{"id":2606,"date":"2017-10-15T14:34:48","date_gmt":"2017-10-15T12:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2606"},"modified":"2017-11-10T16:04:00","modified_gmt":"2017-11-10T14:04:00","slug":"gab-es-keine-alternative-zum-stalinismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2606","title":{"rendered":"Gab es keine Alternative zum Stalinismus?"},"content":{"rendered":"<p><em>Eric Blanc. <\/em>Gegen ein Jahrhundert lang hat der Aufstieg des Stalinismus das emanzipatorische Projekt der Revolution von 1917 verdunkelt.<!--more--><\/p>\n<p>Liberale und konservative Kritiker bestehen darauf, dass diese Wende \u2013 der Aufstieg einer politischen und gesellschaftlichen Tyrannei nach der Revolution und dem B\u00fcrgerkrieg \u2013 beweist, dass jeder Versuch eines Sturzes des Kapitalismus notwendigerweise in eine brutale Diktatur f\u00fchren muss. Gem\u00e4ss dem Historiker Bruno Naarden beispielsweise \u00absollten die Entwicklungen nach der Oktoberrevolution zeigen, was geschieht, wenn der Staat und die Gesellschaft ohne die b\u00fcrgerliche Elite klarkommen m\u00fcssen\u00bb.<\/p>\n<p>Angesichts des Vorherrschens solcher Auffassungen bleibt eine ernstzunehmende Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Niederlage der Russischen Revolution eine zentrale Aufgabe f\u00fcr revolution\u00e4re Marxisten und Marxistinnen.<\/p>\n<p><strong>Das emanzipatorische Potential der Arbeiterklasse<\/strong><\/p>\n<p>Das befreiende Potential von Arbeitermacht kann aus den ersten Monaten der Sowjetmacht nach der Oktoberrevolution ersehen werden, wie auch aus der Roten R\u00e4teregierung in Finnland, die kurz darauf entstand.<\/p>\n<p>Millionen von Arbeitern, Landarbeiterinnen und Bauern ergriffen am Arbeitsplatz, in ihrer Umgebung und im Staate die Macht. Mit dem Sturz der alten Obrigkeiten breitete sich eine Massenbeteiligung an allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens in einem bisanhin nicht gekannten Ausmass aus. Angesichts der Sabotage und der Desertion von Regierungsbeamten und kapitalistischen Managern, griffen die arbeitenden Menschen und Revolution\u00e4re zu und \u00fcbernahmen Verantwortung, um das Vakuum auszuf\u00fcllen. Selbstverwaltung von der Basis her wurde zur Norm.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach dem Oktober dr\u00e4ngten die Bolschewiki und andere radikale Sozialisten auf eine Ausweitung der Revolution auf ganz Russland und auf das Ausland. Nach deren Auffassung stellte die Oktoberrevolution den vorgeschobenen Br\u00fcckenkopf der Weltrevolution dar \u2013 ohne die internationale Asuweitung der Arbeiterkontrolle, so argumentierten sie, war die Russische Revolution zum Untergange verurteilt.<\/p>\n<p>Obwohl es den Bolschewiki und ihren Verb\u00fcndeten weitgehend gelang, die Herrschaft der Sowjets in Zentralrussland zu sichern, so blieben ihre Erfolge in der Peripherie des russischen Herrschaftsgebietes und dar\u00fcber hinaus beschr\u00e4nkt. Im Sommer 1918 waren die Regierungen der Sowjets in der Ukraine, in Lettland, Estland, Baku gest\u00fcrzt worden wie auch die finnische Rote R\u00e4teregierung; dies mit vereinter Anstrengung der deutschen Regierung, der einheimischen Bourgeoisie und der gem\u00e4ssigten Sozialisten.<\/p>\n<p>Dieses Unverm\u00f6gen, den fr\u00fcheren vom Imperialismus an den R\u00e4ndern Russlands geschaffenen <em>cordon sanitaire<\/em> zu durchbrechen, verl\u00e4ngerte den zerst\u00f6rerischen B\u00fcrgerkrieg, der insbesondere in den Grenzgebieten des fr\u00fcheren zarstischen Imperiums w\u00fctete.