{"id":2357,"date":"2017-07-20T08:06:33","date_gmt":"2017-07-20T06:06:33","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2357"},"modified":"2017-07-20T08:06:33","modified_gmt":"2017-07-20T06:06:33","slug":"76-prozent-aller-amerikaner-befuerchten-einen-grossen-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2357","title":{"rendered":"76 Prozent aller Amerikaner bef\u00fcrchten einen gro\u00dfen Krieg"},"content":{"rendered":"<p><em>Bill Van Auken. <\/em>In der Kriegsfrage zeigt sich besonders deutlich die wachsende Kluft zwischen der breiten Masse der amerikanischen Bev\u00f6lkerung und dem herrschenden Establishment mit seinen beiden gro\u00dfen Parteien und den Mainstreammedien.<!--more--><\/p>\n<p>NBC ver\u00f6ffentlichte am Dienstag eine Umfrage, laut der 76 Prozent der amerikanischen Bev\u00f6lkerung bef\u00fcrchten, das Land k\u00f6nnte in den n\u00e4chsten vier Jahren in einen gr\u00f6\u00dferen Krieg gezogen werden. Die Daten zeigten, dass der Anteil der Amerikaner, die sich wegen der wachsenden Kriegsgefahr Sorgen machen, seit Februar um zehn Prozent gestiegen ist.<\/p>\n<p>Diese Bef\u00fcrchtung ist durchaus begr\u00fcndet. Seit Februar steht die amerikanische Bev\u00f6lkerung unter dem Eindruck einer unabl\u00e4ssigen hysterischen Hetzkampagne gegen Russland rund um den Vorwurf, Trump habe im Wahlkampf von der angeblichen Einflussnahme Russlands auf den Wahlprozess profitiert. Die treibende Kraft in dieser politischen und medialen Kampagne ist die Entschlossenheit des Milit\u00e4r- und Geheimdienstapparats, die milit\u00e4rische Konfrontation mit Russland, der zweitgr\u00f6\u00dften Atommacht der Welt, fortzusetzen und zu versch\u00e4rfen. Das Pentagon und die CIA betrachten Russland als Hindernis f\u00fcr die Versuche des US-Imperialismus, seine Hegemonie im Nahen Osten, Osteuropa und der ganzen Welt zu festigen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig inszeniert das Pentagon unabl\u00e4ssig Provokationen gegen China. Unter anderem dringen amerikanische Kriegsschiffe in chinesische Hoheitsgew\u00e4sser im S\u00fcdchinesischen Meer ein, Indien wird in seinem Grenzstreit mit China ermutigt, und in Taiwan und Japan wird die Aufr\u00fcstung unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Die Trump-Regierung hat derweil mehrfach mit milit\u00e4rischen Ma\u00dfnahmen gegen Nordkorea gedroht, zuletzt als Reaktion auf den angeblichen Test einer Interkontinentalrakete.<\/p>\n<p>Zweifellos haben weitere Ereignisse dazu gef\u00fchrt, dass seit Februar deutlich mehr Menschen den Ausbruch eines gro\u00dfen Kriegs bef\u00fcrchten. Im April griffen die USA Syrien mit Marschflugk\u00f6rpern an, sp\u00e4ter wurde ein syrisches Jagdflugzeug von einem amerikanischen Kampfflieger abgeschossen, und in Afghanistan wurde die so genannte MOAB abgeworfen, die gr\u00f6\u00dfte Waffe, die das US-Milit\u00e4r seit dem Atombombenangriff auf Hiroshima und Nagasaki 1945 eingesetzt hat.<\/p>\n<p>Die USA begehen ununterbrochen weltweit Kriegsverbrechen, auch wenn die unterw\u00fcrfigen Mainstreammedien dies vor der \u00d6ffentlichkeit gr\u00f6\u00dftenteils verbergen. Letzte Woche begann das Ausma\u00df des Massakers an Zivilisten in der Stadt Mossul ans Licht zu kommen, die von Truppen unter F\u00fchrung der USA belagert ist. Dort liegen vermutlich mindestens 7.000 Menschen unter Tr\u00fcmmern begraben.<\/p>\n<p>In Afghanistan hat die Zahl der get\u00f6teten Zivilisten in der ersten H\u00e4lfte des Jahres 2017 mit 1.662 Opfern in nur sechs Monaten den h\u00f6chsten Stand in dem seit sechzehn Jahren gef\u00fchrten Krieg erreicht. Die Zahl der get\u00f6teten Frauen stieg um dreiundzwanzig Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, die Zahl der get\u00f6teten Kinder um neun Prozent. Die Zahl der US-Luftangriffe stieg wieder auf den Stand, auf dem sie sich befand, als Obama erneut \u00fcber 100.000 US-Soldaten ins Land geschickt hatte.<\/p>\n<p>Gleichzeitig unterst\u00fctzt Washington verst\u00e4rkt den nahezu v\u00f6lkerm\u00f6rderischen saudischen Angriffskrieg gegen den Jemen, wo durch massive Luftangriffe mehr als 12.000 Menschen get\u00f6tet und die grundlegende Infrastruktur zerst\u00f6rt wurde, sodass eine Hungersnot und eine Cholera-Epidemie herrschen.<\/p>\n<p>Die Umfrage hat zwei diametral gegens\u00e4tzliche Prozesse enth\u00fcllt, die sich in den USA entwickeln. Einerseits ist der Krieg in der gro\u00dfen Mehrheit der amerikanischen Bev\u00f6lkerung zunehmend gef\u00fcrchtet und verhasst. Andererseits sind die US-Regierung und die herrschende Oligarchie, die sie repr\u00e4sentiert, immer entschlossener, eine noch gr\u00f6\u00dfere milit\u00e4rische Konfrontation zu provozieren.