{"id":2583,"date":"2017-10-08T10:06:57","date_gmt":"2017-10-08T08:06:57","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2583"},"modified":"2017-11-10T16:04:48","modified_gmt":"2017-11-10T14:04:48","slug":"100-jahre-roter-oktober-die-aktualitaet-der-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2583","title":{"rendered":"100 Jahre Roter Oktober \u2013 Die Aktualit\u00e4t der Revolution"},"content":{"rendered":"<p><em>Tobi Hansen. <\/em>Epochemachende Ereignisse pr\u00e4gen die Geschichte und das Denken ganzer Generationen. Die Oktoberrevolution war ein solches Jahrhundertereignis. Wie die Pariser Kommune als Beispiel f\u00fcr den Kampfeswillen des Proletariats galt, <!--more-->so die Oktoberrevolution f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, den Kampf gegen Staat und Kapital zu gewinnen. Viele tausende Organisationen und Parteien wie auch Hunderttausende und Millionen Menschen werden sich an die Taten des russischen Proletariats, der Soldaten und B\u00e4uerInnen erinnern, die im Oktober 1917 die Grundlage f\u00fcr die Bildung der Sowjetunion legten.<\/p>\n<p>In diesem Artikel wollen wir auch an die Geschichte erinnern. Wir verweisen an dieser Stelle f\u00fcr eine weit umfassendere Darstellung auf die letzte Ausgabe des \u201eRevolution\u00e4ren Marxismus\u201c, in dem wir ausf\u00fchrlich Programm, Methode und Lehren der bolschewistischen Politik behandeln. Erst in Bezug auf ihre Aktualit\u00e4t erh\u00e4lt das genaue Studium der Geschichte der Klassenk\u00e4mpfe, der Triebkr\u00e4fte der gesellschaftlichen Entwicklung ihren politischen Sinn. Ansonsten droht sie zum historischen Andenken, zur blo\u00dfen Traditionspflege zu verkommen.<\/p>\n<p>Das trifft nicht nur auf \u201ewohlwollende\u201c b\u00fcrgerliche Geschichtsbetrachtung zu, die den revolution\u00e4ren Kern des Oktober als \u201eAusrutscher\u201c der Vergangenheit entsorgen will. Es trifft auch auf \u201eVerteidigerInnen\u201c wie \u201eKritikerInnen\u201c des Bolschewismus zu, die wie die StalinistInnen Lenin zum Vorl\u00e4ufer Stalins umdichten wollen oder, wie ultralinke Str\u00f6mungen, die sp\u00e4tere B\u00fcrokratisierung der Revolution als unvermeidliche, wenn auch nicht unbedingt gewollte Folge der Politik von Trotzki und Lenin interpretieren.<\/p>\n<p><strong>1917-2017<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir uns die sonst \u00fcbliche antikommunistische, antirevolution\u00e4re Hetze vergegenw\u00e4rtigen, ist bislang zumindest in Deutschland diesbez\u00fcglich nicht viel geschehen. Etwas Beileid mit den Romanows im Fr\u00fchjahr auf den Kan\u00e4len, ansonsten relativ wenig b\u00fcrgerliche Hetze gegen die Oktoberrevolution.<\/p>\n<p>Das mag vor allem daran liegen, dass das System der b\u00fcrgerlichen Klasse derzeit kein \u201eErfolgsmodell\u201c darstellt. Man k\u00f6nnte sagen, dass die objektiven Umst\u00e4nde, welche die Russische Revolution beg\u00fcnstigten, im gro\u00dfen Stil wieder Realit\u00e4t werden.<\/p>\n<p>Erst neulich trat die Nr.1 der \u201efreien\u201c Welt, der US-Pr\u00e4sident, vor die diplomatische Plauderrunde der UN, um in dort eher ungewohnter Wortwahl (vor diesem Gremium, nicht beim Pr\u00e4sidenten) dem \u201eSchurkenstaat\u201c Nordkorea mit \u201evollst\u00e4ndiger Zerst\u00f6rung\u201c zu drohen, was auch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen mit einschlie\u00dfe.<\/p>\n<p>Dies ist nur ein Beispiel f\u00fcr die aktuelle Phase des Imperialismus, in der sich die Fratze der Reaktion, des Rassismus, Nationalismus und des Faschismus wieder auf der B\u00fchne der \u201eWeltpolitik\u201c zeigen darf. Nach 1990 versprachen die westlichen M\u00e4chte Wohlstand, Frieden, Demokratie f\u00fcr alle, die sich unterwerfen bzw. denen sie im Zuge der kapitalistischen Restauration gerade die Segnungen der Marktwirtschaft verk\u00fcndeten. Dazu waren auch die gewendeten B\u00fcrokratInnen der UdSSR und Chinas bereit, nur folgte keine soziale Sicherheit, sondern \u201enur\u201c das globale Diktat des Imperialismus.