{"id":2689,"date":"2017-11-09T12:41:57","date_gmt":"2017-11-09T10:41:57","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2689"},"modified":"2017-11-09T12:41:57","modified_gmt":"2017-11-09T10:41:57","slug":"tarifrunde-metall-ritual-oder-mobilisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2689","title":{"rendered":"Tarifrunde Metall: Ritual oder Mobilisierung?"},"content":{"rendered":"<p><em>Frederik Haber. <\/em><strong>Die kommende Tarifrunde startet unter neuen politischen Vorzeichen. Die SPD befindet sich nicht mehr an der Regierung; Schwarz, Gelb und Gr\u00fcn sondieren Flexibilisierung und weitere Angriffe. Die g\u00fcnstige Konjunktur hat die Profite<!--more--> der Gro\u00dfkonzerne nach oben getrieben; zugleich bedrohen Dieselskandal, Umstrukturierungen und Digitalisierung Arbeitspl\u00e4tze.<\/strong><\/p>\n<p>Die Forderungen, mit denen die IG Metall in die Tarifrunde gehen will, spiegeln diese widerspr\u00fcchliche Situation wider. Die wichtigsten lauten:<\/p>\n<ul>\n<li>6 Prozent mehr Entgelt<\/li>\n<li>Arbeitszeiten, die zum Leben passen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Darunter ist zu verstehen, dass Besch\u00e4ftigte ihre Lebensarbeitszeit flexibler planen k\u00f6nnen sollen, z. B. indem sie zeitweilig auf eine 28-Stunden-Woche wechseln und dann auf ihr \u201eNormalarbeitsverh\u00e4ltnis\u201c zur\u00fcckkehren d\u00fcrfen.<\/p>\n<ul>\n<li>Entgeltzuschuss f\u00fcr Familie und Gesundheit<\/li>\n<\/ul>\n<p>Besch\u00e4ftigte, die ihre Arbeitszeit reduzieren, um Kinder unter 14 Jahren oder Pflegebed\u00fcrftige zu betreuen, sollen einen Zuschuss von bis zu 200 Euro\/Monat erhalten. SchichtarbeiterInnen und andere gesundheitlich besonders Belastete sollen bis 750,- Euro Zuschuss pro Jahr kriegen<\/p>\n<ul>\n<li>Personalausgleich und Angleichung der Arbeitszeiten im Osten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Richtig schwer hat sich der Apparat der IG Metall getan, bis die Forderungen f\u00fcr die n\u00e4chste Runde standen. Es soll n\u00e4mlich nicht nur um mehr Geld gehen, sondern auch um Arbeitszeit. Sie sollten wirkliche Bed\u00fcrfnisse der Besch\u00e4ftigten aufgreifen \u2013 und zugleich so vage bleiben, dass es der Wettbewerbsf\u00e4higkeit nicht allzu weh tut.<\/p>\n<p>Der Vorstand hatte sich dazu etwas ausgedacht: Besonders belastete Besch\u00e4ftigte sollen die M\u00f6glichkeit erhalten, befristet die Arbeitszeit geringf\u00fcgig zu verk\u00fcrzen \u2013 zum Beispiel SchichtarbeiterInnen.<\/p>\n<p>Es ist was dran, dass diese besonders belastet sind und es in den letzten Jahren noch mehr wurden. Die Takte in der Produktion sind noch mehr verk\u00fcrzt worden, die Arbeit verdichtet sich also. Die Schichten greifen immer mehr die Wochenenden an, Erholung wird schwieriger, soziale Kontakte werden (Familie, Freunde) ge- und zerst\u00f6rt. Zus\u00e4tzlich macht die Erh\u00f6hung des Renteneintrittsalters den Leuten besonders zu schaffen und es ist bekannt, dass Wechselschichten, insbesondere mit Nachtschicht, die Lebenserwartung deutlich senken.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch sonst mehr Belastungen. Die psychischen Erkrankungen nehmen zu, Entlastung ist n\u00f6tig. Die Firmen greifen auch in der Freizeit auf die Menschen zu. Damit stellt sich die Frage: Warum keine generelle Arbeitszeitverk\u00fcrzung? Mit Industrie 4.0 sollen nach unterschiedlichen Berechnungen 40 bis 70 % alle Arbeitspl\u00e4tze bedroht sein. Das w\u00e4re ein zus\u00e4tzlich guter Grund ebenso wie die anhaltende Arbeitslosigkeit in Europa.