{"id":1990,"date":"2017-03-19T10:24:39","date_gmt":"2017-03-19T08:24:39","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1990"},"modified":"2017-03-19T10:24:39","modified_gmt":"2017-03-19T08:24:39","slug":"antisemitismus-antizionismus-und-revolutionaere-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1990","title":{"rendered":"Antisemitismus, Antizionismus und revolution\u00e4re Politik"},"content":{"rendered":"<p><em>Oskar Huber.<\/em> <strong>Antisemitische Ideologien sind in Krisenzeiten popul<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>r: Pegida und Co. zeugen davon. Viele Linke setzen dem wenig entgegen, ja selbst innerhalb der Linken haben antisemitische Ideen Einfluss.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> Welche Funktion Antisemitismus im heutigen Kapitalismus erf<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>llt und wie wir ihn bek<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>mpfen k<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>nnen, wollen wir im folgenden Artikel erkl<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ren.<\/strong><\/p>\n<p>Seit Beginn der andauernden weltweiten Krise befinden sich antisemitische Ideologien, aber auch <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/154125\/umfrage\/antisemitische-gewalt-seit-1989\/\"><strong>antisemitische Gewalttaten<\/strong><\/a>, auf einem konstant h\u00f6heren Niveau als noch in den Neunziger Jahren. Antisemitische Ideen finden auch bei Linken Anklang, die einerseits auf Querfront-Taktiken hereinfallen und andererseits antisemitische Vorurteile aus der kapitalistischen Gesellschaft, in der sie leben, schlicht internalisiert haben oder sie nicht bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>So baut ein beliebtes Bild einzelne Personen wie George Soros zu verschworenen Oberb\u00f6sewichten auf, die angeblich soziale Bewegungen kontrollieren \u2013 dass er aus einer j\u00fcdischen Familie stammt, bleibt dabei meist unausgesprochen. Aber Soros\u2018 Name fungiert als einer von vielen \u201eCodes\u201c, wie der Name der Familie Rothschild oder des Facebook-Gr\u00fcnders Zuckerberg, der wie Soros j\u00fcdische Vorfahren hat. Auch die ma\u00dflose \u00dcbertreibung des Einflusses existierender pro-zionistischer Lobbygruppen auf die US-Regierung f\u00e4llt unter diese Kategorie.<\/p>\n<p>Im Zuge kleinb\u00fcrgerlicher Massenbewegungen wie \u201eOccupy\u201c wurde die kleinb\u00fcrgerlich-reaktion\u00e4re \u201eZinskritik\u201c wieder <em>en vogue<\/em>, die historisch antisemitische Z\u00fcge tr\u00e4gt. Sie ist irrational und nur zum Schein antikapitalistisch. Noch st\u00e4rker waren diese Einfl\u00fcsse auf den \u201eMontagsmahnwachen\u201c und im \u201eFriedenswinter\u201c.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem von Teilen der Linken schlie\u00dflich bleibt die volksfrontlerische politische Unterordnung gegen\u00fcber kleinb\u00fcrgerlichen und b\u00fcrgerlich-nationalistischen F\u00fchrungen, die offen antisemitisch auftreten, im Namen eines falsch verstandenen \u201eAntiimperialismus\u201c. Das gilt bezogen auf Teile des politischen Islams, wie der Hamas, der Muslimbruderschaft, der F\u00fchrung der Islamischen Republik Iran und viele weitere mehr. Hier wirkt der gesellschaftlich vorhandene Antisemitismus als Katalysator f\u00fcr strategische Prinzipienlosigkeit.<\/p>\n<p><strong>Welche Unterdr<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ckung stellt der Antisemitismus dar, welchen Klassencharakter hat er?<\/strong><\/p>\n<p>Als gesellschaftliche Unterdr\u00fcckungsform besteht der Antisemitismus nicht aus einzelnen rassistischen Verfehlungen, sondern aus einem besonderen gesellschaftlichen Widerspruch. Das gilt nat\u00fcrlich f\u00fcr alle Unterdr\u00fcckungsformen. Das Judentum wird im Imperialismus aber meist nicht in derselben Form unterdr\u00fcckt, wie zum Beispiel Schwarze, Latinxs, Muslime*as oder Frauen unterdr\u00fcckt werden.<\/p>\n<p>Die antisemitische Unterdr\u00fcckung richtet sich in ihrer Rhetorik nicht prim\u00e4r \u201enach unten\u201c. Sie ist aber auch keineswegs eine Unterdr\u00fcckung des Kapitals, wie es Faschist*innen behaupten. Tats\u00e4chlich setzen Erz\u00e4hlungen antisemitischer Unterdr\u00fcckung die Juden*J\u00fcdinnen als \u201ePuffer\u201c zwischen das Kapital einerseits und die Arbeiter*innen, Kleinb\u00fcrger*innen und Deklassierten andererseits. Um das zu verstehen, m\u00fcssen wir an den Ursprung des modernen Antisemitismus gehen.<\/p>\n<p>Die Gemeinsamkeit aller m\u00f6glichen Esoteriker*innen und Nationalist*innen im modernen Antisemitismus entspringt dem kleinb\u00fcrgerlichen Hass auf die Juden*J\u00fcdinnen zu Beginn der Epoche des Imperialismus, also im ausgehenden 19. Jahrhundert. Er bedient sich einem schon \u00fcber tausendj\u00e4hrigen christlichen Judenhass, der in der F\u00e4lschung \u201e<em>Protokolle der Weisen von Zion<\/em><em>\u201c<\/em>\u00a01903 aufgegriffen wurde. Die \u201eProtokolle\u201c enthalten angebliche Mitschriften einer j\u00fcdischen Weltmachtclique, die f\u00fcr alle Antisemit*innen eine gro\u00dfe Bedeutung in der Propaganda hatten, nicht zuletzt f\u00fcr Adolf Hitler. Tats\u00e4chlich sind sie eine Zusammenstellung antij\u00fcdischer Erfindungen, die unter anderem vom zaristischen Geheimdienst in die Welt gesetzt wurden \u2013 und obwohl die F\u00e4lschung bald erwiesen war, konnten sie in der politischen Situation des sterbenden Kapitalismus eine unglaubliche Wirkungskraft entfalteten. Dazu schrieb Abraham L\u00e9on, ein j\u00fcdischer Trotzkist, der in Auschwitz ermordet wurde:<\/p>\n<p><em>Das Gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>kapital hat sich nur den elementaren Antisemitismus der kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rgerlichen Massen zunutze gemacht. Es benutzte ihn zu einem Meisterst<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ck faschistischer Ideologie. Mit dem Mythos des <\/em><em>\u2018<\/em><em>j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen Kapitalismus<\/em><em>\u2019<\/em><em> versuchte das Gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>kapital den Kapitalistenha<\/em><em>\u00df<\/em><em> der Massen von sich abzulenken. Die reale M<\/em><em>\u00f6<\/em><em>glichkeit einer Agitation gegen die j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen Kapitalisten lag in dem Antagonismus zwischen Monopolkapital und spekulativem Kaufmannskapital, das in der Regel in j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen H<\/em><em>\u00e4<\/em><em>nden lag. Die Skandale innerhalb dieses spekulativen Kaufmannskapitals, insbesondere die B<\/em><em>\u00f6<\/em><em>rsenskandale, sind in der <\/em><em>\u00d6<\/em><em>ffentlichkeit relativ besser bekannt geworden. Dies erlaubte es dem Monopolkapital, den Ha<\/em><em>\u00df<\/em><em> der kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rgerlichen Massen und teilweise sogar der Arbeiter zu kanalisieren und gegen den <\/em><em>\u2018<\/em><em>j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen Kapitalismus<\/em><em>\u2019<\/em><em> zu lenken. (<\/em><a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/leon\/1946\/judenfrage\/kap8.htm\"><strong><em>Abraham L\u00e9on: Die j\u00fcdische Frage, Kap. 8<\/em><\/strong><\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt wurde dieser Hass mit der materiellen Konkurrenz des Kleinb\u00fcrgertums. Dabei relativierte sich die \u201ematerielle Grundlage\u201c jedoch schon lange vor Hitler und die ideologische irrationale Grundlage des Kleinb\u00fcrger*innentums als Basis des Faschismus trat mehr in den Vordergrund:<\/p>\n<p><em>In der Hitler<\/em><em>\u2019<\/em><em>schen Propaganda heute spielt das wirkliche Motiv des Antisemitismus in Westeuropa, die wirtschaftliche Konkurrenz des Kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rgertums, keine Rolle mehr. Dagegen kommen die phantastischsten Aussagen aus den Protokollen der Weisen von Zion, die \u201aPl\u00e4ne der universellen Herrschaft des internationalen Judentums\u2018, in jeder Rede und in jedem Manifest von Hitler zum Vorschein. (<\/em><a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/leon\/1946\/judenfrage\/kap8.htm\"><strong><em>Abraham L\u00e9on: Die j\u00fcdische Frage, Kap. 8<\/em><\/strong><\/a><em>, Hervorhebung im Original)<\/em><\/p>\n<p>Der Hauptgrund daf\u00fcr, dass wir die in der deutschen Linken vorherrschende antideutsche, adornistische, antinationale, emanzipatorische und so weiter \u201eKritik der verk\u00fcrzten Kritik\u201c ablehnen, ist: Die Arbeiter*innenklasse spielt in diesen \u00dcberlegungen keine zentrale Rolle. Die Kritiken sind selbst lediglich moralistisch oder anderweitig radikal-kleinb\u00fcrgerlich statt materialistisch. Das f\u00fchrt zu Fehlschl\u00fcssen, wie der Verteidigung des Staats Israel, aber auch einer fehlenden effektiven Strategie zur Bek\u00e4mpfung des Antisemitismus.