{"id":2525,"date":"2017-09-11T17:04:19","date_gmt":"2017-09-11T15:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2525"},"modified":"2017-09-11T17:04:19","modified_gmt":"2017-09-11T15:04:19","slug":"arbeiten-fuer-amazon-in-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2525","title":{"rendered":"Arbeiten f\u00fcr Amazon in China"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Situation von Amazon LagerarbeiterInnen in China und Teil eines Projektes zu Logistik, Zulieferketten und Internethandel des \u2018Inbound-Outbound-Notes\u2019-Kollektivs:<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Amazon ist seit langem in den Nachrichten \u2013 f\u00fcr seine riesige Gr\u00f6\u00dfe, sein schnelles Wachstum und seine albernen neuen Erfindungen wie Drohnen und sprechende Kn\u00f6pfe f\u00fcr Bestellungen. Die\u00a0Amazon-Besch\u00e4ftigten haben die Perspektive auf Amazon, die zun\u00e4chst nur eine von Verbrauchern war, verschoben und ihre eigenen Arbeitsbedingungen ins \u00f6ffentliche Blickfeld ger\u00fcckt. Sie haben sich wegbewegt vom unbemerkten Schwitzen hinter den W\u00e4nden von Amazons gewaltigen Logistikzentren, um ihre Stimme zu erheben und auch den Kampf aufzunehmen gegen die Monotonie der Kommissionierung und Verpackung, dagegen, herumgesto\u00dfen und\u00a0von Managern wie Kinder behandelt zu werden, gegen niedrige L\u00f6hne und lange Arbeitszeiten, gegen wechselnde Schichten und kurze Pausen und vieles andere auch. ArbeiterInnen in Deutschland, Polen und Frankreich sind in den Streik getreten oder haben andere kollektive Aktionen, wie langsames Arbeiten genutzt, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und sich den Einsch\u00fcchterungen durch diesen scheinbar allm\u00e4chtigen Ausbeuter zu widersetzen.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Waren, die Amazon an Kunden in Amerika, Europa und Japan verschifft,\u00a0werden in China hergestellt. Und auch hier hat Amazon versucht,\u00a0Niederlassungen zu gr\u00fcnden. Doch in China ist Amazon ein Zwerg und Lichtjahre entfernt von der dominierenden Position, die es anderswo einnimmt. Dennoch ist Amazon mit seiner globalen Pr\u00e4senz und Verstrickung in viele K\u00e4mpfe und mit den Vernetzungsversuchen der ArbeiterInnen ein besonders interessanter Fall f\u00fcr den Vergleich von Arbeitsbedingungen und den Austausch von ArbeiterInnen in verschiedenen Teilen der Welt. Dieser Bericht bezieht sich auf Gespr\u00e4che mit ArbeiterInnen in europ\u00e4ischen und chinesischen Lagern und versucht sie zu vergleichen.<\/p>\n<p>Viel wichtiger aber als einen interessanten Einzelfall zu studieren und zu vergleichen, ist es, den Lesern einen Einblick in die Arbeitsbedingungen ihrer chinesischen Kollegen zu erm\u00f6glichen. Rund um den Globus, wo wir mit Amazon-ArbeiterInnen in Frankreich, Deutschland, Gro\u00dfbritannien, Polen, Spanien, Japan und China sprachen, waren die ArbeiterInnen mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden und ihnen war klar, dass sie alle mit dem gleichen Unternehmen konfrontiert sind. Sie wollen mehr \u00fcber ihre Kollegen h\u00f6ren und wie die Arbeit und die Bezahlung in anderen Amazon-Lagern ist. Mit seinen standardisierten Arbeitsbedingungen in den Lagern rund um den Globus, schafft Amazon zugleich auch ein Interesse der ArbeiterInnen, sich gegenseitig kennenzulernen und in Kontakt zu treten. ArbeiterInnen aus Niederlassungen in Deutschland, Polen und Frankreich treffen sich regelm\u00e4\u00dfig und diskutieren miteinander. Da Asien, Europa und Nordamerika ein wenig weiter auseinanderliegen und nicht mit ein paar Stunden Autofahrt erreichbar sind, wollen wir helfen, die Distanz zu \u00fcberbr\u00fccken, indem wir die Arbeit und das Leben von Amazon ArbeiterInnen in einem chinesischen Warenlager ihren weit entfernten Arbeitskollegen beschreiben.<\/p>\n<p>Wir konnten im Laufe von mehreren Monaten etwa ein Dutzend ArbeiterInnen aus einem Amazon-Lager in China treffen. Sie erz\u00e4hlten uns von ihrer Arbeit und ihrem Leben und wir teilten mit ihnen Geschichten \u00fcber Amazon-Lager von unseren Freunden in anderen L\u00e4ndern. Unsere Begegnung begann mit einem unerwarteten Missverst\u00e4ndnis: Die chinesischen ArbeiterInnen glaubten, dass unsere Freunde in den europ\u00e4ischen Amazon-Lagern alle Manager sein m\u00fcssten und dass die Lagerarbeit, die sie in China machen,\u00a0in Europa von Robotern erledigt wird. Sie konnten nicht glauben, dass ArbeiterInnen in Deutschland oder Frankreich die gleiche m\u00fchsame und anstrengende k\u00f6rperliche Arbeit machen w\u00fcrden, die sie selbst tun. Also haben wir Bilder, Videos und Geschichten von unseren Freunden genutzt, um dies zu belegen. Der folgende Bericht basiert auf dem, was sich aus dieser Begegnung entwickelt hat.<\/p>\n<p><strong>Amazon in China<\/strong><\/p>\n<p>2004 tritt Amazon erstmals in den chinesischen Markt durch den Kauf von Joyo.com ein. Dies war die 7. regionale Online-Plattform von Amazon nach denen in den USA, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan und Gro\u00dfbritannien. Joyo.com hatte als Website zum Herunterladen von Software begonnen und wurde schnell Chinas 33. beliebteste Website. Im Jahr 2000 begann Joyo.com, B\u00fccher online zu verkaufen, zuerst in Peking, dann Shanghai und schlie\u00dflich auch in Guangzhou und anderen St\u00e4dten. Im Jahr 2007 wurde Joyo.com in Amazon.cn umbenannt.<\/p>\n<p>Heute ist China der weltweit gr\u00f6\u00dfte E-Commerce-Markt mit 589,6 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2015 von chinesischen H\u00e4ndlern, ein Anstieg um 33% gegen\u00fcber dem Vorjahr, laut dem National Bureau of Statistics. Vor allem junge Menschen machen einen gro\u00dfen<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>\u00a0\u2013 wenn nicht den gr\u00f6\u00dften Teil \u2013 ihres Einkaufs online, von Kleidung \u00fcber B\u00fccher bis hin zu Elektronik und sogar Obst.<\/p>\n<p>In diesem riesigen Markt ist Amazon ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleiner Spieler. Laut McKinsey hat Amazon China im Jahr 2015 etwa 5.500 Menschen<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>\u00a0besch\u00e4ftigt und verf\u00fcgt nur \u00fcber einen im Vergleich zu den USA und Westeuropa sehr kleinen Marktanteil. W\u00e4hrend die chinesischen Firmen Alibaba und JD.com etwa 54% und 23%<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>\u00a0des chinesischen Online-Einzelhandelsmarktes beherrschen, war der Marktanteil von Amazon im Jahr 2015 mit nur etwa 1,1 bis 1,5%, auf Rang 5 oder 6 unter den Online-Handels-Plattformen.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>\u00a0Angesichts dieser geringen Marktanteile w\u00e4re Amazon nicht die erste Wahl, wenn man als Ziel hat, die Arbeitsbedingungen im chinesischen E-Commerce zu untersuchen.