{"id":2471,"date":"2017-08-29T11:50:25","date_gmt":"2017-08-29T09:50:25","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2471"},"modified":"2017-08-29T11:51:20","modified_gmt":"2017-08-29T09:51:20","slug":"griechenlands-kaempferinnen-gegen-den-faschismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2471","title":{"rendered":"Griechenlands K\u00e4mpferinnen gegen den Faschismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Leandros Bolaris<\/em><strong>. Frauen waren ein wichtiger Teil der Widerstandsbewegung in Griechenland. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges f\u00fchrten sie Streiks an, standen in der ersten Reihe der Massendemonstrationen im Sommer 1943 und engagierten sich im bewaffneten Kampf gegen die Allierten.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Melpomeni Papailiou war eine von ihnen; sie ist in der griechischen Linken besser bekannt unter dem Namen Thiella, was so viel bedeutet wie \u201eGewitter\u201c. Ihr Gesicht wurde zu dem des Widerstands. Ihr Foto findet man immer noch in Hunderten B\u00fcchern, Artikeln und Alben. Man kann sie als Repr\u00e4sentantin der Hunderten von anonymen und vergessenen Antifaschistinnen bezeichnen.<\/strong><\/p>\n<p>Costas Couvaras, ein griechisch-amerikanischer Offizier des OSS (Office of Strategic Services, Nachrichtendienst des US-Kriegsministeriums), der 1944 nach Griechenland geschickt wurde, um ein B\u00fcndnis mit der Nationalen Befreiungsfront EAM (Ethnik\u00f3 Apelevtherotik\u00f3 M\u00e9topo) und deren bewaffnetem Arm, der ELAS, aufzubauen, schreibt: \u201eEinen Monat nach unserer Ankunft in Griechenland, stachen uns die weiblichen K\u00e4mpferinnen erstmals ins Auge. Gekleidet wie die m\u00e4nnlichen K\u00e4mpfer, mit ernstem Gesicht, teilten diese M\u00e4dchen all die Beschwerlichkeiten des Partisanenlebens.<\/p>\n<p>Die M\u00e4nner respektierten sie, denn viele von ihnen hatten bereits ihre F\u00e4higkeiten im Krieg unter Beweis gestellt. Im Mai 1944 wurde eine weibliche Spezialeinheit gegr\u00fcndet. F\u00fcr die meisten der Frauen war der Kampf etwas Neues, doch unter ihnen waren auch erfahrene Partisaninnen. Die neuen K\u00e4mpferinnen unterschieden sich sichtlich von den Veteraninnen. Ihr ganzes Auftreten und Verhalten war anders. Sie waren selbstsicher und benahmen sich wie professionelle Soldatinnen, mit allem was dazu geh\u00f6rt. Eine von ihnen stach besonders heraus, daher machte ich mich bei unseren Partisanen-Begleitern schlau \u00fcber sie. Ihr Name war Thiella.\u201c<\/p>\n<p>Verheiratet mit einem Leutnant der Gendarmerie und als Mutter dreier Kinder f\u00fchrte Thiellas zunehmendes Engagement in der Widerstandsbewegung bald zu Ehestreitigkeiten. Thiella ging schlie\u00dflich ins zentralgriechische Gebirge (Roumeli), wo sie sich einer Kampfeinheit (dem Todesbataillon des 26. Regiment der griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS) anschloss. Zuerst hat sie eine Zeit lang als Krankenschwester gedient.<\/p>\n<p>Laut dem Kriegstagebuch von Couvaras, war es ein Gef\u00fchl der Heimatverbundenheit vermischt mit radikalen klassenpolitischen Ansichten, die Thiella motivierten, sich dem Widerstand anzuschlie\u00dfen. Thiella lebte eine fast fanatische Hingebung zu ihren Idealen, schreibt Couvaras. Die marxistischen Ideen, die sie aufsog, brannten sich wie eine Religion in ihr Herz. Sie entwickelte sowohl einen ausgepr\u00e4gten Wertekanon, als auch den Willen f\u00fcr \u201edie Sache\u201c zu k\u00e4mpfen, und wenn n\u00f6tig auch daf\u00fcr zu sterben. Thiella fiel schlie\u00dflich im Kampf gegen die Briten und ihre rechtsgerichteten griechischen Verb\u00fcndeten, in Athen im Dezember 1944.<\/p>\n<p><strong>Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Die griechische war eine von zwei Widerstandsbewegungen in Europa, die sich einen bewaffneten Kampf mit den Alliierten lieferte (die polnische war die zweite). Im \u201eroten Dezember\u201c 1944 befand sich ELAS, insbesondere deren Arbeiter_inneneinheiten, 33 Tage lang im Kampf mit den Briten. Was sich dieser Tage in Griechenland abspielte, war nicht einfach nur Nebenschauplatz des 2. Weltkrieges, sondern eine ausgewachsene Revolution. Wie in jeder Revolution standen auch hier die Frauen an vorderster Front.Frauenbefreiung, Solidarit\u00e4t<\/p>\n<p>Eleni Fortouni, damals noch eine Jugendliche, erinnert sich an die Zeit des Widerstands. Fasziniert von Argiro, einer Adartissa (griechisch f\u00fcr Partisanin) , bekannt als die \u201eAmazonen K\u00f6nigin\u201c, schrieb sie: \u201eIch erinnere mich gebetet zu haben, dass sie mich ansehen w\u00fcrde, dass ihr Blick mich dort finden w\u00fcrde, wo ich stand. Sie war die Amazonen K\u00f6nigin und ich war elektrisiert und eingesch\u00fcchtert durch die Begegnung. Ihre Stimme unterschied sich von allem was ich bisher h\u00f6rte. Ich hatte sie schon vorher gesehen, als sie sich noch nicht von anderen Frauen unterschied, die ich kannte. Nun kann sie niemand mehr missbrauchen. Niemand kann sich an einer Frau vergehen, die mit dem Gewehr geschultert, und Munition um die Brust geh\u00e4ngt, alles und jeden in den Schatten stellt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Frauenregimente<\/strong><\/p>\n<p>Der Wandel vom vergleichsweise ruhigen Familienleben, mit seiner \u201eklassischen\u201c Rollenverteilung, hin zur politischen Sache und zum bewaffnetem Kampf, war alles andere als einfach; gerade f\u00fcr eine Frau vom griechischen Land mit seinen repressiven Traditionen und Geschlechterrollen. Trotz alledem gingen hunderte wie sie diesen Weg.