<\/p>\n<p>Wir dagegen bestehen \u2013 wie Leo Trotzki und Abraham L\u00e9on, die wir stattdessen zur Analyse heranziehen \u2013 auf der Feindschaft der beiden Hauptklassen des Kapitalismus, Bourgeoisie (Produktionsmittelbesitzende) und Proletariat (Lohnabh\u00e4ngige). Diese Denktradition m\u00f6chten wir vorstellen: Der Antisemitismus ist Produkt der Sp\u00e4tphase einer Gegen\u00fcberstellung der Hauptklassen, in der die Bourgeoisie keinerlei fortschrittliche Rolle mehr einnimmt und das Kleinb\u00fcrger*innentum \u00fcberall um seine Existenz f\u00fcrchten muss, zerrieben zwischen den Interessen der beiden Hauptklassen und durch die wiederkehrenden Krisen. L\u00e9on analysiert zur sch\u00e4rfsten Auspr\u00e4gung des Antisemitismus im Nationalsozialismus:<\/p>\n<p><em>Der Rassismus (gemeint ist hier spezifisch der antisemitische Nationalsozialismus, Anm. d. Verf.) erscheint anf<\/em><em>\u00e4<\/em><em>nglich als Ideologie der Kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rger. Sein Programm spiegelt die Interessen und Illusionen dieser Klasse wider. Er verspricht den Kampf gegen den <\/em><em>\u201a<\/em><em>Superkapitalismus<\/em><em>\u2018<\/em><em>, gegen die Trusts, gegen die B<\/em><em>\u00f6<\/em><em>rse, die gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>en Gesch<\/em><em>\u00e4<\/em><em>fte etc. Sobald jedoch das Gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>kapital das Proletariat mit Hilfe des Kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rgertums zerschlagen hat, wird ihm auch dieses l<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stig. Das Kriegsvorbereitungsprogramm beinhaltet eine gnadenlose Ausmerzung der Kleinunternehmen, eine gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>artige Entwicklung der Trusts und eine starke Proletarisierung. Dieselbe milit<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rische Vorbereitung bedarf aber der Unterst<\/em><em>\u00fc<\/em><em>tzung oder mindestens der Neutralit<\/em><em>\u00e4<\/em><em>t des Proletariats, des wichtigsten Produktionsfaktors. Das Gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>kapital z<\/em><em>\u00f6<\/em><em>gert auch keinen Augenblick, seine feierlich gegebenen Versprechungen aufs Zynischste zu brechen und das Kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rgertum in sch<\/em><em>\u00e4<\/em><em>ndlicher Manier abzuw<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rgen. Der Rassismus bem<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ht sich nun, das Proletariat zu gewinnen, indem er sich als radikal <\/em><em>\u201a<\/em><em>sozialistisch<\/em><em>\u2018<\/em><em> ausgibt. Hier spielt die Identifikation Judentum-Kapitalismus die wichtigste Rolle. Die radikale Enteignung der j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen Kapitalisten dient als Garantie und Beweis f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r die Bereitschaft des Rassismus zum antikapitalistischen Kampf. Der anonyme Charakter des Monopolkapitalismus im Gegensatz zu dem im allgemeinen an Personen gebundenen (und oft spekulativ kaufm<\/em><em>\u00e4<\/em><em>nnischen) Charakter der j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen Unternehmen erleichtert diese betr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>gerische Operation. Der Mann auf der Stra<\/em><em>\u00df<\/em><em>e erkennt leichter den <\/em><em>\u201a<\/em><em>realen Kapitalismus<\/em><em>\u2018<\/em><em>, n<\/em><em>\u00e4<\/em><em>mlich den H<\/em><em>\u00e4<\/em><em>ndler, den Fabrikanten, den Spekulanten, als den <\/em><em>\u201a<\/em><em>respektablen Direktor einer Aktiengesellschaft<\/em><em>\u2018<\/em><em>, den man als einen <\/em><em>\u201a<\/em><em>notwendigen Produktionsfaktor<\/em><em>\u2018<\/em><em> darstellt. Auf diese Art und Weise gelangt die Rassenideologie zu folgenden Identifikationen: Judentum = Kapitalismus, Rassismus = Sozialismus, gelenkte Kriegswirtschaft = sozialistische Planwirtschaft. (<\/em><a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/leon\/1946\/judenfrage\/kap8.htm\"><strong><em>Abraham L\u00e9on: Die j\u00fcdische Frage, Kap. 8<\/em><\/strong><\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p>In einem Moment der Schw\u00e4che des Proletariats, die gew\u00f6hnlich eine Schw\u00e4che seiner reformistischen F\u00fchrung ist, schl\u00e4gt sich das Kleinb\u00fcrger*innentum auf die Seite des St\u00e4rkeren, also meistens der Bourgeoisie, der es sich als Schl\u00e4gerbande und Ideologielieferant andient. Die \u201eZwischenklasse\u201c verteidigt ihre Privilegien; f\u00fcr ihre materielle Verteidigung braucht sie eine Ideologie, in der der Antisemitismus eine wichtige Rolle spielt.<\/p>\n<p>Die extremste Ausformung kleinb\u00fcrgerlich-reaktion\u00e4rer Verzweiflung, die in der Zerschlagung aller Arbeiter*innenorganisationen und der Versch\u00e4rfung aller Unterdr\u00fcckungen bis hin zur Ermordung des europ\u00e4ischen Judentums ging, war der deutsche Faschismus. Er begann als kleinb\u00fcrgerliche Massenbewegung und wurde als \u201eletzte Karte\u201c der Bourgeoisie gegen das Proletariat eingesetzt, um schlie\u00dflich in staatlich-bonapartisierter Form des Gro\u00dfkapitals weiter zu existieren und die Welt mit Krieg als einziger \u201eL\u00f6sung\u201c zu \u00fcberziehen, als die \u00dcberproduktion das imperialistische Land zu sprengen drohte.<\/p>\n<p><em>Die ungez<\/em><em>\u00fc<\/em><em>gelte Entfaltung der Produktivkr<\/em><em>\u00e4<\/em><em>fte, die auf die engen Grenzen der Konsumtionsf<\/em><em>\u00e4<\/em><em>higkeit st<\/em><em>\u00f6\u00df<\/em><em>t <\/em><em>\u2013<\/em><em> das ist die wirkliche Triebkraft des Imperialismus, dem h<\/em><em>\u00f6<\/em><em>chsten Stadium des Kapitalismus. Stattdessen ist scheinbar jedoch die Rasse seine offensichtlichste Kraft. Der Rassismus ist also in erster Linie die ideologische Verkleidung des modernen Imperialismus. Die <\/em><em>\u201a<\/em><em>f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r ihren Lebensraum k<\/em><em>\u00e4<\/em><em>mpfende Rasse<\/em><em>\u2018<\/em><em> spiegelt nichts anderes wider als den st<\/em><em>\u00e4<\/em><em>ndigen Expansionszwang, der den Finanz- oder den Monopolkapitalismus charakterisiert. (<\/em><a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/leon\/1946\/judenfrage\/kap8.htm\"><strong><em>Abraham L\u00e9on: Die j\u00fcdische Frage, Kap. 8<\/em><\/strong><\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p>Die Macht des Antisemitismus geht nicht aus einer religi\u00f6sen oder \u201ekulturellen\u201c Anschauung hervor, wie es Antideutsche gegen\u00fcber dem Islam oder dem \u201eDeutschsein\u201c behaupten, sondern aus dem nationalistischen \u201ekapitalistischen Antikapitalismus\u201c (L\u00e9ons Formulierung in \u201e<a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/leon\/1946\/judenfrage\/kap8.htm\"><strong>Die j\u00fc<\/strong><strong>dische Frage<\/strong><\/a>\u201c) des Kleinb\u00fcrger*innentums \u2013 im Interesse des Gro\u00dfkapitals.