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Unterschied zwischen den Gesch\u00e4ftsmodellen von Amazon und Alibaba ist, dass letzterer fast ausschlie\u00dflich als Plattform f\u00fcr Online-Shops unabh\u00e4ngiger Anbieter\u00a0fungiert. Taobao.com und seine l\u00e4ndliche Variante Cun Taobao.com sind \u201cC2C\u201d (Verbraucher zu Verbraucher) Plattformen wie eBay, wo viele der 400 Millionen Website-Nutzer mit eigenen Shops, aber mit wenig Kapital oder Erfahrung oft selbstgemachte Produkte wie Seife oder Schmuck verkaufen, die an anderer Stelle nicht zu bekommen w\u00e4ren. Obwohl Taobaos ausgelagerte Plattformen Tmall.com und Tmall.hk als \u201cB2C\u201d (Business to Consumer, also Unternehmen an Kunden) eingestuft werden, unterscheiden sie sich immer noch von Amazon, da die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit ihrer Auftr\u00e4ge nicht durch Tmalls eigenen \u201cSupermarkt\u201d bearbeitet wird, sondern durch 50.000 verschiedene L\u00e4den von Firmen wie Uniqlo oder Nike. Alibabas Gr\u00fcnder Jack Ma hat argumentiert, dass dieses Gesch\u00e4ftsmodell einen Vorteil gegen\u00fcber Unternehmen wie Amazon bietet, das den \u00fcberwiegenden Teil der Waren selbst lagern und die Auftr\u00e4ge bearbeiten muss.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<p>Obwohl Amazon in den vergangenen Jahren seine Plattformen f\u00fcr mehr Drittanbieter ge\u00f6ffnet hat, fehlt es in China immer noch an der Vielzahl pers\u00f6nlicher, politischer und wirtschaftlicher Verbindungen entlang der Lieferkette, die Unternehmen wie Alibaba und JD.com so erfolgreich gekn\u00fcpft haben. Solche Verbindungen und Erfahrungen haben zum Beispiel die Schaffung \u2013 oftmals durch staatliche Initiative \u2013 von etwa 1.000 \u201cTaobao-D\u00f6rfern\u201d erleichtert, wo die \u00f6rtliche Wirtschaft auf Produktion, Lagerung, Verkauf und die Lieferung von Waren \u00fcber Taobao und angeschlossene Logistikunternehmen konzentriert ist. So k\u00f6nnen Alibaba-Aktion\u00e4re an mehreren Stationen auf dem Weg Prozente machen. Das ist etwas, was Amazon in China nicht nachmachen kann \u2013 zumindest nicht in naher Zukunft.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a><\/p>\n<p>Amazon begann mit dem Verkauf von B\u00fcchern und erweiterte dann das Angebot um alle m\u00f6glichen anderen Waren. Von Anfang an beinhaltete der Betrieb den Lager- und Verpackungsdienst. Im Jahr 2006 \u00f6ffnete Amazon f\u00fcr Drittanbieter, die entweder den Versand ihrer Produkte selbst organisieren oder damit Amazon beauftragen. Im Jahr 2016 machten \u201cMarketplace Sellers\u201d, also Drittanbieter, 40% oder mehr aller Amazon-Verk\u00e4ufe aus.<\/p>\n<p>H\u00e4ufige Probleme mit unabh\u00e4ngigen Onlineh\u00e4ndlern sind gef\u00e4lschte Produkte oder schlechte Qualit\u00e4t. K\u00e4ufer haben Probleme, die Verk\u00e4ufer daf\u00fcr zu belangen. Dies geschieht bei den unabh\u00e4ngigen Anbietern bei Amazon in Europa und noch mehr bei Taobao in China. Ein gro\u00dfer Teil der Produkte, die auf Taobao angeboten werden, sind billig, aber viele sind gef\u00e4lscht oder von geringer Qualit\u00e4t. Bei einer chinesischen staatlichen Untersuchung im Jahr 2015 befand man, dass nur 37% der Produkte auf Taobao als echt (nicht gef\u00e4lscht) gelten k\u00f6nnen.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a>\u00a0\u00a0Im Gegensatz dazu hat Amazon als eine gro\u00dfe amerikanische Firma den Ruf, qualitativ hochwertige Ware zu liefern. Allerdings gibt es andere chinesische Onlineh\u00e4ndler wie JingDong.com (JD), die auch als vertrauensw\u00fcrdiger als Taobao gelten und beispielsweise bestimmte Produkte wie Elektronik verkaufen. Ein weiteres Problem f\u00fcr Amazon in China ist, dass seine Auslieferung vergleichsweise langsam ist, weil es weder \u00fcber einen eigenen Paketdienst verf\u00fcgt (wie es JD tut), noch mit Lieferfirmen so eng zusammenarbeitet wie seine Konkurrenten (wie Alibaba). Sein Haupttransportdienstleister in der Stadt X ist u.a. Shunfeng. Zur gleichen Zeit, in der Amazon in den USA und einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern expandiert, versucht es das auch in China und betreibt bereits seinen eigenen \u201cAmazon Prime\u201d Lieferservice namens Yuanpei (\u539f\u914d), der jedoch nur zentrale Bereiche bestimmter gro\u00dfer St\u00e4dte bedient. Sowohl die ArbeiterInnen, mit denen wir gesprochen haben, als auch andere chinesische Konsumenten f\u00fchren oft das Fehlen eines schnellen Lieferdienstes als Amazons Nachteil gegen\u00fcber seinen Konkurrenten an. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Geschwindigkeit seiner Lieferungen als Amazons gr\u00f6\u00dfter Vorteil in Europa gilt.<\/p>\n<p>Amazon ist bem\u00fcht, sein Gesch\u00e4ft durch den transpazifischen Onlinehandel zu erweitern. Das Unternehmen bereitet sich darauf vor, als Mittelsmann \u00fcber den Pazifischen Ozean f\u00fcr Unternehmen zu operieren, die Waren zwischen China und den USA transportieren, um sie auf der Amazon-Plattform zu verkaufen \u2013 ein Prinzip, das als \u201cgrenz\u00fcberschreitender Onlinehandel\u201d bekannt ist. Im August 2016 hatten chinesische Kunden mehr als 10 Millionen Bestellungen f\u00fcr \u00dcberseeartikel durch Direktlieferung bei Amazon.com bestellt. Der grenz\u00fcberschreitende Umsatz im ersten Halbjahr hat in China ein explosives Wachstum verzeichnet, einen Anstieg um 400 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a>\u00a0An der anderen Pazifikk\u00fcste werden US-amerikanische Online-Shopper in diesem Jahr rund 30 Milliarden US-Dollar f\u00fcr grenz\u00fcberschreitende Transaktionen ausgeben. Das ist eine 10-prozentige Zunahme gegen 2015, wobei die meisten gekauften Waren aus China kommen, wie Emarketer im Februar berichtet.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a>\u00a0F\u00fcr einen Riesen wie Amazon mit wenigen verbleibenden M\u00e4rkten, in die es noch expandieren k\u00f6nnte, scheint der grenz\u00fcberschreitende Onlinehandel ein Feld mit potenziellem Wachstum zu sein. Aber Alibaba liegt nicht weit hinter Amazon an dieser Front: AliExpress, Alibabas neuer Online-Marktplatz in Gro\u00dfbritannien, erm\u00f6glicht nun chinesischen Anbietern, direkt an britische Kunden zu verkaufen und an ihre Haust\u00fcr zu sehr niedrigen Versandkosten zu liefern. Und im Januar 2017 f\u00fchrte Alibaba Gespr\u00e4che mit der bulgarischen Regierung \u00fcber die M\u00f6glichkeit, ein Lager in Bulgarien zu er\u00f6ffnen, um den europ\u00e4ischen Markt zu bedienen.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a><\/p>\n<p>Laut MWPVL International betreibt Amazon 17 Warenlager in China,<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a>\u00a0aber die Zahlen \u00fcber China sind nicht sehr genau, denn wir wissen, dass mindestens ein in dieser Zahl enthaltenes Lager im Jahr 2014 bereits geschlossen wurde. Die meisten Lagerh\u00e4user in China befinden sich in der N\u00e4he von Gro\u00dfst\u00e4dten erster und zweiter Ordnung, wie z.B. Peking, Shanghai, Guangzhou, Tianjin, Wuhan, Chengdu oder Nanning.