{"id":2396,"date":"2017-08-09T09:19:50","date_gmt":"2017-08-09T07:19:50","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2396"},"modified":"2017-11-10T16:07:35","modified_gmt":"2017-11-10T14:07:35","slug":"eine-aufforderung-heute-lenin-zu-lesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2396","title":{"rendered":"Eine Aufforderung, heute Lenin zu lesen"},"content":{"rendered":"<p><em>G\u00fcnther Stamer.<\/em> &#8222;Lenins Imperialismustheorie, geschrieben vor nunmehr einhundert Jahren, hatte klar vor Augen, dass das relativ privilegierte Leben der Lohnarbeiterschaft in den kapitalistischen Metropolen ma\u00dfgeblich den geradezu m\u00e4rchenhaften Profiten <!--more-->geschuldet war, die durch die au\u00dfereurop\u00e4ische Kolonialherrschaft\u00a0erwirtschaftet und in die europ\u00e4ischen Herrenl\u00e4nder zur\u00fcck geschleust wurden. Aber wer liest heute noch Lenin?&#8220; stellt bedauernd Stephan Lessenich, Direktor des Instituts f\u00fcr Soziologie an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen und Ko-Vorsitzender der Partei &#8218;<a href=\"https:\/\/www.zeitzuhandeln-bayern.de\/\">mut<\/a>&#8218; in seinem aktuellen Buch &#8222;Neben uns die Sintflut&#8220; fest.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p>Das zu \u00e4ndern, hat der Berliner &#8222;Verlag 8. Mai&#8220; eine\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kommunisten.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=6926:qaber-wer-liest-heute-noch-leninq&amp;catid=106:literatur-und-kunst&amp;Itemid=256#Neuausgabe\">kritische Neuausgabe<\/a>\u00a0von Lenins &#8222;Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus&#8220; herausgebracht (im Folgenden zitiert mit K.N.). Neben dem 127 Seiten Lenin-Text beleuchten zwei einleitende Essays aus unterschiedlichem Blickwinkel die Aktualit\u00e4t dieses Werkes. Dar\u00fcber hinaus ist der vorz\u00fcgliche Herausgeberkommentar hervor zu heben, der Lenins Text in den historischen und theoriegeschichtlichen Zusammenhang stellt und die Editionsgeschichte und Wirkung bis in die Gegenwart verfolgt. Ein ausf\u00fchrlicher Registerteil und zahlreiche Abbildungen \u2013 darunter erstmalig ver\u00f6ffentlichte Illustrationen aus Moskauer und Z\u00fcrcher Archiven &#8211; sorgen f\u00fcr eine hohe Anschaulichkeit. Insgesamt erh\u00e4lt man beim Kauf dieser Neuausgabe ein ansehnliches 360 Seiten dickes lese-und studierfreundliches Buch, dass seine 25 Euro allemal wert ist.<\/p>\n<p><strong>Lenin analysiert die neue Etappe der kapitalistischen Entwicklung<\/strong><\/p>\n<p>Im August 1917, ein Jahr nachdem Lenin das Manuskript in seinem Z\u00fcricher Exil abgeschlossen hatte, kann das Buch endlich erscheinen. Die b\u00fcrgerlich-demokratische Februarrevolution in Russland schuf noch w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs die M\u00f6glichkeit der Publikation dieses Werkes, das zum Verst\u00e4ndnis der Ursachen eben dieses Krieges entscheidend beitragen sollte. &#8222;Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus&#8220; wurde seither zu einem der Leninschen &#8222;Bestseller&#8220; und spielt auch nach 100 Jahren im heutigen polit-\u00f6konomischen Globalisierungs-Diskurs eine gewichtige Rolle.