<\/p>\n<p>Der Antisemitismus hat eine \u201everschwei\u00dfende\u201c Funktion innerhalb der eklektischen und selbstwiderspr\u00fcchlichen nationalistischen Agitationen der reaktion\u00e4rsten Fraktionen. Auch das macht ihn zu einem besonderen Rassismus. Er dr\u00fcckt am allermeisten das Vorurteil und den Hass des Kleinb\u00fcrger*innentums aus, das den Kapitalismus gleichzeitig erhalten und bek\u00e4mpfen will, da es von ihm lebt und in ihm tendenziell zerst\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>Antisemitische Vorhaltungen sind f\u00fcr den Nationalismus so universell verwendbar, nicht obwohl, sondern gerade weil das konkrete mittelalterliche Vorurteil des Hortens und Wucherns gegen die Juden*J\u00fcdinnen objektiv haltlos ist. Einher mit der Zerstreuung des Judentums in alle Klassen der modernen Gesellschaft, der Assimilation in den imperialistischen L\u00e4ndern (und sp\u00e4ter der zionistischen Staatsgr\u00fcndung), geht f\u00fcr die Antisemit*innen nur die <em>Behauptung der Universalisierung<\/em> j\u00fcdischer Herrschaft. Trotzki schrieb zu dieser spezifisch kleinb\u00fcrgerlichen L\u00fcge des Nationalsozialismus und warum sie so beharrlich jeder Logik trotzt:<\/p>\n<p><em>Der Kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rger ist dem Entwicklungsgedanken feind, denn die Entwicklung geht best<\/em><em>\u00e4<\/em><em>ndig gegen ihn <\/em><em>\u2013<\/em><em> der Fortschritt brachte ihm nichts als unbezahlbare Schulden. Der Nationalsozialismus lehnt nicht nur den Marxismus, sondern auch den Darwinismus ab. Die Nazis verfluchen den Materialismus, weil die Siege der Technik <\/em><em>\u00fc<\/em><em>ber die Natur den Sieg des gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>en <\/em><em>\u00fc<\/em><em>ber das kleine Kapital bedeuten. Die F<\/em><em>\u00fc<\/em><em>hrer der Bewegung liquidieren den <\/em><em>\u201a<\/em><em>Intellektualismus<\/em><em>\u2018<\/em><em> nicht so sehr deshalb, weil sie selbst mit einem Intellekt zweiter und dritter Sorte versehen sind, sondern vor allem, weil ihre geschichtliche Rolle es ihnen nicht gestattet, irgendeinen Gedanken zu Ende zu f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>hren. Der Kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rger braucht eine h<\/em><em>\u00f6<\/em><em>chste Instanz, die <\/em><em>\u00fc<\/em><em>ber Natur und Geschichte steht, gefeit gegen Konkurrenz, Inflation, Krise und Versteigerung. (<\/em><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1933\/06\/natsoz.htm\"><strong><em>Trotzki: Portr\u00e4t des Nationalsozialismus<\/em><\/strong><\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p>Der V\u00f6lkermord am europ\u00e4ischen Judentum aktualisierte den Anti-Materialismus der Antisemit*innen: Die erneute Zerstreuung des Judentums \u00fcber die Kontinente, die Unsichtbarkeit seines kulturellen Lebens \u00fcber Jahrzehnte, da sein physisches in Teilen Europas nahezu v\u00f6llig vernichtet wurde, erh\u00e4rtet den antisemitischen Grundverdacht der Moderne: \u201e<em>Die Juden sind <\/em><em>\u00fc<\/em><em>berall, weil sie nirgendwo sind.\u201c<\/em>\u00a0Mit vern\u00fcnftigen Argumenten allein ist diesem Verdacht nicht ausreichend beizukommen.<\/p>\n<p>Der Staat Israel schlie\u00dflich wird von Antisemit*innen ins Erz\u00e4hlmuster des universellen Judentums eingeordnet. Er wird dabei nicht gem\u00e4\u00df den materiellen Interessen der herrschenden israelischen, US-amerikanischen, deutschen und so weiter Klassen betrachtet, sondern gem\u00e4\u00df eines verborgenen \u201eanderen Interesses\u201c, eines klassen\u00fcbergreifenden j\u00fcdischen Interesses, das es nicht gibt.<\/p>\n<p><strong>Exkurs: Stalinismus und Antisemitismus<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte der Stalinisierung zeigt sehr deutlich, wie der Antisemitismus nach dem Sturz des Kapitals wieder \u201eneu geboren\u201c werden konnte. Es war nicht etwa der Antikapitalismus, der den Antisemitismus in der stalinisierten Sowjetunion hervorbrachte, denn der antikapitalistische Charakter des von B\u00fcrokrat*innen regierten Arbeiter*innenstaats bestand in der Enteignung des Kapitals von den Produktionsmitteln. Es war die b\u00fcrokratische Kaste mit ihrer nationalistischen und anti-marxistischen Ideologie des \u201eSozialismus in einem Land\u201c, die zusammen mit einer neuen Welle der Frauen- und LGBTI*-Feindlichkeit auch eine Flut des Antisemitismus auf den jungen Staat st\u00fcrzte. Die Widerspr\u00fcche der B\u00fcrokratie wurden f\u00e4lschlich mit den Juden*J\u00fcdinnen innerhalb und au\u00dferhalb der B\u00fcrokratie identifiziert. Trotzki f\u00fchrt diese neuen antisemitischen Ph\u00e4nomene in dem Artikel <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1937\/02\/antisemit.htm\"><strong>Thermidor und Antisemitismus<\/strong><\/a> aus dem Jahr 1937 aus.<\/p>\n<p>Wie im Kapitalismus war der Antisemitismus mit dem Nationalismus eng verbunden: Der Internationalismus der Bolschewiki-Leninist*innen von der Internationalen Linken Opposition um Trotzki wurde mit einer j\u00fcdischen Weltverschw\u00f6rung identifiziert. Entsprechend wurden die Juden*J\u00fcdinnen zu \u201eKosmopolit*innen\u201c umgetauft und verfolgt. Ein gro\u00dfer Teil des Antisemitismus innerhalb der Linken st\u00fctzt sich bis heute programmatisch auf den stalinistischen Nationalismus, die Anbiederung gegen\u00fcber dem Kleinb\u00fcrger*innentum und den nationalen Bourgeoisien in Volksfronten.<\/p>\n<p><strong>Aktuelle Formen des Antisemitismus<\/strong><\/p>\n<p>Antisemitismus ist aktuell in der \u201eNeuen Rechten\u201c:<em>\u00a0\u201eDie Umverteilung findet nicht von arm auf reich, sondern von flei\u00dfig auf reich statt.\u201c<\/em>\u00a0Solche S\u00e4tze h\u00f6rt man oft von Antisemit*innen, die im Anschluss Anspielungen auf j\u00fcdische Bankiersfamilien fallen lassen. Hier dr\u00fcckt der Antisemitismus die Angst des Kleinb\u00fcrger*innentums schlechthin aus: Kein \u201eFlei\u00df\u201c wird ihnen gegen das gro\u00dfe Kapital helfen. Gleichzeitig dr\u00fcckt er die Bindung des Kleinb\u00fcrger*innentums an den Kapitalismus aus, denn nicht die Verteilung der gesellschaftlich notwendigen Arbeit und die planm\u00e4\u00dfige Produktion sind ihre Vorstellung, sondern die Utopie, im Kapitalismus \u201edurch Flei\u00df\u201c reich zu werden, was den Erfahrungen der Arbeiter*innenklasse krass widerspricht.<\/p>\n<p>Der Antisemitismus hat sich hierzulande seit dem deutschen Faschismus wiederum ver\u00e4ndert.\u00a0 Juden*J\u00fcdinnen siedelten sich erst ab 1990 wieder st\u00e4rker in Deutschland an, heute leben 250.000 Juden*J\u00fcdinnen hier, viele von ihnen kamen wegen des Antisemitismus und der Armut aus der kapitalistisch restaurierten Sowjetunion. Sie werden heute erneut antisemitisch angegriffen, durch Grabsch\u00e4ndungen, Schmierereien, Beleidigungen, k\u00f6rperliche Angriffe. Diese Unterdr\u00fcckung greift auf Elemente der alten Ideologie des Nationalsozialismus zur\u00fcck, vermengt sie nur mit neuen Irrationalismen.<\/p>\n<p><strong>Antisemitismus in der Esoterik und in der <\/strong><strong>\u201e<\/strong><strong>Neuen Rechten<\/strong><strong>\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Antisemitismus heute lebt immer noch von der abstrakten Angst vor dem Finanzkapital, dem er eine scheinbar \u201eheile Welt\u201d deutschen Blutes und deutschen Bodens entgegensetzt. Einziger Unterschied: Deutsches Blut wird heute eher \u201eKultur\u201c genannt und deutscher Boden \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c. Anstatt die Kapitalist*innen als solche zu benennen, ersetzt die Demagogie sie mit einer erfundenen Erz\u00e4hlung von der durch zahlreiche Euphemismen verdeckten Figur \u201edes Juden\u201c, der als Zionist, \u201eOstk\u00fcstler\u201c, \u201eFinanzkapitalist\u201c, \u201eFEDler\u201c, \u201edunkle Macht\u201c, \u201eanderes Interesse\u201c, \u201eGlobalist\u201c, \u201eIsrael-Lobbyist\u201c und vieles weitere mehr bezeichnet wird. Mahnwachen-Anf\u00fchrer Lars M\u00e4hrholz brachte diese Formel auf einen Punkt, wenn er in der Rolle als Kleinb\u00fcrger seine Angst vor Wertverlust zusammenfasst: \u201e<em>Die Bank nimmt dir reale Werte weg (<\/em><em>\u201a<\/em><em>echtes<\/em><em>\u2018<\/em><em> Bargeld, Anm. d. Verf.), nachdem sie dir unreale Werte (Kontoeinlagen, Anm. d. Verf.) gegeben hat.<\/em><em>\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2015, also noch vor dem rechtsradikalen \u201ePutsch\u201c gegen den rechtskonservativen Parteigr\u00fcnder Lucke, veranstaltete die AfD Nordrhein-Westfalen einen \u201eAlternativen Wissenskongress\u201c. Die Hauptredner*innen waren antisemitische, euro- und \u201ezinskritische\u201c Ideolog*innen der Neurechten. Im Dunstkreis des geladenen Kreises glaubt man mitunter an eine Verschw\u00f6rung von Reptiloiden und \u201eder Zinslobby\u201c, <em>vulgo<\/em>\u00a0den Juden*J\u00fcdinnen.<\/p>\n<p>In ruhigen Zeiten interessiert sich niemand f\u00fcr Menschen, die an Reptiloide glauben. Solche Personen schwanken zwischen Deklassierung und Kleinb\u00fcrger*innentum, haben entweder schon Kapital f\u00fcr ihr esoterisches Dasein, brauchen den Beistand eines exzentrischen M\u00e4zens oder scharen genug verzweifelte Sektengl\u00e4ubige um sich, die ihr Treiben mit Seminargeb\u00fchren und dem Kauf von Talismanen finanzieren.