<\/p>\n<p>Unter dem Schlagwort \u201eGlobalisierung\u201c setzte er sein System weltweit durch, eine neue \u00c4ra der Konkurrenz, der Monopolisierung und der Marktdurchdringung wurde zur Realit\u00e4t. Mit der Krise 2007\/2008 zeigte das kapitalistische System, was von seinen Versprechen nach 1990 \u00fcbrigblieb \u2013 n\u00e4mlich nichts. Die Verluste der B\u00f6rsen, Banken und SpekulantInnen wurden als neue Staatsschulden \u201esozialisiert\u201c, Billionen von Euro und US-Dollar in die Finanzm\u00e4rkte gepumpt, und die Sparma\u00dfnahmen k\u00fcrzten die L\u00f6hne, Renten und Sozialleistungen weltweit. Nicht Frieden, Demokratie und Wohlstand, wie vorm Irakkrieg versprochen, waren angesagt, sondern Krieg, Elend und Verzweiflung. Der Arabische Fr\u00fchling war eine Rebellion der Volksmassen gegen die Marionetten des Imperialismus. Die Niederlage dieser Bewegungen l\u00e4utete eine globale Phase der Reaktion ein. Der Aufstieg des \u201eIslamischen Staats\u201c, die Konterrevolution in \u00c4gypten, die B\u00fcrgerkriege in Syrien, Libyen und dem Jemen beendeten diesen \u201eFr\u00fchling\u201c in den nordafrikanischen und arabischen Halbkolonien.<\/p>\n<p>Die politische Reaktion zeigt sich im globalen Rechtsruck, auch in der EU. Nach Jahren der Schuldenkrise, der Spardiktate sind es jetzt die RassistInnen und NationalistInnen, welche sich als SystemgegnerInnen profilieren wollen, vor allem gegen die Gefl\u00fcchteten, die MuslimInnen und sozialen Minderheiten.<\/p>\n<p>Das imperialistische System ist in der Krise, in einer zugespitzten Konkurrenz miteinander. Die USA als Weltmacht Nr. 1 werden von China und der EU auf den globalen M\u00e4rkten herausgefordert. Hier geht es um Profite, um Marktanteile, um \u00dcbernahmen \u2013 ein neuer Kampf um die Neuaufteilung der Welt ist entbrannt!<\/p>\n<p>Diese globale Lage steuert auf die Verh\u00e4ltnisse \u00e4hnlich jenen vor 1917 objektiv zu. Nicht nur die \u00f6konomischen Angriffe und die Konkurrenz werden sch\u00e4rfer, auch die Kriegsgefahr steigt. Nat\u00fcrlich wiederholt sich die Geschichte nicht (sonst w\u00e4re sie auch keine). Aber die der kapitalistischen Gesellschaft innewohnenden Widerspr\u00fcche dr\u00e4ngen heute, ebenso wie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, mit Macht an die Oberfl\u00e4che, drohen, sich in eruptiven Krisen und Kriegen zu entladen. Damit aber entwickeln sich, wenn auch auf dem Boden neuer Technik, ver\u00e4nderter Klassenzusammensetzung, neuer Erscheinungsformen des Systems jene Widerspr\u00fcche, die auch zur Oktoberrevolution und zur internationalen Krisenperiode nach 1917 gef\u00fchrt haben. In diesem Sinne hat die Machtergreifung der ArbeiterInnen und B\u00e4uerInnen, haben der Sturz von Zarismus und Kapitalismus sowie die Errichtung der R\u00e4teherrschaft bis heute ihre Aktualit\u00e4t behalten.<\/p>\n<p><strong>Umr\u00fcstung von Partei und Programm<\/strong><\/p>\n<p>Eine der wichtigen Lehren aus der Russischen Revolution betrifft die zentrale Rolle und den Charakter der kommunistischen Partei. Bekannt sind die Parteien stalinistischen Musters, ohne innere Demokratie, mit einem abstrakten Personenkult, welcher dann meist je nach B\u00fcrokrat auch wechseln kann. Im Vergleich zu dem, was die Bolschewiki in der Russischen Revolution taten und verk\u00f6rperten, handelt es sich hier um komplett verschiedene Organisationen, abschreckende Beispiele.