{"id":2491,"date":"2017-09-04T17:02:55","date_gmt":"2017-09-04T15:02:55","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2491"},"modified":"2018-01-19T17:55:36","modified_gmt":"2018-01-19T15:55:36","slug":"deutsche-gewerkschaften-willkommenskultur-durch-arbeitsmarktintegration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2491","title":{"rendered":"Deutsche Gewerkschaften: Willkommenskultur durch Arbeitsmarktintegration?"},"content":{"rendered":"<p><em>Mark Bergfeld.<\/em> Der \u00bbSommer der Solidarit\u00e4t\u00ab und die Entscheidung der Kanzlerin, syrischen Gefl\u00fcchteten die Grenze nicht zu verschlie\u00dfen, werden weiterhin hei\u00df debattiert. Die DGB-Gewerkschaften stehen diesbez\u00fcglich vor zwei Herausforderungen:<!--more--> Zum einen versucht die Arbeitgeberseite, Gefl\u00fcchtete zu benutzen, um Lohn- und Arbeitsstandards zu senken und den Mindestlohn auszuhebeln. Zum anderen stellt die AfD mit ihrer neoliberalen Wirtschafts- und Arbeitspolitik auch eine Gefahr f\u00fcr Gewerkschaften und ihre Mitglieder dar. Ein Einblick in das Verh\u00e4ltnis von Gewerkschaften und Gefl\u00fcchteten und eine genauere Analyse der gewerkschaftlichen Haltung und Aufgaben in Bezug auf die Politik der Arbeitsmarktintegration zeigt Handlungsfelder und -optionen auf, die einen positiven Debattenbeitrag im Wahlkampf darstellen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis von DGB-Gewerkschaften und Migration ist nicht einfach. In der gewerkschaftlichen Linken und unter BewegungsaktivistInnen ist der Blick auf das Verh\u00e4ltnis von Gewerkschaften und MigrantInnen oft durch einen positiven Bezug auf die wilden Streiks der fr\u00fchen 1970er Jahre gepr\u00e4gt, die sich gegen Arbeitgeber sowie gegen die jeweilige Gewerkschaft gewandt h\u00e4tten (Bojad\u017eijev 2008; Braeg 2012; Wittemann 1994). Der Streik ausl\u00e4ndischer Frauen beim Autozulieferer Pierburg in Neuss 1973 und der Streik t\u00fcrkischer Besch\u00e4ftigte bei Ford in K\u00f6ln im gleichen Jahr sind Teil einer linken Mythologie geworden, in der migrantische Besch\u00e4ftigte k\u00e4mpferischer erscheinen als ihre deutschen KollegInnen. Diese Streiks hatten auch reale Auswirkungen auf Gewerkschaft und Arbeitswelt. So zeigt die Historikerin Nelly T\u00fcgel (2016), welche Ver\u00e4nderungen der Ford-Streik hatte, z.B. im Hinblick auf die Zusammensetzung des Betriebsrates, auch wenn die Streikenden die Wiedereinstellung ihrer Kollegen nicht durchsetzen konnten. Bei Pierburg hingegen gelang es den dort besch\u00e4ftigten Frauen, die sog, \u00bbLeichtlohngruppe\u00ab in ihrem Betrieb wegzustreiken.<\/p>\n<p>Wie die letzten Jahre zeigen, muss die Beziehung zwischen MigrantInnen und Gewerkschaften immer wieder neu ausgehandelt werden. Die Initiative zur Aufnahme von 300 von Abschiebung bedrohten Gefl\u00fcchteten durch ver.di Hamburg erlitt zwar einen R\u00fcckschlag, da die Gefl\u00fcchteten keine permanenten Gewerkschaftsmitglieder wurden, schaffte aber breite Aufmerksamkeit f\u00fcr das Thema und brachte erneut die Frage auf: Wie verstehen sich Gewerkschaften heute, wie bestimmen sie ihr Verh\u00e4ltnis zu Migration und MigrantInnen? Punktuell fand im Zuge dessen eine Zusammenarbeit zwischen spanischen BasisgewerkschafterInnen der\u00a0<em>Gruppo Accion Sindical<\/em>\u00a0und DGB-Gewerkschaften statt. Aber die Besetzung des DGB-Gewerkschaftshauses Berlin-Brandenburg durch die Gruppe \u00bbRefugees Freedom Forever\u00ab und deren polizeiliche R\u00e4umung best\u00e4tigte bei vielen BewegungsaktivistInnen ein Bild, demzufolge sich bei den DGB-Gewerkschaften in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Im\u00a0<em>Global