{"id":2011,"date":"2017-03-29T08:39:15","date_gmt":"2017-03-29T06:39:15","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2011"},"modified":"2017-03-29T08:39:15","modified_gmt":"2017-03-29T06:39:15","slug":"die-blutige-spur-des-imperialismus-in-mossul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2011","title":{"rendered":"Die blutige Spur des Imperialismus in Mossul"},"content":{"rendered":"<p><em>James Cogan. <\/em>Die US-Koalition hat zugegeben, dass ihre Streitkr\u00e4fte f\u00fcr den verheerenden Luftangriff auf Mossul am 17. M\u00e4rz verantwortlich waren. Bei dem Angriff, der sich vorgeblich gegen K\u00e4mpfer des Islamischen Staates im Irak und Syrien (IS) richtete,<!--more--> wurden 200 Zivilisten get\u00f6tet, darunter auch zahlreiche Kinder. Die Koalition r\u00e4umte ihre Verantwortung f\u00fcr dieses Massaker erst ein, nachdem Teile der westlichen Presse Schilderungen von irakischen Journalisten abgedruckt hatten, die auf Beweisen von \u00dcberlebenden basierten.<\/p>\n<p>Das Massaker forderte vermutlich die h\u00f6chste Opferzahl, die je ein einzelner Luftangriff der Koalition seit dem \u00dcberfall auf den Irak im Jahr 2003 zur Folge hatte. Allerdings ist kaum etwas \u00fcber die Auswirkungen des Angriffs auf Mossul bekannt, den die irakische Regierung im letzten Oktober auf Druck der Obama-Regierung hin begann. Die Berichterstattung \u00fcber diese Offensive wurde stark zensiert und von Propaganda dominiert. Die Medien stellten die K\u00e4mpfe fast durchg\u00e4ngig als \u201eheldenhafte\u201c Schlacht der irakischen Truppen gegen den \u201ebarbarischen\u201c IS dar. Das Schicksal von hunderttausenden Zivilisten, die in der belagerten Stadt gefangen sind, interessierte sie hingegen kaum.<\/p>\n<p>Als die ersten Meldungen \u00fcber das Massaker am 17. M\u00e4rz eintrafen, r\u00fchmten sich Trumps Au\u00dfenminister Rex Tillerson und die Vertreter von 62 weiteren Staaten gerade in Washington mit dem \u201eErfolg\u201c ihres \u201eKampfs f\u00fcr eine dauerhafte Niederlage des IS\u201c. In einer Stellungnahme vom 22. M\u00e4rz hei\u00dft es zynisch, die \u201eglobale Koalition\u201c gegen den IS betone \u201edie Notwendigkeit des Schutzes der Zivilbev\u00f6lkerung\u201c. Die irakische Regierung wurde f\u00fcr ihren \u201eSchutz von Zivilisten in Konfliktgebieten\u201c gelobt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hatte die Trump-Regierung im Februar eine deutliche Versch\u00e4rfung der Offensive gegen Mossul angek\u00fcndigt, um die K\u00e4mpfe zu einem Ende zu bringen. Auf zivile Todesopfer sollte dabei keine R\u00fccksicht genommen werden. Anonyme Vertreter der US-Regierung erkl\u00e4rten dem <em>Wall Street Journal<\/em>, es g\u00e4be Pl\u00e4ne, die \u201eBeschr\u00e4nkungen im Gefecht\u201c und \u201edie Regeln zur Verringerung ziviler Todesopfer\u201c zu lockern.<\/p>\n<p>Offensichtlich wurden diese Pl\u00e4ne bereits umgesetzt. In den letzten Wochen hat sich die Intensit\u00e4t der Luftangriffe dramatisch versch\u00e4rft, w\u00e4hrend irakische Truppen in die westlichen Vororte von Mossul vorr\u00fcckten, die immer noch in der Hand der IS-K\u00e4mpfer sind. Laut dem Pentagon wurden in den letzten zwei Wochen fast 1.400 St\u00fcck Munition abgeworfen. Die <em>Los Angeles Times<\/em> berichtete am vergangenen Freitag: \u201eAmerikanische Piloten sprechen von Dutzenden Kampfflugzeugen, die hoch \u00fcber West-Mossul ihre Kreise ziehen und darauf warten, eine Bombe abzuwerfen.