{"id":2507,"date":"2017-09-07T09:09:02","date_gmt":"2017-09-07T07:09:02","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2507"},"modified":"2018-01-19T17:51:07","modified_gmt":"2018-01-19T15:51:07","slug":"bourgeoisie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2507","title":{"rendered":"Bourgeoisie"},"content":{"rendered":"<p><em>Guenther Sandleben. <\/em>Nachfolgende Analyse f\u00fchrt zu einem Klassen-Begriff, der fast schon in Vergessenheit geraten ist und nur noch gelegentlich Verwendung findet. Unter \u201cBourgeoisie\u201d werden die besitzenden Klassen verstanden. Ihr gemeinsames Interesse<!--more--> zeigte sich besonders deutlich, als sie auf dem H\u00f6hepunkt der Krise im Herbst 2008 mit Hilfe ihres Staates alles unternahm, ihr marodes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aufrechtzuerhalten.\u00a0 Radikale Spar- und Verelendungsma\u00dfnahmen in mehreren L\u00e4ndern Europas sind ein aktueller Beleg daf\u00fcr, auf welch brutale Weise die jeweiligen nationalen Bourgeoisien ihr gemeinschaftliches Interesse gegen\u00fcber der breiten Masse der Bev\u00f6lkerung durchzusetzen.<\/p>\n<p>Der Name \u201cBourgeoisie\u201d leitet sich von \u201ebourg\u201c (Burg), B\u00fcrger\/Bourgeoisie ab. Aus den lokalen B\u00fcrgerschaften der einzelnen St\u00e4dte entstand im Kampf gegen den Landadel allm\u00e4hlich die B\u00fcrgerklasse. In Frankreich wurde seit Ende des 16. Jahrhunderts unter Bourgeoisie die wohlhabende besitzende Klasse der B\u00fcrger (bourgeois) verstanden, die sich nach blutigen K\u00e4mpfen gegen den Feudalismus schlie\u00dflich zur herrschenden Klasse erhob. Einmal an der Macht tut sie nun alles, um ihr Regime aufrechtzuerhalten und um die Verwertungsbedingungen ihres Kapitals zu verbessern.<\/p>\n<p>Wachsende Einkommens- und Verm\u00f6gensunterschiede, Prekarisierung bei gleichzeitiger Anh\u00e4ufung ungeheurer Reicht\u00fcmer, Sparhaushalte und Massenproteste bilden den gesellschaftlich-politischen Hintergrund f\u00fcr eine Renaissance des Klassenbegriffs. Vom Prekariat, von der Arbeiterklasse, gelegentlich auch vom Proletariat ist die Rede, nur selten werden die herrschenden Klassen der Gesellschaft<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>\u00a0thematisiert. Der Begriff \u201eBourgeoisie\u201d ist bis heute Tabu geblieben, Grund genug, diesen Begriff hinsichtlich seiner Aktualit\u00e4t zu hinterfragen.<\/p>\n<p><strong>1) Unternehmer<\/strong><\/p>\n<p>Beginnen wir mit den Institutionen der Reichtumsproduktion und des Handels. Die Akteure, die hier besonders hervortreten und von der Politik hofiert werden, sind die Unternehmer. Sie setzen das Verm\u00f6gen, ihr eigenes und das der anderen als Kapital ein, um es unter Anwendung von Lohnarbeitern zu verwerten. Wir finden hier den klassischen Typus des Topmanagers, der das Unternehmen, ohne Inhaber zu sein (z.B. Aktiengesellschaft), im operativen Gesch\u00e4ft leitet, sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden. Diese Positionsmacht, \u00fcber die Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende verf\u00fcgen<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>, verschmilzt bei einem Eigent\u00fcmer- oder Familienunternehmer mit der Eigentumsmacht.<\/p>\n<p>Wie auch immer die Rechtsform eines Unternehmens im Einzelnen festgelegt sein mag, der Unternehmer als der Leiter der Unternehmung organisiert \u00f6konomisch den Prozess der Reichtumsproduktion immer als einen Prozess der Verwertung des von ihm eingesetzten Kapitals, gleichg\u00fcltig ob Teile davon ihm selbst geh\u00f6ren oder alles anderen geh\u00f6rt. Mit Verwertung ist die Erhaltung und endlose Vermehrung des als Kapital eingesetzten Verm\u00f6gens gemeint. Diese Vermehrung zeigt sich in unterschiedlichen Formen, als Vermehrung von Unternehmensgewinnen und Managerverg\u00fctungen, als Zahlung von Zins, Dividenden, Pacht, Mieten etc. Gelingt es dem Unternehmer nicht, sein eingesetztes Kapital in diesen Formen zu verwerten, l\u00e4uft er Gefahr, niederkonkurriert zu werden.<\/p>\n<p>Dem Unternehmer, der unter den Bedingungen der Konkurrenz notwendig agieren muss, wird eine besondere gesellschaftliche Eigenschaft aufgezwungen; er ist gewisserma\u00dfen gestempelt durch die Gesch\u00e4fte, die er zu verrichten hat. Beispielsweise muss der Verk\u00e4ufer seine Ware verkaufen, will er seine \u00f6konomische Existenz nicht aufs Spiel setzen. Es ist die Ware selbst, die ihn zwingt, K\u00e4ufer daf\u00fcr zu suchen, denn er braucht das Geld, um sich die Ware zu besorgen, die er ben\u00f6tigt. Diese marktbezogene Form der Arbeitsteilung macht ihn nicht nur abh\u00e4ngig von anderen, sondern sachlich abh\u00e4ngig. Hier ist sein eigener Wille kaum mehr als eine Bestimmung der Ware.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>\u00a0So geht es weiter mit dem Geldbesitzer, dem Kapitalbesitzer. All diese Akteure repr\u00e4sentieren das Gesch\u00e4ft, das sie verrichten. Und es ist die Konkurrenz, die sie zwingt, das wirklich sachgerecht zu tun.<\/p>\n<p>Als Vertreter eines selbst\u00e4ndigen Kapitals fungiert der Unternehmer als \u201eKapitalist\u201d, als ein mit Willen begabtes Einzelkapital, das sich im Prozess von Warenproduktion und Warenzirkulation verwertet. Wenn k\u00fcnftig von \u201eHandlungen des Kapitals\u201d die Rede ist, dann ist das nur eine Kurzform f\u00fcr die aus der Kapitalbewegung selbst hervortretenden Notwendigkeiten, die der Unternehmer als Tr\u00e4ger der Kapitalbewegung in Handlungen umsetzt bzw. in seinem Namen umsetzen l\u00e4sst. Seine Funktionen bestehen in s\u00e4mtlichen Operationen, die zur Erhaltung und Vermehrung des Kapitals erforderlich sind. Eine Alternative dazu gibt es f\u00fcr ihn nicht, will er Unternehmer bleiben. Seine pers\u00f6nlichen Absichten spielten in diesem Prozess eine untergeordnete Rolle. Die Bestimmungen des Kapitals, die er zu vollziehen hat, treten ihm in der Konkurrenz als \u00e4u\u00dferer Zwang gegen\u00fcber. Unter diesen Bedingungen sucht er nach M\u00f6glichkeiten, sein Kapital besser zu verwerten als die Konkurrenz. Indem er so verf\u00e4hrt, fungiert er nicht nur als Charaktermaske seines Kapitals, das die Bestimmung der eigenen Verwertung in sich tr\u00e4gt, er zwingt zudem die Konkurrenz dazu, die besseren Verwertungsm\u00f6glichkeiten gleichfalls anzuwenden.<\/p>\n<p>Die Kapitale besitzen je nach Ort, an dem sie wirken, und je nach Funktion, die sie im Reproduktionsprozess verrichten, Partikularinteressen, die eine Grundlage von vor\u00fcbergehenden oder dauerhaften Interessenkoalitionen, auch Kapitalfraktionen genannt, bilden. Handelskapitale besitzen andere Interessen als industrielle Kapitale, Einzelh\u00e4ndler andere als Gro\u00dfh\u00e4ndler, H\u00e4ndler bzw. Industrielle einer Region haben andere Interessen als die entsprechenden Kapitale anderer Regionen und Branchen. Gro\u00dfkonzerne haben wiederum andere als kleinere und mittelst\u00e4ndige Unternehmen, stark exportorientierte Kapitale stehen h\u00e4ufig in W\u00e4hrungsfragen und in konjunkturpolitischen Fragen in einem Gegensatz zu den binnenmarktorientierten Kapitalen. Oftmals entscheidet die jeweilige Situation dar\u00fcber, welche Kapitalgruppierungen sich zusammenfinden.