianische Methodenlehre als Bestandteil der FMK-Theorie<\/strong><\/p>\n<p>Die von Gesell herausgestellte Entscheidungsfreiheit des Geldbesitzers, der gerade nicht unter Verkaufszwang steht, sondern abwarten kann und deshalb den Zins bekommen soll, hat Riese &#8211; ohne Gesells Beitrag zu erw\u00e4hnen &#8211; zu einer eigenen methodologischen Positionierung verleitet. Der klassischen und der von ihr gepr\u00e4gten Marxschen \u00f6konomischen Theorie wirft er vor, \u201emethodisch antiquiert\u201d zu sein, da eine \u201eentscheidungstheoretische Fundierung von Marktprozessen\u201d fehle.<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\">[xxxiii]<\/a> Dieser methodische Irrweg sei verantwortlich f\u00fcr die Stagnation der an Marx ausgerichteten Diskussion.<\/p>\n<p>\u201eDer Marxismus, die methodischen Defizite der klassischen \u00d6konomie mit sich schleppend, wurde (oder blieb) eine ephemere Erscheinung der Wissenschaftsgeschichte\u201d.<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\">[xxxiv]<\/a><\/p>\n<p>Inhaltlich l\u00e4uft dieser Vorwurf auf die These hinaus, Marx habe die Anschauung von der Sonderstellung des Geldes im Tauschprozess nicht geteilt, da er stattdessen das Geld aus der Ware und die Geldzirkulation aus der Warenzirkulation ableitet. Rieses Methodenkritik ist ihrem Kern nach eine Geldkritik &#8211; von einem vulg\u00e4r\u00f6konomischen Standpunkt aus vorgebracht.<\/p>\n<p>Die von Riese eingeforderte \u201eEntscheidungstheorie\u201d ben\u00f6tigt nicht mehr die Analyse des \u00f6konomischen Zusammenhangs, die Kl\u00e4rung der inneren Verbindungen von Ware, Geld und Kapital. Ihr gen\u00fcgt es, die Gr\u00f6\u00dfen, \u00fcber die der Geldbesitzer entscheidet, in ihrer Trennung und Gegen\u00fcberstellung zu belassen und sie nur \u00e4u\u00dferlich-funktional aufeinander zu beziehen. Dieser Funktionalismus blendet den besonderen historischen Charakter \u00f6konomischer Gr\u00f6\u00dfen und damit zugleich deren spezifisch-kapitalistische Formbestimmungen aus. Solch eine apologetische Sichtweise b\u00fcrgerlicher Verh\u00e4ltnisse ist zu einem wesentlichen Merkmal der gesamten FMK-Theorie geworden.<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\">[xxxv]<\/a><\/p>\n<p>Die von Riese als notwendig geforderte \u00f6konomische Entscheidungstheorie hat nur mikro\u00f6konomische Bedeutung, um das Verhalten einzelner Marktakteure in der Konkurrenz plausibel zu machen; sie besitzt aber gerade keine Relevanz f\u00fcr makro\u00f6konomische Marktprozesse. Denn vom gesamtwirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet besitzt der Finanzsektor einen anderen Charakter. Die Entscheidungstheorie wird bedeutungslos, da die Summe der Wertpapiere in den Depots &#8211; von Neuemissionen bzw. R\u00fccknahmen abgesehen &#8211; stets unver\u00e4ndert bleibt. Die Frage ist v\u00f6llig nebens\u00e4chlich, wer Wertpapiere kauft oder verkauft, wer mehr Geld halten m\u00f6chte, weil seine Liquidit\u00e4tspr\u00e4ferenz oder seine Angst vor Kursverlusten gestiegen ist.<\/p>\n<p>Ferner unterstellt Rieses Entscheidungstheorie einen Finanzinvestor, der nicht unter dem Verwertungszwang seines Leikapitals steht und deshalb das Kreditgesch\u00e4ft beliebig aufschieben kann, bis sich die f\u00fcr ihn g\u00fcnstigen Zinsen einstellen. Das ist eine v\u00f6llig naive Sichtweise, die kapitalistische Verwertungsverh\u00e4ltnisse gerade ausklammert.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist der Finanzinvestor von seiner spezifisch \u00f6konomischen Bestimmung her nichts anderes als der subjektive Tr\u00e4ger des von ihm ausleihbaren Geldes. Der Verwertungszwang seines Leihkapitals treibt ihn in das Kreditgesch\u00e4ft. Umgekehrt erh\u00e4lt der fungierende Kapitalist, sofern er kreditw\u00fcrdig ist, zu den \u00fcblichen Marktkonditionen den Kredit, den er haben m\u00f6chte, gleichg\u00fcltig wie der einzelne Kreditgeber handlungstheoretisch positioniert sein mag.<\/p>\n<p>Man sieht also: Das von Riese vorgebrachte Entscheidungskalk\u00fcl einzelner Marktakteure erweist sich in der Konkurrenz der Kapitale, wo in Gestalt von Angebot und Nachfrage Massenverh\u00e4ltnisse aufeinander wirken, als irrelevant. Die Wirtschaftsdynamik wird durch solche Handlungskalk\u00fcle, die der Willk\u00fcr des Einzelnen unterliegen, gerade nicht bestimmt.<\/p>\n<p>Trotz solcher struktureller Begrenzungen wird das Entscheidungskalk\u00fcl in der FMK-Theorie zur Erkl\u00e4rung der Akkumulationsdynamik verwendet, vor allem wenn es um die Frage geht, ob ein Finanzinvestor Wertpapiere kaufen und Kredite vergeben sollte, um durch Kreditvergabe Investitionen zu initiieren oder ob er Geld besser zur\u00fcckhalten sollte.<\/p>\n<p><strong>Riese und Heinrich<\/strong><\/p>\n<p>Rieses Methodendiskussion weist interessante Parallelen zur neuen Marxlekt\u00fcre auf: Beide beanstanden, dass Marx irgendwie noch im Diskurs klassischer Theoriebildung steckengeblieben sei. Die Differenz zwischen beiden besteht darin, wieviel Marx vom klassischen Denken \u00fcbernommen habe. Riese verwirft die Marxsche Theorie, weil sie vollst\u00e4ndig auf dem theoretischen Feld der Klassik operiere. Seine Kritik f\u00e4llt deshalb radikal aus. Er zerrei\u00dft das Tuch zur linksorientierten Debatte.<\/p>\n<p>Das macht Heinrich gerade nicht: Sein Operationsfeld ist die marxistisch orientierte Debatte. Mit der Klassik, beruhigt er die \u201eMarxisten\u201d, sei es gar nicht so schlimm bei Marx bestellt. Dessen Argumentation trage lediglich einen \u201eambivalenten Charakter\u201d. Sie enthalte nicht nur \u00e4rgerliche \u201e\u00dcberbleibsel des klassischen Diskurses\u201d, sondern bereits schon gen\u00fcgend Elemente einer neuen wissenschaftlichen Diskussion. Mein Anliegen mit der monet\u00e4ren Werttheorie, so beruhigt Heinrich weiter, besteht in einer Beseitigung der Fehler, die Marx gemacht habe. Wie man sehen konnte, l\u00e4uft diese Korrektur auf eine Verabschiedung der Werttheorie und deren Reformulierung auf monet\u00e4rkeynesianischer Grundlage hinaus. Was Riese und Heinrich vereint ist die Abkehr von der Arbeitswerttheorie, also auch die Abkehr von einer Wissenschaft, die die Mehrwertproduktion beweist.<\/p>\n<p><strong>Das Verh<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ltnis von Tausch und Kredit im Monet<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rkeynesianismus <\/strong><\/p>\n<p>Riese identifiziert den Geldkredit mit dem Geldumlauf, d. h. das Kreditbed\u00fcrfnis mit dem Bed\u00fcrfnis der Geldzirkulation wenn er schreibt:<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr die Geld\u00f6konomie ergibt sich der Tausch aus dem Kredit, f\u00fcr die Tausch\u00f6konomie ergibt sich der Kredit aus dem Tausch\u201d.<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\">[xxxvi]<\/a><\/p>\n<p>Diese kreditbezogene Anschauungsweise ignoriert zentrale \u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge.<\/p>\n<p>Der Geldkredit ist lediglich in besonderen \u00f6konomischen Situationen ein notwendiger Ausgangspunkt von Tauschprozessen, wenn ein bestehendes Unternehmen Pleite zu gehen droht oder wenn ein Unternehmen gegr\u00fcndet wird. In beiden F\u00e4llen kann der Unternehmer erst dann seine Produktionsvoraussetzungen oder seine Handelswaren kaufen, nachdem er die entsprechenden Kredite erhalten, sich also als funktionst\u00fcchtige Einheit konstituiert hat.<\/p>\n<p>Jedoch stehen Geldkredit- und Tauschverh\u00e4ltnisse in einem v\u00f6llig anderen Zusammenhang, sobald das Unternehmen fest etabliert ist. In diesem sich stets wiederholenden Reproduktionsprozess flie\u00dft Geld aus dem Verkauf der Waren zur\u00fcck, das f\u00fcr weitere K\u00e4ufe verf\u00fcgbar ist, ohne dass daf\u00fcr ein neuer Geldkredit in Anspruch genommen werden muss. Verkauf von Waren und der Kauf neuer Waren sind nacheinander und nebeneinander laufende Phasen im Kreislaufprozess des Warenkapitals.