<\/p>\n<p>Ab 1943 verschob sich die Operationsbasis der ELAS von Roumeli Richtung Makedonien und ab 1944 waren Frauenregimenter offizieller Bestandteil der Bewegung. Solche operierten in der 9. Division (westliches Makedonien), 10. Division (zentrales Makedonien), 13. Division (Roumeli), 2. Division (Thessalien), 1. Division und 8. Division (Ipiros). Da die Frauenregimenter gegen Ende der Besatzung der Achsenm\u00e4chte formiert wurden, wurden sie eingesetzt, um die R\u00fcckzugsrouten der deutschen Wehrmacht abzuschneiden, und zur Befreiung von D\u00f6rfern und St\u00e4dten.<\/p>\n<p><strong>In den St\u00e4dten<\/strong><\/p>\n<p>Der Widerstand in Griechenland war nicht blo\u00df ein Aufstand radikalisierter Bauern und B\u00e4uer_innen, auch wenn ihre Rolle nat\u00fcrlich zentral war. An guten Tagen hatte ELAS um die 80 000 Partisan_innen in ihren regul\u00e4ren Einheiten und weitere zehntausende in der Reserve. Um eine Einheit dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung mit Nahrung und Obdach zu versorgen, war ein breites Unterst\u00fctzernetzwerk notwendig (laut neueren Studien kamen etwa 10 Bauern auf einen Partisanen). Am Vorabend der Befreiung kontrollierte die Linke (bestehend aus EAM-ELAS und der kommunistischen Partei KKE) zwei Drittel des Landes, vor allem aber die l\u00e4ndlichen Gegenden.<\/p>\n<p>Doch im Fokus der Bewegung stand die Arbeiter_innenschaft in den gro\u00dfen St\u00e4dten. Das war auch der fundamentale Unterschied zu Titos Partisanen in Jugoslawien. Im M\u00e4rz 1943 zwang etwa ein Generalstreik die Nazis und ihre Quisling-Regierung dazu, ihren Plan der Einf\u00fchrung von Zwangsarbeit aufzugeben.<\/p>\n<p><strong>Frauen im \u201eroten G\u00fcrtel\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Frauen waren von Anfang an ein zentrales Element der Arbeiter_innenklasse und ein wichtiger Teil der st\u00e4dtischen Widerstandsbewegung w\u00e4hrend des Krieges. Frauen f\u00fchrten Streiks an (etwa in den Banken und Textilfabriken) und standen in der ersten Reihe der Massendemonstrationen im Sommer 1943. Panayiota Stathopoulou, eine 17-j\u00e4hrige Studentin, starb beim Sturm auf ein gepanzertes Fahrzeug, bei einer dieser Demos.<\/p>\n<p>Electra Apostolou, eine lang gediente Genossin der Kommunistischen Partei, und Vorsitzende der Arbeiterfrauen in Athen, wurde von der griechischen Polizei, auf direkten Gestapo-Befehl hin, verhaftet und starb nach qualvoller Folter im Herbst 1943. Ihr Mord l\u00f6ste Massenproteste aus, und f\u00fchrte zu Vergeltungsschl\u00e4gen der KKE-Gegenspionage-Einheit, der ber\u00fchmten OPLA (Organisation zum Schutz der Volkskader).<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es auch k\u00e4mpfende Frauen in den Arbeiter_innenvierteln von Athen und Piraeus, dem \u201eroten G\u00fcrtel\u201c rund um das Stadtzentrum. Wir wissen z.B. von Xeni Vardaki, einer 20-j\u00e4hrigen Arbeiterin aus Kaisariani (einem komplett \u201erot gef\u00e4rbten\u201c Viertel im Ostteil der Stadt). Als Teil des OPLA-Teams in der Gegend, exekutierte sie in voller \u00d6ffentlichkeit einen Nazi-Kollaborateur w\u00e4hrend eines Massenprotests; oder Eftichia Mouriki, auch aus Kaisariani, die Massen anf\u00fchrte und sich im bewaffneten Kampf engagierte.<\/p>\n<p>Wir sprechen \u00fcber eine verlorene Revolution. Die griechische Linke erlitt, sowohl 1944, als auch im B\u00fcrgerkrieg (1946-49), eine blutige Niederlage. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses Debakel liegen auf der Hand: Die Politik der Klassenkollaboration ihrer F\u00fchrung. Aber die Traditionen der Rebellion sind noch lebendig und pr\u00e4sent in den K\u00e4mpfen der griechischen Arbeiter_innen gegen Faschismus, Kapitalismus und Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Englischen von <strong>Alexander Akladious<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/linkswende.org\/griechenlands-kaempferinnen-gegen-den-faschismus\/\">linkswende.org&#8230;<\/a> vom 29. August 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leandros Bolaris. Frauen waren ein wichtiger Teil der Widerstandsbewegung in Griechenland. 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