<\/p>\n<p>In ihrem Interessenstreit versuchen die jeweiligen Kapitalfraktionen den Staat zum Schutz ihrer besonderen Interessen einzuspannen. Je nach Zweckm\u00e4\u00dfigkeit f\u00fchren die diese Auseinandersetzungen mal mehr im Stillen durch z\u00e4he Lobbyarbeit, dann mehr durch \u00f6ffentlichen Druck unter Einsatz von Massenmedien. Wie wichtig die Demokratie f\u00fcr einen solchen politischen Interessenausgleich zwischen den Kapitalfraktionen ist, wurde an anderer Stelle entlang der Krisenpolitik nachgewiesen.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a><\/p>\n<p>Hier gilt es lediglich festzuhalten, dass Kapitalfraktionen, worin sich gleichartige Unternehmerinteressen zusammenfinden, um ihr Interesse gegen\u00fcber einer anderen Kapitalfraktion durchzusetzen, nicht durch fest gef\u00fcgte Produktionsbedingungen gegeneinander fixiert sind.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es keineswegs nur Streit. In wichtigen Fragen bilden die Unternehmer eine Interessengemeinschaft, wenn es darum geht, ihr Kapital zu erhalten und m\u00f6glichst stark zu vermehren. Ihr allgemeines Interesse ist die Aufrechterhaltung des Kapitalverh\u00e4ltnisses selbst; ihr gemeinschaftliches Interesse besteht in der Verbesserung der Verwertung ihres Kapitals. Das erfordert Ma\u00dfnahmen zur Abwehr ausw\u00e4rtiger Konkurrenz, zur Sicherung ausw\u00e4rtiger Investitionen, Rohstoff- und Absatzm\u00e4rkte und vor allem Ma\u00dfnahmen zur Begrenzung von Lohnerh\u00f6hungen bzw. zur Herabsetzung von Reall\u00f6hnen.<\/p>\n<p><strong>2) Geldverm\u00f6gensbesitzer<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Unternehmer haben wir den Hauptakteur ins Spiel gebracht. Er erscheint uns schon deshalb als der treibende Faktor, weil er mit der Organisation der Reichtumsproduktion die Verwertung aller Verm\u00f6gen bewerkstelligt. In seiner Existenzweise wurzeln deshalb auch die anderen besitzenden Klassen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal setzt der Unternehmer zum \u00fcberwiegenden Teil Fremdkapital ein.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a>\u00a0Er leiht sich selbst dann Geld, wenn er als Eigent\u00fcmer-Unternehmer \u00fcber eigenes Kapital verf\u00fcgt. Die Kreditaufnahme ist f\u00fcr ihn nicht nur wichtig, weil er damit seine Eigenkapitalrendite steigern kann, sondern auch, weil die Konzentration der Produktionsmittel einen solchen Umfang angenommen hat, dass sie den Einsatz von Kapital anderer, von gesellschaftlichem Kapital, unbedingt erfordert.<\/p>\n<p>Dieser gesellschaftliche Charakter des kapitalistischen Privateigentums tritt noch st\u00e4rker bei der Aktiengesellschaft hervor, in der selbst das Eigenkapital die direkte Form von Gesellschaftskapital besitzt, d. h. aus dem Kapital direkt assoziierter Individuen besteht. In ihr ist der Unternehmer auf einen blo\u00dfen Funktion\u00e4r des Kapitals reduziert. Die Vorstellung, der Unternehmer setze sein eigenes, durch eigene Arbeit erworbenes Verm\u00f6gen ein, ist hier ad absurdum gef\u00fchrt. Kapitaleigentum und Kapitalfunktion sind vollst\u00e4ndig voneinander getrennt.<\/p>\n<ol>\n<li><strong><em>a) Zum Begriff \u201eGeld- oder Leihkapitalist\u201d<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Geldverm\u00f6gensbesitzer, die Geld als ihr Gesch\u00e4ftsmittel, d. h. als Kapital leihweise fortgeben, fungieren als Geld- oder Leihkapitalisten. Die Verwertung des Werts ist ihr gesch\u00e4ftlicher Zweck, nicht der Konsum, auch nicht ein k\u00fcnftiger Konsum, wie er beispielsweise von Lohnabh\u00e4ngigen vorbereitet wird, die durch \u201eVerzicht auf Gegenwartskonsum\u201d kleine Teile ihres m\u00fchevoll erarbeiten Geldeinkommens bei Banken, Bausparkassen etc. hinterlegen und daf\u00fcr Zinsen erhalten, die meist so niedrig sind, dass dabei nach Steuer- und Inflationsabzug ein realer Verlust herauskommt.<\/p>\n<p>Solche Sparguthaben erhalten aber eine neue Qualit\u00e4t, sobald sie von Kapitalsammelstellen wie Banken, Fonds, Versicherungen, Verm\u00f6gensverwaltungen etc. massenhaft konzentriert werden. Sie verwandeln sich ebenso in Kapital, allerdings in leihbares Geldkapital, wie sich zersplitterte, handwerkliche Produktionsmittel in Kapital verwandeln w\u00fcrden, sobald sie konzentriert und als Mittel der Verwertung eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Leihkapitalisten als die Tr\u00e4ger eines solchen Geldkapitals verwerten das Geldverm\u00f6gen nicht dadurch, indem sie selbst als Unternehmer im Reproduktionsprozess t\u00e4tig werden, sondern sie verwerten es als Finanzier, indem sie es anderen gegen Zins oder in anderer Weise zur Verf\u00fcgung stellen. Mit der Fortentwicklung des Kreditsystems entstehen daraus tausend Quellen pl\u00f6tzlicher Bereicherung, die spekulativ genutzt werden. Die Einseitigkeit ihres Verm\u00f6gens l\u00e4sst die Geldkapitalisten besonders sensibel gegen\u00fcber einer Entwertung des Geldkapitals durch Inflation werden.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a>\u00a0Ihr Interesse, die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Verwertung des Geldkapitals, schlie\u00dft das Interesse an einen stabilen Geldwert ein.<\/p>\n<p>Die schrankenlose Selbstverwertung des Kapitals tritt den Geldkapitalisten als ihr Motiv ins Bewusstsein, treibt sie an, weckt ihre Leidenschaft, macht sie gierig, so dass sie \u201eMa\u00df und Mitte\u201d<sup>\u00a0<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/sup>\u00a0verlieren, nicht weil sie an sich &#8211; bedingt durch die Gene<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a>\u00a0&#8211; gierige Menschen w\u00e4ren, sondern weil sie eine Sache vertreten, worin diese Gier in Gestalt einer m\u00f6glichst hohen Verwertung gesellschaftlich gesetzt wird.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a>\u00a0Diese kapitalgetriebene Gier artikuliert sich im Ringen um eine m\u00f6glichst hohe Verzinsung des Geldkapitals, wie andererseits die Gier der kreditnehmenden Unternehmen nach niedrigen Zinskosten dr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Hier haben wir die gegens\u00e4tzlichen Sonderinteressen zweier Kapitalklassen. Auf dieser Ebene steht dann Interesse gegen Interesse.<\/p>\n<p>Vom Kapital her gesehen treten also zwei verschiedene \u00f6konomisch-funktionale Bestimmungen hervor: Auf der einen Seite stehen die fungierenden Unternehmen, die als Produzenten, Dienstleister oder H\u00e4ndler wirkliche Funktionen im Reproduktionsprozess verrichten, auf der anderen Seite stehen die Geldverleiher, die das Geld als Kapital zur Verf\u00fcgung stellen ohne im Reproduktionsprozess selbst t\u00e4tig zu sein. Die grundlegende Trennung in verleihende Geldkapitalisten und fungierende Kapitalisten f\u00fchrt zur Aufspaltung des von der Unternehmung erzielten Profits in Unternehmergewinn\/Unternehmerlohn einerseits und in Zins\/Dividende andererseits. Beide Kapitalgruppen konkurrieren um die H\u00f6he ihres jeweiligen Anteils.