{"id":2509,"date":"2017-09-07T15:33:19","date_gmt":"2017-09-07T13:33:19","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2509"},"modified":"2017-09-07T15:33:42","modified_gmt":"2017-09-07T13:33:42","slug":"albert-einstein-warum-sozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2509","title":{"rendered":"Albert Einstein:  Warum Sozialismus?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Albert Einstein ist bekannt f\u00fcr seine Erforschungen der Physik und der Welt, weniger bekannt ist jedoch sein Einsatz f\u00fcr den Sozialismus, obwohl er sich seines Lebens als\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/fltv\/ist-der-mensch-geeignet-fuer-den-sozialismus\/\"><strong>Sozialist\u00a0<\/strong><\/a><strong>verstand und gegen\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/faschismus-mit-modernem-gesicht\/\"><strong>Faschismus\u00a0<\/strong><\/a><strong>und Krieg<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> engagierte, wird dies von den b\u00fcrgerlichen Medien gerne verschwiegen. \u201eWhy Socialism?\u201c wurde erstmals 1949 in der ersten Ausgabe der New Yorker Zeitschrift Monthly Review ver\u00f6ffentlicht.<\/strong><\/p>\n<p>Ist es nun ratsam f\u00fcr jemanden, der kein Experte auf dem Gebiet \u00f6konomischer und sozialer Fragen ist, sich zum Wesen des Sozialismus zu \u00e4u\u00dfern? Ich denke aus einer Reihe von Gr\u00fcnden, dass dies der Fall ist.<\/p>\n<p>Lasst und die Frage vorerst vom Standpunkt der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus betrachten. Es mag so erscheinen, als ob es keine wesentlichen methodologischen Unterschiede zwischen Astronomie und \u00d6konomie g\u00e4be: Wissenschaftler beider Gebiete versuchen allgemein akzeptable Gesetze f\u00fcr eine begrenzte Anzahl von Ph\u00e4nomenen zu entdecken um deren Zusammenh\u00e4nge so verst\u00e4ndlich wie m\u00f6glich zu machen. Aber in Wirklichkeit existieren solche methodologischen Unterschiede. Die Entdeckung von allgemeing\u00fcltigen Gesetzen im Bereich der \u00d6konomie wird dadurch erschwert, dass die zu betrachtenden \u00f6konomischen Ph\u00e4nomene von vielen Faktoren beeinflusst sind, die einzeln schwer zu beurteilen sind. Au\u00dferdem waren die Erfahrungen, die sich seit Beginn der sogenannten \u201ezivilisierten Periode\u201c der menschlichen Geschichte angesammelt haben \u2013 wie wir wissen \u2013 stark von Faktoren beeinflusst und beschr\u00e4nkt, die keineswegs ausschlie\u00dflich \u00f6konomischer Natur sind. Zum Beispiel verdanken die gr\u00f6\u00dferen Staatengebilde ihre Existenz den Eroberungen. Die erobernden V\u00f6lker machten sich selbst \u2013 gesetzlich und wirtschaftlich gesehen \u2013 zur privilegierten Klasse des eroberten Landes. Sie sicherten sich das Monopol an Landbesitz und ernannten Priester aus ihren eigenen Reihen. Diese Priester \u2013 die die Macht \u00fcber das Erziehungswesen hatten \u2013 institutionalisierten die Teilung der Gesellschaft in Klassen und schufen ein Wertesystem, dass die Menschen von da an \u2013 in einem hohen Grad unbewusst \u2013 in ihrem sozialen Verhalten leitete.<\/p>\n<p>Aber auch wenn diese historische Tradition eigentlich der Vergangenheit angeh\u00f6rt, haben wir das was Thorstein Veblen die ,,r\u00e4uberische Phase\u201c der menschlichen Entwicklung nannte nirgends wirklich \u00fcberwunden. Die wahrnehmbaren \u00f6konomischen Fakten geh\u00f6ren zu eben dieser Phase und selbst diejenigen Gesetze, die wir aus ihnen ableiten k\u00f6nnen sind nicht auf andere Phasen anwendbar. Da es das reale Ziel des Sozialismus ist, genau \u00fcber diese r\u00e4uberische Phase menschlicher Entwicklung zu Siegen und diese zu \u00fcberwinden, kann die heutige wissenschaftliche \u00d6konomie wenig Licht auf die zuk\u00fcnftige sozialistische Gesellschaft werfen.