{"id":2477,"date":"2017-08-31T10:08:08","date_gmt":"2017-08-31T08:08:08","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2477"},"modified":"2017-08-31T10:08:08","modified_gmt":"2017-08-31T08:08:08","slug":"marxismus-vs-intersektionalitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2477","title":{"rendered":"Marxismus vs. Intersektionalit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/marxist.ca\/\">Fightback.<\/a><\/em> Die Krise des Kapitalismus hat zu weltweiten Massenbewegungen gef\u00fchrt und bewirkt, dass Menschen das System hinterfragen. Von den spanischen Indignados, \u00fcber die Syntagmaplatz-Bewegung in Griechenland bis hin zu Nuit Debout<!--more--> k\u00fcrzlich in Frankreich sieht man, wie die Jugend in Aktion tritt und das kapitalistische System herausfordert. Als Teil dieser allgemeinen Stimmung sah man in den letzten Jahren auch eine Reihe spontaner Bewegungen gegen die unterschiedlichen Unterdr\u00fcckungsformen, die verschiedene Schichten der Arbeiterklasse im Kapitalismus erfahren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Inspirierende Bewegungen wie \u201eIdle No More\u201c, \u201eBlack Lives Matter\u201c, die weltweiten Demonstrationen gegen Gewalt an Frauen am 8. M\u00e4rz und Elemente der Anti-Trump Bewegung sind nur einige j\u00fcngere Beispiele f\u00fcr das wachsende Bed\u00fcrfnis unter ArbeiterInnen und Jugendlichen, gegen Unterdr\u00fcckung und Diskriminierung zu k\u00e4mpfen. Eine vorherrschende Theorie unter der F\u00fchrung vieler dieser Bewegungen \u2013 die oft Teil der akademischen Linken sind oder von ihr beeinflusst sind \u2013 ist jene der \u201eIntersektionalit\u00e4t\u201c. Es ist daher nicht \u00fcberraschend, dass eine Schicht junger Menschen und Studierenden, die in diesen Bewegungen politisiert werden, Unterdr\u00fcckung aus dieser theoretischen Perspektive betrachten. Aber was bedeutet Intersektionalit\u00e4t, ist sie n\u00fctzlich, um Unterdr\u00fcckung zu bek\u00e4mpfen, und ist dieses Konzept mit dem Marxismus kompatibel?<\/p>\n<p>Intersektionalit\u00e4t bezeichnet \u00fcblicherweise die Existenz mehrerer, sich \u00fcberlappender Unterdr\u00fcckungsformen, die sich \u2013 je nach der individuellen Lage, in der sich ein Individuum befindet \u2013 verbinden (eine \u201eIntersektion\u201c bilden), verschiedene Konstellationen bilden, und so zu einzigartigen Erfahrungen und sozialen H\u00fcrden f\u00fchren. Die \u201eNotwendigkeit, intersektional zu sein\u201c ist eine Phrase, die in der Bewegung h\u00e4ufig benutzt wird. Sie impliziert, dass jeder Kampf Individuen, die sich \u00fcberlappende Unterdr\u00fcckungsformen erfahren, inkludieren und repr\u00e4sentieren muss \u2013 im Gegensatz zu einem engen Fokus auf nur eine Gruppe oder Unterdr\u00fcckungsform.<\/p>\n<p>MarxistInnen stimmen zu, dass Individuen und Gruppen mehrere Formen der Unterdr\u00fcckung gleichzeitig erfahren k\u00f6nnen, und dass jede dieser Kombinationen eine einzigartige Zusammensetzung sozialer H\u00fcrden mit sich bringt. Aus marxistischer Sicht kann keine Unterdr\u00fcckungsform isoliert verstanden und \u00fcberwunden werden, und der Kampf gegen Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung muss alle Schichten der Unterdr\u00fcckten miteinschlie\u00dfen. MarxistInnen stellen sich auch entschlossen gegen jede Form diskriminierender Einstellungen und Verhaltensweisen und argumentieren, dass diese nur dazu dienen, uns zu spalten, und so die Einheit der Arbeiterklasse verhindern, die notwendig ist, um uns zu befreien. Oberfl\u00e4chlich erscheint es also so, als ob Marxismus und Intersektionalit\u00e4t sich gegenseitig erg\u00e4nzen. Wenn wir allerdings unter die Oberfl\u00e4che auf die Theorie, die hinter der Intersektionalit\u00e4t steckt, sehen, erkennen wir, dass deren Verst\u00e4ndnis von Unterdr\u00fcckung, und wie man sie bek\u00e4mpfen kann, sehr unterschiedlich zur marxistischen ist. Intersektionalit\u00e4t kann, trotz der besten Absichten vieler ihrer VertreterInnen, den Ursprung der verschiedenen Unterdr\u00fcckungsformen nicht erkl\u00e4ren und daher auch keine L\u00f6sungen bieten.<\/p>\n<p>Es kann nicht genug betont werden, dass MarxistInnen gegen alle Formen der Unterdr\u00fcckung k\u00e4mpfen. Andere Ans\u00e4tze zum Verst\u00e4ndnis von Unterdr\u00fcckung innerhalb einer Bewegung zu kritisieren ist nicht dasselbe wie die Realit\u00e4t der vielen Unterdr\u00fcckungsformen zu leugnen; im Gegenteil, weil es unser Ziel ist, alle Unterdr\u00fcckungsformen und Ausbeutung ein f\u00fcr alle Mal zu beenden, ist es unsere Pflicht, diejenigen Ideen und Methoden zu entwickeln, die ArbeiterInnen und Jugend brauchen, um Emanzipation zu erreichen. Differenzen zu verstecken hilft der Bewegung nicht weiter.<\/p>\n<p><strong>\u201eIntersektionalit\u00e4t\u201c im Kontext<\/strong><\/p>\n<p>Um die Grenzen der Intersektionalit\u00e4t von einem marxistischen Standpunkt aus zu verstehen, m\u00fcssen wir uns nat\u00fcrlich die Hauptstr\u00e4nge der Intersektionalit\u00e4t selbst und den historischen Kontext, in dem sie gro\u00df wurden, ansehen. Der Aufstieg der Intersektionalit\u00e4t fiel mit der Niederschlagung der revolution\u00e4ren Wellen der 1960er und 1970er Jahre zusammen, denen eine Periode der Reaktion in den 1980er Jahren folgte, deren Gipfel der Zusammenbruch der Sowjetunion war. W\u00e4hrend der darauffolgenden Ebbe im Klassenkampf gewann die Identit\u00e4tspolitik an Beliebtheit. Identit\u00e4tspolitik, die in einer sehr speziellen Periode entwickelt wurde, basiert darauf, Menschen aufgrund von pers\u00f6nlichen Charakteristika zu definieren (Ethnie, Geschlecht, usw.), anstatt anhand deren Klassenzugeh\u00f6rigkeit oder politischen Standpunkte.<\/p>\n<p>Das wurde und wird von der herrschenden Klasse genutzt, um den Aufstieg karrieristischer, kleinb\u00fcrgerlicher Elemente zu bef\u00f6rdern, die sich leicht in das kapitalistische System integrieren lassen. Identit\u00e4tspolitik wird von der B\u00fcrokratie der Arbeiterbewegung und von der herrschenden Klasse gegen die Linke und gegen klassenk\u00e4mpferische Positionen innerhalb der Bewegung eingesetzt. Diese vermehrte Orientierung auf getrennte Identit\u00e4tsbereiche und Unterdr\u00fcckung war eine Folge des Versagens der sozialdemokratischen und stalinistischen F\u00fchrung der Arbeiterbewegung, die Arbeiter zur \u00dcberwindung des Systems zu f\u00fchren, was die soziale und \u00f6konomische Basis f\u00fcr die vielen Unterdr\u00fcckungsformen beseitigt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Insbesondere der Stalinismus spielte eine verr\u00e4terische Rolle. W\u00e4hrend der russischen Revolution 1917, die von den Bolschewiki unter Lenin und Trotzki angef\u00fchrt wurde, wurden gewaltige Fortschritte f\u00fcr Frauen, homosexuelle Menschen und unterdr\u00fcckte Nationalit\u00e4ten erreicht. Doch mit der Degeneration der Sowjetunion unter Stalin wurden viele dieser Errungenschaften wieder abgeschafft. Die Isolation und Zur\u00fcckgebliebenheit der Sowjetunion bedeutete, dass es weiterhin Mangelwirtschaft gab, und die StalinistInnen n\u00fctzten die alten Spaltungsmechanismen und Unterdr\u00fcckungsformen aus, um an der Macht zu bleiben und die internationale proletarische Revolution zu bremsen. Stalinistische Ma\u00dfnahmen, wie die Rekriminalisierung von Homosexualit\u00e4t in der Sowjetunion, spiegelten sich in der diskriminierenden Praxis der stalinistischen Kommunistischen Parteien auf der ganzen Welt wider und stie\u00dfen verst\u00e4ndlicherweise viele ArbeiterInnen und Jugendliche, die selbst unter der Last der Unterdr\u00fcckung litten, vom sozialistischen Kampf ab. Eine solche Politik hat nichts mit dem genuinen Marxismus gemein und bef\u00f6rderte die Zersplitterung der Bewegung in getrennte Sph\u00e4ren des Kampfes, w\u00e4hrend der genuine Marxismus gegen alle Formen der Unterdr\u00fcckung steht und zur Einheit der Klasse aufruft.