<\/p>\n<p>Die Bolschewiki wuchsen im Jahr 1917 zu einer Massenpartei an. Von wenigen Tausend, die in der Illegalit\u00e4t des Krieges die Partei und Organisationsarbeit aufrechterhielten, wurden sie innerhalb weniger Monate zu einer Partei von Hunderttausenden. Gleichzeitig ver\u00e4nderte die Partei ihr Programm in grundlegenden Fragen, ihre Methode und Taktik im Angesicht der Februarrevolution und der Aufgaben, die auf sie zukamen.<\/p>\n<p>In dem Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2017\/08\/17\/bruch-und-wandel-des-bolschewismus-das-programm-der-russischen-revolution\/\">Bruch und Wandel des Bolschewismus<\/a>\u201c haben wir die Entwicklung der Bolschewiki von einer Partei, die zu Anfang 1917 in vielen Punkten immer noch die Methoden und Taktiken der Zweiten Internationale verinnerlicht hatte, zur Partei des Oktober nachgezeichnet.<\/p>\n<p>Bekanntlich ging die gro\u00dfe Mehrzahl der Bolschewiki vor 1917 davon aus, dass die russische Revolution ihrem Wesen nach eine b\u00fcrgerliche Revolution sein m\u00fcsse, dass sie nicht zur Diktatur des Proletariats, sondern zur \u201edemokratischen Diktatur\u201c der ArbeiterInnen und B\u00e4uerInnen f\u00fchren m\u00fcsse. Dies im besten Fall widerspr\u00fcchliche Formel erwies sich angesichts der realen Entwicklung der Revolution, der objektiv gestellten Aufgaben als unhaltbar. Sie musste entweder nach rechts, d. h. hin zu eine Anpassung an die b\u00fcrgerliche Klasse, \u201egel\u00f6st\u201c werden, also zu einem strategischen Block mit Menschewiki oder Sozialrevolution\u00e4ren \u2013 oder nach links, zur \u00dcbernahme der Konzeption der \u201epermanenten Revolution\u201c.<\/p>\n<p>Die \u201eAprilthesen\u201c Lenins vollzogen diesen Schritt nach links. Als er sie nach seiner R\u00fcckkehr nach Russland pr\u00e4sentierte, waren sie auch unter der Mehrheit der Partei kein umjubeltes Dokument, sondern wurden scharf vom rechten Fl\u00fcgel, von f\u00fchrenden Genossen wie Kamenew, Sinowjew und Stalin kritisiert. Lenin musste Vorw\u00fcrfe des \u201eBlanquismus\u201c \u00fcber sich ergehen lassen.<\/p>\n<p>Lenins Politik war schlie\u00dflich ein direkter Bruch mit der bisherigen Konzeption der Bolschewiki. Die \u201eAprilthesen\u201c stellten die L\u00f6sung der Doppelmacht zwischen Provisorischer Regierung und den Sowjets in den Mittelpunkt \u2013 und somit auch die Machtfrage zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Weil das B\u00fcrgertum seine historisch fortschrittliche, revolution\u00e4re Rolle bereits ausgespielt habe, sei die kommunistische Partei verpflichtet, ein Programm f\u00fcr die proletarische Revolution, gest\u00fctzt auf die Bauernschaft, zu entwerfen.<\/p>\n<p>Diese Strategie war ma\u00dfgeblich von der Besch\u00e4ftigung mit der Analyse der imperialistischen Epoche gepr\u00e4gt, wie sie Lenin unter anderem in seiner Schrift \u201eDer Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus\u201c darlegt, und von der Vorstellung, dass der Erste Weltkrieg die internationale proletarische Revolution auf die Tagesordnung stellt. Hier konvergierte Lenins Theorie mit der Trotzkis von der permanenten Revolution. Beide vollziehen einen grundlegenden Bruch mit den alten Vorstellungen der Zweiten Internationale, deren geschichtliche Erben Sozialdemokratie und Stalinismus werden sollten.<\/p>\n<p>Dieser Wechsel mit allen seinen Implikationen wie alle gro\u00dfen politischen Wendungen des Bolschewismus im Jahr 1917 wurden sehr aktiv in der Partei diskutiert. Bei den ArbeiterInnen in den Bezirksorganisationen, den VertreterInnen der Bolschewiki in den R\u00e4ten, bei den Soldaten standen die Debatten um Programm und Taktik im Mittelpunkt.