{"id":2019,"date":"2017-04-01T08:35:27","date_gmt":"2017-04-01T06:35:27","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2019"},"modified":"2017-04-01T08:35:55","modified_gmt":"2017-04-01T06:35:55","slug":"die-frauen-und-die-revolution-die-die-geschichte-der-welt-veraenderte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2019","title":{"rendered":"Die Frauen und die Revolution, die die Geschichte der Welt ver\u00e4nderte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die wichtige F<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>hrungsrolle, die arbeitende Frauen in der Geschichte von Revolutionen gespielt haben, wurde immer wieder unsichtbar gemacht; sie ist aber nicht von der Hand zu weisen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Josefina L. Mart\u00ednez.<\/em> 8. M\u00e4rz 1917: In Petrograd sind Demonstrationen und Versammlungen von Frauen anl\u00e4sslich ihres Tages anberaumt worden. Die Unzufriedenheit erfasste alles und jede*n und es wurde mit massiven Protesten gerechnet; was aber niemand erwartete war, dass an diesem Tag eine Revolution ihren Lauf nehmen w\u00fcrde. Die folgenden Geschehnisse gingen als Febrarrevolution in die Geschichte ein, da der damals in Russland geltende julianische Kalender 13 Tage \u201ezu sp\u00e4t\u201c war.<\/p>\n<p>Die Textilarbeiter*innen von Petrograd im Bezirk von Wyborg treten in den Streik und laufen in Gruppen die benachbarten Fabriken ab. Sie versuchen insbesondere die Metallbetriebe zu erreichen, um die dortigen Arbeiter*innen dazu aufzurufen, sich einzureihen. Die Frauen haben \u00dcberzeugungskraft; sie werfen St\u00f6cker, Steine oder Schneeb\u00e4lle an die Fenster. Zwei Tage sp\u00e4ter durchlebt Petrograd einen Generalstreik. \u201eNieder mit dem Krieg!\u201c, \u201eBrot f\u00fcr die Arbeiter*innen!\u201c.<\/p>\n<p>Die Volksz\u00e4hlungen der Jahre 1897-1914 zeigen, dass 20 Millionen Frauen Teil der lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten im russischen Imperium waren. Fast die H\u00e4lfte waren in h\u00e4uslichen T\u00e4tigkeiten besch\u00e4ftigt und ein Viertel (vier Millionen) waren Industriearbeiterinnen vor 1914 (dies beinhaltete Fabrikarbeit, Dienstleistungen und den Transport). Die Zahl nahm in den zehn Jahren vor 1917 im beachtlichen Ma\u00dfe zu. Sie stieg insgesamt auf 7,5 Millionen Industriearbeiterinnen.<\/p>\n<p>In den St\u00e4dten mangelte es an Brot und das Elend des armen Volkes war unertr\u00e4glich. In den zwei ersten Jahren des Krieges waren die Preise f\u00fcr die wichtigsten G\u00fcter in Moskau um 131 Prozent gestiegen. Im Dezember 1915 standen die Frauen von Petrograd bei Temperaturen unter Null stundenlang Schlange, um Zucker und Mehl zu kaufen. Es ereigneten sich zahlreiche Aufst\u00e4nde, welche von Frauen angef\u00fchrt wurden und deren zentrales Motiv der Preis der Lebensmittel war. Im Februar 1917 verwandelte sich der aufgestaute Zorn in Aktion.<\/p>\n<p>Ein Editorial der Prawda, die Zeitung der bolschewistischen Fraktion innerhalb der Sozialdemokratie, verk\u00fcndete eine Woche sp\u00e4ter, dass \u201edie Frauen die ersten waren, welche an ihrem internationalen Tag auf die Stra\u00dfen von Petrograd zogen. Die Frauen von Moskau haben in vielen F\u00e4llen die Stimmung der Soldaten beeinflusst. Sie gingen zu den Barracken und \u00fcberzeugten die Soldaten, sich der Revolution anzuschlie\u00dfen. Es leben die Frauen!