{"id":2600,"date":"2017-10-13T16:38:57","date_gmt":"2017-10-13T14:38:57","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2600"},"modified":"2017-10-13T16:38:57","modified_gmt":"2017-10-13T14:38:57","slug":"oesterreich-waterloo-und-watergate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2600","title":{"rendered":"\u00d6sterreich: Waterloo und Watergate"},"content":{"rendered":"<p><em>Franz Schandl. <\/em><strong>Zwischen Consulting-Sumpf und Coaching-Blase \u00fcbt ein Land seinen Untergang. Hierzulande setzt niemand mehr auf Christian Kern. Fast alle sprechen vom Supergau und es ist dem auch kaum zu widersprechen. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Sache scheint gelaufen zu sein. Auf was soll die SP\u00d6 noch hoffen? Auf einen Mitleidseffekt?<\/strong><\/p>\n<p>Nun, nicht einmal der wird eintreten. Und auch wenn es gelingt Sebastian Kurz und die \u00d6VP mit in den Sumpf zu ziehen, ist damit nichts gewonnen. Im wahrsten Sinne des Wortes haben der sozialdemokratische Kanzler und sein Team ihre Chancen verspielt.<\/p>\n<p>Kern gilt als gescheitert. Es droht das schlechteste Wahlergebnis der Zweiten Republik. Das w\u00e4re ein Desaster sondergleichen. Der Macher w\u00e4re am Ende, bevor er noch zu machen begonnen hat. Die kurze Amtszeit seines Vorvorg\u00e4ngerns Alfred Gusenbauer wird er noch unterbieten. Auch mit der sehr sp\u00e4ten Forcierung programmatischer Inhalte, l\u00e4sst sich das nicht mehr \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Der fulminante Amtsantritt war also bloss ein Ereignis und kein Aufbruch. Bei nahezu allen Entscheidungen verhielt Kern sich z\u00f6gerlich, war Getriebener nicht Akteur. Der Kanzlerbonus entglitt ihm in diesem Fr\u00fchjahr innert weniger Wochen. Der Regierungschef entpuppte sich als unentschlossener Zauderer. Zuerst cooler Manager, dann sozialer Gerechtigkeitsk\u00e4mpfer, einmal gegen CETA, dann daf\u00fcr, einmal f\u00fcr eine Maschinensteuer, dann wieder ganz leise.<\/p>\n<p>Nicht einmal nach dem Koalitionsbruch durch Sebastian Kurz im Mai hat er die Volkspartei aus der Regierung geschmissen. Gelegentliche Ultimaten an den pr\u00e4potenten Koalitionspartner liess er stets verstreichen. Und in der Fl\u00fcchtlingspolitik kam der SP-Vorsitzende nie \u00fcber eine Nachtrabpolitik hinaus: Kurz prescht vor, Kern wehrt ab, doch schliesslich knickt er ein. Trittsicherheit oder gar F\u00fchrung sieht anders aus. An der Silbersteinkante ereilte Kern sodann der frontale Crash. Weder inhaltlich noch strategisch brillierte er, ja es gelang ihm nicht einmal zu blenden. Die Monotonie des Herausforderers triumphiert \u00fcber die Kakophonie des Kanzlers. W\u00e4hrend Kurz einen Kurs f\u00e4hrt, f\u00e4hrt Kern in den Konkurs. Es ist ein geradezu furioses Scheitern.<\/p>\n<p><strong>Silly and dirty<\/strong><\/p>\n<p>Wer keine Strategie hat, muss zumindest eine PR-Strategie haben oder sich zukaufen. So hat sich in den letzten Jahren ein intransparentes System von Beratung, Intrige, Strippenzieherei, Verrat, vor allem auch: Verkauf und Einkauf von brisanten Infos breitgemacht. Da tummeln sich Wichtigtuer und Bluffer, Obskuranten und Maulw\u00fcrfe, Spione und Doppelagenten, und auch gar nicht wenige Idioten. Was auffliegt, sind zumeist nur Details, die, wenn sie lediglich kriminalisiert werden, nur bewirken, dass es nach der ritualisierten Emp\u00f6rung lustig und munter wie ehedem weitergeht. Die politische Auseinandersetzung ist zu einer Unterabteilung der PR geworden. Politik, das ist das Leben zwischen dem Consulting-Sumpf und den Coaching-Blasen.