{"id":2359,"date":"2017-07-20T08:18:25","date_gmt":"2017-07-20T06:18:25","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2359"},"modified":"2017-07-20T08:18:25","modified_gmt":"2017-07-20T06:18:25","slug":"deutschland-niedrigloehner-waehlen-linkspartei-afd-oder-gar-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2359","title":{"rendered":"Deutschland: Niedrigl\u00f6hner w\u00e4hlen Linkspartei, AfD oder gar nicht"},"content":{"rendered":"<p><em>Ben Mendelson<\/em>. Union und SPD werden sich nicht nur inhaltlich immer \u00e4hnlicher. Auch die Struktur ihrer W\u00e4hler hat sich stetig angeglichen. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch vom Deutschen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW)<!--more--> in Berlin vorgestellte Studie. Dennoch h\u00e4tten sich die Anh\u00e4nger der etablierten Parteien stark ver\u00e4ndert. Neben Nettoeinkommen, Erwerbsstatus, Stellung und Berufsausbildung analysierten die Forscher die gr\u00f6\u00dften Sorgen der W\u00e4hler. Ebenda liegen auch noch gro\u00dfe Unterschiede zwischen den Parteien.<\/p>\n<p>Studienverfasser Alexander Kritikos sagte am Mittwoch, vor allem bei der SPD-Anh\u00e4ngerschaft gebe es \u00bbmassive Verschiebungen\u00ab: Sie sei keine Arbeiterpartei mehr, sondern eher eine \u00bbRentner- und Angestelltenpartei\u00ab. Der wesentliche Unterschied zwischen den W\u00e4hlern von SPD und Union sei, dass in den l\u00e4ndlichen Gebieten und kleineren St\u00e4dten mehr CDU\/CSU- und AfD-W\u00e4hler lebten, w\u00e4hrend in Gro\u00dfst\u00e4dten eher links gew\u00e4hlt werde. \u00bbIn allen anderen Bereichen\u00ab h\u00e4tten sich die Klientel der ehemaligen Volksparteien \u00bbsehr stark angeglichen\u00ab, meinte Kritikos.<\/p>\n<p>Das Pr\u00e4dikat \u00bbArbeiterpartei\u00ab lie\u00dfe sich demnach eher der AfD zuschreiben: Zumindest ist laut der DIW-Studie jeder dritte AfD-W\u00e4hler ein klassischer Werkt\u00e4tiger \u2013 bei der Linkspartei sei es nur knapp jeder f\u00fcnfte. Einzig bei den Nichtw\u00e4hlern finde man noch mehr Arbeiter, dort sei auch der Anteil der Besch\u00e4ftigten mit einfachen T\u00e4tigkeiten am h\u00f6chsten, bemerkte der Koautor der Studie, Karl Brenke.<\/p>\n<p>Insgesamt finden sich unter den Nichtw\u00e4hlern laut der Studie vor allem wirtschaftlich Abgeh\u00e4ngte: Sie h\u00e4tten doppelt so oft keine Berufsausbildung und keinen Hochschulabschluss wie der gesellschaftliche Durchschnitt. Zudem gingen \u00fcberproportional viele junge Wahlberechtigte nicht w\u00e4hlen. Und: Wer bei der letzten Wahl nicht gew\u00e4hlt habe, werde mit etwa 90prozentiger Wahrscheinlichkeit im September erneut nicht an die Urne gehen. Vom \u00bbEinkommenswachstum der letzten 15 Jahre\u00ab h\u00e4tten Nichtw\u00e4hler kaum profitiert, schreiben die Verfasser der Studie in ihrer Einleitung. Im Vergleich mit anderen W\u00e4hlergruppen verf\u00fcgten sie \u00fcber die niedrigsten Haushaltseinkommen: im Durchschnitt 2.462 Euro pro Monat. Linkspartei-W\u00e4hler (2.542 Euro) und Unentschlossene (2.611 Euro) geh\u00f6rten zu den schlechter Verdienenden. An den politischen R\u00e4ndern sei die Zufriedenheit mit der eigenen materiellen Lage am geringsten.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Einkommensstatistik stehen \u2013 wenig \u00fcberraschend \u2013 Anh\u00e4nger der FDP mit einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von 3.901 Euro. Immerhin haben 80 Prozent der FDP-W\u00e4hler scheinbar auch eine gute Selbsteinsch\u00e4tzung und halten ihre pers\u00f6nliche wirtschaftliche Lage f\u00fcr gut. Bei AfD- und Nichtw\u00e4hlern denken das nur etwa 50 Prozent der Befragten. Brenke merkte allerdings an, dass es bei allen Parteien einen erheblichen Anteil an Besserverdienenden sowie gro\u00dfe Einkommensunterschiede innerhalb der Anh\u00e4ngerschaften gebe.<\/p>\n<p>Den mit Abstand gr\u00f6\u00dften Anteil an Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst haben mit 40 Prozent die Gr\u00fcnen-Anh\u00e4nger. Der durchschnittliche Gr\u00fcnen-W\u00e4hler war 2016 acht Jahre \u00e4lter als 2000. Daraus schlussfolgerte Kritikos, dass die gr\u00fcne Klientel mit ihrer Partei gealtert sei. Der Anteil der Rentner an den W\u00e4hlern der Partei habe sich demzufolge mehr als vervierfacht. So etwas habe nat\u00fcrlich Auswirkungen auf die gesamte Struktur der Partei, sagte Brenke. Ob daraus auch eine inhaltlich k\u00e4mpferische Aufstellung der B\u00fcndnisgr\u00fcnen in der Rentenpolitik resultieren k\u00f6nnte, bleibe abzuwarten.<\/p>\n<p>W\u00e4hler der Linkspartei, der AfD und Nichtw\u00e4hler sind laut der Studie besonders h\u00e4ufig der Meinung, dass sie keinen gerechten Anteil am Lebensstandard erhalten. Ebenso sind vor allem Anh\u00e4nger der Linken und der Rechtspopulisten davon \u00fcberzeugt, dass es in der BRD ungerecht zugeht und die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit nicht gelingt. Auffallend ist, dass laut der DIW-Untersuchung in der Gesellschaft insgesamt die Meinung \u00fcberwiegt, es gehe ungerecht zu.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend wurden die Personen zu ausgew\u00e4hlten Aspekten befragt: Kriege, Kriminalit\u00e4t und Fremdenhass waren demnach die besorgniserregendsten Themen. Allerdings wurden die Interviews hierzu bereits 2015 durchgef\u00fchrt und haben deshalb nur bedingt eine aktuelle Aussagekraft. Auff\u00e4llig sei aber, dass Linkspartei- und AfD-W\u00e4hler sich insgesamt h\u00e4ufiger Sorgen machten. Im Durchschnitt machten sich die Deutschen aber relativ wenige Sorgen, was den regierenden Parteien in die Karten spiele. Die Anh\u00e4nger der AfD hingegen seien generell \u00bbbei fast allen Themen\u00ab besorgt gewesen \u2013 au\u00dfer in den Bereichen Umweltschutz, Klimawandel und Fremdenhass<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/314759.reiche-unter-sich.html\">jungewelt.de&#8230;<\/a> vom 20. Juli 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ben Mendelson. Union und SPD werden sich nicht nur inhaltlich immer \u00e4hnlicher. Auch die Struktur ihrer W\u00e4hler hat sich stetig angeglichen. 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