<\/p>\n<p>Es handelt sich hier aber nicht, wie im Falle des Konflikts innerhalb des nichtfinanziellen Unternehmenssektors, um Kapitale der gleichen Art, deren Interessenunterschied etwa aus den verschiedenen Absatzschwerpunkten ihrer Waren hervorgeht, sondern um Kapitale, die unterschiedliche Rollen im Wirtschaftsleben spielen und deren Unterschied in gewisser Weise einen Klassenunterschied mit dauerhaft gegens\u00e4tzlichen Interessen markiert. Solche klassenm\u00e4\u00dfig bestimmten Kapitalfraktionen sind zu unterscheiden von denjenigen, deren Partikularinteressen nicht durch fest gef\u00fcgte Produktionsbedingungen fixiert werden und wo oftmals die jeweilige Situation dar\u00fcber entscheidet, welche Kapitalgruppierungen sich zusammenfinden.<\/p>\n<ol>\n<li><strong><em>b) Banken und Finanzinvestoren<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>In den Banken konzentrieren sich die Zahlungsstr\u00f6me, die Depositen, die Geldreserven und die Geldersparnisse bzw. das augenblicklich unbesch\u00e4ftigte Geld aus den verschiedenen Bereichen der Wirtschaft. Technische Operationen, die mit den verschiedenen Funktionsweisen des Geldes (Einkassieren, Auszahlungen, Aufbewahrung der Reservefonds der Gesch\u00e4ftsleute, Umtausch in andere W\u00e4hrungen etc.) zusammenh\u00e4ngen, vermischen sich mit Kreditoperationen und werden dadurch fortentwickelt.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a>\u00a0Die Banken verwandeln die ihnen zuflie\u00dfenden Gelder in verleihbare, zinstragende Geldkapitale, die sie ihren Kunden als Kredit in unterschiedlicher H\u00f6he und zu unterschiedlichen Konditionen zur Verf\u00fcgung stellen. In der Hand der Banken werden selbst kleine Geldbetr\u00e4ge, die f\u00fcr sich genommen gar nicht als Geldkapital wirken k\u00f6nnten, in verleihbares Geldkapital verwandelt. Dadurch entsteht eine neue Geldmacht, \u00fcber die die Banken verf\u00fcgen. Die Banken sind also nicht nur blo\u00dfe Vermittler von Kreditgesch\u00e4ften, sie treten deshalb auch nicht nur als ein Repr\u00e4sentant der Geldverleiher dem Kreditsuchenden Publikum gegen\u00fcber, sondern sie operieren zugleich als eigenst\u00e4ndige Geldkapitalisten, die \u00fcber einen gro\u00dfen Teil des gesellschaftlichen Kapitals verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Zu ihren Gesch\u00e4ften geh\u00f6ren das Einlagen- und Kreditgesch\u00e4ft, die technische Abwicklung des Zahlungsverkehrs, der Kommissionshandel, die Platzierung von Aktien und Anleihen auf den Prim\u00e4rm\u00e4rkten, die Konstruktion und Ausgabe von Derivaten, Zertifikaten und von anderen kombinierten Produkten, der Eigenhandel von Wertpapieren und Derivaten verschiedenster Art auf den Sekund\u00e4rm\u00e4rkten, die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung von Fusionen und \u00dcbernahmen (Mergers and Aquisitions, M &amp; A).<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a>\u00a0Das Bed\u00fcrfnis von Industrie und Handel, sich gegen\u00fcber Preisschwankungen verschiedenster Art durch entsprechende Absicherungsgesch\u00e4fte zu sch\u00fctzen, sowie das Bed\u00fcrfnis, sich auf dem Kapitalmarkt neues Kapital durch Emission von Aktien und Anleihen zu besorgen oder Fusionen bzw. \u00dcbernahmen zu organisieren und zu finanzieren, bildet hier die allgemeine Grundlage. Das durch Banken- und Anlegerinteressen hoch gez\u00fcchtete Investment-Banking verschmilzt mit dem Einlagen- und Kreditgesch\u00e4ft und schafft eigene Finanzinstrumente.<\/p>\n<p>Die Banken sind eng mit einer Reihe Finanzinvestoren wie Versicherungen, Verm\u00f6gensverwaltungen, diverse Fondsgesellschaften etc. verbunden, die auf andere Weise Geld einsammeln, es zu gr\u00f6\u00dferen Betr\u00e4gen konzentrieren, um es auf die eine oder andere Art als Geldkapital fortzugeben. Je nachdem wie sie das Geld anlegen, ob in direkte Unternehmensbeteiligungen, Aktien, Staats- oder Unternehmensanleihen, ob in Derivaten, Rohstoffen oder W\u00e4hrungen, entstehen weitere Sonderinteressen. Immer konzentriert sich hier auch das Interesse der Geldkapitalisten, das darin besteht, das Geldkapital gegen m\u00f6glichst hohen Zins auszuleihen.<\/p>\n<p>Mit dem Geld- und Kreditsystem, das durch den \u00f6ffentlichen Kredit eine wichtige Grundlage und Steigerungsstufe erh\u00e4lt, entwickelt sich eine Vielzahl von Kreditformen und Kreditinstrumenten, von denen etliche an den B\u00f6rsen gehandelt werden. Alles zusammen bildet den Finanzsektor, im Unterschied zum Sektor des im wirklichen Reproduktionsprozess fungierenden Kapitals. Neben den zahlreichen technischen Operationen, die Geld- und Kreditverkehr mit sich bringen, konzentrieren sich im Finanzsektor einerseits das zu verleihende Kapital in Geldform und andererseits diverse Schuld- und Eigentumstitel auf das bereits fortgegebene Kapital, wie Staats-, Unternehmens-, Bankanleihen, Aktien, Derivate etc. All diese Formen des Geldkapitals lassen sich unter den Begriff des Finanzkapitals subsumieren. Die Tr\u00e4ger des Finanzkapitals geh\u00f6ren zur Klasse der \u201cGeld- oder Leihkapitalisten\u201d. Gelegentlich wird diese Klasse als \u201eFinanzaristokratie\u201d bezeichnet, um an die m\u00fc\u00dfig-parasit\u00e4re Seite dieses Verh\u00e4ltnisses zu erinnern.<\/p>\n<ol>\n<li><strong><em>c) Illustrationen<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Nach Berechnungen des Global Wealth Report, vorgestellt im September 2010, betrug das Weltgeldverm\u00f6gen Ende 2009 gut 82 Billionen Euro; 84 Prozent davon entfielen auf die USA (39 Prozent), Westeuropa (31 Prozent) und Japan (14 Prozent). Das deutsche Geldverm\u00f6gen betrug 4,7 Billionen Euro.<\/p>\n<p>Der World Wealth Report 2011 von Capgemini und Merrill Lynch weist insgesamt 11 Millionen Personen mit einem Geldverm\u00f6gen (ohne Eigenheim) von mehr als einer Million aus; davon leben 924.000 der als High-Net-Worth Individuals (HNWIs)<sup>\u00a0<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a><\/sup>\u00a0bezeichneten Personen in Deutschland. Das Verm\u00f6gen ist hoch konzentriert: Lediglich 0,9 Prozent (103.000 Personen) aller Million\u00e4re besitzen mehr als 30 Millionen Dollar in Form von nicht selbst genutzten Immobilien, Wertpapierdepots, Luxusg\u00fctern und Sammlerobjekte. Auf dieses \u201eultrareiche\u201d Segment der Klasse der Million\u00e4re (Ultra-HNWIs) entf\u00e4llt mehr als 36 Prozent des Verm\u00f6gens, das f\u00fcr alle Million\u00e4re 42,7 Billionen Dollar betragen soll.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a><\/p>\n<p>Nach Zahlen von Merrill Lynch besitzt in den Industriel\u00e4ndern etwa ein Prozent der Haushalte rund die H\u00e4lfte des gesamten Geldverm\u00f6gens. Angelegt in Kapitalsammelstellen verf\u00fcgen die Anlageunternehmen zugleich \u00fcber einen Gro\u00dfteil der \u00fcbrigen Geldverm\u00f6gen. Ende 2007 entfielen vom Gesch\u00e4ftskapital wohlhabender europ\u00e4ischer Familien im Durchschnitt 34 Prozent direkt auf Aktien, 17 Prozent auf \u201ereale Anlagen\u201d wie Immobilien, Rohstoffe, 16 Prozent auf Private Equity, 14 Prozent auf Hedge-Fonds, 13 Prozent direkt auf Renten, 5 Prozent auf Geldmarktpapiere (Rest Sonstiges).<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a><\/p>\n<p>Die Forbes-Liste von M\u00e4rz 2011 weist 1210 Dollarmilliard\u00e4re aus. Zu den drei Reichsten geh\u00f6ren der Telekommunikations-Unternehmer Carlos Slim Hel\u00fa (Mexiko, 75 Milliarden Dollar), der Microsoft-Gr\u00fcnder Bill Gates (USA, 56 Milliarden Dollar) und der Kapitalanlage-Unternehmer Warren Buffett (USA, 50 Milliarden Dollar). Reichster Deutscher ist der Aldi-Gr\u00fcnder Karl Albrecht, der mit sch\u00e4tzungsweise 25,5 Milliarden Dollar auf Platz zw\u00f6lf kommt. Alle Milliard\u00e4re zusammen besitzen rund 4,5 Billionen Dollar.