{"id":2096,"date":"2017-05-03T14:00:12","date_gmt":"2017-05-03T12:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2096"},"modified":"2017-05-03T14:00:31","modified_gmt":"2017-05-03T12:00:31","slug":"frauen-klasse-und-die-bolschewiki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2096","title":{"rendered":"Frauen, Klasse und die Bolschewiki"},"content":{"rendered":"<p><em>Sandra Bloodworth.<\/em> Die meisten Erz\u00e4hlungen \u00fcber die Russische Revolution von 1917 betonen zu Recht die Rolle der Petrograder Arbeiterinnen am internationalen Frauentag (IFT), als ihr Streik die Massenbewegung ausl\u00f6ste, die den Zar st\u00fcrzte. <!--more-->Aber dann verschwinden sie f\u00fcr den Rest des Jahres \u2013 mit Ausnahme des bewaffneten Frauenbataillons, das versuchte, den Winterpalast gegen den Arbeiteraufstand vom Oktober zu verteidigen.<\/p>\n<p>Auf Seiten der Roten Garden \u2013 den bewaffneten Arbeitermilizen &#8211;\u00a0 jedoch k\u00e4mpften mehr Frauen f\u00fcr die Einnahme des Winterpalastes. Und viele Frauen aus den Roten Garden k\u00e4mpften weiter im B\u00fcrgerkrieg zwischen 1918 und 1920 gegen die eingedrungenen imperialistischen Armeen, die zur Unterst\u00fctzung der konterrevolution\u00e4ren weissen russischen Kr\u00e4fte herbeigeeilt waren.<\/p>\n<p><strong>Geschlecht\u00a0 und Klasse<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte der Revolution bleibt weiterhin relevant, denn die Ausbeutung der Arbeiterklasse und die Unterdr\u00fcckung der Frauen ist immer noch ein zentraler Faktor im Kapitalismus und das Verh\u00e4ltnis von Klasse und Geschlecht steht weiterhin zur Debatte.<\/p>\n<p>Die Frauen brachen nicht einfach in einem primitiven, unorganisierten und unbewussten Wutausbrauch in die Strassen hinaus. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurden sie in grosser Zahl direkt lohnabh\u00e4ngig: um 1917 machten sie 47 Prozent der Lohnabh\u00e4ngigen in Petrograd aus \u2013 \u00e4hnlich wie in den kapitalistischen L\u00e4ndern heutzutage.<\/p>\n<p>Tausende von ihnen waren seit der Mitte von 1915 an den Brotaufst\u00e4nden beteiligt. Im Verlaufe von 1916 wurden die Arbeiterinnen und Arbeiter zunehmend widerspenstig. Sie waren mit einer wachsenden Nahrungsmittelkrise, dem Kriegselend und dem Autoritarismus des zaristischen Regimes konfrontiert.<\/p>\n<p>Im Januar 1917 kam es zu einer Reihe von Streiks, und einer von ihnen sollte an den blutigen Sonntag 1905 erinnern; damals massakrierten die zaristischen Truppen eine friedliche Demonstration. Vierzig Prozent der Petrograder industriearbeiterschaft streikte \u2013 einschliesslich von tausenden Frauen, die einen Monat sp\u00e4ter die IFT-Demonstration anf\u00fchrten.<\/p>\n<p>Die linken Organisationen waren sich nicht einig dar\u00fcber, was am IFT zu tun sei. Die Bolschewiki traten f\u00fcr einen gut vorbereiteten Protest am 1. Mai ein. Jane McDermid und Anna Hillyar argumentieren in ihrem Buch <a href=\"http:\/\/www.ohioswallow.com\/book\/Midwives+of+the+Revolution\">Midwives of the Revolution<\/a> \u00a0(Geburtshelferinnen der Revolution), dass die Bolshewiki sich vor deren ungeb\u00e4rdigen Spontaneit\u00e4t f\u00fcrchteten. In der Tat war es jedoch die schwache