{"id":2610,"date":"2017-10-18T08:28:14","date_gmt":"2017-10-18T06:28:14","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2610"},"modified":"2018-01-19T17:50:01","modified_gmt":"2018-01-19T15:50:01","slug":"deutschland-32-millionen-menschen-arbeiten-in-mehreren-jobs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2610","title":{"rendered":"Deutschland: 3,2 Millionen Menschen arbeiten in mehreren Jobs"},"content":{"rendered":"<p><em>Elisabeth Zimmermann. <\/em>3,2 Millionen Menschen in Deutschland m\u00fcssen aufgrund des ausgedehnten Niedriglohnbereichs in mehreren Jobs arbeiten, um finanziell \u00fcber die Runden zu kommen. Im Lauf von zehn Jahren ist die Zahl<!--more--> der Mehrfachbesch\u00e4ftigten um etwa eine Million angewachsen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hervor.<\/p>\n<p>2,7 Millionen Besch\u00e4ftigte \u00fcben neben einem sozialversicherungspflichtigen zus\u00e4tzlich einen geringf\u00fcgigen Job aus, 310.000 sogar zwei oder mehr geringf\u00fcgige Jobs. 260.000 arbeiten ausschlie\u00dflich in mehreren geringf\u00fcgigen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen. Bei etwa jedem achten geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigten wird zudem noch der sehr niedrige Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde unterschritten.<\/p>\n<p>Die Gesamtzahl der geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigten steigt seit Jahren kontinuierlich an und umfasst derzeit etwa 7,5 Millionen Menschen. Sie ist vor allem als Folge der Politik der rot-gr\u00fcnen Regierung unter Kanzler Gerhard Schr\u00f6der stark angestiegen. Die 2005 verabschiedeten Hartz-Gesetze schufen die legale Grundlage f\u00fcr zahlreiche neue Formen der Ausbeutung wie Ein-Euro-Jobs, Minijobs, usw.<\/p>\n<p>Minijobber auf 450 Euro-Basis zahlen \u2013 au\u00dfer einem minimalen Betrag in die Rentenversicherung \u2013 keine Sozialabgaben, und selbst von den Beitr\u00e4gen zur Rentenversicherung k\u00f6nnen sie sich befreien lassen, was viele tun. Das senkt nicht nur die Kosten f\u00fcr den Arbeitgeber, sondern garantiert auch ein Alter in Armut.<\/p>\n<p>Die Zahlen \u00fcber den Niedriglohnbereich werfen ein Schlaglicht auf das sogenannte Jobwunder in Deutschland. Die Regierung hebt immer wieder hervor, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten in den vergangenen Jahren von 27 auf 32 Millionen gestiegen sei, was allerdings nichts \u00fcber die H\u00f6he des Verdiensts aussagt.<\/p>\n<p>Insgesamt sind nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes sogar 44,5 Millionen Menschen erwerbst\u00e4tig. Unter den 12,5 Millionen, die nicht sozialversicherungspflichtig sind, befinden sich Millionen, die sich als Selbst\u00e4ndige oder mittels Gelegenheitsjobs mit minimalen Einkommen durchschlagen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Trotz der hohen Besch\u00e4ftigungszahl waren im Monat September 2,5 Millionen Menschen arbeitslos; das entspricht einer Quote von 5,5 Prozent. Hinzu kamen 3.406.000 Unterbesch\u00e4ftigte, die sich in Besch\u00e4ftigungs- oder Weiterbildungsma\u00dfnahmen der Arbeitsagentur befinden oder von kurzfristiger Arbeitsunf\u00e4higkeit betroffen sind.<\/p>\n<p>Ein Artikel auf\u00a0<em>Spiegel Online<\/em>\u00a0entzauberte Ende August das M\u00e4rchen vom \u201edeutschen Jobwunder\u201c. Seit 2010 ist zwar die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen deutlich gestiegen, l\u00e4ngerfristig betrachtet sieht das Ergebnis aber v\u00f6llig anders aus.<\/p>\n<p>Die Arbeitsstunden sind auf dem Niveau von 1991, dem Jahr der deutschen Vereinigung, die Vollzeitstellen deutlich darunter, schreibt\u00a0<em>Spiegel Online<\/em>. \u201eNur die Teilzeitarbeit hat extrem zugelegt, und mit ihr die marginale Besch\u00e4ftigung.