{"id":2069,"date":"2017-04-21T13:51:23","date_gmt":"2017-04-21T11:51:23","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2069"},"modified":"2018-01-19T18:07:10","modified_gmt":"2018-01-19T16:07:10","slug":"russlands-trucker-im-streik-gegen-platon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2069","title":{"rendered":"Russlands Trucker im Streik gegen \u00bbPlaton\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><em>Ute Weinmann.<\/em> Nicht nur das neue Mautsystem bringt vor allem Kleinunternehmer in Schwierigkeiten. Der Kilometerpreis des russischen Mautsystems \u00bbPlaton\u00ab f\u00fcr Schwerlaster stieg am 15. April planm\u00e4\u00dfig. <!--more-->An jenem Tag wollten Lkw-Fahrer ihren Protest dagegen mit einer Autokolonne von einem Streikposten am Stadtrand von St. Petersburg in die Innenstadt tragen. Doch die Polizei hinderte sie daran und nahm mehrere Personen fest.<\/p>\n<p>Eigentlich sollte ein Gerichtsverfahren folgen, aber weder gibt es bislang einen Termin, noch eine klare Anschuldigung. Nicht einmal ein Gesetzesversto\u00df liegt vor. An derlei Schikanen haben sich die landesweit gut vernetzten Fahrer l\u00e4ngst gew\u00f6hnt. Innerhalb der vergangenen drei Wochen wurden aus fadenscheinigen Gr\u00fcnden in \u00fcber 250 F\u00e4llen Bu\u00dfgelder oder mehrt\u00e4tige Haftstrafen verh\u00e4ngt<\/p>\n<p>Seit dem 27. M\u00e4rz 2017 befinden sich russische Lkw-Fahrer in einem unbefristeten Streik gegen das Mautsystem \u00bbPlaton\u00ab. Sie wollen erreichen, dass sich die Regierung mit ihnen an den Verhandlungstisch setzt, um gemeinsam \u00fcber eine L\u00f6sung zahlreicher Probleme in der Logistikbranche zu sprechen.<\/p>\n<p>Das Ende 2015 eingef\u00fchrte \u00bbPlaton\u00ab-System ist nur die Spitze des Eisbergs. Bereits vor der Einf\u00fchrung der Mautgeb\u00fchr sank die Rentabilit\u00e4t bei Kleinspediteuren infolge der Wirtschaftskrise und der Sanktionen gegen Russland und auch der sogenannten Gegensanktionen. Gleichzeitig steigen diverse Abgaben wie die unl\u00e4ngst angehobene Benzinsteuer. Gro\u00dfspeditionen profitieren von den Problemen der ressourcenschwachen Konkurrenz. Sie konnten ihren Marktanteil im vergangenen Jahr von 30 auf etwa 40 Prozent ausbauen.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung der Vereinigung russischer Transportunternehmer OPR, die ma\u00dfgeblich hinter dem Streik steht, liegt die Beteiligungsquote derzeit bei 40 Prozent. An der Spitze liegt Dagestan, wo sich bis auf eine kleine Minderheit alle Fahrer dem Arbeitskampf angeschlossen haben; es folgen Tschetschenien und die kleineren Kaukasusrepubliken.<\/p>\n<p>Zum einen stehen sie \u00f6konomisch schlechter da, zum anderen f\u00f6rdern die lokalen gesellschaftlichen Strukturen ein geschlossenes Vorgehen. Wer die Region mit einem beladenen Lkw verlassen will, erh\u00e4lt Polizeischutz. Zwar haben sich die Streikenden im Voraus auf friedliche Protestformen geeinigt, aber wer aus ihren Reihen ausbricht, muss sich deutliche Worte der Kollegen gefallen lassen.<\/p>\n<p>Nicht \u00fcberall ist der Protest sichtbar. Um keinen Konflikt mit der Polizei zu riskieren, bleiben die Trucks oft auf ihren Stellpl\u00e4tzen. In Dagestan kamen zur Einsch\u00fcchterung der Fahrer sogar Einheiten der Nationalgarde zum Einsatz. Michail Kurbatow, einer der Koordinatoren der OPR, strahlt dennoch Optimismus aus. \u00bbImmer mehr Regionen schlie\u00dfen sich dem Streik an\u00ab, sagte er dem \u00bbnd\u00ab. Auch weit hinter dem Ural, insbesondere in Burjatien, liegt der G\u00fcterverkehr auf der Stra\u00dfe zu gro\u00dfen Teilen lahm. Aus 34 anderen Regionen vermeldete die Verbraucherschutzvereinigung bereits Engp\u00e4sse bei der Lebensmittelversorgung.<\/p>\n<p>In den Metropolen Moskau und St. Petersburg sind die Vorratsspeicher jedoch gut gef\u00fcllt, zudem verf\u00fcgen gro\u00dfe Supermarktketten \u00fcber einen eigenen Fuhrpark. Nur wenige Printmedien berichten \u00fcber den Streikverlauf. Das \u00fcberregionale staatliche Fernsehen blendet den Protest komplett aus, w\u00e4hrend sich lokale Sender stellenweise \u00fcber das faktische Nachrichtenverbot hinweg setzen.<\/p>\n<p>Der F\u00f6derationsrat k\u00fcndigte inzwischen eine Effektivit\u00e4tspr\u00fcfung von \u00bbPlaton\u00ab an, und in manchen Regionen signalisieren die Beh\u00f6rden Gespr\u00e4chsbereitschaft mit dem Versprechen, die politische F\u00fchrung in Moskau von den Ergebnissen in Kenntnis zu setzen. Doch dort d\u00fcrften ausreichend Informationen vorliegen.<\/p>\n<p>Bislang setzt der Kreml offenbar schlicht auf eine Hinhaltetaktik in der Erwartung, der Protest l\u00f6se sich irgendwann von selbst auf. Anstatt sich dem direkten Gespr\u00e4ch zu stellen, entsandte Moskau Dienstag den Fernsehjournalisten und Kaukasuskenner Maksim Schewtschenko als Unterh\u00e4ndler nach Dagestan. Der Kampfmoral der streikenden Fahrer tut dies keinen Abbruch: sie wollen einzig und allein mit den Entscheidungstr\u00e4gern aus der Regierung sprechen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1048515.russlands-trucker-gegen-platon.html\">neues-deutschland.de&#8230;<\/a> vom 21. April 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ute Weinmann. Nicht nur das neue Mautsystem bringt vor allem Kleinunternehmer in Schwierigkeiten. Der Kilometerpreis des russischen Mautsystems \u00bbPlaton\u00ab f\u00fcr Schwerlaster stieg am 15. 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