{"id":2139,"date":"2017-05-16T11:32:45","date_gmt":"2017-05-16T09:32:45","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2139"},"modified":"2017-05-16T11:32:45","modified_gmt":"2017-05-16T09:32:45","slug":"trump-vom-neoliberalismus-zum-neuen-nationalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2139","title":{"rendered":"Trump: Vom Neoliberalismus zum neuen Nationalismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Robert Belano.<\/em><strong>Trumps Wahlsieg und das Chaos der ersten Monate nach seinem Amtsantritt werfen viele Fragen nach der Ursache dieses unerkl\u00e4rlichen historischen Ph\u00e4nomens auf.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> Ist Trump ein Faschist, wurde er gar durch eine russische Megaverschw\u00f6rung ins Amt gehievt? Wie konnten Rechtsextreme in Gro\u00dfbritannien, Frankreich und den USA so schnell so erfolgreich werden? Dieser Artikel versucht die M\u00e4chte zu umrei\u00dfen, die hinter Trump stehen und untersucht m\u00f6gliche Verl\u00e4ufe f\u00fcr seine Pr\u00e4sidentschaft in den kommenden Monaten und Jahren.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drei Jahrzehnte lang regierte der Freihandel uneingeschr\u00e4nkt. Die EU, NAFTA, zahllose bilaterale Abkommen mit China; Republikaner, Demokraten, die europ\u00e4ische Sozialdemokratie, Konservative und Kommunist*innen rannten dieser Ideologie hinterher. Doch letztes Jahr gab es zwei grundlegende Ersch\u00fctterungen dieser Ordnung: Der Brexit und Donald Trump. Die andauernde Weltwirtschaftskrise und Mangel an wirklichen Alternativen von Links st\u00e4rkten Wirtschaftsnationalist*innen, die damit drohten, sich aus den gro\u00dfen Freihandelsabkommen zur\u00fcckzuziehen \u2013 oder sie wenigstens zu ihren Gunsten neu zu verhandeln. Trumps Wahlsieg und der Aufstieg der UKIP waren die gr\u00f6\u00dften Siege der Rechten, aber auch in Australien und den Niederlanden wurden Nationalist*innen stark, so auch in Frankreich. Verbunden sind sie durch zunehmende Angriffe gegen Asylbewerber*innen und andere Migrant*innen sowie die Ablehnung neoliberaler Handelspolitik.<\/p>\n<p>Diese dramatische Wende ist das direkte Ergebnis der Niederlage des Neoliberalismus. Die herrschende Wirtschaftsideologie seit Reagan kann nicht mehr dieselben Gewinne abwerfen wie fr\u00fcher. Viele reden zwar von Rekordkursen auf den Aktienm\u00e4rkten, doch seit Ende der Krise 2009 ist die US-Wirtschaft im Schnitt lediglich um 2,1 Prozent gewachsen. So langsam verlief keine Erholung seit dem zweiten Weltkrieg. Auch die Produktivit\u00e4t hat noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht. 2016 bezeichnete Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank FED, das durchschnittliche F\u00fcnfjahres-Produktivit\u00e4tswachstum von lediglich 0,5 Prozent als \u201emiserabel\u201c. Anleger*innen sind abgeschreckt durch anhaltend niedrige Zinsen, hohe Risiken und ein kriechendes Wachstum, daher sank auch die Investitionsrate erheblich.<\/p>\n<p>In Europa, S\u00fcdamerika und andernorts l\u00e4uft es \u00e4hnlich. Angesichts dieser kapitalistischen Weltkrise und einer noch unorganisierten Arbeiter*innenklasse siegte Trump und die Brit*innen entschieden sich f\u00fcr den EU-Austritt, begleitet von Hetzkampagnen gegen Migrant*innen, insbesondere Muslim*innen.<\/p>\n<p><strong>Trumps wackliger Anfang<\/strong><\/p>\n<p>Durch Trumps Wahlsieg kontrollieren die Republikaner nun nicht nur das Wei\u00dfe Haus, sondern auch beide Kammern des Kongresses, die meisten Gouverneurs\u00e4mter und wahrscheinlich auch bald den Supreme Court. Allerdings st\u00f6\u00dft Trump auf breite Ablehnung. Die Fronten verh\u00e4rten sich, selbst innerhalb der herrschenden Klasse, und Trump kann auch innerhalb seiner eigenen Partei keine stabilen Allianzen schmieden, sodass die Rechten ihre Vorherrschaft noch nicht behaupten konnten.