{"id":2450,"date":"2017-08-25T10:30:24","date_gmt":"2017-08-25T08:30:24","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2450"},"modified":"2018-01-19T17:55:56","modified_gmt":"2018-01-19T15:55:56","slug":"ungleichheit-waechst-40-prozent-verdienen-weniger-als-vor-20-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2450","title":{"rendered":"Ungleichheit w\u00e4chst: 40 Prozent verdienen weniger als vor 20 Jahren"},"content":{"rendered":"<p><em>Marianne Arens. <\/em><strong>In Deutschland verdienen vierzig Prozent der Besch\u00e4ftigten weniger als vor zwanzig Jahren. Das geht aus einem Papier des Bundesarbeitsministeriums hervor, das diese Woche an die \u00d6ffentlichkeit gelangte.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Danach waren die realen Bruttostundenl\u00f6hne der \u201eunteren 40 Prozent\u201c im Jahr 2015 bis zu 7 Prozent niedriger als 1995, w\u00e4hrend die L\u00f6hne der \u201eoberen 60 Prozent\u201c Zuw\u00e4chse bis zu 10 Prozent verzeichneten. Die Schere bei den L\u00f6hnen ging also deutlich auseinander.<\/p>\n<p>Noch krasser ist der Unterschied bei den Haushaltsnettoeinkommen. Haushalte mit niedrigen Einkommen erlitten zwischen 1991 und 2014 reale Einkommenseinbu\u00dfen von 5 bis 10 Prozent. Haushalte mit hohen Einkommen erzielten dagegen reale Einkommenszuw\u00e4chse von \u00fcber 25 Prozent.<\/p>\n<p>Die Lohnungleichheit hat \u201ebis zum Jahr 2010 deutlich zugenommen und verharrt seither auf einem historisch hohen Niveau\u201c, hei\u00dft es in dem Papier. W\u00e4hrend \u201eGutverdiener und Kapitalbesitzer deutliche Einkommenszuw\u00e4chse verbuchen\u201c, haben die L\u00f6hne der Geringverdiener in den letzten zwanzig Jahren abgenommen.<\/p>\n<p>Insgesamt sind die Stundenl\u00f6hne, gemessen an ihrer Kaufkraft, in der Zeit zwischen 1996 und 2007 gleichgeblieben, obwohl sich die Arbeitsproduktivit\u00e4t im gleichen Zeitraum um 20 Prozent erh\u00f6ht hat. Profitiert haben ausschlie\u00dflich Unternehmer und Kapitalbesitzer.<\/p>\n<p>Die wachsende Lohnungleichheit ist verbunden mit einer massiven Ausweitung des Niedriglohnsektors. Verdienten Mitte der 1990er Jahre noch etwa 16 Prozent der Besch\u00e4ftigten weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns, liegt dieser Anteil seit dem Jahr 2006 ziemlich konstant bei etwa 22 Prozent. Das bedeutet, dass \u00fcber ein F\u00fcnftel aller Besch\u00e4ftigten f\u00fcr weniger als 10 Euro in der Stunde arbeiten.<\/p>\n<p>Die Daten best\u00e4tigen, was die Sozialistische Gleichheitspartei (SGP) in ihrem\u00a0<a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/08\/23\/wahl-a23.html\"><strong>Wahlkampf<\/strong><\/a>\u00a0tagt\u00e4glich vor Ort erf\u00e4hrt. Immer wieder berichten Betroffene \u00fcber die miserablen Arbeitsbedingungen bei Paketdiensten und Onlineh\u00e4ndlern wie Amazon oder Zalando, in Call-Centern, in Flugh\u00e4fen oder am Bau. Zeitarbeiter erz\u00e4hlen \u00fcber prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse und Niedrigl\u00f6hne. Studierende klagen \u00fcber den Stress, dem sie durch das st\u00e4ndige, schlecht bezahlte Jobben neben dem Studium ausgesetzt sind. Ganz zu schweigen von den Rentnern, Arbeitslosen und Alleinerziehenden, die tagt\u00e4glich k\u00e4mpfen m\u00fcssen, um \u00fcber die Runden zu kommen.<\/p>\n<p>[\u2026] Das Papier aus dem Wirtschaftsministerium, das von der SPD-Politikerin Brigitte Zypries gef\u00fchrt wird, ist ein verheerendes Urteil \u00fcber ihre eigene Partei. W\u00e4hrend der vergangenen 19 Jahre war die SPD 14 Jahre lang Mitglied der Bundesregierung. Sieben Jahre lang stellte sie den Bundeskanzler. W\u00e4hrend der gesamten 14 Jahre war sie f\u00fcr das Arbeitsministerium verantwortlich. Alle Gesetze, die zur Senkung der L\u00f6hne, zur Erh\u00f6hung des Rentenalters und zur Herausbildung eines riesigen Niedriglohnsektors gef\u00fchrt haben, tragen ihre Unterschrift.<\/p>\n<p>Vor allem die Agenda 2010 von SPD-Kanzler Gehard Schr\u00f6der hat daf\u00fcr gesorgt, dass Arbeiterinnen und Arbeiter zu immer schlechteren und entw\u00fcrdigenderen Bedingungen arbeiten m\u00fcssen, um nicht in der Hartz-IV-Falle zu enden. Gleichzeitig hat die Regierung Schr\u00f6der mit einer umfassenden Steuerreform die hohen Einkommen und Verm\u00f6gen entlastet und so zur massiven Umverteilung von unten nach oben beigetragen.