<\/p>\n<p>Intersektionalit\u00e4t, eine Abzweigung des Feminismus, war urspr\u00fcnglich eine Reaktion gegen traditionelle Identit\u00e4tspolitik, die dazu tendierte, die Bewegung in separate K\u00e4mpfe abzutrennen. Insbesondere schwarze Frauen hatten seit Jahrzehnten hervorgehoben, dass die Frauenbewegung in erster Linie von wei\u00dfen Oberschichtsfrauen dominiert wurde, welche die Realit\u00e4t und Bed\u00fcrfnisse ignorierten, und dass die Antirassismus-Bewegung von schwarzen M\u00e4nnern dominiert wurde, die die Unterdr\u00fcckung von Frauen oft trivialisierten \u2013 eine nicht unwichtige Kritik. Allerdings st\u00fctzt sich die ideologische Grundlage der Intersektionalit\u00e4t auf postmarxistischen Theorien wie den Postmodernismus und den Poststrukturalismus, Theorien, die in akademischen Zirkeln eben in einer Zeit der kapitalistischen Reaktion und des Zusammenbruchs des Stalinismus an Popularit\u00e4t gewannen, als die F\u00fchrung der Arbeiterbewegung jeglichen Schein vom Kampf f\u00fcr Sozialismus aufgab und stattdessen f\u00fcr einen \u201emenschlicheren\u201c Kapitalismus argumentierte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in der vorangegangenen Periode die Betonung von sozialer und wirtschaftlicher Transformation betont wurde, wurden nun in der Periode des abebbenden Klassenkampfes die lichten H\u00f6hen der Ideen, der Gedanken und der Sprache das Ziel der Analyse und der Ver\u00e4nderung. Jegliches Vertrauen in die Arbeiterklasse und ihre F\u00e4higkeit, die \u00f6konomische und wirtschaftliche Grundlage der Gesellschaft zu ver\u00e4ndern, ist verloren gegangen und die akademische Linke beschr\u00e4nkte sich auf die Gedankenwelt von Individuen. Aus diesem ideologischen Trend hervorgehend betont die Intersektionalit\u00e4t die subjektiven Erfahrungen und individuellen Gedanken, die Sprache und das Verhalten als jenen Betrachtungswinkel, aus dem man Unterdr\u00fcckung verstehen und \u00fcberwinden kann.<\/p>\n<p>Das ist ein hochidealistischer Ansatz, der auf der Annahme fu\u00dft, dass man, um die Gesellschaft zu ver\u00e4ndern, zun\u00e4chst die Einstellungen der Menschen ver\u00e4ndern muss \u2013 oder noch schlimmer, dass man mit dem \u201eDiskurs\u201c auch die Realit\u00e4t ver\u00e4ndern kann. Die Wahrheit ist, dass die herrschende Ideologie in einer Klassengesellschaft die der herrschenden Klasse ist. Die Ideologie der Menschen, die Revolutionen durchf\u00fchren, die unterdr\u00fcckten und ausgebeuteten Massen, ist mit allen m\u00f6glichen reaktion\u00e4ren Ideen und Vorurteilen der herrschenden Klasse gespickt. Im Zuge des Kampfes um die Ver\u00e4nderung der Gesellschaft transformieren sich Menschen (zu gro\u00dfer Zahl) und ver\u00e4ndern (zu einem gro\u00dfen Teil) deren Ansichten. Das wird sehr gut in der \u201eDeutschen Ideologie\u201c von Karl Marx erkl\u00e4rt, dass:<\/p>\n<p>\u201e[\u2026] sowohl zur massenhaften Erzeugung dieses kommunistischen Bewu\u00dftseins wie zur Durchsetzung der Sache selbst eine massenhafte Ver\u00e4nderung der Menschen n\u00f6tig ist, die nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen kann; da\u00df also die Revolution nicht nur n\u00f6tig ist, weil die herrschende Klasse auf keine andre Weise gest\u00fcrzt werden kann, sondern auch, weil die st\u00fcrzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begr\u00fcndung der Gesellschaft bef\u00e4higt zu werden.\u201c<\/p>\n<p>Der Begriff \u201cIntersektionalit\u00e4t\u201d wurde 1989 von der afroamerikanischen Akademikerin Kimberl\u00e9 Crenshaw gepr\u00e4gt, genauer, um zu beschreiben, wie die US-Gerichte versagten, die mehrschichtige Diskriminierung, die schwarzen Frauen am Arbeitsplatz widerf\u00e4hrt, zu ber\u00fccksichtigen. In ihrem Artikel \u201cEntmarginalisierung der Intersektion von Rasse und Geschlecht: Eine schwarze feministische Kritik\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> zitiert Crenshaw mehrere Gerichtsf\u00e4lle, in denen der Richter nur entweder Klagen von sexueller Diskriminierung ODER rassistischer Diskriminierung am Arbeitsplatz ber\u00fccksichtigte und sich weigerte anzuerkennen, dass schwarze Frauen eine mehrschichtige Diskriminierung erfahren, nicht nur als Frauen oder als schwarze Individuen, sondern als schwarze Frauen. Beispielsweise verwarf das Gericht im Falle von DeGraffenreid vs. General Motors die Beschwerde der Kl\u00e4gerin \u00fcber sexuelle und rassistische Diskriminierung, da General Motors zuvor wei\u00dfe Frauen und schwarze M\u00e4nner angestellt hatte.<\/p>\n<p>Es gibt kein Argument gegen die Realit\u00e4t, dass schwarze Frauen und andere mehrfach unterdr\u00fcckte Gruppen durch das Netz des kapitalistischen Rechtssystems fallen. Es gibt strukturelle L\u00fccken, die eine reale und signifikante H\u00fcrde f\u00fcr unterdr\u00fcckte Schichten der Arbeiterklasse darstellen, genuine Gleichstellung vor dem Gesetz zu erreichen. MarxistInnen unterst\u00fctzen Reformen des Rechtssystems, die den Kampf um Rechte und eine bessere Lebenssituation von ArbeiterInnen und unterdr\u00fcckten Schichten dieser Klasse erleichtern. Aber wir m\u00fcssen auch erkl\u00e4ren, dass Rassismus und Sexismus in der Klassengesellschaft und den Bed\u00fcrfnissen des Kapitalismus verankert sind, zu dessen Verteidigung das Rechtssystem in letzter Instanz existiert.<\/p>\n<p>Die Klassennatur des b\u00fcrgerlichen Rechts kann nicht aus den Gerichtss\u00e4len \u201erausreformiert\u201c werden, solange es auf kapitalistischer Basis steht. W\u00e4hrend Crenshaws Forderung darin bestand, schwarze Frauen zu einer gesch\u00fctzten Minderheit innerhalb des Rechtssystems zu machen, m\u00fcssen wir betonen, dass das nichts an den materiellen und sozialen Bedingungen \u00e4ndern w\u00fcrde, welche die mehrschichtige Diskriminierung, die schwarze Frauen in der breiten Gesellschaft und am Arbeitsplatz erleben, und die Crenshaw so treffend beschrieben hat, hervorrufen. Zwar haben die Arbeiten von einigen Intersektionalit\u00e4ts-Feministinnen wertvolle Beobachtungen geliefert, wie mehrschichtige Diskriminierung von denjenigen erlebt wird, die unter mehreren Unterdr\u00fcckungsmechanismen leiden, und \u00fcber die H\u00fcrden, die ihnen in den Weg gelegt werden, doch als MarxistInnen erkl\u00e4ren wir die Notwendigkeit, \u00fcber reine Beobachtung hinauszugehen. Eine unendliche Zahl an Kategorien k\u00f6nnte innerhalb des Rechtssystems erschaffen werden, um alle m\u00f6glichen Intersektionen von Unterdr\u00fcckung widerzuspiegeln, doch als MarxistInnen m\u00fcssen wir die Frage stellen: Warum existiert diese Unterdr\u00fcckung \u00fcberhaupt, und wie kann sie letztlich abgeschafft werden?