<\/p>\n<p><strong>Charakter der Partei<\/strong><\/p>\n<p>Vielfach wird das Bild der einigen, der einheitlichen Partei gezeichnet, welche, erleuchtet von Lenin, geschlossen marschierte. Auch wenn die Bolschewiki sicher viel einheitlicher waren als andere Parteien, so musste diese Geschlossenheit immer wieder im inneren Streit, in der offenen Auseinandersetzung um die politische Linie errungen werden.<\/p>\n<p>\u201eDie Vorstellung, dass Lenin ein \u201achemisch\u2019 reiner Bolschewismus vorschwebte, der keine inneren Differenzen geduldet h\u00e4tte, ist f\u00fcr jede Phase der Entwicklung der Partei vor der Machtergreifung schlichtweg falsch \u2013 und selbst danach bedurfte es einiger Jahre, bis die b\u00fcrokratische Konterrevolution die Partei zu jener Karikatur des \u201aLeninismus\u2019 machen konnte, wie sie in den stalinistischen Geschichtsmythen gefeiert wird.<\/p>\n<p>Der Streit, die Auseinandersetzung um die richtige Linie, um revolution\u00e4re Klarheit ist das unerl\u00e4ssliche Terrain, auf dem sich \u00fcberhaupt nur eine revolution\u00e4re Politik entwickeln kann. Nur in diesem Rahmen kann sie verallgemeinert und zur Konzeption, zur Programmatik einer Organisation und ihrer Mitglieder werden, nur in diesem Rahmen k\u00f6nnen Entwicklungen aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Erst recht kann nur auf einer solchen Basis eine Kampfpartei jene Elastizit\u00e4t entwickeln, die es erm\u00f6glicht, ihr Handeln rasch an wechselnde politische Situationen (z. B. Phasen der Reaktion auf jene der revolution\u00e4ren Offensive, Illegalit\u00e4t auf jene der Legalit\u00e4t usw. usf.) anzupassen.\u201c (<a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2017\/08\/17\/bruch-und-wandel-des-bolschewismus-das-programm-der-russischen-revolution\/\">Bruch und Wandel des Bolschewismus<\/a>, RM 49, Seite 32)<\/p>\n<p>Eine solche Partei war in der Lage, von einer kleinen Minderheit zur F\u00fchrerin der Klasse zu werden, diese f\u00fcr ihr Programm zu gewinnen und ihr Handeln zu b\u00fcndeln.<\/p>\n<p>\u201eDas Programm der Partei muss aber zugleich auch eine Vermittlung darstellen zu den aktuellen Grundfragen des Klassenkampfes, eine Verbindung herstellen zwischen den unmittelbaren n\u00e4chsten Konflikten, dem Bewusstsein der Klasse im Hier und Heute, den strategischen Aufgaben der aktuellen Periode, der Frage der politischen Macht und des \u00dcbergangs zum Sozialismus. Ein solches Programm muss die aktuellen Tagesk\u00e4mpfe mit dem strategischen Ziel verkn\u00fcpfen. Daher nimmt es die Form eines Aktionsprogramms, einer Anleitung zum Handeln an.\u201c (<a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2017\/08\/17\/bruch-und-wandel-des-bolschewismus-das-programm-der-russischen-revolution\/\">Ebenda<\/a>, S. 75)<\/p>\n<p>Diese Tradition der Bolschewiki, als aktive Kampfpartei, nach au\u00dfen wie nach innen, zu handeln, muss f\u00fcr uns heute die Hauptlehre aus der Russischen Revolution sein. Das ist das Verm\u00e4chtnis, das zuk\u00fcnftigen kommunistischen Massenparteien Vorbild sein soll.<\/p>\n<p><strong>Programmatisches Erbe<\/strong><\/p>\n<p>Wir stehen heute am Beginn einer weltgeschichtlichen Periode, die in vielem der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts gleicht. Auch wenn sich Geschichte nicht wiederholt, hinterl\u00e4sst die Politik des Bolschewismus ein theoretisch-programmatisches Erbe, das auch heute noch, ja wieder aktuell ist und an das es anzukn\u00fcpfen gilt.