{"id":2220,"date":"2017-06-10T14:47:08","date_gmt":"2017-06-10T12:47:08","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2220"},"modified":"2017-06-10T14:47:08","modified_gmt":"2017-06-10T12:47:08","slug":"die-djihadisten-aus-westlichen-laendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2220","title":{"rendered":"Die &#8222;Djihadisten&#8220; aus westlichen L\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kolonialismus und Rebellion, Religion und Depression: <\/strong><strong>Der Soziologe Helmut Dahmer \u00fcber Hintergr\u00fcnde und Attraktivit\u00e4t des Djihadismus f\u00fcr marginalisierte muslimische Jugendliche in Westeuropa.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Helmut Dahmer, Wien. \u201eIt is hard to read tales of everyday Western youth dropping everything to join ISIS and not conclude that there is something to the idea that postmodern anomie and libertinism leave a secret part of us craving an all-embracing, confident, life-shaping creed.\u201c P.-E. Gobry<\/em><\/p>\n<p>Menschen sind das Produkt widerspr\u00fcchlicher gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnissen, durch die sie gepr\u00e4gt werden und denen sie widerstreben. Ihre luxurierenden Bed\u00fcrfnisse opponieren dem Arrangement der jeweils von ihnen geforderten Verzichte und der ihnen zugestandenen, klassenspezifischen Kompensationen. Beschreibung und Analyse der objektiven Verh\u00e4ltnisse und ihrer Dynamik bed\u00fcrfen darum einer Erg\u00e4nzung durch \u201ePsychologie\u201c, durch die Lehre von den Reaktionsweisen der Individuen und Gruppen, die den Kampf um eine Verschiebung der Grenzen zwischen dem, was bereits m\u00f6glich ist, und dem, was noch als unm\u00f6glich gilt, sowohl in ihrem Inneren als auch politisch ausfechten.<\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4ischer Sonderweg<\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb der europ\u00e4ischen Feudalgesellschaft entwickelten sich seit dem Hochmittelalter Tausende von untereinander vernetzten, st\u00e4dtischen Handwerks- und Handelszentren mit einem wehrhaften B\u00fcrgertum. <a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>\u00a0Das waren die Keimzellen einer neuartigen Form indirekter, geldvermittelter Marktvergesellschaftung, die sich nur in Europa entwickelt hat und die sich in der Folge, im Laufe von Jahrhunderten, mit Hilfe von Eroberungs- und Landnahmekriegen, Handel und \u201eMission\u201c \u00fcber die ganze Welt verbreitet hat.<\/p>\n<p>An die Stelle von pers\u00f6nlichen Herr-Knecht-Beziehungen trat unpers\u00f6nliche, sachlich vermittelte Abh\u00e4ngigkeit. \u201eGemeinschaften\u201c (Familien, St\u00e4nde, Glaubensgemeinschaften) verloren allm\u00e4hlich an Bedeutung f\u00fcr die Individuen, die sich in der modernen Markt-Gesellschaft behaupten mussten. <a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>\u00a0Die Umwandlung direkter in indirekte Vergesellschaftung f\u00fchrte zur formalen Gleich-Berechtigung der freigesetzten, verselbst\u00e4ndigten Individuen, die sich nun als Tauschpartner auf M\u00e4rkten gegen\u00fcbertraten.<\/p>\n<p>Die schrittweise Trennung der Bev\u00f6lkerungsmehrheit von ihren \u201eProduktionsmitteln\u201c war die Voraussetzung und bildet das \u201eZiel\u201c der Entwicklung der Marktwirtschaft im nationalen und internationalen Ma\u00dfstab. Dieser globale Enteignungsprozess, die der expandierenden kapitalistischen Gesellschaft eigene \u201eKatastrophe als Daseinsform\u201c <a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>, ist noch immer im Gange.<\/p>\n<p><strong>Ungleichm\u00e4\u00dfige und kombinierte Entwicklung<\/strong><\/p>\n<p>Wurde schon in Europa die Umwandlung der traditionellen Agrarwirtschaften in moderne Industriegesellschaften politisch in zahllosen Aufst\u00e4nden, Revolutionen und Gegenrevolutionen ausgek\u00e4mpft, so ist auch die von den europ\u00e4ischen Staaten und Handelsgesellschaften ausgehende Kolonialisierung der au\u00dfereurop\u00e4ischen Welt immer wieder auf erbitterten Widerstand gesto\u00dfen.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>\u00a0In diesen Kriegen, die auf beiden Seiten mit entsetzlicher Grausamkeit gef\u00fchrt wurden, siegten die unterworfenen und dezimierten V\u00f6lker und St\u00e4mme zwar in einzelnen Schlachten, scheiterten aber mit dem Versuch, sich der Einbeziehung in die moderne Wirtschaftsweise zu entziehen. Die von den Kolonisatoren vorgefundene sozio\u00f6konomische Struktur der unterworfenen L\u00e4nder wurde von ihnen ruiniert.<\/p>\n<p>Doch die gewaltsam dem Weltmarkt angeschlossenen Kolonien zogen nur geringen Nutzen aus der Implantation bestimmter europ\u00e4ischer \u201eErrungenschaften\u201c. Die Kolonien wurden nur insoweit \u201emodernisiert\u201c, als das den europ\u00e4ischen M\u00e4chten zur Ausbeutung von Mensch und Natur notwendig schien. Prek\u00e4re Mischgebilde waren die Folge: Durch die Moderne ersch\u00fctterte Stammesgesellschaften mit Populationen, die sich an pr\u00e4- und antimoderne Religionen klammern und in denen sich Priester, Imame und Schamanen die Seelsorge teilen; Gesellschaften extremer Ungleichheit, in denen privilegierte Minderheiten in Wolkenkratzern und gut bewachten Luxusvierteln leben, w\u00e4hrend andere in Slums und Nomadenzelten hausen; \u201eEntwicklungsl\u00e4nder\u201c, in denen Parlamente, Despoten, kriminelle Banden und Warlords mit Raketen, Panzern und Macheten um die Macht k\u00e4mpfen\u2026<\/p>\n<p>Nur wenigen au\u00dfereurop\u00e4ischen Staaten gelang es, hatten sie einmal die politische Unabh\u00e4ngigkeit erk\u00e4mpft, eigene Entwicklungspfade zur Moderne zu entwickeln, den \u00f6konomischen Abstand zu den alten imperialistischen Staaten zu verringern, mit ihnen in Konkurrenz zu treten und \u2013 dar\u00fcber hinaus \u2013 wenigstens Teile ihrer Bev\u00f6lkerung am politischen Prozess und an der Kontrolle \u00fcber Bodensch\u00e4tze und Staatsgewalt zu beteiligen.