{"id":2071,"date":"2017-04-21T14:18:45","date_gmt":"2017-04-21T12:18:45","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2071"},"modified":"2017-04-21T14:18:45","modified_gmt":"2017-04-21T12:18:45","slug":"pharma-grosse-macht-enorme-profite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2071","title":{"rendered":"Pharma: Grosse Macht, enorme Profite"},"content":{"rendered":"<p><em>Matthias G., JUSO Winterthur. <\/em>Medikamente sind extrem teuer in der Schweiz. Die Pharmabranche sorgt mit grossz\u00fcgiger Unterst\u00fctzung der Politik daf\u00fcr, dass das auch so bleibt. Kaum ein Wirtschaftsbereich ist so einflussreich und profitabel.<!--more--><\/p>\n<p>Anfangs Februar verk\u00fcndete das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) unter Bundesrat Alain Berset vollmundig, dass es die Medikamentenkosten \u00fcber die n\u00e4chsten drei Jahre um bis zu 240 Millionen Franken reduzieren werde. Mittel dazu sei eine neue Verordnung, welche die j\u00e4hrlichen \u00dcberpr\u00fcfungen der Medikamentenpreise wieder einf\u00fchre und deren Kriterien anpasse. Neu soll neben dem Auslandspreisvergleich auch der therapeutische Nutzen zur Bestimmung des H\u00f6chstpreises beachtet werden. Das klingt gut, \u00e4ndert aber nichts daran, dass Medikamente in der Schweiz massiv \u00fcberteuert sind.<\/p>\n<p><strong>Preisregulierung: Im Sinne der Pharma<\/strong><\/p>\n<p>Diese neue Verordnung beinhaltet n\u00e4mlich nicht die sofortige Anpassung an den aktuellen Wechselkurs im Auslandspreisvergleich, sondern will j\u00e4hrlich lediglich einen Drittel der Medikamentenpreise neu festsetzen. Das bedeutet, dass 2017 nach wie vor alle Medikamente zu dem Wechselkurs 1.28 verkauft werden und im darauffolgenden Jahr immer noch zwei Drittel der Medikamente. Selbst zu einem realen Wechselkurs sind die Medikamente in der Schweiz teurer als in praktisch allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern; die Schweizer Preise der Generika sogar bis zu 50 Prozent h\u00f6her. Ein wichtiger Grund f\u00fcr das hohe Preisniveau ist das Verbot des Parallelimports.<\/p>\n<p>Das bedeutet, es d\u00fcrfen keine patentgesch\u00fctzten Medikamente im billigeren Ausland einkauft werden um diese dann in der Schweiz zu verkaufen. So k\u00f6nnen die hohen Preise vor dem Konkurrenzkampf gesch\u00fctzt werden. Ein Privileg der Pharma, welches durch die b\u00fcrgerlichen Ideologen des \u00abfreien Markts\u00bb vollumf\u00e4nglich verteidigt wird. Im selben Geiste wurde 2015 f\u00fcr Medikamente gegen seltene Krankheiten eine zehnj\u00e4hrige Monopolstellung eingef\u00fchrt. Diktiert wurde dieses Gesetz wortw\u00f6rtlich durch die Pharmaindustrie. Diese macht damit enorme Gewinne: Alleine Novartis macht mit dem Gesch\u00e4ft mit seltenen Krankheiten \u00fcber 10 Mrd. Franken pro Jahr.<\/p>\n<p><strong>Riesige Profite und riesige Macht<\/strong><\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Bedeutung der Pharmaindustrie f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft ist sehr gross, sind doch fast die H\u00e4lfte aller Exporte der Schweizer Wirtschaft Pharma- und chemische Produkte. Deshalb scheint es f\u00fcr die meisten PolitikerInnen \u2013 nicht nur der b\u00fcrgerlichen Parteien \u2013 von grosser Bedeutung zu sein, die Interessen der Pharma zu vertreten, um ja nicht der Schweizer \u00abVolks\u00bb-Wirtschaft zu schaden. Das bedeutet aber in erster Linie gigantische Profite und zugleich eigentlich relativ wenige Arbeitspl\u00e4tze. So erwirtschaftet ein Angestellter in der Pharmabranche im Schnitt 627\u2019000 Franken. Das ist viermal mehr als in anderen Branchen. Es werden also enorme Gewinne gemacht. Z.B. Roche vermeldete f\u00fcr 2016 einen Reingewinn von 9.1 Mrd. Franken auf einen Umsatz von 50.6 Mrd. Franken.<\/p>\n<p><strong>Das Gesch<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ft mit der Gesundheit lohnt sich!