<\/p>\n<p>Zum Zweiten ist der Sozialismus auf ein sozial-ethisches Ziel ausgerichtet. Wissenschaft kann jedoch keine Ziele schaffen, geschweige denn sie den Menschen einfl\u00f6\u00dfen: Wissenschaft kann bestenfalls die Mittel liefern, mit denen bestimmte Ziele erreicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber die Ziele selbst werden von Pers\u00f6nlichkeiten mit hochgesteckten ethischen Idealen erdacht und \u2013 wenn diese Ziele nicht totgeboren, sondern vital und kraftvoll sind \u2013 werden sie von den vielen Menschen \u00fcbernommen und weitergetragen, die teilweise unbewusst die langsame Weiterentwicklung der Gesellschaft bestimmen.<\/p>\n<p>Aus diesen Gr\u00fcnden sollten wir auf der Hut sein und keine Wissenschaft und wissenschaftliche Methode \u00fcbersch\u00e4tzen, wenn es um eine Frage der Probleme der Menschheit geht; und wir sollten nicht davon ausgehen, dass Experten die einzigen sind, die ein Recht darauf haben, sich zu Fragen zu \u00e4u\u00dfern, die die Organisation der Gesellschaft betreffen.<\/p>\n<p>Unz\u00e4hlige Stimmen behaupten seit geraumer Zeit, dass nun, da die menschliche Gesellschaft eine Krise durchmache, ihre Stabilit\u00e4t ernsthaft ersch\u00fcttert worden sei. Es ist charakteristisch f\u00fcr solch eine Situation, dass sich Individuen gleichg\u00fcltig oder sogar feindlich gegen\u00fcber der kleinen oder gro\u00dfen Gruppe verhalten, zu der sie geh\u00f6ren. Hierzu eine pers\u00f6nliche Erfahrung: Ich er\u00f6rterte vor kurzem mit einem intelligenten und freundlich gesonnenen Mann die Bedrohung durch einen erneuten Krieg, der meiner Meinung nach die Existenz der Menschheit ernsthaft gef\u00e4hrden w\u00fcrde, und ich bemerkte, dass nur eine supranationale Organisation Schutz vor dieser Gefahr gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnte. Daraufhin sagte mein Besucher \u2013 sehr ruhig und gelassen -: \u00a0,,Warum bist du so vehement gegen das Verschwinden der Menschheit?\u201c<\/p>\n<p>Ich bin mir sicher, dass ein Jahrhundert fr\u00fcher niemand so leicht eine derartige Bemerkung gemacht h\u00e4tte. Es ist die Aussage eines Mannes, der sich vergebens bem\u00fcht hat, sein inneres Gleichgewicht zu finden und der mehr oder weniger die Hoffnung auf Erfolg verloren hat. Es ist der Ausdruck einer schmerzhaften Vereinsamung und Isolation, an der so viele Leute in dieser Zeit leiden. Was ist die Ursache? Gibt es einen Ausweg?<\/p>\n<p>Es ist einfach, solche Fragen aufzuwerfen, viel schwieriger hingegen, sie mit Gewissheit zu beantworten. Doch das muss ich versuchen, so gut ich kann, obwohl ich mir der Tatsache bewusst bin, dass unsere Gef\u00fchle und unsere Bestrebungen oft widerspr\u00fcchlich und obskur sind und dass sie nicht in einfachen Formeln ausgedr\u00fcckt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Mensch ist gleichzeitig ein Einzel- und ein Sozialwesen. Als ein Einzelwesen versucht er, seine eigene Existenz und die derjenigen Menschen zu sch\u00fctzen, die ihm am n\u00e4chsten sind sowie seine Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen und seine angeborenen F\u00e4higkeiten zu entwickeln. Als ein Sozialwesen versucht er, die Anerkennung und Zuneigung seiner Mitmenschen zu gewinnen, ihre Leidenschaften zu teilen, sie in ihren Sorgen zu tr\u00f6sten und ihre Lebensumst\u00e4nde zu verbessern. Allein die Existenz dieser vielseitigen, h\u00e4ufig