<\/p>\n<p>Der Elan der Revolution zugunsten von Demokratisierung des gesellschaftlichen und politischen Lebens kam angesichts des B\u00fcrgerkrieges, der Intervention zahlreicher ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte \u2013 darunter der USA, Englands, Frankreichs, Japans \u2013 und des wirtschaftlichen Zusammenbruches\u00a0 zum Erliegen. Dabei muss man sich daran erinnern, dass die Bolschewiki ein Land erbten, das bereits am Rande der Aufl\u00f6sung stand.<\/p>\n<p>In dieser Situation einer imperialistischen Einkreisung Russlands, einer sich vertiefenden wirtschaftlichen Katastrophe und der aktiven Sabotage durch die Kapitalisten und die Intelligentsia stellten die regierenden Bolschewisten in Baku im November 1917 fest, \u00abdass nirgendwo eine Regierung unter so komplexen und schwierigen Bedingungen arbeiten m\u00fcsse\u00bb.<\/p>\n<p>Im Verlaufe von 1918 brach die Industrie noch mehr ein. Die Verbindungen zwischen Stadt und Land lagen in Tr\u00fcmmern; Hunger, Krankheit und Demoralisierung breiteten sich wie eine Seuche aus. Die Lebensbedingungen in dem einstigen zaristischen Reich wurden beinahe unbeschreiblich katastrophal und stellten selbst die Krisen der vorhergehenden Periode in den Schatten. Die Arbeiterdemokratie konnte unter solchen Bedingungen kaum \u00fcberleben, geschweige denn aufbl\u00fchen.<\/p>\n<p><strong>Fast nur Feinde der Arbeiterklasse<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten auf folgenden Brief von Yakov Sheikman, einem 27-j\u00e4hrigen bolschewistischen F\u00fchrer in Kasan, einer mehrheitlich muslimischen Stadt an der s\u00fcdlichen Wolga als einer aufrichtigen Beschreibung dieses historischen Momentes hinweisen. Er f\u00fcrchtete, in der Schlacht zu fallen und schrieb an seinen Sohn im Kleinkindalter folgende Zeilen, wo er den Verlauf des Kampfes erl\u00e4utert, f\u00fcr den er sich entschloss, sein Leben zu wagen:<\/p>\n<p><em>Lieber Emi, wir sind also umzingelt. Vielleicht muss ich sterben. Jeden Augenblick erwartet uns die Gefahr. Deshalb entschloss ich mich, dir zu schreiben. Du kannst dir vorstellen, wie schwierig alles war [nach dem Oktober], denn wir mussten gleichzeitig alles niederreissen, alles neu aufbauen und uns der Feinde erwehren, die es an grimmigem Hass gegen uns nicht mangeln liessen. Das ganze Land war in die Flammen des B\u00fcrgerkrieges getaucht\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Die Bourgeoisie und ihre Lakaien zogen \u00fcberall Hinterhalte auf. Die Sabotage nahm unglaubliche Formen und riesige Ausmasse an. Die Intelligentsia, die die Bourgeoisie klaglos unterst\u00fctzte, wollte nicht der Arbeiterklasse dienen. Als ob dies nicht gen\u00fcgte, schloss sie sich einem B\u00fcndnis mit der Bourgeoisie gegen die Arbeiterklasse an\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Die Konterrevolution schlug in Russland schmerzlich zu. Die Sowjetmacht jedoch wehrte die auf sie von allen Seiten niederprasselnden Schl\u00e4ge mutig ab und ging bald in die Offensive. Wo immer unsere Feinde die Oberhand hatten, gab es keine Gnade f\u00fcr uns. Aber wir zeigten ebenfalls keine Gnade.<\/em><\/p>\n<p>Unter solchen Umst\u00e4nden\u00a0 wurde der Prozess der gesellschaftlichen und politischen Demokratisierung schnell den milit\u00e4rischen Anstrengungen, um die Konterrevolution zu besiegen wie auch dem verzweifelten Kampf zur Ern\u00e4hrung der St\u00e4dte und der neugeschaffenen Rote Armee untergeordnet.<\/p>\n<p>Alle Anstrengungen waren auf das politische \u00dcberleben gerichtet \u2013 so \u00a0lange wie m\u00f6glich auszuhalten, bis dass die Arbeitermacht im Westen neue politische Horizonte er\u00f6ffnen w\u00fcrde. Im ehemaligen Zarenreich versank die Selbstverwaltung nun unter der B\u00fcrokratisierung und einem Autoritarismus. Als Sheikman auf diese Dynamik einging, klagte er, dass \u00ab es bei den sowjetischen Beamten eine Menge von Verkommenheit gibt (nicht bei allen nat\u00fcrlich, aber bei vielen) \u00bb.