<\/p>\n<p>Wir erleben das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen und Eliminieren der Parteiapparate, die Abr\u00fcstung des Funktion\u00e4rskorps, deren Ersetzung durch Coaches und Berater, PR-Fuzzis und Einfl\u00fcsterer. Ihr Besch\u00e4digungseifer ist uners\u00e4ttlich. In Wahlzeiten \u00fcbernehmen ausgesprochen gut bezahlte Leute das Ruder, besetzen die War Rooms und gestalten die Politik. Das kann aufgehen aber auch schiefgehen. Manchmal \u00fcbersteigen die nichtintendierten Effekte die intendierten. Der Topberater Tal Silberstein, dessen Verhaftung in Israel die Krise der SP\u00d6 so richtig zuspitzte, ist ein Campaigner der Sonderklasse. Jahrelang galt er als Garant sozialdemokratischer Wahlerfolge.<\/p>\n<p>Die War Rooms der SP\u00d6, die streckenweise unter Ausschluss der Parteispitzen agierten sind zu Selbstbesch\u00e4digungsst\u00e4tten geworden. Eigensinn und Illoyalit\u00e4t, Geldgier und Gerissenheit interagieren wie in schlechten Filmen. Keine Verschw\u00f6rungstheorie reicht an diese Verschw\u00f6rungspraxis heran. Bezahlte Krieger fungieren als Pr\u00e4torianer der Partei. Niemand hatte sie unter Kontrolle. Wenn die SP\u00d6 Facebook spielt, dann erinnert es entfernt an Kafkas \u201eIn der Strafkolonie\u201c. Dort erkl\u00e4rt ein Offizier detailreich eine Hinrichtungsmaschine, in die er zuletzt selbst ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Unter Kampagne versteht heute kaum jemand noch die Mobilisierung der Mitglieder und Sympathisanten f\u00fcr bestimmte Ziele, man versteht darunter PR-gestylte Inszenierungen in den medialen Superm\u00e4rkten. Man zieht nicht selbst in den Kampf, sondern l\u00e4sst ihn f\u00fchren. S\u00f6ldner der Kulturindustrie stehen am Krankenbett (nicht nur) der Sozialdemokratie, plustern sich auf und pumpen Partei wie Publikum mit Drogen voll. Zwischendurch ist man ganz high. Geht was daneben, ist es bl\u00f6d gelaufen, dann wird der Magen ausgepumpt, die notwendige Darmspiegelung live \u00fcbertragen und auf allen Sendern kommentiert.<\/p>\n<p>Anstatt tr\u00e4gen Parteisekret\u00e4ren (oft gegendert) sitzen bestbezahlte und schwer munitionierte PR-Burlis (meist ungegendert) an den Schalthebeln und geben es sich kr\u00e4ftig. Wie Orks laufen sie durch die virtuellen Welten. Und das Problem ist, da l\u00e4uft nichts aus dem Ruder, das ist auch nicht von gestern sondern von morgen. So gesehen ist das kein \u201eerb\u00e4rmliches Schauspiel\u201c, sondern so werden die Wahlk\u00e4mpfe der Zukunft ausschauen, nicht nur hierzulande. Die Parteien werden bloss den Schluss ziehen, dass neben der Spionage mehr in die Spionageabwehr investiert werden muss.<\/p>\n<p>In Wien tanzt die Skandalrepublik ihre Untergangspolka. Da sind die Netzwerker in ihrem Element, ihre Augen gl\u00e4nzen vor Durchtriebenheit und ihre Finger zittern, wenn sie ans Werk schreiten. Wie semmeln wir wem was rein? Gib\u2019s ihm! Der Typus des Funktion\u00e4rs wurde durch den des Hasardeurs ersetzt. Die mittlerweile zusammengestauchten Apparatschiks waren meist loyal, diszipliniert wie solidarisch, man konnte sich auf sie verlassen, ihr Engagement war (so altbacken es erscheint) integer, von kleinen Spritzen Vitamin P abgesehen. Dieser Protektionismus hielt sich aber meist in amikalem und ertr\u00e4glichem Rahmen. Ihr Gem\u00fct ist der Gerissenheit der PR-Fuzzis und sonstiger Abstauber in jeder Hinsicht vorzuziehen. Man kann ihnen die Hand geben, ohne picken zu bleiben.