<\/p>\n<p>In der monet\u00e4r-keynesianischen Diskussion werden die verschiedenen Phasen des industriellen Kapitals auf den Kreislaufprozess des Geldkapitals, auf M &#8211; X \u2026(Produktion)\u2026X\u2018 &#8211; M\u2018 (M: Geld, X: Ware, X\u2018: Warenkapital) reduziert,<a href=\"#_edn37\" name=\"_ednref37\">[xxxvii]<\/a> als w\u00fcrden Kreislaufprozesse mit anderen Ausgangs- und Endpunkten gar nicht existieren. Jedoch relativiert sich die Bedeutung des Geldkapitals, sobald weitere Kreisl\u00e4ufe, der Kreislauf des produktiven Kapitals und des Warenkapitals hinzugenommen werden.<a href=\"#_edn38\" name=\"_ednref38\">[xxxviii]<\/a><\/p>\n<p>Die These der monet\u00e4r-keynesianischen \u201eVerpflichtungs\u00f6konomie\u201d (Riese), der Geldvorschuss \u201eM\u201d setze die Kreditaufnahme voraus, ignoriert die normal verlaufende Warenmetamorphose, worin das Geld &#8211; von \u00dcberproduktionskrisen abgesehen &#8211; eine fl\u00fcchtige Existenz besitzt.<\/p>\n<p>Dass diese Warenmetamorphose (X &#8211; M &#8211; X) nur eine Konsequenz des spezifisch-gesellschaftlichen Charakters der warenproduzierenden Arbeit ist, also aus der besonderen Form des Produzierens hervorgeht, wird nicht gesehen. Die Warenproduktion schlie\u00dft notwendig Verkauf der Waren, die f\u00fcr den Produzenten gerade keine Bed\u00fcrfnisse befrieden k\u00f6nnen, und Kauf von den ben\u00f6tigten Waren ein. Eine solche Warenmetamorphose ist \u00f6konomisch notwendig; daraus eine \u201eentscheidungstheoretische Fundierung von Marktprozessen\u201d (Riese) zu zimmern, verkennt die \u00f6konomischen Bedingungen und muss als \u201emethodisch antiquiert\u201d zur\u00fcckgewiesen werden.<\/p>\n<p>Festzuhalten ist: Die monet\u00e4r-keynesianische Identifizierung von Geldkredit und Geldumlauf, d. h. das absichtliche Zusammenwerfen der Kreditbed\u00fcrfnisse mit den Bed\u00fcrfnissen des Geldumlaufs ist eine falsche \u00f6konomische Bestimmung, die ma\u00dfgeblich zur Illusion beitr\u00e4gt, der Kreditgeber steuere \u00fcber die Geldzirkulation die Warenzirkulation.<\/p>\n<p>Die von Riese ins Spiel gebrachte These vom Geldkredit als Voraussetzung des Tausches verst\u00e4rkt die Bedeutung des Geldes und schafft den Eindruck, als st\u00fcnden die Finanzm\u00e4rkte im Zentrum des wirtschaftlichen Geschehens. Finanzinvestoren wie Banken, Fonds, Versicherungen erscheinen in dieser monet\u00e4r gepr\u00e4gten Vorstellungswelt als besondere Geldm\u00e4chte, als k\u00f6nnten sie durch ihre Kreditentscheidung den Akkumulationsprozess steuern. Das ist nicht nur eine zentrale These des Monet\u00e4rkeynesianismus, sie hat die gesamte FMK-Theorie gepr\u00e4gt und bildet hier die Kernthese.<\/p>\n<p><strong>Das gesellianisch-keynesianische Paradigma in der marxistisch orientierten Dominanzthese<\/strong><\/p>\n<p>Man hat gesehen, dass die These von der Dominanz des Finanzsektors vom gesellianisch-monet\u00e4rkeynesianischen Paradigma bestimmt wird. Marxsche Erkl\u00e4rungsweisen spielen darin keine eigenst\u00e4ndige Rolle. Sie erhalten Bedeutung nur insofern, als sie entsprechend uminterpretiert werden, also passend gemacht sind f\u00fcr einen gesellianisch-monet\u00e4rkeynesianischen Begr\u00fcndungszusammenhang. Resultat ist eine zur Marxschen Theorie direkt gegenl\u00e4ufige Waren- und Geldbestimmung. Was den Zusammenhang von Zins und Profit angeht, hat sich in der FMK-Theorie das gesellianisch-mont\u00e4rkeynesianische Paradigma ebenfalls durchgesetzt.<\/p>\n<p>Lucas Zeise, der sich selbst in der Tradition der \u201eTheorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus\u201d sieht, hat gelegentlich das Geld direkt mit dem Kapital gleichgesetzt und diese Verquickung von Geld- und Kapitalfunktion als notwendige \u201eKorrektur\u201d der Marxschen Theorie ausgewiesen. \u201eDass der Zins zum Wesen des Geldes geh\u00f6rt, war auch Marx\u2018 Auffassung\u201d, schreibt Zeise.<a href=\"#_edn39\" name=\"_ednref39\">[xxxix]<\/a> \u201eGeld ist Kredit, und weil der Kredit Zins tr\u00e4gt, zugleich fiktives Kapital\u201d.<a href=\"#_edn40\" name=\"_ednref40\">[xl]<\/a> Auch die \u201eAktie ist Geld\u201d<a href=\"#_edn41\" name=\"_ednref41\">[xli]<\/a>.<\/p>\n<p>Was hier als Beseitigung von M\u00e4ngeln der Marxschen Geldtheorie verk\u00fcndet wird, l\u00e4uft auf deren Substitution durch das gesellianisch-keynesianische Paradigma hinaus, mit der von Zeise auch ausgesprochenen Konsequenz, dass nicht das Kapital, sondern das Geld der \u201evertrackte Kern des Kapitalismus\u201d sei. Die Marxsche Theorie ist Nebensache geworden, ideologische Beigabe einer ihr direkt entgegenlaufenden Vorstellung.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu hat Marx Geld und zinstragendes Kapital voneinander unterschieden. Nicht das Geld schafft den Zins und dieser den Profit. Marx leitet umgekehrt den Zins aus dem Profit ab. Quelle des Profits ist nicht die vom Geldbesitzer erzeugte Knappheit von Investitionen, sondern die Produktion, die Verausgabung und Aneignung von Mehrarbeit.<\/p>\n<p>Diesen schroffen Gegensatz haben die an Marx orientierten FMK-Autoren ohne kl\u00e4rende Diskussion beiseitegeschoben. Mit der These, die Finanzinvestoren w\u00fcrden ihre Renditebed\u00fcrfnisse der Real\u00f6konomie aufzwingen,<a href=\"#_edn42\" name=\"_ednref42\">[xlii]<\/a> haben sie sich auf zweierlei Weise auf gesellianisch-keynesianisches Terrain begeben. Erstens \u00fcbernehmen sie die Vorstellung, dass die \u201eReal\u00f6konomie\u201d ihren Kapitalcharakter zumindest in gewisser Hinsicht vom Finanzsektor erh\u00e4lt. Zweitens ger\u00e4t der Profit des fungierenden Kapitals durch das vorherrschende Renditebed\u00fcrfnis der Finanzinvestoren in Abh\u00e4ngigkeit zum Zins. Beide Punkte h\u00e4ngen eng miteinander zusammen.<\/p>\n<p><strong>Wie der Kapitalcharakter in die Realwirtschaft gelangt<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zum ersten Punkt: Wenn FMK-Autoren sagen, die Akkumulation sei \u201efinanzmarktgetrieben\u201d, dann kommt die treibende Kraft, also der Stachel der Akkumulation nicht mehr aus der Produktion selbst, sondern wird extern vom Finanzmarkt bzw. durch die hier operierenden Finanzinvestoren hervorgerufen.<\/p>\n<p>Die Gegen\u00fcberstellung von Finanzsektor und \u201eRealwirtschaft\u201d mit dem Hinweis, dass der Finanzsektor dominant sei, dr\u00fcckt gleichfalls die Vorstellung aus, als w\u00e4re die eigentliche Produktion frei von Kapitalbestimmungen und als w\u00fcrden diese erst von au\u00dfen &#8211; etwa durch die Aufnahme von Krediten &#8211; hineingetragen.<\/p>\n<p>Die Finanzm\u00e4rkte und deren Akteure w\u00fcrden ihre Profitbed\u00fcrfnisse der Wirtschaft aufzwingen, schreibt Hickel und fordert: \u201eDie Produktionswirtschaft(!) braucht wieder Vorrang vor der Finanzwirtschaft.\u201d<a href=\"#_edn43\" name=\"_ednref43\">[xliii]<\/a> Im Memorandum von 2009, das u. a.\u00a0 von Hickel und Hufschmid ausgearbeitet wurde, wird die kapitalistische Produktion ebenfalls zur \u201eProduktionswirtschaft\u201d verkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>\u201eDie Herrschaft der Finanzm\u00e4rkte offenbart sich in der Vorgabe (!) von zu erzielenden Renditen gegen\u00fcber der Produktionswirtschaft (!). So ist der Anspruch auf eine Rendite von 25 Prozent nach Steuern nicht das Ergebnis einer seri\u00f6sen Unternehmenspolitik, sondern diese wird auf den Finanzm\u00e4rkten autorit\u00e4r vorgegeben. Diese katastrophalen Konsequenzen der \u00dcbertragung von Finanzmarktinteressen auf die Produktionswirtschaft (!) wird viel zu wenig thematisiert.