Teilnahme an den Demonstrationen zum Ged\u00e4chtnisstreik zum blutigen Sonntag, die sie vorsichtig werden liess; sie bef\u00fcrchteten, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht bereit waren f\u00fcr eine Grossoffensive gegen das Regime. Die Bolschewiki unterst\u00fctzten spontane K\u00e4mpf mehr als jede andere Organisation \u2013 sie erkannten, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen auf diese Weise radikalisiert wurden und f\u00fcr revolution\u00e4re Argumente zug\u00e4nglich wurden.<\/p>\n<p>Ein Konflikt in den k\u00e4mpferischen Putilow-Werken f\u00fchrte am 22. Februar, dem Tag vor dem IFT, in einen Lockout. Frauen aus der Fabrik demonstrierten vor den Toren eines Nahrungsmittelzentrums. Einige Tage vorher suchten die Frauen bei einem Tramdepot die Zusicherung von Soldaten, dass sie nicht schiessen w\u00fcrden, falls sie demonstrieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Streik der Frauen war das Ergebnis einer monatelangen bewussten Organisation und Vorbereitung. Dieser Prozess \u00e4hnelt in vielem der Entwicklung heutiger K\u00e4mpfe: Die Leute widerstehen den Ungerechtigkeiten des Systems, der Grad der Organisierung nimmt zu, und das Engagment w\u00e4chst mit dem Ansteigen des Selbstvertrauens bei den Massen.<\/p>\n<p>Sie marschierten zu den nahen Metallwerken, warfen Schneeb\u00e4lle an die Scheiben, um die Arbeiterinnen und Arbeiter zur Teilnahme aufzufordern. Unter der F\u00fchrung von Bolschewiki wie Kayurow schlossen sich die Metallarbeiter den Frauen an. McDermid und Hillyar verkennen jedoch, dass die Solidarit\u00e4t der Arbeiter dazu verhalf, den Protest in eine Revolution zu verwandeln; sie stellen vielemehr fest: \u00abDie traditionelle Hierarchie der Arbeiterbewegung setzte sich erneut durch und zwang wieder die Unterscheidung von wirtschaftlichen und politischen Forderungen auf.\u00bb Die Fragen der Nahrungsmittelknappheit, L\u00f6hne und \u00e4hnlichem waren eminent politisch \u2013 sie f\u00fchrten in die Forderung nach einer Beendigung des Krieges. Und dieser Zusammenhang war f\u00fcr die meisten erfahrenen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten selbstredend.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten war sich die Arbeiterinnen und Arbeiter gewohnt, andere Fabriken zur Solidarit\u00e4t aufzurufen. Die Gummifabrik Treugol\u2019nik mit ihrer vornehmlich weiblichen und unqualifizierten Arbeiterschaft beispielsweise wurde in ihrer ganzen Geschichte vor 1917 nie bestreikt, ausser wenn sie von der k\u00e4mpferischeren Arbeiterschaft der Putilow Werke dazu aufgerufen wurde. Diese Tradition gew\u00e4hrleistete, dass die am IFT streikenden Frauen ihre Kampagne ohne grosse Schwierigkeiten ausweiten konnten.