<\/p>\n<p>Zur historischen Einordnung: Sp\u00e4testens ab Ende der 1890er Jahre gab es in der Sozialistischen Internationale eine lebhafte Theoriedebatte zu zentralen zeitgen\u00f6ssischen Ph\u00e4nomenen wie der chronischen \u00dcberproduktion, der wachsenden R\u00fcstungsproduktion, der kolonialen Expansion und Ausbeutung \u2013 vor allem aber wurde \u00fcber die wachsende Rolle der Monopole und des Finanzkapitals in den entwickelten kapitalistischen Staaten gestritten. Zu den Autorinnen und Autoren, die analytische Beitr\u00e4ge zur &#8222;Weltpolitik&#8220; und zum &#8222;Weltmarkt&#8220; &#8211; der Begriff Imperialismus war um 1900 noch nicht Allgemeingut &#8211; vorlegten, z\u00e4hlten u.a. der britische \u00d6konom John Hobson und der russische Wirtschaftstheoretiker und Revolution\u00e4r Nikolai Bucharin sowie im deutschsprachigen Raum Werner Sombart, Rudolf Hilferding, Karl Kautsky und Rosa Luxemburg.<\/p>\n<p>Lenin kommt in seiner Imperialismus-Analyse zu der Schlussfolgerung, dass mit dem \u00dcbergang zum monopolistischen Kapitalismus dieser in ein neues Entwicklungsstadium eingetreten ist. &#8222;Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die gr\u00f6\u00dften kapitalistischen L\u00e4nder abgeschlossen ist&#8220; (K.N. S. 128).<\/p>\n<p>Lenins politische Schlussfolgerung lautet: Im imperialistischen Stadium verst\u00e4rkt sich die Ungleichm\u00e4\u00dfigkeit\u00a0der \u00f6konomischen Entwicklung zwischen den Monopolen und Staaten und m\u00fcndet unweigerlich im Kampf um eine immer neu entbrennende Aufteilung der Welt in \u00f6konomische Herrschafts- und Einflusssph\u00e4ren \u2013 bis hin zu imperialistischen Kriegen.<\/p>\n<p>Hierin stand Lenin in schroffem Widerspruch zu Positionen zu anderen &#8222;Imperialismustheoretikern&#8220; wie beispielsweise Hilferding und Kautsky, die Anfang des 20. Jahrhunderts noch durch die Herausbildung weltweit agierender Monopole und eines &#8222;organisierten Weltkapitalismus&#8220; eine Verringerung der Kriegsgefahr prognostizierten.<\/p>\n<p>So pr\u00e4gte Kautsky f\u00fcr die historische Tendenz der Internationalisierung des Kapitals und deren Auswirkungen auf die zwischenimperialistischen Beziehungen den Begriff &#8222;Ultraimperialismus&#8220;.&#8220;Abstrakt&#8220; k\u00f6nne man sich zwar eine Phase des &#8222;Ultraimperialismus&#8220; denken, meinte Lenin, doch bevor es dazu komme, m\u00fcsse der Imperialismus infolge der Widerspr\u00fcche, Konflikte und Ersch\u00fctterungen unweigerlich bersten (W. I. Lenin, Werke, Band 22, S. 106).<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht ist der Kritik Lenins zum damaligen Zeitpunkt zuzustimmen, hat doch die Entwicklung des Kapitalismus im 20. Jahrhundert zu zwei Weltkriegen gef\u00fchrt. Aber man sollte Kautsky insofern Gerechtigkeit widerfahren lassen, als dass er in der zunehmenden Verflechtung und Globalisierung der Interessen der imperialistischen Hauptm\u00e4chte eine &#8222;M\u00f6glichkeit&#8220; der Minderung einer Weltkriegsgefahr sah: &#8222;Er (der Weltkrieg &#8211; gst) kann die schwachen Keime des Ultraimperialismus v\u00f6llig zertreten, indem er den nationalen Hass auch der Finanzkapitalisten aufs h\u00f6chste steigert, das Wettr\u00fcsten weitertreibt, einen zweiten Weltkrieg unvermeidlich macht &#8230; Aber der Krieg kann auch anders enden. Er kann in einer Weise ausgehen, die die schwachen Keime des Ultraimperialismus erstarken l\u00e4sst.&#8220; (Karl Kautsky 1915).<\/p>\n<p>In einer l\u00e4ngeren Perspektive, bezogen auf die Periode nach dem Zweiten Weltkrieg sind die \u00dcberlegungen zum Ultraimperialismus durchaus von Aktualit\u00e4t. Die \u00f6konomischen und politischen Verflechtungen zwischen den imperialistischen Zentren und die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verb\u00fcndete Finanzkapital haben einen solchen Stand erreicht, dass ein erneuter &#8222;milit\u00e4rischer Weltkrieg&#8220; zur Neuaufteilung der Welt und ihrer M\u00e4rkte wenig wahrscheinlich ist.