widerstreitenden Bestrebungen macht den speziellen Charakter des Menschen aus, und die jeweilige Kombination bestimmt, inwieweit ein Individuum sein inneres Gleichgewicht erreichen und damit etwas zum Wohl der Gesellschaft beitragen kann. Es ist gut vorstellbar, dass die relative Kraft dieser beiden Antriebe haupts\u00e4chlich erblich bedingt ist. Aber die Pers\u00f6nlichkeit wird letztlich weitestgehend von der Umgebung geformt, die ein Mensch zuf\u00e4llig vorfindet, durch die Gesellschaftsstruktur, in der er aufw\u00e4chst, durch die Traditionen dieser Gesellschaft und dadurch, wie bestimmte Verhaltensweisen beurteilt werden. Der abstrakte Begriff ,,Gesellschaft\u201c bedeutet f\u00fcr den einzelnen Menschen die Gesamtheit seiner direkten und indirekten Beziehungen zu seinen Zeitgenossen den Menschen fr\u00fcherer Generationen. Das Individuum allein ist in der Lage, zu denken, zu f\u00fchlen, zu k\u00e4mpfen, selbst\u00e4ndig zu arbeiten; aber er ist in seiner physischen, intellektuellen und emotionalen Existenz derart abh\u00e4ngig von der Gesellschaft, dass es unm\u00f6glich ist ihn, au\u00dferhalb des gesellschaftlichen Rahmens \u00fcber zu betrachten. Es ist die ,,Gesellschaft, die den Menschen Kleidung, Wohnung, Werkzeuge, Sprache, die Formen des Denkens und die meisten Inhalte dieser Gedanken liefert, sein Leben wird durch die Arbeit m\u00f6glich gemacht und durch die Leistungen der vielen Millionen Menschen fr\u00fcher und heute, die sich hinter dem W\u00f6rtchen ,,die Gesellschaft\u201c verbergen.<\/p>\n<p>Deshalb ist die Abh\u00e4ngigkeit des Einzelnen von der Gesellschaft ein Naturgesetz, das \u2013 wie im Falle von Ameisen und Bienen \u2013 offenbar nicht einfach so abgeschafft werden kann. Doch w\u00e4hrend der gesamte Lebensprozess von Ameisen und Bienen bis hin zum kleinsten Detail an starre, erbliche Instinkte gebunden ist, sind die sozialen Muster und die engen sozialen Verbindungen der Menschen sehr empf\u00e4nglich f\u00fcr verschiedenste Ver\u00e4nderungen. Das Ged\u00e4chtnis, die Kapazit\u00e4t, Neues zu versuchen und die M\u00f6glichkeit, m\u00fcndlich zu kommunizieren haben f\u00fcr den Menschen Entwicklungen m\u00f6glich gemacht, die nicht von biologischen Gegebenheiten diktiert wurden. Solche Entwicklungen manifestieren sich in Traditionen, Institutionen und Organisationen, in der Literatur, in wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften, in k\u00fcnstlerischen Arbeiten. Das erkl\u00e4rt, weshalb der Mensch in einem gewissen Sinne sein Leben selbst beeinflussen kann und dass in diesem Prozess bewusstes Denken und Wollen eine Rolle spielt.<\/p>\n<p>Der Mensch erwirbt mit der Geburt durch Vererbung eine biologische Grundlage, die wir als fest und unab\u00e4nderlich betrachten m\u00fcssen. Dies schlie\u00dft die nat\u00fcrlichen Triebe ein, die f\u00fcr die menschliche Spezies charakteristisch sind. Dar\u00fcber hinaus erwirbt er w\u00e4hrend seines Lebens eine kulturelle Grundlage, die er von der Gesellschaft durch Kommunikation und durch viele andere Arten von Einfl\u00fcssen \u00fcbernimmt. Es ist diese kulturelle Grundlage, die im Lauf der Zeit \u00c4nderungen unterworfen ist, und die zu einem gro\u00dfen Teil die Beziehungen zwischen dem Individuum und der Gesellschaft bestimmt. Die moderne Anthropologie hat uns durch vergleichende Untersuchungen der sogenannten ,,primitiven Kulturen\u201c gelehrt, dass das soziale Verhaften von Menschen sehr unterschiedlich sein kann und jeweils abh\u00e4ngig ist von den vorherrschenden kulturellen Mustern und dem in der Gesellschaft vorherrschenden Organisationstyp. Auf diese Tatsache k\u00f6nnen diejenigen bauen, die das Los der Menschen verbessern wollen: Menschen werden nicht durch ihre biologische Konstitution dazu verdammt, einander zu vernichten oder auf Gedeih und Verderb einem schrecklichen, selbst auferlegten Schicksal zu erliegen.