\u201c<\/p>\n<p>Am Wochenende gaben Vertreter des US-Milit\u00e4rs bekannt, dass hunderte weitere amerikanische Bodentruppen von der 82. Luftlandedivision in den Irak geschickt werden. Sie sollen die Regierungstruppen in Mossul \u201eberaten und unterst\u00fctzen\u201c. Eine der Hauptaufgaben dieser \u201eBerater\u201c ist es, Luft- und Drohnenangriffe sowie Artilleriebeschuss anzuordnen.<\/p>\n<p>Die Irakische Beobachtungsstelle f\u00fcr Menschenrechte erkl\u00e4rte letztes Wochenende, dass laut Augenzeugenberichten seit Beginn der Angriffe auf West-Mossul im Februar mindestens 3.846 Zivilisten get\u00f6tet worden seien. Nach den Angaben wurden 10.000 Wohnh\u00e4user zerst\u00f6rt. Jeden Tag riskieren Tausende ver\u00e4ngstigte und hungernde Menschen ihr Leben bei der Flucht aus der Stadt. Die Zahl der Fl\u00fcchtlinge ist auf weit \u00fcber 200.000 gestiegen. \u00dcber 10.000 Menschen kommen fast t\u00e4glich hinzu. Die Hilfsorganisationen sind v\u00f6llig \u00fcberfordert und warnen davor, dass sie sich nicht um die sch\u00e4tzungsweise 400.000 Menschen k\u00fcmmern k\u00f6nnen, die noch immer in vom IS kontrollierten Gebieten der Stadt festsitzen.<\/p>\n<p>Die brutalen Folgen der amerikanischen Milit\u00e4roperationen im Nahen Osten werden vor der Weltbev\u00f6lkerung so weit wie m\u00f6glich geheim gehalten. W\u00e4hrend die US-Medien am Wochenende ausf\u00fchrlich \u00fcber den Anschlag in London berichteten, erschienen kaum Berichte \u00fcber den Luftangriff und die humanit\u00e4re Katastrophe in Mossul.<\/p>\n<p>Sofern Mossul \u00fcberhaupt erw\u00e4hnt wurde, versuchten die Medien, den IS f\u00fcr das Massaker verantwortlich zu machen. Der republikanische Senator Tom Cotton erkl\u00e4rte auf CBS News: \u201eLetzten Endes ist der Islamische Staat daf\u00fcr verantwortlich. Das sind die Barbaren, die von zivilen Geb\u00e4uden wie Wohnh\u00e4usern, Moscheen, Krankenh\u00e4usern oder Schulen aus angreifen. Die Piloten der Koalition und die irakischen Truppen sind nicht schuld.\u201c<\/p>\n<p>Die Heuchelei der amerikanischen herrschenden Elite kennt keine Grenzen. Noch vor wenigen Monaten wurde nach jedem Bericht \u00fcber zivile Todesopfer durch den Angriff russischer und syrischer Regierungstruppen auf Aleppo von Kriegsverbrechen gesprochen und ein sofortiger Waffenstillstand gefordert. In Mossul werden deutlich h\u00f6here zivile Opferzahlen als \u201ebedauerlich\u201c abgetan und sind offenbar kein Grund, die Offensive zu verlangsamen oder sogar einzustellen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Behauptungen der USA und ihrer Verb\u00fcndeten sind ebenfalls Teil des L\u00fcgengebildes um den Angriff auf Mossul und andere St\u00e4dte, die 2014 vom IS erobert wurden. Der angebliche \u201eKrieg gegen den IS\u201c war gepr\u00e4gt von der unverhohlenen Kollektivbestrafung der Zivilbev\u00f6lkerung, unter der sich der IS Einfluss verschafft hat. In den ersten Monaten des Jahres 2016 wurden die westirakischen St\u00e4dte Ramadi und Falludscha w\u00e4hrend ihrer \u201eBefreiung\u201c gr\u00f6\u00dftenteils in Schutt und Asche gelegt. Der Angriff auf Mossul folgt dem gleichen Schema.<\/p>\n<p>Vor allem versuchen das politische Establishment und die f\u00fchrenden Medien die Tatsache zu verheimlichen, dass bereits die Entstehung des IS das direkte Ergebnis des \u00dcberfalls und der Besetzung des Iraks ist. Danach folgten die Zerst\u00f6rung Libyens und der Stellvertreterkrieg, den die USA und ihre Verb\u00fcndeten in Syrien finanzieren.