{"id":2687,"date":"2017-11-09T12:07:40","date_gmt":"2017-11-09T10:07:40","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2687"},"modified":"2017-11-09T12:07:40","modified_gmt":"2017-11-09T10:07:40","slug":"die-strassen-gehoeren-uns-fuer-immer-generalstreik-in-barcelona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2687","title":{"rendered":"\u201eDie Stra\u00dfen geh\u00f6ren uns f\u00fcr immer\u201c &#8211; Generalstreik in Barcelona"},"content":{"rendered":"<p><em>Hovhannes Gevorkian.<\/em> Schon am fr\u00fchen Mittwochmorgen war der Verkehr rund um Barcelona lahmgelegt. Von kleineren Gewerkschaften sowie den &#8222;Komitees zur Verteidigung der Republik&#8220; (CDR) war zu einem Generalstreik aufgerufen worden, <!--more-->dem weitere Besetzungen und Blockaden folgten. Der zweite Generalstreik im katalanischen Unabh\u00e4ngigkeitskampf weist den Weg zum Sieg f\u00fcr die Selbstbestimmung der katalanischen Nation.<\/p>\n<p>Obwohl auch unter der spanischen Zwangsverwaltung des Spanischen Staates \u00fcber Katalonien politische Streiks verboten sind, wird niemand daran zweifeln, dass der gestrige Generalstreik einen machtvollen politischen Charakter f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung hatte. Wie in Deutschland auch, setzten die Verb\u00e4nde der Bourgeoisie bis zuletzt auf die Klassenjustiz und wollten den Streik verbieten lassen. Doch vergebens, auch weil die kleinen Gewerkschaften CSC und IAC, die den Streik ausgerufen hatten, damit argumentiert hatten, dass nicht wegen der inhaftierten politischen Gefangenen oder zur Verteidigung der Republik gestreikt w\u00fcrde, sondern zur Wahrung von Arbeiter*innenrechten im Zuge der Zwangsverwaltung. Doch weit gefehlt\u2026<\/p>\n<p>\u2026 denn was in Katalonien passierte, war nichts weniger als die Lahmlegung des \u00f6ffentlichen Lebens mit einer ganzen Reihe von Blockaden und Besetzungen. Auf dem H\u00f6hepunkt des Tages waren rund 60 Autobahnen und Landstra\u00dfen von Streikenden blockiert worden, ebenso der Bahnhof von Girona, der fast schon unter dem Kommando der Streikenden war. Auch andere Bahnh\u00f6fe waren blockiert, was unter anderem dazu f\u00fchrte, dass keine Z\u00fcge nach Frankreich oder Madrid fuhren. M\u00fc\u00dfig zu erw\u00e4hnen, dass die Reise per Auto in die angrenzenden Nachbarl\u00e4nder Frankreich und Andorra aufgrund der Blockaden ebenfalls unm\u00f6glich geworden war.<\/p>\n<p>Am Abend fanden dazu noch gr\u00f6\u00dfere Demonstrationen in ganz Katalonien statt, wo wiederum Tausende in Barcelona zusammenkamen, um f\u00fcr die Freilassung der inhaftierten Politiker*innen der\u00a0<em>Generalitat<\/em>\u00a0zu demonstrieren. Diese und die beiden NGO-Anf\u00fchrer Jordi Sanchez und Jordi Cuixart, sind politische Geiseln des unterdr\u00fcckerischen spanischen Regimes, welches \u201enebenbei\u201d am gleichen Tage die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung vom 27. Oktober nun auch offiziell annullierte. Eine chauvinistische Provokation, die wieder einmal zeigt, dass die Unabh\u00e4ngigkeit nicht in den Pal\u00e4sten der\u00a0<em>Generalitat<\/em>, sondern auf den Stra\u00dfen und in den Betrieben, Universit\u00e4ten und Schulen Kataloniens erk\u00e4mpft und verteidigt werden muss.<\/p>\n<p>In diesem Sinne spielen derzeit die \u201eKomitees zur Verteidigung der Republik\u201c eine Schl\u00fcsselrolle, da sie nicht nur die Aktionen vorbereiteten, sondern ein immer h\u00f6heres Ansehen bei den k\u00e4mpfenden Massen genie\u00dfen. Das ist nicht zuletzt Ergebnis der verr\u00e4terischen Positionen der beiden gr\u00f6\u00dften Gewerkschaften UGT und CCOO, die sich nicht dem Streik anschlossen. Es verwundert daher nicht, dass diese ersten Formen der Selbstorganisierung \u2014 die auch am 1. Oktober das Referendum heldenhaft verteidigten \u2014 immer wichtiger werden, sodass gar die Parole \u201eTot el poder als CDR\u201d (\u201eAlle Macht den CDR, den Komitees zur Verteidigung der Republik\u201d) laut wurde.<\/p>\n<p><strong>Ein gro\u00dfer Streiktag \u2026<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 dem viele weitere folgen sollten! Denn der Artikel 155, der von der Rajoy-Regierung angewendet wird und die Autonomie Kataloniens au\u00dfer Kraft setzt, ist immer noch in Kraft und die politischen Gefangenen immer noch und ohne jegliche Vorladung in Untersuchungshaft. Der Pr\u00e4sident der\u00a0<em>Generalitat<\/em>, Carles Puigdemont, wagt sich gar nicht mehr in das Land und befindet sich in Belgien, wo er mit einem internationalen Haftbefehl zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n<p>Doch der Generalstreik zeigte, dass es die Arbeiter*innen sind, welche nun die brennende Fackel der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung in die Hand nehmen m\u00fcssen und gegen die repressive Zentralregierung die katalanische Republik verteidigen m\u00fcssen. Auch gegen jene, die zwar nun Madrid unterstehen, aber eigentlich der\u00a0<em>Generalitat<\/em>\u00a0gehorchen: Die Rede ist von den\u00a0<em>Mossos d\u2019Esquadra<\/em>, der Regionalpolizei, die mit ihren Aktionen heute einmal mehr bewies, auf welcher Seite sie steht, indem sie blockierende Streikende gewaltsam r\u00e4umten. Wiederum ein tiefer Einblick, dass die Polizei ein rein repressives Organ darstellt und keine \u201eArbeiter*innen in Uniform\u201d.<\/p>\n<p>Der katalanische Befreiungskampf hat l\u00e4ngst ein Ausma\u00df erreicht, welches einen der wichtigsten K\u00e4mpfe der letzten Jahrzehnte darstellt. Angesichts dessen, dass mittlerweile von spanischen Rechtsradikalen gar das Verbot der antikapitalistischen CUP gefordert wird, wird es notwendig sein, die CDR weiter auszubauen und weitere Ma\u00dfnahmen zur Verteidigung gegen Angriffe zu treffen, die im Zuge der erzwungenen Neuwahlen am 21. Dezember kommen werden. Es gilt auch, die Gewerkschaften noch st\u00e4rker unter Druck zu setzen, damit sich diese weiteren Streiks anschlie\u00dfen \u2014 und gemeinsam mit allen Arbeiter*innen Kataloniens der Madrider Regierung ein f\u00fcr alle Mal zeigen werden, dass die \u201eStra\u00dfen f\u00fcr immer unsere sein werden\u201d, wie es die Streikenden im Bahnhof von Girona enthusiastisch betonen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-strassen-gehoeren-uns-fuer-immer-generalstreik-in-barcelona\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 9. November 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hovhannes Gevorkian. Schon am fr\u00fchen Mittwochmorgen war der Verkehr rund um Barcelona lahmgelegt. 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