{"id":2660,"date":"2017-10-30T20:29:34","date_gmt":"2017-10-30T18:29:34","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2660"},"modified":"2017-10-30T20:29:34","modified_gmt":"2017-10-30T18:29:34","slug":"wer-profitiert-eigentlich-vom-konflikt-in-katalonien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2660","title":{"rendered":"Wer profitiert eigentlich vom Konflikt in Katalonien?"},"content":{"rendered":"<p><em>Ernst Wolff<\/em>. Mit der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung durch das katalanische Parlament hat der Konflikt zwischen den Separatisten in Barcelona und der spanischen Zentralregierung in Madrid am vergangenen Freitag einen neuen H\u00f6hepunkt erreicht. Nachdem es<!--more--> einige Wochen lang so ausgesehen hatte, als ob beide Seiten bem\u00fcht seien, die Wogen zu gl\u00e4tten, droht die Auseinandersetzung nun in offene Gewalt umzuschlagen.<\/p>\n<p>Da schon jetzt feststeht, dass keiner der Kontrahenten als Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen wird, stellt sich die Frage: Wem n\u00fctzt er? Die Antwort ist schwer zu glauben: Der gr\u00f6\u00dfte Nutznie\u00dfer der gegenw\u00e4rtigen Entwicklung ist niemand anderes als der Schuldige an der Misere \u2013 die Finanzindustrie.<\/p>\n<p><strong>Kein europ\u00e4isches Land wurde st\u00e4rker von der Finanzelite gepl\u00fcndert <\/strong><\/p>\n<p>Die separatistische katalanische Bewegung konnte nur deshalb so stark werden, weil die sozialen Gegens\u00e4tze in Spanien in den vergangenen Jahren explodiert sind. Das wiederum ist vor allem auf die hemmungslosen Aktivit\u00e4ten des immer m\u00e4chtiger gewordenen und vor Kriminalit\u00e4t strotzenden spanischen Bankensektors zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Kein anderes Land in Europa hat eine derartige Pl\u00fcnderungsorgie durch die Finanzelite erlebt wie Spanien. Ab 2001 lie\u00dfen Spekulanten nach der Liberalisierung des Bodenrechtes innerhalb von nur sieben Jahren vier Millionen Wohnungen hochziehen. Die Folge: 2008 platzte die bis dahin gr\u00f6\u00dfte Immobilienblase in Europa und st\u00fcrzte Spanien in seine schwerste Krise der Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>Kurz darauf geriet das Land dann auch noch in den Strudel der Eurokrise und wurde unter die Zwangsverwaltung der Troika aus EZB, EU und IWF gestellt. Zusammen mit der Zentralregierung in Madrid erlegte die Troika der arbeitenden Bev\u00f6lkerung ein Sparprogramm auf, das den Lebensstandard breiter Einkommensschichten drastisch senkte. Das Ergebnis war eine gewaltige Volksbewegung gegen die Austerit\u00e4t, die vom Staat mit aller H\u00e4rte unterdr\u00fcckt wurde.<\/p>\n<p><strong>Die Banken wurden mit Samthandschuhen angefasst <\/strong><\/p>\n<p>Anders wurde mit den Banken umgegangen: 2011\u00a0wurden sechs praktisch bankrotte regionale Sparkassen von der Regierung verstaatlicht und zur Gruppe Bankia zusammengeschlossen. Zu ihrem Chef wurde mit Rodrigo Rato (ehemaliger Chef des IWF und von\u00a01996\u00a0bis\u00a02004 spanischer Superminister f\u00fcr Wirtschaft und Finanzen) genau der Mann ernannt, der die Immobilienblase als zust\u00e4ndiger Minister juristisch erm\u00f6glicht hatte.<\/p>\n<p>Die Rettung der Bankia-Gruppe kostete die spanischen Steuerzahler 22,4 Milliarden Euro. Da der anschlie\u00dfende B\u00f6rsengang entt\u00e4uschend verlief, muss ein gro\u00dfer Teil des Geldes als verloren gelten. Rato wird den Verlust nicht mehr als Bankia-Chef miterleben: Er trat nach einem Jahr von seinem Posten zur\u00fcck, kassierte eine Millionenabfindung und wurde 2017 wegen Untreue zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.