\u201c<\/p>\n<p>Alexandra Rodionowa, eine junge Tramfahrerin von 22 Jahren, nimmt an Aktionen teil, welche zum Sturz des Imperiums der Zaren f\u00fchren. \u201eIch erinnere mich daran, wie wir durch die Stadt marschierten. Die Stra\u00dfen waren voller Leute. Die Trams waren au\u00dfer Betrieb und es gab einige Waggons, die umgekippt im Weg lagen. Ich wusste also nicht\u2026wusste nicht was dort im Gange war. Aber ich schrie mit den anderen: \u201eNieder mit dem Zar!\u201c. Ich f\u00fchlte, dass mein ganzes Familienleben am auseinanderbrechen war und ich freute mich \u00fcber seine Zerst\u00f6rung.\u201c Ihr Zeugnis wurde von mehreren Historiker*innen der Frauen Russlands aufgenommen.<\/p>\n<p>In einer Woche wird der Zar gest\u00fcrzt, die Minister fliehen und die Abgeordneten der Duma bilden eine provisorische Regierung mit dem F\u00fcrsten Lwow an der Spitze. Von unten formiert sich eine andere Macht, die der R\u00e4te der Delegierten der Arbeiter*innenklasse. Ihnen schlie\u00dfen sich die Komitees der Bauern*B\u00e4uerinnen und der Soldat*innen an. Diese Organe sind das erste Mal in der Revolution von 1905 aufgekommen, als eine neue Form der demokratischen Selbstorganisierung von der Basis, die Sowjets.<\/p>\n<p>Polia arbeitete als Putzfrau in einem Milit\u00e4rkrankenhaus. Sie konnte weder lesen noch schreiben und das erste Mal, dass sie an einer Abstimmung teilgenommen hatte, war, als sie in das Exekutivkomitee des Sowjets der Krankenhausangestellten gew\u00e4hlt wurde. Die Historikerin Barbara Evans Clements erz\u00e4hlt, dass Polia, so wie ein Gro\u00dfteil der arbeitenden Frauen, f\u00fchlte, dass sie mit der Revolution wenig zu verlieren und viel zu gewinnen hatte , angefangen mit ihrer W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zwischen Februar und Oktober nimmt die Beteiligung der Frauen zu. Am 18. M\u00e4rz beschlie\u00dft eine Versammlung von vier gro\u00dfen Fabriken, ihre Schwestern dazu aufzurufen, sich gemeinsam mit den Arbeitern dem Kampf um ihre Rechte anzuschlie\u00dfen. Anfang April kommen 40.000 Frauen in Petrograd zusammen. Sie weigerten sich so lange die Stra\u00dfen zu r\u00e4umen, bis ihnen das Wahlrecht zugesprochen wurde. Letztendlich, am 20. Juli 1917 ringen sie der Provisorischen Regierung von Kerenski die Verpflichtung ab, dass alle Frauen \u00e4lter als 20 Jahre in der kommenden Verfassungsgebenden Versammlung w\u00e4hlen d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Die Ungeduld \u00fcber die unerf\u00fcllten Versprechen der Provisorischen Regierung steigt immer weiter an. Die Witwen und die Ehefrauen der Soldaten marschierten, um eine Erh\u00f6hung der Geh\u00e4lter einzufordern und dass ein f\u00fcr alle Mal Schluss sei mit dem Krieg. Im Mai f\u00fchren 40.000 W\u00e4scher*innen den ersten Streik gegen die Provisorische Regierung an, in dem Lohnerh\u00f6hungen, der Acht-Stunden-Tag und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen gefordert werden. Die Bolschewikin Gonscharskaja l\u00e4uft gemeinsam mit anderen Mitgliedern die W\u00e4schereien ab, um die Frauen zu organisieren. Eugenia Bosch, Inessa Armand und Alexandra Kollontai waren einige der Anf\u00fchrerinnen der Bolschewiki, die in diesen Monaten vor den Arbeiter*innen und Soldat*innen Reden hielten, Artikel schrieben, Versammlungen organisierten und an der Organisation der Revolution mitwirkten.