<\/p>\n<p>So bildete sich die heutige Welt-Unordnung heraus, in der einige Staaten und Staatenbl\u00f6cke mit hoch entwickelter Arbeitsproduktivit\u00e4t und luxuri\u00f6sem Lebensstandard (bei fortbestehender innerer Ungleichheit) mit einer Reihe von Staaten mit \u201ekombinierter Entwicklung\u201c und mit Elendsregionen und \u201efailed States\u201c koexistieren, in denen etwa ein F\u00fcnftel der gegenw\u00e4rtig lebenden Menschen vegetiert. Keiner der Staaten mit \u00fcberwiegend muslimischer Bev\u00f6lkerung hat bisher die Produktivit\u00e4t der h\u00f6chstentwickelten Wirtschaftsgesellschaften erreicht und ein parlamentarisches Regierungssystem etablieren k\u00f6nnen, das jedermann gleiche Menschen- und B\u00fcrgerrechte garantiert.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<p>Das mit dem europ\u00e4ischen vor 150 Jahren vergleichbare Bev\u00f6lkerungswachstum in vielen au\u00dfereurop\u00e4ischen (postkolonialen) Staaten, in denen Massenarbeitslosigkeit herrscht, hat in den letzten Jahrzehnten Millionen von Menschen zur Flucht aus den von Kriegen verw\u00fcsteten Armutsl\u00e4ndern getrieben. Im Zuge einer ungeheuren \u201eAbstimmung mit den F\u00fc\u00dfen\u201c suchen sie in den kapitalistischen Wohlstandoasen Zuflucht, die Sicherheit und Luxus bieten. Deren Regierungen tun alles, um die ungeliebten Zuwanderer, die oft ihr Leben aufs Spiel setzen, um in die gelobten L\u00e4nder, in denen Milch und Honig flie\u00dft, zu kommen (und die die Europ\u00e4er und Nordamerikaner an die Ungleichheit der Lebenschancen im Weltma\u00dfstab erinnern), fernzuhalten und abzuschrecken.<\/p>\n<p><strong>Antiwestliche Ressentiments und Rebellionen<\/strong><\/p>\n<p>Die muslimischen Migranten, die aus dem Maghreb, aus dem Jemen, aus Somalia oder Tschetschenien nach Frankreich, Deutschland, Belgien oder \u00d6sterreich kommen, wollen teilhaben am Lebensstandard der h\u00f6chstentwickelten Gesellschaften, sind sich aber nur vage dessen bewusst, dass sie in eine \u201eandere Welt\u201c kommen, in der Individuum und Staat sich weitgehend der Kontrolle durch die \u00fcberlieferte(n) Religion(en) entzogen haben. Die Lebensweise der \u201eungl\u00e4ubigen\u201c Mehrheit halten glaubenstreue Muslime (ob sie sich das eingestehen oder nicht) im Grunde f\u00fcr eine s\u00fcndhafte, unmoralische (f\u00fcr \u201eharam\u201c).<\/p>\n<p>Um dem Anpassungsdruck, dem die Fl\u00fcchtlinge und Immigranten ausgesetzt sind, standzuhalten, klammern sie sich \u2013 und in der Folge dann mehr noch ihre Kinder, die zweite oder dritte Generation der Zuwanderer \u2013 an das Eigene, an ihr kulturelles Gep\u00e4ck, an die religi\u00f6se, Gott wohlgef\u00e4llige, disziplinarische Regelung des Alltagslebens, die zu der Lebensweise in der alten Heimat so gut passte und zu der in den Gastl\u00e4ndern praktizierten so gar nicht stimmen will. Aus dieser Dissonanz speist sich ein schwer ertr\u00e4glicher, schwelender moralischer Konflikt, der unter bestimmten Umst\u00e4nden durch eine rigide Wendung gegen die \u201eVerf\u00fchrung\u201c zum westlichen \u201eway of life\u201c , n\u00e4mlich durch eine \u201eKonversion\u201c zum einzig wahren Glauben der V\u00e4ter (und Erzv\u00e4ter) gel\u00f6st werden kann. Fortan wird das Verlockende in Gestalt von ungl\u00e4ubigen \u201eWestlern\u201c und lauen Muslimen guten Gewissens attackiert.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft der Gastl\u00e4nder ben\u00f6tigt (qualifizierte) Zuwanderer, nicht aber Armutsfl\u00fcchtlinge; ein Teil der Mehrheitsbev\u00f6lkerung f\u00fchlt sich durch die Anwesenheit der \u201eFremden\u201c provoziert und gef\u00e4hrdet. Wer nicht gebraucht wird, wird leicht zum Stein des Ansto\u00dfes. Darum werden junge Fremde wie alte Einheimische marginalisiert und ghettoisiert. Das weckt das Ressentiment und den Hass der aktivistischen Minderheit der Zugewanderten, die ihr Ohnmachtsgef\u00fchl absch\u00fctteln und endlich einmal gegen ihre Misere protestieren und auftrumpfen wollen. Von Tunesien bis Usbekistan, von Nigeria bis Indonesien gibt es gegenw\u00e4rtig Aufstandsbewegungen radikaler Muslime, die sich gegen imperialistische Unterdr\u00fcckung, \u201eunislamische\u201c Regierungen und die westliche Welt richten, deren Kommunikations- und Waffentechnik sie gern adoptieren und deren Lebensform sie ablehnen. Sie sind die Nachfolger sowohl der \u00e4lteren, ethnisch und religi\u00f6s (oder \u201emillenaristisch\u201c) motivierten antikolonialen Rebellionen<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a>\u00a0als auch der \u201esozialistisch\u201c, also weltlich orientierten Befreiungsbewegungen.