<\/p>\n<p>Eine weitere Fusion \u2013 die der Bankia mit der Banco Mare Nostrum &#8211; wird die spanischen Steuerzahler mit zus\u00e4tzlichen 1,1 Milliarden Euro belasten. Erst vor kurzem hatte die Gro\u00dfbank Santander 51 Prozent ihres Immobilien-Portfolios zu einem Drittel des Buchwertes an die\u00a0 US-amerikanische Investmentgesellschaft\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/thema\/blackstone\/\">Blackstone<\/a> verkauft und den amerikanischen Finanzgiganten damit zum gr\u00f6\u00dften privaten Immobilienbesitzer Spaniens gemacht \u2013 zu einer Zeit, da zehntausende durch die Krise verarmte Spanier mit Zwangsr\u00e4umungen zu k\u00e4mpfen haben.<\/p>\n<p>Im Juni dieses Jahres \u00fcbernahm die Gro\u00dfbank Santander die Banco Popolar Espanol f\u00fcr den symbolischen Preis von einem Euro, nachdem es zum ersten Mal in Spanien zur Anwendung des seit 2016 in der EU gesetzlich vorgeschriebenen \u201eBail-in\u201c gekommen war. D.h.: Die Aktion\u00e4re der Banco Popolar wurden um 1,3 Milliarden Euro und die Halter bestimmter (nachrangiger) Anleihen um zwei Milliarden Euro erleichtert.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4nderingend gesucht: Eine Ablenkung von den wahren Schuldigen <\/strong><\/p>\n<p>Diese Bail-in-Regelung ist in doppelter Hinsicht ein politischer Sprengsatz: Zum einen bringt sie zahlreiche Kleinaktion\u00e4re um ihr Geld und sorgt damit f\u00fcr zus\u00e4tzlichen Unmut innerhalb der arbeitenden Bev\u00f6lkerung, zum anderen wird sie ein juristisches Nachspiel haben, da einige Hedgefonds bereits angek\u00fcndigt haben, gegen den Verlust ihrer Gelder zu klagen.<\/p>\n<p>Ein solcher Prozess ist f\u00fcr die Banken nat\u00fcrlich sehr gef\u00e4hrlich, da er ein Schlaglicht auf ihre kriminellen Aktivit\u00e4ten werfen und der \u00d6ffentlichkeit vor Augen f\u00fchren w\u00fcrde, dass kein anderes Land der Eurozone in den vergangenen zehn Jahren eine derartige Konzentration im Finanzsektor erlebt hat wie Spanien: Von den 55 Banken, die w\u00e4hrend des Baubooms Kredite vergaben, sind nur noch 13 als selbst\u00e4ndige Einheiten erhalten. Sechzig Prozent aller Spareinlagen entfallen auf die drei gr\u00f6\u00dften Bankengruppen des Landes, die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Banken, die 1998 noch \u00fcber einen Marktanteil von 34 Prozent verf\u00fcgten, haben diesen inzwischen auf 62 Prozent ausgeweitet \u2013 alles mit voller Unterst\u00fctzung der EU und der Zentralregierung in Madrid.<\/p>\n<p>Was kann der Finanzelite in dieser Situation Besseres passieren, als dass eine regionale politische Gruppierung sie aus der Schusslinie nimmt, indem sie die Wut und die Aufmerksamkeit der gesamten spanischen Bev\u00f6lkerung (und der europ\u00e4ischen \u00d6ffentlichkeit) auf einen langsam eskalierenden und m\u00f6glicherweise auf einen B\u00fcrgerkrieg hinauslaufenden Konflikt zwischen Separatisten und Nationalisten lenkt&#8230;?<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.scharf-links.de\/44.0.html?&amp;tx_ttnews%5btt_news%5d=62732&amp;tx_ttnews%5bbackPid%5d=56&amp;cHash=1d361c2505\">scharf-links.de&#8230;<\/a> vom 30. Oktober 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ernst Wolff. Mit der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung durch das katalanische Parlament hat der Konflikt zwischen den Separatisten in Barcelona und der spanischen Zentralregierung in Madrid am vergangenen Freitag einen neuen H\u00f6hepunkt erreicht. 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