<\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ftskapital solcher privater Geldkapitalisten wird je nach Gr\u00f6\u00dfenordnung entweder durch Banken in der Abteilung \u201eWealth Management\u201d oder in einem Family Office gemanagt. Dieser Markt gilt als sehr intransparent. F\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Verm\u00f6gen von mindestens 500 Millionen Euro lohnt sich ein Single Family Office. \u00dcber ein solches privates Anlageunternehmen verf\u00fcgen beispielsweise die Familien Haniel, Thurn und Taxis, von Rautenkranz, Henkel und Brenningmeyer.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a><\/p>\n<p>Das klassische Family Office entsteht im Umfeld einer Unternehmerfamilie. Sozialforscher Thomas Perry sch\u00e4tzt, dass rund die H\u00e4lfte der deutschen Million\u00e4re den Gro\u00dfteil ihres Reichtums als Unternehmer oder Freiberufler verdiente. Etwa ein Drittel ist durch Erbschaft an den Reichtum gelangt.<\/p>\n<p>Nehmen wir als Beispiel die Harald-Quandt-Verm\u00f6gensverwaltung in Bad Homburg. Hier b\u00fcndelt sich das Verm\u00f6gen der Nachfahren des Industriellen Harald Quandt, zum Teil in gesch\u00e4ftlichen Partnerschaften mit anderen Geldkapitalisten. Nach dem fr\u00fchen Unfalltod Harald Quandts und dem Tod seiner Witwe wurden die Industriebeteiligungen, darunter die Industriewerke Karlsruhe verkauft. Dort liegt die Quelle des heutigen Anlagekapitals, das nun in anderer Form fortexistiert. Das gemanagte Verm\u00f6gen betr\u00e4gt \u00fcber 10 Milliarden US-Dollar und ist auf mehrere Tochtergesellschaften verteilt, die Standorte in Europa, Amerika und Asien besitzen.<\/p>\n<p><strong>3) Grundeigent\u00fcmer<\/strong><\/p>\n<p>Der Unternehmer ben\u00f6tigt f\u00fcr seine gesch\u00e4ftlichen Operationen Immobilien, \u00fcber die er entweder selbst als Eigent\u00fcmer verf\u00fcgt oder deren Besitz er sich durch Pacht- bzw. Mietvertr\u00e4ge sichern muss. Mietet bzw. pachtet er die Immobilien, dann muss er nicht nur Zinsen oder Dividenden bzw. andere Formen der Aussch\u00fcttung auszahlen, sondern zugleich die Anspr\u00fcche von Land- und Immobilienbesitzern bedienen. Auf diese Weise realisiert der Grundeigent\u00fcmer kraft seines Eigentums am Grund- und Boden ein Einkommen in Form von Pacht, Miete etc.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick gibt es weitreichende Gemeinsamkeiten zwischen den Finanzaristokraten, die ihr Geld, und den Grundeigent\u00fcmern, die ihren Grund und Boden anderen als Gesch\u00e4ftsmittel zur Verf\u00fcgung stellen. Beide erhalten sie Einkommen durch einfaches Bereitstellen ihres Verm\u00f6gens, w\u00e4hrend der fungierende Kapitalist das Verm\u00f6gen als Kapital im Industrie-, Handels- oder Dienstleistungssektor wirklich anwenden muss.<\/p>\n<p>Heute, wo aller adlige Schein vom Grundeigentum gewichen ist, da Grundeigentum kein Privileg mehr f\u00fcr den Eigent\u00fcmer beinhaltet, sondern wie eine normale Ware gehandelt wird<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a>, sind Finanzaristokratie und Grundeigent\u00fcmer noch in anderer Weise zusammenger\u00fcckt. Vom Standpunkt des Geldeigent\u00fcmers werden der Kauf von Immobilien, Aktien, Anleihen etc. als alternative Anlageformen behandelt. Besonders offensichtlich ist dies bei offenen Immobilienfonds. Der Eigent\u00fcmer kann je nach Art des Fonds und Marktlage seine Anteile mal mehr Mal weniger rasch verkaufen, so dass eine solche Anlage sich formell kaum noch unterscheidet von der Anlage in einem Anleihe- oder Aktienfonds.<\/p>\n<p>Dass der Geldbesitzer als K\u00e4ufer eines Immobilienfonds zum gesellschaftlichen Grundeigent\u00fcmer<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a>\u00a0wird, ist ein Umstand, der ihn praktisch nur soweit interessiert, wie davon Rendite, Sicherheit und Liquidit\u00e4t seiner Geldanlage abh\u00e4ngen. Aus seiner oberfl\u00e4chlichen Sicht der Geldanlage f\u00fchren die verschiedenen Anlageformen zu durchaus vergleichbaren Geldeinnahmen.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a>\u00a0Umso mehr neigt er dazu, alle gleich zu setzen.<\/p>\n<p>Die Gemeinsamkeiten reichen weiter: Grundrente und Zins sind in vergleichbarer Weise \u201earbeitslose Einkommen\u201d. Beide Einkommensbezieher stehen im Gegensatz zum fungierenden Kapital, von dem sie Zins, Dividende bzw. die Grundrente (Pacht etc.) erhalten.<sup>\u00a0<\/sup>Was hier Einkommen ist, bedeutet dort Abzug vom \u00dcberschuss, also Verminderung des Unternehmergewinns bei Industrieellen, H\u00e4ndlern und Dienstleistern.<\/p>\n<p>Trotz solcher Gemeinsamkeiten kommen Unterschiede bereits dadurch herein, dass die H\u00f6he des Zinsfu\u00dfes auf andere Weise bestimmt ist als die H\u00f6he der Grundrente. Auch steht der Grundbesitzer nicht im Gegensatz zum fungierenden Kapital insgesamt, sondern nur zum P\u00e4chter; er ist, wie Marx das Verh\u00e4ltnis bereits begrifflich fassen konnte, \u201eder stille Gesellschafter des Kapitalisten.\u201d<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a>. Ist der Grundbesitz seiner Gebrauchswertbeschaffenheit (Fruchtbarkeit und Lage des Bodens) nach etwas Spezifisches, so ist das Geldkapital, das der Finanzaristokratie als Einkommensquelle dient, etwas Gleichf\u00f6rmiges, Homogenes. Die Finanzaristokratie ist entsprechend st\u00e4rker in den Weltmarkt integriert als der Grundbesitzer, der schon deshalb national orientiert bleibt, weil die Verwertung seines Grundeigentums eng an das Schicksal des nationalen Standorts gekn\u00fcpft ist. Sein \u00f6konomischer Erfolg h\u00e4ngt vom allgemeinen Erfolg des jeweiligen nationalen Kapitals ab. Und je mehr das Kapital eines Landes akkumuliert und dar\u00fcber seine Mehrwertmasse vergr\u00f6\u00dfert, umso mehr kann der Grundbesitzer sich bedienen. Soweit der Zins einer solchen Akkumulation im Wege steht, steht er auch der Vermehrung der Grundrente im Wege, so dass sich hier Interessengegens\u00e4tze zwischen beiden Klassen ergeben.<\/p>\n<p>Es wurde gezeigt, dass sich die besitzenden Klassen durch ihre jeweilige \u00f6konomisch-funktionale Rolle im Prozess gesellschaftlicher Reichtumsproduktion voneinander unterscheiden. Vom Standpunkt des tats\u00e4chlichen Reproduktionsprozesses teilt sich ihr Verm\u00f6gen in das fungierende Kapital, das im Prozess der Warenproduktion und der Warenzirkulation als Industrie-, Dienstleistungs- oder Handelskapital t\u00e4tig ist, in das zinstragende Kapital und in das damit in gewisser Weise verwandte, gesch\u00e4ftlich genutzte Grundeigentum.