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/p>\n<p>Nach Hunderten von vergeblichen Aufst\u00e4nden, nach so vielen gescheiterten, verratenen, b\u00fcrokratisierten, niedergeschlagenen und kollabierten Revolutionen, suchen Rebellen gegen den Status quo gegenw\u00e4rtig ihr Heil nicht mehr in der \u00c4nderung der kapitalistischen Institutionen (Privateigentum an Produktionsmitteln, Markt, Staat und Familie), sondern (wieder) in der Heilsgeschichte und in der kriegerischen Errichtung eines Gottesstaats. In den neunziger Jahren orientierten sich islamistische Glaubensk\u00e4mpfer in aller Welt vor allem an den Taliban, die nach dem R\u00fcckzug der sowjetischen Truppen (1989) in den Jahren 1996-2001 gro\u00dfe Teile Afghanistans beherrschten und der international agierenden Terrororganisation \u201eAl Qaida\u201c eine Basis boten. Inzwischen haben die zu Djihadisten mutierten Offiziere der fr\u00fcheren Armee Saddam Husseins in den zerfallenden Staaten Irak und Syrien ein gro\u00dfes Gebiet unter ihre Kontrolle gebracht und dort im Sommer 2014, einige fr\u00fchere Ans\u00e4tze \u00fcberholend, ein neues Kalifat unter dem Namen \u201eIslamischer Staat\u201c ausgerufen.<\/p>\n<p>Dieser parasit\u00e4re Raubstaat finanziert sich vor allem aus \u00d6l- und Antiken-Verk\u00e4ufen, Steuereinnahmen, Spenden und L\u00f6segeldern und verfolgt das Fernziel, die von Muslimen bewohnten L\u00e4nder dereinst in einer transnationalen Theokratie zusammenzufassen.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a>\u00a0Das \u201eKalifat\u201c unterst\u00fctzt nicht nur diverse B\u00fcrgerkriegsparteien und bewaffnete Terrorgruppen, sondern rekrutiert unter europ\u00e4ischen und nordamerikanischen Muslimen Einzelk\u00e4mpfer, die sowohl zur Teilnahme am Krieg in Syrien als auch zu Attentaten in westeurop\u00e4ischen St\u00e4dten (London, Madrid, Frankfurt, Toulouse, Br\u00fcssel, Paris\u2026) animiert werden. Einige Tausend westeurop\u00e4ische Glaubenskrieger sind im Laufe des vergangenen Jahres (\u00fcber die T\u00fcrkei) nach Syrien aufgebrochen, darunter auch etliche junge Frauen sowie Konvertiten; Dutzende von ihnen sind umgekommen, Hunderte sind inzwischen auch (entt\u00e4uscht, traumatisiert oder fanatisiert) zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p><strong>Islam und Djihad<\/strong><\/p>\n<p>Die radikal islamischen, \u201esalafistischen\u201c Gruppen in den muslimischen Gemeinden Westeuropas verstehen sich als Missionare im Land der Ungl\u00e4ubigen, als R\u00e4cher des Propheten und aller Unbill, die Muslime jahrhundertelang von christlichen Herrschern und Kolonisatoren erduldet haben. Zugleich wollen sie mit ihren Schreckenstaten die lauen Muslime aufr\u00fctteln. Bestimmte Moscheen, in denen radikal antiwestliche Prediger zum Heiligen Krieg aufrufen, dienen ihnen als Vorposten und Br\u00fcckenk\u00f6pfe einer missionarisch-terroristischen Kolonisation, der sie, in Umkehrung der europ\u00e4ischen Expansion, die Bev\u00f6lkerung der westlichen Gesellschaften (und Feindstaaten) unterziehen wollen.<\/p>\n<p>Der Pariser Soziologe Khosrokhavar schreibt, vier Schritte seien f\u00fcr die Karriere eines (franz\u00f6sischen) Djihadisten entscheidend: \u201eDie Entfremdung von der herrschenden Kultur, die unter anderem durch Arbeitslosigkeit und durch Diskriminierung seitens einer feindseligen Nachbarschaft bef\u00f6rdert wird; der \u00dcbergang zur Kleinkriminalit\u00e4t, die ihn ins Gef\u00e4ngnis bringt, und dann noch mehr Kriminalit\u00e4t und wieder Gef\u00e4ngnishaft; religi\u00f6se Erweckung und Radikalisierung; schlie\u00dflich eine Initiationsreise in ein muslimisches Land wie Syrien, Afghanistan oder Jemen, um f\u00fcr den Djihad zu trainieren.\u201c<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a>\u00a0Andere Autoren weisen erg\u00e4nzend auf die Rolle, die fanatische Prediger in Moscheen und in Syrien-Hilfskomitees spielen, und auf die Bedeutung von Peer-Groups hin, in denen marginalisierte Jugendliche zusammenkommen, denen die Videobotschaften der Djihadk\u00e4mpfer ein neues, heroisches Leben verhei\u00dfen.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a><\/p>\n<p>Die \u201eabrahamitischen\u201c, monotheistischen Weltreligionen weisen eine strukturelle Gemeinsamkeit auf, die einer doppelten Bindung. Sie verpflichten die Gl\u00e4ubigen zum Gehorsam gegen\u00fcber dem (jeweiligen) exklusiven Gott und seinen Geboten, die er Propheten (wie Moses und Mohammed) oder durch einen Messias (wie Christus) \u201eoffenbart\u201c hat. Der Gehorsam gegen\u00fcber Gott und Gottes \u201eWort\u201c verbindet die Gl\u00e4ubigen; als (auserw\u00e4hlte) Gotteskinder solidarisieren sie sich mit Ihresgleichen in weltweiten, imagin\u00e4ren Gemeinschaften (Judentum, Christenheit, \u201eUmma\u201c) und grenzen sich dadurch von Un- und Andersgl\u00e4ubigen ab.<\/p>\n<p>Das daraus resultierende Wir-Gef\u00fchl ist in der heutigen Christenheit vergleichsweise am schw\u00e4chsten auspr\u00e4gt, doch auch bei Christen (verschiedener Richtung) meldet es sich \u2013 so zuverl\u00e4ssig wie das Nationalgef\u00fchl \u2013, sobald irgendwo auf der Welt Glaubensgenossen von Natur- oder Sozialkatastrophen betroffen sind. Ahmad Mansour, ein arabisch-israelischer Psychologe, macht die latente Solidarit\u00e4t aller Muslime, unbeschadet ihrer religi\u00f6sen und politischen Fraktionierungen, f\u00fcr das eigent\u00fcmliche Z\u00f6gern vieler islamischer Geistlicher und Laien verantwortlich, \u00f6ffentlich gegen fanatische Prediger, djihadistische Attent\u00e4ter und fundamentalistisch (salafistisch) orientierte Monarchien (wie die saudiarabische) Front zu machen:<\/p>\n<p>\u201eWir haben es immer noch mit einem gespaltenen Weltbild bei vielen, vielen Muslimen zu tun. Wir h\u00f6ren, wie Imame und Vorst\u00e4nde von muslimischen Verb\u00e4nden [\u2026] in Deutschland und in Europa die Taten von Paris [im Januar 2015] verabscheuen. Dieselben Prediger verlieren jedoch kein Wort dar\u00fcber, dass in fast der gesamten islamischen Welt, von Pakistan \u00fcber Iran bis zum Maghreb, Tausende von Karikaturisten, Regisseuren, Dichtern, Journalisten, Schriftstellern bedroht, verhaftet, misshandelt, mundtot gemacht werden.