{"id":2212,"date":"2017-06-08T15:01:18","date_gmt":"2017-06-08T13:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2212"},"modified":"2017-06-08T15:01:18","modified_gmt":"2017-06-08T13:01:18","slug":"die-kurdische-bewegung-in-syrien-und-das-buendnis-mit-dem-us-imperialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2212","title":{"rendered":"Die kurdische Bewegung in Syrien und das B\u00fcndnis mit dem US-Imperialismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schaber und Karl Plumba. <\/em><strong>Die Solidarit\u00e4tsbewegung mit der Revolution in Rojava ist generell erfreulich breit aufgestellt in Deutschland. Von Maoist*innen bis Trotzkist*innen, von Linkspartei bis Anarcho-Squat,<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> von Autonomen bis ML-er*innen beziehen sich Gruppen und Einzelpersonen auf die Selbstverwaltung im Norden Syriens, wollen von ihr lernen und sie unterst\u00fctzen.<\/strong><\/p>\n<p>Eine kleine, aber daf\u00fcr verbal umso aggressiver um Aufmerksamkeit ringende Minderheit allerdings kann gar nicht ausf\u00e4llig genug werden: Die PKK habe \u201eVerrat\u201c begangen, die Volksverteidigungseinheiten YPG seien \u201eKollaborateure\/Fusstruppen\u201c des Imperialismus und so weiter und so fort. Liest man die betreffenden Pamphlete stellt sich eigentlich sofort der Reflex ein, nicht antworten zu wollen. Denn sie sind nicht geschrieben, um jemanden zu \u00fcberzeugen oder durch solidarische Kritik Einfluss auf eine befreundete Bewegung zu nehmen. Sie sind auch nicht geeignet, eine Diskussion anzustossen \u2013 was eine durchaus revolution\u00e4re Sache w\u00e4re. Sie sind zumeist geschrieben, um zu denunzieren, sich abzugrenzen und sich selbst zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Dennoch ist der Reflex, sich die Diskussion sparen zu wollen, falsch. Denn der reale Grund der Pamphlete ist durchaus erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Wieso geht eine Bewegung wie die kurdische ein lang dauerndes B\u00fcndnis mit dem aggressivsten imperialistischen Staat der Welt, den USA, ein? Welchen Charakter hat dieses B\u00fcndnis? Und was sind die Perspektiven, die daraus erwachsen?<\/p>\n<p><strong>Der \u201eDritte Weg\u201c im \u201eDritten Weltkrieg\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Krieg in Syrien ist kein \u201eB\u00fcrgerkrieg\u201c in dem Sinne, dass er sich allein zwischen Fraktionen innerhalb eines Landes abspielen w\u00fcrde. Er ist \u2013 und war von Anfang an \u2013 ein internationaler Krieg, an dem sich mittlerweile dutzende Nationen beteiligen: Die USA, die T\u00fcrkei, Saudi-Arabien, Russland, der Iran, Katar, Deutschland \u2013 die Liste ist lang. Die diversen Armeen und Proxy-Milizen haben Syrien in ein Schlachtfeld verwandelt, auf dem kein Stein auf dem anderen blieb. Der Zerfall von Staatlichkeit, Strukturen des gesellschaftlichen Zusammenhangs, die Neuordnung von Einflussbereichen sind die Konsequenz. Im benachbarten Irak sieht es nicht anders aus. Auch hier liess die imperialistische Intervention nichts beim Alten. Der Irak ist ein instabiles Pulverfass, dass seit Jahren immer und immer wieder aufs Neue Feuer f\u00e4ngt. Die Grenzen zwischen dem Irak und Syrien sind de facto durchl\u00e4ssig geworden. In anderen Nationen der Region sieht es nicht anders aus: Die T\u00fcrkei, so sehr sich Erdogan darum bem\u00fcht, St\u00e4rke und Geschlossenheit zu simulieren, ist innerlich zerr\u00fcttet; der Jemen ist Schauplatz eines brutalen Feldzugs der Saudis und ihrer Partner in Washington.