<\/p>\n<p>Die SP\u00d6 vertraut ihren eigenen Genossen nicht mehr, doch sie ersetzt Lahmarschigkeit nicht durch Klarsichtigkeit oder Zur\u00fcckgebliebenheit durch Perspektive, sondern durch den Wahnwitz der Gambler. Was denkt sich die Partei eigentlich, wenn man Leute besoldet, die schon vorab f\u00fcr \u00d6VP, Neos, Stronach oder Lugner unterwegs gewesen sind? Dass das besonders flexible Kerlchen sind? Ein Fussi wurde doch nicht angeheuert, weil er so clean, so unt\u00fcckisch und unr\u00fcde ist, oder? Wer einen Fritz Marsch etwa durch einen Rudi Fussi ersetzt, hat einen Vogel, aber keinen schr\u00e4gen, sondern einen groben. Oder wurde der gar nicht als Schlammcatcher engagiert? Fussi lieferte jedenfalls den Beweis, dass Biederkeit, Heimt\u00fccke und Trottelei sich verhalten wie Positiv, Komparativ und Superlativ. Die Dessous der Macht sind nur m\u00e4chtig, solange sie nicht aufgedeckt werden, alsdann erweisen sie sich als stillos, wirken grauslich und peinlich, letztlich l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p><strong>Scheissegal<\/strong><\/p>\n<p>Wenn es schon scheissegal ist, wo eins herkommt, so muss es wohl auch scheissegal sein, ob eins zwischendurch plaudert, die Seiten wechselt oder sich eigenm\u00e4chtig inszeniert. Bestechung und Geldannahme nicht ausgeschlossen. Doch gerade mit dieser Szene der Wanderwunderwerbegurus haben sich die Sozialdemokraten mehr eingelassen als alle anderen. Der Versuch mit antisemitischen und rassistischen Parolen die \u00d6VP zu sch\u00e4digen und dabei auf die F\u00e4hrte der FP\u00d6 zu locken, ist nicht \u00fcberdr\u00fcber, er ist letztklassig. Die Rechnung wird nun pr\u00e4sentiert. Im Skandalranking 2017 f\u00fchren die Kern-Leute die austriakische Shortlist an.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Fussvolk der SP\u00d6 waren die letzten Jahre in vieler Hinsicht deprimierend und die letzten Monate noch demotivierend dazu. Anstatt zu laufen, haben sich viele zur\u00fcckgezogen, ja manche laufen sogar \u00fcber, selten nach links, zumeist zu den Freiheitlichen. Bei denen gibt es zwar auch nur eine falsche W\u00e4rme, aber immerhin. Nat\u00fcrlich kann die Klasse (schon aufgrund ihres Ausrinnens) nicht mehr so gedrillt werden, schwerer wiegt aber die Degradation der Mitglieder durch die Partei selbst. Die alte Kombination aus Disziplin und Solidarit\u00e4t hat sich erledigt. In der SP\u00d6 ist kalt und still geworden.<\/p>\n<p>Wir erleben eine Enteignung der Partei durch die Auslieferung an PR-Abenteurer. Die Mischung aus verwaisten Parteizentralen und eingekauften Schlitzohren ist hochexplosiv. Wenn Kern jetzt meint, er habe von alledem nichts gewusst, was Silberstein und sein hiesiges Gefolge via gezinkten Facebook-Seiten anstellten, dann ist das vielleicht glaubhaft, aber es spricht doch mehr gegen ihn als f\u00fcr ihn. Das Gew\u00e4hren-Lassen dieser Kampagne war schlicht dumm. Schuld ist Kern aber nicht, weil er etwas gemacht oder unterlassen hat. Schuld ist er, weil er gar nicht kapiert, dass die M\u00f6glichkeiten von alledem auch auf seinem Mist gewachsen sind. Sein Gesp\u00fcr f\u00fcr das politische Getriebe wie auch das politische Personal \u00fcberhaupt, ist mangelhaft.<\/p>\n<p>Der tiefe Fall in den asozialen Medien verdeutlicht, dass die \u00dcbertrixer im Umfeld der SP\u00d6 gegen die primitiven Fallensteller der \u00d6VP eine Niederlage erlitten haben. Waterloo und Watergate reichen einander die Hand. Die Sache ist ja noch nicht abgeschlossen. Dass da Maulw\u00fcrfe im Spiel waren macht die Angelegenheit nur noch blamabler als sie ohnehin schon ist. Was Taktik und Performance betrifft, haben sich Kern und sein Team ins Out bugsiert. Schon dass man sich von Altlasten wie Alfred Gusenbauer nicht zu trennen vermag, spricht gegen die SP\u00d6.