<\/p>\n<p><strong>Das tote Gewicht auf der Arbeiterdemokratie<\/strong><\/p>\n<p>Vergleicht man die verheerenden sozialen Zust\u00e4nde \u00fcber das ganze ehemalige Zarenreich, so wird deren t\u00f6dliches Gewicht auf den politischen Optionen sichtbar.<\/p>\n<p>Die Verfechter der Idee, dass die diktatorische Wende der Russischen Revolution der Strategie Lenins und der Bolschewiki angeblich inh\u00e4rent sei, m\u00fcssen vorerst erkl\u00e4ren, weshalb deren politische Gegner \u2013 einschliesslich russischer und nicht-russischer Liberaler, Nationalisten, gem\u00e4ssigter Sozialisten und der Anarchisten \u2013 zu \u00e4hnlichen antidemokratischen Methoden griffen, wenn sie mit dem B\u00fcrgerkrieg und vergleichbaren politischen Bedrohungen ihrer Herrschaft konfrontiert waren.<\/p>\n<p>Der russische Historiker Vladimir Sapon kommt in seiner neuen Studie \u00fcber den libert\u00e4ren Sozialismus in Russland hinsichtlich des Sturzes der Sowjetdemokratie zum Schluss, dass dieser vor allem den katastrophalen Bedingungen geschuldet sei, die Ende 1918 vorherrschenden:<\/p>\n<p><em>Diese Auffassung wird durch die Tatsache best\u00e4tigt, dass in den Gebieten, wo die Anarchisten und die linken Populisten ihre politische Hegemonie in der Zeit der ersten Sowjetregierung festigten, diese nicht weniger zur Parteiherrschaft neigten als die Bolschewiki in ganz Russland.<\/em><\/p>\n<p>Die Erfahrungen der kurzlebigen finnischen Roten Arbeiterregierung weisen in die selbe Richtung. Die sozialistischen F\u00fchrer Finnlands waren 1918 ideologisch fraglos an die traditionelle Unterst\u00fctzung des orthodoxen Marxismus f\u00fcr Parlamentarismus, allgemeines Wahlrecht und politischer Freiheit gebunden.<\/p>\n<p>Wie dies f\u00fcr die ersten Wochen der Sowjetherrschaft in Zentralrussland galt, so scheute die fr\u00fche Arbeiterregierung Finnlands vor diktatorischen Methoden zur\u00fcck und ging mit ihren politischen Gegnern grossherzig um. Und es w\u00fcrde gr\u00f6sste M\u00fche bereiten, eine demokratischere Verfassung zu finden als diejenige, die durch die finnischen Marxisten nach deren Machtergreifung vom Januar 1918 angenommen wurde.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend die finnischen Sozialisten weiterhin ihre demokratische Theorie und Ziele verteidigten, so waren sie letztendlich doch durch die Dynamik des brutalen B\u00fcrgerkrieges und einer gnadenlosen Konterrevolution gezwungen, zunehmend auf autorit\u00e4re Praktiken zur\u00fcckzugreifen.<\/p>\n<p>Ein erster fr\u00fcher Schritt in diese Richtung war die Schliessung und das Verbot der nicht-sozialistischen Presse im fr\u00fchen Februar. Kurz darauf wurden auch die Zeitungen der gem\u00e4ssigten Sozialisten verboten, die den Januaraufstand und die Rote Arbeiterregierung nicht unterst\u00fctzt hatten.<\/p>\n<p>Nicht wie in Russland blieb die finnische Rote Arbeiterregierung von Anfang bis Ende ein Einparteienstaat, da sich alle anderen Parteien weigerten, deren Legitimit\u00e4t anzuerkennen. Obschon die Zahl ihrer Opfer im Vergleich zu den Weissen verschwindend klein war, so wurde ein roter Terror gegen die Bourgeoisie und ihre Verb\u00fcndeten entfesselt, der \u00fcber 1\u2019500 Leben kostete.<\/p>\n<p>Im Zeitraum von nur wenigen Monaten glich die Regierung zunehmend einer Milit\u00e4rdiktatur. Am 10. April reorganisierte sich die Regierung in einer verzweifelten Anstrengung unter einem hyper-zentralisierten Milit\u00e4rkommando, um die erlittenen Niederlagen r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen; dabei erlangte der F\u00fchrer der Sozialisten, Kullervo Manner, pers\u00f6nliche diktatorische Vollmachten. Die Presse der finnischen Sozialisten argumentierte, dass \u00abKrieg Krieg ist, mit seinen eigenen Gesetzen und seinen eigenen Erfordernissen, die nicht im Einklang stehen mit Erfordernissen der Menschlichkeit\u00bb.