<\/p>\n<p><strong>Amazon in der Stadt X<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Amazon er\u00f6ffnete das erste Lager in der Stadt X, das wir FC1 nennen werden, 2007. Ein weiteres Lager, das FC2, wurde im Jahr 2014 er\u00f6ffnet. Das erste Lager wurde 2014 geschlossen und derzeit betreibt Amazon nur das FC2 Lager in der Provinz. Es wird berichtet, dass das Lager eine Fl\u00e4che von 86.000 sf (8.000m\u00b2) habe. Aber wir konnten das nicht \u00fcber Arbeiterkontakte best\u00e4tigen. Inklusive Management arbeiten rund 400 MitarbeiterInnen im FC2, darunter \u00fcber 200 ArbeiterInnen in der Lagerhalle und ca. 100 im B\u00fcro. Die ArbeiterInnen, mit denen wir gesprochen haben, sch\u00e4tzen, dass 70% der Waren im FC2 B\u00fccher sind, wobei eine Vielzahl anderer Produkte den Rest ausmacht.<\/p>\n<p>FC2 teilt sich einen Logistikpark mit f\u00fcnf oder sechs anderen Lagern, darunter eines von JD und ein anderes von Jiuxian.com, einem gro\u00dfen Online-Shop, der Wein und Lik\u00f6r verkauft. Einige der anderen Logistikunternehmen haben Wohnheime innerhalb des Industrieparks, aber Amazon bietet keine Wohnheimunterkunft an. Es gibt ein paar Fabriken in der Nachbarschaft und Wohnviertel sind nur wenige Gehminuten entfernt, ebenso sind Haltestellen des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs nicht weit. Viele der Amazon-ArbeiterInnen leben in einem nahe gelegenen urbanen Dorf. Dort sind die meisten Bewohner Arbeitsmigranten aus benachbarten Provinzen, die Zimmer von einheimischen\u00a0Dorfbewohnern mieten.<\/p>\n<p><strong>Arbeitsorganisation<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der hohen Standardisierung bei Amazon ist es nicht verwunderlich, dass die Arbeit im FC2 der in anderen Amazon-Lagern in anderen L\u00e4ndern sehr \u00e4hnlich ist. Die Arbeit ist in zwei Hauptbereiche unterteilt: Eingehende (Inbound) und ausgehende (outbound). Die drei gr\u00f6\u00dften Inbound-Abteilungen (sogenannte \u201cTeams\u201d) sind Annahme (\u6536\u8d27) \u2013 Entladen von Paletten von Lkw -, Sortieren (\u5206 \u4ef6) \u2013 Packen, Einchecken und Sortieren der Produkte (\u5206 \u4ef6) \u2013 und Stow (\u4e0a\u67b6) \u2013 die Waren an die daf\u00fcr vorgesehenen Orte im Lager bringen und auf Lagerregale legen. Im Outbound arbeiten die meisten ArbeiterInnen entweder in Pick (\u6361 \u8d27) \u2013 Kommissionieren von Artikeln aus Regalen \u2013 oder in Pack (\u5305\u88c5). Die Pack-Abteilung ist in Rebin (\u914d\u8d27), SP (\u5305\u88c5) und SV (\u6253 \u5305\u88f9\u5355) unterteilt \u2013 diese Unterabschnitte behandeln Pakete, die einzelne oder mehrere einzelne Artikel enthalten. Abgesehen von diesen Hauptabteilungen gibt es weitere Abteilungen, wie Kundenretouren (\u8fd4\u5382), Probleml\u00f6sungen (\u95ee\u9898 \u89e3\u51b3), Flow Control (\u6d41\u7a0b \u63a7\u5236), Training (\u57f9\u8bad) und Qualit\u00e4tskontrolle (\u8d28\u68c0). Die Trennung zwischen Inbound und Outbound scheint ziemlich gro\u00df, \u201cwie zwei separate Welten\u201d, wie ein Arbeiter es ausdr\u00fcckte. Manchmal wird jemand von Inbound nach Outbound wegen Personalmangel geschickt, aber es hie\u00df, dass dies selten vorkommt. ArbeiterInnen im Outbound Bereich kennen sich, weil sie regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber verschiedene Abteilungen interagieren m\u00fcssen, aber sie haben wenig Interaktion mit Kollegen vom Inboundbereich.<\/p>\n<p>Jeder Schritt der Handhabung von Artikeln und der Erf\u00fcllung von Kundenauftr\u00e4gen schlie\u00dft das Scannen von Waren mit einem Handscanner (\u626b\u63cf\u67aa) ein. Jeder Schritt wird vom Computer-System des Lagers registriert und Managerinnen k\u00f6nnen immer nachschlagen, wer welchen Artikel zu welcher Zeit bearbeitet hat. Auf diese Weise wei\u00df das Management immer, wie schnell jede\/r Einzelne arbeitet und wo im Dschungel der Lagerregale er gerade dabei ist, den n\u00e4chsten Artikel auszuw\u00e4hlen. Alle Aufgaben im Lager erfordern von den ArbeiterInnen zu stehen oder zu gehen. Die ArbeiterInnen sagten uns, dass das Picken bzw. Kommissionieren von Gegenst\u00e4nden aus den Regalen wahrscheinlich die anstrengendste Aufgabe ist und man dabei pro Schicht im Durchschnitt\u00a0zwischen 10 und 15 km gehen und einen oder sogar zwei Rollwagen ziehen muss, wenn ein Auftrag zu gro\u00df ist. Der Arbeitsprozess ist standardisiert mit sogenannten SOPs (Standard-Operationsverfahren), wie in allen anderen Amazon-Lagern. Im FC2 verwenden sie SOPs aus den USA, aber das Niveau der Automatisierung im FC2 ist niedriger, also m\u00fcssen sie die Verfahren entsprechend der lokalen Situation anpassen.<\/p>\n<p>ArbeiterInnen in jeder Abteilung werden auch in der T\u00e4tigkeit der anderen Abteilungen ausgebildet. ArbeiterInnen aus Pack, zum Beispiel, werden auch in Pick angelernt. Wenn die Manager feststellen, dass ein bestimmter Arbeiter oder eine Arbeiterin in einer anderen Abteilung schneller oder \u201cbesser\u201d arbeitet, kann sie dort permanent eingesetzt werden. Wir sprachen mit ArbeiterInnen, die dies als eine gute Gelegenheit sahen, um neue F\u00e4higkeiten zu entwickeln, wobei gleichzeitig andere darauf hinwiesen, dass das Unternehmen dies zum eigenen Vorteil macht.<\/p>\n<p>Alle ArbeiterInnen und Abteilungsleiter (\u201cTeamleiter\u201d oder \u201cTLs\u201d genannt) mit denen wir sprachen, kamen aus anderen Provinzen oder den l\u00e4ndlichen Regionen um die Stadt X, und keiner von ihnen ist in der Stadt X aufgewachsen. Obwohl viele ArbeiterInnen in der Stadt seit vielen Jahren leben und arbeiten, haben sie keinen\u00a0<em>hukou\u00a0<\/em>(Haushaltsregistrierung) in X, die sie zu lokalen Sozialleistungen, wie freie \u00f6ffentliche Schulbildung f\u00fcr ihre Kinder berechtigen w\u00fcrde. Eine Arbeiterin sagte uns, dass kaum jemand \u00fcber 35 rekrutiert wird, weil auch einfache Hilfsarbeiten (Pugong, Level-0 oder Level-1 in der Rangordnung von Amazon) mindestens die Mittlere Reife (Chuzhong) voraussetzt und die F\u00e4higkeit, Englisch zu lesen. Die \u00e4lteren ArbeiterInnen d\u00fcrften kaum dieses Bildungsniveau haben. Die meisten B\u00fcroangestellten kommen frisch von der Uni, w\u00e4hrend die meisten ArbeiterInnen in ihren sp\u00e4ten 20-er und fr\u00fchen 30-er Jahren sind. In Bezug auf das Geschlechterverh\u00e4ltnis gibt es mehr Frauen als M\u00e4nner in jeder Abteilung, mit Ausnahme von Stow, was schweres Heben erfordert. Amazon begrenzt das maximale Gewicht und Arbeiterinnen d\u00fcrfen nur bis 10 kg heben, im Unterschied zu 15 kg f\u00fcr M\u00e4nner, obwohl dies nicht nach dem chinesischen Arbeitsrecht erforderlich ist (wie z.B. in Polen).<\/p>\n<p><strong>L\u00f6hne und Arbeitszeiten<\/strong><\/p>\n<p>Der monatliche Grundlohn in der Lagerhalle, der Level-0 genannt wird, beginnt bei etwa 10-15% \u00fcber dem lokalen Mindestlohn und steigt nach 6 Monaten um weitere 10% des Mindestlohns an, mit weiteren Erh\u00f6hungen alle 6 Monate bis zum Erreichen des Maximums von etwa dem Anderthalbfachen des Mindestlohns. Dazu kommen in der Regel \u00dcberstunden und Pr\u00e4mien, LagerarbeiterInnen k\u00f6nnen zwischen 150% und 200% des monatlichen Mindestlohns machen, ein TL kann zwischen 150% und 250% des Mindestlohns verdienen, durchschnittlich etwa 200%. Die L\u00f6hne f\u00fcr B\u00fcroangestellte beginnen auf Stufe 3. Der B\u00fcroangestellte, mit dem wir gesprochen haben, bekommt einen monatlichen Grundlohn von \u00fcber 200% auf Level 4.