{"id":2116,"date":"2017-05-12T10:26:41","date_gmt":"2017-05-12T08:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2116"},"modified":"2017-05-12T10:26:41","modified_gmt":"2017-05-12T08:26:41","slug":"mehr-als-die-haelfte-der-europaeischen-jugend-fuer-einen-grossen-aufstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2116","title":{"rendered":"Mehr als die H\u00e4lfte der europ\u00e4ischen Jugend f\u00fcr einen \u201egro\u00dfen Aufstand\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Andre Damon.<\/em> Es passiert nicht jeden Tag, dass Jugendliche von einer bedeutenden internationalen Organisation gefragt werden, ob sie an einem \u201egro\u00dfen Aufstand\u201c teilnehmen m\u00f6chten. Aber genau diese Frage hat die Europ\u00e4ische Rundfunkunion, der weltgr\u00f6\u00dfte<!--more--> Zusammenschluss \u00f6ffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten, bei einer Befragung von fast einer Million junger Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren gestellt.<\/p>\n<p>Die Frage \u201eW\u00fcrdest du dich an einem gro\u00dfen Aufstand gegen die an der Macht beteiligen, wenn so etwas in den kommenden Tagen oder Monaten stattfinden w\u00fcrde?\u201c bejahten mehr als die H\u00e4lfte, 53 Prozent. In Griechenland und Frankreich waren es sogar mehr als 60 Prozent.<\/p>\n<p>Die Frage wurde im Kontext einer angenommenen Generationenproblematik platziert, was wohl zur Relativierung des Ergebnisses dienen soll. Doch auch die Antworten auf die anderen Fragen machen klar, was die jungen Leute meinen, wenn sie angeben, dass sie sich einem \u201eAufstand\u201c anschlie\u00dfen w\u00fcrden. Die Umfrage ergab, dass die Jugend in ihrer gro\u00dfen Mehrheit besorgt ist \u00fcber soziale Ungleichheit, gegen Krieg und voller Sympathie f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge ist.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob \u201edas Finanzsystem die Welt bestimmt\u201c, antworteten gegen 90 Prozent mit Ja. Mehr als 500.000 Jugendliche beantworteten diese Frage.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sah es aus, als Teilnehmer gefragt wurden, ob es \u201e zu viele arme Menschen\u201c gebe, was 89 Prozent bejahten.<\/p>\n<p>Bei der Behauptung \u201ePolitiker sind korrupt\u201c war die Antwort noch eindeutiger. Nur 8 Prozent antworteten: \u201eNein, nur ganz wenige von ihnen\u201c. Die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit antwortete mit irgendeiner Variante von Ja. Sie antworteten entweder mit \u201eJa, manche\u201c oder \u201eJa, eigentlich alle von ihnen.\u201c<\/p>\n<p>Thomas Grond, Chef der Abteilung f\u00fcr junges Publikum bei der die Europ\u00e4ischen Rundfunkunion, sagte der WSWS, dass die Zahlen einen \u201ekatastrophalen\u201c Zusammenbruch des Vertrauens in soziale Institutionen zeigten. \u201eVertrauen in die Medien, in Politiker, in religi\u00f6se Institutionen ist zerbrochen.<\/p>\n<p>\u201eEin gro\u00dfer Teil der jungen Bev\u00f6lkerung hat nicht den Eindruck, dass die Politik sich f\u00fcr sie interessiert\u201c, sagte Grond. \u201eEs geht nur darum, das System zu bewahren. Es gibt nicht viel Ver\u00e4nderung. Und wenn sich etwas bewegt, dann r\u00fcckw\u00e4rts.\u201c<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob Grond \u00fcberrascht ist, dass so viele Jugendliche ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einem \u201egro\u00dfen Aufstand\u201c erkl\u00e4rt haben, antwortete er offen: \u201eNicht wirklich.\u201c Ihm zufolge zeigt die Umfrage, dass die Jugendlichen trotz ihrer skeptischen Einstellung zu bestehenden Institutionen allgemein mit Optimismus in die Zukunft blicken und zu politischem Engagement bereit sind. \u201eDie Gesellschaft gibt ihnen einfach keine Chance, zu zeigen, wozu sie f\u00e4hig sind\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Grond erkl\u00e4rte weiter, ihn \u00fcberrasche der breite Widerstand gegen Nationalismus unter den Umfrageteilnehmern. Er wies darauf hin, dass 78 Prozent der Jugendlichen in Deutschland einen wachsenden Nationalismus beobachten und dies f\u00fcr etwas Schlechtes halten. Nur elf Prozent betrachteten das Anwachsen von Nationalismus als positive Entwicklung.