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>Der internationale Charakter der Revolution<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Kapitalismus ist schon immer ein internationales gesellschaftliches System gewesen. Seine inneren Krisen treiben notwendigerweise zu revolution\u00e4ren Zuspitzungen \u2013 und zwar im globalen Ma\u00dfstab. Kommunistische Politik darf daher den internationalen Klassenkampf nicht als Summe nationaler K\u00e4mpfe begreifen, sondern muss umgekehrt von den Gesamtinteressen der Klasse weltweit ausgehen. Der Sozialismus in einem Land hat sich im Stalinismus als das erwiesen, was er seinem Begriff nach schon immer war \u2013 eine reaktion\u00e4re Utopie.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>Anti-Imperialismus<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Kampf um die Neuaufteilung der Welt droht der Menschheit mit neuen Handelskriegen, Zuspitzungen bis hin zum gro\u00dfen Krieg. Die ArbeiterInnenklasse darf in diesem reaktion\u00e4ren Ringen keine Gruppe imperialistischer Staaten und M\u00e4chte unterst\u00fctzen, sondern muss sich im Konflikt der Methode des \u201erevolution\u00e4ren Defaitismus\u201c bedienen und des Klassenkampfes gegen die \u201eeigene\u201c Bourgeoisie. Liebknechts Losung \u201eDer Hauptfeind steht im eigenen Land\u201c hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren.<\/p>\n<p>Antiimperialismus bedeutet nicht nur Klassenkampf gegen die eigene Bourgeoisie, er bedeutet auch die Unterst\u00fctzung nationaler Befreiungsk\u00e4mpfe unterdr\u00fcckter Nationen, von Aufst\u00e4nden und Klassenk\u00e4mpfen gegen die ImperialistInnen und die \u201enationale\u201c Bourgeoisie in den halb-kolonialen L\u00e4ndern.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>Permanente Revolution<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der niedergeschlagene \u201eArabische Fr\u00fchling\u201c war ein weiterer Beweis daf\u00fcr, dass demokratische Forderungen im Zeitalter des Imperialismus nicht allein durch eine \u201edemokratische Revolution\u201c errungen werden k\u00f6nnen. Die Abh\u00e4ngigkeit des B\u00fcrgertums in den Halbkolonien von den imperialistischen Bourgeoisien ist heute genauso gegeben wie die Abh\u00e4ngigkeit der russischen Bourgeoisie vom Gro\u00dfgrundbesitz und dem franz\u00f6sischen und britischen Finanzkapital. Daher braucht das Proletariat eine unabh\u00e4ngige Klassenpolitik. Nur diese kann die Basis f\u00fcr ein B\u00fcndnis mit den ausgebeuteten Schichten von Stadt und Land, speziell den unteren Schichten der Bauernschaft in den Halbkolonien sein. Dies bedeutet auch, dass Proletariat, Bauernschaft und die st\u00e4dtische Armut nicht auf die Illusionen in eine \u201ewestliche\u201c Demokratie setzen d\u00fcrfen, sondern stets deren Abh\u00e4ngigkeit vom Imperialismus ber\u00fccksichtigen und f\u00fcr die proletarische Demokratie, die R\u00e4tedemokratie k\u00e4mpfen.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>Verteidigung demokratischer Rechte<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gerade angesichts der reaktion\u00e4ren Z\u00fcge unserer Zeit gewinnen die Verteidigung demokratischer Rechte und das Einstehen f\u00fcr demokratische Forderungen eine wichtige Bedeutung. Wir stehen an der Seite derjenigen, welche die Meinungs- und Pressefreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Koalitionsfreiheit auf gewerkschaftlicher und Parteiebene gegen staatliche Eingriffe und Repressionen verteidigen. Dabei ist uns aber auch klar, dass dieser Kampf nicht abstrakt f\u00fcr die parlamentarische Demokratie gef\u00fchrt werden kann, sondern auf eine proletarische Demokratie, eine R\u00e4tedemokratie abzielen muss.