<\/p>\n<p>Die kurdische Bewegung bezeichnet diesen Zustand als \u201eDritten Weltkrieg\u201c und sagt, dass er die Region in ein \u201eChaos\u201c st\u00fcrzt, weil durch den Versuch der jeweiligen imperialistischen Staaten die vorher (einigermassen) \u201estabilen\u201c Regime ins Wanken geraten, wodurch diverse progressive wie regressive Kr\u00e4fte freigesetzt werden.<\/p>\n<p>Hier ergibt sich eine erste Trennlinie zwischen der kurdischen Bewegung und einem kleinen Teil der antiimperialistischen Linken, namentlich jenen, die den Status Quo vor der imperialistischen Destabilisierung verteidigen wollen. Diese \u201eAntiimperialisten\u201c weisen im Grunde \u00e4usserst konservative Denkmuster auf: sie sehnen sich zur\u00fcck nach der \u201eStabilit\u00e4t\u201c der Regimes von Bashar al-Assad in Syrien und Saddam Hussein im Irak, verteidigen (verteidigten im Falle des Irak) die jeweiligen Regimes bis zu letzt. Der repressive, keineswegs sozialistische Charakter dieser Regimes, ihre Verbrechen und Gr\u00e4ueltaten, ihre wirtschaftliche wie politische Verfasstheit spielt f\u00fcr diese \u201eAntiimperialisten\u201c keine Rolle. Wen die USA zu st\u00fcrzen versuchen, der wird schon allein durch diesen Angriff im Umkehrschluss zum Verteidiger der Sache der V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Diesen Standpunkt der Verteidigung der reaktion\u00e4ren Regime des Mittleren Ostens, der auch eine implizite Verachtung der Dynamiken von Volksaufst\u00e4nden und die Verk\u00fcrzung revolution\u00e4rer Politik auf Geopolitik einschliesst, tr\u00e4gt die PKK und die kurdische Bewegung insgesamt nicht mit.<\/p>\n<p>Inmitten des \u201edritten Weltkriegs, zwischen den Klauen derselben alten imperialistischen Kr\u00e4fte\u201c, habe sich das Volk von Rojava entschieden \u201enein zum Nationalstaatssystem zu sagen und die zwei Optionen zur\u00fcckzuweisen, die der Bev\u00f6lkerung vom System vorgegeben wurden (den Status-Quo verk\u00f6rpert durch die Assad-Diktatur oder einen Regime Change mit einem zunehmend von aussen gesteuerten oder dschihadistischen Charakter). Es beschloss f\u00fcr einen \u201adritten Weg\u2018 zu k\u00e4mpfen\u201c, erkl\u00e4rt Dilar Dirik.<\/p>\n<p><strong>Kein B\u00fcndnis, ein B\u00fcndnis, flexible B\u00fcndnisse?<\/strong><\/p>\n<p>Inmitten dieses Chaos ergab sich nun ab 2011\/2012 die M\u00f6glichkeit f\u00fcr die kurdische Bewegung, in jenen Landesteilen, die wir Rojava nennen, die politische Macht zu \u00fcbernehmen. Das kam nicht aus dem Nichts, sondern der Boden, auf dem das m\u00f6glich war, war durch lange klandestine Arbeit politischer Kader vorbereitet worden. Dieser Aufbruch hatte nat\u00fcrlich zahlreiche Feinde, die das neu entstehende Projekt ausl\u00f6schen wollten: Anfangs vor allem gr\u00f6ssere und kleinere dschihadistische Gruppen wie al-Nusra, sp\u00e4ter Daesh und zu jeder Zeit die T\u00fcrkei, deren erkl\u00e4rtes Hauptziel es in Syrien ist, die kurdische Selbstverwaltung zu beseitigen. Auch die Regierung in Damaskus bekundete mehrfach, keine kurdische Selbstverwaltung im Norden akzeptieren zu wollen.