\u201d<a href=\"#_edn44\" name=\"_ednref44\">[xliv]<\/a><\/p>\n<p>Mit ihrem Begriff \u201eProduktionswirtschaft\u201d blenden die Autoren den originell kapitalistischen Charakter der Produktion aus. Sie thematisieren deshalb auch die Renditeziele als externe Vorgaben der Finanzm\u00e4rkte. In dieser Konstruktion spiegelt sich die Dichotomie von \u201eRealwirtschaft\u201d und Finanzwirtschaft, darin eingeschlossen die von Produkt und Geld. Alle Kapitalbestimmungen scheinen sich im Finanzsektor zu konzentrieren, der dann seinen Kapitalcharakter der Produktionswirtschaft aufzwingen soll. Die Vorstellung vom Geld als \u201eUrkapital\u201d (Gesell) oder vom Kapital als \u201eeine Form der Aufgabe von Liquidit\u00e4t\u201d (Riese) ist hier das bestimmende Paradigma.<\/p>\n<p><strong>Steuerung des Profits durch den Zins<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Punkt, die monet\u00e4r-keynesianische Profitbestimmung als Konsequenz einer zinsbedingten Kapitalverknappung, wird in der mehr marxistisch ausgelegten Dominanzthese in verklausulierter Weise unter anderem mit der \u201eExit-Option\u201d in Verbindung gebracht: Finanzinvestoren w\u00fcrden Renditeziele f\u00fcr Unternehmen aufstellen und k\u00f6nnten sich, wie z. B. Huffschmid schreibt, bei Nichteinhaltung<\/p>\n<p>\u201edurch Verkauf ihrer Anteile jederzeit aus dem Unternehmen zur\u00fcckziehen, und diese Exit-Option verschafft ihnen Druckpotential\u201d.<a href=\"#_edn45\" name=\"_ednref45\">[xlv]<\/a><\/p>\n<p>Mit R\u00fcckzug wird assoziiert, dass Unternehmen neue Kredite verweigert oder alte Kredite zur\u00fcckgefordert werden, also Verknappung von Kapital. Eine solche \u201eExit-Option\u201d soll solche Profitraten bzw. \u201eRenditeziele\u201d erzwingen, die Finanzinvestoren f\u00fcr Unternehmen aufgestellt hatten.<\/p>\n<p>Die N\u00e4he zum monet\u00e4r-keynesianischen Ableitungsmuster ist offensichtlich: Die Finanzinvestoren, die ihr Kapital als zinstragendes Kapital verwerten, bestimmen die Profitraten oder anders gesagt: Der Zins, den die Finanzinvestoren haben wollen, bestimmt den Profit.<\/p>\n<p>Michael Wendl hat diesen Zusammenhang als den \u201eharten Kern der These von der finanzgetriebenen Akkumulation\u201d bezeichnet und zurecht kritisch darauf hingewiesen, dass Huffschmid mit dieser These<\/p>\n<p>\u201efaktisch die Sicht des monet\u00e4r-keynesianischen Paradigmas (\u00fcbernimmt), dass der Geldverm\u00f6genszins den G\u00fctermarktzins, also den Profit steuert\u201d.<a href=\"#_edn46\" name=\"_ednref46\">[xlvi]<\/a><\/p>\n<p><strong>III. Hierarchie der M<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rkte oder wie der Finanzsektor die Industrie beherrscht<\/strong><\/p>\n<p>Die Herrschaft von Geld und Zins m\u00fcndet schlie\u00dflich in der gesamtwirtschaftlich ausgerichteten These von der Hierarchie der M\u00e4rkte, die als die dritte Dimension der Dominanzbeziehung bezeichnet worden ist: \u00a0Industrie und Handel, d. h. alle fungierenden Kapitale sollen vom Finanzsektor beherrscht werden.<\/p>\n<p>In Gesells Theorie ist es der Geldbesitzer, der durch seine Bereitschaft, Geld f\u00fcr die Nachfrage von Waren zur Verf\u00fcgung zu stellen, die Akkumulationsdynamik der Wirtschaft lenkt. Die monet\u00e4r-keynesianische Betonung des Gl\u00e4ubiger-Schuldner-Verh\u00e4ltnisses enth\u00e4lt die gleiche Dominanzbeziehung: Der Geldbesitzer &#8211; hier mehr als Kreditgeber gefasst &#8211; stellt dem Unternehmer (der einseitig als Schuldner auftritt) Geld zum Kauf von Produktionsmitteln bereit und steuert \u00fcber den Kreditmarkt die Wirtschaft. In der FMK-Debatte wird diese Dominanzbeziehung des \u201eVerm\u00f6gens- oder Kreditmarkts \u00fcber den G\u00fctermarkt\u201d als \u201eHierarchie der M\u00e4rkte\u201d bezeichnet.<a href=\"#_edn47\" name=\"_ednref47\">[xlvii]<\/a><\/p>\n<p>In dieser Hierarchie-Konstellation sind ein G\u00fctermarkt unterstellt, der keine eigene Kapitalbestimmung &#8211; noch nicht einmal die Bestimmung als Ware &#8211; besitzt und ein ihm \u00fcbergeordneter \u201eVerm\u00f6gens- oder Kreditmarkt\u201d, der kraft seiner Kapitalbestimmungen den G\u00fctermarkt steuert. Man wird sofort an Gesells These erinnert, dass Fabriken und andere Produktionsmittel schon deshalb kein Kapital sein k\u00f6nnten, weil sich ansonsten das Geld der Ware gegen\u00fcber nicht \u201eals Kapital aufspielen\u201d k\u00f6nnte. Fabriken etc. erhielten einen Kapitalcharakter nur deshalb, weil sie vom Geld \u201ein den Kapitalstand\u201d erhoben w\u00fcrden. Exakt diese Denkstruktur ist im Begriff \u201eHierarchie der M\u00e4rkte\u201d enthalten. Marxistisch orientierte FMK-Autoren konnten diesen Begriff nur deshalb akzeptieren, weil sie die Marxsche Theorie entsprechend umformuliert, d. h. keynesianisiert hatten.<\/p>\n<p>Befragen wir zwei an der Marxschen Theorie orientierte Autoren, wie sie die Steuerungsfunktion des Verm\u00f6gensmarktes begr\u00fcnden.<\/p>\n<p><strong>\u201e<\/strong><strong>Hierarchie der M<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rkte<\/strong><strong>\u201d<\/strong><strong> in der Version von Michael Heinrich<\/strong><\/p>\n<p>Es ist das Kredit- und Bankensystem, schreibt Heinrich in Fortsetzung seiner monet\u00e4ren Wertlehre, \u201e\u00fcber welches die kapitalistische Produktion letzten Endes gesteuert wird.\u201d Er ist der Meinung, dass die von Keynes betonte<\/p>\n<p>\u201eHierarchie der M\u00e4rkte (die Zinsen(!) des Kapitalmarktes bestimmen den Umfang der Investitionen und damit den G\u00fcter- und den Arbeitsmarkt) nicht(!) im Widerspruch zur Marxschen Theorie (steht)\u201d. Denn die Zinsen(!), die auf dem Kapitalmarkt zu zahlen w\u00e4ren, w\u00fcrden die Unternehmer dazu zwingen(!), einen Profit zu erzielen, der es erlaubt, mindestens diese Zinsen zu zahlen.<a href=\"#_edn48\" name=\"_ednref48\">[xlviii]<\/a><\/p>\n<p>Heinrich spricht vom \u201eDruck auf die L\u00f6hne\u201d, der vom Zins und damit vom Finanzsektor ausgehen w\u00fcrde. Diesen Zusammenhang findet man bei allen marxistisch orientierten FMK-Theoretikern, verbunden mit der These, der finanzmarktgetriebene Kapitalismus habe zur Umverteilung von unten nach oben gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Verwertungszwang des Kapitals, bei Marx eine Bestimmung des fungierenden Kapitals selbst, hat Heinrich gesellianisch-keynesianisch in einen \u00e4u\u00dferen Zwang zur Zinszahlung umgem\u00fcnzt. Nun ist nicht mehr der Profit, sondern der Zins die treibende Kraft der Verwertung des fungierenden Kapitals und der Akkumulation. Der Unternehmer erh\u00e4lt eine Nebenrolle; er ist, wie Riese es nannte, blo\u00dfer \u201eVikar des Geldkapitalisten\u201d.<\/p>\n<p>Die keynesianisch orientierten Anpassungsarbeiten, die Heinrich an den Marxschen Kategorien zur Kritik der politischen \u00d6konomie vornimmt, laufen auf den zentralen Punkt hinaus, den originell kapitalistischen Charakter aus der Produktion zu entfernen, zumindest aber so weit zu verharmlosen, dass der durch das Kapital geschaffene Gegensatz zur Lohnarbeit seine Sprengkraft verliert. An die Stelle dieses Klassengegensatzes wird ein Gegensatz von Finanzsektor einerseits und der Produktion andererseits aufgemacht, worin Unternehmer und Lohnarbeiter vereint gegen die externe Finanzmacht gesetzt sind. Genau das ist die Klassentheorie Gesells,<a href=\"#_edn49\" name=\"_ednref49\">[xlix]<\/a> die sich auf Mystifikationen st\u00fctzen kann, die aus den Verh\u00e4ltnissen selbst herauswachsen<a href=\"#_edn50\" name=\"_ednref50\">[l]<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Finanzinvestor &#8211; eine <\/strong><strong>\u201e<\/strong><strong>wirtschaftliche Zentralfigur<\/strong><strong>\u201d<\/strong><strong>? Der Beitrag von Stephan Kr<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ger<\/strong><\/p>\n<p>Auch Stephan Kr\u00fcger geht von Marx aus, um dann Schritt f\u00fcr Schritt die Marxschen Begriffe an die des Monet\u00e4rkeynesianismus anzupassen. Zun\u00e4chst entnimmt er der Marxschen Theorie die These, dass nicht der Eigent\u00fcmer (z.B. Aktion\u00e4r, Kreditgeber) sondern der fungierende Kapitalist der Hauptakteur der kapitalistischen Produktion sei. Sp\u00e4ter schiebt er ihn in eine Nebenrolle und macht den Eigent\u00fcmer zur \u201ewirtschaftliche Zentralfigur\u201d<a href=\"#_edn51\" name=\"_ednref51\">[li]<\/a>. Diese Verkehrung l\u00e4uft wiederum auf eine Ausblendung des originell existierenden Kapitalcharakters in der Produktion hinaus. Der Unternehmer wird zum Gehilfen des Geldkapitalisten uminterpretiert.