<\/p>\n<p><strong>Gedanken und soziale Realit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>In einem TED Talk mit dem Titel \u201eDie Dringlichkeit der Intersektionalit\u00e4t\u201c [The Urgency of Intersectionality] 2016 bezeichnete Crenshaw das Versagen des Rechtssystems, die doppelte Diskriminierung von schwarzen Frauen am Arbeitsplatz als \u201eDefinitionsproblem\u201c (framing problem). Ihre Argumentation ist, wenn RichterInnen und PolitikerInnen einen besseren Definitionsrahmen h\u00e4tten, um Unterdr\u00fcckung und die Natur von mehrfacher Diskriminierung zu verstehen, w\u00fcrden Individuen oder Gruppen, die sich \u00fcberschneidende Unterdr\u00fcckung erfahren, nicht durch den Rost fallen. Diskriminierende Einstellungen von RichterInnen, die deren Entscheide beeinflussen, haben nat\u00fcrlich einen Einfluss auf die Leben unterdr\u00fcckter Gruppen und erhalten ihre Marginalisierung aufrecht. W\u00e4hrend schwarze M\u00e4nner und Frauen Polizeigewalt und Morden ausgesetzt sind, w\u00e4hrend mordende Polizisten straffrei entkommen, haben RichterInnen in den USA und Kanada wiederholt wei\u00dfe, m\u00e4nnliche Sexualt\u00e4ter auf freiem Fu\u00df laufen lassen. Es ist offensichtlich, dass Richter frei nach ihren ekelhaften, diskriminierenden Einstellungen entscheiden d\u00fcrfen, und dass dies dazu beitr\u00e4gt, Unterdr\u00fcckung in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten und unterdr\u00fcckte Gruppen unterdr\u00fcckt l\u00e4sst. Aber woher stammen dise Einstellungen, und wie k\u00f6nnen wir die Gesellschaft von ihnen befreien?<\/p>\n<p>Die sch\u00e4dlichen diskriminierenden Einstellungen der RichterInnen und PolitikerInnen spiegelt die Bed\u00fcrfnisse des kapitalistischen Systems wider. Der kapitalistische Staat und sein Rechtssystem existiert, um die Herrschaft des Profits der Kapitalistenklasse aufrecht zu erhalten. In diesem System, in dem Rechtsvollzieher ungew\u00e4hlt sind, Wahlversprechen gebrochen werden, sobald PolitikerInnen ohne Recht auf Absetzung an die Macht gelangen und viele der wichtigsten Entscheidungen hinter verschlossenen T\u00fcren von ungew\u00e4hlten Positionen getroffen werden (z.B. Banker und Manager), gibt es keine genuine Demokratie oder Rechenschaftspflicht. \u00c4hnlich sieht es am Arbeitsplatz aus, wo es schwierig ist, Bosse f\u00fcr diskriminierende Praktiken verantwortlich zu machen, weil sie unseren Lebensunterhalt kontrollieren und es keine demokratische Kontrolle in der kapitalistischen Produktion gibt. W\u00e4hrend f\u00fcr Diskriminierungsf\u00e4lle vor Gericht hart gek\u00e4mpft wurde und auch manche gewonnen wurden, bedeuten sie oft Jahre vorm Gericht, astronomische Kosten und viele andere Barrieren, die dies zu einem unm\u00f6glichen Weg f\u00fcr viele unterdr\u00fcckte ArbeiterInnen macht, insbesondere wenn man bedenkt, dass sich der\/die ArbeitgeberIn immer ein besseres Anwaltsteam leisten kann und das Rechtssystem bereits zu ihrem Vorteil gestaltet ist. Wenn Bosse Strafen erhalten, sind sie oft nur Kleingeld f\u00fcr sie, w\u00e4hrend das Leben des\/der Kl\u00e4gerIn durch den Schmutz gezogen wurde. Diskriminierende Einstellungen k\u00f6nnen also sichtlich eine sch\u00e4dliche Rolle in der Aufrechterhaltung der Unterdr\u00fcckung spielen, aber es sind die soziale und \u00f6konomische Grundlage der Institutionen, die die wahre H\u00fcrde zur Beseitigung von Unterdr\u00fcckung darstellen. Anders gesagt, die kapitalistische Natur dieser Institutionen sind die Wurzel des \u00dcbels, nicht die Einstellungen derjenigen, die Posten darin halten.<\/p>\n<p>F\u00fcr MarxistInnen ist es daher nicht ein grundlegendes Problem des \u201eDefinitionsrahmens\u201c, oder wie Menschen \u00fcber Unterdr\u00fcckung denken. Die Ansicht, dass Gedanken und Sprache die Hauptkr\u00e4fte sind, die soziale Realit\u00e4ten formen, stammt aus dem philosophischen Idealismus, wohingegen MarxistInnen die Geschichte von einem materialistischen Standpunkt aus betrachten und argumentieren, dass es die soziale Realit\u00e4t ist, die die Gedanken erschafft. Wir sind nicht mit fix-und-fertigen Weltanschauungen geboren, noch fallen die, die wir \u00fcber die Zeit entwickeln, einfach vom Himmel. Was wir lernen und beginnen, \u00fcber die Welt zu glauben, ist von den materiellen und sozialen Bedingungen der historischen Epoche, in der wir leben, und der Produktionsweise, die die Basis f\u00fcr die Organisation der Gesellschaft ist, beeinflusst. Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Gedanken oder jedes Kulturelement eine direkte Folge der \u00f6konomischen Basis der Gesellschaft ist, aber dass die \u00f6konomische Basis die generelle Grundlage f\u00fcr die herrschenden Ansichten in einer gegebenen Epoche legt und unserem Denken gewisse Grenzen auflegt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind es nicht nur Personen in m\u00e4chtigen Positionen, die diskriminierende Ideen in ihrem eigenen, beschr\u00e4nkten Interesse hegen und pflegen. ArbeiterInnen und arme Leute werden ebenfalls mit diesen Einstellungen sozialisiert. Die herrschenden Ideen einer Gesellschaft sind stets die Ideen der herrschenden Klasse, die im Kapitalismus die Bourgeoisie ist. Die Kapitalistenklasse st\u00fctzt sich auf diskriminierende Einstellungen, um die Arbeiterklasse auf Basis von Rasse, Ethnie, Sprache, Geschlecht und Gender, Religion und vielen anderen Faktoren untereinander zu trennen. Diese Spaltungen haben mehrere Funktionen, zum Beispiel schaffen sie eine Abw\u00e4rtsspirale von L\u00f6hnen und ein Wettrennen nach unten zwischen konkurrierenden ArbeiterInnen und Nationen, und halten so die Mehrheit der Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten davon ab, sich gegen ihren gemeinsamen Feind zu vereinen: die Bourgeoisie. Die Bourgeoisie besitzt und kontrolliert die wichtigsten Mittel, um Ideen zu verbreiten, wie gro\u00dfe Medienverb\u00e4nde und Kulturproduktion. Die Ideen der herrschenden Klasse werden durch die Kirche, das Bildungssystem und die Familie reproduziert. Der Inhalt unserer Gedanken wird von diesen Institutionen geformt, die das kapitalistische System widerspiegeln.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus zwingt die Arbeiterklasse in einen unmenschlichen und r\u00fccksichtslosen Wettbewerb untereinander, der unsere Beziehungen zu uns selbst und den Menschen um uns verzerrt. Menschen werden nicht an sich gierig oder diskriminierend geboren, sondern werden in einer individualistischen Gesellschaft erzogen, die uns gegeneinander ausspielt und uns mit m\u00e4chtigen, spaltenden Botschaften speist, um uns davon abzuhalten, uns zusammenzutun. Allein unsere Gedanken zu hinterfragen, ohne die materiellen und sozialen Bedingungen zu ver\u00e4ndern, die diskriminierende Ansichten erst erschaffen, ist daher ein begrenzter Ansatz, um Unterdr\u00fcckung zu bek\u00e4mpfen. Der Fokus auf Gedanken und Ideen, getrennt von ihrer sozialen und materiellen Ursache, resultiert ausweglos in einem individualistischen, subjektiven Verst\u00e4ndnis von Unterdr\u00fcckung, das von den strukturellen, \u00f6konomischen Grundlagen abweicht und die Zersplitterung der Bewegung riskiert.