Labour Journal<\/em>\u00a0habe ich versucht, ein differenzierteres Bild gewerkschaftlicher Initiativen zu zeichnen (Bergfeld 2017). Dabei st\u00fctze ich mich auf vorherige Studien des DGB, die zeigen, dass Gewerkschaftsmitglieder weder immun gegen\u00fcber rechtsextremen Ideen sind, noch davor zur\u00fcckscheuen\u00a0\u2013 wie bei den letzten drei Landtagswahlen\u00a0\u2013, die AfD zu w\u00e4hlen (DGB 2016). Nichtsdestotrotz gibt es auch diejenigen GewerkschafterInnen, die aktiv sind in der Gefl\u00fcchtetenhilfe vor Ort. Dar\u00fcber hinaus kamen hunderttausende Euro durch die Initiative\u00a0<em>Gewerkschaften Helfen!<\/em>\u00a0zusammen. Und auch wenn der Fokus der letzten Jahre in der Beratung von mobilen EU-Besch\u00e4ftigten durch das DGB-Projekt \u00bbFaire Mobilit\u00e4t\u00ab lag, haben die DGB-Gewerkschaften auch eine bedeutende Rolle in der Arbeitsmarktintegration von syrischen Gefl\u00fcchteten gespielt.<\/p>\n<p>Dabei st\u00fctzen sich die Gewerkschaften auf Kooperationen mit der Arbeitgeberseite, die jedoch immer wieder auch unterlaufen werden. So behauptete Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender bei der Daimler AG, im Sommer 2015, dass die Gefl\u00fcchteten ein Wirtschaftswunder ausl\u00f6sen k\u00f6nnten (<em>FAZ<\/em>\u00a02015). Dennoch wurden bis Sommer 2016 nur 54 Gefl\u00fcchtete in DAX-Unternehmen besch\u00e4ftigt\u00a0\u2013 50 davon bei der\u00a0<em>Deutschen Post<\/em>\u00a0(vgl. Astheimer 2016; neuere Zahlen liegen leider nicht vor). Das hat zwei Gr\u00fcnde: Erstens will die Arbeitgeberseite die Gefl\u00fcchteten zu schlechteren Bedingungen\u00a0\u2013 ohne Mindestlohn und Tarifbindung\u00a0\u2013 einstellen. Zweitens haben Studien zufolge rund 70 Prozent der jobsuchenden Gefl\u00fcchteten keine Ausbildung oder Berufsqualifizierung (Br\u00fccker\/Schewe\/Sirries 2016). Deshalb ist es h\u00f6chstwahrscheinlich, dass Gefl\u00fcchtete in diejenigen Segmente des Arbeitsmarktes integriert werden, die deutsche Besch\u00e4ftigte nicht besetzen wollen oder schon verlassen haben, oder die derzeit von ost- und s\u00fcdeurop\u00e4ischen Besch\u00e4ftigten \u00fcbernommen werden. Zur gleichen Zeit suchen Arbeitgeber h\u00e4nderingend nach hochqualifizierten Fachkr\u00e4ften, die dem Fachkr\u00e4ftemangel entgegen steuern sollen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Optimierungslogik<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Kontext versuchen Gewerkschaften durch verschiedene Ma\u00dfnahmen, die Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten aus\u00adzubauen, ohne dass Arbeitsmarktstandards ausgeh\u00f6hlt werden. Dabei verfolgen sie, was ich eine \u00bbOptimierungslogik\u00ab nenne. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass Gewerkschaften die Fl\u00fcchtlingspolitik der Regierung akzeptieren und Verbesserungsvorschl\u00e4ge in Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik einbringen. Damit positionieren sie sich als gesellschaftliche Akteure, die Markteffizienz und Mitbestimmung zugleich ausbauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>ver.di folgt der Annahme, dass die Arbeitsmarktintegration das Fundament gesellschaftlicher Teilhabe darstellt. Zu diesem Zwecke benutzt ver.di die eigene institutionelle Macht, um Gefl\u00fcchtete in tarifgebundene Ausbildungsberufe zu integrieren. Bei der Tarifrunde der\u00a0<em>Telekom<\/em>\u00a0verhandelte ver.di, dass Gefl\u00fcchteten j\u00e4hrlich 100 Ausbildungspl\u00e4tze zustehen. Dazu hat der Hamburger ver.di-Bezirk auch eine Musterbetriebsvereinbarung verfasst. Mit solchen Ma\u00dfnahmen versucht ver.di, den betriebsinternen Handlungsspielraum