<\/p>\n<p>Dass die Kern-SP\u00d6 die Kurz-\u00d6VP heftig verunglimpfen wollte, steht ausser Zweifel. Dass sie dabei ihrerseits von der \u00d6VP gelegt wurde, ist sehr wahrscheinlich. Aber was hilft es weiter? Der investigative Zauber stiftet oft mehr Verwirrung als Kl\u00e4rung. Zu analysieren w\u00e4re ein gesellschaftliches Symptom, anstatt Ereignisse zu kriminalisieren und sich mit gegenseitigen Klagen einzudecken. Leaken, liken oder linken f\u00fchren nicht aus dem Sumpf, sondern erweitern seine Zone. Die Schlacht der Schmutzk\u00fcbel erreicht so nur neue H\u00f6hepunkte. Die einmal entfachte Dynamik l\u00e4sst sich kurzfristig sowieso nicht abstellen. Alle sind geladen und alle laden nach.<\/p>\n<p>Doch was steht an? Das Kreieren von Claqueuren, die Erzeugung aufgeputschter Fans, kurzum die Reduzierung der Kommunikation auf das Niveau pers\u00f6nlichen Hasses und serieller Kalauer. Hetze pur, man denke nur an die minderbemittelten Kotzkohorten in der Postingszene. Auf dass der Pegel des \u201eKotmeeres\u201c (Karl Kraus) steige, sprengen die Stosstrupps der Parteien nun gegenseitig ihre Kl\u00e4ranlagen. Und zu allem \u00dcberfluss gelangt die politische und mediale Saalschlacht dann auch noch als juristische Parodie vor den Bezirksgerichten zu einer weiteren Nachinszenierung. The \u201edemocratic circus\u201c (David Byrne) inszeniert gerade einen absolut abstossenden Tiefpunkt. Zwischen \u00d6VP und SP\u00d6 brechen die Ged\u00e4rme. An allen Orten stinkt es kr\u00e4ftig und selbst die kleinen Oppositionsparteien, Gr\u00fcne und liberale Neos drohen in der Gacke unterzugehen. So haben Kern und Kurz (ganz ohne Strache) den schmutzigsten Wahlkampf der 2. Republik hingekriegt. Wir leben in der Epoche der Latrinenhaubitzen.<\/p>\n<p><strong>Boulevardkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Zu allem \u00dcberfluss hat sich der schwer angeschlagene SP-Vorsitzende auch noch in einen Privatkrieg mit Wolfgang Fellner, dem Herausgeber des Boulevardblatts \u00d6sterreich verstrickt. Der feiste Tritt gegen den Revolverjournalismus (Entzug der jahrelangen Kooperation und f\u00e4lliger Inserate) ist durchaus zu goutieren, allerdings erfolgte er in einem Augenblick, wo jener nur noch als Revanchefoul wahrgenommen wurde. Seither hat sich Fellner in Kerns Slim-Fit-Hosen verbissen und l\u00e4sst nicht locker. F\u00fcr Beobachter mit Sicherheitsabstand wirkt das wie eine ungusti\u00f6se Schl\u00e4gerei. Auch wenn Christian Kern meinen mag, dass hier der Hund den Herrn beisst, h\u00e4tte er wissen k\u00f6nnen, dass auf die Hilfsjournaille kein Verlass ist. Sie war eine Kanaille, sie ist eine Kanaille und sie wird eine Kanaille bleiben.<\/p>\n<p>Anlass des Bruchs war ein unvorteilhaftes Psychogramm des Kanzlers, erstellt von einem Mitarbeiter Gusenbauers an die Adresse Tal Silbersteins(!), das Fellner abdrucken liess. Darin hiess es: \u201eBundeskanzler Kern ist nicht kampagnef\u00e4hig. Leider Gottes ist eine der wesentlichen Schwachstellen der Kanzler himself. (\u2026) Er hat ein \u00e4usserst schwaches Nervenkost\u00fcm und ein Glaskinn. Er ist eine Prinzessin und ungemein eitel. Er ist unsicher.