<\/p>\n<p>Die L\u00f6hne bestehen aus dem Grundlohn und zus\u00e4tzlich \u00dcberstundenzuschl\u00e4gen (1,5-fache des normalen Stundenlohns f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige \u00dcberstunden und 3-fache in Ferien), ein dreimonatiger Bonus und ein Hitzezuschlag (120-130 Yuan pro Monat \u2013 niedriger als die gesetzliche Vorgabe von 150). F\u00fcr Nachtschichten wird ein Nachtzuschlag von 12 Yuan pro Tag bezahlt, wenn die Arbeit bis nach Mitternacht geht. Dar\u00fcber hinaus zahlt Amazon einen Essenszuschlag von 7 Yuan pro Tag mit jeder Mahlzeit, die 6,8 Yuan kostet in der im Logistikpark befindlichen Kantine (gef\u00fchrt durch eine externe Firma), aber ArbeiterInnen sagten, das Essen sei mies. Die Boni werden offiziell f\u00fcr jeden einzelnen Arbeitnehmer auf der Grundlage von 3 Faktoren (Arbeitsgeschwindigkeit, Anwesenheit und H\u00e4ufigkeit von Fehlern) berechnet, aber die Ergebnisse werden nicht \u00f6ffentlich dargelegt. Tats\u00e4chliche Pr\u00e4mien reichen zwischen null bis 1500 Yuan pro 3 Monate. ArbeiterInnen finden es sehr unklar, wie ihre Pr\u00e4mien tats\u00e4chlich berechnet werden, aber sie wissen, dass sie ihre Pr\u00e4mien verlieren, wenn sie zu viele Tage fehlen wegen Krankschreibung oder Urlaub.<\/p>\n<p>Wir fragten ArbeiterInnen, wie sie mit ihren L\u00f6hnen umgehen und erfuhren, dass einige sparen und von so wenig wie 55% des Mindestlohns im Monat leben k\u00f6nnen, aber die meisten geben in der Regel einen Mindestlohn f\u00fcr Kosten wie Miete und Essen aus, mit Miete f\u00fcr ein Einzelzimmer in der Umgebung um 20-25% des Mindestlohns im Monat. Ein Arbeiter sagte, er will das Leben genie\u00dfen, solange er noch jung ist; er gibt normalerweise zwischen 100% und 150% des Mindestlohns jeden Monat einschlie\u00dflich zus\u00e4tzlicher Ausgaben f\u00fcr Alkohol und Zigaretten aus. Diese Lebenshaltungskosten \u00e4hneln denen der Arbeiter in anderen Industriegebieten von der Stadt X, mit dem Unterschied, dass die Miete in der N\u00e4he vom FC2 etwas h\u00f6her ist als in den Industriegebieten weiter weg vom Stadtzentrum.<\/p>\n<p>Das FC2 definiert die regelm\u00e4\u00dfige Arbeitszeit (bevor die \u00dcberstunden einsetzen) mit 166,64 Stunden pro Monat. (Das hei\u00dft, basierend auf 8 Stunden am Tag mal 21,75, weil die Arbeitsverordnung der Provinz einen Arbeitsmonat als 21,75 Tage definiert, obwohl dies bis zu 174 Stunden pro Monat bedeuten w\u00fcrde.) ArbeiterInnen erhalten mindestens 30 Minuten zum Mittagessen, manchmal mehr, wenn es nicht so viele Bestellungen gibt; sie m\u00fcssen zum Mittagessen ein- und ausstempeln, aber es gibt keine Strafe f\u00fcr ein versp\u00e4tetes Ausstempeln nach dem Mittagessen.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a>\u00a0ArbeiterInnen im Inboundbereich arbeiten nur Tagschichten (8.00 Uhr bis 17.30 Uhr), w\u00e4hrend etwa 2\/3 der ArbeiterInnen im Outbound-Bereich Nachtschicht (3:00 PM bis 11:30 Uhr) arbeiten, f\u00fcr einige ArbeiterInnen sind die Arbeitszeiten anders. Normalerweise haben sie zwei Tage frei pro Woche, aber w\u00e4hrend der Sto\u00dfzeiten sind sie verpflichtet, sechs Tage pro Woche zu arbeiten.<\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigungsbedingungen in den Amazon-Lagern variieren von Land zu Land. Obwohl Amazon seine LagerarbeiterInnen nicht sehr gut bezahlt, wird in der Regel ein wenig mehr bezahlt als andere gro\u00dfe Arbeitgeber f\u00fcr ungelernte Arbeit in der n\u00e4heren Umgebung, einschlie\u00dflich anderer Logistiker. Amazon w\u00e4hlt vorzugsweise Regionen mit recht hoher Arbeitslosigkeit f\u00fcr seine Lager und zahlt dann ein wenig mehr. In Ostdeutschland zahlt es z. B. 10,30 Euro im Vergleich zur Hilfsarbeit auf einer Schweinefarm f\u00fcr den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Es scheint hier eine \u00dcbereinstimmung mit der Situation in der Stadt X zu bestehen, dass Amazon versucht, ein wenig besser als die am schlechtesten bezahlenden Arbeitgeber in der Region zu sein \u2013 wie ArbeiterInnen uns erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p><strong>Arbeitsvertr\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Normale LagerarbeiterInnen (im Unterschied zu B\u00fcroangestellten und LeiharbeiterInnen) werden nicht direkt bei Amazon angestellt, sondern \u00fcber eine Firma, die wir \u201eStadt X Logistik\u201c (CXL) nennen LagerarbeiterInnen erhalten ein- oder zweij\u00e4hrige Vertr\u00e4ge. In besonders betriebsamen Zeiten wie in den Wochen vor dem \u201eTag der Singles\u201c (11. November, der gr\u00f6\u00dften Online-Rabattschlacht in China) werden im FC2 LeiharbeiterInnen einer bestimmten Leiharbeitsfirma angestellt. In der Abteilung Pack zum Beispiel werden regul\u00e4r etwa 50 ArbeiterInnen besch\u00e4ftigt, von denen weniger als zehn in der Fr\u00fchschicht und mehr als 20 in der Sp\u00e4tschicht arbeiten. ArbeiterInnen berichteten uns, dass in sehr gesch\u00e4ftigen Zeiten weitere acht LeiharbeiterInnen angestellt werden, in au\u00dferordentlich betriebsamen Wochen k\u00f6nnen es sogar 30 sein. B\u00fcroangestellte auf der anderen Seite unterzeichnen unbefristete Vertr\u00e4ge direkt mit Amazon, wenn sie neu eingestellt werden.<\/p>\n<p>In europ\u00e4ischen Lagerh\u00e4usern stellt Amazon viele ArbeiterInnen unbefristet ein. In deutschen und franz\u00f6sischen Lagerh\u00e4usern haben bis zu 80% der ArbeiterInnen unbefristete Vertr\u00e4ge, w\u00e4hrend in Polen nur 50% von ihnen unbefristete Vertr\u00e4ge haben und zudem sehr viele LeiharbeiterInnen angestellt werden. Meistens stellt Amazon in neuer\u00f6ffneten Warenlagern zun\u00e4chst nur auf befristeter Basis ein, muss dann aber im Verlauf der Zeit aufgrund von Arbeitsrechtsbestimmungen und Arbeitskr\u00e4ftemangel mehr und mehr ArbeiterInnen unbefristete Vertr\u00e4ge geben. Der Arbeitskr\u00e4ftemangel bei Amazon ist eng mit dem saisonalen Gesch\u00e4ft in den L\u00e4ndern verbunden, in denen Weihnachten gefeiert wird. Amazon beginnt hier bereits im Oktober viele zus\u00e4tzliche ArbeiterInnen f\u00fcr das hohe Bestellaufkommen vor Weihnachten neu anzustellen, aber nur um die allermeisten von ihnen am 24. Dezember wieder zu feuern. Nach einigen Jahren dieses befristeten Anstellens und Feuerns wird es f\u00fcr Amazon zunehmend schwieriger, neue ArbeiterInnen f\u00fcr das Weihnachtsgesch\u00e4ft in der unmittelbaren Umgebung der Warenlager zu finden und ist gezwungen, in einem Radius von bis zu anderthalb Stunden Fahrzeit nach Aushilfskr\u00e4ften zu suchen. Anders gesagt wird es immer schwieriger f\u00fcr Amazon, den saisonal hohen Umschlag von Arbeitskr\u00e4ften f\u00fcr das saisonale Weihnachtsgesch\u00e4ft zu decken, sodass sie das regul\u00e4re Tagesgesch\u00e4ft \u00fcberwiegend von Festangestellten bearbeiten lassen, um den gesamten Umschlag von Arbeitskr\u00e4ften zu verringern.