<\/p>\n<p>Seit 2003 hat das amerikanische Besatzungsregime im Irak bewusst religi\u00f6se Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten gesch\u00fcrt, um den Widerstand zu spalten und zu schw\u00e4chen. Dieses Vorgehen f\u00fchrte schlie\u00dflich zu einem m\u00f6rderischen B\u00fcrgerkrieg von 2006 bis 2007 und Zehntausenden Todesopfern. Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben und ganze Vororte und St\u00e4dte von Todesschwadronen der einen oder der anderen religi\u00f6sen Gruppierung \u201eges\u00e4ubert\u201c.<\/p>\n<p>Der IS, der sich auf die reaktion\u00e4rste Auslegung des sunnitischen Islams st\u00fctzt, konnte Anh\u00e4nger gewinnen, weil er behauptete, er w\u00fcrde die Sunniten vor der Unterdr\u00fcckung durch die schiitisch dominierte amerikanische Marionettenregierung in Bagdad sch\u00fctzen. An Einfluss gewann er jedoch nicht im Irak, sondern in Syrien. Seit 2012 konnte er von der Unterst\u00fctzung der USA, der europ\u00e4ischen M\u00e4chte, Saudi-Arabiens und der Golfmonarchien f\u00fcr sunnitische Milizen profitieren, die gegen die vom Iran und Russland unterst\u00fctzte Regierung von Pr\u00e4sident Baschar al-Assad k\u00e4mpften. Der IS benutzte dann seine St\u00fctzpunkte, Waffen und K\u00e4mpfer in Syrien, um 2013 die westirakische Region Anbar und im Juni 2014 Mossul zu erobern.<\/p>\n<p>Der US-Imperialismus f\u00fchrt diese skrupellose Kriegspolitik gegen den IS, um seine fragile Macht im Irak um jeden Preis zu verteidigen. Seit 25 Jahren setzt eine amerikanische Regierung nach der anderen auf brutale Kriege und Intrigen, um die Vorherrschaft der USA \u00fcber den \u00f6lreichen Nahen Osten zu sichern. Die Folgen sind Millionen Todesopfer und unglaubliches menschliches Leid, vor allem im Irak.<\/p>\n<p>Die USA versuchen parallel zum Angriff auf Mossul, auch in anderen Regionen der Welt ihre Vorherrschaft durchzusetzen und sind dort mit Rivalen konfrontiert, die viel m\u00e4chtiger sind als die schlecht bewaffnete Islamistenbewegung im Nahen Osten.<\/p>\n<p>In den letzten Wochen haben sich die Debatten \u00fcber Milit\u00e4raktionen gegen Nordkorea dramatisch versch\u00e4rft. Die Konflikte mit China drehen sich aber nicht nur um die koreanische Halbinsel, sondern auch um den Einfluss im S\u00fcdchinesischen Meer, um Taiwan und um Trumps Drohungen mit Handelskrieg. Das russische Regime ist zunehmend beunruhigt \u00fcber die antirussische Hysterie, die in Washington gesch\u00fcrt wird, und die provokanten Truppenaufm\u00e4rsche der USA und ihrer Nato-Verb\u00fcndeten an den Grenzen zu Russland. Gleichzeitig treten die tieferliegenden Spannungen zwischen den USA und seinen historischen Konkurrenten um die Weltherrschaft wie Deutschland und Japan zunehmend offen zutage.<\/p>\n<p>Arbeiter auf der ganzen Welt m\u00fcssen die unterdr\u00fcckte Bev\u00f6lkerung im Irak und in anderen L\u00e4ndern, die zur Zielscheibe der Gro\u00dfm\u00e4chte geworden sind, entschlossen verteidigen. Das ist nur m\u00f6glich, wenn sie weltweit gegen den Kapitalismus k\u00e4mpfen, der auf einen offenen Konflikt zwischen Atomm\u00e4chten oder potenziellen Atomm\u00e4chten zusteuert.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/03\/28\/pers-m28.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 29. M\u00e4rz 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>James Cogan. Die US-Koalition hat zugegeben, dass ihre Streitkr\u00e4fte f\u00fcr den verheerenden Luftangriff auf Mossul am 17. M\u00e4rz verantwortlich waren. 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