<\/p>\n<p>Nebenbei angemerkt: Lenin war sich in seinem Buch durchaus bewusst, dass auch er &#8222;nur&#8220; eine &#8222;aktuelle&#8220; Imperialismus-Analyse erstellt hatte. So erf\u00e4hrt der\u00a0Leser in der jetzt ver\u00f6ffentlichten Neuausgabe, dass das Buch im Original den Titel &#8222;Der Imperialismus als neueste Etappe des Imperialismus&#8220; trug und der nunmehr gel\u00e4ufige Titel erst nach Lenins Tod gebr\u00e4uchlich wurde und den Hang zur Kanonisierung (im Sinne: &#8222;mit Lenins Werk ist alles \u00fcber den Imperialismus gesagt&#8220;) beigetragen hat. Bis 1934 erschien der Lenin-Text unter &#8222;Der Imperialismus als j\u00fcngste Etappe des Kapitalismus&#8220;; erst danach wurde der Titel ge\u00e4ndert und erschien bei der Verlagsgenossenschaft ausl\u00e4ndischer Arbeiter in der UdSSR, Moskau als &#8222;Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus.&#8220;<\/p>\n<p>Schon vor 250 Jahren wusste der gro\u00dfe deutsche Aufkl\u00e4rer Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799): &#8222;Man muss zuweilen wieder die W\u00f6rter untersuchen, denn die Welt kann wegr\u00fccken, und die W\u00f6rter bleiben stehen. Also immer Sachen und keine W\u00f6rter! Denn sogar die W\u00f6rter &#8218;unendlich&#8216;, &#8218;ewig&#8216;, &#8218;immer&#8216; haben ja ihre Bedeutung verloren.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Lenin und Bernhard Harms vom Kieler Institut f\u00fcr Weltwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr sein Imperialismus-Buch betrieb Lenin umfangreiche Studien in der Z\u00fcricher Bibliothek. Die &#8222;Hefte zum Imperialismus&#8220; (Lenin Werke Band 39) dokumentieren Ausz\u00fcge aus 148 B\u00fcchern und 232 Artikeln aus Pressever\u00f6ffentlichungen, die Lenin als Vorarbeit zu seinem Buch studiert und konspektiert hat. Hierin w\u00fcrdigt er viele Erkenntnisse b\u00fcrgerlicher Wissenschaftler zu Einzelaspekten der aktuellen Erscheinungsformen des Kapitalismus. Zu diesen von Lenin wertgesch\u00e4tzten Pers\u00f6nlichkeiten z\u00e4hlt auch Bernhard Harms vom Kieler Institut f\u00fcr Weltwirtschaft. So konspektiert er seitenlang aus Harms&#8216; grundlegendem Werk &#8222;Volkswirtschaft und Weltwirtschaft. Versuch der Begr\u00fcndung einer Weltwirtschaftslehre&#8220;, das 1912 ver\u00f6ffentlicht worden war.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>Bernhard Harms (1876-1939) kn\u00fcpft bei seinen \u00dcberlegungen zur Weltwirtschaft an den deutschen National\u00f6konomen Friedrich List (1789-1846) an, dessen Hauptwerk &#8222;Das nationale System der politischen \u00d6konomie&#8220; 1841 erschienen war. F\u00fcr List sind die Klassiker Adam Smith und David Ricardo mit ihren \u00f6konomischen Theorien zu statisch. List interessiert demgegen\u00fcber der Entwicklungsgedanke, die bewegenden Kr\u00e4fte des \u00f6konomischen Fortschritts. Der Begriff &#8222;Produktivkr\u00e4fte&#8220; ist dabei ein Schl\u00fcsselbegriff von ihm. F\u00fcnfundzwanzig Jahre sp\u00e4ter sollte Marx diesen Begriff in seinem &#8222;Kapital&#8220; endg\u00fcltig als zentrale \u00f6konomische Kategorie etablieren.