<\/p>\n<p>In dieser Welt geh\u00f6ren M\u00e4rtyrer der Meinungsfreiheit, wie der Blogger Raif Badawi, der in Dschidda, Saudi-Arabien, \u00f6ffentlich ausgepeitscht wurde, zur geheiligten Tradition. Dass dies zugelassen, toleriert und gutgehei\u00dfen wird, dazu tr\u00e4gt auch der aktuelle Umgang mit dem Islam in Europa bei, wo dar\u00fcber &#8218;tolerant&#8216; geschwiegen wird. Statt diese Praxis kritisch ins Auge zu fassen, produzieren Imame Tausende Predigten, halten Tausende Unterrichtsstunden ab, in denen sie schreiend und weinend die Muslime dazu aufrufen, die beleidigte Ehre des Propheten zu verteidigen.&#8220;<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a><\/p>\n<p>Mansour f\u00fchrt die aus Unsicherheit und Orientierungslosigkeit resultierende Neigung viel zu vieler islamischer Jugendlicher, sich mit djihadistischen Attent\u00e4tern und den Kampfgruppen des neuen Kalifats zu solidarisieren, auf deren familiale, religi\u00f6se Sozialisation zur\u00fcck:<\/p>\n<p>\u201eVerl\u00e4sst man die oberfl\u00e4chliche Analyse und gr\u00e4bt etwas tiefer, zeigt sich, dass Taten wie die in Paris erst m\u00f6glich wurden, weil wir Muslime Generationen von Kindern entm\u00fcndigt haben. Sie durften, d\u00fcrfen nicht denken, sie d\u00fcrfen nicht hinterfragen \u2013 Fragen werden als Anma\u00dfung, als Frechheit geahndet. [\u2026] Ein Allah wird den Kindern geschildert, der zornig ist, keinen Zweifel zul\u00e4sst, keine Selbstentfaltung duldet, eine schreckliche H\u00f6lle schafft.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a>\u00a0[\u2026] Das ist ein brutaler und furchterregender Fundamentalist, der mit Allah, dem Barmherzigen, kaum etwas gemein hat. Aber er passt exakt zum realen autorit\u00e4ren Vater, der seine Macht mit &#8218;Ehre&#8216;, mit Kontrolle und Strafen sichert. Jugendliche, die mit diesem Gott-Vaterbild aufwachsen, sind in demokratischen Strukturen oft \u00fcberfordert, verloren und orientierungslos. Auch das macht sie anf\u00e4llig f\u00fcr Radikalisierung, f\u00fcr Verschw\u00f6rungstheorien und Gewalt, solche Jugendliche sind dauerbeleidigt.\u201c<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a><\/p>\n<p>\u201eDauerbeleidigt\u201c sein hei\u00dft, dass \u201ealles\u201c in ihrem Milieu sie kr\u00e4nkt, weil sie, im Niemandsland zwischen der familial vermittelten Glaubenswelt und der gottverlassenen Moderne alleingelassen, nirgendwo wirklich zuhause sind, sich \u00fcberall missachtet f\u00fchlen. Der Islamwissenschaftler Montasser AlDe\u2019emeh<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a>\u00a0sagt in einem Spiegel-Interview:<\/p>\n<p>\u201eWir leben in einem zerrissenen Land.\u201c \u201eVielen jungen Muslimen fehle eine Identit\u00e4t, sie f\u00fchlten sich nicht als Belgier, weil es Belgien als Nation gar nicht gebe. Flamen, Wallonen und deutschsprachige Minderheit lebten hier nebeneinander her. Die klaren Strukturen eines islamischen Gottesstaates sind f\u00fcr viele daher attraktiv. In der Politik [\u2026] f\u00fchlten die meisten Muslime sich nicht repr\u00e4sentiert. [\u2026] Die rechtspopulistische fl\u00e4mische Partei Vlaams Belang macht [in Br\u00fcssel] seit Jahren Stimmung gegen die Muslime im Land. Die Jugendlichen finden auch im Islam hier keinen Halt. Es gibt in Flandern 150 Moscheen, in fast allen spr\u00e4chen die Imame nur Arabisch, sodass die Jugendlichen sie nicht verstehen. Auf YouTube h\u00f6ren sie dann saudi-arabische Hassprediger, sehen Menschen in Syrien leiden. Sie fahren nach Syrien, um sich zu heilen.\u201c<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a><\/p>\n<p><strong>Depression und Manie<\/strong><\/p>\n<p>Die gesellschaftlichen Konflikte einer bestimmten Zeit und eines bestimmten Milieus werden nicht nur in Familien, auf dem Forum und am Stammtisch besprochen (oder beschwiegen), in Kabinetten und Parlamenten verhandelt, vor Gerichten und auf Schlachtfeldern ausgetragen, sondern immer auch im Seelenleben der vergesellschafteten Individuen. Der Widerstreit der Interessen und Kulturen erscheint hier als Konflikt zwischen verschiedenen psychischen Instanzen. Dem bewussten Ich obliegt, der Freudschen Theorie zufolge, sowohl die (anti-illusion\u00e4re) \u201eRealit\u00e4tspr\u00fcfung\u201c als auch die Zensur des Wahrgenommenen und Gedachten. Es gilt als eine schwache Instanz, die zwischen (\u00fcberbordenden) Triebw\u00fcnschen und gesellschaftlichen Verbotsnormen br\u00fcchige Kompromisse finden muss, die die Selbsterhaltung gew\u00e4hrleisten. Dass einer \u201edauerbeleidigt\u201c ist, hei\u00dft, dass er au\u00dferstande ist, eine f\u00fcr ihn selbst befriedigende \u2013 und auch f\u00fcr seine Bezugsgruppen halbwegs \u00fcberzeugende \u2013 Kompromissl\u00f6sung f\u00fcr seine widerstreitenden Interessen zu finden.