<\/p>\n<p><strong>4) Bourgeoisie<\/strong><\/p>\n<p>Unternehmer, Eigent\u00fcmer des Leihkapitals und Grundeigent\u00fcmer bilden die drei besitzenden Klassen der Gesellschaft. Gemeinsam ist ihnen, dass ihr Verm\u00f6gen als Kapital verwertet wird, d. h. dass es erhalten bleibt und einen m\u00f6glichst gro\u00dfen \u00dcberschuss abwirft. Es besteht demnach auch ein Konsens in der Frage der allgemeinen Existenzsicherung. Die prinzipielle Erhaltung des Kapitals, einschlie\u00dflich der Erhaltung der damit verbundenen Verm\u00f6gensarten, ist ihr allgemeines Interesse, das sich zusammenfassen l\u00e4sst als Interesse an der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Das Verwertungsinteresse des Kapitals bildete die Grundlage f\u00fcr einen weiteren Konsens. Die drei besitzenden Klassen der Gesellschaft verfolgen das Interesse, die Verwertung ihres Verm\u00f6gens &#8211; die in der allgemeinen Profitrate des Landes ihr Ma\u00df hat &#8211; zu stabilisieren und soweit wie m\u00f6glich zu erh\u00f6hen. Durch dieses gemeinschaftliche Interesse treten sie nicht nur in einen Gegensatz zum Kapital anderer Nationen, sondern zugleich in einen Klassengegensatz zu ihren eigenen Lohnabh\u00e4ngigen (einschlie\u00dflich Arbeitslose).<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[xxi]<\/a>\u00a0Sie bilden, wie Marx das allgemeine Klassenverh\u00e4ltnis kennzeichnete, \u201eeinen wahren Freimaurerbund gegen\u00fcber der Gesamtheit der Arbeiterklasse\u201d, so sehr sie sich auch in ihrer Konkurrenz untereinander als \u201efalsche Br\u00fcder\u201d bew\u00e4hren mochten.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a>\u00a0Sie haben das gleiche Interesse und den gleichen Gegensatz auszufechten, und agieren auf diese Weise als eine Klasse gegen\u00fcber anderen.<\/p>\n<p>Bei aller Konkurrenz und inneren Zerrissenheit sind die besitzenden Klassen gerade in diesem Punkt miteinander vereint, bilden \u00fcber ihre Verb\u00e4nde und unter Einbeziehung des Staates und der Massenmedien eine agierende kollektive Einheit, eine Klassenmacht, gegen\u00fcber der Gesamtheit der Lohnabh\u00e4ngigen, Arbeitslosen etc.<\/p>\n<p>Unsere Analyse f\u00fchrt zu einem Klassen-Begriff, der fast schon in Vergessenheit geraten ist und nur noch gelegentlich Verwendung findet<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[xxiii]<\/a>. Entlang ihrer gemeinsamen, d. h. ihrer allgemeinen und gemeinschaftlichen Interessen, lassen sich die Besitzenden unter der Kategorie \u201eBourgeoisie\u201d zusammenbringen.<\/p>\n<p>Diese Bezeichnung leitet sich von \u201ebourg\u201d (Burg), B\u00fcrger\/Bourgeoisie ab. Aus den lokalen B\u00fcrgerschaften der einzelnen St\u00e4dte entstand im Kampf gegen den Landadel allm\u00e4hlich die B\u00fcrgerklasse. In Frankreich wurde seit Ende des 16. Jahrhunderts unter Bourgeoisie die wohlhabende besitzende Klasse der B\u00fcrger (bourgeois) verstanden, die sich nach blutigen K\u00e4mpfen gegen den Feudalismus schlie\u00dflich zur herrschenden Klasse erhob. Einmal an der Macht tut sie alles, um ihr Regime aufrechtzuerhalten und um die Verwertungsbedingungen zu verbessern.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"682\">\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..<\/p>\n<p><strong><em>Der Begriff \u201eBourgeoisie\u201d bei Marx und Engels<\/em><\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"689\">\u201eUnsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Klassengegens\u00e4tze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei gro\u00dfe feindliche Lager, in zwei gro\u00dfe, einander direkt gegen\u00fcberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat\u2026Sie hat enorme St\u00e4dte geschaffen\u2026Sie hat die Bev\u00f6lkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen H\u00e4nden konzentriert\u2026<\/p>\n<p>In demselben Ma\u00dfe, worin sich die Bourgeoisie, d.h. das Kapital, entwickelt, in demselben Ma\u00dfe entwickelt sich das Proletariat.\u201d (Kommunistisches Manifest)<\/p>\n<p>\u201eIn dem Ma\u00dfe, wie die Bourgeoisie sich entwickelt, entwickelt sich in ihrem Scho\u00dfe ein neues Proletariat, ein modernes Proletariat.\u201d (Elend der Philosophie (MEW 4, S. 141)<\/p>\n<p>Im achtzehnten Brumaire des Louis Bonaparte schrieb Marx mit Blick auf die verschiedenen Teile der franz\u00f6sischen Bourgeoisie: \u201e(Wenn) Orl\u00e9anisten und Legitimisten \u2026 gegen die andere (Seite) die Restauration ihres eigenen K\u00f6nighauses durchsetzen wollte, so hie\u00df das nichts anderes, als dass die zwei gro\u00dfen Interessen, worin die Bourgeoisie sich spaltet &#8211; Grundeigentum und Kapital -, jedes seine eigene Suprematie suchte. Wir sprechen von zwei Interessen der Bourgeoisie, denn das gro\u00dfe Grundeigentum, trotz seiner feudalen Koketterie und seines Racestolzes, war durch die Entwicklung der modernen Gesellschaft vollst\u00e4ndig verb\u00fcrgerlicht.\u201d (\u2026)<\/p>\n<p>Die parlamentarische Republik war mehr als das neutrale Gebiet, worin die zwei Fraktionen der franz\u00f6sischen Bourgeoisie, Legitimisten und Orl\u00e9anisten, gro\u00dfes Grundeigentum und Industrie, gleichberechtigt nebeneinander hausen konnten. Sie war die unumg\u00e4ngliche Bedingung ihrer gemeinsamen Herrschaft, die einzige Staatsform, worin ihr allgemeines Klasseninteresse sich zugleich die Anspr\u00fcche ihrer besonderen Fraktionen wie alle \u00fcbrigen Klassen der Gesellschaft unterwarf\u201d (MEW 8, S. 139, 177).<\/p>\n<p>Friedrich Engels, der in England die Bourgeoisie nicht nur theoretisch studierte sondern auch praktisch mit ihr verkehrte, schildert in seinem Fr\u00fchwerk \u201eLage der arbeitenden Klasse in England\u201d seine Begegnung mit einem englischen Bourgeois, den er einst durch Manchester f\u00fchrte. Nachdem er ihm den \u201escheu\u00dflichen Zustand der Arbeiterviertel\u201d gezeigt hatte, sagte der Mann beim Abschied: \u201eAnd yet, there is a great deal of money made here\u201d. Es ist dem Bourgeois, wie Engels kommentierte, \u201edurchaus gleichg\u00fcltig, ob seine Arbeiter verhungern oder nicht, wenn er nur Geld verdient.\u201d Mit aufrechter Emp\u00f6rung schilderte er seine Erfahrungen mit der modernen Bourgeoisie Englands folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p>\u201eMir ist nie eine so tief demoralisierte, innerlich zerfressene und f\u00fcr allen Fortschritt unf\u00e4hig gemachte Klasse vorgekommen. (\u2026) F\u00fcr sie existiert nichts in der Welt, was nicht nur um des Geldes willen da w\u00e4re, sie selbst nicht ausgenommen, denn sie lebt f\u00fcr nichts, als um Geld zu verdienen, sie kennt keine Seligkeit als die des schnellen Erwerbs, keinen Schmerz au\u00dfer dem Geldverlieren. Bei dieser Habsucht und Geldgier ist es nicht m\u00f6glich, dass eine einzige menschliche Anschauung unbefleckt bleibt.\u201d (MEW 2, S. 486f)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..<\/p>\n<p>Der gegenw\u00e4rtige Krisenzyklus liefert gen\u00fcgend Illustrationsmaterial, das an anderer Stelle ausf\u00fchrlich behandelt worden ist.<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[xxiv]<\/a>\u00a0Hier nur einige zusammenfassende Bemerkungen:<\/p>\n<p>Alle Angeh\u00f6rigen der besitzenden Klassen hielten in der Stunde der Not zusammen. Es gab keine ernsthafte Opposition, als der Staat auf dem H\u00f6hepunkt der Krise 2008\/2009 alles unternahm, um das kapitalistische System zu stabilisieren und die um sich greifende Entwertungsspirale zu stoppen: Er sch\u00fctzte Unternehmen und Banken vor dem finanziellen Zusammenbruch, spannte gigantische Rettungsschirme, verabschiedete Konjunkturprogramme und setzte Verstaatlichungen durch. Alle besitzenden Klassen und s\u00e4mtliche Kapitalfraktionen waren in dem Ziel geeint, das kapitalistische System mit Hilfe des Staates zu retten.