<\/p>\n<p>Im Verlaufe von 1917 wuchs die Beteiligung der Frauen kontinuierlich an und f\u00fchrte in zumindest einigen Segmenten zu einer entsprechenden Radikalisierung. Am Streik der Petrograder W\u00e4scherinnen vom Mai beteiligten sich 5\u00b4500 W\u00e4scherinnen in 200 W\u00e4schereien; dieser wurde von bolschewistischen Frauen in ihrer Gewerkschaft organisiert, die im Sturm des Februaraufstandes gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<p>Sie forderten den Achtstunden-Tag, einen Minimal-Tageslohn, eine zwei-w\u00f6chentliche Ank\u00fcndigungsfrist f\u00fcr Entlassungen, Anerkennung ihrer Gewerkschaft, eine h\u00f6fliche Behandlung durch ihrer Bosse, zwei Wochen Ferien im Jahr, einen Monat Krankenurlaub und eine sechsmonatige Arbeitsplatzgarantie bei Krankheit und Geburt. Diese Forderungen wurden von der gesamten Arbeiterklasse in den Fabrikkomitees und R\u00e4testrukturen verfochten, die nach der Februarrevolution entstanden waren. Die militante Arbeiterklasse Petrograds mobilisierte sich zu ihrer Unterst\u00fctzung, w\u00e4hrend sie Streikbrecher und sehr repressive Bosse bek\u00e4mpfte. Ende Mai hatten sie einen wichtigen Sieg errungen.<\/p>\n<p>Einige Sozialwissenschaftler wie McDermid und Hillyar haben Zeugnisse aus der Revolution gesammelt, die in mancher Hinsicht hervorragend sind. Aber unter dem Eindruck der heute so verbreiteten Identit\u00e4tspolitik missverstehen sie die Dynamik von Geschlecht und Klassenkampf. Sie sind kritisch, weil \u00abdie Revolution\u00e4re [den Kampf der Frauen als Teil des allgemeinen Klassenkampfes] betrachteten\u00bb. Rex Wade argumentiert ganz \u00e4hnlich: \u00abDie sozialistischen F\u00fchrer k\u00fcmmerten sich um die Frauen soweit sie schlecht bezahlte Lohnabh\u00e4ngige waren, anstatt sie als Menschen mit besonderen Geschlechter-Anliegen anzusehen\u00bb.<\/p>\n<p>Aber im Zusammenhng mit der Revolution gab es keine Geschlechterfragen, die nicht mit der Klasse verbunden waren. So zum Beispiel die Fragen, um die M\u00e4nner wie Frauen k\u00e4mpften: tiefe und ungleiche L\u00f6hne, Mutterschaftsurlaub, Krankheitsurlaub und sexuelle Bel\u00e4stigung. All dies sind Themen, die die Geschlechterunterdr\u00fcckung betreffen \u2013 Themen, auf denen alleine die Arbeiterklasse k\u00e4mpfte. Die Frauen aus der Bourgeoisie st\u00fctzten sich auf die Ungleichheit, um sich einen Anteil an den Profiten ihres Ehemannes und an billiger Hausarbeit zu sichern.<\/p>\n<p>Die bolschewistischen Arbeiter, die die Revolution anf\u00fchrten und die in den Fabrikkomitees und den R\u00e4testrukturen aktiv waren, sahen keineswegs \u00fcber die Geschlechterfragen hinweg, nur weil sie die Klassenfragen betonten. Tats\u00e4chlich, wie Richard Stites, ein Historiker der Frauenbewegung in Russland betont, konnten sich die Bolschewiki viel einfacher an die Frauen der Arbeiterklasse und der Soldaten wenden als die Menschewiki, die gem\u00e4ssigten Sozialisten; und dies genau, weil sie radikaler waren und sich viel st\u00e4rker mit dem Klassenkampf identifizierten.<\/p>\n<p>Die Menschewiki waren nicht f\u00fcr einen durch die Arbeiterklasse angef\u00fchrten Sturz der Regierung; viel eher unterbreiteten sie ihre Forderungen via ein Komitee \u2013 ganz entgegen den Bolschewiki, die unzweideutig jeden Streik zur Durchsetzung von Forderungen unterst\u00fctzten und sich derart vollst\u00e4ndig auf die Seite der Arbeiterklasse stellten.<\/p>\n<p>Ariadna Tyrkova war eine liberale Journalistin, Mitglied der Konstitutionellen Demokraten, der Partei der liberalen Bourgeoisie und Frau eines reichen englischen Gesch\u00e4ftsmannes. Sie war geneigt, die Abdankung des Zaren zu begr\u00fcssen, wie die anderen Kapitalisten und war von einer Hoffnung und Freude angetan \u00fcber die neu heranbrechende Welt. \u00abIn jenen Tagen \u00fcberwog die Freundlichkeit und der gute Wille und schuf eine starke, allgemein f\u00fchlbare, atmende Energie und Kraft\u00bb notierte sie in ihr Tagebuch.