<\/p>\n<p>Er ist ein \u201eZerrissener\u201c, verschiedene Seelen wohnen in seiner Brust. Die gro\u00dfen Religionen, auch der Islam, definieren den Menschen als s\u00fcndhaft; er ist ihren Geboten nicht gewachsen und verstrickt sich stets wieder in Schuld (gegen\u00fcber Gott und den Menschen); darum bieten sie den Gl\u00e4ubigen Rituale der Unterwerfung, der Reue, der Bu\u00dfe und der (periodischen) Ents\u00fchnung an. Der muslimisch erzogene Jugendliche hat den strengen Vater-Gott als \u201eGewissen\u201c (oder \u201e\u00dcber-Ich\u201c) verinnerlicht. Das Leben unter Ungl\u00e4ubigen setzt ihn enormen Versuchungen aus. Passt er sich deren \u201ehedonistischer\u201c Lebensweise an, teilt er die Vergn\u00fcgungen seiner nichtmuslimischen Alterskollegen, verst\u00f6\u00dft er gegen die Tabus seiner Religion. Die Folge sind Gewissensbisse, und wem sein Gewissen das Leben verg\u00e4llt, der wei\u00df auch, dass er nichts taugt. Zwischen dem \u201eIch\u201c (der seelischen Instanz, die f\u00fcr Anpassungsleistungen zust\u00e4ndig ist) und dem \u201e\u00dcber-Ich\u201c (der innerseelischen Religionspolizei) baut sich eine unertr\u00e4gliche Spannung auf.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a>\u00a0Einen Ausweg bietet die Konversion (oder \u201eErleuchtung\u201c) \u2013 die Kapitulation des Ichs vor der verinnerlichten v\u00e4terlichen Gewalt, der es sich unterwirft, indem es ein f\u00fcr alle Mal den Verlockungen der Welt der Ungl\u00e4ubigen entsagt und sich vornimmt, seine Schuld zu tilgen. Dazu gen\u00fcgt es ihm nicht, selbst ein \u201ereines\u201c, Gott wohlgef\u00e4lliges Leben zu f\u00fchren; vielmehr muss er der unreinen Welt, in der er aufgewachsen ist, den Krieg erkl\u00e4ren, also den aus dem Schuldgef\u00fchl resultierenden Selbsthass nach au\u00dfen kehren. Lust bereitet ihm k\u00fcnftig nicht mehr die S\u00fcnde, sondern die Verfolgung der S\u00fcnder, und die kann nicht grausam genug sein. So lockt der Djihad seine neuen Konvertiten mit Bildern von ver\u00e4ngstigten, dem\u00fctigen Gruppen von Sklavinnen ebenso wie mit Videos von Geisel-Enthauptungen, Verst\u00fcmmelungen und Kreuzigungen. Der Reuige wird nicht nur zu einem \u201eFrommen\u201c, sondern zum Berserker.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a><\/p>\n<p>Die Konversion, die manische Verschmelzung von Ich und Gewissen, f\u00fchrt zur Freisetzung seelischer Energien, die zuvor zur Abwehr von Trieb- und \u00dcber-Ich-Anforderungen ben\u00f6tigt wurden.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a>\u00a0Die neu erlangte Teilhabe an der Macht des Gewissens \u2013 also an verinnerlichter sozialer Gewalt \u2013 kommt einem \u201enarzisstischen Triumph\u201c gleich, einer enormen Steigerung des Selbstwertgef\u00fchls; sie wird durch die Aufnahme in den kriegerischen M\u00e4nnerbund der \u201ewahrhaft Gl\u00e4ubigen\u201c stabilisiert. Dem Konvertiten scheint mit einem Mal \u201ealles\u201c m\u00f6glich; \u201ees ist, als sei das Leben unglaublich intensiviert worden\u201c.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a>\u00a0Freilich hat die \u201emanische Regression\u201c (die Tilgung der Differenz zwischen Ich und \u00dcber-Ich) ihren Preis: Die Ich-Funktion der Realit\u00e4tspr\u00fcfung wird reduziert, \u201eOffenbarungen\u201c aller Art wird Glauben geschenkt, fortbestehende Herrschaftsverh\u00e4ltnisse werden verleugnet, w\u00fcste Projektionen werden unkontrolliert f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen. Otto Fenichel schreibt:<\/p>\n<p>\u201eEs ist, als habe [die manische Regression den Konvertiten] aus einer verp\u00f6nten und gef\u00e4hrlichen Welt in eine angenehme Welt der Wunscherf\u00fcllung versetzt\u201c; \u201eeine F\u00fclle zumeist oraler Triebregungen [tritt] auf, die [\u2026] das Leben im Gegensatz zu der bedr\u00fcckenden Leere w\u00e4hrend der Depression [als] erf\u00fcllt erscheinen lassen\u201c; wie bei Festen wird es den real nach wie vor \u201eMachtlosen [\u2026] gestattet, sich eine Teilhabe an der Macht vorzuspielen. Das versetzt sie in [gehobene] Stimmung und erm\u00f6glicht es ihnen, ein weiteres Jahr nur zu gehorchen.\u201c<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a><\/p>\n<p>Der belgische Djihadist Abaaoud, der sp\u00e4ter die Pariser Anschl\u00e4ge vom 13. November 2015 organisierte und dabei ums Leben kam, posierte in einem (in der N\u00e4he der syrischen Stadt Hraytan aufgenommenen) Video am Steuer eines Dodge-Pickups, der Leichen \u00fcber ein Feld zog. In einer sp\u00e4ter (ebenfalls in Syrien) gefilmten Video-Botschaft rief er die Muslime in Europa und anderswo auf, ihm nach Syrien in den Djihad zu folgen, wo Gen\u00fcsse ihrer warteten, die sie daheim nie haben w\u00fcrden: Als ich in Europa lebte, habe ich nie Speisen bekommen, wie ich sie hier gekostet habe, sagte er, hinter Sands\u00e4cken kauernd, unter dem Geknatter des Gewehrfeuers. Ich bin in Villen und Pal\u00e4ste gekommen, die, Gott sei gelobt, durch den Willen Allahs hier f\u00fcr uns vorgesehen sind.\u201c<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[xxi]<\/a> Den Bildern manischer Horden junger Krieger, die auf erbeuteten Pickups mit aufgebocktem Maschinengewehr unter schwarzer Fahne querfeldein rasen, um neue Untaten zu begehen, Sklaven einzufangen, Beute zu machen, D\u00f6rfer niederzubrennen, Kirchen und Moscheen in die Luft zu sprengen, folgt hier die Verhei\u00dfung, dass die Letzten aus den Banlieues die Ersten im Kalifat sein werden, dass nicht nur die M\u00e4rtyrer ins Elysium eingehen, sondern auch die \u00fcberlebenden Gotteskrieger schon im irdischen Paradies des Kalifats herrlich und in Freuden leben k\u00f6nnen.