<\/p>\n<p>In letzter Instanz ist die materielle Basis f\u00fcr jegliche soziale Ungleichheit der Mangel. Eine Gesellschaft, die ihren Mitgliedern gute Arbeit, ein Zuhause und Bildungsm\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stellen kann, braucht nicht den \u201eanderen\u201c die Schuld an Wohnungsmangel, fehlender Bildung oder Arbeitslosigkeit zu geben. Umgekehrt, eine Gesellschaft in der Krise wird eine Zunahme solcher Diskriminierung mit sich bringen. Marx dr\u00fcckte dies gut aus, als er sagte, dass wenn sich \u201eder Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder [beginnt]\u201c sich nur \u201edie ganze alte Schei\u00dfe [\u2026] wieder herstellen m\u00fcsste\u201c (Marx, die Deutsche Ideologie). Diskriminierende Einstellungen k\u00f6nnen nicht g\u00e4nzlich ausgerottet werden, solang es noch Mangel gibt. Im Kapitalismus ist der Mangel rein k\u00fcnstlich, da wir bereits solche fortgeschrittenen Produktionsmittel besitzen, dass wir mehr als genug Reichtum und Ressourcen f\u00fcr einen guten Lebensstandard f\u00fcr alle haben. Das Problem in diesem System ist, dass die Mehrheit des Reichtums von einer winzigen Minderheit angeeignet wird, w\u00e4hrend sich der Rest von uns um die Krumen streiten muss. Das ist der Grund, weswegen MarxistInnen f\u00fcr die Enteignung der Kapitalistenklasse aufrufen, damit wir diesen ganzen Reichtum im Interesse der Mehrheit einsetzen k\u00f6nnen, und alle materiellen Wurzeln von Ungleichheit und Unterdr\u00fcckung beseitigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Die Wurzeln der Unterdr\u00fcckung: subjektiv oder objektiv?<\/strong><\/p>\n<p>In feministischen Schriften zu Intersektionalit\u00e4t wird oft auf \u201estrukturelle\u201c Unterdr\u00fcckung verwiesen, aber von einem idealistischen, nicht von einem materialistischen, marxistischen Standpunkt aus. Beispielsweise erkl\u00e4rt Bell Hooks bez\u00fcglich der vielen verschiedenen sich \u00fcberschneidenden Formen der Unterdr\u00fcckung: \u201eF\u00fcr mich ist es wie ein Haus, sie teilen dasselbe Fundament \u2013 aber dieses Fundament sind die ideologischen Vorstellungen, um die herum die Begriffe der Herrschaft gebaut sind.\u201c Auf derselben Argumentationslinie meint Patricia Hill Collins: \u201eErm\u00e4chtigung bedeutet Dimensionen von Wissen abzulehnen \u2013 ob pers\u00f6nliches, kulturelles oder institutionelles \u2013 das die Objektifizierung und Entmenschlichung weiterhin bestehen l\u00e4sst.\u201c Folglich seien die Wurzeln der Unterdr\u00fcckung in dem Glaubenssystem einer Gesellschaft \u00fcber die \u00dcberlegenheit und Minderwertigkeit unterschiedlicher Gruppen zu suchen. Das Ende der Unterdr\u00fcckung bedeutet demnach, diese Ansichten abzulehnen. Die gr\u00f6\u00dfte Einschr\u00e4nkung dieses Ansatzes ist aber, dass er nicht erkl\u00e4rt, warum und wie solche Ansichten zu entstehen begannen; er kann daher auch keinen Weg anbieten, diese Ansichten auf einer Massenbasis zu beseitigen.<\/p>\n<p>Indem die Art und Weise, wie wir Realit\u00e4t auffassen zum prim\u00e4ren Ziel der Ver\u00e4nderung erkl\u00e4rt wird, impliziert man dabei, dass Unterdr\u00fcckung haupts\u00e4chlich auf individueller und zwischenmenschlicher Ebene stattfindet. Von diesem Standpunkt aus ist jede Person, die keine gegebene Form von Unterdr\u00fcckung erf\u00e4hrt, an der Aufrechterhaltung dieser mitschuldig und profitiert davon. Nachdem es unendlich viele sich \u00fcberschneidende Formen der Unterdr\u00fcckung und dominanter Eigenschaften gibt, setzt die Theorie der Intersektionalit\u00e4t voraus, dass wir alle in einem unendlichen Netz leben, in dem wir uns gegenseitig unterdr\u00fccken und gleichzeitig unterdr\u00fcckt werden. Anstelle der herrschenden kapitalistischen Klasse wird die Arbeiterklasse der Feind.<\/p>\n<p>Es ist offensichtlich, dass diskriminierende und unterdr\u00fcckerische Einstellungen und Verhaltensweisen von Individuen auf zwischenmenschlicher Basis ausgelebt werden (was von Revolution\u00e4rInnen verurteilt und bek\u00e4mpft werden muss), doch diese Einstellungen haben soziale und historische Urspr\u00fcnge und sind in den Strukturen der Klassengesellschaft verankert. \u00c4hnlich hat sich das, was als dominante Eigenschaft bezeichnet und von der Gesellschaft systematisch bevorzugt wird, historisch entwickelt. Die Vormachtstellung der Wei\u00dfen und der Rassismus, die grunds\u00e4tzlich soziale und strukturelle Ph\u00e4nomenen sind, wurden von den herrschenden Klassen der kolonialen europ\u00e4ischen Nationen entwickelt, um die kolonialen Eroberungen und die Sklaverei zu rechtfertigen. Hierauf wurde die Entwicklung des Kapitalismus gebaut (mehr zu den Urspr\u00fcngen des Rassismus\u00a0<a href=\"http:\/\/www.derfunke.at\/theorie\/10426-rassismus-als-spaltungsmechanismus\">hier<\/a>). Die Unterdr\u00fcckung von Frauen hat nicht immer existiert, sondern ist mit der Aufteilung der Gesellschaft in Klassen aufgetaucht; und gleichzeitig mit ihr die Einrichtung \u201eEhe\u201c als eine Institution zur Kontrolle der weiblichen Sexualit\u00e4t, um die Vaterschaft zum Zweck der Weitergabe des Eigentums abzusichern. Rassistische und sexistische Einstellungen spiegeln diese materiellen und sozialen Prozesse wieder.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Individuen sicherlich diskriminierende Haltungen haben und auf sehr sch\u00e4dliche Weise danach handeln k\u00f6nnen, ist es letztlich allein die herrschende, ausbeutende Klasse, die von diesen Haltungen und Taten profitiert. Das Konzept des \u201ePrivilegs\u201c wird jedoch h\u00e4ufig von Bef\u00fcrworterInnen der Intersektionalit\u00e4tstheorie verteidigt, um zu unterstellen, dass jene Menschen, die keine Opfer einer bestimmten Form von Unterdr\u00fcckung sind, ein Interesse daran h\u00e4tten, sie an anderen aufrechtzuerhalten, oder sogar aktiv dazu beitragen, um unverdiente Vorteile daraus zu ziehen. MarxistInnen stimmen darin \u00fcberein, dass Menschen, die in mehreren und in sich \u00fcberschneidenden Formen unterdr\u00fcckt werden, gr\u00f6\u00dfere soziale Hindernisse und die zusammenfallenden Formen der Diskriminierung erleben m\u00fcssen. Unserer Ansicht nach sollten aber die (oftmals als solche beschriebenen) \u201ePrivilegien\u201c als Menschenrechte betrachtet werden, die jeder Person zu gleichen Teilen gew\u00e4hrt werden sollten. Wir m\u00fcssen dieses System beseitigen, das die Arbeiterklasse in verschiedene Schichten aufteilt und die unterdr\u00fcckten Schichten ihrer Rechte beraubt; dieses System, das uns spaltet und unter dem Tisch der Banker und Bosse um die Kr\u00fcmel streiten l\u00e4sst. Wir sagen: \u201eTretet nicht nach unten und erschafft eine Gleichheit der Armut. Gleicht stattdessen nach oben aus, und nehmt, was wir von der ausbeutenden und unterdr\u00fcckenden Klasse brauchen!