<\/p>\n<p>Hier ergibt sich ein zweiter Scheideweg zu einigen \u201eantiimperialistischen Linken\u201c. Sie r\u00fcgen die kurdische Bewegung daf\u00fcr, in dieser Lage B\u00fcndnisse mit diversen Kr\u00e4ften eingegangen zu sein. Manche bem\u00e4ngeln ausschliesslich das B\u00fcndnis mit den USA, andere auch die zeitlich und regional enger begrenzten \u00dcbereink\u00fcnfte mit Russland, dem syrischen Regime oder Teilen der FSA.<\/p>\n<p>Hier ist zun\u00e4chst einmal zu bemerken, dass nicht nur die YPG und ihre B\u00fcndnisorganisationen wie die PKK nicht in der Lage gewesen w\u00e4ren, ohne zumindest taktische B\u00fcndnisse rein physisch zu \u00fcberleben, sondern dass das im Grunde keine der Fraktionen im syrischen B\u00fcrgerkrieg kann. Assad h\u00e4tte ohne russische Unterst\u00fctzung nicht bis heute durchgehalten, die dschihadistischen Kr\u00e4fte nicht ohne den Support durch wahlweise die T\u00fcrkei, die USA oder eine\/mehrere der Golfdiktaturen.<\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis sowohl mit Russland wie mit den USA hatte von Anfang an auch den Zweck, die Widerspr\u00fcche zwischen Moskau, Washington und Ankara zu nutzen, um das Erdogan-Regime davon abzuhalten, Rojava aus der Luft anzugreifen. Der einfache Grund dieser Notwendigkeit liegt darin, dass weder PKK noch YPG \u00fcber Luftabwehr verf\u00fcgen und Nordsyrien im Unterschied zu Kandil, Gare oder Zagros bis auf den Kanton Afrin vollkommen flach ist. Ohne Berge und Luftabwehr aber, w\u00e4re es ein leichtes die Revolution auszul\u00f6schen. Die B\u00fcndniskonstellation war von Anfang an (auch) ein politischer Luftabwehrschirm gegen t\u00fcrkische Bomber.<\/p>\n<p><strong>Taktisch, strategisch?<\/strong><\/p>\n<p>Ist die Option mit keiner der gegnerischen M\u00e4chte zu keinem Zeitpunkt ein B\u00fcndnis abzuschliessen nicht viel mehr als eine zynische Aufforderung zum Suizid, so ist die Frage, wie ein solches B\u00fcndnis ausgestaltet werden soll, eine legitime und wichtige.<\/p>\n<p>Im Grunde lassen sich derzeit zwei Linien der B\u00fcndnispolitik von Milizen in Syrien beschreiben: Die meisten Kr\u00e4fte binden sich an eine st\u00e4rkere Kraft oder an ein B\u00fcndnis von Kr\u00e4ften, auf Gedeih und Verderb: Assad an Russland und den Iran, diverse Dschihadisten entweder an einen der Golfstaaten oder die T\u00fcrkei bzw. die USA. Die andere Linie ist der Versuch der kurdischen Bewegung, gleichsam \u201ezwischen\u201c den B\u00fcndnissen zu agieren: Diplomatische Beziehungen und milit\u00e4rische Zusammenarbeit mit Russland \u2013 etwa in Afrin -, Absprachen mit dem Regime \u2013 etwa in der Region um Minbic -, gemeinsames Vorgehen mit den USA in den Operationen gegen Daesh. Die zweitere Variante ist sicher die, die mehr an Verhandlungsmasse gegen\u00fcber allen \u201eB\u00fcndnispartnern\u201c einschliesst. Russland etwa bedient sich einer \u00e4hnlichen Taktik: Es pflegt nicht nur Beziehungen zum Regime, sondern auch zur T\u00fcrkei und zu