{"id":2533,"date":"2017-09-15T15:06:12","date_gmt":"2017-09-15T13:06:12","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2533"},"modified":"2017-09-15T15:06:12","modified_gmt":"2017-09-15T13:06:12","slug":"wirbelsturm-irma-in-florida-festnahmegrund-hurrikan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2533","title":{"rendered":"Wirbelsturm \u201eIrma\u201c in Florida: Festnahmegrund Hurrikan"},"content":{"rendered":"<p><em>Dorothea Hahn.<\/em><strong> Florida ergreift drastische Ma\u00dfnahmen: Flutretter f\u00fchren Obdachlose in Handschellen ab, Papierlose f\u00fcrchten sich vor dem Sturm und vor Abschiebung.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>\u201eWir wollen nur helfen\u201c, sagten die Sozialarbeiter, Psychiater und Polizisten, die vor der Ankunft von \u201eIrma\u201c gemeinsam die Stra\u00dfen von Miami nach Obdachlosen durchk\u00e4mmten. Gouverneur Rick Scott hatte die Evakuierung angeordnet, weil die Stadt mit einer \u00dcberschwemmung rechnete.<\/p>\n<p>Mit denen, die auf den Stra\u00dfen geblieben waren, mussten die staatlichen Flutretter diskutieren. Manche lie\u00dfen sich schlie\u00dflich in die Schutzr\u00e4ume bringen. Andere blieben bei ihrem prinzipiellen \u201eNein\u201c. Mindestens sechs Personen wurden in Handschellen abgef\u00fchrt und in die Psychiatrie zwangseingewiesen.<\/p>\n<p>Das Baker-Gesetz erlaubt die Zwangsinternierung f\u00fcr eine \u201eBegutachtung\u201c, wenn Menschen eine Gefahr f\u00fcr sich selbst darstellen. Erst 72 Stunden nach der Einweisung muss ein Richter entscheiden. Im Fall von \u201eIrma\u201c reichte dieser Zeitraum bis Montag \u2013 genug, um den gro\u00dfen Sturm zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>\u201eIch will keine Selbstmordbriefe mit meinem Namen unterzeichnen\u201c, begr\u00fcndete der Sozialarbeiter Ron Brook gegen\u00fcber Journalisten die Zwangsinternierung. Seine Gruppe, die auf den Stra\u00dfen des Miami-Dade County mit Obdachlosen arbeitet, war unterwegs, bis \u201eIrma\u201c Windst\u00e4rken von 72 Stundenkilometern erreichte. Dann r\u00fcckte sie nicht mehr aus.<\/p>\n<p>Florida zieht wegen seines normalerweise milden Klimas Obdachlose aus allen Teilen der USA an. Mehr als 40.000 Obdachlose leben insgesamt auf den Stra\u00dfen des Bundesstaats. Doch jenseits des Wetters ist Florida zugleich der gef\u00e4hrlichste aller Bundesstaaten f\u00fcr Obdachlose. Es gibt dort mehr individuelle Gewaltakte gegen Obdachlose als irgendwo sonst in den USA. Auch die Beh\u00f6rden sind ber\u00fcchtigt f\u00fcr ihren feindseligen Umgang mit Obdachlosen.<\/p>\n<p><strong>Papierlose haben doppelt Angst<\/strong><\/p>\n<p>So haben es elf St\u00e4dte in Florida verboten, im \u00f6ffentlichen Raum \u2013 wie Parks \u2013 ohne beh\u00f6rdliche Genehmigung Essen an Obdachlose zu verteilen. Erst im vergangenen Januar wurden sieben Aktivisten der Gruppe \u201eFood not Bombs\u201c auf Grundlage dieses Verbots in Tampa festgenommen.<\/p>\n<p>Eine andere \u2013 deutlich gr\u00f6\u00dfere \u2013 Bev\u00f6lkerungsgruppe in Florida, die w\u00e4hrend des Sturms doppelte Angst hatte, sind die Papierlosen. Mehr noch als den Hurrikan und die Flutwellen f\u00fcrchteten sie das Zugreifen der Ausl\u00e4nderpolizei und eine m\u00f6gliche Abschiebung.