\u201c<\/p>\n<p>Die Unterdr\u00fcckung einer Gruppe dient dazu, das kapitalistische System zu st\u00fctzen, das alle von uns auf unterschiedlichen Wegen ausbeutet und unterdr\u00fcckt. Kein Arbeiter und keine Arbeiterin hat ein Interesse daran, die Dominanz und Unterdr\u00fcckung \u00fcber eine andere Gruppe fortzuf\u00fchren. An der Oberfl\u00e4che sieht es so aus, als ob einige ArbeiterInnen auf die Kosten anderer Vorteile bekommen und dadurch von deren Unterdr\u00fcckung profitieren. Es ist beispielsweise \u00fcberall bekannt, dass M\u00e4nner auf der ganzen Welt mehr Lohn f\u00fcr dieselbe Arbeit bekommen als Frauen. Es ist jedoch nicht so, dass M\u00e4nner mehr bezahlt bekommen, weil Frauen weniger erhalten oder umgekehrt. Es ist mehr als genug Reichtum da, damit alle Menschen eine massive Lohnerh\u00f6hung erhalten k\u00f6nnten, aber die Mehrheit des von der Arbeiterklasse geschaffenen Reichtums wird von der Minderheit der herrschenden Klasse abgesch\u00f6pft. Die kapitalistische Klasse profitiert davon,\u00a0 sowohl Frauen als auch migrantische, ethnische und sexuelle Minderheiten schlechter zu bezahlen oder zu diskriminieren, weil dies, wie bereits erkl\u00e4rt wurde, alle L\u00f6hne nach unten dr\u00fcckt und manche Schichten der Arbeiterklasse dazu zwingt, \u201eflexibler\u201c zu arbeiten und f\u00fcr prek\u00e4re Halbzeitjobs zur Verf\u00fcgung zu stehen.<\/p>\n<p>MarxistInnen arbeiten aktiv daran, die Arbeiterklasse darin zu schulen, dass es nicht in ihrem Interesse steht, sich gegenseitig zu diskriminieren und zu unterdr\u00fccken. Individuen werden meist durch die konkrete Erfahrung des Kampfs transformiert, und ihre Ideen ver\u00e4ndern sich dabei mit. Die sogenannten \u201eprivilegierten\u201c ArbeiterInnen, die diskriminierende Haltungen aufrechterhalten, tragen tats\u00e4chlich dazu bei, ihren eigenen Lohn zu dr\u00fccken, denn es ist der Wettbewerb um die niedrigen L\u00f6hne der unterdr\u00fccktesten ArbeiterInnen, der die Profite der Bosse und des kapitalistischen Systems, das uns alle ausbeutet und unterdr\u00fcckt, sicherstellt. ArbeiterInnen, die nicht mehrere Formen der Unterdr\u00fcckung erfahren, haben durch das Aufrechterhalten der Unterdr\u00fcckung anderer weit mehr zu verlieren, da es nur ihre eigene Ausbeutung aufrechterh\u00e4lt. Die Arbeiterklasse hat die Welt zu gewinnen durch die Vereinigung im Kampf f\u00fcr den Sozialismus, der es erlauben w\u00fcrde, den Lebensstandard f\u00fcr Alle massiv zu erh\u00f6hen. An die Stelle der Klassensolidarit\u00e4t stellt die Intersektionalit\u00e4tstheorie das Konzept der \u201eB\u00fcndnisse\u201c, mit der Behauptung, unterschiedliche Schichten der Arbeiterklasse und der Unterdr\u00fcckten h\u00e4tten unterschiedliche Interessen und sollten daher jeweils ihre eigenen, separaten Organisationen haben. MarxistInnen argumentieren f\u00fcr einen gemeinsamen Kampf basierend auf gemeinsamen Interessen, organisiert in sozialistischen Massenparteien und den Gewerkschaften, die gegen alle Formen der Unterdr\u00fcckung k\u00e4mpfen, die den ArbeiterInnen zugef\u00fcgt werden, und gegen das gesamte kapitalistische System sowie alles, was dieses aufrechterh\u00e4lt, zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die Gefahr der \u201ePolitik der Privilegierten\u201c ist, dass sie AktivistInnen dazu f\u00fchrt, Teile der Arbeiterklasse davon zu \u00fcberzeugen, dass sie eigentlich von der Unterdr\u00fcckung anderer Schichten profitieren und sie daher gegens\u00e4tzliche Interessen h\u00e4tten, anstatt zu erkl\u00e4ren, dass es in unserer aller Interesse ist, sich gegen die kapitalistische Klasse zu vereinigen. Das spielt direkt in die H\u00e4nde der KapitalistInnen, die aktiv versuchen, diesen Mythos aufrechtzuerhalten und Rassismus, Sexismus und andere Formen der Unterdr\u00fcckung und Diskriminierung verwenden, um ihn zu rechtfertigen. Wenn \u201eprivilegierte\u201c und unterdr\u00fcckte ArbeiterInnen sich gegen die Bosse vereinigen und gleiche Bedingungen und selben Lohn fordern, wird die Macht dieser Einheit es allen Schichten erlauben, mehr von der ausbeutenden Klasse zu bekommen.<\/p>\n<p>Die Unterdr\u00fcckung und Diskriminierung einiger Schichten der Arbeiterklasse dient der herrschenden Klasse auch dabei, geeignete S\u00fcndenb\u00f6cke zur Verf\u00fcgung zu haben. Wenn der Kapitalismus in der Krise steckt, beschuldigen die herrschende Klasse und ihre Repr\u00e4sentantInnen im Staatsapparat diese oder jene unterdr\u00fcckte oder marginalisierte Gruppe, um zu versuchen, uns gegeneinander auszuspielen. Wenn die Menschen um ihr \u00dcberleben k\u00e4mpfen m\u00fcssen und keine genuin linke Alternative pr\u00e4sentiert wird, k\u00f6nnen solche Ideen Fu\u00df fassen. Dies hat sich in den Pr\u00e4sidentschaftswahlen in den USA klar gezeigt: sobald Bernie Sanders von der politischen B\u00fchne beseitigt wurde, war Donald Trump in der Lage, durch rassistische, frauen- und fremdenfeindliche Ansichten in einer frustrierten Schicht der Arbeiterklasse, die Hillary Clinton als Repr\u00e4sentantin des Status Quo gesehen haben, Fu\u00df zu fassen und zur Macht zu gelangen. Tats\u00e4chlich haben nur 25 % der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr ihn gestimmt. Umfragen<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>\u00a0haben nahegelegt, dass bedeutende Teile dieser Schicht f\u00fcr eine linke Plattform gewonnen werden h\u00e4tten k\u00f6nnen, die die Milliard\u00e4rsklasse anstelle von zu S\u00fcndenb\u00f6cken gestempelten unterdr\u00fcckten Gruppen angreift. Jene, die f\u00fcr Trump gestimmt haben, waren nicht von vornherein unterdr\u00fcckerisch oder diskriminierend, wurden aber von diesen Ideen gef\u00fcttert als Erkl\u00e4rung f\u00fcr ihre eigene Not und Armut. Das ist ein konkretes Beispiel daf\u00fcr, wie diskriminierende Haltungen in den Strukturen der Klassengesellschaft verwurzelt sind, verst\u00e4rkt durch Mangel, Armut und Entt\u00e4uschung durch das kapitalistische System, vor allem, wenn die Linke unf\u00e4hig ist, eine tats\u00e4chliche Alternative zu bieten.<\/p>\n<p>Es ist unschwer vorzustellen, wie viel weniger Zugkraft diskriminierende Ideen h\u00e4tten, wenn jedem Menschen ein hoher Lebensstandard garantiert w\u00fcrde, der allgemeinen Zugang zum Erwerb von F\u00e4higkeiten und h\u00f6herer Bildung, zu Kinderbetreuung, Gesundheitsf\u00fcrsorge, zu Verkehrsmitteln, Wohnung, Erholung, Kultur und so weiter b\u00f6te. Es w\u00e4re schwierig, irgendeine Gruppe f\u00fcr das Leiden einer anderen verantwortlich zu machen, wenn allen der Zugang zu den Ressourcen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine hohe Lebensqualit\u00e4t gew\u00e4hrt w\u00fcrde. Das ist jedoch im Kapitalismus, der auf der Produktion f\u00fcr Profit anstelle von menschlichen Bed\u00fcrfnissen beruht, unm\u00f6glich. Ein vereinter Klassenkampf ist notwendig, um alle Schichten der Unterdr\u00fcckten im Kampf gegen das kapitalistische System, das uns alle ausbeutet und unterdr\u00fcckt, zu vereinen.<\/p>\n<p><strong>Klassenkampf und der Kampf gegen Unterdr\u00fcckung<\/strong><\/p>\n<p>MarxistInnen sind gegen das Aufteilen von Menschen in verschiedene Bereiche der Unterdr\u00fcckung und argumentieren f\u00fcr die Notwendigkeit der Einheit. Der Kampf irgendeiner unterdr\u00fcckten Gruppe kann nicht unabh\u00e4ngig von anderen Formen der Unterdr\u00fcckung und dem kapitalistischen System verstanden werden, das diese Unterdr\u00fcckung erst erzeugt.