<\/p>\n<p>In unruhigeren Zeiten aber brauchen reaktion\u00e4re Massenbewegungen Ideologielieferant*innen. Da die b\u00fcrgerlichen Wissenschaften sich, so lange der Kapitalismus als Ganzes noch einigerma\u00dfen stabil scheint, weniger f\u00fcr solche Unterfangen hergeben, dienen v\u00f6lkische Esoterik, christliche Sekten, halbfaschistische Verbindungen und elitistische Rechtsradikale als intellektueller Pool f\u00fcr die Bewegung. Dabei interessieren sie sich weniger f\u00fcr die Teile mit den Reptiloiden und mehr f\u00fcr die Ideologieelemente \u00fcber j\u00fcdische Herrschaft, getarnt als \u201eW\u00e4hrungs- und Zinskritik\u201c.<\/p>\n<p><strong>Rechtes Geheimwissen<\/strong><\/p>\n<p>Unbewusst angefeuert wird der (<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/zur-situation-in-deutschland-iii-eine-rechte-massenbewegung-und-das-potential-einer-linken-jugendbewegung\/\"><strong>lokal auf Dresden beschr\u00e4nkte<\/strong><\/a>) Masseneinfluss des Pegida-Rassismus in erster Linie durch die Unterdr\u00fcckung von Migrant*innen und besonders Gefl\u00fcchteten durch die rassistischen deutschen Institutionen und die Regierung. Da sie aber selbst nicht die Bourgeoisie stellen und von der Unterdr\u00fcckung \u201enach unten\u201c profitieren, richtet sich das Ressentiment der Pegida-Leute sowie ihrer bundesweiten Sympathisant*innen auch gegen einen \u201ePuffer\u201c zum Kapitalismus. Zumal sie den Kapitalismus selbst weder angreifen k\u00f6nnen noch wollen. Dieser Puffer sind f\u00fcr sie J\u00fcdinnen*Juden. Sie imaginieren die meist codiert genannte Figur der*des Juden*J\u00fcdin als Verantwortliche f\u00fcr Kredite, Bankenwesen, Zins, \u201eGier\u201c und nicht bar gezahltes Geld \u2013 kurzum alles, was die soziale Minderwertigkeit des Kleinb\u00fcrger*innentums gegen das Gro\u00dfb\u00fcrger*innentum ausmacht.<\/p>\n<p>Die Kunstfigur des*der verschworenen J\u00fcdin*Juden soll die realen Triebkr\u00e4fte des Kapitalismus zugunsten alter rassistischer Traditionen vergessen machen. Die antisemitisch leicht anschlussf\u00e4hige Kritik am Zins vertauscht die wissenschaftliche Tatsache, dass Wert aus Arbeitskraft gesch\u00f6pft wird, mit dem Irrationalismus, dass \u201eGeld aus dem Nichts\u201c kommt. Eine Behauptung, die auch innerhalb der Reformlinken mangels Klassenanalyse popul\u00e4r und somit anschlussf\u00e4hig f\u00fcr Querfront-Taktiken ist.<\/p>\n<p>Die Esoterik \u2013 und viele Spielformen der nichtmarxistischen \u201eWirtschaftskritik\u201c \u2013 verneinen \u00fcberhaupt die wissenschaftliche Methode. An die Stelle einer Analyse der Klassen setzen sie Lehren von Abstammungen und v\u00f6lkischem Recht. Da sie den Kapitalismus nicht verstehen k\u00f6nnen, behaupten die rechten Ideolog*innen einfach ein Geheimwissen. Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe:<\/p>\n<p>Zum einen \u201eerkl\u00e4ren\u201c die \u201eNeuen Rechten\u201c \u2013 und ihr Einflussbereich \u2013 so die Wirkung metaphysischer Kr\u00e4fte und j\u00fcdischer Geheimb\u00fcnde, die mit nicht-\u00f6ffentlichen Methoden und unzug\u00e4nglichen Codes arbeiten m\u00fcssten. W\u00e4hrend Lenin <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-sponsoren-der-siko-verschwoerungstheorien-und-die-richtige-strategie-gegen-krieg\/\"><strong>seine Imperialismustheorie mit \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen bildete<\/strong><\/a>, ja der gesamte Kapitalismus offen vor unseren Augen abl\u00e4uft und jede*r Arbeiter*in das Prinzip der Ausbeutung der Lohnarbeit durch eigene Anschauung verstehen kann, ist es nicht so leicht zu zeigen, warum die Herrschaft des Menschen \u00fcber den Menschen gut, die Ausbeutung von Lohnarbeit gut, das Privateigentum an Produktionsmittel gut \u2013 internationales Finanzkapital aber b\u00f6se und dem Rest des Kapitalismus fremd, ja sogar antagonistisch gegen\u00fcber der Produktion, aus dem es in Wahrheit hervorgeht, sein soll. Die Rechten brauchen also Verwirrung, weil ihre Theorie schlecht ist.<\/p>\n<p>Zum Anderen verschanzt die reaktion\u00e4re Lehre somit das Fehlen einer wissenschaftlichen Methode in ihren eigenen Ausf\u00fchrungen, denn nat\u00fcrlich k\u00f6nnen nur besonders ausgew\u00e4hlte Erleuchtete verstehen, womit die breite Masse der Menschheit angeblich dumm und abh\u00e4ngig gehalten wird (im neurechten Internetsprech: \u201esheeple\u201c). Das ist die elitistische Komponente. Denn schlie\u00dflich ist die Esoterik keine Lehre der Befreiung, sondern eine Lehre des Kastenwesens, in dem \u201ejeder Mensch seinen Platz\u201c hat.<\/p>\n<p><strong>Zweifelhafte Allianzen<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die mehr als zweifelhaften Allianzen in \u201eMahnwachen\u201c und \u201eFriedenswinter\u201c habe ich mich bereits ge\u00e4u\u00dfert: Sie waren und sind von Rechten durchzogen. Echte Querfronten stellten sie nie dar, daf\u00fcr fehlte die Anwesenheit einer Arbeiter*innenorganisation, aber die Taktik der Rechten bezog Querfrontmethoden der sozialen Demagogie gegen nicht n\u00e4her bestimmte \u201eEliten\u201c nat\u00fcrlich mit ein. Nicht alle Menschen, die dort hingingen, waren rechtsaffin, das w\u00e4re eine \u00dcbertreibung. Aber der Gesamtcharakter war stets rechts und antisemitisch, allein die ehemalige und l\u00e4ngst zerstrittene Bundes-F\u00fchrung aus Ken Jebsen, Lars M\u00e4hrholz und J\u00fcrgen Els\u00e4sser sollte bei linken Menschen eigentlich einen Abwehrreflex ausl\u00f6sen. \u00c4hnliche Elemente tummeln sich in allen m\u00f6glichen Pro-Russland-Initiativen.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch einen vorgeblich \u201epro-j\u00fcdischen\u201c Teil der neurechten Kleinb\u00fcrger*innen, der allerdings pro-zionistisch und islamophob-rassistisch ist. Darunter f\u00e4llt im \u201egem\u00e4\u00dfigten\u201c rechtsintellektuellen Spektrum zum Beispiel der pro-imperialistische Propaganda-Blog \u201eDie Achse des Guten\u201c um Henryk Broder. Im Bereich der faschistoiden Kleinstbewegungen sind das dann zum Beispiel Ex-\u201eDie Freiheit\u201c (jetzt ein Teil der AfD) und PI-News um Michael St\u00fcrzenberger, auch Pegida ist mit vielen Israel-Fahnen auf Demos. Diese Leute, die besonders scharf gegen den Islam hetzen, tragen einen Pro-Zionismus vor sich her, der sich beim n\u00e4heren Blick auch als feindlich gegen\u00fcber dem Judentum erweist.<\/p>\n<p>In Pegida steht man ohne ein Problem zusammen mit dem offen antisemitischen Teil der nationalistischen Bewegung wie \u201eIII. Weg\u201c auf der Stra\u00dfe, um die Privilegien als wei\u00dfe Christ*innen zu verteidigen. Israel-Fahnen in den Reihen der Neurechten sind also mitnichten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Und das \u201echristlich-j\u00fcdische Abendland\u201c ist nicht nur eine L\u00fcge, sondern ein Hohn auf den jahrtausendelangen Antisemitismus des Christentums.<\/p>\n<p>Auch einige \u201eantifaschistische\u201c Linke legen sich in vorgeblicher Verteidigung des Judentums eine prozionistische Haltung zu. Doch die \u201eVerteidigung Israels\u201c ist nicht nur eine schlechte Ausrede f\u00fcr prokapitalistische, nach rechts offene Politik im Sinne der Merkel- und der Netanjahu-Regierungen, die ganz und gar nicht im Interesse j\u00fcdischer Linker und Arbeiter*innen ist. Sondern sie ist auch ganz und gar das falsche Mittel, um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen. So konnte der Staat Israel weder in der Region noch im Rest der Welt den Antisemitismus auf den \u201eM\u00fcllhaufen der Geschichte\u201c schicken, sondern das rassistische \u00dcbel blieb lebendig und anpassungsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Das liegt zum kleineren Teil an der Widerspr\u00fcchlichkeit des zionistischen Projekts und der Besatzung selbst. St\u00e4rker liegt es gerade hierzulande \u2013 da der deutsche Antisemitismus nicht urs\u00e4chlich mit der Pal\u00e4stinafrage verbunden ist \u2013 an den nationalistischen Wurzeln des Hasses, verbunden mit der fehlenden Abrechnung mit dem eigenen nationalen Kapital.<\/p>\n<p><strong>Wie bek\u00e4mpfen wir den Antisemitismus?<\/strong><\/p>\n<p>Am besten wird der Antisemitismus \u2013 allgemein gesagt \u2013 mit einem Programm der Einheit der Arbeiter*innenklasse gegen das Kapital bek\u00e4mpft, das die Ideologie des Antisemitismus zusammen mit dem Nationalismus einstampft und durch ein Programm der F\u00fchrung der Arbeiter*innenklasse unabh\u00e4ngig vom Kapital ersetzt. Daf\u00fcr ist es gleicherma\u00dfen notwendig, die gesellschaftlich wirksame antisemitische Ideologie als eine Form der Unterdr\u00fcckung anzuerkennen.