<\/p>\n<p>Frieden, Brot und Boden. Auf dem gesamten Gebiet des alten Imperiums mobilisieren sich f\u00fcr diese Forderungen die Arbeiter*innen und Bauern*B\u00e4uerinnen gegen die Provisorische Regierung. Diese tiefgreifende Radikalisierung erlaubt es, dass zwischen September und Oktober die Bolschewiki die Mehrheit in den Sowjets gewinnen und vorschlagen, den Himmel im Sturme zu erobern. Die ersten Dekrete der Sowjetregierung waren die unmittelbare Ausrufung des Friedens, die Abschaffung des gro\u00dfen Privatbesitzes und die \u00dcbergabe des Bodens an die Bauernschaft.<\/p>\n<p><strong>Die Revolution, die eine neue Welt f<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>r die Frauen er<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>ffnete<\/strong><\/p>\n<p>Es waren die Frauen, welche die Initialz\u00fcndung der Franz\u00f6sischen Revolution im Jahr 1789 ausl\u00f6sten, mit einem Marsch f\u00fcr das Brot nach Versailles. Nichtsdestotrotz hatte die wichtigste b\u00fcrgerliche Revolution der Geschichte den Frauen nicht die selben Rechte zugebilligt, wie den M\u00e4nnern. Die ersten feministischen Denkerinnen denunzierten die Grenzen des Projektes der Aufkl\u00e4rung. Die \u201eFreiheit\u201c und die \u201eBr\u00fcderlichkeit\u201c galten nicht f\u00fcr die Frauen und auch nicht f\u00fcr dieArbeiter*innen. Die \u201eMenschenrechte\u201c waren \u201edie Rechte des <em>Mitglieds der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft<\/em>, d.h. des egoistischen Menschen, des vom Menschen und vom Gemeinwesen getrennten Menschen\u201c, wie Marx in <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me01\/me01_347.htm\"><strong>\u201eZur Judenfrage\u201c<\/strong><\/a> aufzeigte.<\/p>\n<p>Die Russische Revolution von 1917 hingegen gew\u00e4hrte Errungenschaften f\u00fcr die Frauen, die bis dahin in keinem kapitalistischen Land erreicht wurden. In ihrem Buch \u201eDie Frau, der Staat und die Revolution\u201c bekr\u00e4ftigt die Historikerin Wendy Goldman, dass das sowjetische Gesetzbuch von 1918 \u201enicht weniger und nicht mehr war als die progressivste Familiengesetzgebung, die die Welt je gesehen hat. Sie hat den Status der rechtlichen Minderwertigkeit der Frauen aufgehoben und Gleichheit vor dem Gesetz geschaffen.\u201c Das Gesetzbuch hat die Scheidung auf der Grundlage der einfachen Angabe einer der beiden Partner etabliert und \u201ehat Jahrhunderte von Gesetzen von m\u00e4nnlichem Besitz und Privilegien hinweggefegt\u201c, als sie allen Kindern volle Legitimit\u00e4t und gleiche Rechte zusprach, ungeachtet ob sie innerhalb oder au\u00dferhalb einer eingetragenen Ehe geboren waren.<\/p>\n<p>Im August 1919 haben die weiblichen Parteimitglieder in Mitten der Widrigkeiten des B\u00fcrger*innenkrieges die Zhenotdel geschaffen, bestehend aus Arbeiterinnen, B\u00e4uerinnen und Hausfrauen. Im November 1920 wurde die Abtreibung in der Sowjetunion mittels eines Dekretes legalisiert, welches die strafende Gesetzgebung der anderen L\u00e4nder denunzierte.