\u00a0 Und obwohl die Bef\u00fcrworterInnen der Intersektionalit\u00e4tstheorie gegen die Aufspaltung von Menschen in eindimensionale (Aktivismus-)Bereiche argumentieren, ist das Resultat ihres subjektivistischen Zugangs stattdessen die Aufspaltung von Menschen in eine unendliche Zahl an unterschiedlich zusammengef\u00fcgten Unterdr\u00fcckungskombinationen und Privilegien, die allesamt keinen gemeinsamen Nenner finden. Das wird von der feministischen Theoretikerin und Gelehrten der Intersektionalit\u00e4t, Patricia Hill Collins, in ihrem Werk \u201eSchwarze feministische Gedanken: Wissen, Bewusstsein und die Politik der Erm\u00e4chtigung\u201c<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>\u00a0(1990) vorgeschlagen. Darin erkl\u00e4rt sie, dass \u201eder allumfassende N\u00e4hrboden der Herrschaft mehrere Gruppen beherbergt, jede davon mit unterschiedlichen Erfahrungen, mit Strafen und Privilegien, die die entsprechenden einseitigen Perspektiven hervorrufen\u2026 Keine Gruppe hat einen klaren Blickwinkel. Keine der Gruppen besitzt die Theorie oder Methode, die es ihr erlaubt, die absolute \u201aWahrheit\u2018 zu entdecken\u201c.<\/p>\n<p>Diese ziemlich pessimistische Einstellung l\u00e4sst uns mit unseren unvollst\u00e4ndigen, subjektiven Realit\u00e4ten zur\u00fcck und hinterl\u00e4sst nichts, um die Urspr\u00fcnge der Unterdr\u00fcckung zu erkl\u00e4ren, oder wie sie ein f\u00fcr alle Mal zu beseitigen ist. Es ist ein Standpunkt, der zu Individualismus und Selbstmitleid f\u00fchrt, und nicht zu einem gemeinsamen Kampf, der die Realit\u00e4t ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. Die Welt existiert tats\u00e4chlich auch au\u00dferhalb unserer Gedanken und Gef\u00fchle. Unser Verst\u00e4ndnis dieser Welt ist selbstverst\u00e4ndlich unvollst\u00e4ndig und individuell, aber es ist dennoch eine Betrachtung der objektiven Realit\u00e4t und unsere Ideen \u00fcber diese Realit\u00e4t werden st\u00e4ndig in der Praxis getestet. Die sozialen und \u00f6konomischen Beziehungen, die den Kapitalismus ausmachen, existieren objektiv. Falls man nicht dieser Meinung ist, sollte man nachsehen, was passiert, wenn man nicht f\u00fcr die eigene Existenz arbeitet oder die Miete bezahlt! Weil die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit von uns im Kapitalismus lebt und von ihm ausgebeutet wird, stellt die Analyse der Klassen und ihrer K\u00e4mpfe den breitesten \u201eBlickwinkel\u201c und das beste theoretische Werkzeug dar im Kampf f\u00fcr die Vereinigung und die Gleichberechtigung von allen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Intersektionalit\u00e4tstheorie alle Formen der Unterdr\u00fcckung als gleicherma\u00dfen fundamental betrachtet, heben MarxistInnen hervor, dass Klassen die grundlegende Spaltungslinie in der kapitalistischen Gesellschaft sind. Die kapitalistische Produktionsweise ist in ihrem Kern auf der Ausbeutung des Mehrwerts aufgebaut, der von den Eigent\u00fcmern der Produktionsmittel (den KapitalistInnen) den ArbeiterInnen abgepresst wird. Das will nicht hei\u00dfen, dass die Ausbeutung einer Klasse in Fragen des Leids die schlechteste Form der Unterdr\u00fcckung, oder dass die Arbeiterklasse in irgendeiner Weise anderen unterdr\u00fcckten Gruppen \u00fcberlegen sei. Es bedeutet, dass solange wir in einer Gesellschaft leben, in der eine parasit\u00e4re herrschende Klasse die Mehrheit ausbeutet und unterdr\u00fcckt, keine einzige unterdr\u00fcckte Gruppe wirklich befreit werden kann, da immer systematische Ungleichheit vorherrschen wird. JedeR Repr\u00e4sentantIn der Minderheit der herrschenden Klasse, egal welchen Geschlechts, welcher Ethnie oder sexuellen Orientierung, wird letztlich den Klasseninteressen dienen, die auf unserer Spaltung und der Unterdr\u00fcckung der Mehrheit von uns beruhen.<\/p>\n<p>Die enormen Profite, die von der kapitalistischen Klasse aufgeh\u00e4uft werden, stellen die unbezahlte Arbeit der Arbeiterklasse dar, die nicht den vollen Wert ihrer Arbeit bezahlt bekommt. Das ist es, was MarxistInnen mit Klassenausbeutung meinen \u2013 nicht zu verwechseln mit \u201eKlassismus\u201c, was sich auf die Diskriminierung von armen Menschen bezieht, die als vermeintlich niedrigere Klasse wahrgenommen werden, und nicht auf ein \u00f6konomisches Verh\u00e4ltnis. W\u00e4hrend MarxistInnen die erhebliche Rolle anerkennen, die Diskriminierung und Unterdr\u00fcckung in der Beibehaltung des kapitalistischen Systems spielen, ist es tats\u00e4chlich die \u00f6konomische Realit\u00e4t der Ausbeutung, die die Arbeiterklasse in die einzigartige Position versetzt, das System st\u00fcrzen zu k\u00f6nnen, da sie diejenige ist, die den gesamten Reichtum der Gesellschaft produziert. Und obwohl nicht alle ArbeiterInnen mehrfache Unterdr\u00fcckung erfahren, wird die gro\u00dfe Mehrheit der Unterdr\u00fcckten entweder als ArbeiterInnen, als deklassierte, arbeitslose Menschen oder unter moderner Sklaverei ausgebeutet. Das l\u00e4sst die Klassenausbeutung den vereinigenden Faktor f\u00fcr alle Unterdr\u00fcckten werden. Die Arbeiterklasse umfasst die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit aller ausgebeuteten Schichten der Gesellschaft, und es ist eben gerade der Klassenkampf, der all diese Schichten gegen unseren gemeinsamen Feind, die ausbeutende Klasse, vereinigen kann, und in diesem Prozess diskriminierende Einstellungen zerschlagen kann.<\/p>\n<p>Allerdings haben die meisten F\u00fchrerInnen der Jugend- und Arbeiterbewegung versagt, einen militanten Klassenkampf zu organisieren, der alle Schichten der Unterdr\u00fcckten vereinigt. Gleichzeitig \u00fcbernehmen oft genau diese B\u00fcrokratInnen die Sprache der Intersektionalit\u00e4t, um die Realit\u00e4t zu kaschieren, dass sie nicht f\u00fcr bedeutsame Reformen k\u00e4mpfen, die die Bedingungen der Jugend und der Arbeiterklasse verbessert h\u00e4tten. Eine Politik der Zugest\u00e4ndnisse, wie die Gendergleichheit und andere identit\u00e4tsbasierte Quoten, wird ohne R\u00fccksicht auf Klassenbewusstsein oder politische Orientation angewendet, was in der Realit\u00e4t in einigen wenigen vorteilhaften Positionen f\u00fcr eine Handvoll B\u00fcrokratInnen resultiert, die sich nicht verpflichtet f\u00fchlen, einen Kampf um Verbesserungen zu f\u00fchren, der die Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung der Mehrheit lindern k\u00f6nnte, die die breite Basis dieser Gesellschaft stellt. Die herrschende Klasse verwendet \u00e4hnliche Taktiken, um die Unterdr\u00fcckten zu beschwichtigen, w\u00e4hrend ihr System der Ausbeutung g\u00e4nzlich intakt bleibt. Man muss sich gar nicht weiter umsehen als auf den Webseiten vieler der gr\u00f6\u00dften Banken, die mit der Diversit\u00e4t ihrer Besch\u00e4ftigten prahlen. Die Vertretung unterdr\u00fcckter Gruppen in Banken und gro\u00dfen Unternehmen \u00e4ndert nichts an der Realit\u00e4t der Mehrheit der unterdr\u00fcckten Schichten der Arbeiterklasse, und ohne Ver\u00e4nderung der materiellen Bedingungen, die die Unterdr\u00fcckung erzeugen, wird auch die Vertretung in unseren Studentenvereinigungen und Gewerkschaften nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Idee hinter der \u201eRepr\u00e4sentation\u201c ist folgende: wenn nur mehr Leute aus unterdr\u00fcckten Gruppen h\u00f6here Positionen einnehmen k\u00f6nnen (als gew\u00e4hlte offizielle VertreterInnen der Studierenden- und Arbeiterorganisationen und in der parlamentarischen Politik, aber auch als Firmenchefs, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerInnen, im privaten Sektor, usw.), wird das helfen, ihre Unterdr\u00fcckung zu