<\/p>\n<p>Trumps Zustimmungsrate ist einzigartig schlecht. Laut einer aktuellen Umfrage liegt sie bei gerade mal 37 Prozent, ein historisches Tief f\u00fcr einen Pr\u00e4sidenten im dritten Amtsmonat. Nicht nur Trump, sondern auch seine Politik st\u00f6\u00dft auf breite Ablehnung. Laut Umfragen der Washington Post sind zwischen 51 und 55 Prozent der Amerikaner*innen gegen das Einreiseverbot f\u00fcr Muslim*innen. Laut Gallup sind 66 Prozent gegen die Abschiebung aller undokumentierten Migrant*innen und 84 Prozent sind f\u00fcr eine Einb\u00fcrgerungsperspektive. Eine Umfrage von Quinnipiac ergab zudem, dass 61 Prozent einen \u201eAbbau von Gesetzen gegen den Klimawandel\u201c ablehnen und 50 Prozent lehnen die Wiederaufnahme der Keystone XL- und Dakota Access-Pipeline-Projekte ab.<\/p>\n<p>Der breite Widerstand gegen Trump ist keine \u00dcberraschung. Es ist allgemein bekannt, dass er die Wahl nach Prozent der abgegebenen Stimmen (sog. \u201epopular vote\u201c) um 3 Millionen verloren hat. Weniger bekannt ist, dass nur 26 Prozent aller Wahlberechtigten f\u00fcr diesen Erzreaktion\u00e4ren gestimmt haben. Z\u00e4hlt man alle Drittkandidat*innen-Stimmen und Nichtw\u00e4hler*innen zusammen, wurden Clinton und Trump von gut der H\u00e4lfte aller Wahlberechtigten abgelehnt.<\/p>\n<p>Sowohl auf der Stra\u00dfe, als auch am Arbeitsplatz sp\u00fcrt man den Widerstand gegen Trump. Seit Amtsantritt hat eine Mobilisierungswelle das Land ergriffen. Dazu geh\u00f6rt einer der gr\u00f6\u00dften Proteste der US-Geschichte, der Women\u2019s March on Washington. Mehr als ein Dutzend St\u00e4dte erlebten Proteste an Flugh\u00e4fen nachdem Einreisende aus sieben Staaten mit muslimischer Mehrheitsbev\u00f6lkerung festgehalten wurden. An der University of Berkeley in Kalifornien gab es Aufst\u00e4nde von Studierenden und Jugendlichen gegen einen geplanten Auftritt des Trump-Helferlings Milo Yiannopoulos, sodass die Uni ihre Einladung zur\u00fcckziehen musste. W\u00e4hrend des Women\u2019s Strike on Washington am 8. M\u00e4rz waren zahlreiche Schulen landesweit gezwungen zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Schritte zur Machtergreifung<\/strong><\/p>\n<p>Trump hat die versprochene \u201eAufr\u00e4umaktion\u201c in Washington erstmal auf Eis gelegt und versucht nun die Harmonie zwischen Tea Party-Anh\u00e4nger*innen und dem republikanischen Establishment durch Steuergeschenke an Konzerne, Lockerung von Umweltauflagen, Angriffe auf das Abtreibungsrecht, h\u00f6here Milit\u00e4rausgaben und andere traditionelle Kernthemen herzustellen. Sogar mit ehemaligen Gegnern wie Paul Ryan, dem er \u00f6ffentlich \u201efehlende Loyalit\u00e4t\u201c vorwarf, will Trump das Kriegsbeil begraben. Dazu dient seine Kampagne zur Aufhebung von Obamas Gesundheitsreformen.<\/p>\n<p>Hinter Hillary stand, beinahe geschlossen, die Gro\u00dfbourgeoisie, w\u00e4hrend Trump sich vornahm, kleine und mittelst\u00e4ndische Firmen zu f\u00f6rdern, f\u00fcr welche der Neoliberalismus weit weniger Himmelsgeschenke abwarf. Zudem f\u00f6rdern ihn einige Gro\u00dfunternehmen mit hohem Exportanteil, wie Boeing, General Electric, Pfizer, Oracle, etc. Diese gr\u00fcndeten j\u00fcngst die \u201eAmerican Made Coalition\u201c, die sich f\u00fcr eine starke Erh\u00f6hung des Grenzsteuerausgleichs einsetzen. Gegen diese Steuererh\u00f6hung k\u00e4mpft eine \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit an importabh\u00e4ngigen Unternehmen, insbesondere Einzelh\u00e4ndler wie Walmart, Best Buy, Target oder Costco.