<\/p>\n<p>F\u00fchren wir uns als Kontrapunkt unserer Klasse nochmal den \u201eantikapitalistisch-kapitalistischen\u201c Charakter des Kleinb\u00fcrger*innentums vor Augen, das den Antisemitismus am meisten hervorbringt und f\u00f6rdert:<\/p>\n<p><em>(Das) Kleinb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rgertum ist nicht nur eine kapitalistische Klasse, d.h. eine Klasse, die alle kapitalistischen Tendenzen in Miniatur in sich tr<\/em><em>\u00e4<\/em><em>gt. Es ist zugleich antikapitalistisch. Es hat das starke, wenn auch vage Bewu<\/em><em>\u00df<\/em><em>tsein, vom Gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>kapital ausgepl<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ndert und ruiniert zu werden. Aber sein Doppelcharakter, seine Lage zwischen zwei Klassen, erlaubt es ihm nicht, die wirkliche Struktur der Gesellschaft und den wirklichen Charakter des Gro<\/em><em>\u00df<\/em><em>kapitals zu durchschauen. Es ist unf<\/em><em>\u00e4<\/em><em>hig, die tats<\/em><em>\u00e4<\/em><em>chlichen Tendenzen der gesellschaftlichen Entwicklung zu verstehen, denn es ahnt, da<\/em><em>\u00df<\/em><em> f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r es selbst diese Entwicklung nur t<\/em><em>\u00f6<\/em><em>dlich sein kann. Es will antikapitalistisch sein, ohne aufzuh<\/em><em>\u00f6<\/em><em>ren, kapitalistisch zu sein. Es will den schlechten Charakter des Kapitalismus zerst<\/em><em>\u00f6<\/em><em>ren, d.h. die Tendenzen, die es selbst ruinieren, und zugleich den <\/em><em>\u201a<\/em><em>guten Grundcharakter<\/em><em>\u2018<\/em><em> des Kapitalismus erhalten, der es ihm erlaubt zu leben und sich zu bereichern. (<\/em><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/leon\/1946\/judenfrage\/kap8.htm\"><strong><em>Abraham L\u00e9on: Die j\u00fcdische Frage, Kap. 8<\/em><\/strong><\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p><strong>Nicht nur Aufkl<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rung<\/strong><strong>\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Der Kampf gegen den Antisemitismus kann nicht ausschlie\u00dflich mit Aufkl\u00e4rung \u00fcber falsche gegen Juden*J\u00fcdinnen gerichtete Vorw\u00fcrfe gef\u00fchrt werden. Er kann nicht \u201edekonstruiert\u201c werden, denn seine \u201eKonstruktion\u201c ist die b\u00fcrgerliche Nation selbst.<\/p>\n<p>Es reicht also nicht, die wahre Ansage zu machen, dass die FED-Zentralbank ein Instrument der mehrheitlich wei\u00dfen und christlichen US-Bourgeoisie und mitnichten eine \u201ezionistische Verschw\u00f6rung\u201c ist. Die Belehrung \u00fcber die Trennung des Staats Israel von \u201eden Juden\u201c und ihren Interessen, die es als Ganzes gar nicht gibt, die aber mehrheitlich Arbeiter*inneninteressen sind, ist richtig. Doch beendet sie noch nicht das irrationale Vorurteil.<\/p>\n<p>Die marxistische Wissenschaft muss zwar \u00fcber die Identit\u00e4t von Bank- und Industriekapital im Imperialismus aufkl\u00e4ren, denn es gibt keinen Unterschied zwischen \u201eraffendem und schaffendem\u201c Kapital, sondern die produzierenden Sektoren und die Anlagem\u00e4rkte sind miteinander verschmolzen. Doch auch das wird nicht gen\u00fcgen, denn wie stets beim Rassismus ist die Dummheit nicht sein Ausgangspunkt, sondern seine Folge.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen den Nationalismus als Wurzel des Rassismus ausrei\u00dfen, indem wir seine Institutionen bek\u00e4mpfen und Vorurteile in der Arbeiter*innenklasse durch eine klassenk\u00e4mpferische, sozialistische Weltanschauung ersetzen. Damit der Nationalismus als Grundlage des Antisemitismus \u201eraus aus den K\u00f6pfen\u201c kommt, muss er raus aus den Betrieben, Schulen, Universit\u00e4ten. Diese Orte m\u00fcssen f\u00fcr die Sache der internationalen Arbeiter*innenklasse gewonnen werden, sie m\u00fcssen selbst erk\u00e4mpft werden. Das wichtigste Gegengift gegen den falschen Vorwurf des \u201einternationalen Juden\u201c ist proletarischer Internationalismus.<\/p>\n<p>Doch innerhalb des Kapitalismus k\u00e4men wir selbst mit einer Partei gar nicht mit der Erziehung nach, soviel neuer Unsinn sprie\u00dft aus reaktion\u00e4ren Kleinb\u00fcrger*innenk\u00f6pfen hervor und verteilt sich via YouTube und Facebook in den Massen. Allein der Kampf um die \u201ekulturelle Hegemonie\u201c ist v\u00f6llig unzureichend.<\/p>\n<p><strong>\u2026<\/strong><strong>sondern Kampf gegen den Nationalismus<\/strong><\/p>\n<p>Der irrationale Verdacht, der aus dem Kleinb\u00fcrger*innentum kommt, reicht bis tief in unsere eigene Klasse hinein. Er kann in der Massenaktion dieser Klasse gegen das \u201eVaterland\u201c materiell am sch\u00e4rfsten angegriffen werden, also im politischen Streik gegen die nationalistische Unterdr\u00fcckung und den \u201eStandort\u201c, gegen die Senkung des Lebensstandards in der Krise, gegen die Unterwerfung Europas und der ganzen Welt durch Kapital aus Deutschland.<\/p>\n<p>Die Perspektive der Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Nationalstaats zugunsten proletarischer F\u00f6derationen ist schlie\u00dflich die einzig realistische M\u00f6glichkeit, den Antisemitismus loszuwerden. Die Arbeiter*innen sind eine Klasse ohne Vaterland, wie die Juden*J\u00fcdinnen in der Diaspora zu einem Volk ohne Vaterland gemacht wurden. Es gibt keine Zuflucht f\u00fcr sie in der b\u00fcrgerlichen Nation \u2013 <em>auch nicht in Israel<\/em>.<\/p>\n<p>Und es gibt keine Zuflucht in der Klassenvers\u00f6hnung: Das Kapital gibt sich manchmal \u201ephilosemitisch\u201c, doch sch\u00fcrt selbst den Nationalismus mit seinen Grenzen, Kriegen und Gesetzen. Im Extremfall der revolution\u00e4ren Situation griff es, um die organisierte Arbeiter*innenklasse loszuwerden, auf den Faschismus einer kleinb\u00fcrgerlichen Massenbewegung zur\u00fcck. Deren Antisemitismus st\u00fctzte sich zus\u00e4tzlich zur ideologischen Komponente auf die Aneignung des Besitzes von J\u00fcdinnen*Juden und die Ausschaltung j\u00fcdischer Konkurrent*innen.<\/p>\n<p>Dieses stets schwankende Kleinb\u00fcrger*innentum, das rassistische Verschw\u00f6rungstheorien am meisten entwirft und glaubt, das nach jedem Strohhalm des Privateigentums mit Gewalt greift, k\u00f6nnen wir rein intellektuell nicht \u00fcberzeugen. Wir k\u00f6nnen es \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur in der Praxis von der revolution\u00e4ren F\u00fchrungsrolle der Arbeiter*innenklasse \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Bereits jetzt m\u00fcssen wir alle antisemitischen Vorurteile besonders in der antiimperialistischen Jugend und in den Organisationen der Linken und der Arbeiter*innenklasse konsequent bek\u00e4mpfen. Die Einheit der Linken und der Arbeiter*innen wird in der Realit\u00e4t nur auf Grundlage eines Programms geschaffen, das jede Unterdr\u00fcckung konfrontiert. Besonders braucht die Einheit, die siegreich gegen das Kapital sein kann, eine Freiheit von nationalistischer Ideologie, da sie unserer Klasse am meisten schadet. Daher ist auch ein ideologischer Kampf innerhalb der Linken n\u00f6tig, um Antisemitismus ernst zu nehmen und nicht zu dulden.<\/p>\n<p><strong>Verteidigung gegen Antisemitismus organisieren<\/strong><\/p>\n<p>Die Trag\u00f6die an der Existenz des \u201eantideutschen Spektrums\u201c ist, dass es Antisemitismus in der Linken gibt, die Antideutschen ihn aber erstens falsch analysieren, n\u00e4mlich idealistisch statt materialistisch, und ihm zweitens nichts als eigenen Chauvinismus und Rassismus entgegenzusetzen haben. Viel zu wenige antiimperialistische Gruppen stellen ein Programm gegen Antisemitismus auf und \u00fcberlassen damit kleinb\u00fcrgerlich-reaktion\u00e4ren Str\u00f6mungen, die Marx durch Adorno und den Internationalismus durch die Israelfahne ersetzt haben, das Feld.<\/p>\n<p>Wir k\u00e4mpfen gegen den Antisemitismus nicht nur aus \u201etaktischen\u201c Gr\u00fcnden, um der Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus entgegenzuwirken. Wir k\u00e4mpfen auch f\u00fcr die Emanzipation von antisemitischer Unterdr\u00fcckung, weil dieser Kampf ein Teil des Kampfs f\u00fcr die Emanzipation der Menschheit, den Kommunismus, ist.