beseitigen oder zu lindern. Es ist wichtig zu verstehen, dass unterdr\u00fcckte Gruppen nicht unterdr\u00fcckt sind, weil sie nicht in F\u00fchrungspositionen vertreten sind; sie sind unterrepr\u00e4sentiert wegen der systematischen Unterdr\u00fcckung in der Gesellschaft, die H\u00fcrden f\u00fcr die Teilnahme am \u00f6ffentlichen Leben und der Politik aufstellt. Der beste Weg, tats\u00e4chliche Repr\u00e4sentation unterdr\u00fcckter Gruppen in der Bewegung zu erreichen, ist der Aufbau militanter, k\u00e4mpfender Organisationen, die tats\u00e4chlich in der Lage sind, diese H\u00fcrden als Teil des Kampfes f\u00fcr das Ende aller Unterdr\u00fcckung g\u00e4nzlich zu beseitigen. Das w\u00fcrde breite Schichten der historisch unterdr\u00fcckten und an den Rand gedr\u00e4ngten Gruppen daf\u00fcr begeistern, sich zu vereinigen und das \u00dcberwinden jener systematischen Hindernisse anzustreben, die ihre Teilnahme verhindert haben. Ein solcher Kampf wird die Entwicklung einer echten F\u00fchrung aus der Basis f\u00f6rdern, statt Zugest\u00e4ndnisse von oben bringen. Sozialismus bedeutet gerade, alle ausgebeuteten und unterdr\u00fcckten Schichten im Kampf f\u00fcr eine bessere Welt zu vereinen. Unsere VertreterInnen m\u00fcssen auf Basis ihrer Politik und ihrer F\u00e4higkeit, einen wirklichen Kampf f\u00fchren zu k\u00f6nnen, gew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>Die Wahl von Frauen wie Margaret Thatcher, Angela Merkel, Theresa May oder Hillary Clinton in einige der h\u00f6chsten erreichbaren politischen Positionen hat der Sache der Gleichberechtigung der Frauen nicht geholfen, und revolution\u00e4re Frauen und M\u00e4nner haben gegen sie agitiert und werden das auch weiterhin aktiv tun. Dasselbe kann zum Beispiel \u00fcber Christine Lagarde, Direktorin des IWF, gesagt werden, und die Liste l\u00e4sst sich fortsetzen. Genauso ist auch unter Obama der Lebensstandard der schwarzen amerikanischen Bev\u00f6lkerung weiterhin gefallen. Als Revolution\u00e4rInnen w\u00fcrden wir eineN linkeN PolitikerIn gegen jeden von ihnen unterst\u00fctzen, egal welcher sexuellen Orientierung, welchen Geschlechts oder Ethnie diese Person angeh\u00f6rt. Repr\u00e4sentation ist ein machtvolles Werkzeug in den H\u00e4nden der herrschenden Klasse, da sie es dazu verwendet, Illusionen in F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten alleine aufgrund ihrer Ethnie, sexuellen Orientierung, Genders usw. anstatt auf Basis ihrer Klasseninteressen zu sch\u00fcren, die die Interessen des Kapitals vertreten.<\/p>\n<p>Mitglieder der herrschenden Klasse wie Hillary Clinton haben sogar die Sprache der Intersektionalit\u00e4t angenommen<a href=\"http:\/\/www.derfunke.at\/theorie\/ideologiekritik\/10713-marxismus-vs-intersektionalitaet#_ftn4\">[4]<\/a><a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>, um Unterst\u00fctzung zu gewinnen. Zu ihrer Ehrenrettung haben Crenshaw und andere Bef\u00fcrworterInnen der Intersektionalit\u00e4t dies verurteilt und hervorgehoben, dass, nachdem \u201eFrau\u201c keine homogene Kategorie darstelle, Hillary aufgrund ihrer imperialistischen Politik nicht die Interessen aller Frauen vertrete. Doch die Tatsache, dass die Intersektionalit\u00e4tstheorie die Wurzeln der Unterdr\u00fcckung nicht anr\u00fchrt, bedeutet, dass sie letztlich f\u00fcr die kapitalistische Klasse und ihre reformistischen Verb\u00fcndeten keine Bedrohung darstellt. Deshalb k\u00f6nnen diese auch so leichtfertig den Sprachgebrauch der Intersektionalit\u00e4t \u00fcbernehmen, um sich fortschrittlich zu geben. Es bedroht die herrschende Klasse nicht, zu betonen, dass viele und sich \u00fcberschneidende Formen der Unterdr\u00fcckung existieren, solange die Frage vermieden wird: warum und zu wessen Vorteil. Es gibt einen Grund daf\u00fcr, warum die Hillary Clintons dieser Welt sich nicht die marxistische Sprache zu eigen machen, die auf der Notwendigkeit beharrt, dass alle unterdr\u00fcckten Schichten sich im Klassenkampf vereinigen und den Kapitalismus st\u00fcrzen!<\/p>\n<p><strong>Reform oder Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Hei\u00dft das, dass MarxistInnen damit sagen, dass alle K\u00e4mpfe gegen verschiedene Formen der Unterdr\u00fcckung zu Gunsten des Klassenkampfes beiseitegelegt werden sollen? Dass gegen sie nichts getan werden kann bis nach der sozialistischen Revolution? Dem ist \u00fcberhaupt nicht so. MarxistInnen stellen sich konsequent gegen jegliche Formen der Unterdr\u00fcckung und Diskriminierung im Hier und Jetzt und k\u00e4mpfen gegen alle spalterischen Ideen in der Bewegung, da diese nur den KapitalistInnen in die H\u00e4nde spielen. Als MarxistInnen gehen wir dar\u00fcber hinaus und heben hervor, dass wir das Massenbewusstsein nicht im gro\u00dfen Stil ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, ohne die materiellen Grundlagen daf\u00fcr zu ver\u00e4ndern; d.h. die Knappheit und den Wettbewerb. Das ist einer der Gr\u00fcnde, warum sich MarxistInnen am t\u00e4glichen Kampf f\u00fcr Reformen beteiligen und sie dabei mit dem Kampf f\u00fcr den Sozialismus verbinden.<\/p>\n<p>Da die herrschende Klasse Reformen nie freiwillig ohne vorangehende K\u00e4mpfe herausr\u00fcckt, erk\u00e4mpfen wir diese Reformen am besten durch militante, kollektive Massenaktionen, welche die KapitalistInnen aus Angst vor einer Revolution ins Schwitzen bringen. Es sollte nicht die Verantwortung jeder unterdr\u00fcckten Gruppe sein, gegen ihre eigene spezielle Unterdr\u00fcckung zu k\u00e4mpfen. Der Kampf gegen jede Unterdr\u00fcckung und f\u00fcr jegliche Reformen wird dann erleichtert, wenn die ganze Arbeiterklasse und mit ihr alle unterdr\u00fcckten Gruppen vereint zusammenstehen und k\u00e4mpfen. M\u00e4nner und heterosexuelle ArbeiterInnen haben ein berechtigtes Interesse daran, sich f\u00fcr Frauen- und Transrechte einzusetzen, wei\u00dfe ArbeiterInnen m\u00fcssen sich dem Kampf gegen Rassismus anschlie\u00dfen, usw. usf. Unsere St\u00e4rke liegt in unserer vereinten Zahl; die St\u00e4rkung einer Schicht der ArbeiterInnen ist eine St\u00e4rkung f\u00fcr die ganze Klasse und f\u00fcr alle Unterdr\u00fcckten.<\/p>\n<p>Durch den vereinten Klassenkampf lernen die Massen der ArbeiterInnen ihre eigene St\u00e4rke kennen, wenn sie zusammenhalten. Im Klassenkampf werden auch schnell die Grenzen des Kapitalismus, also die Unf\u00e4higkeit dieses Systems, notwendige grundlegende Verbesserungen zu realisieren, klar. Schauen wir uns heute in der Welt um, sehen wir, dass neue Reformen nicht die Norm sind. Im Gegenteil, ArbeiterInnen und Unterdr\u00fcckte Gruppen k\u00e4mpfen \u00fcberall gegen Abbau und Verschlechterungen ihres Lebensstandards, um \u00fcberhaupt die grundlegendsten Rechte zu behalten, welche in der Vergangenheit erk\u00e4mpft wurden. Wenn wir also f\u00fcr Reformen k\u00e4mpfen, welche Unterdr\u00fcckung abschw\u00e4chen und den Lebensstandard heben w\u00fcrden, erkl\u00e4ren wir gleichzeitig, dass keine dieser Reformen im krisengesch\u00fcttelten Kapitalismus gehalten werden kann. Um permanente Verbesserungen zu erreichen, m\u00fcssen diese Reformen direkt mit dem Kampf f\u00fcr den Sozialismus\u00a0verkn\u00fcpft werden.