<\/p>\n<p>An Lists \u00dcberlegungen ankn\u00fcpfend legt Harms in &#8222;Volkswirtschaft und Weltwirtschaft&#8220; datenreich dar, wie die nationalen Volkswirtschaften sich hin zu einer Weltwirtschaft entwickeln. &#8222;Weltwirtschaft ist der gesamte Inbegriff der durch hochentwickeltes Verkehrswesen erm\u00f6glichten und durch staatliche internationale Vertr\u00e4ge sowohl geregelten wie gef\u00f6rderten Beziehungen und deren Wechselwirkungen zwischen den Einzelwirtschaften der Erde&#8220; (S. 106).<\/p>\n<p>Harms unterstreicht besonders die revolution\u00e4re Rolle der internationalen Verkehrsmittel und der Telegraphie. Harms belegt dies mit Zahlen zum Seetransport nach Er\u00f6ffnung des Suez- und Panamakanals, und des Ausbaus der \u00dcberland-Eisenbahnen (Nord-und S\u00fcdamerika, Trans-Sibirische-Eisenbahn, China).<\/p>\n<p>&#8222;Um eine W\u00fcrdigung der Telegraphie f\u00fcr den Weltverkehr einzutreten, darf ohne weiteres behauptet werden, da\u00df das internationale, vor allem das \u00dcberseegesch\u00e4ft weder durch die Fortschritte des Seeverkehrs noch durch das Eisenbahnwesen so sehr beeinflu\u00dft worden ist, wie durch die elektrische Nachrichten\u00fcbertragung. Das ganze internationale Handelsgesch\u00e4ft hat durch das Kabelwesen einen neuen Charakter angenommen, denn f\u00fcr die gro\u00dfen Zentralprodukten-B\u00f6rsen wurde erst hierdurch die Grundlage geschaffen. (S.141\/43).<\/p>\n<p><strong>Lenins Analyse noch aktuell oder sind wir schon auf dem Weg zum &#8222;Postkapitalismus&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2000 ver\u00f6ffentlichten Michael Hardt und Antonio Negri ein unter Linken viel diskutiertes Buch, das in der Schlussfolgerung zum Urteil kam, dass die Leninsche Gesellschaftsanalyse mittlerweile \u00fcberholt sei. In &#8222;Empire&#8220;<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> beschreiben die Autoren ein abstraktes Weltkapital das ein Weltimperium beherrscht. Staatenb\u00fcndnisse oder Nationalstaaten mit ihren eingebundenen Kapitalfraktionen spielen in diesem theoretischen Geb\u00e4ude keine Rolle mehr. Doch sp\u00e4testens mit dem Finanzcrash in der westlichen Kapitalwelt (2007\/08) erlebte die marxistische Kapitalismuskritik eine unverhoffte Renaissance (bei linken Kapitalismuskritikern und vor allem auch in den linksb\u00fcrgerlichen Feuilletons). Dabei berief man sich dann ausgiebig auf Marx &#8211;\u00a0 und ignorierte weitgehend Lenins Analyse.<\/p>\n<p>Wenn man in die drei Jahre vor Lenins Schrift verfasste Imperialismusanalyse von Rosa Luxemburg (&#8222;Die Akkumulation des Kapitals&#8220;) hineinschaut, so reibt man sich vor dem Hintergrund des gegenw\u00e4rtigen Fl\u00fcchtlingselends \u2013 als einem Bestandteil des realen Imperialismus &#8211; ob der zutreffenden Analyse verwundert die Augen: &#8222;Das Kennzeichen des Imperialismus ist nicht blo\u00df die besondere Energie und Allseitigkeit der Expansion, sondern das Zur\u00fcckschlagen aus den Gebieten, die ihr Objekt darstellen, in ihre Ursprungsl\u00e4nder. Der Imperialismus f\u00fchrt damit die Katastrophe als Daseinsform aus der Peripherie der kapitalistischen Entwicklung nach ihrem Ausgangspunkt zur\u00fcck.&#8220;( zit. nach K.N. S. 29)<\/p>\n<p>Und Lessenich fasst das in seinem eingangs zitierten Buch folgenderma\u00dfen treffend zusammen: &#8222;Es gibt in einem strengen Sinne gar keine gesellschaftlichen &#8218;Binnenverh\u00e4ltnisse&#8216; und somit auch keine gesellschaftlichen &#8218;Au\u00dfenverh\u00e4ltnisse&#8216; mehr. Was es allein gibt, sind asymmetrische Weltinnenverh\u00e4ltnisse: eine globale Lebenswelt, die durch miteinander in Beziehung stehende Ungleichheiten strukturiert ist, und lokale Sozialr\u00e4ume, deren Ungleichheitsstrukturen weltgesellschaftlich eingebettet sind..