<\/p>\n<p>Die im Parlament vertretenen Parteien stellten sich in dieser Schicksalsstunde mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit in den Dienst der Bourgeoisie. Es gab weder eine prinzipielle Kritik an der Rettung der Gro\u00dfbank Hypo Real Estate (HRE), die als systemisch relevant eingestuft wurde und deshalb nicht Pleite gehen durfte, noch an dem Rettungsschirm, den die Regierung \u00fcber das kapitalistische System spannte. Es fehlte jegliche \u201edemokratische Aufregung\u201d dar\u00fcber, dass die Aktionen der Bankenunterst\u00fctzung intransparent blieben, dass die gro\u00dfe Koalition das Budgetrecht aushebelte und so, wie Harald Schumann es formulierte, \u201edie v\u00f6llige Entmachtung des Parlaments erzwungen\u201d hatte.<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[xxv]<\/a><\/p>\n<p>In der Stunde der Gefahr war die Opposition nicht mehr pr\u00e4sent. Man war sich einig, dass der Kapitalismus unbedingt \u00fcberleben musste. Dem Ziel hatte sich alles Weitere unterzuordnen. Die \u201eSolidarit\u00e4t der demokratischen Parteien\u201d erwies sich als eine heilige Allianz zur Rettung des Kapitalismus. Vor dieser gro\u00dfen Herausforderung l\u00f6sten sich alle Streitpunkte der Parteien ins Nichts auf. Unterschiede, die gerade in Wahlkampfzeiten zum Richtungsstreit verkl\u00e4rt worden waren, erwiesen sich als v\u00f6llig belanglos, als es um die gro\u00dfe Frage von Sein oder Nichtsein des Kapitalismus ging.<\/p>\n<p>Weder die Gr\u00fcnen noch die Linkspartei stellten die Rolle des Staates am Krankenbett des Kapitalismus in Frage. Der Neoliberalismus, der seit etwa 30 Jahren die Wirtschaftspolitik mehr und mehr bestimmt hatte, war pl\u00f6tzlich nicht mehr pr\u00e4sent, als es um die ideologische Absicherung solch gigantischer Staatsinterventionen ging. Alles schien m\u00f6glich. Selbst Verstaatlichungen, die zuvor als sozialistischer Gewaltakt verteufelt worden waren, galten nicht mehr als \u00f6konomisch verwerflich, wenn solche Ma\u00dfnahmen nur halfen, die kapitalistische Ordnung zu retten. Vor diesem Richterstuhl verlor selbst das Privateigentum seine Heiligkeit. Niemand protestierte, als der Staat auf dem H\u00f6hepunkt der Krise das gesamte Finanzsystem praktisch unter seine Kontrolle stellte. Die Planwirtschaft hatte f\u00fcr kurze Zeit gesiegt \u00fcber das Chaos der M\u00e4rkte, eine Planwirtschaft jedoch, die innerhalb und zur Rettung des kapitalistischen Systems stattfand.<\/p>\n<p>Die massiven Staatsinterventionen von 2008\/2009 hatten die Staatshaushalte schwer belastet. Als in einigen L\u00e4ndern der Euro-Zone die Staatschuldenkrise immer bedrohlichere Formen annahm und die Schuldenfinanzierung \u00fcber den Kapitalmarkt zu stocken drohte, r\u00fcckten die Kapitalfraktionen in der Frage der Aufrechterhaltung der Staatsfinanzierung auch in Deutschland wieder enger zusammen. Sie waren sich einig, dass der Staat seine Neuverschuldung zumindest auf mittlere Sicht begrenzen musste, sollte das kapitalistische System nicht erneut in eine Krise geraten.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung der Staatsschuldenkrise etwa durch einfache Entwertung der Staatsschulden w\u00e4re auf eine Entwertung des in der Staatsschuld angelegten zinstragenden Kapitals hinausgelaufen, also auf eine Entwertung des Verm\u00f6gens der Geldkapitalisten. Diese Art der L\u00f6sung musste auf den Widerstand des Kapitals sto\u00dfen, so dass sie gar nicht erst \u00f6ffentlich diskutiert wurde.<\/p>\n<p>Einig waren sich alle besitzenden Klassen und Fraktionen, dass der Staat die Kosten seiner Schuldenbegrenzung weder dem fungierenden noch dem zinstragenden Kapital aufb\u00fcrden durfte. Eine finanzielle Belastung oder gar eine Kapitalentwertung zugunsten einer Sanierung des Staatshaushalts kamen f\u00fcr sie nicht in Frage. Es blieb nur die M\u00f6glichkeit<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[xxvi]<\/a>, die Kosten der Sanierung auf die Lohnabh\u00e4ngigen abzuw\u00e4lzen. Da diese \u00fcber keine gr\u00f6\u00dferen Verm\u00f6gen verf\u00fcgten, die sich der Staat h\u00e4tte aneignen k\u00f6nnen, sollten die Gelder f\u00fcr die R\u00fcckf\u00fchrung seiner Verschuldung aus den laufenden Lohn- und Gehaltseinkommen und aus dem Sozialbudget genommen werden.<\/p>\n<p>Das Jahr 2010 war das Jahr der Sparprogramme in Europa. In Griechenland, Irland, Portugal und Spanien folgten weitere Ma\u00dfnahmen. Die Sparprogramme fielen je nach nationaler Verschuldungs- und Konjunktursituation unterschiedlich heftig aus, griffen aber in jedem Fall in die Lebensbedingungen der Lohnabh\u00e4ngigen ein. Bei allen nationalen Unterschieden stellten die Sparprogramme mal mehr mal weniger darauf ab, die Massensteuern zu erh\u00f6hen, die Sozialausgaben sowie die L\u00f6hne vor allem im \u00d6ffentlichen Dienst zu senken und die Bedingungen f\u00fcr eine beschleunigte Akkumulation des Kapitals zu verbessern.<\/p>\n<p>Die Sparbeschl\u00fcsse kehrten den Klassencharakter hervor, sie l\u00f6sten Sozialstaatsillusionen auf, sie verschlechterten die Lebensbedingungen, sie schmiedeten die Lohnabh\u00e4ngigen soweit zusammen, wie die Betroffenheit reichte, sie schufen eine gleiche politische Situation mit gleichen politischen Interessen, die gegen die Regierung gerichtet waren.<\/p>\n<p>Die Massenproteste, die sich bald einstellten, besa\u00dfen sofort einen politischen Charakter, der sich gegen die Politik des Staates richtete. Eine ganze Palette von Kampfformen wurde sichtbar. Sie reichte von Protesttagen, von geordneten Demonstrationen, von kurzen aber \u201everl\u00e4ngerbaren\u201d Arbeitsniederlegungen und Demonstrationsstreiks \u00fcber Generalstreiks einzelner Branchen, Regionen und St\u00e4dte bis hin zu landesweiten Generalstreiks, Blockaden, Besetzungen, blutigen Stra\u00dfenschlachten und Barrikadenk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Massenk\u00e4mpfe und gelegentlich durchgef\u00fchrte Meinungsumfragen zeigten, wie sehr die breite Masse der Bev\u00f6lkerung die Sparpolitik ablehnte, die aber dennoch durchgesetzt wurde. Die Macht ging nicht vom Volke, sondern von den besitzenden Klassen, von der Bourgeoisie, aus &#8211; anders l\u00e4sst sich diese Tatsache nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>In Griechenland bef\u00fcrworteten einer Umfrage von Mitte Juni 2011 zufolge 86 Prozent der Befragten die Proteste, an denen 35 Prozent schon selbst teilgenommen hatten. \u201eRechnet man die 31 Prozent der Befragten, die (auch) in Zukunft auf den Pl\u00e4tzen protestieren wollen, auf den vollj\u00e4hrigen Teil der Bev\u00f6lkerung hoch, dann w\u00e4ren mittlerweile fast drei Millionen Menschen im elf Millionen Einwohner z\u00e4hlenden Griechenland entschlossen, ihren Unmut auf die Stra\u00dfe zu tragen\u201d.<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[xxvii]<\/a><\/p>\n<p>Als die franz\u00f6sischen Massenstreiks im Oktober 2010 gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters anschwollen, nahm nach einer Umfrage des franz\u00f6sischen Meinungsforschungsinstituts BVA die Unterst\u00fctzung zu. 69 Prozent der Befragten hie\u00dfen den Protest gut.