{"id":2259,"date":"2017-06-19T14:36:21","date_gmt":"2017-06-19T12:36:21","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2259"},"modified":"2018-01-19T17:58:50","modified_gmt":"2018-01-19T15:58:50","slug":"24-stunden-streik-im-italienischen-bahn-und-flugverkehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2259","title":{"rendered":"24-Stunden-Streik im italienischen Bahn- und Flugverkehr"},"content":{"rendered":"<p><em>Marianne Arens. <\/em>Mit einem 24-st\u00fcndigen Streik wehrten sich am vergangenen Freitag in Italien Bahn- und Busfahrer, Flughafenbesch\u00e4ftigte und Transportfahrer gegen die fortschreitende Privatisierung. Auf Facebook trat Matteo Renzi,<!--more--> Chef der Regierungspartei PD, aggressiv gegen die Streikenden auf.<\/p>\n<p>Der Streik begann schon am Donnerstagabend um 21 Uhr. Betroffen waren der Bahn- und Flugverkehr, der \u00f6ffentliche Nahverkehr und die Flughafen-Bodendienste im ganzen Land. Auch mehrere Logistikunternehmen und Paketzusteller wurden bestreikt.<\/p>\n<p>Bei den Eisenbahnen und im Nahverkehr sorgte der Streik in vielen Teilen Italiens f\u00fcr Chaos. So wurde zum Beispiel der Zug bestreikt, der Venedig mit dem Festland verbindet. Die Folge war ein Ansturm der PKWs mit langen Schlangen und Staus an der Piazzale Roma am Eingang der Lagunenstadt. Auch in Genua, Mailand, Bologna, Florenz und Rom wurde der Streik befolgt. Landesweit kam der Regionalverkehr zum Erliegen.<\/p>\n<p>Die Lokf\u00fchrer und Schaffner k\u00e4mpfen gegen Lohnsenkungen, wachsende Arbeitshetze und Privatisierungen. Seit f\u00fcnfzehn Jahren werden die italienischen Eisenbahnen in immer neue T\u00f6chter und Gesellschaften wie Trenitalia, NTV, Trenord etc. aufgespalten, mit der Folge immer schlimmerer Arbeitsbedingungen. Seit Sp\u00e4therbst 2015 gibt es keinen nationalen Tarifvertrag mehr.<\/p>\n<p>Trotz der gro\u00dfen Kampfbereitschaft der Eisenbahner haben die Gewerkschaften aber dem Verkehrsminister Graziano Delrio (PD) etliche Kompromisse gemacht und zum Beispiel die \u201eFrecce\u201c (\u201ePfeile\u201c, Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge) regul\u00e4r verkehren lassen. Bei den Regionalz\u00fcgen hat man sich auf einen Notdienst von 6 bis 9 Uhr und von 18 bis 21 Uhr f\u00fcr den Berufsverkehr geeinigt.<\/p>\n<p>Zu dem Streiktag hatten die Basisgewerkschaften (Cobas, CUB, USB und SGB) aufgerufen. Ihr Einfluss w\u00e4chst, weil die traditionellen Dachgewerkschaften Cgil, Cisl und Uil Ende 2014 die Arbeitsmarktreformen (\u201eJobs Act\u201c) von Matteo Renzi unterschrieben haben. Die offiziellen Gewerkschaften haben den Streik zun\u00e4chst boykottiert, sich zuletzt aber eingemischt, um ihn in bestimmten Bereichen auf vier Stunden zu beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>So haben die Besch\u00e4ftigten von Alitalia offiziell die Arbeit nur von 10 bis 14 Uhr niedergelegt, w\u00e4hrend das Bodenpersonal der italienischen Flugh\u00e4fen einen 24-st\u00fcndigen Streik organisierte.<\/p>\n<p>Das Alitalia-Personal k\u00e4mpft ums \u00dcberleben und hat schon mehrere spontane Streiks durchgef\u00fchrt, was Ende Mai sogar die Teilnehmer des G7-Gipfels auf Taormina zu sp\u00fcren bekamen. Alitalia ist\u00a0<a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/04\/29\/alit-a29.html\"><strong>insolvent<\/strong><\/a>, seitdem sich der Hauptaktion\u00e4r Etihad zur\u00fcckgezogen hat, und wird von einem Sonderkommissar der Regierung verwaltet. Dieser hat schon 1358 Besch\u00e4ftigte der 12.500-k\u00f6pfigen Belegschaft auf Cassa Integrazione (Lohnausgleichskasse) gesetzt, das hei\u00dft praktisch entlassen. Das soll jedoch nur der Anfang sein: Die Ausgaben der Fluglinie sollen um 200 Millionen gek\u00fcrzt werden, um Alitalia f\u00fcr Investoren und Banken wieder attraktiv zu machen.