YPG\/SDF. Warum? Die Flexibilit\u00e4t garantiert, einem \u201ePartner\u201c mit dem Wechsel zum jeweils anderen \u201ePartner\u201c drohen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diejenigen, die grossspurig sagen: die B\u00fcndnisse sind \u201eVerrat\u201c, sagen \u2013 ohne jede Polemik \u2013 nichts anderes als: die kurdische Bewegung h\u00e4tte sich f\u00fcr die Bewahrung irgendeiner reinen Lehre (welcher ist unklar, eine marxistische ist es nicht), kollektiv umbringen lassen sollen. Dass da am Ende weder ein befreites Gebiet, noch ein gesellschaftlicher Aufbruch stehen, k\u00fcmmert die Kritiker wenig.<\/p>\n<p>Zudem betonen hochrangige Kader der kurdischen Bewegung bei jeder Gelegenheit, dass es sich bei allen \u00dcbereink\u00fcnften \u2013 mit Russland genauso wie mit den USA \u2013 um ein \u201etaktisches\u201c und kein \u201estrategisches\u201c B\u00fcndnis handelt. Das ist eigentlich logisch. Denn die strategischen Ziele, wenn man nicht davon ausgeht, dass die kurdische Bewegung sich und alle anderen anl\u00fcgt, sind nicht vereinbar. Die imperialistischen Staaten k\u00e4mpfen f\u00fcr eine Ausdehnung ihrer Einflussbereiche, die Durchsetzung ihrer \u00f6konomischen wie geopolitischen Ziele und die Ausschaltung eventueller Gegner. Der zentrale Anspruch der kurdischen Bewegung ist dagegen, eine Selbstverwaltung zu errichten, wirtschaftlich wie politisch, die auf einem R\u00e4tesystem und gesellschaftlichem Eigentum basiert.\u00a0<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p>Wenn die letztlichen Ziele unvereinbar sind, bleibt ein B\u00fcndnis per definitionem ein taktisches und zeitweiliges. In einem solchen \u201eB\u00fcndnis\u201c verh\u00e4lt es sich so, dass zwei Kr\u00e4fte, die einander nicht gr\u00fcn sind, Konflikte zur\u00fcckstellen, weil sie beide der Ansicht sind, dass zum gegebenen Zeitpunkt andere kurz- und mittelfristige Ziele wichtiger sind. Erwarten kann man, dass beide versuchen, so viel wie m\u00f6glich aus dem jeweiligen B\u00fcndnis f\u00fcr sich herauszuholen und so wenig wie m\u00f6glich entgegen der eigenen Interessen zu handeln.<\/p>\n<p><strong>Wer will was?<\/strong><\/p>\n<p>Um zu beurteilen, ob das gelingt, muss man sich zumindest grob ansehen, was die Ziele der jeweiligen Partner sind. Im engeren Sinn auf die kurdische Bewegung bezogen, ist das Ziel der USA sie zu instrumentalisieren, sie zu entpolitisieren und zu einer Art zweiten KDP zu machen. Dieses Ziel ist oft genug und offen von US-amerikanischen Thinktanks und Regierungsvertretern formuliert worden. Daf\u00fcr soll zum einen die milit\u00e4rische Bek\u00e4mpfung der PKK durch den Nato-Partner T\u00fcrkei weiter und verst\u00e4rkt unterst\u00fctzt werden, zum anderen sollen kollaborationsbereite Teile der Bewegung in Rojava gef\u00f6rdert werden. Das Ziel ist es, Nordsyrien von der PKK zu entfremden.