<\/p>\n<p>Bezeichnenderweise erkl\u00e4ren in Deutschland mehr als zwei Drittel der Jugendlichen, sie seien nicht bereit, in einem Krieg zu k\u00e4mpfen. Dabei betreibt gerade die deutsche herrschende Klasse ein Wiederaufleben von Nationalismus und Militarismus und Akademiker wie <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2017\/04\/19\/humb-a19.html\">J\u00f6rg Baberowski<\/a> geben bekannt: \u201eHitler war kein Psychopath, er war nicht grausam.\u201c<\/p>\n<p>Obwohl die Medien in ganz Europa unabl\u00e4ssig in Militarismus und Kriegshetze schwelgen, sagen die meisten Jugendlichen, sie w\u00fcrden sich weigern, f\u00fcr ihr Land zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Seit dem Referendum \u00fcber den EU-Austritt Gro\u00dfbritanniens am 23. Juni 2016 und der Wahl des ultrarechten Milliard\u00e4rs Donald Trump im November behaupten die internationalen Medien, in der Bev\u00f6lkerung der Industrienationen w\u00fcrden Nationalismus, Militarismus und rechte Stimmungen um sich greifen.<\/p>\n<p>Die Studie zeigt etwas ganz Anderes. Der Frage, ob Zuwanderung die kulturelle Vielfalt eines Landes bereichert, stimmten fast drei Viertel der Befragten zu.<\/p>\n<p>Bei diesen Zahlen muss man sich eine offensichtliche Frage stellen. Wenn die offiziellen Parteien fast v\u00f6llig diskreditiert sind, allgemein erkannt wird, dass Banken \u201edie Welt regieren\u201c, eine weit verbreitete Ablehnung von Krieg, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit herrscht, warum sind dann weltweit in der Politik Rechte und Neoliberale auf dem Vormarsch?<\/p>\n<p>Die Antwort darauf findet sich in der Bilanz der offiziellen &#8222;linken&#8220; Politik. Nur einige Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>2016 gewann US-Senator Bernie Sanders in der Vorwahl 13,3 Millionen Stimmen, weil er sich als \u201edemokratischen Sozialisten\u201c und Gegner der \u201eMilliard\u00e4rsklasse\u201c bezeichnete. Zweck seines Wahlkampfs war es jedoch, den politischen Einfluss der Demokratischen Partei zu wahren. Nach seiner Niederlage in der Vorwahl stellte sich Sanders hinter Clinton, die Kandidatin der Wall Street. Daraufhin konnte Trump den rhetorischen Widerstand gegen den Status Quo f\u00fcr sich reklamieren. Sanders ruft seither bei Auftritten im ganzen Land die Jugendlichen und Arbeiter dazu auf, die Demokraten zu unterst\u00fctzen.<\/li>\n<li>Im Januar 2015 gewann Syriza (\u201eKoalition der Radikalen Linken\u201c) die Wahl in Griechenland aufgrund des massiven Widerstandes in der Bev\u00f6lkerung gegen den Austerit\u00e4tskurs. Danach setzte die Regierung von Ministerpr\u00e4sident Alexis Tsipras pflichtbewusst die Spardiktate der Europ\u00e4ischen Union um. Syriza und ihre internationalen Verb\u00fcndeten repr\u00e4sentieren nicht die Interessen der Arbeiterklasse und der Jugend, sondern diejenigen von privilegierten Schichten des Kleinb\u00fcrgertums.<\/li>\n<li>Bei der letzten Wahl in Frankreich erhielt Jean-Luc M\u00e9lenchon (Unbeugsames Frankreich) aufgrund seines rhetorischen Widerstandes gegen Ungleichheit und Krieg sieben Millionen Stimmen. Allerdings lenkte er diese Stimmung aktiv zur\u00fcck ins politische Establishment. Er weigerte sich, zum Boykott der Stichwahl zwischen Marine Le Pen vom faschistischen Front National und dem Ex-Banker Emmanuel Macron aufzurufen. Au\u00dferdem unterst\u00fctzte er Macron stillschweigend, obwohl dieser die Ausweitung der Kriege und eine massive Versch\u00e4rfung des Angriffs auf die Arbeiterklasse bef\u00fcrwortet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist notwendig, eine wirklich sozialistische F\u00fchrung in der Arbeiterklasse aufzubauen, die sich auf den Widerstand gegen Kapitalismus und alle Formen von Nationalismus gr\u00fcndet.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/05\/11\/juge-m11.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 11. Mai 2017, leicht gek\u00fcrzt durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andre Damon. Es passiert nicht jeden Tag, dass Jugendliche von einer bedeutenden internationalen Organisation gefragt werden, ob sie an einem \u201egro\u00dfen Aufstand\u201c teilnehmen m\u00f6chten. 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