<\/p>\n<p>Seine Basis in der wei\u00dfen Mittelschicht (und im geringerem Ma\u00dfe) der wei\u00dfen Arbeiter*innenklasse will Trump belohnen durch K\u00fcndigung des Trans-Pacific Partnership, geplante Infrastrukturinvestitionen sowie Ma\u00dfnahmen gegen Outsourcing. Somit steht er f\u00fcr eine neue Tendenz in der Republikanischen Partei, die ihre soziale Basis aus wachsenden Segmenten der Mittelschicht und dem verarmenden wei\u00dfen Industrieproletariat rekrutiert, die sich vom Freihandel abgewandt haben.<\/p>\n<p><strong>Widerspr\u00fcche innerhalb von Trumps Pr\u00e4sidentschaft<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings st\u00f6\u00dft Trump nach nur drei Monaten bereits auf erhebliche Widerspr\u00fcche. Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen Trumps Regierung und den Gerichten, den Mainstream-Medien (au\u00dfer Fox), den Geheimdiensten und vielen Mitgliedern der Republikanischen Partei verraten tiefe Spannungen innerhalb der amerikanischen Bourgeoisie.<\/p>\n<p>Innerhalb einer Woche ging FBI-Direktor James Comey den Pr\u00e4sidenten gleich zwei Mal \u00f6ffentlich an \u2013 das ist beispiellos. Zuerst best\u00e4tigte er, dass es eine laufende Ermittlung des FBI wegen der Zusammenarbeit zwischen Trumps Kampagnenstab und der russischen Regierung gibt. Dann widersprach er Trumps Behauptung, dieser sei w\u00e4hrend des Wahlkampfs von Obamas Mitarbeiter*innen abgeh\u00f6rt worden. Comey sagte, er bes\u00e4\u00dfe \u201ekeine Informationen\u201c welche die Anschuldigungen st\u00fctzen k\u00f6nnten. Wir k\u00f6nnen nicht sagen, ob die Verbindung zu Russland wirklich existiert, aber Comeys \u00f6ffentliche Herausforderung an Trump zeigt, dass Trumps Agenda auf der obersten Ebene des Geheimdienstapparats abgelehnt wird. (A.d.\u00dc.: Mittlerweile hat Trump Comey entlassen.)<\/p>\n<p>Nach der fehlgeschlagenen R\u00fccknahme von Obamas Gesundheitsreform wird inzwischen von einem \u201eB\u00fcrgerkrieg\u201c unter den Republikanern gesprochen. Diese zugegebene \u00dcbertreibung verdeutlicht dennoch bildhaft die Feindschaft innerhalb der Partei. Obwohl die Republikaner seit sieben Jahren von \u201eRepeal und Replace\u201c (Aufheben und Ersetzen) sprechen, brach das Projekt zusammen, weil der rechte Parteifl\u00fcgel Versicherungsunternehmen noch mehr Freiheiten gew\u00e4hren wollte, sodass diese nicht einmal die Mutterschaftsversorgung h\u00e4tten \u00fcbernehmen m\u00fcssen. Derweil f\u00fcrchtete der moderate Fl\u00fcgel, dass weitere K\u00fcrzungen des staatlichen Gesundheitsprogramms Medicaid und die Abschaffung aller Subventionen zu noch h\u00f6heren Versicherungspr\u00e4mien f\u00fchren w\u00fcrden, mit der Folge, dass werkt\u00e4tige und arme Wei\u00dfe dauerhaft mit der Partei brechen. (A.d.\u00dc.: In einem zweiten Anlauf hat der Kongre\u00df eine abgeschw\u00e4chte Version von Trumps Gesundheitsprogramm auf den Weg gebracht, gegen die geschlossene Ablehnung der Demokraten.)<\/p>\n<p>Die Transpazifische Partnerschaft (TPP) war schon tot, als Trump sein Amt antrat, also vermied man einen Showdown zu dieser Vereinbarung. Allerdings k\u00f6nnten weitere Ma\u00dfnahmen gegen den Freihandel zu einer wirklichen Revolte der etablierten Republikaner und der Wirtschaftselite f\u00fchren. Die Koch-Br\u00fcder, Spr\u00f6sslinge einer Wirtschaftsdynastie, waren w\u00e4hrend der Kampagne sehr ausdr\u00fccklich gegen Trump, und die Spannungen dauern seit seinem Amtsantritt an. Auch gibt es einen gro\u00dfen Block von freihandelsfreundlichen Republikanern im Kongress. Erst vor einem Jahr w\u00e4hlten Republikanische Repr\u00e4sentant*innen mit 190 zu 50 f\u00fcr Obamas Beschleunigung der TPP.