<\/p>\n<p>Innerhalb weniger Tage jedoch sp\u00fcrte sie ihren Oberschicht-Abscheu f\u00fcr \u00abden Mob in den Arbeitervierteln, die die M\u00e4rkte pl\u00fcnderten und durch die Strassen zogen mit ihren Rufen nach Brot\u00bb. Am 1. April demonstrierten vor allem Textilarbeiterinnen gegen die provisorische Regierung. Pro-Regierungs-Demonstranten spotteten \u00fcber sie und nannten sie \u00abnacktbeiniges, ungebildetes Lumpenpack!\u00bb und \u00abgemeine Schlampen!\u00bb Pelageia Romanova antwortete aus den Reihen der Arbeiterinnen: \u00abEuer Haufen tr\u00e4gt H\u00fcte, die von unseren H\u00e4nden gemacht wurden!\u00bb Es kam zu einem gewaltsamen Zusammenstoss.<\/p>\n<p>Die Verw\u00fcstungen des Krieges waren ein Hauptgrund f\u00fcr den Arbeiteraufstand. Die Feministinnen aus den Oberschichten unterst\u00fctzten jedoch den Krieg. Sie gingen davon aus, dass die neue Republik durch ihre Klasse regiert w\u00fcrde und dieser Staat ihren Interessen diene, indem er sich an der Front als imperialistische Macht erweise. Am 20. M\u00e4rz marschierten sie in einer Demonstration durch Petrograd und trugen Transparente mit der Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht in einem neuen\u00a0 Parlament. Ihre wichtigste Forderung aber war der Kampf f\u00fcr einen Sieg an der Front.<\/p>\n<p>Die Arbeiterinnen waren bereits wahlberechtigt in Fabrikkomitees, Gewerkschaften und den R\u00e4testrukturen und setzten Reformen durch wie den Achtstundentag. Die Bemerkungen von Historikerinnen und Historikern, dass die Bolschewiki \u2013 die immer f\u00fcr ein allgemeines Wahlrecht eintraten, nicht wie viele Feministinnen \u2013 sich nicht um Abstimmungen k\u00fcmmerten, als ob diese nicht ebenso wichtig w\u00e4ren wie \u00f6konomische Forderungen, sind einfach l\u00e4cherlich. So weist eine typische Resolution aus einer Fabrik zu den Absichten der provisorischen Regierung, den Krieg weiterzuf\u00fchren, auf die unterschiedlichen Klassenpositionen hin:<\/p>\n<p>\u00abDas Volk und die Armee gingen auf die Strasse, nicht um eine Regierung durch eine andere zu ersetzen, sondern um unsere Losungen umzusetzen. Und diese Losungen lauten: &lt;Freiheit&gt;, &lt;Land und Freiheit&gt; und &lt;Ende dem blutigen Kriege&gt; &#8211; wir, die besitzlosen Klassen, brauchen keine blutige Schl\u00e4chterei.\u00bb<\/p>\n<p>F\u00fchrende menschewistische Frauen riefen an feministischen Anl\u00e4ssen zu einer Fortf\u00fchrung des Krieges auf. Und die b\u00fcrgerlichen Feministinnen luden die britische Suffragette Emmeline Pankhurst von Juni bis September f\u00fcr einen Besuch ein, der ausddr\u00fccklich organisiert wurde, um f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Kriegsanstrengungen einzuheizen. Sie sprach an privaten Anl\u00e4ssen in ihren Herrschaftsh\u00e4usern und half dabei, Geld f\u00fcr ein Frauenbataillon zu sammeln, das an der Front die in Scharen desertierten Soldaten ersetzen sollte.