{"id":2275,"date":"2017-06-22T10:08:18","date_gmt":"2017-06-22T08:08:18","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2275"},"modified":"2017-06-22T10:08:18","modified_gmt":"2017-06-22T08:08:18","slug":"warum-wir-gegen-die-rentenreform-2020-ankaempfen-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2275","title":{"rendered":"Warum wir gegen die Rentenreform 2020 ank\u00e4mpfen m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p><em>F. Montale.\u00a0<\/em><strong>Folgende Zeilen liefern keine detaillierte Analyse des Reformpaketes 2020, sondern sind ein Aufruf an die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte, die vom sozialdemokratischen Sozialminister Alain Berset<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> durchgeboxte Rentenreform 2020 nicht aus den Augen zu verlieren.<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong> Gegen die Abw\u00e4lzung gesellschaftlicher Konflikte auf die Frauen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Grundlegendes Element der Rentenreform 2020 ist die Erh\u00f6hung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre. Diese Angleichung des Frauenrentenalters an das der M\u00e4nner ist nur ein erster Schritt zu weiteren Rentenalter-Erh\u00f6hungen. Arbeitgeber- und Gewerbeverb\u00e4nde sprechen schon heute von einem Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Durch die nicht ausbezahlten Renten und die zus\u00e4tzlichen Beitragszahlungen werden bei der AHV 1.3 Milliarden Franken eingespart. Um das in einem Jahr verlorene Geld wieder zu erhalten, m\u00fcssen sich Frauen bis zum 84. Lebensjahr gedulden \u2013 also just bis zu ihrer durchschnittlichen Lebenserwartung.<\/p>\n<p>Diese Rentenreform zeigt, dass gesellschaftliche Konflikte \u2013 hier der Verteilungskampf im Kontext der Austerit\u00e4tspolitik \u2013 auf Kosten der Frauen ausgetragen werden. Sie m\u00fcssen l\u00e4nger arbeiten, obwohl Frauen ab 50 Jahren eine \u00fcberdurchschnittlich hohe Erwerbsquote aufweisen, bei einem Stellenverlust aber massive Schwierigkeiten haben, wieder in den Arbeitsmarkt zu gelangen. \u00c4ltere Frauen werden in einen Arbeitsmarkt gezwungen, der strukturell niemals alle Arbeitskr\u00e4fte aufnehmen kann. Ein Kampf gegen die Rentenreform ist also ein Kampf gegen die Ausbeutung der Frauen!<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Gegen die Senkung des indirekten Lohnes!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Weitere Elemente der Rentenreform 2020 sind:<\/p>\n<ul>\n<li>die Senkung des Mindestumwandlungssatzes der Pensionskassen von 6.8 auf 6.0%, was einer durchschnittlichen Rentensenkung der 2. S\u00e4ule um 12% gleichkommt.<\/li>\n<li>die Erh\u00f6hung der Mehrwertsteuer um 1% bei Inkrafttreten der Reform und nochmals um 1% bei zus\u00e4tzlicher Erfordernis.<\/li>\n<li>schliesslich die Einf\u00fchrung einer Schuldenbremse bei der AHV, sprich: wenn die Liquidit\u00e4t der Altersversicherung zur\u00fcckgeht, sollen die AHV-Beitr\u00e4ge erh\u00f6ht und die Renten nicht mehr den Lohn- und Preisentwicklungen angepasst werden (Abschaffung des Teuerungsausgleichs).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese sparpolitischen Massnahmen stellen einen massiven Angriff auf den indirekten Lohn der Arbeitenden dar, einerseits durch die direkte Senkung sozialstaatlicher Leistungen (die von unserem Lohn bezahlt werden!), andererseits durch die Erh\u00f6hung der Mehrwertsteuer, die in erster Linie Menschen mit tiefen Einkommen belastet. Sich gegen die Rentenreform zu wehren, heisst also auch, unser St\u00fcck vom Kuchen zu verteidigen \u2013 auch wenn und gerade weil wir noch nicht so weit sind, uns die ganze B\u00e4ckerei anzueignen!<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Nieder mit dem Arbeitsfrieden!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Tatsache, dass sich die Gewerkschaftsspitzen und prominente SP-Frauen wie Christiane Brunner und Ruth Dreifuss f\u00fcr die Rentenreform 2020 ausgesprochen haben, erschwert den Kampf gegen diese. Die Bef\u00fcrworter*innen argumentieren, dass in der AHV nach Jahrzehnten endlich ein Schritt nach vorne gemacht worden sei: Eine AHV-Rentenerh\u00f6hung von 70 Franken wurde in die Reform verpackt. Diese \u201eVerbesserung\u201c steht jedoch in keinem Vergleich zu den massiven Verschlechterungen, welche die Reform mit sich bringen wird. Dieser Kompromiss ist Ausdruck der sozialpartnerschaftlichen und arbeitsfriedlichen Politik der Gewerkschaftsspitzen. Eine Politik, die sich t\u00e4glich an den Arbeitspl\u00e4tzen manifestiert, wenn es um Betriebsschliessungen und Entlassungen geht. Kaum je wird versucht, die ganze Produktion und somit die Existenzgrundlage der Arbeiter*innen zu verteidigen. Daf\u00fcr werden Sozialpl\u00e4ne ausgehandelt, um die Entlassungen \u201esozialvertr\u00e4glich\u201c zu machen. Ein Kampf gegen die Rentenreform 2020 ist also auch ein Kampf gegen diese Logik des \u201ekleineren \u00dcbels\u201c!<\/p>\n<p>Die Rentenreform 2020 ist heute innerhalb der Gewerkschaften, in den Medien und im Alltag das bestimmende sozialpolitische Thema. Die Reform betrifft alle Lohnabh\u00e4ngigen und besch\u00e4ftigt viele unserer Arbeitskolleg*innen und Mitmenschen. Diese gesellschaftliche Diskussion ist zu nutzen, um grunds\u00e4tzliche Fragen zu stellen und m\u00f6gliche Perspektiven aufzuzeigen. Damit beschr\u00e4nken wir uns nicht bloss auf die Verteidigung des Bestehenden, sondern k\u00f6nnen unseren weitergehenden Positionen auch ausserhalb unseres \u00fcblichen Wirkungsfelds Geh\u00f6r verschaffen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.ajour-mag.ch\/warum-wir-gegen-die-rentenreform-2020-ankampfen-mussen\/\">ajour-mag.ch&#8230;<\/a> vom 22. Juni 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F. Montale.\u00a0Folgende Zeilen liefern keine detaillierte Analyse des Reformpaketes 2020, sondern sind ein Aufruf an die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte, die vom sozialdemokratischen Sozialminister Alain Berset<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,3],"tags":[8,45,42,17],"class_list":["post-2275","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnen","category-schweiz","tag-altersvorsorge","tag-neoliberalismus","tag-sozialdemokratie","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2275"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2276,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2275\/revisions\/2276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}