{"id":1996,"date":"2017-03-25T09:52:28","date_gmt":"2017-03-25T07:52:28","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1996"},"modified":"2017-03-25T09:52:28","modified_gmt":"2017-03-25T07:52:28","slug":"der-junge-karl-marx-gesehen-und-genehmigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1996","title":{"rendered":"\u201eDer junge Karl Marx\u201c: Gesehen und genehmigt"},"content":{"rendered":"<p><i><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Manuel Kellner. <\/span><\/span><\/i><b><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Spielfilm \u00fcber Karl Marx in den Jahren 1843\u20131848, im Exil in Paris, Br\u00fcssel und London, das ist schon etwas Besonderes. Manche Kritiken waren nicht eben \u00fcberschw\u00e4nglich, aber ich finde diesen Film des Regisseurs Raoul Peck gelungen.<\/span><\/span><\/b><!--more--><\/p>\n<p><b><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\"> Als ich ihn mir zum ersten Mal angesehen hatte, waren Schulklassen im Saal \u2013 und gerade das ist gut so. In den meisten Kinos wurde \u201eDer junge Karl Marx\u201c nur ein paar Tage gezeigt, und sehr bald ist er wohl ganz abgesetzt. Hoffentlich gibt es ihn dann bald als Konserve, und er sollte m\u00f6glichst vielen j\u00fcngeren Leuten gezeigt werden, die dadurch angeregt werden k\u00f6nnten, mehr \u00fcber Marx und von Marx zu lesen.<\/span><\/span><\/b><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Film hat gelungene Spannungsb\u00f6gen und die handelnden Figuren sind recht gut getroffen. Dabei vermittelt er einigen Inhalt, ohne dadurch schwer verdaulich zu wirken. Das f\u00e4ngt schon mit der ersten Szene an, in der Arme in einem Wald Holz sammeln. Bewaffnete Reiter machen im Dienst der Obrigkeit in brutaler Weise Jagd auf sie. Dazu h\u00f6rt man eine Stimme aus dem Off mit einigen S\u00e4tzen von Karl Marx aus seinen Zeitungsartikeln \u00fcber das neue Holzdiebstahlgesetz. Die Herrschenden erkl\u00e4ren das vom lebendigen Baum \u2013 also vom Eigentum \u2013 bereits getrennte Holz zum Teil des Eigentums, und sein Sammeln zum Diebstahl. Diejenigen, die es sammeln, um Brennholz zu gewinnen, werden damit kriminalisiert. \u00bbDas Volk sieht die Strafe, aber es sieht nicht das Verbrechen, und weil es die Strafe sieht, wo kein Verbrechen ist, wird es schon darum kein Verbrechen sehen, wo die Strafe ist.\u00ab<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Marx, von Haus aus Philosoph, war als Redakteur der \u201eRheinischen Zeitung\u201c in K\u00f6ln auf solche Themen aufmerksam geworden. Nach eigenem Bekunden wurde er durch die Besch\u00e4ftigung mit \u00f6konomischen und sozialen Fragen von einem radikalen Demokraten zum sozialistischen und kommunistischen Revolution\u00e4r. Die Lekt\u00fcre seiner Artikel zum Holzdiebstahlgesetz machen diesen \u00dcbergang sehr eindringlich f\u00fchlbar. Der Film zeigt, wie die preu\u00dfische Polizei gegen die Redaktion der Zeitung vorgeht, die dann verboten wird. In dieser Szene erkl\u00e4rt Karl Marx seinen Mitstreitern, dass er die vorauseilende Selbstzensur satt hat und die herrschenden Verh\u00e4ltnisse in aller Klarheit anprangern will.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Friedrich Engels arbeitet in dieser Zeit als Prokurist f\u00fcr seinen Vater in einer Spinnerei in Manchester. Die Frauen und Kinder, die dort ausgebeutet werden, sind oft v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet, verletzen sich an den Maschinen, verlieren ihre Finger. In der Filmszene l\u00e4sst sich Mary Burns, Irin und sp\u00e4tere Gef\u00e4hrtin des jungen Engels, von dem gestrengen Fabrikherren nicht einsch\u00fcchtern und wird als \u201eAufr\u00fchrerin\u201c entlassen. Der junge Engels sucht die besonders unterdr\u00fcckten irischen Arbeiterinnen und Arbeiter in einer Kellerkneipe auf und bittet sie, ihm mit Informationen und Schilderungen dabei zu helfen, seine Schrift \u00fcber \u201eDie Lage der arbeitenden Klasse in England\u201c fertigzustellen. Ein \u00fcber den \u201efeinen Gentleman\u201c aufgebrachter Arbeiter gibt ihm ordentlich einen auf die Nase, was Engels hilft, die Zuneigung von Mary Burns zu gewinnen und nicht davon abh\u00e4lt, sein Vorhaben zu einem guten Ende zu bringen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Film zeigt die Hauptfiguren Karl Marx und seine Frau Jenny von Westphalen, Friedrich Engels und Mary Burns als Menschen, die liebevoll miteinander umgehen, gemeinsam f\u00fcr die Befreiung der Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten k\u00e4mpfen und \u2013 gemessen an den Sitten ihrer Zeit \u2013 auf gleicher Augenh\u00f6he sind. Sie erg\u00e4nzen einander mit ihren Neigungen und F\u00e4higkeiten. Engels bringt Marx dazu, sich eingehend mit der \u00d6konomie zu besch\u00e4ftigen. Jenny von Westphalen hilft beiden bei ihrer theoretischen Arbeit und bei der Entzifferung der ber\u00fcchtigten Marxschen Sauklaue. Mary Burns bringt Marx und Engels in Kontakt mit politisch organisierten Arbeitern, und vor allem mit dem Bund der Gerechten, der unter ihrem Einfluss zum Bund der Kommunisten wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Ende des Films wird die Entstehung des Kommunistischen Manifests geschildert, das zum Programm des Bundes der Kommunisten wird. Die schw\u00e4rmerischen Vorstellungen von allgemeiner Liebe und Verbr\u00fcderung werden ersetzt durch die Selbstbefreiung der Arbeiter als Mittel zur allgemeinen Emanzipation und durch den Schlachtruf \u201eProletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch!\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Abspann wird zu den Kl\u00e4ngen eines Liedes von Bob Dylan die Verbindung zu sp\u00e4teren Bewegungen gezogen bis hin zu Che Guevara und zur Revolte der 1960er Jahre. Marx bleibt aktuell, solange die kapitalistische Klassengesellschaft nicht \u00fcberwunden ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p><cite><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Quelle: <\/span><a href=\"http:\/\/www.sozonline.de\/2017\/03\/der-junge-karl-marx\/\"><span style=\"color: #0000ff;\">sozonline.de&#8230;<\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\"> vom 25. M\u00e4rz 2017<\/span><\/span><\/cite><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Calibri;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manuel Kellner. Ein Spielfilm \u00fcber Karl Marx in den Jahren 1843\u20131848, im Exil in Paris, Br\u00fcssel und London, das ist schon etwas Besonderes. 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