<\/p>\n<p>Jeder Brandanschlag auf eine Synagoge ist ein Angriff auf dieses Ziel, aber auch jede antisemitische Karikatur auf Facebook, jede antisemitische Parole auf einer Demo. Die Gleichsetzung von Juden*J\u00fcdinnen mit Israel oder dem Judentum mit dem Zionismus d\u00fcrfen Linke nicht tolerieren. Wir d\u00fcrfen uns auch von den zahlreichen Codes nicht irritieren lassen \u2013 selten f\u00e4llt direkt das Wort \u201eJude\u201c \u2013, wenn antisemitische Bemerkungen gemacht werden. Oft hilft nachfragen, was gemeint ist, und das Gespr\u00e4ch zeigt dann schon, aus welcher Richtung der Wind weht.<\/p>\n<p>Wir sind uns dar\u00fcber bewusst, dass die notwendigen \u00dcbergangsphasen zum Kommunismus die Frage des Antisemitismus nicht sofort l\u00f6sen k\u00f6nnen, genauso wie sie die Frauenunterdr\u00fcckung, die Unterdr\u00fcckung von LGBTI* oder den Rassismus nicht sofort mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel unter Arbeiter*innenkontrolle und dem politischen Monopol der Arbeiter*innenklasse besiegen werden. Der Antisemitismus wird erst endg\u00fcltig aufgehoben sein, wenn die Nationalstaaten und seine Vorurteile endg\u00fcltig aufgehoben sind und es schlie\u00dflich keine Klassen mehr gibt, also im Kommunismus selbst.<\/p>\n<p>Bis dahin m\u00fcssen wir \u00fcberall f\u00fcr den Schutz von Juden*J\u00fcdinnen und ihren Einrichtungen vor Rassismus eintreten und gegen antisemitische L\u00fcgen vorgehen. Zu unserem Programm geh\u00f6rt daher, dass das Recht auf freie Aus\u00fcbung der Religion und Kultur gesch\u00fctzt und das j\u00fcdische Leben in Deutschland und weltweit anerkannt werden muss. Die politische Linke und die Gewerkschaften m\u00fcssen au\u00dferdem f\u00fcr die Verteidigung von Juden*J\u00fcdinnen und ihren Einrichtungen gegen Angriffe selbst eintreten, anstatt auf den Staat zu vertrauen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr ein revolution\u00e4res antizionistisches Programm <\/strong><\/p>\n<p>Solange es keine glaubw\u00fcrdige proletarische Perspektive gibt, die den Antisemitismus ausrei\u00dfen kann, wird es auch Illusionen in den Zionismus geben, der eine verzweifelte, versp\u00e4tete, kolonialistische und damit reaktion\u00e4re Antwort auf den Antisemitismus war und ist.<\/p>\n<p>Der linke Publizist Isaac Deutscher schreibt 1977 in <em>Die ungel\u00f6ste Judenfrage<\/em>, es gebe so etwas wie j\u00fcdische Identit\u00e4t f\u00fcr ihn als Internationalisten und Atheisten eigentlich nicht \u2013 sie bestehe aber doch darin weiter, und zwar darin, dass als J\u00fcdin*Jude geltende Menschen st\u00e4ndig von Antisemit*innen bedroht werden. In diesem Heft schreibt er zum Staat Israel:<\/p>\n<p><em>Die Welt hat die Juden in der Zeit gezwungen, einen Nationalstaat anzustreben und Stolz und Hoffnung auf ihn zu setzen, da ein Nationalstaat wenig oder keine Hoffnung mehr geben kann. Daf<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r kann man nicht die Juden verantwortlich machen. Man muss vielmehr die Welt daf<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r verantwortlich machen. (Isaac Deutscher: Zur Judenfrage, S. 19. In ebd.: Die ungel<\/em><em>\u00f6<\/em><em>ste Judenfrage. Zur Dialektik von Antisemitismus und Zionismus, Berlin 1977)<\/em><\/p>\n<p>Die israelische Staatsgr\u00fcndung ist in dem Sinne vor allem ein Produkt imperialistischer Interessen, die vor dem Hintergrund der Verfolgung und Ermordung der Juden*J\u00fcdinnen einen Schritt zur Modernisierung der imperialistischen Ausbeutung darstellt.<\/p>\n<p>Was \u00fcber Deutschers Zitat aber hinausgeht, ist dass die j\u00fcdische Arbeiter*innenklasse in Israel eine gro\u00dfe Verantwortung in der Aufrechterhaltung dieses Projekts tr\u00e4gt \u2013 oder in seinem Sturz, indem sie dem unterdr\u00fcckten und massakrierten pal\u00e4stinensischen Volk ihre Hand reicht. Lenin schreibt zur Rolle der Arbeiter*innenklasse in den unterdr\u00fcckenden Nationen:<\/p>\n<p><em>Das Proletariat der unterdr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckenden Nationen kann sich mit den allgemeinen, schablonenhaften, von jedem Pazifisten wiederholten Phrasen gegen Annexionen und f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r die Gleichberechtigung der Nationen <\/em><em>\u00fc<\/em><em>berhaupt nicht begn<\/em><em>\u00fc<\/em><em>gen. Das Proletariat kann nicht an der f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r die imperialistische Bourgeoisie besonders unangenehmen Frage der Grenzen des Staates, die auf nationaler Unterjochung beruhen, stillschweigend vorbeigehen. Es kann sich des Kampfes gegen die gewaltsame Zur<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckhaltung der unterjochten Nationen in den Grenzen des vorhandenen Staates nicht enthalten, und eben dies hei<\/em><em>\u00df<\/em><em>t f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r das Selbstbestimmungsrecht der Nationen k<\/em><em>\u00e4<\/em><em>mpfen. Das Proletariat mu<\/em><em>\u00df<\/em><em> die Freiheit der politischen Abtrennung der von <\/em><em>\u201a<\/em><em>seiner<\/em><em>\u2018<\/em><em> Nation unterdr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckten Kolonien und Nationen fordern. Andernfalls wird der Internationalismus des Proletariats zu leeren Worten; weder Vertrauen noch Klassensolidarit<\/em><em>\u00e4<\/em><em>t unter den Arbeitern der unterdr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckten und der unterdr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckenden Nation sind m<\/em><em>\u00f6<\/em><em>glich. (<\/em><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lenin\/1916\/01\/nationen.html\"><strong><em>Lenin: Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen<\/em><\/strong><\/a><em>, S. 149).<\/em><\/p>\n<p>Wir sind Gegner*innen der \u201eZwei-Staaten-L\u00f6sung\u201c, weil sie reaktion\u00e4r und utopisch ist. Demgegen\u00fcber k\u00e4mpfen wir f\u00fcr ein einiges, multiethnisches und s\u00e4kulares, sozialistisches Pal\u00e4stina, in dem Juden*J\u00fcdinnen, Araber*innen, Muslime*as sowie Menschen anderer Religionen und Ethnien zusammen leben.<\/p>\n<p><strong>F<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r einen revolution<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ren Antizionismus!<\/strong><\/p>\n<p>Der Antiimperialismus, den wir vertreten, richtet sich gegen den Kapitalismus und mit einem Programm der <em>Permanenten Revolution<\/em> gegen die Unterdr\u00fcckung in Halbkolonien und Kolonien. Das bedeutet die Unterst\u00fctzung des pal\u00e4stinensischen Kampfes gegen die Besatzung \u2013 wir sehen die Notwendigkeit, dass ein milit\u00e4rischer Sieg gegen die Besatzung errungen wird, als einen Teil des Prozesses der Befreiung. Denn jede milit\u00e4rische Niederlage der Unterdr\u00fcckten zementiert das Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnis mit all seinen Widerspr\u00fcchen und mindert die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Arbeiter*innen und Linke. Eine solche Unterst\u00fctzung darf aber nie eine politische Unterst\u00fctzung der kleinb\u00fcrgerlichen F\u00fchrung sein, die nicht nur kollaborationistisch ist, sondern auch reaktion\u00e4re, klerikal-kleinb\u00fcrgerliche, antisemitische Inhalte hat.<\/p>\n<p>Ein effektiver politischer Kampf gegen die reaktion\u00e4ren F\u00fchrungen in Pal\u00e4stina, von Hamas oder von Fatah, ist nur im Zuge eines Kampfes gegen die Besatzung mit Massenaktionen m\u00f6glich. Wenn der j\u00fcdische Teil der Arbeiter*innenklasse in Israel f\u00fcr den Kampf gegen die Besatzung gewonnen werden kann, konfrontiert er materiell den Antisemitismus in der Region, n\u00e4mlich durch gemeinsame Kampferfahrungen, beruhend auf gemeinsamen Interessen.<\/p>\n<p>Diese Konfrontation wird nat\u00fcrlich auch noch nicht ausreichen, um die irrationalen Wurzeln des Antisemitismus auszurei\u00dfen. Immer wieder m\u00fcssen wir uns vor Augen f\u00fchren, dass der Zionismus und der Antisemitismus in der Epoche des Imperialismus zwar von den gleichen Triebkr\u00e4ften herr\u00fchren und sich einander verst\u00e4rken, die Bek\u00e4mpfung des Zionismus allein aber auf keinen Fall den Antisemitismus besiegen kann.