auszubauen. Die Markteffizienz ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Optimierungslogik. In diesem Zusammenhang fordert die IG Metall eine \u00bbnachhaltige Fl\u00fcchtlingspolitik\u00ab, berufsbezogene Sprachkurse, eine z\u00fcgige Berufsanerkennung, eine \u00bbgerechte\u00ab Verteilung von Gefl\u00fcchteten innerhalb der Europ\u00e4ischen Union und ein standardisiertes Einreiseverfahren, in dem die Berufe und Qualifikationen der Gefl\u00fcchteten an den EU-Au\u00dfengrenzen erfasst werden (IGM, 2015). Der Staat wird nur insofern kritisiert, dass er die Arbeitsmarktintegration verz\u00f6gert und damit letztlich die Sozialkosten erh\u00f6ht. Diese Vorschl\u00e4ge entspringen der Logik, dass unkoordinierte Migration, das EU-Migrationsregime (z.B. durch die Dublin III-Regelung) und die deutsche Asylpolitik ineffiziente M\u00e4rkte bef\u00f6rdern. Aus diesem Grund kritisierte die IG BCE auch die Residenzpflicht (IG BCE 2015). Gefl\u00fcchtete, die der Residenzpflicht unterliegen, k\u00f6nnen weder ihre gesellschaftliche Teilhabe ausbauen, noch ihre berufliche Integration vorantreiben.<\/p>\n<p><strong>Jenseits des Arbeitsplatzes?<\/strong><\/p>\n<p>Initiativen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete sind stark abh\u00e4ngig vom Bezirk. Eine Initiative der IG Metall in Frankfurt am Main bietet ihre R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr Sprachkurse an und er\u00f6ffnete eine Beratungsstelle mit besonderen Informations- und Rechtsangeboten f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und MigrantInnen. Als Teil der Mindestlohnkampagne des DGB wurde nun auch eine Hotline auf Farsi und Arabisch eingerichtet. Des Weiteren wurden Brosch\u00fcren mit relevanten Themen rund um den ersten Job in verschiedenen Fremdsprachen publiziert. Das DGB-Projekt Faire Mobilit\u00e4t, das in seinen insgesamt acht lokalen Anlaufstellen WanderarbeiterInnen und osteurop\u00e4ische Besch\u00e4ftigte unterst\u00fctzt und damit \u00fcber eine gute Infrastruktur verf\u00fcgt, kann sich aufgrund der F\u00f6rderzwecke und Zielsetzung jedoch nicht neu aufstellen, um etwa auch arabisch-sprechende Gefl\u00fcch\u00adtete zu beraten. Der Bedarf f\u00fcr solche Beratungsangebote bleibt damit weiterhin sehr hoch, wie Michaela D\u00e4lken vom DGB-Projekt Migration und Gleichberechtigung in ihrer Studie zeigt (vgl. D\u00e4lken 2016). Gewerkschaften hoffen, sich gegen\u00fcber der Politik als So\u00adzialpartner und gesellschaftlicher Akteur zu behaupten und im Gegenzug Geh\u00f6r in anderen arbeitsmarktpolitischen Fragen zu finden. Durch diesen gewerkschaftlichen Etatismus gelingt es dem Staat immer wieder, den Rahmen gewerkschaftlicher Migrationspolitik zu bestimmen. Somit stellt es keinen Widerspruch dar, dass 2004 der Ausschluss osteurop\u00e4ischer ArbeitnehmerInnen vom deutschen Arbeitsmarkt von gewerkschaftlicher Seite unterst\u00fctzt wurde, aber syrische Gefl\u00fcchtete nun willkommen gehei\u00dfen werden.<\/p>\n<p>Da Arbeit als Fundament gesellschaftlicher Teilhabe verstanden wird, besteht die Gefahr, dass diese Optimierungslogik Gefl\u00fcchtete auf ihre Arbeitskraft reduziert. Dabei ist zu bedenken, dass es sich um Menschen handelt, die vor Krieg und Hunger geflohen sind, sich auf den Weg \u00fcber das lebensgef\u00e4hrliche Mittelmeer gemacht haben und oftmals bei ihrer Ankunft immer noch nicht wissen, ob sie eine Bleibeperspektive haben. Dazu kommen Traumata durch Krieg und Flucht, die nicht nur die Arbeitsmarktintegration erschweren, sondern auch die gesellschaftliche Partizipation.