<\/p>\n<p>Der Sheriff von Polk County, Grady Judd, verunsicherte sie zus\u00e4tzlich, als er kurz vor dem Sturm twitterte, am Eingang zu jedem Schutzraum w\u00fcrden\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/PolkCoSheriff\/status\/905438093527928834\">\u201evereidigte Strafvollzugsbeamte\u201c<\/a>stehen. In einem weiteren Tweet k\u00fcndigte er an, seine Beamten w\u00fcrden Gesetzesbrecher\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/PolkCoSheriff\/status\/905438240278278144\">\u201egern in den sicheren Schutz des County Jails\u201c\u201egern in den sicheren Schutz des County Jails\u201c<\/a>\u00a0bringen. F\u00fcr zus\u00e4tzliche Angst sorgte, dass auch das Ministerium f\u00fcr die Heimatsicherheit und die auf Abschiebungen spezialisierte Ausl\u00e4nderpolizei ICE an den Rettungsaktionen im Sturm beteiligt waren.<\/p>\n<p>Allein im s\u00fcdlichen Florida leben rund 450.000 Menschen ohne Papiere. Sie stammen aus Lateinamerika und der Karibik \u2013 insbesondere aus Haiti \u2013 und sie arbeiten in der Gastronomie, der Landwirtschaft und dem Bauwesen des Bundesstaats. Sie leben in den \u00e4rmeren Teilen der St\u00e4dte und sehr viele von ihnen mieten Wohnwagen in den besonders \u00fcberschwemmungs\u00adgef\u00e4hrdeten Gebieten von Florida.<\/p>\n<p><strong>Sogar aus dem Wei\u00dfen Haus kommt Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n<p>Sozialarbeiter, Einwanderungsaktivisten und Kirchenleute sind in den Tagen vor dem Sturm von Wohnwagen zu Wohnwagen gegangen ist, um die Bewohner davon zu \u00fcberzeugen, in Schutzr\u00e4ume zu gehen. Was sie oft zu h\u00f6ren bekamen: dass sich die Papierlosen zwischen \u201eIrma\u201c und der bef\u00fcrchteten Abschiebung entscheiden.<\/p>\n<p>\u201eDie Angst ist gro\u00df\u201c, best\u00e4tigte die Nonne Ann Kendrick in Apopka gegen\u00fcber Journalisten. Nachdem sich zuvor schon bei dem Sturm in Texas gezeigt hatte, dass Papierlose aus Angst vor der Abschiebung nicht in Schutzr\u00e4ume gegangen sind, versuchten in Florida im letzten Moment auch republikanische Politiker, diese Menschen zu beruhigen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die Angst ist gro\u00df\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Senator Marco Rubio versicherte, dass Papierlose keine Abschiebung riskierten, wenn sie in einen Schutzraum gingen. Und der B\u00fcrgermeister von Miami-Dade County, Carlos Gimenez, sagte ausdr\u00fccklich: \u201eJeder, der Schutz sucht, ist willkommen.\u201c Selbst aus dem Wei\u00dfen Haus kam Unterst\u00fctzung f\u00fcr die \u00adPapierlosen. Dort erkl\u00e4rte der Berater f\u00fcr die Heimat\u00adsicherheit, Tom Bossert, wenn es um die \u201eunmittelbare Lebensrettung\u201c gehe, m\u00fcsse sich kein Individuum wegen seines Einwanderungs\u00adstatus sorgen.<\/p>\n<p>In Polk County rechtfertigte sich Sheriff Judd f\u00fcr seine Tweets: Er habe ausschlie\u00dflich die Sicherheit seiner Mitb\u00fcrger im Sinn gehabt. \u201eIch h\u00e4tte nie gedacht, dass ich daf\u00fcr kritisiert werden w\u00fcrde, dass ich meine Arbeit tue.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Wirbelsturm-Irma-in-Florida\/!5443399\/\">taz.de&#8230;<\/a> vom 15. September 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dorothea Hahn. 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