<\/p>\n<p>In der Stadt X gibt Amazon zwar allen ca. 150 B\u00fcroangestellten unbefristete Vertr\u00e4ge, jedoch den LagerarbeiterInnen nicht. \u00c4hnlich wie in Deutschland und vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern k\u00f6nnen dem chinesischen Arbeitsrecht zufolge befristete Vertr\u00e4ge nur einmal befristet verl\u00e4ngert werden, bei der zweiten Verl\u00e4ngerung muss der Arbeitgeber einen unbefristeten Vertrag anbieten. Obwohl einige ArbeiterInnen, mit denen wir sprachen, fr\u00fcher bereits im \u00e4lteren und mittlerweile geschlossenen FC1 gearbeitet und dort Vertr\u00e4ge unmittelbar mit Amazon unterzeichnet hatten, hat noch niemand von ihnen bei Amazon f\u00fcr mehr als zwei Vertragszeitr\u00e4ume gearbeitet. Dies mag mit ein Grund daf\u00fcr sein, dass Amazon seit 2014 keine neuen Vertr\u00e4ge von Lagerarbeitern mehr direkt ausstellt, sondern nur noch \u00fcber die Logistikfirma CXL. Damals wurden LagerarbeiterInnen aus FC1, die bereits einen Vertrag mit Amazon hatten, im FC2 \u00fcber CXL neu angestellt.<\/p>\n<p>Der Arbeitsmarkt in der Stadt X bietet Amazon einen riesigen Pool von 10 bis 20 Millionen WanderarbeiterInnen in der gesamten Region. Aufgrund des relativ geringen Bedarfs an Arbeitskr\u00e4ften bei Amazon im Vergleich zur immensen Gr\u00f6\u00dfe des gesamten regionalen Arbeitsmarkts l\u00e4uft diese Anstellungs- und Befristungspraxis hier nicht auf dieselben Probleme von Arbeitskr\u00e4fteknappheit wie in europ\u00e4ischen St\u00e4dten hinaus. In der Stadt X muss Amazon lediglich \u00fcber Lohnh\u00f6he und Arbeitsbedingungen mit anderen Warenlagern und Fabriken in der N\u00e4he konkurrieren \u2013 und hier scheint Amazon einen guten Stand zu haben, denn wir haben nichts davon geh\u00f6rt, dass sie Schwierigkeiten h\u00e4tten, neue ArbeiterInnen zu finden.<\/p>\n<p><strong>Kontrolle des Managements und Beschwerden von Arbeiterinnen und Arbeitern<\/strong><\/p>\n<p>Niemand von den Arbeiter_innen, mit den wir sprachen, hatte davon geh\u00f6rt, dass Leute gefeuert wurden, weil das Management mit ihren Leistungen unzufrieden war oder sie bestrafen wollte. Anstelle von Entlassungen benutzt das Management eine andere Strategie, indem es ArbeiterInnen in andere Abteilungen versetzt, um sie unter Druck zu setzen bis sie von sich aus k\u00fcndigen. Dadurch kann das Unternehmen die Zahlung von Abfindungen umgehen. Es gibt Sicherheitsschleusen an den Eing\u00e4ngen und Handys sind im Lager, \u00e4hnlich wie in Europa, verboten. Nur Team-Leads d\u00fcrfen spezielle, von der Firma gestellte Diensthandys mit ins Lager nehmen. Gespr\u00e4che untereinander w\u00e4hrend der Arbeit im Lager sind nat\u00fcrlich gang und g\u00e4be, auch wenn das Management versucht sie zu unterbinden. Im Lager werden keine Uniformen getragen, aber es muss eine Kleiderordnung befolgt werden: Lange Haare m\u00fcssen in einem Dutt getragen werden, damit sie nicht in eine der Maschinen geraten k\u00f6nnen, Kleider, R\u00f6cke, Flipflops und Sandalen sind untersagt, kurze Hosen m\u00fcssen bis zum Knie reichen und ArbeiterInnen m\u00fcssen Handschuhe tragen.<\/p>\n<p>Im Lagerhaus gibt es keine gewerkschaftliche Vertretung. Nur einige wenige ArbeiterInnen hatten bereits von \u201eGewerkschaft\u201c geh\u00f6rt. Das Unternehmen setzt auf einen Meckerkasten f\u00fcr Vorschl\u00e4ge und R\u00fcckmeldungen von ArbeiterInnen, um mit Unzufriedenheit umzugehen; aber von den Arbeitern, die wir kennen gelernt haben, hatte noch niemand je ein solches R\u00fcckmeldeformular verwendet.<\/p>\n<p>Ein Gegenstand von Unzufriedenheit unter den ArbeiterInnen k\u00f6nnte die Sozialversicherung sein.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a>\u00a0Im chinesischen Arbeitsgesetz ist geregelt, dass Arbeitgeber und Angestellte beide einen Prozentsatz des Arbeitslohns in die Sozialversicherung jede\/r Angestellten einzahlen m\u00fcssen. Die genaue H\u00f6he aber des Arbeitgeberanteils variiert je nach Stadt. Obwohl das Warenlager (Amazon) und der direkte Arbeitgeber (CXL Logistik) beide ihren Sitz in der Stadt X haben, nutzen sie die Sozialversicherung der nahe gelegenen Stadt Z. Der einzige Grund hierf\u00fcr scheint zu sein, dass der Arbeitgeberanteil in der Stadt Z ein wenig geringer als in X ist. F\u00fcr Arbeiter, deren Sozialversicherung f\u00fcr die Stadt Z abgeschlossen wurde, erschwert dies den Zugang zu Versicherungsleistungen. Beispielsweise k\u00f6nnen sie die Krankenversicherung (einer der f\u00fcnf Versicherungskomponenten der chinesischen Sozialversicherung) nicht nutzen, um in der Stadt X einen Arzt aufzusuchen. Daf\u00fcr erstattet ihnen das Unternehmen 90% der Behandlungskosten in Krankenh\u00e4usern mit Rang drei oder dar\u00fcber (\u4e09\u7ea7\u4ee5\u4e0a) in der Stadt X.<\/p>\n<p>Es hat uns \u00fcberrascht, dass ArbeiterInnen nicht von K\u00fcndigungen oder Strafen wegen angeblich zu niedrigem Arbeitstempo geh\u00f6rt hatten. Da Amazon in allen uns bekannten Warenlagern Stundenl\u00f6hne zahlt (im Gegensatz zu St\u00fcck- oder Akkordl\u00f6hnen zum Beispiel im benachbarten Warenlager von JD), versucht das Management hohen Druck zur Erh\u00f6hung des Arbeitstempos auszu\u00fcben. Weil jeder einzelne Arbeitsschritt wie Auspacken, Sortieren, Picken, und Verpacken von Waren im Computersystem verwaltet wird, k\u00f6nnen Manager leicht die durchschnittliche Arbeitsgeschwindigkeit von einzelnen ArbeiterInnen und Gruppen kontrollieren. Um ArbeiterInnen zur schnellen Arbeit anzuhalten, legt das Management in Europa Zielvorgaben f\u00fcr die Anzahl der in einer Stunde zu pickenden oder zu verpackenden Waren fest. Wenn ArbeiterInnen die Vorgaben nicht erreichen, hat dies zur Folge, dass ihnen Boni gek\u00fcrzt oder sie durch Dienstgespr\u00e4che mit Managern psychologisch unter Druck gesetzt werden bis dahin, dass sie Sanktionen oder K\u00fcndigungen entsprechend ihrem Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis erhalten. Viele ArbeiterInnen in deutschen, polnischen und franz\u00f6sischen Warenlagern berichten, wie dies insbesondere neu eingestelle ArbeiterInnen unter Druck setzt, bei vielen Besch\u00e4ftigten setzt dann aber \u00fcber l\u00e4ngere Zeit bei Amazon ein Abstumpfen oder gar offene Rebellion gegen solche Managementmethoden ein. In Deutschland und einigen anderen L\u00e4ndern hat der Arbeiterwiderstand gegen diese Art von Druck insbesondere durch die laufenden Streiks zugenommen, durch die ArbeiterInnen Freundschaften und gegenseitiges Vertrauen im Kampf gegen solche Zumutungen seitens des Managements aufgebaut haben.<\/p>\n<p>Genauso wie das Arbeitstempo \u00fcberwacht wird, k\u00f6nnen auch Fehler wie das falsche Picken oder Verpacken einer Ware im Computersystem nachverfolgt werden. In einigen L\u00e4ndern verfolgt Amazon solche Fehler zur\u00fcck bis zu individuellen Arbeiter, denen dann der Bonus gek\u00fcrzt wird. LagerarbeiterInnen in der Stadt X konnten uns jedoch nicht von \u00e4hnlichen Bestrafungen von Fehlern bei der Arbeit in ihrem Werk berichten. F\u00fcr uns blieb es bis zum Schluss unklar, wie das Management die Fehlerfreiheit \u00fcberwacht und mit Fehlhandlungen in Stow, Pick oder Pack umgeht.