<\/p>\n<p>Wenn wir uns fragen, wie die Gesellschaftsstruktur und die kulturelle Einstellung des Menschen ge\u00e4ndert werden soll, um das menschliche Leben so befriedigend wie m\u00f6glich zu machen, sollten wir uns immer bewusst sein, dass es bestimmte Bedingungen gibt, die wir unm\u00f6glich ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Wie bereits erw\u00e4hnt, sieht die biologische Natur des Menschen in der Praxis keine \u00c4nderung vor. Des Weiteren haben technologische und demographische Entwicklungen der letzten Jahrhunderte Bedingungen geschaffen, die bleibend sind. Bei einer relativ hohen Bev\u00f6lkerungsdichte und mit Blick auf die Waren, die f\u00fcr ihre Existenz unentbehrlich sind, sind eine extreme Arbeitsteilung und ein hoch zentralisierter Produktionsapparat unbedingt notwendig. Die Zeiten, in denen Individuen oder relativ kleine Gruppen v\u00f6llig autark sein konnten \u2013 und die zur\u00fcckblickend so idyllisch erscheinen \u2013 sind unwiderruflich vorbei. Es ist nur eine leichte \u00dcbertreibung, zu behaupten, dass die Menschheit jetzt sogar eine weltweite Gemeinschaft in Bezug auf Produktion und Verbrauch bildet.<\/p>\n<p>An diesem Punkt angelangt kann ich kurz aufzeigen, was f\u00fcr mich das Wesen der Krise unserer Zeit ausmacht. Es betrifft die Beziehung des Einzelnen zur Gesellschaft. Der Einzelne ist sich seiner Abh\u00e4ngigkeit von der Gesellschaft bewusster als je zuvor. Aber er erf\u00e4hrt diese Abh\u00e4ngigkeit nicht als etwas Positives, Organisches, als Schutzgewalt, sondern eher als eine Bedrohung seiner naturgegebenen Rechte, oder sogar seiner \u00f6konomischen Existenz. Au\u00dferdem ist seine Stellung in der Gesellschaft so, dass die egoistischen Triebe st\u00e4ndig hervorgehoben, w\u00e4hrend die sozialen Triebe, die er von Natur aus hat, schw\u00e4cher werden und immer mehr verk\u00fcmmern. Alle Menschen leiden unter diesem Prozess der Verschlechterung \u2013 ganz gleich welche Stellung sie in der Gesellschaft innehaben. Als unwissentlich Gefangene ihrer eigenen Ichbezogenheit f\u00fchlen sie sich unsicher, einsam und des urspr\u00fcnglichen, einfachen und schlichten Genusses des Lebens beraubt. Der Mensch kann den Sinn seines kurzen und bedrohten Lebens nur innerhalb der Gesellschaft finden.<\/p>\n<p>Die \u00f6konomische Anarchie der kapitalistischen Gesellschaft heute ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache des \u00dcbels. Wir sehen vor uns eine riesige Gemeinschaft von Erzeugern, deren Mitglieder unaufh\u00f6rlich bestrebt sind, einander die Fr\u00fcchte ihrer kollektiven Arbeit zu entziehen, \u2013 nicht mit Gewalt, aber in getreuer Einhaltung der gesetzlich feststehenden Regeln. In dieser Hinsicht ist es wichtig, zu realisieren, dass die Produktionsmittel \u2013 d.h. die ganze produktive Kapazit\u00e4t, die f\u00fcr das Produzieren von Verbrauchsg\u00fctern wie auch zus\u00e4tzlichen lnvestitionsg\u00fctern erforderlich ist, \u2013 gesetzlich gesehen im privaten Besitz von Individuen sein k\u00f6nnen und zum gr\u00f6\u00dften Teil ist das auch so.