<\/p>\n<p>Nur vier Tage vor Ver\u00f6ffentlichung der NBC-Umfrage genehmigte das amerikanische Repr\u00e4sentantenhaus mit einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit beider Fraktionen einen Milit\u00e4retat von fast 700 Milliarden Dollar f\u00fcr die andauernden Kriege der USA und die Vorbereitung neuer. Diese Summe lag sogar noch \u00fcber Trumps Forderung.<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Strategiestudien des War College der US Army ver\u00f6ffentlichte vor kurzem eine \u201eRisikoeinsch\u00e4tzung f\u00fcr die Welt nach der Vorrangstellung\u201c, die einen Einblick in das Denken der Verantwortlichen f\u00fcr die eskalierende milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung bietet. Sie zitiert zwei \u201enegative Realit\u00e4ten\u201c, vor denen die USA und ihr Milit\u00e4r stehen: \u201eZum einen die zunehmende Verletzlichkeit, Erosion und, in einigen F\u00e4llen, der Verlust des milit\u00e4rischen Vorteils der USA gegen\u00fcber vielen der wichtigsten verteidigungsrelevanten Herausforderungen. Zum anderen die unbest\u00e4ndige und unsichere Umstrukturierung der internationalen Sicherheitslage, die zu wachsender Feindschaft gegen die unangefochtene F\u00fchrungsrolle der USA f\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Die Studie des US-Milit\u00e4rs erkl\u00e4rt, Washingtons strategische Ziele in einer Zeit \u201enach der Vorrangstellung der USA\u201c beinhalten die Sicherung des Zugangs der USA zu \u201estrategisch wichtigen Regionen, M\u00e4rkten und Rohstoffen\u201c und die Ausweitung des \u201emilit\u00e4rischen Vorteils und der Optionen der USA.\u201c Mit anderen Worten, der relative Niedergang der weltweiten Dominanz des US-Imperialismus soll mit milit\u00e4rischen Mitteln aufgehalten werden.<\/p>\n<p>Sie gibt zu, dass diese Strategie \u201ebetr\u00e4chtliche F\u00e4higkeiten des US-Milit\u00e4rs einer Reihe von &#8218;Kapazit\u00e4tstests&#8216; aussetzen wird, die entweder scheitern werden oder mit deutlichen Verlusten oder Kosten verbunden sind.\u201c Mit anderen Worten, die Zahl der amerikanischen Todesopfer in diesen Kriegen wird ein Ausma\u00df erreichen, wie es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erreicht wurde.<\/p>\n<p>Das Dokument geht implizit auch auf die Notwendigkeit ein, etwas gegen die \u00fcberw\u00e4ltigende Ablehnung gegen\u00fcber Krieg in der Bev\u00f6lkerung zu unternehmen: \u201eGleichzeitig werden die USA, der einzelne US-B\u00fcrger und die \u00f6ffentliche Meinung zunehmend zu Schlachtfeldern werden.\u201c<\/p>\n<p>Bisher war dieser Kampf relativ einseitig. Der Kriegskurs genie\u00dft \u00fcberw\u00e4ltigende Unterst\u00fctzung bei der Demokratischen und der Republikanischen Partei. Die Massenmedien haben sich zu Propagandaorganen des Pentagon und der CIA entwickelt.<\/p>\n<p>Eine Schicht von als \u201elinks\u201c geltenden politischen Organisationen und Medien, die in fr\u00fcheren Zeiten die Antikriegsstimmung vor den Karren der Demokratischen Partei gespannt haben, hat in diesem Kampf als neue Anh\u00e4ngerschaft f\u00fcr imperialistische Kriege politisch eine wichtige Rolle gespielt. Heute lehnen diese Elemente nicht nur jeden Protest gegen die Verbrechen des US-Milit\u00e4rs ab, sondern sind auch zu entschiedenen Verteidigern der US-imperialistischen Regimewechseloperationen in Libyen, Syrien, der Ukraine und vielen weiteren L\u00e4ndern geworden.<\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p>Die Wurzeln ihrer Politik liegen fest in den Interessen beg\u00fcterter Sektionen des Kleinb\u00fcrgertums, deren pers\u00f6nliches Verm\u00f6gen in gleichem Ausma\u00df gestiegen ist wie die Aktien- und Immobilienpreise. Gef\u00f6rdert durch den globalen Vormarsch des amerikanischen Militarismus.<\/p>\n<p>Die breite und tief verwurzelte Ablehnung gegen\u00fcber Krieg in den USA und auf der ganzen Welt kann im bestehenden politischen System keinen Ausdruck finden. [\u2026] Dies erfordert den Aufbau einer massenhaften Antikriegsbewegung, die sich auf die Arbeiterklasse st\u00fctzt und von einer internationalistischen und sozialistischen Perspektive geleitet wird.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/07\/20\/pers-j20.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 20. Juli 2017 mit zwei K\u00fcrzungen durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bill Van Auken. 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