<\/p>\n<p>Trotz des zunehmend autorit\u00e4ren Charakters der von Revolution\u00e4ren angef\u00fchrten Regimes im ehemaligen Zarenreich macht es keinen Sinn, die beiden Parteien im B\u00fcrgerkrieg einander gleichzusetzen.<\/p>\n<p>Die diktatorischen Methoden konnten und wurden angewandt, um einander gegen\u00fcberstehende soziale Ordnungen aufrechtzuerhalten oder zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Der Verweis auf den entscheidenden Einfluss der objektiven Bedingungen f\u00fcr die Herausbildung eines autorit\u00e4ren Militarismus auf allen Seiten der blutigen Konflikte dieser Periode jedoch entbindet nicht von der Einsicht, dass die Bolschewiki und die finnischen Sozialisten nach 1917 fragw\u00fcrdige Entscheide getroffen haben.<\/p>\n<p>Darunter beispielsweise die Neigung der Bolschewiki, viele der ad-hoc unter den Bedingungen des B\u00fcrgerkrieges getroffenen diktatorischen Massnahmen theoretisch zu begr\u00fcnden. Obgleich diese Methode der ideologischen Kodifizierung wichtig gewesen sein mag, um die anstehenden Schlachten zu gewinnen, so hatten dadurch die F\u00fchrer und die Kader der Partei gr\u00f6ssere Schwierigkeiten, die B\u00fcrokratie nach dem Ende des B\u00fcrgerkrieges 1921 politisch wirklich herauszufordern.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re hingegen verfehlt, die verpassten Gelegenheiten f\u00fcr eine Demokratisierung nach 1921 zu \u00fcbersch\u00e4tzen, da die B\u00fcrokratisierung von Partei und Staat zu dieser Zeit bereits tief verwurzelt war. \u00dcberdies hatte die wachsende Entfremdung der Sowjetherrschaft und der Bolschewiki von sehr grossen Teilen der Bev\u00f6lkerung \u2013 letztendlich auch von einem Grossteil der Arbeiterklasse \u2013 im Laufe des B\u00fcrgerkrieges zu diesem Zeitpunkt nur mehr wenig Raum gelassen f\u00fcr eine wirkliche Sowjetdemokratie in einem isolierten Russland.<\/p>\n<p><strong>Die reformistischen F\u00fchrer retten die Bourgeoisie<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4re ein anderer Weg m\u00f6glich gewesen? Wie bereits in den vorhergehenden Jahren, so hing das Schicksal der Russischen Revolution grunds\u00e4tzlich ab von einer internationalen Revolution.<\/p>\n<p>Wie die Bolschewiki seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges vorhergesagt hatten, ging \u2013 als Antwort auf die Russische Revolution \u2013 eine Welle von Revolutionen um Europa und die Welt.<\/p>\n<p>So klagte der Oberbefehlshaber der deutschen Armee, dass der \u00abEinfluss der bolschewistischen Propaganda enorm ist\u00bb. Auf der anderen Seite des Globus rief der mexikanische Revolution\u00e4r Ricardo Flores Mag\u00f3n im M\u00e4rz 1918 aus, dass der antikapitalistische Bruch in Russland \u00ab, ob dies nun die Schmeichler des herrschenden Systems der Ausbeutung und des Verbrechens lieben oder nicht, die grosse Weltrevolution ausl\u00f6sen wird, die jetzt an die Tore aller V\u00f6lker pocht\u00bb.<\/p>\n<p>In vielen L\u00e4ndern wankte der Kapitalismus bis ins Jahr 1923 hinein am Rande des Abgrundes. Obzwar heute meistens angenommen wird, dass die Ausrichtung der Bolschewisten auf die Weltrevolution utopisch war, so drohte doch die Erhebung nach dem Kriege die internationale b\u00fcrgerliche Ordnung wirklich zu Fall zu bringen.