<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[xxviii]<\/a>\u00a0Die Massenstreiks selbst waren bereits das sichtbarste Zeichen daf\u00fcr, wie einm\u00fctig die Klasse der Lohnabh\u00e4ngigen, d.h. die breite Masse der Bev\u00f6lkerung, die Sparprogramme ablehnte.<\/p>\n<p>Ihren Unmut dr\u00fcckte sie schon im M\u00e4rz 2010 aus, als sie die Regionalwahlen in Frankreich boykottierte. Nicht einmal die H\u00e4lfte der Stimmberechtigten erschien vor den Urnen, bei der Wahl vor sechs Jahren hatten noch fast zwei Drittel gew\u00e4hlt. \u201eDer franz\u00f6sischen Demokratie kommt ihr Demos abhanden, das Volk\u201d, kommentierte \u201eDie Zeit\u201d diese Form der Ablehnung.<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[xxix]<\/a>\u00a0In einer Umfrage kreuzten 67 Prozent die Aussage an: \u201eIch traue weder der Rechten noch der Linken zu, das Land zu regieren\u201d. Wozu also w\u00e4hlen? Dass \u201edie Dinge immer schlimmer werden\u201d, das glaubten 79 Prozent der Franzosen.<\/p>\n<p>Unsicherheit und Sorge waren derart gro\u00df, dass die Mehrheit es f\u00fcr m\u00f6glich hielt, \u00fcber Nacht das Obdach zu verlieren. \u201eDer Kapitalismus ist nichts als Banditentum, irrational in seinem Wesen, verheerend in seinem Werden\u201d, fasste der franz\u00f6sische Philosoph Alain Badiou seinen Unmut zusammen.<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[xxx]<\/a>\u00a0Der westliche Liberalismus sei eine Illusion, denn von wenigen Ausnahmen abgesehen, h\u00e4tten seine B\u00fcrger nichts zu w\u00e4hlen. Die Parteien glichen sich. Wer auch immer regiere, betreibe dieselbe Politik. Der \u201eKapitalo-Parlamentarismus\u201d, so Badiou sp\u00e4ter, dulde keine Alternative.<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\">[xxxi]<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.proletarische-briefe.de\/?p=513\">http:\/\/www.proletarische-briefe.de\/?p=513<\/a> vom 7. September 2017<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Im Folgenden geht es nur darum, die besitzenden Klassen der Gesellschaft, vor allem ihre \u00f6konomische Anatomie, darzustellen. Erg\u00e4nzungen und Modifikationen, soweit sie durch die Existenz des Staates ins Spiel kommen, bleiben unber\u00fccksichtig.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Die Eliteforschung, darunter die von Michael Hartmann, hat empirisch nachgewiesen, dass die deutsche Wirtschaftselite zu mehr als 80 Prozent (bei Aufsichtsratsvorsitzenden bis zu 90 Prozent) aus dem Gro\u00dfb\u00fcrgertum und gehobenen B\u00fcrgertum stammt. Diese \u00f6konomisch-funktionale Klasse besitzt hinsichtlich der Herkunft ihrer Mitglieder eine gro\u00dfe Homogenit\u00e4t, was nur beweist, wie sehr sich die Klasse gegen die Individuen verselbst\u00e4ndigt, so dass diese dann ihre Lebensbedingungen pr\u00e4destiniert vorfinden. Die Individuen sind unter die Klasse subsumiert, bekommen von ihr ihre Lebensstellung, ihre Verhaltensweisen und Dispositionen, ihren Lebensstil, ihre Sprechweisen, kurz: ihren \u201eHabitus\u201d (Pierre Bourdieu) mitgeteilt. Der Habitus als eine inkorporierte, also verk\u00f6rperte oder in den K\u00f6rper eingebrannte Beziehungsstruktur tr\u00e4gt Klassencharakter.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Die kritische Wirtschaftstheorie bezeichnete sehr treffend die Warenbesitzer als Repr\u00e4sentanten von Waren oder noch genauer als \u201e\u00f6konomische Charaktermasken\u201d, die nur \u201edie Personifikationen der \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse sind, als deren Tr\u00e4ger sie sich gegen\u00fcbertreten\u201d. (Marx, Kapital I, in: MEW 23, S. 100) \u201eDas Kapital als sich verwertender Wert umschlie\u00dft nicht nur Klassenverh\u00e4ltnisse \u2026 Es ist eine Bewegung, ein Kreislaufproze\u00df durch verschiedne Stadien, der selbst wieder drei verschiedne Formen des Kreislaufprozesses einschlie\u00dft\u2026Die Bewegungen des Kapitals erscheinen als Aktionen des einzelnen industriellen Kapitalisten in der Weise, dass er als Waren- und Arbeitsk\u00e4ufer, Warenverk\u00e4ufer und produktiver Kapitalist fungiert, durch seine T\u00e4tigkeit also den Kreislauf vermittelt.\u201d (Kapital II, MEW 24, S. 109)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> G. Sandleben (2011): Politik des Kapitals in der Krise. Eine empirische Studie, Frankfurt. Die nachfolgenden Ausf\u00fchrungen stellen eine modifizierte Fassung des Kapitels 1.4 des Buches dar: Hauptakteure in der Politik des Kapitals.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Nach einer Auswertung der Unternehmensbilanzstatistik durch die Deutsche Bundesbank betrug in 2008 die Eigenkapitalquote (Eigenmittel in Prozent der Bilanzsumme) im Durchschnitt aller Unternehmungen 25,5 Prozent; von 2006 bis 2008 lag die Quote bei durchschnittlich 24,9 Prozent. Monatsbericht vom Januar 2010.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> Hier bleibt unber\u00fccksichtigt, dass Werte nicht nur in der Form des Geldes sondern auch in Warenform (Mietsh\u00e4user etc.) verliehen werden k\u00f6nnen. Das Interesse an einem stabilen Geldwert ist dann weniger stark ausgepr\u00e4gt als beim eigentlichen Geldkapitalisten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> Versuche, die Gier zu verdammen, sie moralisch-theologisch einzud\u00e4mmen, geh\u00f6ren zu den vergeblichen Anstrengungen von Politikern, Moralisten, Theologen, Soziologen etc. Wird die Gier zur Ursache der Wirtschaftskrise gemacht, dann nicht in der Weise, dass man die \u00f6konomischen Voraussetzung dieser Gier thematisiert, sondern indem man die Gier in eine menschliche Schw\u00e4che verwandelt, wodurch das angeblich so intakte Marktsystem gef\u00e4hrdet werde.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> In den sieben Thesen des Frankfurter Zukunftsrates zur Neuro\u00f6konomie vom Juni 2009 hei\u00dft es unter These vier: \u201eDie Gier im Finanzverhalten ist genbedingt\u201d. Der Zukunftsrat empfiehlt deshalb, Menschen mit genbedingter Finanzgier nicht in F\u00fchrungspositionen einzusetzen. (<a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/pm\/75963\/1425052\/%20frankfurter_zukunftsrat_e_v\">http:\/\/www.presseportal.de\/pm\/75963\/1425052\/ frankfurter_zukunftsrat_e_v<\/a>).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> \u201eBlutgier, Geldgier, Habgier, Raffgier: Was treibt Menschen an, die den Hals nicht voll bekommen, gegen Regeln versto\u00dfen oder korrupt sind,\u201d schrieb das Handelsblatt in einer Buchbesprechung am 16.11.2007 und listete eine Reihe B\u00fccher auf, die allesamt darauf hinausliefen, die kapitalistische Ursachen der Gier auszublenden. Das menschliche Gehirn, so die allgemeine These, giert nach Gewinnen, weil sich dann Gl\u00fccksgef\u00fchle einstellten, mit der Konsequenz, dass die Gewinn-Gier grenzenlos sei, vergleichbar mit dem Drogenkonsum. Das Belohnungszentrum des Gehirns, nicht das Kapitalverh\u00e4ltnis soll die Quelle der Gier sein. Gier wird als \u201eRegelversto\u00df\u201d von Menschen interpretiert, nicht aber als eine durch die Regeln der Kapitalbewegung vorgegebene Verhaltensnotwendigkeit.