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a><\/p>\n<p><strong>Was ist zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Was ist \u2013 abgesehen von dem, was ohnehin geschieht: der Kriegserkl\u00e4rung der Koalition der 60 Staaten und den Luftangriffen auf IS-Truppen zur Unterst\u00fctzung der kurdischen K\u00e4mpfer zu tun? Die Minderheit der Vern\u00fcnftigen, die es weder mit den imperialistischen M\u00e4chten, noch mit den Gotteskriegern h\u00e4lt, kann nur versuchen, die Regierungen und die schweigende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung der imperialistischen M\u00e4chte davon abzubringen, sich auf destruktive Interventionskriege (wie die gegen Afghanistan, Irak und Syrien) einzulassen, und daf\u00fcr pl\u00e4dieren, die frei werdenden Kriegs-Milliarden darauf zu verwenden, die Lebensverh\u00e4ltnisse der Mehrheit in den Diktatur- und Elendsl\u00e4ndern zu verbessern. (Das ist freilich ein Jahrhundert-Projekt\u2026)<\/p>\n<p>Sie kann weiterhin innenpolitisch die Binsenweisheit publik machen, dass die Terrorismus-Bek\u00e4mpfung mit Hilfe von Polizei, Geheimdienst und Armee allenfalls dazu taugt, ein Symptom (die Parteinahme f\u00fcr den Djihad) zu unterdr\u00fccken, nicht aber dessen \u201eUrsache\u201c zu beseitigen: die Marginalisierung und Diskriminierung eines Gro\u00dfteils der eingewanderten Muslime. Um dieser entgegenzuwirken, bedarf es in den Einwanderungsl\u00e4ndern einer kostspieligen Neuorientierung: Zum einen m\u00fcssen viele Milliarden Steuergelder f\u00fcr den sozialen Wohnungsbau, f\u00fcr Bildungseinrichtungen (\u201ekompensatorische Erziehung\u201c; Djihad-Prophylaxe) und Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen aufgewandt werden, soll es nicht beim wohlfeilen Gerede \u00fcber \u201eInklusion\u201c oder \u201eIntegration\u201c bleiben.<\/p>\n<p>Zum anderen muss endlich in Kinderg\u00e4rten, Schulen, Polizeischulen, Universit\u00e4ten und Parlamenten der Kampf gegen die Diskriminierung von Menschen, die anderen Glaubens sind und aus anderen L\u00e4ndern stammen, aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Zum dritten muss an die Stelle des respektvollen Beschweigens der Indoktrinierung durch muslimische Fanatiker (unter dem Vorwand der \u201eReligionsfreiheit\u201c) die \u00f6ffentliche Kritik von deren Ideologie treten. Den aufgrund ihrer Situation f\u00fcr Djihad-Propaganda anf\u00e4lligen Jugendlichen muss laut und deutlich gesagt werden, dass die Flucht aus ihrem bedr\u00fcckenden Milieu in das derzeit vom \u201eIslamischen Staat\u201c gehaltene Gebiet eine Flucht ins Elend des modernen Kriegs, eine Reise ins Nichts ist; dass sie, ohne milit\u00e4rische Ausbildung und unzureichend bewaffnet, als Kanonenfutter in Konflikten, die sie nicht \u00fcberschauen, verheizt werden; dass sie nicht nur danach fragen m\u00fcssen, wer die Muslime in den L\u00e4ndern des Nahen Ostens mit wessen Hilfe unterdr\u00fcckt, sondern wer deren selbsternannte Befreier, den neuen Kalifen und seine Truppen kontrolliert; dass die Untergangspropheten, denen sie vertrauen, ihre milit\u00e4rischen und geistlichen F\u00fchrer, selbst nur Schachfiguren im globalen Stellvertreterkrieg der Randstaaten Syriens und der Gro\u00dfm\u00e4chte sind, von denen sie, je nach Opportunit\u00e4t, alimentiert oder im Stich gelassen werden; dass die Kalifats-Krieger, von allem anderen abgesehen, auch deshalb keine Chance haben, weil sie nicht nur gegen den \u201eWesten\u201c und die Regime der \u201eAbtr\u00fcnnigen\u201c Krieg f\u00fchren, sondern weil sie die Mehrheit der Muslime gegen sich haben, die keineswegs von der ihnen mit Terror und Massakern aufgen\u00f6tigten asketischen Lebensf\u00fchrung begeistert sind, die im \u201eKalifat\u201c f\u00fcr sie vorgesehen ist.<\/p>\n<p><em>Ver\u00f6ffentlicht am\u00a001. Dezember 2015<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.medico.de\/die-djihadisten-aus-westlichen-laendern-16294\/\">medico.de&#8230;<\/a> vom 10.Juni 2017<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> \u201eDie okzidentale Stadt in ihren Anf\u00e4ngen ist zun\u00e4chst Wehrverband, Vereinigung der \u00f6konomisch Wehrhaften, die imstande sind, sich selbst auszur\u00fcsten und ausbilden zu lassen.\u201c \u201eDer typische B\u00fcrger der mittelalterlichen Zunftstadt ist Kaufmann oder Handwerker; Vollb\u00fcrger ist er, wenn er Hausbesitzer ist.\u201c. Weber, Max (1924):\u00a0<em>Wirtschaftsgeschichte<\/em>. M\u00fcnchen, Leipzig (Duncker &amp; Humblot), Kap. IV, \u00a7 7 (\u201eDas B\u00fcrgertum\u201c), S. 275 und S. 283. Vgl. dazu auch Kulischer, Josef (1928):\u00a0<em>Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit<\/em>. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1971, Bd. I, Kap. 17 (\u201eDie Stadt\u201c).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Die Marktgesellschaft \u201eist die unpers\u00f6nlichste praktische Lebensbeziehung, in welche Menschen miteinander treten k\u00f6nnen. [\u2026] Der Markt ist in vollem Gegensatz zu allen anderen Vergemeinschaftungen, die immer pers\u00f6nliche Verbr\u00fcderung und meist Blutsverwandtschaften voraussetzen, jeder Verbr\u00fcderung in der Wurzel fremd.