<\/p>\n<p>Konzessionen an die Arbeiter*innenklasse, wie zum Beispiel Ivanka Trumps Vorschlag einer Steuerverg\u00fcnstigung f\u00fcr die Kinderbetreuung, werden mit Sicherheit vom Republikanischen Establishment und der Tea Party gleicherma\u00dfen abgelehnt als \u201eF\u00f6rderung von Anspruchsdenken\u201c. Auch Trumps geplante Investition von eine Billion US-Dollar \u2013 was nicht ausreichen wird \u2013 in die Sanierung von Stra\u00dfen, Br\u00fccken, Krankenh\u00e4usern und Flugh\u00e4fen wird bei den Republikanern wenig Anklang finden und widerspricht seinem Vorhaben, die Steuern f\u00fcr Unternehmen und Superreiche zu k\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Zudem wird Trumps Anbiederung bei der Washingtoner Elite und die Einberufung eines Milliard\u00e4rskabinetts sein Ansehen bei seiner Basis kaum verbessern. Zuletzt wird sein Plan, gewerkschaftsfeindliche \u201eright to work laws\u201c in Bundesgesetze umzuwandeln seine Basis unter wei\u00dfen Gewerkschaftsmitgliedern zerst\u00f6ren. Der Aufstand der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen in Wisconsin, ein Staat in dem er die Wahl gewann, ist ein Beispiel f\u00fcr das, was passieren k\u00f6nnte, wenn Trump versucht, eine \u00e4hnliche Ma\u00dfnahme durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Schwacher Bonapartismus<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang k\u00f6nnen wir Trumps Regierung als \u201eschwachen Bonapartismus\u201c einstufen, allerdings noch im Rahmen einer b\u00fcrgerlichen Demokratie. Wie alle bonapartistischen Herrscher*innen, so erschien auch Trump in Zeiten wachsender Polarisierung und steht f\u00fcr den Versuch, die wachsenden sozialen Widerspr\u00fcche durch Repression aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Seit der Rezession 2008 f\u00fchlte man diese Polarisierung auf der Linken durch die \u00dcberraschungserfolge von Bernie Sanders und neuen progressiven Bewegungen wie Occupy Wall Street, Black Lives Matter, dem Widerstand in Standing Rock, dem Marsch auf McDonald\u2019s oder der Mobilisierung von Frauen gegen Trump. Gleichzeitig wurde das Republikanische Establishment zunehmend verdr\u00e4ngt, erst durch die Tea Party ab 2009, danach durch die sogenannte Alt Right (Neue Rechte).<\/p>\n<p>Trumps Repression offenbarte sich innerhalb weniger Wochen in Einreiseverboten f\u00fcr Muslim*innen und Gefl\u00fcchtete, zunehmenden Razzien und Abschiebungen undokumentierter Arbeiter*innen durch die Abschiebepolizei (ICE). Bonapartistische Regime haben einen charismatischen F\u00fchrer mit viel Macht, der vorgibt, den Klassenkampf zu \u00fcberwinden, aber in Wirklichkeit die Interessen des Kapitals durchdr\u00fcckt. Trumps Versuche, eine Machtbasis im Milit\u00e4r aufzubauen sind ebenfalls typisch bonapartistisch. Sein Budgetvorschlag an den Kongress beinhaltete zus\u00e4tzliche Mittel von 54 Milliarden US-Dollar f\u00fcr die weltgr\u00f6\u00dfte Armee; ein Teil davon war f\u00fcr die weitere Militarisierung der Grenze gedacht. Um das zu finanzieren plant er die komplette Schlie\u00dfung von 19 Bundesbeh\u00f6rden, schwere K\u00fcrzungen bei der Umweltschutzbeh\u00f6rde, sowie bei den Ministerien f\u00fcr Inneres, Landwirtschaft, Arbeit und Gesundheit.