{"id":2475,"date":"2017-08-30T08:16:57","date_gmt":"2017-08-30T06:16:57","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2475"},"modified":"2017-08-30T08:16:57","modified_gmt":"2017-08-30T06:16:57","slug":"flutkatastrophe-in-houston-ein-verbrechen-an-der-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2475","title":{"rendered":"Flutkatastrophe in Houston: Ein Verbrechen an der Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><em>Barry Grey.<\/em> Die Welt blickt ersch\u00fcttert auf die verheerende \u00dcberschwemmung in Houston (Texas), der viertgr\u00f6\u00dften Stadt in den USA. Mindestens neun Menschen sind bislang ums Leben gekommen, allerdings wird diese Zahl in den kommenden Tagen<!--more--> zweifellos steigen. Tausende sitzen in \u00fcberschwemmten Gebieten fest, Zehntausende sind in Notunterk\u00fcnfte gefl\u00fcchtet, und die schwersten Regenf\u00e4lle stehen noch immer bevor.<\/p>\n<p>Die katastrophale Flut in Houston und S\u00fcdosttexas breitet sich auch auf weit entfernte St\u00e4dte wie Dallas und Austin aus. Auch New Orleans in Louisiana k\u00f6nnte erneut \u00fcberschwemmt werden. In der ganzen Region werden schnellstm\u00f6glich St\u00e4dte evakuiert. Auch in den bisher verschont gebliebenen Stadtvierteln von Houston m\u00fcssen Einwohner ihre H\u00e4user verlassen, da die Beh\u00f6rden Wasser aus den \u00fcberlasteten und gef\u00e4hrdeten Staubecken ablassen.<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Jahre nachdem Hurrikan Katrina New Orleans verw\u00fcstet hat, verwandelt sich eine noch gr\u00f6\u00dfere und noch dichter besiedelte Metropolregion in einen Schauplatz von unbeschreiblichem Leid. Die zahllosen Beispiele f\u00fcr menschliche Solidarit\u00e4t unter den Opfern aller Hautfarben, die \u00fcberwiegend der Arbeiterklasse entstammen, stehen im krassen Gegensatz zur Inkompetenz der Regierung und des politischen Establishments.<\/p>\n<p>Genau wie Katrina hat Harvey die Fassade der amerikanischen Gesellschaft eingerissen und die h\u00e4ssliche Wirklichkeit kolossaler sozialer Ungleichheit, weit verbreiteter Armut sowie der Kriminalit\u00e4t der herrschenden Klasse offengelegt. Die Medien stellen sich im Allgemeinen auf die Seite des Wei\u00dfen Hauses und des rechten republikanischen Gouverneurs von Texas. Ihre geistlosen Kommentare und die alibihaften Stellungnahmen der Politiker lassen Nervosit\u00e4t und Angst erkennen, dass diese j\u00fcngste Demonstration der Unf\u00e4higkeit des amerikanischen Kapitalismus zu einem Ausbruch sozialer Emp\u00f6rung f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Doch die Beh\u00f6rden k\u00f6nnen ihre Selbstzufriedenheit und Gleichg\u00fcltigkeit nicht verbergen. Pr\u00e4sident Donald Trump hielt am Montag eine absto\u00dfende Pressekonferenz, auf der er die Beh\u00f6rden in \u00fcberschw\u00e4nglichen Worten f\u00fcr ihre Reaktion auf die Flutkatastrophe lobte. Er redete in diesem Zusammenhang \u00fcber \u201eZeichen von Zusammenarbeit und Liebe\u201c, die \u201eunglaublich mitanzusehen war\u201c. Gleichzeitig erging er sich in falschem Pathos \u00fcber die \u201egro\u00dfe Familie Amerika\u201c, die \u201ezusammen leidet und durchh\u00e4lt\u201c.