<\/p>\n<p>Alexander Goikhbarg, der 34-j\u00e4hrige marxistische Jurist, welcher die Familiengesetzgebung von 1918 formuliert hatte, behauptete, dass diese eine transformatorische Funktion aus\u00fcben w\u00fcrde. Diese w\u00fcrde weder die Familie noch den Staat st\u00e4rken, sondern zu ihrer \u201eAusl\u00f6schung\u201c beitragen, ebenso wie die Marxist*innen den \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus verstanden. Es waren Jahre der intensiven Debatte und des Experimentierens, in denen die Emanzipation der Frau, die sexuelle Befreiung und die Transformation der sozialen Beziehungen als Teil des Aufbaus des Sozialismus begriffen wurden. Aber um an diesen Punkt zu gelangen, musste f\u00fcr die Frauen die volle Gleichheit erlangt werden; nicht nur vor dem Gesetz, sondern vor allem vor dem Leben.<\/p>\n<p><strong>Die Frauen von der Last der Hausarbeit befreien<\/strong><\/p>\n<p>Wendy Goldman zeigte auf, dass die Konzeption der Bolschewiki f\u00fcr die Emanzipation der Frauen auf vier grundlegenden St\u00fctzpfeilern beruhte: \u201eDie freie Vereinigung, die weibliche Befreiung durch die Lohnarbeit, die Vergesellschaftung der Hausarbeit und die Aufhebung der Familie \u201e. Sie schlugen nicht einfach nur eine gleiche Aufteilung der Hausarbeit zwischen M\u00e4nnern und Frauen vor, sondern auch die Losl\u00f6sung dieser Aufgaben von der individuellen famili\u00e4ren Einheit und die Verlagerung in die \u00f6ffentliche Sph\u00e4re, also die Vergesellschaftung dieser Arbeit in neuen Zweigen der Produktion. Die Familie als Einheit der Reproduktion und des Konsums w\u00fcrde so also einige ihrer zentralen Fundamente verlieren.<\/p>\n<p>Zwischen 1920 und 1922 hat die deutsche revolution\u00e4re Sozialistin Klara Zetkin, Freundin und Genosssin von Rosa Luxemburg und herausragende Organisatorin der Frauen eine Reihe von Unterhaltungen mit Lenin in Petrograd gef\u00fchrt. In diesen Interviews gibt sie Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Frauenfrage in der UdSSR und die Organisation der Frauen* in der III. Internationale, welche die neuen kommunistischen Parteien zusammenfasst. Sehr emotional beschreibt sie in ihren Erinnerungen an Lenin dessen Meinungen, welcher mit Geringsch\u00e4tzung die patriarchalen Haltungen innerhalb der kommunistischen Reihen zur\u00fcckweist:<\/p>\n<p>\u201eLeider l\u00e4sst sich auch von vielen unsrer Genossen sagen \u2019stochert in einem Kommunisten herum und es erscheint ein Phillister. Herumstochern nat\u00fcrlich in dem sensiblen Punkt, in seiner Haltung gegen\u00fcber der Frau. Wollen Sie einen noch offenkundigeren Beweis dessen, als die Seelenruhe mit der die M\u00e4nner dar\u00fcber nachdenken, wie die Frau in dieser sch\u00e4bigen, monotonen Hausarbeit degeneriert, eine Arbeit, die ihre Kr\u00e4fte und ihre Zeit zerstreut und auffrisst, die sie dem Mann unterordnet\u2019. Die Frauen aus der \u201eh\u00e4uslichen Sklaverei\u201c zu entrei\u00dfen war eine der gro\u00dfen Aufgaben der Revolution.<\/p>\n<p>Die Schaffung von Kinderg\u00e4rten, Krippen, Mensen, Alphabetisierungszentren und anderen Initiativen waren laut Lenin der zutreffende Weg, aber mitten in den Schwierigkeiten des B\u00fcrger*innenkrieges und der Neuen \u00d6konomischen Politik (NEP) erwiesen sie sich als komplett ungen\u00fcgend.<\/p>\n<p>\u201eWir wissen ganz genau, dass all das nicht viel ist im Vergleich zu den Bed\u00fcrfnissen der weiblichen Arbeiterinnenmassen, die immer noch sehr weit von ihrer kompletten und effektiven Emanzipation entfernt sind. Dennoch, im Vergleich zu dem was im zaristischen oder kapitalistischen Russland geschah, ist dies ein enormer Fortschritt. (\u2026) Es ist grundlegend, dass wir diese Arbeit mit aller Konsequenz und Kraft weiterentwickeln. Letztlich zeigt jeder Tag, der verstreicht und an dem der Sowjetstaat weiterbesteht, eindeutig, dass wir nicht vorankommen, ohne auf die Millionen von Frauen zu z\u00e4hlen\u201c.