<\/p>\n<p>Anders als der Faschismus f\u00fchrt der Bonapartismus nicht zur kompletten Ausl\u00f6schung von Arbeiter*innenorganisationen und demokratischen Institutionen. Obwohl viele einzelne Faschist*innen von Trump angezogen werden, einschlie\u00dflich der Alt Right-Str\u00f6mung und Rassist*innen wie Richard Spencer, kann man Trumps Regierung noch nicht als faschistisch bezeichnen, da er bislang keine Anstalten machte, die Gewerkschaften aufzul\u00f6sen oder die Institutionen der b\u00fcrgerlichen Demokratie anzugreifen, wie den Kongress, die Medien, Gerichte, usw. Symbolische Ma\u00dfnahmen, wie der Ausschluss der New York Times und der Washington Post von einer Pressekonferenz sind noch lange keine faschistische Unterdr\u00fcckung. Zwar w\u00fcrde ein \u201eright-to-work law\u201c die Gewerkschaften schw\u00e4chen, aber nicht verbieten. Tats\u00e4chlich versucht Trump gute Beziehungen zu den konservativsten Gewerkschaftsfunktion\u00e4r*innen zu halten und lud sie sogar innerhalb der ersten Amtstage ins Wei\u00dfe Haus ein. Die Fortsetzung des Pipeline-Baus, neue Infrastrukturprojekte und Trumps formelle Absage weiterer Verhandlungen um die TPP sind ebenfalls verbindende Elemente.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass wir die Gefahr Trumps f\u00fcr Arbeiter*innen und Unterdr\u00fcckte untersch\u00e4tzen sollten. Es braucht keinen Faschismus, um Krieg, Unterdr\u00fcckung und Elend zu verschlimmern. Trotzdem ist eine faschistische Wende nicht ausgeschlossen, wenn die bonapartistische Strategie scheitert und es zunehmende Proteste von Arbeiter*innen gibt.<\/p>\n<p><strong>America First<\/strong><\/p>\n<p>Trump steht ebenfalls f\u00fcr die Reaktion der Rechten auf den wahrgenommenen weltweiten Ansehensverlust der USA. Unter dem Slogan \u201eAmerica First\u201c scharen sich Reaktion\u00e4re hinter Trump, um Obamas eingeschlagenen Kurs zu korrigieren, wie zum Beispiel das Nuklearabkommen mit Iran, die Entspannung der Beziehungen zu Kuba und mehr Zusammenarbeit mit dem chinesischen Regime. Obwohl bisher keine Weltmacht die USA ersetzen konnte, ist es unbestreitbar, dass die USA ihren Willen nicht mehr wie in vorangegangenen Jahrzehnten durchsetzen k\u00f6nnen. Das derzeitige Machtgleichgewicht hindert Trump daran, eine neue Invasion im Nahen Osten oder anderswo zu starten. Die M\u00f6glichkeit sollte jedoch nicht ausgeschlossen werden, bedenken wir seine Aufstockung der Armee und die Entsendung von Marines nach Syrien im Feldzug gegen den IS. Trump als \u201eAbschottungspolitiker\u201c zu bezeichnen, wie es liberale Mainstream-Medien tun, ist schlicht falsch. Stattdessen setzt er auf eine unilaterale Verteidigung amerikanischer Interessen und schert sich wenig um imperialistische Koalitionen wie die NATO, welche notfalls zum Schutz dieser Interessen intervenieren.<\/p>\n<p><strong>Neue Ann\u00e4herung an Russland<\/strong><\/p>\n<p>Unter diesen Voraussetzungen macht Trumps Ann\u00e4herung an Russland auch mehr Sinn. Jahrzehntelange Versuche, Russland zusammen mit den NATO-Partnern zu isolieren, waren nicht nur unwirksam zur Absicherung der US-Hegemonie, sondern auch bei der Eind\u00e4mmung des russischen Einflusses im Nahen Osten, dem Baltikum und anderswo. (\u2026 A.d.\u00dc.: Aufgrund aktueller Ereignisse gek\u00fcrzt) Stattdessen wandte sich Trump gegen China und sogar gegen traditionelle Verb\u00fcndete wie Deutschland. So deutete Trump an, dass Deutschland durch einen \u201estark unterbewerteten Euro\u201c von Devisenmanipulation profitiere und dass die BRD den USA \u201eenorme Geldsummen\u201c f\u00fcr seine Verteidigung schulde.<\/p>\n<p>Noch ist es zu fr\u00fch, um abzusch\u00e4tzen, wie eng Trump mit dem Kreml zusammenarbeiten wird. Doch mit Sicherheit k\u00f6nnen wir sagen, dass die Demokraten den russischen Einfluss auf die US-Politik stark aufblasen, weil sie eine aggressivere Politik gegen Russland w\u00fcnschen. Der angebliche russische Hackerangriff auf die Democratic National Convention (DNC) hat nur Informationen erbracht, die sowieso auf der Hand lagen: Dass der Parteiapparat Hillary Clinton gegen\u00fcber Bernie Sanders bevorzugte und aktiv auf ihren Sieg hinarbeitete. Jedoch konnten die US-Geheimdienste diese Verbindung nicht beweisen und WikiLeaks, das die gehackten E-Mails ver\u00f6ffentlichte, leugnet, dass sie von den russischen Beh\u00f6rden stammen.