<\/p>\n<p>Die DGB-Gewerkschaften beschr\u00e4nken sich allerdings nicht nur auf ihre Rolle als Integrationshelfer am Arbeitsplatz, sondern tragen auch direkt zur gesellschaftlichen Teilhabe von Gefl\u00fcchteten und der zivilgesellschaftlichen Solidarit\u00e4tsbewegung bei. Die IG BCE zum Beispiel lud Familien zu ihrem Sommerfest ein, organisierte Fu\u00dfballturniere oder koordinierte Treffen f\u00fcr Ehrenamtliche in der Gefl\u00fcchtetenhilfe. Die IG Metall bietet Gefl\u00fcchteten in Frankfurt ein vielseitiges Beratungs- und Informationsangebot, das sich auf den \u203aganzen Menschen\u2039 und dessen gesellschaftliche Teilhabe bezieht und insofern einen Fortschritt gegen\u00fcber rein arbeitsplatzbezogenen Integrationsma\u00dfnahmen darstellt. Allerdings stellen diese Aktivit\u00e4ten keine \u00bbOrganizing\u00ab- oder Community-Organizing-Projekte dar, die darauf abzielen, neue Besch\u00e4ftigtengruppen zu erschlie\u00dfen. Es bleibt daher offen, wie Gewerkschaften prekarisierte Industriesektoren, in denen Gefl\u00fcchtete unterkommen, organisieren und repr\u00e4sentieren werden. Die Frage stellt sich, ob Gewerkschaften im Betrieb ansetzen und sich darauf beschr\u00e4nken\u00a0\u2013 oder \u00fcbernehmen sie Aufgaben, die klassischerweise zur Sozialen Arbeit geh\u00f6ren?<\/p>\n<p><strong>Antirassismus in Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>Einer der Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr, dass DGB-Gewerkschaften sich zunehmend f\u00fcr Gefl\u00fcchtete einsetzen, ist ihr Bekenntnis zu Antirassismus und \u00bbMultikulti\u00ab. Auf der migrationspolitischen Tagung des ver.di-Migrationsausschusses im September 2016 stellte Frank Bsirske fest, dass ver.di eine Einwanderungsgewerkschaft sei. Der Antirassismus der IG BCE wird darauf begr\u00fcndet, dass sie Mitglieder aus 99 L\u00e4ndern vertritt. Die IG Metall feierte ihr 125-j\u00e4hriges Bestehen mit dem Jahr der Einwanderung und betonte die Diversit\u00e4t der Gewerkschaft (IGM 2016).<\/p>\n<p>Mit ihrem Antirassismus reagieren Gewerkschaften auch auf eine ver\u00e4nderte Besch\u00e4ftigten- und Mitgliederstruktur. Zwar werden Daten \u00fcber die Anzahl migrantischer oder ausl\u00e4ndischer Gewerkschaftsmitglieder nicht erhoben, doch spielen migrantische Besch\u00e4ftigtengruppen etwa in den Arbeitsk\u00e4mpfen bei Amazon, der BusfahrerInnen der Berliner Verkehrsgemeinschaft oder in der Pflege eine wichtige Rolle. Antirassismus gewinnt auch durch die Wahlerfolge der AfD an Bedeutung. Studien belegen, dass Gewerkschaftsmitglieder nicht weniger anf\u00e4llig f\u00fcr \u00bbrechtsextreme\u00ab Positionen sind als der Rest der Bev\u00f6lkerung und dass diese in den letzten Landtagswahlen die AfD gew\u00e4hlt haben (vgl. DGB 2016; Fichter 2008). Bei gewerkschaftlichen Treffen, an denen ich im Laufe meiner Studie teilnahm, haben AktivistInnen und Gewerkschaftssekret\u00e4rInnen immer wieder auch beschrieben, dass der gewerkschaftliche Antirassismus besonders in den neuen Bundesl\u00e4ndern auch zu Mitgliederverlusten f\u00fchrt. Bislang gibt es allerdings keine empirischen Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass sich Gewerkschaften infolgedessen zur\u00fcckgezogen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Gewerkschaften konzentrieren ihre Ressourcen auf die anti-rassistische Informations- und Bildungspolitik. Teil dieser bildungspo\u00adlitischen Arbeit entstammt der Arbeit des \u00bbKumpel\u00ab-Vereins, der seit Mitte der 1980er aktiv ist. Gewerkschaften wie die NGG (Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten) ver\u00f6ffentlichen Brosch\u00fcren, die wichtige Argumente gegen die Fl\u00fcchtlingshetze liefern (vgl. NGG 2015). Die IG Metall und die Initiative \u00bbAufstehen