\u201c<\/p>\n<p>Fellner ist inzwischen selbst voll in den Wahlkampf eingestiegen: \u201eDer Anstand w\u00fcrde es gebieten, dass Kern den heutigen Tag n\u00fctzt, um seinen R\u00fccktritt bekannt zu geben\u201c, trompetet er am 1. Oktober. Am 6. schickt er Kern via Meinungsumfrage in den Keller und am 8. setzt er auf dem Cover Sebastian dem Nullten gar die Krone auf. \u201eDer kritische Journalismus hat gesiegt\u201c, verk\u00fcndet Fellner ganz weggetreten. \u201eMit Ausnahme von Kern sind alle Kandidaten bei dieser Wahl spannend und gut\u201c. \u201eKanzler Kern wird am Sonntag die Rechnung f\u00fcr sein skandal\u00f6ses Verhalten erhalten.\u201c Da wird einem der SP\u00d6-Obmann beinahe wieder sympathisch. Wer solche Feinde hat, kann so \u00fcbel nicht sein.<\/p>\n<p>Dankbarkeit ist keine politische Kategorie. Letztlich konnten die Fellner-Medien nur gross werden durch das apportierende Agieren der SP\u00d6, da man sie mit Interviews, Infos und Inseraten kr\u00e4ftig fettf\u00fctterte. Partei wie \u00f6ffentliche K\u00f6rperschaften liessen sich da nicht lumpen. Bis gestern war es stets ein Geben und Nehmen. Jetzt jedoch kommt der zum R\u00fccktritt aufgeforderte Kern als Unperson und beleidigte Leberwurst r\u00fcber. Hat er das n\u00f6tig? Nun, n\u00f6tig hat er es nicht, aber es unterl\u00e4uft ihm wie so vieles. Souver\u00e4nit\u00e4t sieht anders aus.<\/p>\n<p><strong>Kujonieren<\/strong><\/p>\n<p>In der Alpenrepublik wurde das System campaignisierender Olympiaden regelrecht hochgez\u00fcchtet. St\u00e4ndiges Kujonieren ist sein Kennzeichen. Dies alles aber den Politikern anzuh\u00e4ngen, w\u00e4re indes zu kurz gedacht. Die Absender haben viele Adressaten, die regelrecht danach gieren. So f\u00e4llt dieser politische Kot, bereitwillig transportiert durch alle Kan\u00e4le der Kulturindustrie, auf fruchtbaren Boden. Wer meint, die Parteien seien schuld an dieser Entwicklung hat einen drittklassigen Faktor erkannt, nicht mehr. Da treibt man die Kandidaten gleich Gladiatoren in unz\u00e4hlige Duelle und beschwert sich danach, dass sie sich in der Arena als solche verhalten. Auf jeden Fall weiss niemand, wie diese Dynamik aufzuhalten resp. wie lange sie noch auszuhalten ist. Die Politik \u00fcbt sich zusehends im semifinalen Crash, wobei abermals niemand sagen kann, wie der aussieht oder ausgeht.<\/p>\n<p>Wenn Kern n\u00e4chste Woche nicht abtritt, wird er sich auf der Oppositionsbank wiederfinden. Das ist zwar nicht die Rolle, die er anstrebt, aber eine andere wird nach dem 15. Oktober nicht mehr m\u00f6glich sein. Indes will ein nicht unbetr\u00e4chtlicher Teil der SP\u00d6 (anders als in der SPD) unbedingt an der Regierung bleiben. Man sollte gerade in \u00d6sterreich den Sog der Futtertr\u00f6ge nicht untersch\u00e4tzen. In diesem Fall wird Christian Kern dann wohl die Flucht in die Privatwirtschaft antreten.<\/p>\n<p>Im Windschatten all dieser Ereignisse k\u00f6nnte es neben dem prognostizierten Erfolg von Sebastian Kurz freilich ein noch b\u00f6seres Erwachen geben, dann, wenn Heinz-Christian Strache kr\u00e4ftig zulegen kann. Die FP\u00d6 erscheint, man glaubt es nicht, und sie ist es auch nicht, als die saubere Kraft.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.untergrund-bl\u00e4ttle.ch\/politik\/oesterreich\/oesterreich_wahlkampf_christian_kern_4361.html\">untergrund-bl\u00e4ttle&#8230;<\/a> vom 13. Oktober 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franz Schandl. Zwischen Consulting-Sumpf und Coaching-Blase \u00fcbt ein Land seinen Untergang. Hierzulande setzt niemand mehr auf Christian Kern. 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