<\/p>\n<p>Der Kampf f\u00fcr die weibliche Emanzipation in einem Land mit 80 Prozent Landbev\u00f6lkerung trifft auf jahrtausendealte Vorurteile und die Last der Religion. F\u00fcr Lenin war \u201eder am schwierigsten zu bek\u00e4mpfende D\u00e4mon\u201c der Einfluss, welchen die Priester auf dem Land hatten. Daher galt es die Verh\u00e4ltnisse der Misere, der Armut und der mangelnden Bildung anzugehen, auf welche jene sich st\u00fctzten.<\/p>\n<p>Die Jahre des B\u00fcrger*innenkrieges waren grauenhaft mit bisher ungekannten menschlichen und materiellen Kosten. Die junge Sowjetunion wurde von 14 imperialistischen Armeen angegriffen und schaffte es, aufgrund der Bereitschaft der Arbeiter*innen und Bauern*B\u00e4uerinnen zu \u00fcberleben. Dieser Periode folgten die harten Jahre der NEP mit einem bedeutsamen Anstieg der Arbeitslosigkeit, welche insbesondere die Frauen traf \u2013 die ersten, die gefeuert und die letzten, die eingestellt wurden. Auf dem Land machten die Menschen Hungersn\u00f6te durch und die Witwen der Soldaten schafften es nicht, von der Bearbeitung ihres Bodens zu \u00fcberleben. In diesen Bedingungen des \u00f6konomischen Ruins und der internationalen Isolation der UdSSR nach der Niederschlagung der Revolution in Europa, stieg die stalinistische B\u00fcrokratie als eine neue verwaltende Kaste an die Spitze des Staates auf.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Mitglieder von Lenins Partei konnte die Russische Revolution ihre Ziele nur siegreich erf\u00fcllen, wenn sie eines von vielen weiteren Bindegliedern in der internationalen Revolution ist. Niemals dachten sie, dass sich die Befreiung der Frau und der Sozialismus in den engen Grenzen eines r\u00fcckst\u00e4ndigen, mehrheitlich agrarischen Landes realisieren lie\u00dfe. Der Stalinismus hingegen hat die Theorie vom \u201eSozialismus in einem Land\u201c entwickelt, um die der B\u00fcrokratie eigenen Privilegien zu rechtfertigen und hat sich mit Hilfe eines b\u00fcrokratischen ein-Parteien Regimes eingenistet.<\/p>\n<p><strong>Zur<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ck zu der h<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>uslichen Ordnung<\/strong><\/p>\n<p>Ab der Mitte der 1930er Jahre hat sich ein R\u00fcckschritt sonder gleichen bez\u00fcglich der Situation der Frauen in der UdSSR eingestellt. Im Juni 1936 hat der Sowjetstaat per Gesetz die Abtreibung f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt, als Teil einer Kampagne um die \u201efamili\u00e4re Verantwortung\u201c zu propagieren. Mit einem Diskurs, welcher dem entgegengesetzt war, was die Bolschewiki in den 1920ern verteidigten, erkl\u00e4rte Stalin im Jahr 1936: \u201eDie Abtreibung, die das Leben zerst\u00f6rt, ist in unserem Land nicht zul\u00e4ssig. Die sowjetische Frau hat die selben Rechte, wie der Mann, aber dies befreit sie nicht von der gro\u00dfen und edlen Pflicht, die die Natur ihr zugesprochen hat: sie ist Mutter, sie gibt das Leben\u201c. Leo Trotzki, einer der wichtigsten Anf\u00fchrer der Revolution, der von Stalin aus der Partei ausgeschlossen wurde, stellte die Argumente in Frage, mit denen die B\u00fcrokratie herum schwadronierte: \u201ePhilosophie eines Pfaffen, der zudem die Macht des Gendarmen aus\u00fcbt!