<\/p>\n<p>Trump verlas diese vorbereiteten Erkl\u00e4rungen, machte aber keine Vorschl\u00e4ge, wie sich das Leid der Opfer verringern lie\u00dfe oder wie sie Geld f\u00fcr den Wiederaufbau ihrer Existenz erhalten sollten. Einer Frage nach seinem Vorschlag, den Etat staatlichen Katastrophenschutzbeh\u00f6rde FEMA um hunderte Millionen Dollar zu k\u00fcrzen, u.a. durch K\u00fcrzungen beim Flutschutzprogramm, wich er aus.<\/p>\n<p>Der FEMA-Chef William \u201eBrock\u201c Long erteilte sich selbst und der Regierung am Montag eine Generalamnestie f\u00fcr ihre Vers\u00e4umnisse: \u201eDas h\u00e4tte man nicht vorhersagen k\u00f6nnen. Daran h\u00e4tte man nicht im Traum denken k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Das\u00a0<em>Wall Street Journal<\/em>\u00a0stie\u00df am Montag mit seinem Leitartikel ins gleiche Horn: \u201eImmunit\u00e4t vor dem Zorn der Natur ist eine Illusion. Die Menschen geben sich ihr hin, bis sie gezwungen sind, sich wieder einmal dieser Wut zu stellen. Wir vergessen, welche Sch\u00e4den St\u00fcrme und Erdbeben anrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nachdem es keinen Verantwortlichen f\u00fcr die Flutkatastrophe geben kann, lobt die Zeitung die massive Bereicherung der obersten Schichten der Gesellschaft. Sie schreibt: \u201eKomplexe Gesellschaften k\u00f6nnen die Sch\u00e4den besser bew\u00e4ltigen, wenn sie ein Reservoir von angeh\u00e4uftem Verm\u00f6gen\u201c aus \u201eprivaten Quellen\u201c h\u00e4tten. Als Reaktion auf die Trag\u00f6die in Texas r\u00e4t das f\u00fchrende Sprachrohr der Wall Street der Finanzoligarchie also, sich noch mehr zu bereichern!<\/p>\n<p>Die Behauptung, katastrophale Ereignisse wie die \u00dcberschwemmung in Texas seien unvermeidliche \u201eNaturkatastrophen\u201c, die sich durch nichts verhindern, eind\u00e4mmen oder bew\u00e4ltigen lassen, ist eine bequeme L\u00fcge.<\/p>\n<p>In Houston kommt es so oft zu \u00dcberschwemmungen wie sonst nirgendwo im Land. Die staatlichen, bundesstaatlichen und kommunalen Beh\u00f6rden wurden immer wieder von Wissenschaftlern und Wetterexperten vor einer beispiellosen Flutkatastrophe gewarnt, weil einerseits Bauunternehmen und Spekulanten die Feuchtgebiete trockengelegt haben und andererseits die Regierung keine ausreichende Flutabwehr aufgebaut hat. Diese Warnungen wurden ignoriert.<\/p>\n<p>Wir leben nicht im finsteren Mittelalter sondern im einundzwanzigsten Jahrhundert, und die USA sind das reichste Land der Welt. Vor 400 Jahren entwickelten die Niederl\u00e4nder Techniken, wie man St\u00e4dte unterhalb des Meeresspiegels anlegt. In den USA befinden sich au\u00dferdem einige der modernsten Forschungs- und Ingenieursinstitute der Welt. Trotzdem konnte sich angeblich niemand auf die Gefahr einer \u00dcberschwemmung in der Gro\u00dfstadt am Golf von Mexiko einstellen und Pl\u00e4ne f\u00fcr diesen Fall entwickeln.<\/p>\n<p>Was wurde in den zw\u00f6lf Jahren seit Hurrikan Katrina unternommen, um weitere Unwetterkatastrophen zu verhindern? Nichts oder, genauer gesagt: weniger als nichts. Katrina wurde als Gelegenheit benutzt, New Orleans zu einem Testgebiet f\u00fcr die Privatisierung \u00f6ffentlichen Eigentums und f\u00fcr den Aufbau eines kapitalistischen Paradieses zu machen, das als Vorbild f\u00fcr das ganze Land dienen soll. Das bekannteste Beispiel f\u00fcr diese Pl\u00fcnderungsoperation war die Zerst\u00f6rung des \u00f6ffentlichen Schulwesens zu Gunsten von privaten, profitorientierten Charter Schools.