<\/p>\n<p>Im Verlauf der letzten f\u00fcnf Jahre sind immer mehr Verletzungen und gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit der Arbeit in Amazon-Warenlagern f\u00fcr ArbeiterInnen sichtbar geworden. Die sehr anstrengende und oft sehr einseitig belastende Arbeit des Pickens, bei dem h\u00e4ufig eine Art Einkaufswagen durchs Lager geschoben wird, wirkt sich \u00fcber l\u00e4ngere Zeit erm\u00fcdend auf Knochenbau und Gelenke aus und f\u00fchrt zu R\u00fcckenbeschwerden und Gelenk- und Schulterschmerzen. Die Krankenquote bei Amazon Deutschland ist sehr hoch und durchschnittlich melden sich 15-20% der ArbeiterInnen pro Tag krank. Psychische Beschwerden sind ebenfalls verbreitet. Obwohl das Management mit Zulagen f\u00fcr ArbeiterInnen lockt, die sich nicht krankmelden, sind bisher alle Versuche, die Krankenquote zu senken, erfolglos geblieben.<\/p>\n<p>Als wir nach Krankentagen und Krankfeiern fragten, erkl\u00e4rten uns die ArbeiterInnen aus der Stadt X, dass Amazon nur einen Krankentag pro Monat ohne Abz\u00fcge gew\u00e4hrt, f\u00fcr jeden weiteren Krankentag werden Teile des Lohns abgezogen. Das Management f\u00fchrte die Lohnabz\u00fcge ab dem zweiten Krankentag mit der Begr\u00fcndung ein, dass zu viele ArbeiterInnen Krankentage nehmen w\u00fcrden. M\u00f6glicherweise steht die erh\u00f6hte Krankenrate mit der folgenden Beobachtung eines Arbeiters in Zusammenhang: In den drei Jahren, in denen er bei Amazon arbeitete, nahm zwar die Anzahl der LagerarbeiterInnen ab (er sch\u00e4tzte um mehrere Dutzend), aber der gesamte Arbeitsaufwand blieb gleich<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a>,\u00a0also stieg das Arbeitstempo deutlich an. Uns konnte jedoch niemand im Einzelnen sagen, wie hoch der Krankenstand genau ist. Um sich krankzumelden, m\u00fcssen ArbeiterInnen ihren TL oder Managerin kontaktieren und bei Wiederaufnahme der Arbeit eine Bescheinigung vom Arzt vorlegen, f\u00fcr welche sie, wenig verwunderlich, den Arzt extra bezahlen m\u00fcssen. Wenn ArbeiterInnen dann nach ein paar Tagen wieder zur Arbeit kommen, werden sie oft von ihren ManagerInnen nach den Krankheitsursachen befragt. Obwohl dies eine weit verbreitete Technik ist, ArbeiterInnen unter Druck zu setzen, sahen ArbeiterInnen vom FC2 darin eher einen Ausdruck von Anteilnahme seitens ihrer Manager.<\/p>\n<p>Wir erfuhren auch, dass Amazon vier Monate Schwangerschaftsurlaub gew\u00e4hrt, was einen Monat mehr ist als die gesetzlich vorgeschriebenen drei Monate in China. Der Schwangerschaftsurlaub kann vor oder nach der Geburt genommen werden. Das chinesische Arbeitsrecht gew\u00e4hrt zus\u00e4tzlich 15 Tage f\u00fcr komplizierte Geburten sowie f\u00fcr jedes weitere Kind bei Zwillingen oder Drillingen. Dies ist ein relativ kurzer Schwangerschaftsurlaub im Vergleich zur Praxis in Polen oder Deutschland, wo schwangere Arbeiterinnen sofort nach Haus geschickt werden und ihnen der volle Lohn \u00fcber neun Monate bis zur Geburt fortgezahlt wird. Wir erfuhren auch, dass in der Vergangenheit relativ viele Arbeiterinnen schwanger wurden. Zwei Arbeiterinnen erz\u00e4hlten uns, dass sie Amazon gegen\u00fcber anderen Arbeitgebern vorziehen w\u00fcrden, da Amazon sich an die Regeln halten w\u00fcrde, insbesondere im Umgang mit Schwangerschaftsurlaub und nicht wie andere nach Vorw\u00e4nden zur K\u00fcndigung von Schwangeren suchen w\u00fcrde. Eine Arbeiterin hatte bereits entschieden zu k\u00fcndigen als sie schwanger wurde, aber ein Manager \u00fcberredete sie zu bleiben, weil man sie als TL brauche, und so musste sie bis zum Schwangerschaftsurlaub keine Sp\u00e4tschicht mehr arbeiten.<\/p>\n<p>In europ\u00e4ischen Warenlagern von Amazon sind die strengen und oft l\u00e4cherlichen Regeln zur Arbeitssicherheit und die standardisierten Arbeitsvorg\u00e4nge ein h\u00e4ufiger Grund f\u00fcr Beschwerden. ArbeiterInnen in Deutschland erz\u00e4hlten uns, dass sie sich wie Kindern behandelt f\u00fchlen, weil alles vom Bleistift bis zum Besen einen festgelegten und mit einer Konturlinie und einem Symbol markierten Ort hat, und dass alle Arbeitsschritte bis ins Kleinste standardisiert sind und fast kein eigenes Denken von den Arbeitern mehr gefordert wird. Auffallenderweise beschrieben die ArbeiterInnen aus dem FC2 jedoch die standardisierten Arbeitsprozesse nicht als frustrierend, vielleicht weil sie andere, monotonere Arbeit erlebt hatten oder aus anderen Gr\u00fcnden, die wir nicht kennen.<\/p>\n<p><strong>Wie Arbeiterinnen und Arbeiter Amazon erleben: Eindr\u00fccke und Vorstellungen<\/strong><\/p>\n<p>Im Allgemeinen haben uns die ArbeiterInnen in der Stadt X positive Eindr\u00fccke von der Arbeit bei Amazon geschildert, dies ist f\u00fcr uns insbesondere im Vergleich mit dem, was wir von ArbeiterInnen\u00a0 in Amazon Warenlagern in anderen L\u00e4ndern geh\u00f6rt und gelesen haben, \u00fcberraschend. Es ist m\u00f6glich, dass dies zum Teil auf den Wunsch zur\u00fcck geht, Ausl\u00e4ndern gegen\u00fcber ein positives Bild wiederzugeben, bei anderen Gespr\u00e4chsthemen sprachen die ArbeiterInnen mit uns jedoch sehr offen und ungezwungen, sie wirkten daher nicht so, als w\u00fcrden sie unbedingt eine bestimmte Rolle spielen oder Masken tragen. Wie das positive Bild auch zu interpretieren ist, so k\u00f6nnen wir uns an eine Reihe von positiven und negativen Einzelheiten in ihren Berichten \u00fcber ihre Arbeitserfahrungen bei Amazon und in anderen Warenlagern in der Region erinnern.<\/p>\n<p>Fast alle ArbeiterInnen, mit denen wir sprachen, haben mindestens einen Mittelschulabschluss (chuzhong) vergleichbar mit dem Haupt- oder Realschulabschluss in Deutschland und hatten keine vorangehenden Arbeitserfahrungen mit Bereich Logistik, bevor sie bei Amazon anfingen. Dennoch sind einige von ihnen \u00fcber die Jahre in Positionen des unteren Managements aufgestiegen und haben sich F\u00e4higkeiten angeeignet, von denen sie glauben, dass sie in anderen Arbeitsbereichen von Nutzen sein werden. Obwohl die Level-3 Stellen von TL einen Abschluss einer Berufsschule (zhongzhuan) bei Neueinstellungen voraussetzen, haben wir mehrere TLs ohne einen solchen Abschluss kennen gelernt, die sich offenbar durch einige Jahre als einfache LagerarbeiterInnen (pugong) auf Level-0\u00a0 qualifiziert hatten. Stellen in den B\u00fcros setzen mindestens einen Bachelor-Abschluss bei Neueinstellung voraus, aber wir habe auch eine Level-4 B\u00fcroangestellte getroffen, die nur einen Fachhochschulabschluss (dazhuan) hat, aber nach einem Jahr Arbeit in Pick wegen guter Leistung bef\u00f6rdert worden war.<\/p>\n<p>Der TL f\u00fcr Flow Control behauptete strahlend, dass \u201eAmazon gro\u00dfen Wert auf die Entwicklung des Human Kapitals (rencai peiyang) lege\u201c, insbesondere im Vergleich zu der Fahrradfabrik, in der er vorher gearbeitet hatte. Der alte Job hatte keine Zukunft, sagte er, \u201eDu kannst dort dein ganzes Leben lang arbeiten und wirst nicht bef\u00f6rdert werden.