<\/p>\n<p>Diese Fragen sind weiterhin wichtig. Eine Betonung der Identit\u00e4t der Frauen als einer unterdr\u00fcckten Gruppe kann kein Leitfaden in einer Zeit scharfer Klassenpolarisierung sein. In der heutigen USA unterst\u00fctzen demokratische Frauen wie Hillary Clinton den Ruin des Lebens von Frauen aus der Arbeiterklasse, sei es dass sie die Sozialleistungen k\u00fcrzen, die L\u00f6hne weiter senken, Zivilistinnen und Zivilisten in imperialistischen Kriegen bombardieren oder Immigrantinnen und Immigranten deportieren. Gleichzeitig widersetzten sich Tausende k\u00e4mpferischer Frauen und M\u00e4nner Trump\u2019s reaktion\u00e4ren Angriffen auf die Rechte der Frauen.<\/p>\n<p>Die Revolution macht klar, dass die Klassensolidarit\u00e4t entscheidend ist, indem sie die sexistischen Muster angreift und die Unterdr\u00fcckten auf neue Ebenen des Selbstvertrauens erhebt. Dabei werden Frauen oft bef\u00e4higt, M\u00e4nner zu organisieren und anzuf\u00fchren und Rollen einzunehmen, die nicht vereinbar sind mit sexistischen Stereotypen. Alexandra Kollontai, die als Rednerin sehr bekannt war, spielte eine Schl\u00fcsselrolle, als sie durch die Baracken ging und die Soldaten im Oktober darin best\u00e4rkte, die Macht\u00fcbernahme durch die Arbeiterr\u00e4te zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Die Arbeit der Bolschewiki unter den Frauen<\/strong><\/p>\n<p>McDermid und Hillyar missverstehen die wichtigsten Elemente der Arbeit der Bolschewiki unter den Frauen; sie k\u00f6nnen sich aber der Tatsache nicht entziehen, dass die Bolschewiki die einzige Organisation waren, die die K\u00e4mpfe der Frauen aus der Arbeiterklasse ernsthaft organisierten und ermutigten. Im Gegensatz zu den das ganze Buch durchziehenden Behauptungen, dass die Bolschewiki aufgrund ihrer Klassenanalyse die Geschleechterfrage nicht ernst nahmen, so nehmen sie doch zur Kenntnis, dass sie \u00abauf die Proteste der Arbeiterklasse zugingen, indem sie die Flugbl\u00e4tter gleichermassen an Arbeiterinnen und Arbeiter richteten. Die Aufrufe waren geschlechtsneutral.\u00bb<\/p>\n<p>Die Propagandarbeit der Zeitung <em>Rabotnitsa<\/em> (Arbeiterin) erlangte im Verlaufe von 1917 noch h\u00f6here Wichtigkeit in der Arbeit der Bolschewiki. In ihrem Redaktionskollektiv arbeiteten getreue Aktivistinnen der Frauenbefreiung, die seit Jahren f\u00fchrende Bolschewiki waren, und Gef\u00e4ngnis und Exil erfahren hatten. Fabriken hatten ihre eigenen Vertreterinnen im Redaktionskollektiv, dass sich in w\u00f6chentlichen Sitzungen traf, an denen alle teilnahmen und die Berichte aus den verschiedenen Bereichen durchgingen.<\/p>\n<p>Sie nutzten <em>Rabotnitsa<\/em>, um die Frauen zu organisieren, insbesondere Frauen von Soldaten, um f\u00fcr ihre Beschwerden zu agitieren. Regul\u00e4re Massenveranstaltungen zogen grosse Menschenmengen an, die sich bis in die Strassen ergossen, um bolschewistischen Sprecherinnen zuzuh\u00f6ren. Die Zeitung forderte die Arbeiter auf, die Frauen als integralen Teeil der Arbeiterbewegung zu betrachten. McDermid und Hillyar erkl\u00e4ren das Vorgehen der Bolschewiki:<\/p>\n<p>\u00abEinerseits wurde das Stereotyp der passiven, konservativen Frau infrage gestellt und die Geschlechtergleichheit betont. Andererseits fokussierte es sich auf &lt;Frauenprobleme&gt; (wie etwa Kinderg\u00e4rten, Kinderhorte, Mutterschaftsurlaub und Arbeitsschutzgesetze), wie auch jene h\u00e4uslichen Probleme, die mit dem Krieg verbunden waren.