<\/p>\n<p>Der Chauvinismus dr\u00fcckt sich f\u00fcr Israel in der widerspr\u00fcchlichen Behauptung aus, einen souver\u00e4nen j\u00fcdischen Staat erschaffen zu k\u00f6nnen, der \u201eSicherheit\u201c bietet. Dass dieses Projekt utopisch und reaktion\u00e4r sein muss, war durchaus vorhersehbar, wie Deutscher schreibt:<\/p>\n<p><em>Selbst jene junge Nationalstaaten, die aus den notwendigen und fortschrittlichen Emanzipationsk<\/em><em>\u00e4<\/em><em>mpfen der kolonialen und halbkolonialen V<\/em><em>\u00f6<\/em><em>lker hervorgegangen sind, Indien, Burma, Ghana, Algerien und andere, k<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nnen ihren fortschrittlichen Charakter nur begrenzte Zeit halten. (<\/em><em>\u2026<\/em><em>) In unserer Epoche ist jeder Nationalstaat bald nach seiner Entstehung dem Niedergang dieser politischen Organisationsform ausgesetzt. Davon zeugt bereits die kurze Geschichte Indiens, Ghanas und Israels (Isaac Deutscher: Zur Judenfrage, S. 19. In ebd.: Die ungel<\/em><em>\u00f6<\/em><em>ste Judenfrage. Zur Dialektik von Antisemitismus und Zionismus, Berlin 1977)<\/em><\/p>\n<p>Eine \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c ist im Imperialismus schlechthin unm\u00f6glich. Das einzige, das f\u00fcr einen imperialistischen Staat m\u00f6glich ist, ist f\u00fcr eine gewisse Zeit die Hegemonie zu erobern. F\u00fcr eine abh\u00e4ngige Nation wie Israel ist es allenfalls m\u00f6glich, als Br\u00fcckenkopf der imperialistischen Nationen zu dienen, besonders der USA. Der Zionismus ist unter diesem Aspekt die in den Ma\u00dfstab eines ganzen Staates gesetzte, falsche kleinb\u00fcrgerliche Behauptung, dass eine \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c unter den Bedingungen des Imperialismus herstellbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wir von RIO und der<em> Trotzkistischen Fraktion \u2013 Vierte Internationale<\/em> (FT-CI) lehnen das \u201eExistenzrecht\u201c eines zionistischen Staats ebenso ab wie die kolonialistischen Osloer \u201eFriedensvertr\u00e4ge\u201c von 1993 oder die \u201eZwei-Staaten-L\u00f6sung\u201c. Dazu haben wir 2014 eine <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/fur-eine-revolutionare-antwort-auf-den-zionismus\/\"><strong>Polemik mit der SAV\/CWI<\/strong><\/a> ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<p><em>Wir stimmen mit dem CWI darin <\/em><em>\u00fc<\/em><em>berein, dass die Gr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ndung Israels ein kolonialistisches Projekt war, erm<\/em><em>\u00f6<\/em><em>glicht durch Vertreibung und Besatzung. Die historischen Positionen Trotzkis gegen dieses Projekt einbeziehend, wendet das CWI f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r die aktuelle Situation allerdings entschuldigend ein, es bestehe nun ein <\/em><em>\u201a<\/em><em>israelisches Nationalbewusstsein<\/em><em>\u2018<\/em><em>, denn die Juden und J<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dinnen sind in Israel l<\/em><em>\u00e4<\/em><em>ngst ans<\/em><em>\u00e4<\/em><em>ssig geworden. Diese offensichtliche Tatsache zu bestreiten, f<\/em><em>\u00e4<\/em><em>llt uns nicht ein. Doch unsere Perspektive ist ein sozialistisches, einiges, multiethnisches und laizistisches Pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stina, in dem es keine ethnische Unterdr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckung gibt, nicht der zionistische Staat als angebliche Trutzburg j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>discher Interessen, vor dem das CWI kapituliert.<\/em><\/p>\n<p>Ja \u2013 es gibt einen israelischen Nationalstaat und ein israelisches Nationalbewusstsein. Dieses Nationalbewusstsein st\u00fctzt sich aber materiell auf die Besatzung, nicht auf eine abstrakte \u201ej\u00fcdische Nation\u201c. Der \u201eSchutzraum\u201c ist eine reine Abstraktion, die Realit\u00e4t ist die Besatzung. Nat\u00fcrlich darf es keinen exklusiv \u201ej\u00fcdischen Staat\u201c Israel geben, da er in der Praxis nichts anderes als Apartheid bedeuten kann, um sich demographisch und politisch zu erhalten.<\/p>\n<p>Die zionistische Ideologie als \u201eStaatslehre der Besatzung\u201c st\u00fctzt sich dabei materiell auf viele Privilegien, die der j\u00fcdische Teil der Arbeiter*innenklasse in Israel gegen\u00fcber den arabischen Arbeiter*innen und armen Massen hat. Dazu steht <a href=\"http:\/\/www.ft-ci.org\/Israeli-offensive-against-the-Gaza-Strip-An-eternal-conflict?lang=en\"><strong>in einem Artikel der FT-CI \u00fcber die israelische Gr\u00fcndungszeit<\/strong><\/a>:<\/p>\n<p><em>Historisch hatte der Staat Israel nie vor, die Forderungen der pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stinensischen Bev<\/em><em>\u00f6<\/em><em>lkerung zu ber<\/em><em>\u00fc<\/em><em>cksichtigen. In seinem Buch <\/em><em>\u201a<\/em><em>The Ethnic Cleansing of Palestine<\/em><em>\u201c<\/em><em> beschreibt der israelische Historiker Ilan Papp<\/em><em>\u00e9<\/em><em>, wie der zionistische Stratege David Ben Gurion schon 1935 (13 Jahre vor der Nakba) der Ansicht war, dass nur eine kleine Minderheit von Pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stinenser*innen bleiben k<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nne, um die Entwicklung eines j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen Staates zu garantieren, und der Rest in andere arabische L<\/em><em>\u00e4<\/em><em>nder <\/em><em>\u201a\u00fc<\/em><em>berf<\/em><em>\u00fc<\/em><em>hrt<\/em><em>\u2018<\/em><em> werden m<\/em><em>\u00fc<\/em><em>sse. Offensichtlich ist die Existenz des rassistischen und kolonialistischen Staates das wirkliche Hindernis f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r die legitimen Friedenshoffnungen zwischen Araber*innen und Juden*J<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dinnen und dem vollst<\/em><em>\u00e4<\/em><em>ndigen Recht der pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stinensischen Bev<\/em><em>\u00f6<\/em><em>lkerung auf nationale Selbstbestimmung in ihrem historischen Gebiet. (eigene <\/em><em>\u00dc<\/em><em>bersetzung)<\/em><\/p>\n<p>Ein \u201eisraelisches\u201c, also nationalistisches, chauvinistisches Bewusstsein der Besatzung muss im Kampf ersetzt werden durch ein antizionistisches Bewusstsein der Arbeiter*innen und Unterdr\u00fcckten, die einen sozialistischen gesamt-pal\u00e4stinensischen Nationalstaat bilden, der laizistisch und multiethnisch ist, als Teil einer sozialistischen F\u00f6deration des Nahen Ostens. Der Rauswurf des US-Imperialismus aus der Region ist ein unabdingbarer Teil dieser Perspektive.<\/p>\n<p>Eine solche Perspektive aufzubauen gelingt nur, wenn Juden*J\u00fcdinnen in der israelischen Arbeiter*innenklasse ihren eigenen Chauvinismus absch\u00fctteln \u2013 denn der j\u00fcdisch-arabische Konflikt dauert nicht \u201eewig\u201c an, wie Antisemit*innen meinen m\u00f6gen, sondern es gab historisch viele Beispiele der Solidarit\u00e4t Araber*innen und Juden*J\u00fcdinnen \u2013 und wahrnehmen, dass der Sozialismus viel mehr dazu in der Lage ist, Juden*J\u00fcdinnen zu sch\u00fctzen, als es die b\u00fcrgerliche Herrschaft je sein k\u00f6nnte. Dazu weiter im gleichen Artikel:<\/p>\n<p><em>Die einzig m<\/em><em>\u00f6<\/em><em>gliche L<\/em><em>\u00f6<\/em><em>sung, damit Araber*innen und Juden*J<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dinnen gemeinsam in Frieden leben k<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nnen, ist durch die Mobilisierung der arabischen Massen in der Perspektive der Einheit mit dem j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen Proletariat, welches gegen seinen eigenen kolonialistischen und terroristischen Staat k<\/em><em>\u00e4<\/em><em>mpfen muss. Die Zerst<\/em><em>\u00f6<\/em><em>rung dieses Staates, der auf ethnischer S<\/em><em>\u00e4<\/em><em>uberung und Staatsterrorismus gr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ndet, wird der erste notwendige Schritt zum Aufbau eines sozialistischen Pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stinas der Arbeiter*innen auf dem gesamten historischen Territorium, welches alle ethnischen und religi<\/em><em>\u00f6<\/em><em>sen Gemeinschaften vereint, sein. (eigene <\/em><em>\u00dc<\/em><em>bersetzung)<\/em><\/p>\n<p>Das R\u00fcckkehrrecht der Pal\u00e4stinenser*innen spielt ebenso eine wichtige Rolle im Rassismus des zionistischen Staates, wie wir 2013 vor dem Hintergrund des Arabischen Fr\u00fchlings in <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/manifest-fur-eine-bewegung-fur-eine-internationale-der-sozialistischen-revolution\/\"><strong>einem Manifest<\/strong><\/a> schrieben:<\/p>\n<p><em>Der Staat Israel behandelt die arabische Minderheit in Israel als Staatsb<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rger*innen zweiter Klasse und stellt sich schnaubend dem Recht auf R<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckkehr der pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stinensischen