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> Diese Seite des Kreditwesens schlie\u00dft sich an die technischen Operationen des Geldhandels nicht nur an, sondern entwickelt sie fort, sobald sie mit dem Kreditgesch\u00e4ft verbunden werden. N\u00e4heres dazu bei Marx, MEW 25, Kapitel 19 und 25 und bei G. Sandleben \/ J. Sch\u00e4fer (2013): Apologie von links, S. 91ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> Einzelheiten dazu u. a. bei J\u00f6rg Huffschmid (2002): Politische \u00d6konomie der Finanzm\u00e4rkte. Aktualisierte und erweiterte Neuauflage, Hamburg; Sandleben\/Sch\u00e4fer (2013)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a> Zu den High-Net-Worth Individuals werden meist Personen mit einem verf\u00fcgbaren Finanzverm\u00f6gen (abz\u00fcglich Schulden) von mehr als einer Million US-Dollar gez\u00e4hlt. Selbst genutzter Immobilienbesitz oder andere genutzte Sachverm\u00f6gen sind darin nicht enthalten. Genaue Messungen liegen nicht vor. Die Anzahl der Million\u00e4re ergibt sich aus ungef\u00e4hren Sch\u00e4tzungen, die je nach Quelle voneinander abweichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.capgemini.com\/services-and-solutions\/by-industry\/financial-services\/solutions\/wealth\/state_world_wealth\/\">http:\/\/www.capgemini.com\/services-and-solutions\/by-industry\/financial-services\/solutions\/wealth\/state_world_wealth\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a> Hoch lebe Private Equity, in: FAZ vom 25.9.2010, S. 23.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a> Hanno Mu\u00dfler, \u201eDie Abwehrstrategie der deutschen Banken\u201d, in: FAZ vom 10.9.2010; Die Zeit vom 2.9.2010.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[xvi]<\/a> Dass der Bodeneigent\u00fcmer sein Land auch anderen zur Verf\u00fcgung stellen kann, etwa dem Staat oder privaten Mietern, soll an dieser Stelle nicht thematisiert werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[xvii]<\/a> Die Reduktion des Immobilieneigentums auf eine Handelsware ist keineswegs erst eine Erscheinung unserer Zeit. England hatte dem Grundbesitz bereits im 17. Jahrhundert die fr\u00fcheren adligen Verbr\u00e4mungen soweit abgestreift, dass einer der Gr\u00fcnder der klassischen Politischen \u00d6konomie, n\u00e4mlich William Petty (1623 &#8211; 1687), einige Grundz\u00fcge der bereits modernen kapitalistischen Grundrente analysieren konnte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[xviii]<\/a> Er ist ein gesellschaftlicher Grundeigent\u00fcmer, soweit er zusammen mit den anderen Fondszeichnern Eigent\u00fcmer \u00fcber ein St\u00fcck Land ist, das seine Fondsverwaltung anderen gegen eine Grundrente zur Verf\u00fcgung stellt. In der Regel ist er zugleich Eigent\u00fcmer von Kapital, wenn auf dem Land Miets- oder Kaufh\u00e4user, B\u00fcrogeb\u00e4ude, Lagerh\u00e4user, Parkh\u00e4user etc. stehen. Die Geldeinnahmen (abz\u00fcglich der laufenden Ausgaben), die der Fonds aus der bereitgestellten Immobilie bezieht, bestehen dann keineswegs nur aus Grundrente, sondern sind verquickt mit Zinseinnahmen und einem st\u00fcckchenweise R\u00fcckfluss des fixen Kapitals (Abschreibungen), das in den Geb\u00e4uden steckt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[xix]<\/a> Die Kapitalisierung von Grundrente und Zins erwecken den Schein, dass beide Geldeinnahmen in gleicher Weise Resultat eines imagin\u00e4ren Kapitals sind, aus dem dann diese Geldeinnahmen als ganz selbstverst\u00e4ndliche Einkommensformen herauswachsen. In einer kritischen Wirtschaftsanalyse, die sich an Marx anlehnt, wird die mit einem Durchschnittszinsfu\u00df kapitalisierte \u201ejede regelm\u00e4\u00dfig sich wiederholende Einnahme\u201d als \u201efiktives Kapital\u201d bezeichnet. (MEW 25, S. 484) Die kapitalisierte Grundrente ergibt als Ertragswert den Bodenpreis, worin die Rente als der Z\u00e4hler vorausgesetzt ist. Der Kurs einer l\u00e4nger laufenden Anleihe ist \u00e4hnlich bestimmt, n\u00e4mlich als kapitalisierte Zinseinnahme. Steigt der allgemeine Zinsfu\u00df, dann fallen gew\u00f6hnlich Kurs der Anleihe und Bodenpreis, ein weiteres Indiz f\u00fcr den Geldanleger, Grundrente und Zinseinnahmen gleich zu setzen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[xx]<\/a> Marx, Der B\u00fcrgerkrieg in Frankreich, in:\u00a0 MEW 17, S. 342<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[xxi]<\/a> Gegebene Wertzusammensetzung des Kapitals unterstellt, l\u00e4sst sich die allgemeine Profitrate nur durch eine Erh\u00f6hung der Mehrwertrate, d. h. auf Kosten der Lohnabh\u00e4ngigen durch Lohnsenkungen, Erh\u00f6hung der Arbeitsintensit\u00e4t und durch Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit steigern. Der Verwertungszwang des Kapitals f\u00fchrt zu einem st\u00e4ndigen gemeinschaftlichen Angriff auf die Lebensbedingungen der Lohnabh\u00e4ngigen, die auf diese Weise permanent zum Widerstand gezwungen werden. Zu den verschiedenen Methoden der Mehrwertproduktion sei auf das Marxsche Kapital, Band I (MEW 23, Abschnitte III bis V) verwiesen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[xxii]<\/a> MEW 25, S. 208.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[xxiii]<\/a> Zum Beispiel bei Immanuel Wallerstein oder beim britischen Politikwissenschaftler Colin Crouch (2008): Postdemokratie, Frankfurt am Main, S. 77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[xxiv]<\/a> Vergleiche Sandleben (2011).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[xxv]<\/a> Harald Schumann, \u201eBankenrettung\u201d, im Tagesspiegel vom 21.8.09.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[xxvi]<\/a>Eine weitere M\u00f6glichkeit, Staatsverm\u00f6gen oder den nationalen Goldschatz als Schuldentilgungsmittel einzusetzen, spielte bislang nur in Griechenland eine gewisse Rolle.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[xxvii]<\/a> Heike Schrader, \u201eAus Wut wird Widerstand\u201d, In: junge Welt vom 2.6.2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[xxviii]<\/a> FAZ vom 23.10.2010.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[xxix]<\/a> \u201eDie Leere der Macht\u201d, in: Die Zeit vom 18.3.2010.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[xxx]<\/a> \u201eDas Reale dieses Krisenspektakels\u201d, Taz vom 13.11.2008.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\">[xxxi]<\/a> Die Zeit vom 17.6.2010.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guenther Sandleben. Nachfolgende Analyse f\u00fchrt zu einem Klassen-Begriff, der fast schon in Vergessenheit geraten ist und nur noch gelegentlich Verwendung findet. Unter \u201cBourgeoisie\u201d werden die besitzenden Klassen verstanden. Ihr gemeinsames Interesse<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[87,39,45,22],"class_list":["post-2507","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-arbeitswelt","tag-deutschland","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2507"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2507\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2508,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2507\/revisions\/2508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}