<\/strong><\/p>\n<p>So viel Geld erm\u00f6glicht auch, die Rahmenbedingungen den eigenen Bed\u00fcrfnissen anzupassen. Dabei wird nichts dem Zufall \u00fcberlassen, sondern durch eine sehr gut vernetzte Lobbyarbeit direkt kontrolliert. Kaum ein Wirtschaftszweig besitzt so viel Einfluss in den politischen Gremien. Angefangen in ihren Hochburgen wie Basel-Stadt, wo Nationalr\u00e4tInnen und Regierungsmitgliedern von Pharma- CEOs pers\u00f6nlich ihre W\u00fcnsche \u00fcberbracht werden. Diese werden dann auch fast immer erf\u00fcllt, denn mit der Pharma m\u00f6chte es sich niemand verscherzen. Einerseits stammen betr\u00e4chtliche Summen der Steuereinnahmen von den Pharmakonzernen, anderseits sind diese auch durch ihre finanziellen Mittel politisch einflussreich. F\u00fcr die politische Karriere ist das Wohlwollen oder zumindest die Akzeptanz von grosser Bedeutung.<\/p>\n<p>Mit der Unternehmenssteuerreform 3 versuchten die B\u00fcrgerlichen einmal mehr auf dreisteste Art den Pharmaunternehmen noch h\u00f6here Profite zu sichern, indem sie Gewinne aus Patenten von Steuern befreien wollten. F\u00fcr ihre Kampagne konnten sie z.B. auf Eva Herzog z\u00e4hlen, welche f\u00fcr die SP im Basler- st\u00e4dtischen Regierungsrat sitzt. Viele \u00abVolksvertreterInnen\u00bb sind eben lediglich PharmavertreterInnen. \u00dcber ein umfassendes Netz an Lobbyorganisationen und auch durch gut bezahlte Posten wird sichergestellt, dass pharmafreundliche Politik betrieben wird. So geh\u00f6ren z.B. 9 von 25 ParlamentarierInnen der Gesundheitskommission der \u00abInteressensgemeinschaft (IG) Biomedizinische Forschung und Innovation\u00bb an. Diese IG wird direkt durch Interpharma, die wichtigste Lobbyorganisation der Branche, gef\u00fchrt. Dies wird erg\u00e4nzt durch Direktzahlungen an \u00c4rztInnen und Spit\u00e4ler, damit diese ihre Produkte verwenden. Dies l\u00e4sst sich die Pharma im Jahr 2015 mindestens 140 Mio. Franken kosten, hat der Beobachter aus Eigenangaben der Branche errechnet. Dies ist aber wohl nur die Spitze des Eisberges, sind diese Angaben doch freiwillig und bei weitem nicht vollst\u00e4ndig. Eine US- Studie hat belegt, dass nur schon eine Essenseinladung eine Zunahme der Verschreibung bestimmter Medikamente durch die \u00c4rztInnen bewirkt. Das ist selbstverst\u00e4ndlich Korruption, wird aber kaum thematisiert und schon gar nicht bestraft.<\/p>\n<p><strong>Das hat System<\/strong><\/p>\n<p>Schliesslich muss aber festgestellt werden, dass es dabei nicht lediglich um die Pharmabranche geht, ist diese doch nur symptomatisch daf\u00fcr, wie schamlos wirtschaftliche Interessen die politische Agenda der Schweizer Politik bestimmen. Staatliche Institutionen arbeiten Hand in Hand mit den Grosskonzernen zusammen. So h\u00e4tte es z.B. das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit in der Hand, medizinische Kosten zu senken, indem es eine ernsthafte Preisregulierung durchsetzen w\u00fcrde. So k\u00f6nnte es den Krankenkassen z.B. vorschreiben, dass die teuren Originalmedikamente nicht mehr bezahlt werden sollen, wenn es bis auf den Aufdruck identische aber wesentlich billigere Generika vom selben Hersteller gibt. Das BAG tut es aber nicht, weil es in erster Linie den Interessen der Pharmaindustrie zudient und nicht denen der PatientInnen. Anhand dieses Beispiels l\u00e4sst sich eben auch sehen, dass die staatlichen Institutionen nicht neutrale Instanzen sind und klar in erster Linie im Interesse der Besitzenden handeln. Was so wichtig f\u00fcr unsere Lebensqualit\u00e4t ist, geh\u00f6rt unter gesellschaftliche Kontrolle. Das Funktionieren der Pharmabranche ist aber lediglich ein abscheuliches Beispiel davon, wie korrupt die Ausbeutung der Mehrheit betrieben wird. Der Kampf richtet sich also in letzter Instanz nicht gegen diese oder jene Widerw\u00e4rtigkeit, sondern gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem an sich.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/c27-schweiz\/pharma-grosse-macht-enorme-profite\/\">derfunke.ch&#8230;<\/a> vom 21. April 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias G., JUSO Winterthur. Medikamente sind extrem teuer in der Schweiz. Die Pharmabranche sorgt mit grossz\u00fcgiger Unterst\u00fctzung der Politik daf\u00fcr, dass das auch so bleibt. 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