<\/p>\n<p>Um es einfacher zu machen werde ich im Folgenden all jene als ,Arbeiter\u201c bezeichnen, die kein Eigentum an Produktionsmitteln besitzen \u2013 auch wenn dies nicht der \u00fcblichen Verwendung des Ausdrucks entspricht. Der Eigent\u00fcmer der Produktionsmittel ist in einer Position, in der er die Arbeitskraft des Arbeiters kaufen kann. Mit den Produktionsmitteln produziert der Arbeiter neue Waren, die ins Eigentum des Kapitalisten \u00fcbergehen. Wesentlich in diesem Prozess ist die Relation zwischen dem, was der Arbeiter verdient und dem, was ihm daf\u00fcr bezahlt wird \u2013 beides gemessen am wirklichen Wert. Dadurch dass der Arbeitsvertrag ,,offen\u201c ist, wird das was der Arbeiter erh\u00e4lt nicht vom wirklichen Wert der produzierten Waren bestimmt, sondern durch seinen Minimalbedarf und durch die Erfordernisse des Kapitalisten im Zusammenhang mit der Zahl der Arbeiter, die miteinander um die Arbeitspl\u00e4tze konkurrieren. Es ist wichtig, zu verstehen, dass sogar in der [\u00f6konomischen] Theorie die Bezahlung des Arbeiters nicht vom Wert seines Produkts bestimmt wird.<\/p>\n<p>Privates Kapital tendiert dazu, in wenigen H\u00e4nden konzentriert zu werden \u2013 teils aufgrund der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten und teils, weil die technologische Entwicklung und die wachsende Arbeitsteilung die Entstehung von gr\u00f6\u00dferen Einheiten auf Kosten der kleineren vorantreiben. Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist eine Oligarchie von privatem Kapital, dessen enorme Kraft nicht einmal von einer demokratisch organisierten politischen Gesellschaft \u00fcberpr\u00fcft werden kann. Dies ist so, da die Mitglieder der gesetzgebenden Organe von politischen Parteien ausgew\u00e4hlt sind, die im Wesentlichen von Privatkapitalisten finanziert oder anderweitig beeinflusst werden und in der Praxis die W\u00e4hler von der Legislative trennen. Die Folge ist, dass die ,,Volksvertreter\u201c die Interessen der unterprivilegierten Schicht der Bev\u00f6lkerung nicht ausreichend sch\u00fctzen. Au\u00dferdem kontrollieren unter den vorhandenen Bedingungen die Privatkapitalisten zwangsl\u00e4ufig direkt oder indirekt die Hauptinformationsquellen (Presse, Radio, Bildung). Es ist deshalb \u00e4u\u00dferst schwierig und, f\u00fcr den einzelnen B\u00fcrger in den meisten F\u00e4llen fast unm\u00f6glich, objektive Schl\u00fcsse zu ziehen und in intelligenter Weise Gebrauch von seinen politischen Rechten zu machen.<\/p>\n<p>Die Situation in einem Wirtschaftssystem, das auf dem Privateigentum an Kapital basiert wird durch zwei Hauptprinzipien charakterisiert: erstens sind die Produktionsmittel (das Kapital) in privatem Besitz, und die Eigent\u00fcmer verf\u00fcgen dar\u00fcber, wie es ihnen passt; zweitens ist der Arbeitsvertrag offen. Nat\u00fcrlich gibt es keine rein kapitalistische Gesellschaft. Vor allem sollte beachtet werden, dass es den Arbeitern durch lange und bittere politische K\u00e4mpfe gelungen ist, bestimmten Kategorien von Arbeitern eine ein wenig verbesserte Form des ,,nichtorganisierten Arbeitervertrags\u201c zu sichern. Aber als Ganzes genommen unterscheidet sich die heutige Wirtschaft nicht sehr von einem ,,reinem\u201c Kapitalismus.<\/p>\n<p>Die Produktion ist f\u00fcr den Profit da \u2013 nicht f\u00fcr den Bedarf. Es gibt keine Vorsorge daf\u00fcr, dass all jene, die f\u00e4hig und bereit sind, zu arbeiten immer Arbeit finden k\u00f6nnen. Es gibt fast immer eine ,,Herr von Arbeitslosen\u201c. Der Arbeiter lebt dauernd in der Angst, seinen Job zu verlieren. Da arbeitslose und schlecht bezahlte Arbeiter keinen profitablen Markt darstellen, ist die Warenproduktion beschr\u00e4nkt und gro\u00dfe Not ist die Folge. Technologischer Fortschritt f\u00fchrt h\u00e4ufig zu mehr Arbeitslosigkeit statt zu einem Milderung der Last der Arbeit f\u00fcr alle. Das Gewinnmotiv ist in Verbindung mit der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten f\u00fcr Instabilit\u00e4t in der Akkumulation und Verwendung des Kapitals verantwortlich und dies bedeutet zunehmende Depressionen. Unbegrenzte Konkurrenz f\u00fchrt zu einer riesigen Verschwendung von Arbeit und zu dieser L\u00e4hmung des sozialen Bewusstseins von Individuen, die ich zuvor erw\u00e4hnt habe.