\u00bb<\/p>\n<p>Sie k\u00e4mpften gegen die weitverbreitete Auffassung, dass mit der wachsenden Arbeitslosigkeit die Frauen zuerst entlassen werden sollen und nutzten dazu ihren Einfluss in der Metallarbeitergewerkschaft. Und trotzalldem bestehen McDermid und Hillyar auf der \u00abBeschr\u00e4nktheit\u00bb und der \u00abbegrenzten bolschewistischen Praxis\u00bb aufgrund der bolschewistischen Betonung des Klassenkampfes.<\/p>\n<p>Ab den ersten Monaten des Jahres 1918 sogen der B\u00fcrgerkrieg, die imperialistische Invasion, die \u00f6konomische\u00a0 Sabotage der Kapitalisten und die Isolation wegen der gescheiterten Revolutionen in Europa das Lebensblut aus der revolution\u00e4ren Bewegung.<\/p>\n<p>Vor Stalin\u2019s Konterrevolution jedoch haben die Bolschewiki unter diesen schwierigen Bedingungen das allgemeine Wahlrecht eingef\u00fchrt. Ehe und Scheidung wurden aus dem Zust\u00e4ndigskeitsbereich von Kirche oder Staat entfernt. Die gleichgeschlechtlichen Beziehungen wurden anerkannt. Die Unehlichkeit wurde als juristisches Konzept abgeschafft und der bezahlte Mutterschaftsurlaub vor und nach der Geburt wurde gesetzm\u00e4ssig verankert. Wo immer m\u00f6glich, wurden Gemeindek\u00fcchen und Zentren f\u00fcr die Kinder eingerichtet. Alphabetisierungsprogramme und Bildung \u2013 lebenswichtig f\u00fcr die Frauen, die in ihrer Mehrheit analphabetisch waren \u2013 erhielten hohe Priorit\u00e4t. Es wurden Mittel zur Verf\u00fcgung gestellt, um eine Operation f\u00fcr diejenigen zu erm\u00f6glichen, die ihr Geschlecht \u00e4ndern wollten und die Juristen versuchten, die Gesetze in einer geschlechtsneutralen Sprache zu verfassen.<\/p>\n<p>Stites schliesst aus dem Revolutionsjahr: \u00abEs ist klar, dass die Bolschewiki 1917 nie einen wirklichen Herausforderer hatten als Organisatoren und Propagandisten unter den Frauen in den st\u00e4dtischen Unterschichten.\u00bb McDermid und Hillyar anerkennen, dass die Frauen \u00abnicht lediglich unbeschriebene Seiten waren, die die Bolschewiki einfach beschreiben konnten. Vielmehr wandten sie sich am Ende der bolschewistischen Partei zu, weil nur sie ihre Sorgen als Frauen und Arbeiterinnen auszudr\u00fccken verstanden und diese schnellstm\u00f6glich anzugehen schienen.\u00bb<\/p>\n<p>Dieses Zeugnis weist darauf hin, dass es die revolution\u00e4re Klassenorientierung der Bolschewiki war, die sie zu der wirksamsten Organisation im Kampf um die Befreiung der Frauen machte. Diese Orientierung erm\u00f6glichte ihnen die F\u00fchrung der Arbeiterklasse bei der Machteroberung im Oktober, die einen [kurzlebigen] Arbeiterstaat schuf \u2013 die einzige Basis, auf der der Sozialismus, und deshalb die Frauenbefreiung, aufgebaut werden kann.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/redflag.org.au\/node\/5785\"><em>redflag&#8230;<\/em><\/a> <em>vom 30. April 2017. \u00dcbersetzung: Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sandra Bloodworth. 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