<\/p>\n<p>Katastrophen wie die \u00dcberschwemmungen in Texas sind Verbrechen an der Gesellschaft, ver\u00fcbt von einer Finanzaristokratie, die im letzten halben Jahrhundert das Land ausgepl\u00fcndert, die soziale Infrastruktur vernachl\u00e4ssigt und gleichzeitig unvorstellbare pers\u00f6nliche Verm\u00f6gen angeh\u00e4uft hat. Nach Auffassung der Leitmedien und des politischen Establishments aus Demokraten und Republikanern ist kein Geld f\u00fcr Flutabwehr oder den Wiederaufbau verfallender Br\u00fccken, Stra\u00dfen und Wasser da, ebenso wenig zur Modernisierung und Ausweitung des \u00f6ffentlichen Verkehrssystems oder f\u00fcr anst\u00e4ndige Schulen und sozialen Wohnungsbau.<\/p>\n<p>Doch auf den Bankkonten und Aktienportfolios der Reichen und Superreichen liegen Billionen Dollar. Noch dazu werden jedes Jahr hunderte Milliarden Dollar f\u00fcr Kriegsger\u00e4t verschwendet.<\/p>\n<p>Das Land ger\u00e4t von einer vermeidbaren Krise in die n\u00e4chste: Hurrikan Katrina im Jahr 2005; die \u00d6lpest im Golf von Mexiko 2010; der Supersturm Sandy im Jahr 2012; und jetzt Hurrikan Harvey. Dazwischen ereignen sich zahllose \u00dcberschwemmungen, Tornados, Br\u00e4nde und andere Ereignisse, die arme Arbeiterfamilien ins Elend st\u00fcrzen. Diese m\u00fcssen selbst sehen, wie sie zurechtkommen, w\u00e4hrend eine herrschende Elite im \u00dcberfluss schwelgt.<\/p>\n<p>In der Feudalzeit musste der Adel und Gro\u00dfgrundbesitz enteignet werden, um die weitere Entwicklung der Gesellschaft zu erm\u00f6glichen. Heute muss die Gesellschaft der modernen Finanz- und Wirtschaftsaristokratie die Kontrolle \u00fcber ihre Mittel entrei\u00dfen. Die heutigen Barbaren, die den Reichtum der Gesellschaft f\u00fcr sich behalten und behaupten, man k\u00f6nne nichts gegen Armut, Krankheit, Krieg oder Unterdr\u00fcckung unternehmen, m\u00fcssen den Weg aller herrschenden Klassen gehen, die dem sozialen Fortschritt im Weg stehen.<\/p>\n<p>Es ist nicht so, dass sich die Gesellschaft die notwendigen sozialen Investitionen nicht leisten k\u00f6nnte, mit denen sich die Folgen von Ereignissen wie Hurrikan Harvey verhindern oder verringern lie\u00dfen. Die Gesellschaft kann sich vielmehr die Reichen nicht leisten.<\/p>\n<p>Die Aufgabe, der Geschichte dieses monstr\u00f6se Hindernis aus dem Weg zu r\u00e4umen, f\u00e4llt der Arbeiterklasse zu. Dazu muss sie \u00fcber alle Grenzen von Hautfarbe, Nationalit\u00e4t und Ethnien vereint handeln. Die kapitalistischen Parasiten m\u00fcssen enteignet und ihr Reichtum benutzt werden, um die sozialen Bed\u00fcrfnisse zu erf\u00fcllen. Ihre Kontrolle \u00fcber die Produktionsmittel muss gebrochen werden, damit das wirtschaftliche und soziale Leben auf rationale, geplante und menschliche Weise entwickelt werden kann. Die Grundlage daf\u00fcr bildet das sozialistische Eigentum und die demokratische Kontrolle \u00fcber Industrie, Finanz und die Rohstoffe der Welt.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/08\/30\/hous-a30.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 30. August 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barry Grey. Die Welt blickt ersch\u00fcttert auf die verheerende \u00dcberschwemmung in Houston (Texas), der viertgr\u00f6\u00dften Stadt in den USA. 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