\u201c Weber, Max (1921):\u00a0<em>Wirtschaft und Gesellschaft<\/em>. T\u00fcbingen (Mohr-Siebeck) 1956, 1. Halbband, 2. Teil, Kapitel VI, S. 382 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Luxemburg, Rosa ([1915] 1919):\u00a0<em>Die Akkumulation des Kapitals oder Was die Epigonen aus der Marxschen Theorie gemacht haben<\/em>. Eine Antikritik. In: Luxemburg (1975):\u00a0<em>Gesammelte Werke<\/em>, Bd. 5, Berlin, S. 521.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> \u201eDie Kolonialerwerbungen der europ\u00e4ischen Staaten haben bei ihnen allen zu einer riesenhaften Verm\u00f6gensakkumulation innerhalb Europas gef\u00fchrt. [\u2026] Diese Verm\u00f6gensakkumulation ist ausnahmslos und von allen L\u00e4ndern durch Gewalt gesichert worden.\u201c Ebd., S. 256.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Darum ist der Islam \u201ezur Religion der Wahl f\u00fcr die Stigmatisierten und Unterdr\u00fcckten geworden. Im Unterschied zum Christentum hat er eine antiwestliche und antiimperialistische Tendenz\u201c, schreibt der Pariser Soziologe Farhad Khosrokhavar. Khosrokhavar (2015): \u201eThe mill of Muslim radicalism in France.\u201c\u00a0<em>International New York Times<\/em>, 26. 1. 2015, S. 8.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> In Europa ist zum einen der aus dem Widerstand gegen die zaristische Eroberung des Nordost-Kaukasus in den Jahren 1840-1857 entstandene, vergleichsweise moderne islamische, tschetschenisch-dagestanische Staat des Imam Schamil in Erinnerung, zum andern der gegen \u00e4gyptische und britische Truppen gerichtete Aufstand des \u201eMahdi\u201c Muhammad Ahmad, der in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts im Sudan ein Kalifat (mit der Hauptstadt Omdurman) errichtete, das bis 1898 bestand (und dann milit\u00e4risch zerschlagen wurde).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> Der Djihad ist \u201edie einzige weltumspannende Sache, sozusagen der letzte globale Grund, den es noch gibt, f\u00fcr etwas zu k\u00e4mpfen\u201c, sagt der franz\u00f6sische Politologe und Islamexperte Olivier Roy in einem Interview mit Julia Amalia Heyer: \u201eDer Kommunismus ist verschwunden, genau wie die extreme Linke. Die [deutsche] RAF war die erste Gruppe, die Gewalt globalisiert hat, die an einem Tag f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser gek\u00e4mpft hat und am n\u00e4chsten Tag gegen einen Bankdirektor. Was fr\u00fcher, in den Sechziger- und Siebzigerjahren Che Guevara, die RAF oder die Weltrevolution war, ist heute der Dschihad.\u201c \u201eHauptsache, Held sein\u201c, Spiegel-Gespr\u00e4ch mit O. Roy.\u00a0<em>Der Spiegel<\/em>, 17. 1. 2015, S. 92.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Im Nordosten Nigerias versucht die Terrortruppe \u201eBoko Haram\u201c (was etwa \u201eWestliche Bildung ist unrein\u201c bedeutet), ein afrikanisches Pendant zum \u201eIslamischen Staat\u201c, gleichfalls ein \u201eKalifat\u201c zu etablieren. \u201eDer Terror hat [hier] seither \u00fcber 13.000 Menschenleben gekostet [\u2026]. Die Vereinten Nationen sch\u00e4tzen, dass insgesamt rund anderthalb Millionen Nigerianer aus der Krisenregion geflohen sind.\u201c Einer der Fl\u00fcchtlinge erz\u00e4hlt, wie eine \u201eBoko Haram\u201c-Horde im Juni 2014 \u00fcber sein Dorf herfiel: \u201eSie kamen auf Motorr\u00e4dern und nagelneuen Gel\u00e4ndewagen und w\u00fcteten wie wilde Bestien. Die Terroristen pl\u00fcnderten, brannten H\u00e4user nieder und t\u00f6teten die Bewohner, vermutlich starben 300 Menschen. [\u2026] Boko Haram verbietet Fu\u00dfball, freiz\u00fcgige Kleidung, Musik, Tanz und Alkohol.\u201c Grill, Bartholom\u00e4us (2015): \u201eDie M\u00f6rder im Haus.\u201c\u00a0<em>Der Spiegel<\/em>, 31. 1. 2015, S. 75 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> \u201eF\u00fcr Ch\u00e9rif Kouachi, Amedy Coulibaly und andere Hauptfiguren des franz\u00f6sischen Djihadismus der letzten Jahre (Mohammed Merah, Mehdi Nemmouche und Khalede Kelkal) waren Gef\u00e4ngnisaufenthalte folgenreich, sie waren ein Passage-Ritus und [\u00f6ffneten ihnen] das Tor zum Radikalismus.\u201c Khosrokhavar (2015), a. a. O. (Anm. 7).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> Vgl. dazu den Bericht \u00fcber den Djihad-K\u00e4mpfer Abdelhamid Abaaoud, der im Br\u00fcsseler Distrikt Molenbeek eine Terrorzelle gebildet hatte und sich in einer Videobotschaft aus Syrien wie folgt an europ\u00e4ische Muslime wandte: \u201eSeid Ihr etwa mit dem Leben zufrieden, das Ihr f\u00fchrt, einem Leben der Dem\u00fctigung, gleichviel, ob Ihr in Europa, Afrika, in arabischen L\u00e4ndern oder in Amerika seid?\u201c Einzig die Gewalt des Djihad k\u00f6nne ihren Stolz und ihre Ehre wiederherstellen: \u201eIhr k\u00f6nnt das nur in Eurer Religion finden, nur im Djihad. Gibt es Besseres als den Djihad oder das M\u00e4rtyrertum?\u201c Higgins, Andrew (2015): \u201eTracing jihadists to Brussels.\u201c\u00a0<em>International New York Times<\/em>, 24.\/25. 1. 2015, S. 3 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> Mansour, Ahmad (2015): \u201eJetzt mal unter uns.\u201c\u00a0<em>Der Spiegel<\/em>, 17. 1.2015, S. 133.