<\/p>\n<p>Dabei untertreibt das Papier des Wirtschaftsministeriums die Lage noch. Selbst das Finanzblatt\u00a0<em>Financial Times<\/em>, das nicht gerade als Freund der Armen gilt, hat unter der \u00dcberschrift \u201eDie verborgene Spaltung in Europas reichstem Land\u201c \u00fcber die gro\u00dfe \u201eUngleichheit zwischen Arm und Reich\u201c berichtet, die f\u00fcr viele Deutsche ein Problem darstelle und eine Schl\u00fcsselfrage im Bundestagswahlkampf sei.<\/p>\n<p>Beim Haushalteinkommen liege die Ungleichheit in Deutschland nahe dem EU-Durchschnitt, schreibt die\u00a0<em>FT<\/em>. \u201eAber beim Verm\u00f6gen ist Deutschland wesentlich ungleicher als ihre Partner in der EU. Die reicheren Haushalte kontrollieren einen gr\u00f6\u00dferen Verm\u00f6gensanteil als in den meisten anderen westeurop\u00e4ischen Staaten. Die \u00e4rmsten 40 Prozent der Deutschen haben so gut wie kein Verm\u00f6gen, nicht einmal Sparguthaben.\u201c<\/p>\n<p>Auch bei Bildung und Gesundheit, so die\u00a0<em>FT<\/em>, gebe es \u201eeine tiefe Spaltung zwischen Reich und Arm, die in Deutschland gr\u00f6\u00dfer ist als der EU-Durchschnitt\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr die\u00a0<em>FT<\/em>\u00a0steht au\u00dfer Frage, dass der R\u00fcckgang der Arbeitslosen- und der Anstieg der Besch\u00e4ftigtenzahlen lediglich die Kehrseite einer \u201eErh\u00f6hung der \u201aMini\u2018-Jobs, kaum regulierter Teilzeitstellen, von 4,1 Millionen im Jahr 2002 auf 7,5 Millionen in diesem Jahr\u201c ist. W\u00e4hrend Bef\u00fcrworter die neuen Jobchancen lobten, kritisierten Gegner, die Mini-Jobs h\u00e4tten Vollzeitarbeitspl\u00e4tze verdr\u00e4ngt und sich als \u201eSackgasse\u201c f\u00fcr Arbeiter erwiesen, schreibt die\u00a0<em>FT<\/em>.<\/p>\n<p>Der SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz sei sich des Problems bewusst, umgehe die Frage aber sorgf\u00e4ltig. Sein Wahlversprechen zum Thema Ungleichheit beschr\u00e4nke sich darauf, \u201edie Steuern f\u00fcr gut Bezahlte zu erh\u00f6hen um Steuersenkungen f\u00fcr mittlere und untere Einkommen zu finanzieren\u201c.<\/p>\n<p>Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries versucht nun, Schulz etwas unter die Arme zu greifen. Ihr Ministerium hat \u201eein Zehn-Punkte-Plan f\u00fcr inklusives Wachstum\u201c ver\u00f6ffentlicht, der das Problem der wachsenden sozialen Ungleichheit zumindest anspricht. \u201eDer wirtschaftliche Erfolg spiegelt sich in der Lebenswirklichkeit zahlreicher Menschen nicht wider\u201c, hei\u00dft es am Anfang.<\/p>\n<p>Was dann kommt, ist allerdings eine Fortsetzung von Schr\u00f6ders Agenda-Politik. Kein Hartz-Gesetz wird zur\u00fcckgenommen. Stattdessen wirbt das Papier f\u00fcr Wirtschaftsf\u00f6rderung, flexible Arbeitszeiten, Freihandel und ein \u201ewachstumsf\u00f6rderndes\u201c Steuersystem.<\/p>\n<p>Nach zwei Jahrzehnten Erfahrung glaubt der SPD ohnehin niemand mehr, wenn sie in Wahlreden und auf Wahlplakaten mehr \u201esoziale Gerechtigkeit\u201c verspricht. Das \u2013 und ihr Eintreten f\u00fcr\u00a0<a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/08\/17\/schu-a17.html\"><strong>Law-and-Order<\/strong><\/a>\u00a0und Militarismus \u2013 ist der Grund, weshalb Schulz trotz hektischer Bem\u00fchungen nicht aus dem Umfragetief herauskommt.<\/p>\n<p>Die SPD ist eine rechte, kapitalistische Partei, die der herrschenden Klasse beweisen will, dass sie ihre Interessen nach innen und au\u00dfen besser vertreten kann, als die anderen Parteien. Wer gegen soziale Ungleichheit, Diktatur und Krieg k\u00e4mpfen will, muss eine andere, sozialistische Partei aufbauen.<\/p>\n<p>[\u2026] Eine solche Partei k\u00e4mpft f\u00fcr eine Gesellschaft, in der die Bed\u00fcrfnisse der Menschen h\u00f6her stehen als die Profitinteressen der Wirtschaft. Dazu m\u00fcssen die gro\u00dfen Verm\u00f6gen, die Banken und die Konzerne enteignet und unter demokratische Kontrolle gestellt werden. Nur so k\u00f6nnen die sozialen Rechte aller gesichert werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/08\/25\/armu-a25.html\">wsws.org&#8230;<\/a>&gt; vom 25. August 2017 mit kleinen \u00c4nderungen durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Arens. In Deutschland verdienen vierzig Prozent der Besch\u00e4ftigten weniger als vor zwanzig Jahren. 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