<\/p>\n<p>Diese L\u00e4hmung der Einzelnen halte ich f\u00fcr das gr\u00f6\u00dfte \u00dcbel des Kapitalismus. Unser ganzes Bildungssystem leidet darunter. Dem Studenten wird ein \u00fcbertriebenes Konkurrenzstreben eingetrichtert und er wird dazu ausgebildet, raffgierigen Erfolg als Vorbereitung f\u00fcr seine zuk\u00fcnftige Karriere anzusehen.<\/p>\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass es nur einen Weg gibt, dieses \u00dcbel loszuwerden, n\u00e4mlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu etablieren, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert. in solch einer Wirtschaft geh\u00f6ren die Produktionsmittel der Gesellschaft selbst und ihr Gebrauch wird geplant. Eine Planwirtschaft, die die Produktion auf den Bedarf der Gemeinschaft einstellt, w\u00fcrde die durchzuf\u00fchrende Arbeit unter all denjenigen verteilen, die in der Lage sind zu arbeiten und sie w\u00fcrde jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind einen Lebensunterhalt garantieren. Die Bildung h\u00e4tte zum Ziel, dass die Individuen zus\u00e4tzlich zur F\u00f6rderung ihrer eigenen angeborenen F\u00e4higkeiten einen Verantwortungssinn f\u00fcr die Mitmenschen entwickeln anstelle der Verherrlichung von Macht und Erfolg in unserer gegenw\u00e4rtigen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Dennoch ist es notwendig festzuhalten, dass eine Planwirtschaft noch kein Sozialismus ist. Eine Planwirtschaft als solche kann mit der totalen Versklavung des Individuums einhergehen. Sozialismus erfordert die L\u00f6sung einiger \u00e4u\u00dferst schwieriger sozio-politischer Probleme: Wie ist es angesichts weitreichender Zentralisierung politischer und \u00f6konomischer Kr\u00e4fte m\u00f6glich, eine B\u00fcrokratie daran zu hindern, allm\u00e4chtig und ma\u00dflos zu werden? Wie k\u00f6nnen die Rechte des Einzelnen gesch\u00fctzt und dadurch ein demokratisches Gegengewicht zur B\u00fcrokratie gesichert werden?<\/p>\n<p>In unserem Zeitalter des Wandels ist Klarheit \u00fcber die Ziele und Probleme des Sozialismus von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. Da unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden die offene und ungehinderte Diskussion dieser Probleme einem allgegenw\u00e4rtigen Tabu unterliegt halte ich die Gr\u00fcndung dieser Zeitschrift f\u00fcr ausgesprochen wichtig.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/albert-einstein-warum-sozialismus\/\">diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/a> vom 7. September 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albert Einstein ist bekannt f\u00fcr seine Erforschungen der Physik und der Welt, weniger bekannt ist jedoch sein Einsatz f\u00fcr den Sozialismus, obwohl er sich seines Lebens als\u00a0Sozialist\u00a0verstand und gegen\u00a0Faschismus\u00a0und Krieg<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,17],"class_list":["post-2509","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2509"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2511,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2509\/revisions\/2511"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}