<\/p>\n<p>Wenn nun nicht mehr der Unternehmer sondern der Finanzinvestor das Steuer in der Hand h\u00e4lt, dann bestimmt dieser den Kurs der Wirtschaft ganz in der Weise, wie es im monet\u00e4r-keynesianischen Begriff von der \u201eHierarchie der M\u00e4rkte\u201d zum Ausdruck kommt. Finanzm\u00e4rkte steuern die Akkumulation, worauf Kr\u00fcgers Bezeichnung \u201efinanzkapitalistisches Akkumulationsregime\u201d direkt verweist.<\/p>\n<p>Mit dieser Keynesianisierung ist die Marxsche Akkumulationstheorie f\u00fcr die gesellianisch-monet\u00e4rkeynesianisch gepr\u00e4gte dritte Argumentationsstufe der Dominanzthese passend gemacht.<\/p>\n<p>Kr\u00fcgers These von der Dominanz der Finanzinvestoren verbindet sich &#8211; wie in der monet\u00e4r-keynesianischen Theorie &#8211; mit der Vorstellung, dass es nicht mehr das industrielle Kapital selbst sei, das die Verwertung betreibe und deshalb schlechte Arbeitsbedingungen erzwingen w\u00fcrde. Stattdessen \u201edefiniert\u201d der Finanzinvestor<\/p>\n<p>\u201eRenditevorgaben f\u00fcr die reproduktiven Unternehmen, die diese nur durch fortgesetzten Druck auf die Arbeitsl\u00f6hne realisieren k\u00f6nnen\u201d.<a href=\"#_edn52\" name=\"_ednref52\">[lii]<\/a> Weiter schreibt er: \u201eDie Steuerung der \u00d6konomie durch die Renditevorgaben des \u201aInvestors\u2018 zwingt dem Management das Primat einer kostenoptimierten Ressourcenverwendung auf.\u201d<a href=\"#_edn53\" name=\"_ednref53\">[liii]<\/a><\/p>\n<p>Renditeziele, Druck auf die Arbeitsl\u00f6hne, \u00d6konomisierung der Produktion &#8211; kurz: der kapitalistische Verwertungsprozess, dessen Zweck und dessen Mittel werden extern durch die Finanzinvestoren in die Produktion getragen,<a href=\"#_edn54\" name=\"_ednref54\">[liv]<\/a> was umgekehrt hei\u00dft, dass die Produktion jenseits des Finanzmarktes solche Verwertungszw\u00e4nge nicht besitzt, also eine Art \u201eProduktionswirtschaft\u201d darstellt, worauf schon im vorigen Kapitel verwiesen worden ist. Es sind die Finanzm\u00e4rkte und deren Akteure, die f\u00fcr s\u00e4mtliche Verwerfungen der kapitalistischen \u00d6konomie verantwortlich sein sollen, nicht nur f\u00fcr den niedrigen Lohn und f\u00fcr die schlechten Arbeitsbedingungen, sondern auch\u00a0 f\u00fcr die Entstehung von Krisen, f\u00fcr die wachsende Ungleichheit in der Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung.<\/p>\n<p><strong>Aufbl<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>hungsthese als Argument f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r die Macht der Finanzm<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rkte<\/strong><\/p>\n<p>Wegen der behaupteten Dominanz des Geld- und Kreditsystems ist der Kapitalismus auch als \u201eGeldwirtschaft\u201d<a href=\"#_edn55\" name=\"_ednref55\">[lv]<\/a> gekennzeichnet worden, eine Namensgebung, die teilweise von marxistisch orientierten Autoren verwendet wird. Immer wieder ist diese Herrschaft des Finanzsektors in einen Zusammenhang mit dem \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Wachstum des Finanzsektors<a href=\"#_edn56\" name=\"_ednref56\">[lvi]<\/a> gebracht worden &#8211; eine These, die keineswegs neu ist<a href=\"#_edn57\" name=\"_ednref57\">[lvii]<\/a>.<\/p>\n<p>Aus einer Aufbl\u00e4hung des Finanzsektors die Vorherrschaft abzuleiten, widerspricht schon den auff\u00e4lligsten Krisenerscheinungen, wonach ein zu stark gewachsener Sektor die Konkurrenz gegen sich hat. Die Preise fallen, Kapital wird entwertet. Statt stark zu sein, ist ein \u00fcberproportional gewachsener Sektor \u00f6konomisch schwach.<\/p>\n<p>Warum sollte dieses Gesetz der Konkurrenz nicht auch f\u00fcr den Finanzsektor gelten? Statt die Wirtschaft zu dominieren, ist ein aufgebl\u00e4hter Finanzsektor besonders krisenanf\u00e4llig und auf Staatshilfen angewiesen.<\/p>\n<p>Die derzeit niedrigen Zinsen dr\u00fccken diese Schw\u00e4che aus. W\u00fcrde das Finanzkapital tats\u00e4chlich die Industrie und damit die Profitquellen beherrschen, m\u00fcssten die Zinsen hoch und d\u00fcrften gerade nicht niedrig sein.<\/p>\n<p>Die FMK-Theorie selbst weist darauf hin, dass es sich bei der Aufbl\u00e4hung des Finanzsektors vor allem um \u201efiktives Kapital\u201d, also um Aktien, Anleihen und Derivate handelt, die schneller als die produzierende Wirtschaft wachsen w\u00fcrden. Aber wie k\u00f6nnen solche Titel Macht \u00fcber die \u201eindustrielle Basis\u201d erhalten?<\/p>\n<p>Wie der Name schon sagt, ist fiktives Kapital nur vorgestelltes Kapital &#8211; kein wirkliches Kapital. Denn der Finanzinvestor (Verleiher) hat das wirkliche Kapital als Leihkapital ohne \u00c4quivalent fortgegeben; was ihm verbleibt ist ein Zahlungsversprechen, d. h. fiktives Kapital, das in einem Anspruch auf R\u00fcckzahlung und Zins besteht. Durch die M\u00f6glichkeit der Aufspaltung von Kapitaleigentum und Kapitalfunktion verbleibt der Eigent\u00fcmer, der als Finanzinvestor sein Kapital verliehen hat, jenseits der Produktion. Er verwertet sein Kapital, indem er es fortgibt, also die Verf\u00fcgung dar\u00fcber abtritt. Statt \u201ewirtschaftliche Zentralfigur\u201d zu sein, ist er vom Verwertungsprozess des wirklichen Kapitals abh\u00e4ngig, auf dessen Bewegung er keinen Einfluss hat.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Zum Eklektizismus in der FMK-Theorie<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Man hat gesehen, dass entgegen einer weit verbreiteten Meinung die Marxsche Kritik der politischen \u00d6konomie in der FMK-Theorie inhaltlich keine eigenst\u00e4ndige Rolle spielt. Sie wird entweder von vornherein als \u201emethodisch antiquiert\u201d (Riese) ausgegrenzt oder sie wird inhaltlich soweit modifiziert, dass sie in das gesellianisch-monet\u00e4rkeynesianische Argumentationsmuster hinein passt. Die typisch Marxsche Ausdrucksweise wird gelegentlich zwar noch verwendet, allerdings erh\u00e4lt sie einen neuen Inhalt, der sich mal mehr mal weniger deutlich von der urspr\u00fcnglichen Marxschen Begrifflichkeit entfernt. Ein solcher Eklektizismus ist vor allem in den marxistisch ausgelegten FMK-Theorien weit verbreitet und wird gelegentlich auch offen eingestanden, meist mit dem Hinweis, Fehler, L\u00fccken, Inkonsistenzen oder die fehlende Aktualit\u00e4t der Marxschen Theorie durch keynesianische Erg\u00e4nzungen auszur\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Bekennender Eklektizismus<\/strong><\/p>\n<p>Der offene Eklektizismus bekennt sich zur Verbindung verschiedener Theorien, darunter der Marxschen und Keynesianischen Theorie. Er idealisiert das Zusammenst\u00fcckeln solcher Theorieelemente und spricht selbstbewusst von einem \u201en\u00fctzlichen Eklektizismus\u201d<a href=\"#_edn58\" name=\"_ednref58\">[lviii]<\/a>. Huffschmid reiht sich ebenfalls in diese Tradition ein. Hickel und Troost bescheinigen wohlwollend, Huffschmid habe \u201edie konstruktive Symbiose von Elementen der marxschen und keynesschen Theorie geradezu genial in seinem Buch \u201aPolitische \u00d6konomie der Finanzm\u00e4rkte\u2018\u201d vollzogen.