<\/p>\n<p>Beispielsweise zeigt Brian Porter in seinem neuen Werk \u00fcber Polen zutreffend die Tiefe der antikapitalistischen Herausforderung auf:<\/p>\n<p><em>Die alten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Normen waren diskreditiert und zerst\u00f6rt. Heutzutage nennen wir die Ereignisse von 1917 \u00abdie Russische Revolution\u00bb, zu jener Zeit aber schien es eine echte Chance zu geben, dass es <\/em>die<em> Revolution sei, der Moment der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung, die die alten Zentren der Macht st\u00fcrzen und eine neue Weltordnung schaffen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber die L\u00e4nder Europas und der kolonialen Welt fegten politische Radikalisierung, Streiks und Aufst\u00e4nde. Arbeiter- und Soldatenrevolutionen st\u00fcrzten im November 1918 die Regierungen in Deutschland und \u00d6sterreich. Gleich darauf ergriffen Marxisten f\u00fcr kurze Zeit die Macht in Persien, Bayern und Ungarn. Revolution\u00e4re Arbeiterinnen und Arbeiter kamen dem Sturz der kapitalistischen Herrschaft in Polen (1918-19), \u00d6sterreich (1919), Italien (1919-20), Deutschland (1918-23) und sp\u00e4ter gef\u00e4hrlich nahe.<\/p>\n<p>Dass der Kapitalismus diese revolution\u00e4re Offensive letztenddlich \u00fcberlebte, war nicht unvermeidlich. In der Arbeiterklasse bestand ein starker Wunsch nach einer radikalen Umw\u00e4lzung der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Diese Hoffnungen wurden vor allem durch die F\u00fchrungen der gem\u00e4ssigten Sozialisten blockiert: Als die Arbeiterinnen und Arbeiter zur Tat dr\u00e4ngten, versuchten die B\u00fcrokratien der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften die Ordnung mit allen Mitteln\u00a0 wiederherzustellen. Nicht ohne Grund rief der bolschewistische F\u00fchrer Grigory Zinoviev 1920 aus: \u00abSchaut in den Rest der Welt. Wer rettet die Bourgeoisie? Die sogennanten Sozialdemokraten!\u00bb.<\/p>\n<p>Obschon die fr\u00fchen Kommunisten sicher wichtige Fehler begingen, die ihre M\u00f6glichkeiten zur \u00dcberwindung der Kr\u00e4fte des offiziellen Reformismus untergruben, so muss der Vorwurf f\u00fcr die Niederlage der revolution\u00e4ren Welle von 1918-23 in erster Linie und vor allem an diejenigen Arbeiterf\u00fchrer gerichtet werden, die ihre kapitalistischen Staaten nach dem Kriege unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p>Um die Linke der polnischen sozialistischen Partei zu zitieren, so haben diejenigen, die \u00absich Sozialisten nennen, all ihre Aktivit\u00e4ten gegen den Sozialismus gerichtet\u00bb. Ende 1923 hatten die auf Klassenzusammenarbeit orientierten sozialistischen F\u00fchrer den revolution\u00e4ren Fl\u00e4chenbrand in Deutschland und in ganz Europa entsch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Diese unentehrlichen Anstrengungeen der Moderaten, den Drang der Arbeiterklasse in Richtung eines antikapitalistischen Bruches isolierte die umk\u00e4mpfte Regierung der Arbeiter und Bauern in Russland.<\/p>\n<p>Dieses Ergebniss war bei weitem nicht vorgezeichnet. Die Revolution\u00e4re waren in vielen L\u00e4ndern in Reichweite des Sieges \u00fcber die Reformisten und nahe der F\u00fchrung der Arbeiterklasse zur Macht. Angesichts der sehr fragilen Macht der Bourgeoisie h\u00e4tten sich viele verschiedene \u2013 aber nicht realisierte \u2013 politische Entscheidungen, Aktionen oder Entwicklungen als gen\u00fcgend erweisen k\u00f6nnen, die Weltgeschichte nach 1917 auf einen ganz anderen Pfad zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Indem die revolution\u00e4ren Sozialistinnen und Sozialisten die Lehren aus dieser inspirierenden und tragischen Geschichte ziehen, k\u00f6nnen sie sich besser auf die folgenschweren K\u00e4mpfe der Zukunft vorbereiten.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/socialistworker.org\/2017\/10\/12\/was-stalinism-inevitable\">socialistworker.org&#8230;<\/a> vom 15. Oktober 2017. \u00dcbersetzung und Zwischentitel durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eric Blanc. 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