<\/p>\n<p>Sobald ihre Profite in Gefahr schweben und der Kapitalismus in eine Krise eintritt, legen die Chefs, Banker und alle ihre Freunde beim Staat alles daran, jegliche erk\u00e4mpfte Verbesserungen und Reformen zu unseren Gunsten wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Tendenziell f\u00fchrt das zur St\u00e4rkung von Rassismus und anderen Vorurteilen gegen\u00fcber bestimmten unterdr\u00fcckten Gruppen, welche von den Rechten immer gerne als S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr Austerit\u00e4t und K\u00fcrzungen vorgef\u00fchrt werden. Unsere einzige Chance, die gewonnenen Reformen der Vergangenheit zu erhalten, erfolgreich gegen alle Formen der Unterdr\u00fcckung zu k\u00e4mpfen und eine wirklich gleichberechtigte Gesellschaft aufzubauen, liegt darin, der profitorientierten Produktion ein Ende zu setzen. So k\u00f6nnen die enormen Ressourcen und der Reichtum, welche heute schon vorhanden sind, unter demokratischer Kontrolle im Interesse der Mehrheit genutzt werden.<\/p>\n<p><strong>Die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass nach der sozialistischen Revolution diskriminierende Verhaltensweisen \u00fcber Nacht verschwinden. Unterdr\u00fcckung in all ihren Formen existiert schon seit Generationen und teils sogar schon seit tausenden von Jahren, in denen sie ihr Mal dem Bewusstsein der Menschen aufgedr\u00fcckt hat. Wir wissen aber auch, dass das Massenbewusstsein sich sehr schnell ver\u00e4ndert, wenn Menschen zusammen f\u00fcr eine Sache k\u00e4mpfen, einander also als Verb\u00fcndete sehen anstatt als Konkurrenten. Es ist schwierig, seine diskriminierende Haltung gegen\u00fcber z.B. Frauen aufrechtzuerhalten, wenn diese f\u00fcr die gleichen Forderungen zusammen auf der Strasse stehen und im Kampf ihr Leben f\u00fcr die gemeinsame Sache aufs Spiel setzen. In Arbeitsk\u00e4mpfen wie Streiks sieht man deutlich, dass die ArbeiterInnen kein Interesse daran haben, sich gegenseitig zu diskriminieren, da das den Streik untergraben w\u00fcrde. Dieses Bewusstsein nimmt in grossen Bewegungen einen Massencharakter an.<\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist die \u00e4gyptische Revolution 2011, die Hosni Mubarak st\u00fcrzte. Trotz einer traditionell starken Frauenunterdr\u00fcckung und vielen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen \u00fcber Jahrzehnte hinweg, kamen f\u00fcr dieses Ereignis M\u00e4nner und Frauen aus allen religi\u00f6sen Hintergr\u00fcnden beim Tahrir-Platz zusammen. Diskriminierendes und stigmatisierendes Denken \u00fcber verschiedene unterdr\u00fcckte Gruppen wurde im Kampf gegen den gemeinsamen Unterdr\u00fccker durchbrochen. Obwohl der Kapitalismus von der \u00e4gyptischen Revolution noch nicht gest\u00fcrzt worden ist, konnten wir einen fl\u00fcchtigen Blick darauf werfen, was im Versuch, eine neue Gesellschaft zu erschaffen, auf Massenbasis m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Wenn wir die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen dieser Gesellschaft mit einem sozialistischen Programm radikal umkrempeln, wird der Unterdr\u00fcckung der strukturelle und wirtschaftliche Boden unter den F\u00fcssen entzogen. Ohne eine parasit\u00e4re Minderheit, die die Mehrheit f\u00fcr Profite ausbeutet, g\u00e4be es keine soziale und materielle Notwendigkeit, die Mehrheit der Menschen an Linien wie Geschlecht, sexueller Orientierung, F\u00e4higkeiten, Sprache, Religion etc. zu spalten. Wenn wir nicht mehr dazu gezwungen werden, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Suche nach guter Bildung und Kindertagesst\u00e4ttenpl\u00e4tzen, Essen, Wasser oder bezahlbarem Wohnraum gegeneinander zu konkurrieren, wird sich die Art des sozialen Zusammenlebens fundamental \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Eine jederzeit demokratisch w\u00e4hl- und abw\u00e4hlbare F\u00fchrung am Arbeitsplatz gepaart mit einem demokratischen Anstellungs- und Entlassungsprozess k\u00f6nnen diskriminierendem Verhalten bei der Arbeit einen Riegel vorschieben; gesellschaftliche demokratische Kontrolle \u00fcber die Medien und die Bildung werden wichtige Werkzeuge sein, um Diskriminierung und Vorurteile abzubauen. Ver\u00e4ndern wir also die sozio-\u00f6konomische Grundlage der Gesellschaft, wird die Welt und das Massenbewusstsein auch eine grundlegende \u00c4nderung durchmachen.<\/p>\n<p>MarxistInnen wird h\u00e4ufig vorgeworfen, sie h\u00e4tten eine einfache L\u00f6sung, die sie dann auf alles und alle von oben herab anwenden wollen. Aber ganz im Gegenteil \u2013 bei der sozialistischen Revolution geht es darum, dass allt\u00e4gliche Menschen ihr Schicksal beginnen in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen und zusammen eine neue Gesellschaft f\u00fcr sich zu bauen. MarxistInnen m\u00f6chten diese Bestrebungen zum Sturz des Kapitalismus und dem Errichten einer sozialistischen Gesellschaft, wo die sozio-\u00f6konomischen Grundlagen f\u00fcr Ungleichheit nicht mehr vorhanden sind, anf\u00fchren. Von da an werden die verschiedenen sozialen Gruppen alle M\u00f6glichkeiten und Ressourcen zur Verf\u00fcgung haben, die sie brauchen, um die Probleme anzugehen, welche \u00fcber Generationen von Unterdr\u00fcckung und Diskriminierung entstanden sind. Auf dieser Grundlage der wahren sozialen Gleichheit k\u00f6nnen die Menschen anfangen, menschliche und aufrichtige zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Mit der Errichtung der neuen Gesellschaft wird ein neues kollektives Bewusstsein m\u00f6glich.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/geschlechterfragen\/marxismus-vs-intersektionalitaet\/#more-6301\"><em>derfunke.ch&#8230;<\/em><\/a> vom 31. August 2017<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Originaltitel: \u201cDemarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics\u201d<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/news\/world\/americas\/us-elections\/bernie-sanders-beaten-donald-trump-pre-election-poll-a7412636.html\">http:\/\/www.independent.co.uk\/news\/world\/americas\/us-elections\/bernie-sanders-beaten-donald-trump-pre-election-poll-a7412636.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Originaltitel: \u201eBlack Feminist Thought: Knowledge, Consciousness, and the Politics of Empowerment\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/HillaryClinton\/status\/706670045410299904?ref_src=twsrc%5Etfw\">https:\/\/twitter.com\/HillaryClinton\/status\/706670045410299904?ref_src=twsrc%5Etfw<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fightback. Die Krise des Kapitalismus hat zu weltweiten Massenbewegungen gef\u00fchrt und bewirkt, dass Menschen das System hinterfragen. Von den spanischen Indignados, \u00fcber die Syntagmaplatz-Bewegung in Griechenland bis hin zu Nuit Debout<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,32,12,13,45,14,4,21],"class_list":["post-2477","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-frauenbewegung","tag-lenin","tag-marx","tag-neoliberalismus","tag-postmodernismus","tag-strategie","tag-trotzki"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2477"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2477\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2478,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2477\/revisions\/2478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}