<a href=\"#_edn59\" name=\"_ednref59\">[lix]<\/a><\/p>\n<p>Zeise, ein gleichfalls bekennender Eklektizist, meint zu einer \u201eschl\u00fcssigen Theorie \u00fcber das Geld\u201d zu gelangen, wenn er sich \u201eim Grundsatz an Karl Marx\u201d orientiert. Damit sei es aber nicht getan. Daher versucht er, \u201ewichtige Geldtheorien und insbesondere John M. Keynes zu rezipieren und darzustellen\u201d, in der Hoffnung, \u201eeinige Schw\u00e4chen der Marx`schen Darlegung\u201d so zu beseitigen, dass eine Analyse des hochmodernen und hochdestruktiven Finanzsektors m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p>\u201eZudem scheint Marx das Problem des Geldkapitals im 1. Band noch nicht ann\u00e4hernd so konsequent durchgearbeitet zu haben, dass ihm keine Widerspr\u00fcchlichkeiten unterlaufen w\u00e4ren.\u201d Das gelte auch f\u00fcr einige Abschnitte im dritten Band des Kapitals.<a href=\"#_edn60\" name=\"_ednref60\">[lx]<\/a><\/p>\n<p>Professor Nouriel Roubini betrachtet den Eklektizismus als eine besonders hohe Stufe wissenschaftlicher Erkenntnis:<\/p>\n<p>\u201eFast jede \u00f6konomische Denkrichtung kann einen Beitrag zur Erkl\u00e4rung der j\u00fcngsten Krise leisten, weshalb wir uns in unserer Analyse auf ein breites Spektrum von Autoren beziehen. Keynes hat in diesem Zusammenhang genauso seinen Platz wie viele andere\u201d.<\/p>\n<p>Roubini rechtfertigt seinen \u201eganzheitlichen Ansatz\u201d damit, ergebe auf diese Weise die \u201eIdeologie an der Garderobe ab\u201d<a href=\"#_edn61\" name=\"_ednref61\">[lxi]<\/a>, ohne sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, dass seinem aus verschiedenen &#8211; sich widersprechenden &#8211; Theorieelementen zusammengest\u00fcckelten \u201eganzheitlichen Ansatz\u201d notwendig die innere Konsistenz fehlen muss, mit der Folge, dass willk\u00fcrlichen Deutungsweisen moderner kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet sind, je nach Interessenlage und politischer Konstellation.<\/p>\n<p><strong>Verborgener Eklektizismus<\/strong><\/p>\n<p>Wenig heroisch und meist versch\u00fcchtert tritt der verdeckte Eklektizismus auf, der sich zu verbergen sucht, indem er dem Leser einredet, Keynes habe eine Theorie aufgestellt, die teilweise nicht im Widerspruch zur Marxschen Theorie stehe und wegen des h\u00f6heren Aktualit\u00e4tsgrads geeignet sei, die Marxschen L\u00fccken bzw. die antiquierten Vorstellungen vor allem zum Geld- und Kreditsystem auszur\u00e4umen. Diese h\u00e4ufig nicht offen ausgewiesene Keynesianisierung der Marxschen Theorie erfolgt unter dem Schein der Fortentwicklung Marxscher Begriffe mit der Konsequenz, dass die innere Konsistenz verloren geht. Verschiedene FMK-Autoren, darunter Michael Heinrich und Stephan Kr\u00fcger, geh\u00f6ren dieser Richtung an. S\u00e4mtliche Varianten des Eklektizismus f\u00fchrten zu einer Vulgarisierung bis hin zur g\u00e4nzlichen Beseitigung der Marxschen Theorie.<\/p>\n<p>Kr\u00fcger sieht in Keynes einen Theoretiker,<\/p>\n<p>\u201eder mit dem Instrumentarium traditioneller Wirtschaftslehre zu tieferen Einsichten \u2026 vorst\u00f6\u00dft\u201d, woraus zu folgern sei, dass \u201edessen Theorie in eine Marxsche Analyse der kapitalistischen Produktionsweise integriert werden kann\u201d.<a href=\"#_edn62\" name=\"_ednref62\">[lxii]<\/a><\/p>\n<p>Sein Integrationsversuch l\u00e4uft auf die Keynesianisierung eines Gro\u00dfteils der Marxschen Begriffe hinaus, wo mit Marx begonnen und mit einer keynesianischen Umformulierung geendet wird, um dann das Gegenteil von dem zu behaupten, was Inhalt der Marxschen Kategorien war. So macht er zum Beispiel die Marxsche Unterscheidung zwischen Geld und dem fiktiven Kapital durch etliche Winkelz\u00fcge r\u00fcckg\u00e4ngig, um dann beides zusammen in einen keynesianisch interpretierbaren Geldmengenbegriff zusammenzuw\u00fcrfeln.<a href=\"#_edn63\" name=\"_ednref63\">[lxiii]<\/a><\/p>\n<p>Ebenso verschwimmen die Besonderheiten des Leihkapitals gegen\u00fcber dem fiktiven Kapital. Nach anf\u00e4nglicher Unterscheidung wird schlie\u00dflich Beides als \u201egesamtwirtschaftliches Geldverm\u00f6gen\u201d aufgefasst, als h\u00e4tte fiktives Kapital, das doch gerade f\u00fcr fortgegebenes Geld steht, immer noch eine Geldform, vergleichbar mit dem Leihkapital. In diesem Begriffswirrwarr wird der Anspruch auf Geld, der durch den Akt des Verleihens entstanden war, mit dem Geld, das noch verliehen werden muss, gleichgesetzt.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wird die Marxsche These von der Unterordnung des zinstragenden Kapitals unter die kapitalistische Produktionsweise in ihr Gegenteil verkehrt, indem ein Finanzmarktkapitalismus gezimmert wird, worin der Eigent\u00fcmer des zinstragenden Kapitals, der doch in Wirklichkeit gerade au\u00dferhalb der Produktion steht, zur \u201ewirtschaftlichen Zentralfigur\u201d<a href=\"#_edn64\" name=\"_ednref64\">[lxiv]<\/a> uminterpretiert wird.<\/p>\n<p><strong>Resultate<\/strong><\/p>\n<p>Die These von der Herrschaft des Finanzkapitals, auch als Dominanzthese bezeichnet, begegnete uns auf drei Ebenen: Auf der elementaren Ebene ist sie als Dominanz des Geldes \u00fcber die Ware formuliert, worin die Vorstellung enthalten ist, dass die Geldzirkulation, die schon kreditgesteuert sein soll, die Warenzirkulation bestimmt. Als schaffende gesellschaftliche Kraft besitzt das Geld nicht nur Geldfunktionen sondern auch Kapitalfunktionen. Die entsprechenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse &#8211; der eigent\u00fcmliche gesellschaftliche Charakter warenproduzierender Arbeit als Komplex von Privatarbeiten, das daraus entstehende Verh\u00e4ltnis zwischen Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer, das Kapitalverh\u00e4ltnis in der Produktion und das zwischen Finanzinvestoren (Leihkapitalisten) und fungierenden Kapitalisten &#8211; werden im Geld als ein Ding, als Banknote oder als sonstiger liquider Verm\u00f6gensgegenstand vorausgesetzt, aber gerade nicht erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Daraus folgt auf der zweiten Argumentationsebene, dass Geld seinen Kapitalcharakter in die Wirtschaft\u00a0 hinein tr\u00e4gt (\u201eGeld als Urkapital\u201d). Es schafft das Kapitalverh\u00e4ltnis, indem es seine eigene Verwertungsweise der Wirtschaft aufzwingt. Seine Verwertungsrate, der Geldzins, schafft den Profit und steuert dessen H\u00f6he. Geld ist, wie es z. B. der Buchtitel von Lucas Zeise ausdr\u00fcckt, \u201eder vertrackte Kern des Kapitalismus\u201d.<\/p>\n<p>Diese umfassende Vorherrschaft des Geldes f\u00fchrt direkt zur dritten Dimension der Dominanzthese, der Herrschaft des Finanzsektors \u00fcber Industrie und Handel, in der FMK-Theorie variantenreich ausgedr\u00fcckt u. a. als finanzmarktgetriebener oder finanzinvestorengetriebener Kapitalismus. Unter dieser Formel vereinigen sich Gesellianer, Monet\u00e4rkeynesianer aber vor allem Autoren, die in Marxscher Theorietradition zu stehen scheinen.<\/p>\n<p>Dass ein solches Theoriegemisch eklektizistische Argumentationsweisen hervorbringt, ist geradezu selbstverst\u00e4ndlich. Der Eklektizismus wird entweder offen eingestanden oder er wird mehr in versteckter Form als Fortentwicklung, als Erg\u00e4nzung, als das Ausr\u00e4umen von Inkonsistenzen oder sonstiger angeblicher M\u00e4ngel der Marxschen Theorie ausgewiesen. In beiden F\u00e4llen erh\u00e4lt die Argumentationsweise einen beliebigen Charakter.<\/p>\n<p>Unser wichtigstes Resultat f\u00fchrt zur These, dass die Vorstellung von der Herrschaft des Finanzkapitals ihrem Kern nach auf dem monet\u00e4r-keynesianischen Theorieansatz beruht, dessen Postulate meist stillschweigend der Theorie Gesells entnommen worden sind, die wiederum auf der klassischen Dichotomie von Geldsph\u00e4re und G\u00fctersph\u00e4re beruht.