Fl<\/em><em>\u00fc<\/em><em>chtlinge entgegen, weil dies objektiv den exklusiv j<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dischen <\/em><em>\u2013<\/em><em> und rassistischen <\/em><em>\u2013<\/em><em> Charakter des zionistischen Staats in Frage stellt. Aus diesem Grund verteidigen wir das R<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckkehrrecht der pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stinensischen Fl<\/em><em>\u00fc<\/em><em>chtlinge, die durch die zionistische Kolonisierung und deren Kontinuit<\/em><em>\u00e4<\/em><em>t unter der milit<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rischen Besetzung und der Ausdehnung der Siedlungen vertrieben wurden. Gegen die falsche Zwei-Staaten-L<\/em><em>\u00f6<\/em><em>sung und die reaktion<\/em><em>\u00e4<\/em><em>re Strategie der islamischen F<\/em><em>\u00fc<\/em><em>hrungen, die einen theokratischen Staat zu etablieren suchen, k<\/em><em>\u00e4<\/em><em>mpfen wir f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r die Zerschlagung des Staates Israel als proimperialistische und koloniale Enklave und f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r einen einheitlichen pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stinensischen Staat auf dem gesamten historischen Territorium: ein sozialistisches Pal<\/em><em>\u00e4<\/em><em>stina der Arbeiter*innen, wo Araber*innen und Juden\/J<\/em><em>\u00fc<\/em><em>dinnen in Frieden zusammenleben k<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nnen. Die arabische Revolution kann nur als permanente Revolution triumphieren, also durch die Macht<\/em><em>\u00fc<\/em><em>bernahme der Arbeiter*innen im Verbund mit den armen Massen und mittels ihrer eigenen Kampforgane. Denn nur diese Form der Macht (also die Diktatur des Proletariats, unterst<\/em><em>\u00fc<\/em><em>tzt durch die Allianz mit den unterdr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>ckten Massen des Landes und der Stadt) kann die strukturellen demokratischen Aufgaben der Revolution garantieren und zu Ende f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>hren, also zuvorderst die Befreiung von Imperialismus und der Kampf gegen seinen regionalen Agenten, den kolonialistischen Staat Israel, mit dem Ziel der Etablierung einer F<\/em><em>\u00f6<\/em><em>deration der Sozialistischen Republiken in der ganzen Region.<\/em><\/p>\n<p>Das im zitierten <em>Manifest f\u00fcr eine Bewegung fu\u0308r eine Internationale der sozialistischen Revolution (Vierte Internationale)<\/em> von 2013 aufgegriffene Konzept der <a href=\"http:\/\/www.marxistsfr.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1929\/permrev\/index.htm\"><strong><em>Permanenten Revolution<\/em><\/strong><\/a>, des \u00dcbergangs demokratischer K\u00e4mpfe in den Klassenkampf, sowie des B\u00fcndnisses der Unterdr\u00fcckten unter Anf\u00fchrung des Proletariats und der Ausweitung der Revolution auf eine Region mit ihrer Vervollst\u00e4ndigung in der Weltarena zum Sozialismus, ist eines der wichtigsten strategischen Erben aus der Oktoberrevolution. F\u00fcr Pal\u00e4stina muss es unmittelbar Anwendung finden.<\/p>\n<p><strong>Die strategische Kernfrage<\/strong><\/p>\n<p>Ignoranz gegen\u00fcber Antisemitismus, bis hin zur Vereinnahmung von rechts in Querfront-Taktiken der \u201eFriedensbewegung\u201c, ist ein \u00dcbel in der Linken. Die Unterst\u00fctzung des b\u00fcrgerlichen Staats Israel, und damit auch der Interessen des verb\u00fcndeten deutschen Imperialismus, ist ein anderes \u00dcbel. Der Zionismus ist nicht f\u00fcr den deutschen Antisemitismus verantwortlich; das sind Nationalismus, in der Klassengesellschaft tradierter Rassismus und ein aggressiver kleinb\u00fcrgerlicher Irrationalismus, au\u00dferdem das Fehlen einer internationalistischen Perspektive der Arbeiter*innenklasse gegen das eigene Kapital. Aber der Zionismus kann keine Antwort auf den Antisemitismus geben, sondern versch\u00e4rft als Kolonialprojekt die Widerspr\u00fcche des Imperialismus.<\/p>\n<p>Wir sind Gegner*innen des Szene-Scharm\u00fctzels in der deutschen und \u00f6sterreichischen Linken. Die haupts\u00e4chlich identit\u00e4tspolitisch gef\u00fchrte Reduzierung auf die Unterscheidung in antideutsche, antinationale, emanzipatorische und so weiter Linke auf der einen und antiimperialistische auf der anderen Seite verschleiert v\u00f6llig den strategischen Kern: Wie kann die Befreiung erreicht werden? Welche Rolle spielt dabei die Arbeiter*innenklasse?<\/p>\n<p>Der grunds\u00e4tzliche Widerspruch der Linken besteht f\u00fcr uns nicht zwischen \u201eAntid\u201c und \u201eAntiimp\u201c, sondern in der Positionierung zu einer unabh\u00e4ngigen, revolution\u00e4ren, internationalistischen und proletarischen Strategie.<\/p>\n<p>Die Ideologie des \u201ej\u00fcdischen Schutzraums Israel\u201c ist vom Standpunkt der internationalen Arbeiter*innenklasse gesehen schlicht b\u00fcrgerlich und wir lehnen sie rundweg ab. Wir sehen auch keinen Raum f\u00fcr Dialog in der Frage Pal\u00e4stina-Israel, wenn die Bedingung die Anerkennung eines b\u00fcrgerlichen Besatzungsstaats oder reaktion\u00e4rer unwissenschaftlicher Konzepte wie des \u201e3-D-Tests f\u00fcr Antisemitismus\u201c sein soll.<\/p>\n<p>Doch auch wenn wir selbstverst\u00e4ndlich Antiimperialist*innen und Antizionist*innen sind, sehen wir hier viel Diskussionsbedarf. So \u00fcberzeugen uns klassen\u00fcbergreifende Boykott-B\u00fcndnisse nicht. Wir verteidigen beispielsweise BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) gegen den Vorwurf des Antisemitismus, lehnen aber ihre Strategie ab, in der die Arbeiter*innenklasse als strategisches Subjekt keine Rolle spielt.<\/p>\n<p>Wir lehnen pazifistische Appelle ab und halten nichts von der Zwei-Staaten-L\u00f6sung. Schon gar nichts halten wir von Individualterror, Insurrektionismus und gemeinsamen Fronten mit dem politischen Islam, wie sie in unterschiedlichsten Spielarten unter \u201eAntiimps\u201c verbreitet beziehungsweise unzureichend bilanziert sind.<\/p>\n<p>Eine revolution\u00e4re Strategie muss stattdessen zentral die Aktivierung des Proletariats als politisches Subjekt und seine Einigung im gemeinsamen Kampf mit den Unterdr\u00fcckten im Sinne der <em>Permanenten Revolution<\/em> beinhalten. Dar\u00fcber suchen wir einen ernsthaften Dialog in der Linken. In einem imperialistischen Land wie Deutschland muss die Linke weiterhin vor allem gegen die Interessen des eigenen Kapitals eintreten, die auch im Nahen Osten mit Waffenlieferungen und Kapitalexport vertreten werden.<\/p>\n<p>Zu einem proletarischen Standpunkt geh\u00f6ren die richtige Analyse der Unterdr\u00fcckung und ein realistisches Kampfprogramm. Die internationale Arbeiter*innenklasse ist, wenn sie klassenbewusst auftritt, historisch allein dazu in der Lage, die unterdr\u00fcckten Teile der Gesellschaft anzuf\u00fchren und die Ursachen von Unterdr\u00fcckung abzusch\u00fctteln.<\/p>\n<p><strong>Zum Weiterlesen<\/strong><\/p>\n<p>Isaac Deutscher (1977): Die ungel\u00f6ste Judenfrage. Zur Dialektik von Antisemitismus und Zionismus, Berlin.<\/p>\n<p>Wladimir I. Lenin (1916): <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lenin\/1916\/01\/nationen.html\"><strong>Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Abraham L\u00e9on (1946): <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/leon\/1946\/judenfrage\/index.htm\"><strong>Judenfrage und Kapitalismus<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Leo Trotzki (1929): <a href=\"http:\/\/www.marxistsfr.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1929\/permrev\/index.htm\"><strong>Die Permanente Revolution<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Leo Trotzki (1933): <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1933\/06\/natsoz.htm\"><strong>Portr\u00e4t des Nationalsozialismus<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Leo Trotzki (1937): <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1937\/02\/antisemit.htm\"><strong>Thermidor und Antisemitismus<\/strong><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/fuer-einen-revolutionaeren-antizionismus-iv\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 19. M\u00e4rz 2017 mit kleinen K\u00fcrzungen durch die Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oskar Huber. Antisemitische Ideologien sind in Krisenzeiten popul\u00e4r: Pegida und Co. zeugen davon. 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