&#8220; (Lessenich, S. 54\/55).<\/p>\n<p>Der linke Querdenker Dietmar Dath (der regelm\u00e4\u00dfig sowohl in der jungen welt wie in der Frankfurter Allgemeinen ver\u00f6ffentlicht) hat vor einigen Jahren ein kleines Buch ver\u00f6ffentlicht, in das es von Zeit zu Zeit immer mal wieder hinein zu schauen lohnt<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>. Dort hei\u00dft es u.a.: &#8222;Wichtigste Daumenregel f\u00fcr t\u00e4tige politische Vernunft im einundzwanzigsten Jahrhundert, ob nun im Kampf um Fl\u00fcchtlings- und andere Weltb\u00fcrgerrechte, gegen transnationale Konzerne, gegen den Militarismus, gegen das mediale Spektakel oder einfach den Imperialismus in allen seinen Erscheinungsformen: Praktische Unterst\u00fctzung verdienen nur diejenigen Formen des Antikapitalismus, die nicht vorkapitalistische Zust\u00e4nde wiederherstellen wollen. Tribalistische, v\u00f6lkische, rassistische, religi\u00f6se Attacken aufs Bestehende, Rebellionen, die nach Dorfgemeinschaft, Scholle, Urkommunismus oder \u00fcberhaupt der Zeit vor der entwickelten Arbeitsteilung stinken, versch\u00e4rfen den katastrophischen Zerfall einer Weltgesellschaft, die das Kapital erst bewusstlos hergestellt hat und die es jetzt ebenso blindlings zerst\u00f6rt. (S. 84\/85).<\/p>\n<p><em>Wladimir Iljitsch Lenin, Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus. Gemeinverst\u00e4ndlicher Abriss. Kritische Neuausgabe mit\u00a0 Essays von Dietmar Dath und Christoph T\u00fcrcke. Herausgegeben von Wladislaw Hedeler und Volker K\u00fclow. 357 S., Zahlreiche Illustrationen, Fadenheftung. Verlag 8. Mai, Berlin 2016, 24,90 \u20ac<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.kommunisten.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=6926:qaber-wer-liest-heute-noch-leninq&amp;catid=106:literatur-und-kunst&amp;Itemid=256\">kommunisten.de&#8230;<\/a> vom 9. August 2017<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Stephan Lessenich: Neben uns die Sintflut \u2013 Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis. Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2016.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Bernhard Harms: Volkswirtschaft und Weltwirtschaft. Versuch der Begr\u00fcndung einer Weltwirtschaftslehre. Jena 1912.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Michael Hardt, Antonio Negri: Empire. Die neue Weltordnung. Campus Verlag, Frankfurt\/Main 2002.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Dietmar Dath: Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift. Suhrkamp Verlag, Frankfurt\/Main 2008.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fcnther Stamer. &#8222;Lenins Imperialismustheorie, geschrieben vor nunmehr einhundert Jahren, hatte klar vor Augen, dass das relativ privilegierte Leben der Lohnarbeiterschaft in den kapitalistischen Metropolen ma\u00dfgeblich den geradezu m\u00e4rchenhaften Profiten <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[18,12,38],"class_list":["post-2396","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-imperialismus","tag-lenin","tag-russische-revolution"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2396"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2396\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2397,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2396\/revisions\/2397"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}