<\/p>\n<p>Marxsche Erkl\u00e4rungszusammenh\u00e4nge spielen auf allen drei Dominanz-Ebenen grunds\u00e4tzlich keine eigenst\u00e4ndige Rolle. Sie sind in das gesellianisch-monet\u00e4rkeynesianische Paradigma durch Uminterpretationen und Umdeutungen inhaltlich eingepasst worden. Ihre Bedeutung beschr\u00e4nkt sich auf sprachliche Ausdrucksweisen, die den Anschein erwecken, als handle es sich um eine Modernisierung der Marxschen Geld-, Kapital- und Akkumulationstheorie. Sofern noch Reste der Marxschen Theorie fortexistieren, bilden sie einen nebens\u00e4chlichen und eklektischen Anhang der FMK-Theorie. Sie sind nicht mehr als ein Werbegeschenk an die \u201emarxistische Leserschaft\u201d, die man nicht verlieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die These von der Herrschaft des Finanzkapitals weist keinerlei Gemeinsamkeiten mit der Marxschen Theorie auf.<\/p>\n<p>Wie die Analyse der verschiedenen Dominanzebenen zeigte, gibt es nicht nur keine \u00dcbereinstimmungen, die Dominanzthese steht im direkten Widerspruch zur Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie: Die \u00f6konomischen Beziehungen von Ware und Geld bzw. von Profit und Zins werden umgekehrt gesehen. Daraus folgt, dass die Kernthese der FMK-Theorie, die behauptete Dominanz des Finanzkapitals, eine der Marxschen Theorie v\u00f6llig fernstehende und widersprechende These darstellt.<\/p>\n<p>Anders formuliert: Die Marxsche Kritik der politischen \u00d6konomie hat nichts mit der FMK-Theorie zu tun; sie enth\u00e4lt eine dazu entgegengesetzte Erkl\u00e4rung von Akkumulation und Krisen. Daraus folgt, dass die FMK-Autoren, selbst wenn sie sich in der Marxschen Tradition w\u00e4hnen sollten, ganz auf dem theoretischen Feld b\u00fcrgerlicher Vorstellungen operieren. Ob Selbstt\u00e4uschung oder bewusste T\u00e4uschung sei dahingestellt: Das gelegentlich ins Feld gef\u00fchrte marxistische\u00a0 Vokabular ist bestenfalls glanzvoll zubereitetes Werbematerial, um Teile der linksorientierten Leserschaft bei der Stange zu halten.<\/p>\n<p><em>Bei diesem Artikel handelt es sich um eine <\/em><em>\u00fc<\/em><em>berarbeitete Fassung meines Beitrags: Herrschaft des Finanzkapitals? Versuch einer theoretischen Kl\u00e4rung, in: Welcher Kapitalismus, welche Krise? Finanzmarktkapitalismus in der Diskussion, herausgegeben von Dieter Janke und J\u00fcrgen Leibiger, Leipzig 2015<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.proletarische-briefe.de\/?p=561\"><em>proletarische Briefe&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. M\u00e4rz 2017<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> \u201eStephen Bannon ist ein scharfer Kritiker des Finanzkapitalismus, wie man aus einer im Internet dokumentierten Rede erfahren kann\u2026Der Kapitalismus m\u00fcsse zur\u00fcckgef\u00fchrt werden zu seiner eigentlichen Bestimmung: Wohlstand f\u00fcr die Breite der Gesellschaft zu schaffen. Bannon klingt fast wie ein Occupy-J\u00fcnger, wenn er in seiner Vatican-Rede die \u2018Partei von Davos\u2018 angreift, jene liberale Elite, die auf dem R\u00fccken der Mittelschicht den \u201aGlobalismus\u2018 predige, in dem Waren, Geld und Menschen frei zirkulieren. Er will dagegen eine andere globale Vision setzen: nationale Souver\u00e4nit\u00e4t, markiert durch Z\u00f6lle und Grenzen\u201d. J\u00f6rg Lau: America first! In: Die Zeit vom 26.1.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Lisa Nienhaus: Er ist wieder da. In: Die Zeit vom 26.1.2017. Titelthema: Hatte Marx doch Recht?<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Vergleiche dazu: Sandleben, Guenther \/ Sch\u00e4fer, Jakob: Apologie von links, K\u00f6ln \/ Karlsruhe 2013; Siehe eine kritische W\u00fcrdigung des Buches unsererseits unter <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=156\">Vom Elend des revidierten Marxismus und der alternativen Politikberatung<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Zeise, Lucas: Euroland wird abgebrannt. Profiteure, Opfer, Alternativen, K\u00f6ln 2012, S. 43.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Sandleben, Guenther: National\u00f6konomie &amp; Staat. Zur Kritik der Theorie des Finanzkapitals, Hamburg 2003; Sandleben: Finanzmarktkrise &#8211; Mythos und Wirklichkeit. Wie die ganz reale Wirtschaft die Krise kriegt, Norderstedt 2011; Mattick, Paul: Business as Usual. Krise und Scheitern des Kapitalismus, Hamburg 2012 (englische Originalausgabe 2011); Sandleben\/Sch\u00e4fer; Apologie, a.a.O.; Krumbein, Wolfgang \/ Fricke, Julian \/ Hellmer, Fritz \/ Oelschl\u00e4ger, Hauke: Finanzmarktkapitalismus? Zur Kritik einer g\u00e4ngigen Kriseninterpretation und Zeitdiagnose, Marburg 2014; Wendl, Michael: Machttheorie oder Werttheorie, Hamburg 2013; Wendl: S\u00e4kulare Stagnation oder Schieflage der Verteilungspolitik, in: Sozialismus 3\/2014; Wendl: Ein Marxismus ohne Wert? Neomarxistische Kapitalismustheorien auf dem Pr\u00fcfstand, in: Sozialismus 6\/2014; Neubauer, Emil: Der h\u00e4ssliche Deutsche &#8211; Dritter Akt?, Norderstedt 2015.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> Bischoff, Joachim: Finanzgetriebener Kapitalismus, in: Sozialismus 4\/2014, S. 56.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> Huffschmid, J\u00f6rg: Kapitalismuskritik heute &#8211; Zeitdiagnosen: Vom Staatsmonopolistischen zum Finanzmarktgetriebenen Kapitalismus, Herausgegeben von Rudolf Hickel und Axel Troost, Hamburg 2010, S. 31.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Hickel\/Trost in: Huffschmid, Kapitalismuskritik, S. 10ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> Marx, Karl: Theorien \u00fcber den Mehrwert, Band 2, in: MEW (Marx-Engels-Werke) 26.2, S. 501f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> Eine besondere Interpretationsvariante des Monet\u00e4rkeynesianismus hat die sogenannte \u201eBerliner Schule\u201d hervorgebracht, deren bedeutendster Vertreter Hajo Riese ist. Diese monet\u00e4r-keynesianische Richtung ist gemeint, wenn nachfolgend vom Monet\u00e4rkeynesianismus die Rede ist.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> Marx: Das Kapital. Kritik der politischen \u00d6konomie, Band 1, nach der vierten von Friedrich Engels herausgegebenen Auflage, in: MEW 23, S. 107f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a> Herr, Hansj\u00f6rg: Geld, W\u00e4hrungswettbewerb und W\u00e4hrungssysteme: theoretische und historische Analyse der internationalen Geldwirtschaft, Frankfurt 1992, S. 29f; (!) wurde hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a> Heine, Michael \/ Herr, Hansj\u00f6rg: Volkswirtschaftslehre. Paradigmenorientierte Einf\u00fchrung in die Mikro- und Makro\u00f6konomie, 4. Auflage, M\u00fcnchen 2013, S. 356; (!) wurde hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a> Keynes, John Maynard: Allgemeine Theorie der Besch\u00e4ftigung, des Zinses und des Geldes, \u00dcbersetzung: Fritz Waeger, M\u00fcnchen und Leipzig 1936, S. 298.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a> Preparata, Guido G.: On the art of innuendo: J. M. Keynes\u2019 plagiarism of Silvio Gesell\u2019s monetary economics, in: Paul Zarembka (ed.) Confronting 9-11, Ideologies of Race, and Eminent Economists (Research in Political Economy, Jg. 2002, Volume 20) Emerald Group Publishing Limited, pp.217 &#8211; 253, S. 233ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[xvi]<\/a> Sandleben: Monet\u00e4re Werttheorie als Preistheorie. Geld und Wert bei Michael Heinrich, in: Sozialismus 10\/2008, S. 45 (auszugsweise als Internetversion unter: <a href=\"http:\/\/www.guenther-sandleben.de\/\">http:\/\/www.guenther-sandleben.de\/<\/a>).