<\/p>\n<p>In Norditalien wurden auch mehrere Logistikunternehmen und Paketdienste bestreikt. In diesem Sektor sind internationale Unternehmen wie GLS aktiv, die Einwanderer zu Hungerl\u00f6hnen und ohne Absicherung besch\u00e4ftigen. Hier kommt es immer wieder zu militanten Streiks.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2016\/10\/01\/ital-o01.html\"><strong>Im Herbst 2016<\/strong><\/a>\u00a0hatten sich Hunderte Paketzusteller an Streiks in Norditalien gegen GLS und seine Subunternehmer beteiligt. Zehntausende gingen auf die Stra\u00dfe, nachdem in der Nacht zum 15. September der \u00e4gyptische Arbeiter Abd El Salam von einem aufgehetzten Lastwagenfahrer \u00fcberfahren und get\u00f6tet worden war. Die Staatsanwaltschaft von Piacenza hatte den Vorfall als Verkehrsunfall bezeichnet.<\/p>\n<p>Auch diesmal stie\u00dfen die Streiks auf den Widerstand der politischen Parteien, staatlicher und privater Unternehmen und der Medien. Am Vormittag des 16. Juni ver\u00f6ffentlichte Matteo Renzi, Chef der Regierungspartei PD, einen Kommentar auf Facebook, in dem er gegen die Basisgewerkschaften hetzte.<\/p>\n<p>Der Streik sei ein \u201eSkandal\u201c, erkl\u00e4rte der ex-Premier und selbsternannte \u201eVerschrotter\u201c. \u201eWir brauchen neue Regeln \u2026 Es sind kleine K\u00fcrzelgruppen (<em>sigle<\/em>), die den Arbeitskampf proklamiert haben, und sie nutzen die Privatisierung als Alibi.\u201c Man d\u00fcrfe nicht zulassen, dass diese kleinen Organisationen \u201edas Land in die Knie zwingen\u201c.<\/p>\n<p>Die Hetze gegen die Basisgewerkschaften zielt in Wirklichkeit auf die Arbeiterklasse. Denn die Basisgewerkschaften stellen keine echte Gefahr f\u00fcr die Regierung dar. Sie werden von pseudolinken Gruppen wie Sinistra Italiana und Rifondazione Comunista ins Feld gef\u00fchrt, um mit dem Schlagwort eines \u201ek\u00e4mpferischen Gewerkschaftertums\u201c die Arbeiter von der Organisation revolution\u00e4rer Betriebsgruppen abzuhalten.<\/p>\n<p>Die Perspektive, die die Basisgewerkschaften vertreten, ist ebenso bankrott wie die der traditionellen Gewerkschaften. Sie sind national und oft regional beschr\u00e4nkt und haben keine Strategie, die Arbeiterklasse grenz\u00fcberschreitend im Kampf gegen die global operierenden Unternehmen und Kapitalbesitzer zu vereinen. Sie streben auch eine Zusammenarbeit mit den Kapitalisten an und wenden sich dabei immer offener gegen die eigenen Mitglieder.<\/p>\n<p>Das Ziel des Streiks vom 16. Juni war offiziell ein Runder Tisch, an den sich die Unternehmer, die Regierung und die traditionellen Gewerkschaften gemeinsam mit den Basisgewerkschaften setzen, um einen nationalen Arbeitsvertrag zu beschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>So beschwerte sich eine der Basisgewerkschaften, Cobas, dar\u00fcber, dass man \u201ever\u00e4chtlich auf unsere Teilnahme herunterschaut und versucht, so weiterzumachen wie immer, in der Hoffnung, dass die Unterzeichnung eines Arbeitsvertrags mit den \u00fcblichen Unterschriften [d.h. ohne Cobas-Beteiligung] dazu f\u00fchren werde, dass ein konfliktorientiertes Gewerkschaftertum entmachtet wird\u201c.<\/p>\n<p>Das \u201ekonfliktorientierte Gewerkschaftertum\u201c zielt also darauf ab, mit am Tisch der Unternehmer zu sitzen. Aber die Arbeiterklasse kann ihre Interessen nicht in einer Art nationalen Partnerschaft mit den St\u00fctzen der b\u00fcrgerlichen Herrschaft erreichen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/06\/17\/ital-j17.html\">wsws&#8230;<\/a> vom 19. Juni 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Arens. Mit einem 24-st\u00fcndigen Streik wehrten sich am vergangenen Freitag in Italien Bahn- und Busfahrer, Flughafenbesch\u00e4ftigte und Transportfahrer gegen die fortschreitende Privatisierung. 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