<\/p>\n<p><strong>Was kommt jetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Weltweit ist das Kapital immer weniger in der Lage, seine Widerspr\u00fcche zu \u00fcberwinden. In den imperialistischen Staaten, besonders in den USA, zeigt sich dies im enormen Druck auf das Kapital, global zu produzieren, Arbeitskr\u00e4fte im Ausland einzusetzen, die Grenzen f\u00fcr Kapital und Finanzwelt zu \u00f6ffnen und gleichzeitig die nationale Wirtschaft zu sch\u00fctzen. Diese Widerspr\u00fcche zeigen sich durch die andauernde Weltwirtschaftskrise seit 2008. Die Unf\u00e4higkeit, diese Widerspr\u00fcche durch herk\u00f6mmliche Methoden zu \u00fcberwinden, f\u00fchrt dazu, was Gramsci als \u201eorganische Krise\u201c bezeichnet (im Gegensatz zur \u201ekonjunkturellen Krise\u201c). Eine organische Krise ist nicht blo\u00df politisch, sozial oder wirtschaftlich, sondern umfasst all diese Felder. Wir sehen bereits Elemente \u201eorganischer Krisen\u201c in den Metropolen (USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich, usw.) und voll ausgewachsene organische Krisen in der Peripherie (Brasilien oder S\u00fcdkorea).<\/p>\n<p>Weltweit verlieren traditionelle Parteien und Pers\u00f6nlichkeiten ihre Anh\u00e4nger*innen (Sozialdemokratie und Konservative in Europa, etablierte Demokraten und Republikaner in den USA). Politiker*innen der Mitte, wie Obama, zeigen sich als absolut unf\u00e4hig, die Bed\u00fcrfnisse der Werkt\u00e4tigen und Armen zu decken. So entstehen neue Populistische Bewegungen, nicht nur auf der Rechten, sondern auch in der linken Mitte (wie Sanders und Corbyn). Gleichzeitig wird die weltweite Situation immer verworrener und die Spannungen zwischen den Imperialm\u00e4chten steigen (wie zwischen den USA und Deutschland).<\/p>\n<p>Diese Faktoren k\u00f6nnen Chancen f\u00fcr den Klassenkampf bieten, z.B. durch die Radikalisierung von Arbeiter*innen und Jugendlichen und die Entwicklung neuer und dynamischer revolution\u00e4rer Organisationen. Die massiven Proteste nach Trumps Wahlsieg und das schnelle Wachstum von Parteien links der Demokraten, wie der Democratic Socialists of America (DSA) \u2013 trotz ihrer offensichtlichen M\u00e4ngel \u2013 l\u00e4sst uns auf neue progressive Bewegungen hoffen, wie seit dem Vietnamkrieg nicht mehr. Beginnen wir den Aufbau des Widerstands!<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/eine-bilanz-von-100-tagen-trump-und-was-uns-erwartet\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 16. Mai 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Belano.Trumps Wahlsieg und das Chaos der ersten Monate nach seinem Amtsantritt werfen viele Fragen nach der Ursache dieses unerkl\u00e4rlichen historischen Ph\u00e4nomens auf.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7],"tags":[16,18,45,76,14,11,42,4,46],"class_list":["post-2139","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","tag-freihandel","tag-imperialismus","tag-neoliberalismus","tag-neue-rechte","tag-postmodernismus","tag-rassismus","tag-sozialdemokratie","tag-strategie","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2139"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2139\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2140,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2139\/revisions\/2140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}