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>Soziale Unterdr\u00fcckung<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die kapitalistische Ausbeutung st\u00fctzt sich zus\u00e4tzlich auf mannigfaltige Unterdr\u00fcckung verschiedener Teile der Bev\u00f6lkerung und insbesondere unter den ProletarierInnen. Rassismus, Sexismus, Homophobie werden benutzt, um die Spaltung der Klasse zu vertiefen und chauvinistische Vorurteile und r\u00fcckst\u00e4ndiges Bewusstsein zu st\u00e4rken. Deswegen treten wir f\u00fcr besondere Rechte der unterdr\u00fcckten Teile der ArbeiterInnenklasse ein, wollen die Selbstorganisierung von Frauen, von MigrantInnen, der Jugend und von sexuell Unterdr\u00fcckten st\u00e4rken. So k\u00f6nnen diese ihren Kampf als Teil des Proletariats f\u00fchren, wie wir auch in der Klasse gegen Vorurteile und r\u00fcckst\u00e4ndiges Bewusstsein k\u00e4mpfen. Der Kampf wie der gegen Rassismus, f\u00fcr offene Grenzen und gleiche Rechte aller MigrantInnen und Fl\u00fcchtlinge ist integraler Bestandteil des Klassenkampfes.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>Taktik der Einheitsfront<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Revolution\u00e4rInnen suchen die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Einheit der ArbeiterInnenklasse im Kampf gegen das Kapital, die Regierung, den b\u00fcrgerlichen Staat. Diese Forderung richten sie \u2013 wie die Bolschewiki 1917 \u2013 an die ArbeiterInnenparteien und Massenorganisationen, deren Basis wie deren F\u00fchrungen. Der gemeinsame Kampf f\u00fcr klar definierte Ziele darf dabei nie auf Kosten der Freiheit der Propaganda und Kritik an den zeitweiligen reformistischen, gewerkschaftlichen oder kleinb\u00fcrgerlichen B\u00fcndnispartnerInnen gehen. Eine revolution\u00e4re Anwendung der Einheitsfronttaktik verfolgt n\u00e4mlich immer zwei Ziele gleichzeitig \u2013 gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Einheit in der Aktion und die Abl\u00f6sung der ArbeiterInnen und Unterdr\u00fcckten von reformistischen, zentristischen oder kleinb\u00fcrgerlichen F\u00fchrungen.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staats \u2013 Kampf um die R\u00e4temacht<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein entscheidendes Merkmal der erfolgreichen Russischen Revolution waren die Sowjets, die R\u00e4te, welche den gesammelten Willen des Proletariats, der Bauernschaft und der Soldaten 1917 repr\u00e4sentierten und daher die wichtigste St\u00fctze der Revolution verk\u00f6rperten. Diese k\u00f6nnen nur in revolution\u00e4ren und vorrevolution\u00e4ren Situationen entstehen. So wichtig die R\u00e4te dabei als elementare Form der Selbstorganisation der Klasse sind, so k\u00f6nnen sie ihr Potential als Kampforgane und Kern einer zuk\u00fcnftigen proletarischen Staatsmacht nur verwirklichen, wenn sie von einer revolution\u00e4ren Partei gef\u00fchrt werden. Alle Theorien, die die R\u00e4te der Partei entgegenstellen, m\u00fcssen daher strikt zur\u00fcckgewiesen werden. Nur durch eine revolution\u00e4re F\u00fchrung kann die Klasse, gest\u00fctzt auf R\u00e4te, auf Milizen \u2013 den bewaffneten Teil der ArbeiterInnenklasse \u2013 und in R\u00e4ten organisierte Soldaten die Macht erobern, eine Doppelmachtsituation aufheben, die b\u00fcrgerliche Staatsmaschinerie zerschlagen und durch einen proletarischen Halbstaat ersetzen.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>Proletarier aller L\u00e4nder vereinigt Euch!<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese bekannte Losung aus dem Kommunistischen Manifest hat an Strahlkraft nichts von ihrer Bedeutung verloren, im Gegenteil. Ein revolution\u00e4rer Kampf, eine Befreiung der Menschheit vom Kapitalismus, die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft kann nur auf internationaler Basis stattfinden \u2013 oder eben nicht. Dies war die Erkenntnis von Marx und Engels, von Lenin und Trotzki bis zu ihrem Tod. Die Entfremdung dessen, ja sogar v\u00f6llige Verzerrung durch die Ideologie des \u201eSozialismus in einem Land\u201c hat nicht nur die Degeneration und schlie\u00dflich das Ende des ArbeiterInnenstaates eingel\u00e4utet, es hatte auch verheerende Folgen f\u00fcr den internationalen Klassenkampf und die politischen Organisationen. Letztlich f\u00fchrte dies zur Abschaffung der Komintern, welche zuvor den nationalen Bed\u00fcrfnissen der Sowjetb\u00fcrokratie untergeordnet wurde.