{"id":2055,"date":"2017-04-18T19:26:10","date_gmt":"2017-04-18T17:26:10","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2055"},"modified":"2017-04-18T19:26:10","modified_gmt":"2017-04-18T17:26:10","slug":"frankreich-ist-der-fn-faschistisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2055","title":{"rendered":"Frankreich: Ist der FN faschistisch?"},"content":{"rendered":"<p><em>Dersu Heri, JUSO Genf.<\/em> Der Aufstieg Marine Le Pens und ihrer rechtspopulistischen Partei, des Front National, verleitet insbesondere linke Kommentatoren dazu, sie als \u201cfaschistisch\u201d zu bezeichnen. Dem halten wir eine Analyse entgegen,<!--more--> die den FN, den Faschismus und deren Unterst\u00fctzerInnen als Teilelemente des Systems verstehen. Wir stellen fest, dass der Faschismus f\u00fcr die franz\u00f6sische Bourgeoisie in ihrer aktuellen Situation unn\u00f6tig, unm\u00f6glich und sogar gef\u00e4hrlich ist.<\/p>\n<p>Unn\u00f6tig ist der Faschismus f\u00fcr die Bourgeoisie, da die traditionellen Arbeiterorganisationen sich bisher als \u00e4usserst hilfreich f\u00fcr die Interessen der Kapitalistenklasse erwiesen haben. F\u00fcr die franz\u00f6sische Bourgeoisie gilt, die klassenverr\u00e4terische franz\u00f6sische Sozialdemokratie und die Massenbewegungen sabotierenden Gewerkschaften weiterhin einzubinden. In den Worten des Dirigenten der republikanischen Rechten (fr\u00fcher UMP), Alain Jupp\u00e9: \u201eWieso die gef\u00e4hrliche Karte des FN spielen, wenn die PS unsere Interessen so gut verteidigt und die Gewerkschaften keine Wellen schlagen?\u201c Gef\u00e4hrlich ist der FN f\u00fcr die Bourgeoisie, weil er aufgrund seiner urspr\u00fcnglichen Verkn\u00fcpfungen mit dem Faschismus f\u00fcr die Jugend, aber auch f\u00fcr weite Teile der Arbeiterklasse zurecht untragbar ist. Die Massendemonstrationen nach dem Wahlerfolg Jean-Marie Le Pens 2002 stecken ihnen weiterhin in den Knochen. Und unm\u00f6glich ist der Faschismus heute in Frankreich, da ihm seine tragende, kleinb\u00fcrgerliche Massenbasis fehlt. Vor dem zweiten Weltkrieg noch in der Mehrheit, stellt das Kleinb\u00fcrgertum \u2013 KleinbauerInnen, Kaufleute, Selbstst\u00e4ndige, usw\u2026 \u2013 heute nicht einmal mehr 5% der Bev\u00f6lkerung (bei 90% Lohnabh\u00e4ngigen).<\/p>\n<p>Pr\u00e4sidentschaftskandidatin Le Pen hat genau dies erkannt. Sie steuerte den FN weg vom antisemitischen Mief ihres Vaters und Gr\u00fcnder der Partei, hin zu einem haupts\u00e4chlich aus Technokraten und immer mehr ehemaligen Kadermitgliedern der UMP\/LR bestehenden Parteiapparat. Vier Monate vor dem Wahlkampf trifft sie sich regelm\u00e4ssig mit den f\u00fchrenden nationalen und internationalen GrosskapitalistInnen von Medef (Unternehmerverband), UBS und Barclay\u2019s. W\u00e4hrend der Faschismus als autorit\u00e4re Herrschaftsform die Aufhebung der b\u00fcrgerlichen Demokratie darstellt, versucht Le Pen sich im Dienst des Kapitals in diese einzugliedern.<\/p>\n<p>Auch wenn die Partei die reaktion\u00e4rsten Elemente der franz\u00f6sischen Gesellschaft und wahrscheinlich weiterhin einzelne FaschistInnen vereint, ist es falsch, ihre ganze Unterst\u00fctzerschaft als RassistInnen oder FaschistInnen zu bezeichnen. Eine Stimme f\u00fcr den FN ist in erster Linie eine Stimme gegen die aktuellen und drohenden Lebensbedingungen. Die Regionen der Desindustrialisierung (2 Mio. Jobs gingen in den letzten 30 Jahren verloren) und jene der FN-Unterst\u00fctzung \u00fcberschneiden sich peinlich genau. Auch der Wahlgrund \u201eImmigration\u201c steht fast einstimmig in Zusammenhang mit der Situation auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt.<\/p>\n<p>Der Rassismus geht aus den kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen hervor, da er die L\u00f6hne dr\u00fcckt und die ArbeiterInnen spaltet und somit die Konkurrenz unter den ArbeiterInnen widerspiegelt. Daher wird er auch von den KapitalistInnen bewusst gesch\u00fcrt. Es ist offensichtlich, dass Le Pen mit ihrer ausl\u00e4nderfeindlichen und islamophoben Politik also direkt dem Kapital dient.<\/p>\n<p>In tiefsten Krisenzeiten k\u00f6nnen wir radikalisierende und polarisierende Prozesse beobachten. Die riesigen Mobilisierungen um den linken Jean-Luc M\u00e9lenchon sind sowohl deren Ausdruck als auch die M\u00f6glichkeit, eine Politik gegen die Interessen der herrschenden Klasse zu f\u00fchren. Unter diesen Umst\u00e4nden sind die KapitalistInnen \u2013 deren Institutionen und Parteien in der Krise an Legitimit\u00e4t verlieren \u2013 gezwungen, eine h\u00e4rtere Gangart zu fahren und den Rechtsextremen neben den traditionellen b\u00fcrgerlichen Parteien mehr Mitverantwortung in der Regierungsarbeit zuzugestehen. Der Versuch, diese Entwicklungen als \u201efaschistisch\u201c zu bezeichnen, ist nicht nur analytisch falsch, sondern f\u00fchrt zu schwerwiegenden strategischen Fehlern.<\/p>\n<p>Leo Trotzki beobachtete in den 30er Jahren, dass der Faschismus eine zun\u00e4chst kleinb\u00fcrgerliche und dann zunehmend von der Bourgeoisie unterst\u00fctzte Massenbewegung ist, dessen Aufgabe darin besteht, die Arbeiterbewegung im zugespitzten Klassenkampf zu brechen.<\/p>\n<p>Wir k\u00e4mpfen heute nicht gegen den FN und andere Ultrareaktion\u00e4re, sondern gegen die zerst\u00f6rerischen Sparmassnahmen, Lohnk\u00fcrzungsrunden und Massenentlassungen. Wir wollen die politischen und sozialen Ursachen des Faschismus und den Rechtsextremismus bek\u00e4mpfen. Es gilt, eine linke Partei aufzubauen, die als linke Alternative die desillusionierten FN-W\u00e4hlerInnen aufzufangen vermag. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir uns gegen s\u00e4mtliche Konterreformen vehement wehren und uns f\u00fcr radikale Verbesserungen der Lebensbedingungen der ArbeiterInnen und der Jugend einsetzen. Nur so k\u00f6nnen der FN und der Faschismus besiegt werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/antifaschismus\/ist-der-fn-faschistisch\/\">derfunke.ch&#8230;<\/a> vom 18. April 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dersu Heri, JUSO Genf. Der Aufstieg Marine Le Pens und ihrer rechtspopulistischen Partei, des Front National, verleitet insbesondere linke Kommentatoren dazu, sie als \u201cfaschistisch\u201d zu bezeichnen. 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