<\/p>\n<p>Die USA nutzen die YPG (und ihre Milit\u00e4rkoalition SDF) um den IS unter Kontrolle zu bringen, an dessen Entstehen Washington nicht unmassgeblichen Anteil hatte. Gleichzeitig richten sich die Ambitionen der USA auch gegen den \u201ePartner\u201c T\u00fcrkei und dessen Regionalmachtstr\u00e4ume und langfristig gegen die Etablierung eines \u201eschiitischen\u201c Machtpols Iran-Irak-Damaskus-Hizbollah. Die Schw\u00e4chung oder Eliminierung der gegenw\u00e4rtigen Regime in Damaskus und Teheran ist gleichzeitig gegen Russland gerichtet. <a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>Die PKK umgekehrt will den Ausbau und die Vertiefung der Revolution in Rojava sowie den Sieg der Revolution in Bakur, den kurdischen Gebieten der T\u00fcrkei. Sie arbeitet gleichzeitig auf eine Ver\u00e4nderung der politischen Lage in Basur hin, wo Barzanis clankapitalistisches Kollaborationsregime seit L\u00e4ngerem auf t\u00f6nernen F\u00fcssen steht. Auch f\u00fcr Rojhelat, den kurdischen Teil des Iran will sie Selbstbestimmung und R\u00e4tesystem. Legt man diese beiden Interessenslinien quasi \u00fcbereinander sieht man, wo es strategische \u00dcbereink\u00fcnfte gibt.<\/p>\n<p><strong>Die Gefahren des B\u00fcndnisses<\/strong><\/p>\n<p>Ab wann ist ein solches B\u00fcndnis \u201eVerrat\u201c? Zuerst offenkundig dann, wenn das eigene politische Projekt, f\u00fcr das die Bev\u00f6lkerung Kurdistans (und verb\u00fcndete Kr\u00e4fte) enorme Opfer gebracht haben, im Zuge des B\u00fcndnisses aufgegeben wird. Das ist derzeit nicht der Fall. Weder kam es zum Verkauf der \u00f6konomischen Ressourcen an ausl\u00e4ndische Konzerne, noch verf\u00fcgen die USA (oder sonst eine externe Macht) \u00fcber Einfluss auf die politische Entscheidungsgewalt in den Gebieten unter Selbstverwaltung.<\/p>\n<p>Das bestreiten auch die meisten Kritiker der kurdischen Bewegung nicht. Sie f\u00fchren aber ins Feld, dass auf dem Boden Rojavas US-Soldaten stationiert und US-Basen eingerichtet worden sind. F\u00fcr sich genommen ist auch das allerdings noch kein Verrat, denn das strategische Ziel der kurdischen Bewegung wird dadurch im Moment (!) nicht gef\u00e4hrdet, sondern gesch\u00fctzt. Die US-Soldaten fungieren (auch) als lebende Schutzschilde gegen die T\u00fcrkei. Nach dem Luftangriff auf Karacok wurde das deutlich.<\/p>\n<p>Allerdings besteht nat\u00fcrlich die Gefahr, dass die USA entweder ideologisch, milit\u00e4risch oder wirtschaftlich die Revolution in Rojava so ver\u00e4ndern, dass sie ihren urspr\u00fcnglichen Zielen nicht mehr entspricht. Das ist aber kein Automatismus, wie viele meinen. \u201eWie das am Ende ausgeht, h\u00e4ngt von uns selber ab\u201c, erkl\u00e4rte uns ein milit\u00e4rischer Kader der kurdischen Bewegung vor einigen Tagen. \u201eWenn wir in der Gesellschaft gut arbeiten, das richtige Bewusstsein schaffen, dann wird es schwer, uns Rojava wieder aus der Hand zu nehmen. Je mehr wir an Gesellschaftsarbeit leisten, desto st\u00e4rker wird unsere Verteidigungsf\u00e4higkeit gegen die Angriffe des Imperialismus.\u201c<\/p>\n<p>Das mag ungew\u00f6hnlich klingen f\u00fcr die an Ohnmachtserfahrungen gew\u00f6hnte deutsche Linke, aber es ist hier tats\u00e4chlich so, dass \u2013 weil wir uns in einer revolution\u00e4ren Situation befinden \u2013 der \u201esubjektive Faktor\u201c entscheidend ist. Ein direkter milit\u00e4rischer Angriff auf die Revolution in Rojava durch die USA ist derzeit (!) unwahrscheinlich bis ausgeschlossen. Zun\u00e4chst wird es sich um ideologische und \u00f6konomische Angriffe handeln. Und dagegen liegt die beste Verteidigung in der Vertiefung und Ausweitung der Revolution selbst.