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a> Beim Lesen dieses Textes fragt man sich, ob die \u201eFreiheit eines [gew\u00f6hnlichen] Christenmenschen\u201c gro\u00df genug ist, um ihn in dem Spiegel, den ihm Mansour hier vorh\u00e4lt, auch die eigene, verblasste Glaubensdoktrin erkennen zu lassen\u2026<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a> A. a. O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a> AIDe\u2019emeh wurde als Sohn pal\u00e4stinensischer Eltern in einem jordanischen Fl\u00fcchtlingslager geboren, wuchs im Br\u00fcsseler Distrikt Molenbeek auf und arbeitet an einer Dissertation \u00fcber \u201eWestliche K\u00e4mpfer im Kontext des internationalen Dschihadismus\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a> Kuntz, Katrin, und Gregor Peter Schmitz (2015): \u201eParadies statt Lasagne.\u201c\u00a0<em>Der Spiegel<\/em>, 24. 1. 2015, S. 88. \u2013 Entsprechend schreibt Lamya Kaddor, die als Kind syrischer Eltern in Deutschland aufgewachsen ist und in Dinslaken-Lohberg Islam-Unterricht erteilt: \u201eEntscheidend ist die Bereitschaft der Jugendlichen, aus ihrem alten Leben zu fliehen. [\u2026] Der Unmut \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse zu Hause treibt Jugendliche ebenso um wie der Frust \u00fcber die sie ausgrenzende Mehrheitsgesellschaft, in der sie leben, und die Wut \u00fcber die eigene, unklare Identit\u00e4t. Wenn muslimische Jugendliche die Rebellion suchen, finden sie sie im Salafismus.\u201c (Frau Kaddor berichtet, dass sich zu ihrem Schrecken f\u00fcnf ihrer ehemaligen Sch\u00fcler der islamistischen, etwa zwanzig Personen umfassenden \u201eLohberg-Brigade\u201c anschlossen, die nach Syrien in den Djihad zog; einer von den F\u00fcnfen sei noch immer dort&#8230;) Kaddor (2015): \u201eDer Dschihad und der Islam.\u201c\u00a0<em>Der Spiegel<\/em>, 31. 1. 2015, S. 104-107.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[xvi]<\/a> \u201eDie Sch\u00fcler sehen sich h\u00e4ufig in einer Art Bringschuld Gott gegen\u00fcber, der sie hoffnungslos ausgeliefert sind. W\u00e4hrend er unsere Geschicke bestimmt, haben wir Menschen eigentlich nur zu parieren oder zu reagieren.\u201c Kaddor, a. a. O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[xvii]<\/a> \u201eDurch Aussagen junger Rekruten, die sich den Dschihadisten angeschlossen haben, ist bekannt, dass einige der Gedanke gelockt hat, den eigenen Gewaltphantasien, der eigenen Wut und den eigenen Rachegel\u00fcsten freien Lauf lassen zu k\u00f6nnen. Ungef\u00e4hrdet von Recht und Gesetz mit einem anderen Menschen machen zu k\u00f6nnen, was man will. Ihn zu verpr\u00fcgeln, zu qu\u00e4len, ihn auch zu t\u00f6ten. Sich eine Frau zu nehmen, wie man will. Sich am Hab und Gut der Opfer zu bereichern. Kaddor, a. a. O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[xviii]<\/a> \u201eDer Triumph hat die Bedeutung einer wiedererlangten Selbstm\u00e4chtigkeit und wird desto intensiver empfunden, je pl\u00f6tzlicher der Wechsel von der Machtlosigkeit zur Macht aufgetreten ist. [\u2026] Ein Mensch ist gehobener Stimmung, wenn er sich einer bisher bestehenden Verpflichtung, Verantwortlichkeit oder allgemeinen Abh\u00e4ngigkeit ledig wei\u00df (rebellischer Triumph) oder wenn er \u00e4u\u00dfere bzw. innere Vergebung erlangt, wenn er wieder geliebt wird und das Gef\u00fchl hat, etwas Rechtes getan zu haben (anbiedernder Triumph).\u201c Fenichel (1945), a. a. O. (Anm. 1), Bd. II, Kap. XVII (\u201eDepression und Manie\u201c), S. 300.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[xix]<\/a> Ebd., S. 299.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[xx]<\/a> Fenichel, Otto (1945):\u00a0<em>Psychoanalytische Neurosenlehre<\/em>. Olten, Freiburg (Walter-Verlag) 1974, Bd. I, Kapitel II und Kapitel IX., Bd. II, Kap. XVII und XVIII. Zitate auf den Seiten 320 und 301.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[xxi]<\/a> Higgins (2015), a. a. O. (Anm. 12).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[xxii]<\/a>Um die Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr Gotteskrieger in ihrem Herrschaftsbereich um Mossul \u201eparadiesisch\u201c zu gestalten, hat der IS im August 2014 (als seine Truppen die Jesiden im nordirakischen Sindschar-Gebirge \u00fcberfielen) unter Berufung auf Koran und Sunna formell die (Sex-)Sklaverei wiedereingef\u00fchrt. Vgl. dazu Callimachi, Rukmini (2015): \u201eIsis enshrines a theology of rape.\u201c\u00a0<em>International New York Times<\/em>, 14. 8. 2015, S. 1 und S. 5.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolonialismus und Rebellion, Religion und Depression: Der Soziologe Helmut Dahmer \u00fcber Hintergr\u00fcnde und Attraktivit\u00e4t des Djihadismus f\u00fcr marginalisierte muslimische Jugendliche in Westeuropa.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[18,45,14,11],"class_list":["post-2220","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-imperialismus","tag-neoliberalismus","tag-postmodernismus","tag-rassismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2220","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2220"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2220\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2221,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2220\/revisions\/2221"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2220"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2220"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2220"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}