\u201c Die B\u00fcrokratie suchte nach \u201eeiner stabilen Hierarchie in den sozialen Beziehungen\u201c, weswegen sie im Jahr 1930 die Frauensektion der Partei, den Zhenotdel, aufl\u00f6ste, die Homosexualit\u00e4t unter Strafe stellte und die Prostitution kriminalisierte.<\/p>\n<p>Diejenigen Schicksale sprechen f\u00fcr sich selbst, welche einige der russischen Gesetzgeber*innen, die in den 1920er Jahren Avantgarde-Theorien \u00fcber das Absterben des Staates und der Familie entwickelten. Paschukanis und Krylenko wurden verhaftet und 1937 erschossen, w\u00e4hrend der Autor des innovativen Gesetzbuches von 1918, Alexander Goikhbarg, vom Stalinismus zwangsweise in Behandlung eines Psychiaters gegeben wurde. Zwischen 1936 und 1939 wurden 700.000 Personen unter der Anschuldigung der Opposition zum Regime erschossen -eine Konterrevolution, welche die Ein-Parteien-Diktatur konsolidierte.<\/p>\n<p>Andrea D\u2019Atri, Autorin des Buches Brot und Rosen, zeigt auf wie tragisch es ist, dass nicht nur die Kommunistische Partei sich weiterhin als die Erbin der Revolution auff\u00fchrte, sondern dass \u201edie gr\u00f6\u00dfte Trag\u00f6die von allen ist, dass die nachfolgenden Generationen von sowjetischen Frauen, von den von ihrer eigenen Revolution hervorgebrachten Vordenker*innen, Ideen und Experimenten abgeschnitten wurden und lernten, dies \u201aSozialismus\u2018 und \u201aBefreiung\u2018 zu nennen\u201c.<\/p>\n<p>Einhundert Jahre nach diesem 8. M\u00e4rz 1917, an dem die Frauen die Revolution ausl\u00f6sten, welche die Geschichte des Jahrhunderts ver\u00e4nderte, bleibt der Kampf f\u00fcr unsere Rechte eine ungel\u00f6ste Aufgabe. Die Geschichte derer Frauen, Arbeiterinnen und B\u00e4uerinnen zu retten, die sich trauten, sowohl die Welt als auch ihre eigenen Leben zu revolutionieren, ist nicht nur ein Schl\u00fcsselmoment daf\u00fcr, uns in unserer eigenen Geschichte anzuerkennen, sondern auch, um nicht jedes Mal wieder von vorne zu beginnen.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel wurde zuerst auf <\/em><a href=\"http:\/\/ctxt.es\/es\/20170307\/Politica\/11457\/revolucion-rusa-feminiso-dia-de-la-mujer-trabajo-domestico.htm\"><strong><em>CTXT<\/em><\/strong><\/a><em> ver\u00f6ffentlicht. <\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-frauen-und-die-revolution-die-die-geschichte-der-welt-veraenderte\/\">klassegegenklasse&#8230;<\/a> vom 1. April 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wichtige F\u00fchrungsrolle, die arbeitende Frauen in der Geschichte von Revolutionen gespielt haben, wurde immer wieder unsichtbar gemacht; sie ist aber nicht von der Hand zu weisen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,32,12,13,20,21],"class_list":["post-2019","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-frauenbewegung","tag-lenin","tag-marx","tag-sowjetunion","tag-trotzki"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2019"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2019\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2021,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2019\/revisions\/2021"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}