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[xvii]<\/a> Sandleben\/Sch\u00e4fer; Apologie, S. 67ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[xviii]<\/a> Heinrich, Michael: Die Wissenschaft vom Wert, 4. korrigierte Auflage, M\u00fcnster 2006, S. 232, 216; (!) wurde hinzugef\u00fcgt. Die These, das jenseits des Austauschs den Waren ihre Werteigenschaft fehlt, sie also nur G\u00fcter sind, die erst im Austausch gegen Geld ihren Wert erhalten, wird an vielen Stellen mal mehr mal weniger deutlich formuliert. \u201eVor dem Austausch und in Abstraktion vom Geld kann es keine Wertgegenst\u00e4ndlichkeit und daher auch kein quantitativ bestimmtes Wertsystem geben\u201d. Ebenda S. 280). Oder die Formulierung: \u201edass den Waren erst innerhalb des Austausches Wert und Wertgr\u00f6\u00dfe zukommen\u201d (Ebenda, S. 232).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[xix]<\/a> Heinrich, Wissenschaft, S. 251.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[xx]<\/a> Heinrich, Wissenschaft, S. 218f, 243.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[xxi]<\/a> Marx, MEW 23, S. 109.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[xxii]<\/a> Gesell, Silvio: Die nat\u00fcrliche Wirtschaftsordnung, 6. Auflage, Herausgeber Karl Walker, Rudolf Zitzmann Verlag, Lauf bei N\u00fcrnberg 1923\/1984, S. 189. Gesells Freigeldtheorie zielt auf die Beseitigung dieser Vorherrschaft des Geldes ab, indem dem Geld die gleichen Verluste zugef\u00fchrt werden sollen wie der Ware. Geschieht dies, dann sei f\u00fcr jeden einerlei, \u201eob er Geld oder Waren besitzt oder spart, dann sind Geld und Ware vollkommen gleichwertig, dann ist Proudhons R\u00e4tsel gel\u00f6st, seine Seele aus dem Fegefeuer befreit; die Fesseln sind zerschnitten, die die Menschheit seit jeher an der Entfaltung ihrer Kr\u00e4fte hinderten\u201d (Ebenda, S. 39). Hier also die auf Proudhon und dessen Sch\u00fcler Alfred Darimon zur\u00fcckgehende Illusion, durch blo\u00dfe \u00c4nderung im Zirkulationsinstrument k\u00f6nnten alle \u00dcbel der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft ausger\u00e4umt werden. Vergleich dazu die Kritik von Marx, \u00d6konomische Manuskripte von 1857\/58 (Grundrisse), MEGA II\/1.1, Berlin 1976, S. 49ff).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[xxiii]<\/a> Keynes, (Allgemeine Theorie, S. 189) bezeichnete solche Wertminderungen als \u201eDurchhaltekosten\u201d, die beim Geld \u201eunbeachtlich\u201d w\u00e4ren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[xxiv]<\/a> Gesell, Nat\u00fcrliche Wirtschaftsordnung, S. 188 und S. 190.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[xxv]<\/a> Ebenda, S. 324. Gesell bezeichnet den Zins auch als \u201eAbgabe\u201d oder \u201eTribut\u201d (Ebenda, S. 190), den der Warenbesitzer an den Geldbesitzer durch Abschlag vom Verkaufspreis entrichten muss.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[xxvi]<\/a> Ebenda, S. 314.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[xxvii]<\/a> Ebenda, S. 287.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[xxviii]<\/a> Ebenda, S. 327; (!) wurde hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[xxix]<\/a> Ebenda, S. 326. Gesells Vorstellung, dass Unternehmen, Schiffe H\u00e4user etc. erst unter dem Einfluss des Geldes einen Profit abwerfen w\u00fcrden, hat Keynes gelegentlich in der Weise modifiziert, als w\u00fcrden alle \u201edauerhaften Waren\u201d aus sich selbst heraus einen Zins abwerfen. Keynes (Allgemeine Theorie, S. 187) spricht von Weizenzinsfu\u00df, Kupferzinsfu\u00df, H\u00e4userzinsfu\u00df und Stahlwerkzinsfu\u00df. Die scheinbare F\u00e4higkeit von Geld bzw. Waren, ihren eigenen Wert zu verwerten, und zwar unabh\u00e4ngig von der Reproduktion, bezeichnete Marx als \u201edie Kapitalmystifikation in der grellsten Form\u201d (Marx: Das Kapital. Band 3, MEW 25, S. 405) und deren Vertreter als \u201eVulg\u00e4r\u00f6konom\u201d &#8211; eine Bezeichnung, die auf das gesellianisch-monet\u00e4rkeynesianische Paradigma ebenfalls zutrifft. \u201eDas Ding (Geld, Ware, Wert) ist nun als blo\u00dfes Ding schon Kapital, und das Kapital erscheint als blo\u00dfes Ding; das Resultat des gesamten Reproduktionsprozeses erscheint als eine, einem Ding von selbst zukommende Eigenschaft; es h\u00e4ngt ab von dem Besitzer des Geldes, d.h. der Ware in ihrer stets austauschbaren Form, ob er es als Geld verausgaben oder als Kapital vermieten will\u201d. (Ebenda, S. 405).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[xxx]<\/a> Riese, Hajo: Grundlegungen eines monet\u00e4ren Keynesianismus, Band 1: Das Projekt eines monet\u00e4ren Keynesianismus, Marburg 2001, S. 26.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\">[xxxi]<\/a> Ebenda, S. 29f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\">[xxxii]<\/a> Die Vorstellung, Zins und Profit w\u00fcrden durch die Warenzirkulation geschaffen, hat Marx systematisch widerlegt, u. a. im ersten Band des Kapitals (MEW 23, S. 170-181).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\">[xxxiii]<\/a> Riese: Was bleibt von Marx? &#8211; Was von Marx bleibt. In: Olaf Gerlach\/Stefan Kalmring\/Andreas Nowak (Hrsg.): Mit Marx ins 21. Jahrhundert, Hamburg 2003, S. 27ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\">[xxxiv]<\/a> Ebenda, S. 29.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\">[xxxv]<\/a> N\u00e4heres zur \u201eApologie von links\u201d in: Sandleben\/Sch\u00e4fer, Apologie.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref36\" name=\"_edn36\">[xxxvi]<\/a> Riese, Grundlegungen, S. 23.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref37\" name=\"_edn37\">[xxxvii]<\/a> Vgl. Heine\/Herr, Volkswirtschaftslehre, S. 344.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref38\" name=\"_edn38\">[xxxviii]<\/a> Vergleiche dazu ausf\u00fchrlich Marx, Das Kapital. Kritik der politischen \u00d6konomie, Band 2, MEW 24: S. 31-123.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref39\" name=\"_edn39\">[xxxix]<\/a> Zeise: Geld &#8211; der vertrackte Kern des Kapitalismus. 2. unver\u00e4nderte Auflage, K\u00f6ln 2011, S. 54.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref40\" name=\"_edn40\">[xl]<\/a> Ebenda, S. 60.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref41\" name=\"_edn41\">[xli]<\/a> Ebenda, S. 66.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref42\" name=\"_edn42\">[xlii]<\/a> \u201cSie (vor allem die verschuldeten Unternehmen) sind den Anspr\u00fcchen ihrer Aktion\u00e4re, der Investment- und Pensionsfonds ausgesetzt(!), die verlangen, dass \u201eihre\u201d Unternehmen Quartal f\u00fcr Quartal steigende Gewinne ausweisen.\u201d(Huffschmid, J\u00f6rg: Politische \u00d6konomie der Finanzm\u00e4rkte. Aktualisierte und erweiterte Neuauflage, Hamburg 2002, S. 13). Der Eigent\u00fcmer des Kapitals, der als Finanzinvestor sein Kapital fortgibt um es durch Zinseinnahmen und Kursgewinne zu verwerten, \u201edefiniert Renditevorgaben(!) f\u00fcr die reproduktiven Unternehmen\u2026.Die Steuerung(!) der \u00d6konomie durch die Renditevorgaben(!) des \u201aInvestors\u2018 zwingt dem Management das Primat einer kostenoptimierenden Ressourcenverwendung auf\u201d (Kr\u00fcger, Stephan: Allgemeine Theorie der Kapitalakkumulation, Hamburg 2010, S. 608f; (!) wurde hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>\u201eObwohl einzelne institutionelle Kapitalanleger h\u00e4ufig nur Minderheitsbeteiligungen an den Unternehmen halten, sind sie in der Lage, (z.B. durch einen angedrohten Abzug von Kapital) einen erheblichen Druck(!) auszu\u00fcben und ihre Interessen am \u201aShareholder Value\u201d geltend zu machen, also an der Aktion\u00e4rsrendite, die sich aus Dividenden und Kursgewinnen zusammensetzt\u2026Die Renditeerwartungen(!) orientieren sich an der m\u00f6glichen Verzinsung(!) des eingesetzten Kapitals an den Finanzm\u00e4rkten(!).\u201d (Demirovi\u0107, Alex \/ Sablowski Thomas: Finanzdominierte Akkumulation und die Krise in Europa, in: PROKLA. Verlag Westf\u00e4lisches Dampfboot, Heft 166, 42. Jg. 2011, Nr. 1, S. 77 &#8211; 106, im Internet verf\u00fcgbar unter: <a href=\"http:\/\/www.prokla.