\u201c Er hatte die Arbeit in der Fahrradfabrik aufgegeben, um sich in seinem Heimatort um Familienangelegenheiten zu k\u00fcmmern (ein h\u00e4ufiger K\u00fcndigungsgrund f\u00fcr WanderarbeiterInnen in China). Als er wieder zur\u00fcck in die Fahrradfabrik wollte, stellten sie gerade nicht ein, aber bei Amazon gegen\u00fcber bekam er sofort eine Stelle. Anfangs hielt er die Stelle bei Amazon nur f\u00fcr einen ganz normalen Job, den er wieder aufgeben w\u00fcrde, aber dann erkannte er die damit verbundenen Aufstiegsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Manager ermutigen Arbeiter, alle verschiedenen Posten der einfachen Lagerarbeit zu lernen, damit sie zwischen den verschiedenen Abteilungen kurzfristig und je nach Bedarf z.B. in Krankheitsf\u00e4llen, verschoben werden k\u00f6nnen. Wenn jemand Erfahrung in allen Bereichen gesammelt hat, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ER in die besonderen Abteilungen wie Flow Control, Problem Solving oder Training wechseln kann. Obwohl diese Abteilungen nicht besser bezahlen (ein TL z.B. erh\u00e4lt unabh\u00e4ngig von der Abteilung einen Lohn nach Level-3), so halten die ArbeiterInnen, mit denen wir sprachen, die darin erlernten F\u00e4higkeiten auch f\u00fcr andere Jobs f\u00fcr besonders n\u00fctzlich und weil diese einen besseren Ausgangspunkt f\u00fcr eine Bef\u00f6rderung ins Management bieten w\u00fcrden. Der TL von Flow Control z\u00e4hlte einige Computerprogramme auf, die er bei Amazon erlernt hat, und dass er mittels Geld, das er bei Amazon angespart hatte, Kurse an einer Berufsschule belegen w\u00fcrde. Nach dem Abschluss an der Berufsschule, so hoffte er, k\u00f6nnte er in eine h\u00f6here Managementposition bef\u00f6rdert werden, und falls nicht, so war er optimistisch, dass er anderswo etwas finden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Von den rund zehn Arbeiterinnen und Arbeitern, mit denen wir sprachen und die als einfache LagerarbeiterInnen begonnen hatten, haben der TL von Flow Control und die Level-4 B\u00fcroangestellte die positivste allgemeine Haltung gegen\u00fcber Amazon, aber auch von den anderen \u00e4u\u00dferte niemand eine deutlich negative Ansicht \u00fcber Amazon, speziell dann nicht, wenn es um den Vergleich mit fr\u00fcheren Arbeitgebern ging. Ein Level-1 Arbeiter zum Beispiel arbeitet bereits seit drei Jahren in Pack. Als wir ihn im Fr\u00fchjahr 2016 das erste Mal trafen, hoffte auch er darauf, zum Manager bef\u00f6rdert zu werden, wie ein Freund von ihm, von dem er berichtete, dass er wegen seiner T\u00fcchtigkeit vom einfachen Lagerarbeiter ins mittlere Management aufgestiegen sei. Ein Jahr sp\u00e4ter war der Level-1 Arbeiter immer noch auf derselben Stelle, bekam aber schlie\u00dflich die Gelegenheit f\u00fcr ein Training als TL, weil zwei der sechs TLs der Abteilung in Schwangerschaftsurlaub gingen. Obwohl sich f\u00fcr ihn nun eine Gelegenheit bot, wirkte er zuletzt weniger ehrgeizig aufzusteigen und sah in dem Job bei Amazon vielmehr eine Gelegenheit, das Leben in der gro\u00dfen Metropole solange genie\u00dfen zu k\u00f6nnen wie er noch jung sei und bevor er sich schlie\u00dflich entscheiden m\u00fcsste, ob er wieder in seine Geburtsstadt in Zentralchina zur\u00fcckkehren wolle oder nicht.<\/p>\n<p>Ein anderer Arbeiter erz\u00e4hlte uns, er haben von h\u00f6heren L\u00f6hnen in der Nachbarschaft einschlie\u00dflich dem gegen\u00fcberliegenden Warenlager von JD geh\u00f6rt, aber er denkt, dass das bisschen mehr Geld nicht den k\u00f6rperlichen und psychischen Stress, dem man sich in solchen Jobs aussetzen muss, und die f\u00fcr \u00dcberstunden verlorene Zeit\u00a0 aufwiegt. Jeden Tag vor und nach der Arbeit h\u00f6ren er und seine KollegInnen, wie Manager von JD die ArbeiterInnen durch Megaphone anbr\u00fcllen. Bei Amazon demgegen\u00fcber \u201eist es der Computer, der Dich zur Eile anh\u00e4lt\u201c (cui ni de shi diannao, bushi ren) und die gelegentlichen Vier-Augen-Gespr\u00e4che oder Warnungen von ManagerInnen. W\u00e4hrend ArbeiterInnen in anderen L\u00e4ndern sich \u00fcber diese perfiden Methoden zur Disziplinierung beklagen, ist das den Arbeitern, mit denen wir sprachen, immer noch lieber als die brutalere Alternative von nebenan.<\/p>\n<p>Des Weiteren beschrieben die ArbeiterInnen die Arbeit bei Amazon als im Allgemeinen recht ungef\u00e4hrlich, da das Management gro\u00dfen Wert auf Arbeitssicherheit lege. Amazon-ArbeiterInnen verschiedener Kontinente geben hierzu alle \u00e4hnliche Geschichten zum besten: Gem\u00e4\u00df der Betriebsordnung muss beim Heruntergehen einer Treppe mit einer Hand der Handlauf gehalten werden. Als wir dieses Beispiel von absurden Sicherheitsregeln erz\u00e4hlten, ernteten wir daf\u00fcr Gel\u00e4chter auch unter den chinesischen ArbeiterInnen.<\/p>\n<p>Als wir fragen, ob sie ihren Freunden und Verwandten Amazon zum Einkaufen empfehlen w\u00fcrden, antworteten die meisten, dass die Lieferzeiten von Amazon zu lang sein, besonders in ihren Heimatst\u00e4dten m\u00fcsste man lange warten, daher w\u00fcrden sie Amazon nicht empfehlen. Als Arbeitgeber haben jedoch mindestens zwei Arbeiterinnen ihre Anstellung bei Amazon durch Empfehlungen von Verwandten gefunden und eine wurde relative bald darauf bef\u00f6rdert, weil der General Manager aus ihrer Heimatstadt kommt.<\/p>\n<p>Wir sprachen mit zwei Arbeiterinnen, die eigene kleine Onlineshops f\u00fcr Kosmetika, Lebensmittel und verschiedene andere Produkte auf Yunji betreiben, mit einem anderen Onlineh\u00e4ndler, der Amazon mit Lagerung und\u00a0<em>Bedingung\u00a0<\/em>von Bestellungen beauftragt. Gegenw\u00e4rtig ist es in China recht verbreitet, privat kleine Onlineshops zu betreiben, und in diesem Fall scheint ein Zusammenhang zwischen der hauptberuflichen Arbeit bei Amazon und dem Betreiben von Onlineshops nach Feierabend zu bestehen. Obwohl wir von verschiedenen Seiten von solchen Onlineunternehmungen erfuhren, hat nur eine B\u00fcroangestellte tats\u00e4chlich die Zeit, ihren Onlineshop halbwegs erfolgreich zu betreiben.<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Berichts sprachen die ArbeiterInnen davon, dass Amazons Marktanteil in den letzten Jahren sinke, und vermuteten, dass nur einer von zehn Chinesen jemals \u00fcberhaupt von Amazon geh\u00f6rt habe. Sie hatten beobachtet, dass es, nachdem viele um 2015-2016 das FC2 verlassen hatten, nur wenig Neueinstellungen gegeben hatte, und wann immer die Bestellungen zunahmen, mussten sie diese mit weniger Leuten als noch vor ein paar Jahren abarbeiten, weswegen die Arbeit zunehmend anstrengender wurde. Eine andere Beobachtung war, dass Amazon.cn in der Vergangenheit zunehmend abh\u00e4ngig von chinesischen Onlineh\u00e4ndlern wie Yunji geworden ist, f\u00fcr die es seine Logistikdienste vermarktet. Jetzt bauen diese H\u00e4ndler aber ihre eigenen Warenlager und werden vielleicht bald keine Dienstleistungen von Amazon mehr einkaufen. Einige ArbeiterInnen sahen darin ein schlechtes Omen f\u00fcr das FC2 und ihre individuellen Aussichten, dort aufzusteigen. Nachdem ArbeiterInnen Anfang 2017 ihren Jahresendbonus erhalten hatten, begannen viele, nach neuen Jobs Ausschau zu halten.<\/p>\n<p><strong>K\u00fcnftiger Austausch<\/strong><\/p>\n<p>Als sich Amazon-ArbeiterInnen aus Polen und Deutschland trafen, um sich \u00fcber ihre Streik- und Organisierungserfahrungen auszutauschen, zog ein Arbeiter aus Deutschland seinen Schichtplan f\u00fcr das Jahr hervor und suchte nach freien Wochenende f\u00fcr das n\u00e4chste Treffen. Eine andere Arbeiterin aus Polen sah dies und fragte \u00fcberrascht: \u201eMoment, Du hast einen Schichtplan f\u00fcr das ganze Jahr im Voraus?