<\/p>\n<p><strong>Wie weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis mit dem Westen hat, so n\u00f6tig es sein mag, nat\u00fcrlich negative Auswirkungen. \u201eNach dem historischen Erbe des westlichen Kolonialismus in Kurdistan w\u00e4ren die Kurden suizidal, wenn sie denselben Kr\u00e4ften ihre Zukunft anvertrauen w\u00fcrden\u201c, meint auch Dilar Dirik. Das B\u00fcndnis ist keine win-win-Situation und niemand l\u00e4sst sich gerne darauf ein.<\/p>\n<p>Nach der Befreiung Raqqas werden die Karten neu gemischt. Gleichzeitig brodelt es an vielen Konfliktherden der Region ohnehin. Die Spannungen zwischen den USA\/Saudi-Arabien und dem Iran nehmen st\u00e4ndig zu, in der Autonomen Region Kurdistan (KRG) gehen die Machtk\u00e4mpfe zwischen PUK und KDP weiter, der Krieg in Bakur ist noch lange nicht zu Ende. Dennoch: Es gibt keine deterministische Gesetzm\u00e4ssigkeit, die besagt, dass am Ende nur imperialistische Besatzung oder Restauration abgewirtschafteter kapitalistischer Diktaturen m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Die Zeit wird zeigen, ob der Versuch, die eigenen Ziele im taktischen Spiel mit B\u00fcndnissen durchzusetzen, gelingt oder scheitert. Sollte letzteres passieren, w\u00e4re es auch nichts, wor\u00fcber sich die heutigen Kritiker schelmisch freuen sollten, sich zur\u00fccklehnen und sagen k\u00f6nnten: \u201eHa, ich hab\u2018s doch gesagt.\u201c Denn das Scheitern der kurdischen Bewegung \u2013 ob milit\u00e4risch oder durch ideologische\/politische Selbstaufgabe \u2013 w\u00e4re zugleich der Garant der Fortsetzung des durch den Verteilungskrieg des Imperialismus befeuerten Chaos. Anstatt sich also zur\u00fcckzulehnen und recht zu haben, w\u00e4re es eine internationalistische Pflicht, zu versuchen, einen Beitrag zu leisten, dass genau das nicht geschieht.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.untergrund-bl\u00e4ttle.ch\/politik\/ausland\/kurdistan_die_bewegung_in_syrien_das_buendnis_mit_der_usa_4141.html\">Untergrundbl\u00e4ttle&#8230;<\/a> vom 8. Juni 2017<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Es gibt Einw\u00e4nde, die bestreiten, dass es PKK&amp;Co. \u00fcberhaupt um irgendetwas demokratisches, fortschrittliches oder gar sozialistisches geht. Diese Kritiken scheinen uns so weit von der Praxis der Bewegung entfernt, dass wir hier nicht n\u00e4her auf sie eingehen. Zudem haben wir zu allen Aspekten, die hier wichtig sind, schon geschrieben. Anzumerken ist, dass es in der kurdischen Bewegung nichtsozialistische Fl\u00fcgel gibt. Unserer Meinung nach sind sie nicht die entscheidenden oder gar hegemonialen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Es ist durchaus m\u00f6glich, dass die USA versuchen werden, die PKK in eine Frontstellung gegen den Iran zu dr\u00e4ngen. Das ist derzeit u.E. eine der gr\u00f6ssten Gefahren f\u00fcr die Bewegung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schaber und Karl Plumba. Die Solidarit\u00e4tsbewegung mit der Revolution in Rojava ist generell erfreulich breit aufgestellt in Deutschland. 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