<\/p>\n<p>Deswegen ist der Aufbau einer Weltpartei der sozialistischen Revolution, einer 5. Internationale heute die zentrale Aufgabe unserer Zeit. Nur ein internationales Programm gegen den Imperialismus, welches die aktuellen K\u00e4mpfe weltweit via der \u00dcbergangsmethode mit dem Kampf gegen die herrschende Ordnung verbindet, kann diesen auch herausfordern und st\u00fcrzen.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><u>F\u00fcr die revolution\u00e4re Partei!<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir treten ein f\u00fcr das methodische und taktische R\u00fcstzeug der linken Opposition in der Sowjetunion, f\u00fcr die Theorie und Praxis der Bolschewiki-LeninistInnen. Mit ihrer Methode und ihren Analysen haben sie die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Sozialismus betrieben und real die \u201eLehren des Oktober\u201c gezogen. An diesen Fundus kn\u00fcpfen wir mit unserer Programmatik, unserer Strategie und Taktik an und wollen diese in den Aufbau einer neuen kommunistischen Partei und Internationale einbringen, da nur auf dieser Grundlage eine lebendige k\u00e4mpferische Organisation aufgebaut werden kann. Zu den Werkzeugen des Marxismus, des Leninismus wollen wir eine Herangehensweise entwickeln, die im folgenden Zitat gut wiedergegeben ist:<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn irgendetwas t\u00f6dlich f\u00fcr das geistige Leben der Partei und die theoretische Erziehung der Jugend sein kann, dann dies, n\u00e4mlich den Leninismus aus einer Methode, zu deren Anwendung Initiative, kritisches Denken und ideologischer Mut notwendig sind, in einen Kanon zu verwandeln, der nur Interpreten braucht, die ein f\u00fcr alle Mal ernannt wurden.\u201c<\/p>\n<p><em>(Trotzki, Der Neue Kurs, in: Wolter, Ulf [Hrsg.]: Die Linke Opposition in der Sowjetunion 1923-1928\u201c, Band I, 1923-1924, Berlin\/West [Olle &amp; Wolter], 1976, S. 390)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2017\/10\/07\/100-jahre-roter-oktober-die-aktualitaet-der-revolution\/\">Neue Internationale 223, Oktober 2017&#8230;<\/a> vom 8. Oktober 2017 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tobi Hansen. Epochemachende Ereignisse pr\u00e4gen die Geschichte und das Denken ganzer Generationen. Die Oktoberrevolution war ein solches Jahrhundertereignis. Wie die Pariser Kommune als Beispiel f\u00fcr den Kampfeswillen des Proletariats galt, <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[25,41,26,18,12,13,45,38,20,42,4,21,46],"class_list":["post-2583","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-arbeiterbewegung","tag-europa","tag-gewerkschaften","tag-imperialismus","tag-lenin","tag-marx","tag-neoliberalismus","tag-russische-revolution","tag-sowjetunion","tag-sozialdemokratie","tag-strategie","tag-trotzki","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2583","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2583"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2583\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2585,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2583\/revisions\/2585"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2583"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2583"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}