\u201c Diese Betrachtung belege die These, \u201ewonach Unternehmen mithilfe der Gesetze neoliberaler Politiker die Arbeit lediglich umverteilt haben \u2013 zum Nachteil vieler Menschen, die von ihrem Job nicht leben und erst recht nicht f\u00fcrs Alter vorsorgen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Insbesondere in Ostdeutschland brach der Arbeitsmarkt in den 1990er Jahren zusammen. Als Folge der Abwicklung der DDR-Industrie sank dort die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen von 1989 bis 1994 um 3,5 Millionen, das ist mehr als ein Drittel. In der Industrie gingen 2,2 von 4,4 Millionen Arbeitspl\u00e4tzen verloren, in der Landwirtschaft 750.000 von 975.000. Neue, zumeist schlecht bezahlte Jobs gab es nur im Dienstleistungsbereich.<\/p>\n<p>Das Anwachsen des Niedriglohnbereichs ist mit einer entsprechenden Zunahme der Armut verbunden. In Ostdeutschland liegt die Quote der Armutsgef\u00e4hrdeten bei 18,4 Prozent, etwas niedriger als vor zehn Jahren (19,2 Prozent). In Westdeutschland stieg sie dagegen im selben Zeitraum von 12,7 auf 15 Prozent.<\/p>\n<p>Als arm gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen muss. Im Jahr 2016 waren dies 969 Euro f\u00fcr einen Ein-Personen-Haushalt und 2035 Euro f\u00fcr eine Familie mit zwei Kindern. Millionen Menschen m\u00fcssen von sehr viel weniger Geld leben.<\/p>\n<p>Armutsspitzenreiter unter den L\u00e4ndern ist Bremen mit 22,6 Prozent, gefolgt von Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin (19,4 Prozent). Bei den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten liegt Dortmund (24,2 Prozent) vor N\u00fcrnberg, Duisburg und Leipzig (22,4 Prozent) an der Spitze.<\/p>\n<p>Besonders stark betroffen sind Alleinerziehende (42,4 Prozent im Westen; 46,9 Prozent im Osten), Menschen mit niedriger Qualifikation (38,9 und 49,1 Prozent) sowie Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Jahren (23,8 und 35,9 Prozent).<\/p>\n<p>Mit der Armut am unteren Ende der Gesellschaft steigt der Reichtum an der Spitze. Ende August z\u00e4hlte Deutschland nach Angabe des Wirtschaftsmagazins\u00a0<em>Bilanz<\/em>\u00a0so viele Milliard\u00e4re wie nie zuvor, insgesamt 195 und damit 25 mehr als im Vorjahr. Laut den Berechnungen des Magazins verf\u00fcgt der deutsche Geldadel \u00fcber ein Gesamtverm\u00f6gen von knapp 1,1 Billionen Euro. Das entspricht rund einem Drittel des deutschen Bruttoinlandsprodukts.<\/p>\n<p>Seit der Verabschiedung der Hartz-Gesetze durch die rot-gr\u00fcne Regierung Schr\u00f6der-Fischer haben alle Bundesregierungen zur Vertiefung der sozialen Kluft beigetragen. Arbeitsminister Franz M\u00fcntefering (SPD) erh\u00f6hte in der ersten Gro\u00dfen Koalition unter Angela Merkel (CDU) das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre. In der zweiten Gro\u00dfen Koalition versch\u00e4rfte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) unter anderem die Sanktionen f\u00fcr Hartz IV-Empf\u00e4nger. Auf L\u00e4nder- und kommunaler Ebene organisieren die SPD und die Linkspartei ebenso wie CDU, CSU und FDP den Sozialabbau und sozialen Niedergang.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/10\/18\/jobs-o18.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 18. Oktober 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elisabeth Zimmermann. 3,2 Millionen Menschen in Deutschland m\u00fcssen aufgrund des ausgedehnten Niedriglohnbereichs in mehreren Jobs arbeiten, um finanziell \u00fcber die Runden zu kommen. 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