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2012\/demirovic-sablowski.pdfm\">http:\/\/www.prokla.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2012\/demirovic-sablowski.pdf<\/a>, S. 83; (!) wurde hinzugef\u00fcgt).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref43\" name=\"_edn43\">[xliii]<\/a> Hickel, Rudolf: Zerschlagt die Banken. Zivilisiert die Finanzm\u00e4rkte, Berlin 2012, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref44\" name=\"_edn44\">[xliv]<\/a> Memorandum: Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, K\u00f6ln 2009, S. 90; (!) wurde hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref45\" name=\"_edn45\">[xlv]<\/a> Huffschmid, Kapitalismuskritik heute, S. 87f, \u00e4hnlich S. 100.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref46\" name=\"_edn46\">[xlvi]<\/a> Wendl, Marxismus ohne Wert, S. 64).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref47\" name=\"_edn47\">[xlvii]<\/a> Heine\/Herr, Volkswirtschaftslehre, S. 348.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref48\" name=\"_edn48\">[xlviii]<\/a> Heinrich, Wissenschaft, S. 300; (!) wurde hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref49\" name=\"_edn49\">[xlix]<\/a> \u201eAls Arbeiter \u2026 gilt jeder, der vom Ertrag seiner Arbeit lebt. \u2026Einen Gegensatz \u2026 bilden \u2026 die Rentner, denn ihr Einkommen flie\u00dft ihnen vollkommen unabh\u00e4ngig von jeder Arbeit zu. \u2026Der Unternehmergewinn und der Handelsprofit sind, sofern man die in ihnen meistens enthaltenen Kapitalzinsen oder Grundrenten in Abzug bringt, ebenfalls als Arbeitserl\u00f6s anzusprechen. Der Direktor einer Bergwerks-Aktiengesellschaft bezieht sein Gehalt ausschlie\u00dflich f\u00fcr die von ihm geleistete Arbeit\u201d (Gesell, Nat\u00fcrliche Wirtschaftsordnung, S. 39).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref50\" name=\"_edn50\">[l]<\/a> Marx, MEW 25, S. 392ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref51\" name=\"_edn51\">[li]<\/a> Kr\u00fcger, Kapitalakkumulation, S. 608ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref52\" name=\"_edn52\">[lii]<\/a> Ebenda, S. 608.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref53\" name=\"_edn53\">[liii]<\/a> Ebenda, S. 620.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref54\" name=\"_edn54\">[liv]<\/a> Wenn Kr\u00fcger dem Konzep von der Hierarchie der M\u00e4rkte folgend den Kreditgeber als wirtschaftliche Zentralfigur setzt, dann hat diese falsche Bestimmung nicht nur zur Folge, dass die von Marx thematisierten origin\u00e4r existierenden Kapitalbestimmungen des Produktionsprozesses vernebelt werden, sondern auch, dass ein Gegensatz zwischen Kreditgebern und Lohnarbeitern konstruiert wird. Marx sah Zins und zinstragendes Kapital nicht in einem Gegensatz zur Lohnarbeit, sondern nur zum fungierenden Kapital. Statt blo\u00dfer \u201eVikar des Geldkapitalisten\u201d zu sein, stehen sich Geldkapitalist und Industriekapitalist \u201ewirklich gegen\u00fcber\u201d, nicht nur juristisch, sondern auch in ihren jeweiligen Rollen im Reproduktionsprozess (Marx, MEW 25, S. 385). \u201eAndererseits jedoch ist in der Form des Zinses dieser Gegensatz gegen die Lohnarbeit ausgel\u00f6scht; denn das zinstragende Kapital hat als solches nicht die Lohnarbeit, sondern das fungierende Kapital zu seinem Gegensatz;\u2026soweit das Kapital nicht fungiert, exploitiert es nicht die Arbeiter und tritt in keinen Gegensatz zur Arbeit\u201d (Ebenda, S. 392).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref55\" name=\"_edn55\">[lv]<\/a> Zum Beispiel Riese in seinem Aufsatz \u201eGeld\u00f6konomie, Keynes und die Anderen\u201d (in: Riese Grundlegungen). Gottfried Feder, wirtschaftspolitischer Wortf\u00fchrer der NSDAP, verwendete vor fast 100 Jahren in einer Schrift die Bezeichnung \u201eMammonismus\u201d, um die Macht des Geldes auszudr\u00fccken (Feder: Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes. Verlag Jos. Huber, Diessen vor M\u00fcnchen, 1919).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref56\" name=\"_edn56\">[lvi]<\/a> \u201eIm Jahr 2007 summierte sich das in Form von Krediten, Anleihen und Aktien angelegte zinstragende und fiktive Kapital global auf 202 Billionen US-Dollar. Im Jahr 1990 betrugen diese globalen Finanzanlagen 261% des globalen Sozialprodukts, im Jahr 2007 waren es 276%. (\u2026). Der Zusammenhang der verschiedenen Kreisl\u00e4ufe gleicht einer auf dem Kopf stehenden Pyramide, bei der sich die Basis, der Kreislauf des industriellen Kapitals, relativ klein ausnimmt im Vergleich zu den darauf aufbauenden Kreisl\u00e4ufen des Finanzkapitals, d.h. des zinstragenden Kapitals, des fiktiven Kapitals und der Derivate.\u201d (Demirovi\u0107\/Sablowski, Finanzdominierte Akkumulation, S. 79). \u201eDas Volumen aller Finanztransaktionen ist mittlerweile 75mal so hoch wie die gesamte Weltproduktion. Allein das verwaltete Verm\u00f6gen \u2026 ist vom 1,8fachen der Weltproduktion im Jahr 1999 auf das 30,4fache in 2010 explodiert.\u201d Hickel: Sch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung. Warum Deutsche Bank &amp; Co. zerschlagen werden m\u00fcssen. In: Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik 3\/2012, S. 65. Krumbein, Finanzmarktkapitalismus S. 17ff, hat die Aufbl\u00e4hungsthese mit dem Hinweis in Zweifel gezogen, dass die Finanzm\u00e4rkte allenfalls in Teilen aufgebl\u00e4ht w\u00e4ren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref57\" name=\"_edn57\">[lvii]<\/a> Unter \u201eMammonismus\u201d verstand Feder (Manifest, S. 11) \u201edie \u201eunheimliche, unsichtbare, geheimnisvolle Herrschaft der gro\u00dfen internationalen Geldm\u00e4chte.\u201d Schon in seiner damaligen Argumentation spielten aufgebl\u00e4hte Kreditverh\u00e4ltnisse und Zinsen eine zentrale Rolle: \u201eWo muss die Brechung der Zinsknechtschaft einsetzen?\u201d Fragt Feder. Seine Antwort: \u201eBeim Leihkapital!\u201d (also im Finanzsektor). \u201eWarum?\u201d fragt er weiter? Weil das Leihkapital gegen\u00fcber allem industriellen Gro\u00dfkapital so \u00fcberm\u00e4chtig ist\u2026.20:1 ist das Verh\u00e4ltnis des Leihkapitals zum industriellen Gro\u00dfkapital\u201d (Ebenda, S. 6).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref58\" name=\"_edn58\">[lviii]<\/a> So der Titel des Aufsatzes von F\u00fclberth, Georg: N\u00fctzlicher Eklektizismus. In: Mit Marx ins 21. Jahrhundert, Hamburg 2003.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref59\" name=\"_edn59\">[lix]<\/a> Hickel und Troost in: Huffschmid, Kapitalismuskritik heute, S. 17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref60\" name=\"_edn60\">[lx]<\/a> Zeise, Geld &#8211; der vertrackte Kern, S. 9, 50.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref61\" name=\"_edn61\">[lxi]<\/a> Roubini, Nouriel \/ Mihm, Stephen: Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft, Frankfurt\/New York,\u00a0 2011, S. 15f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref62\" name=\"_edn62\">[lxii]<\/a> Kr\u00fcger: Keynes und Marx, Hamburg 2012, S. 18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref63\" name=\"_edn63\">[lxiii]<\/a> Kr\u00fcger: Politische \u00d6konomie des Geldes, Hamburg Kr\u00fcger 2012, S. 78, 92ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref64\" name=\"_edn64\">[lxiv]<\/a> Kr\u00fcger, Kapitalakkumulation, S. 609.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guenther Sandleben. Wer einigerma\u00dfen mit der \u00f6konomischen Literatur vertraut ist wird wissen, dass die Vorstellung von der Herrschaft des Finanzkapitals zu einer herrschenden Lehre geworden ist. 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