\u201c und f\u00fcgte an, \u201eWir bekommen nur monatliche Schichtpl\u00e4ne, weil das Management behauptet, dass die Kundenbestellungen und das Arbeitsaufkommen zu unvorhersehbar sind, um einen Schichtplan f\u00fcrs ganze Jahr erstellen zu k\u00f6nnen!\u201c In deutschen Warenlagern nutzt Amazon Verkaufsdaten aus der Vergangenheit und Statistiken, um damit langfristige Vorhersagen zu erm\u00f6glichen \u2013 so wurde eine der vielen L\u00fcgen des Managements aufgedeckt. Im FC2 in der Stadt X erhalten ArbeiterInnen erst einen Tag vor Wochenbeginn den Schichtplan f\u00fcr die kommende Woche.<\/p>\n<p>Mit diesem Bericht hoffen wir, zum weiteren Austausch zwischen Arbeiterinnen und Arbeitern beizutragen. Wir hoffen, die beschriebenen Eindr\u00fccke und Erfahrungen k\u00f6nnen dabei helfen, die Trennungen von ArbeiterInnen durch nationale und regionale Grenzen zu \u00fcberwinden, die vom Management f\u00fcr die Strategie des Teilens und Herrschens genutzt werden. Um diesem Pfad weiter zu folgen, ist viel zu tun. Zum Beispiel k\u00f6nnte mehr Austausch zwischen chinesischen Lagerarbeitern \u00fcber die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen bei JD, Alibaba und Amazon hilfreich sein, ebenso wie der Blick in die Arbeitsbedingungen von ArbeiterInnen im Transportwesen und bei den Lieferdiensten, die die Logistik f\u00fcr die Warenlager besorgen.<\/p>\n<p><em>Inbound\/Outbound Notes, April 2017<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.gongchao.org\/2017\/08\/18\/arbeiten-fuer-amazon-in-china\/\">gongchao.org&#8230;<\/a> vom 11. September 2017<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.digitalcommerce360.com\/2016\/01\/27\/chinas-online-retail-sales-grow-third-589-billion-2015\/\">https:\/\/www.digitalcommerce360.com\/2016\/01\/27\/chinas-online-retail-sales-grow-third-589-billion-2015\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.mckinsey.com\/industries\/retail\/our-insights\/amazon-chinas-president-on-transformative-technologies\">http:\/\/www.mckinsey.com\/industries\/retail\/our-insights\/amazon-chinas-president-on-transformative-technologies\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> For JD, 23% for 2015:\u00a0<a href=\"http:\/\/seekingalpha.com\/article\/3960629-jd-com-dominating-rapidly-growing-chinese-online-retail-market\">http:\/\/seekingalpha.com\/article\/3960629-jd-com-dominating-rapidly-growing-chinese-online-retail-market\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/view\/articles\/2015-09-10\/amazon-struggles-with-china-market-a-case-study\">https:\/\/www.bloomberg.com\/view\/articles\/2015-09-10\/amazon-struggles-with-china-market-a-case-study\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.cnbc.com\/2017\/01\/18\/jack-ma-difference-between-alibaba-and-amazon.html\">http:\/\/www.cnbc.com\/2017\/01\/18\/jack-ma-difference-between-alibaba-and-amazon.html\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/china\/arbeitsbedingungen-china\/amazon-die-chinesischen-arbeiter-glaubten-dass-die-lagerarbeit-die-sie-in-china-machen-in-europa-von-robotern-erledigt-wird\/%20https:\/qz.com\/899922\/once-poverty-stricken-chinas-taobao-villages-have-found-a-lifeline-making-trinkets-for-the-internet\/\">\u00a0https:\/\/qz.com\/899922\/once-poverty-stricken-chinas-taobao-villages-have-found-a-lifeline-making-trinkets-for-the-internet\/\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.cnbc.com\/2015\/01\/28\/china-agency-slams-alibaba-for-fakes.html\">http:\/\/www.cnbc.com\/2015\/01\/28\/china-agency-slams-alibaba-for-fakes.html\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.ecns.cn\/cns-wire\/2016\/09-20\/227133.shtml\">http:\/\/www.ecns.cn\/cns-wire\/2016\/09-20\/227133.shtml\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.chinadaily.com.cn\/business\/tech\/2016-09\/21\/content_26847915.htm\">http:\/\/www.chinadaily.com.cn\/business\/tech\/2016-09\/21\/content_26847915.htm\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/us-bulgaria-economy-alibaba-idUSKBN14V226\">http:\/\/www.reuters.com\/article\/us-bulgaria-economy-alibaba-idUSKBN14V226\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.mwpvl.com\/html\/amazon_com.html\">http:\/\/www.mwpvl.com\/html\/amazon_com.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a> Wir haben uns entschieden, den Namen der Stadt und den genauen Ort des Warenlagers nicht bekannt zu geben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a> Im letzten Sommer haben Walmart-Arbeiter in einigen Waltmart-L\u00e4den gegen die Einf\u00fchrung des \u201eFlexiblen Schichtsystems\u201c gestreikt. \u201eEin solches flexibles Schichtsystem steht im Einklang mit dem chinesischen Arbeitsrecht, aber nur sofern das zust\u00e4ndige Arbeitsb\u00fcro die Arbeit als hochgradig saisonal anerkennt. Walmart is dabei, den 8-Stundentag f\u00fcr Vollzeitkr\u00e4fte zu ersetzen. Manager sollen in der Lage sein, die t\u00e4gliche oder w\u00f6chentliche Arbeitszeit unbegrenzt zu verl\u00e4ngern solange die monatliche Gesamtarbeitszeit 174 Stunden nicht \u00fcbersteigt.\u201c Siehe: \u201cIn China, Walmart Retail Workers Walk Out over Unfair Scheduling\u201d von Kevin Lin,\u00a0<a href=\"http:\/\/labornotes.org\/2016\/07\/china-walmart-retail-workers-walk-out-over-unfair-scheduling\">http:\/\/labornotes.org\/2016\/07\/china-walmart-retail-workers-walk-out-over-unfair-scheduling<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a> Die chinesische Sozialversicherung umfasst f\u00fcnf Versicherungen (Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Arbeitsunfall- und Schwangerschaftsurlaubsversicherung) und wird durch Beitr\u00e4ge von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite finanziert. F\u00fcr mehr Informationen, siehe (Englisch): \u201cChina\u2019s Social Insurance System,\u201d\u00a0<a href=\"http:\/\/www.clb.org.hk\/content\/china%E2%80%99s-social-security-system\">http:\/\/www.clb.org.hk\/content\/china%E2%80%99s-social-security-system<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a> Er sagte, dass das Auftragsvolumen um 2015-2016 gesunken sei, einige Dutzend Arbeiter_innen h\u00e4tten das FC2 daraufhin verlassen und zudem seien keine mehr neueingestellt worden. Nachdem das FC2 Mitte 2016 damit begann, Auftr\u00e4ge f\u00fcr den Onlineh\u00e4ndler Yunji zu bearbeiten, stieg das Arbeitsaufkommen wieder auf das vorherige Niveau, ohne dass es jedoch zu mehr als nur ein paar wenigen Neueinstellungen gekommen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Situation von Amazon LagerarbeiterInnen in China und Teil eines Projektes zu Logistik, Zulieferketten und Internethandel des \u2018Inbound-Outbound-Notes\u2019-Kollektivs:<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7],"tags":[50,45,22],"class_list":["post-2525","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","tag-china","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2525"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2525\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2526,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2525\/revisions\/2526"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}