gegen Rassismus\u00ab bildeten zu diesem Zwecke rund 80 Stammtischk\u00e4mpferInnen aus (so die Angaben des B\u00fcndnisses \u00bbAufstehen gegen Rassismus\u00ab f\u00fcr 2016\u00a0\u2013 mittlerweile d\u00fcrften es deutlich mehr sein). Au\u00dferdem verb\u00fcnden sich Gewerkschaften mit sozialen Bewegungen und anderen Institutionen wie Kirchen, NGOs und Arbeitgeberverb\u00e4nden, um f\u00fcr Weltoffenheit zu pl\u00e4dieren. Damit versuchen sie, in ihrer Mitgliedschaft einen Konsens in Bezug auf ihre Arbeits- und Migrationspolitik aufzu\u00adbauen.<\/p>\n<p>Der gewerkschaftliche Antirassismus hat aber auch seine Grenzen, da weder die EU- noch die deutsche Asyl- und Migrationspolitik grundlegend in Frage gestellt werden. Au\u00dferdem spielt derzeit das Thema anti-muslimischer Rassismus keine Rolle, obwohl es vorwiegend muslimische MigrantInnen und Gefl\u00fcchtete sind, die nach Deutschland kommen, und muslimische Besch\u00e4ftigte auf dem Arbeitsmarkt und in Bewerbungsverfahren st\u00e4rker als andere MigrantInnengruppen diskriminiert werden (vgl. Kreienbrink\/Stichs 2012; Peucker 2010).<\/p>\n<p><strong>Nach vorne blickend<\/strong><\/p>\n<p>Durch ihre Politik und konkreten Ma\u00dfnahmen, Gefl\u00fcchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren, positionieren sich Gewerkschaften als gesellschaftlicher Akteur. Die Optimierungslogik stellt dabei die deutsche Asyl- und Migra\u00adtionspolitik nicht in Frage, er\u00f6ffnet aber neue Handlungsfelder sowohl im Rahmen klassischer gewerkschaftlicher Aufgaben wie Tarifverhandlungen und Betriebsvereinbarungen als auch jenseits des Arbeitsplatzes\u00a0\u2013 bislang allerdings ohne konkrete Organisierungsbem\u00fchungen unter Gefl\u00fcchteten.<\/p>\n<p>Gewerkschaften stellen sich der Heraus\u00adforderung, Initiativen f\u00fcr die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten zu entwickeln. Oftmals sind diese jedoch mit der Tatsache konfrontiert, dass die Arbeitgeberseite Gefl\u00fcchtete zu schlechteren Standards einsetzen m\u00f6chte; oder Gefl\u00fcchtete noch f\u00fcr ihre Berufsanerkennung k\u00e4mpfen oder \u00fcber gar keine offizielle Berufsqualifizierung verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Bisher wurde die Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten im Wahlkampfjahr \u00fcberhaupt nicht thematisiert.<\/p>\n<p>Die politischen Herausforderungen f\u00fcr die sozialen Bewegungen und Gewerkschaften sind gro\u00df. Amnesty International spricht von mehr als 1.000 Brandanschl\u00e4gen auf Asylbewerberheime im Jahr 2015 (vgl. Amnesty International 2016), gleichzeitig kam die AfD in den letzten Landtagswahlen jeweils auf \u00fcber 15 Prozent. Mit einer neuen rechten Partei in den Parlamenten und rassistischen Bewegungen auf den Stra\u00dfen stellt die gewerkschaftliche Strategie der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten einen wichtigen Pol in der derzeitigen Debatte dar.<\/p>\n<p><em>Literaturliste \u00fcber die Redaktion<\/em><\/p>\n<p><em>*\u00a0 Mark Bergfeld arbeitet an der Queen Mary University of London und forscht zu Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und Migration.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/interventionen\/asyl\/arbeitsmigration\/gewerkschaften-und-migrantinnen\/willkommenskultur-durch-arbeitsmarktintegration-mark-bergfeld-ueber-ansatzpunkte-gewerkschaftlicher-arbeit-mit-gefluechteten\/\">express, Zeitung f\u00fcr sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, Ausgabe 8\/2017&#8230;<\/a> vom 4. September 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mark Bergfeld. 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