<\/p>\n<p><strong>30-Stunden-Woche? Warum nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Allgemeine Arbeitszeitverk\u00fcrzung ist in der IG Metall, die einst die 35 Stunden mit Streik durchgesetzt hat, ein Tabu geworden. Die Spitzen der Gewerkschaft und die Betriebsr\u00e4te sind so in Standortdenken verhaftet und um die Position der deutschen Metallindustrie im internationalen Wettbewerb bem\u00fcht, dass sie diesen Gedanken gar nicht zulassen \u2013 und schon gar nicht den Gedanken daran, europaweit oder international f\u00fcr Arbeitszeitverk\u00fcrzung zu k\u00e4mpfen!<\/p>\n<p>Sie verweisen auch gerne auf die \u201eunterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse\u201c. Dann werden immer die jungen IngenieurInnen erw\u00e4hnt, die alle 40-Stunden-Vertr\u00e4ge h\u00e4tten und ganz gerne noch l\u00e4nger arbeiten w\u00fcrden. Die gibt es, die gab\u00b4s auch schon fr\u00fcher, die nehmen anteilm\u00e4\u00dfig zu, weil die Produktionsarbeitspl\u00e4tze schrumpfen, aber sie sind eine Minderheit. Und obwohl die Betriebsr\u00e4te wie die IG Metall schon bisher sehr kreativ waren, M\u00f6glichkeiten zu schaffen, z. B. Stunden auf Langzeitkonten zu bunkern, nehmen sie die vergleichsweise privilegierte Minderheit, die sowieso kaum in der Gewerkschaft organisiert ist, zum Ma\u00dfstab ihrer Argumentation. Dies ist auch deshalb perfide, weil der Druck auch f\u00fcr diese Gruppe enorm zunimmt und die Notwendigkeit einer allgemein verbindlichen Arbeitszeitverk\u00fcrzung ohne \u201eflexible\u201c Ausnahmen auch f\u00fcr diese immer dringlicher wird.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind die realen Arbeitszeiten f\u00fcr die Mehrheit der tariflich Besch\u00e4ftigten ohnedies l\u00e4nger als 35 Wochenstunden im Westen bzw. 38 Stunden im Osten. Standortsicherungsvertr\u00e4ge und andere Sondervereinbarungen haben fast \u00fcberall die Arbeitszeiten \u00fcber die 35 gedr\u00fcckt. Lediglich f\u00fcr die Stammbelegschaften in der Autoindustrie und in Teilen der gro\u00dfen Zulieferer gilt die 35 noch fl\u00e4chendeckend. Die aktuelle Befragung der IG Metall hat f\u00fcr die Tarifgebiete West ergeben, dass zwar rund 65 % der Besch\u00e4ftigten eine tarifliche Arbeitszeit von 35 Stunden oder weniger haben. Fast 70 % wollen aber eine Arbeitszeit von h\u00f6chstens 35 Stunden, davon fast 20 % weniger als 35.<\/p>\n<p><strong>Hauptvorstand ohne Realit\u00e4tsbezug<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat die Befragung der IG Metall-Spitze aber auch Zustimmung zu ihrer Forderung nach einer \u201everk\u00fcrzten Vollzeit\u201c ergeben. Die grundlegenden Probleme der Besch\u00e4ftigten werden damit jedoch nicht angegangen. Eine Verk\u00fcrzung der tariflichen und der realen Arbeitszeiten ist nicht nur objektiv n\u00f6tig, sondern w\u00fcrde auch die Zustimmung der Mitglieder erhalten, wenn sie damit verbunden w\u00fcrde, die ganzen \u00dcberschreitungsvereinbarungen zur\u00fcckzunehmen und den Druck, immer mehr Arbeit mit immer weniger Leuten zu stemmen, zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Diese Diskrepanz zwischen dem Plan der IGM-F\u00fchrung und der Realit\u00e4t in der Arbeitswelt war so gro\u00df, dass im Vorlauf zu dieser Forderung etliche Sitzungen der Gro\u00dfen Tarifkommissionen und eine \u201eArbeitszeitkonferenz\u201c n\u00f6tig waren, um den Willen der Frankfurter Zentrale durchzusetzen. Selbst brave Betriebsratsb\u00fcrokratInnen sahen keinen Sinn in einer solchen Forderung, die \u2013 sollte sie durchkommen \u2013 nichts als eine kleine Nettigkeit f\u00fcr wenige ist, im h\u00f6chsten Fall mit Teillohnausgleich in besonderen F\u00e4llen wie belastender Arbeit oder famili\u00e4rer Pflege.<\/p>\n<p>So kamen Forderungen auf wie \u201e5 Tage zus\u00e4tzlich frei f\u00fcr alle\u201c \u2013 eine Forderung, die auf jeden Fall mobilisierungsf\u00e4higer w\u00e4re, oder nach dem Recht f\u00fcr Betriebsr\u00e4te, bei der Personalbemessung mitreden zu k\u00f6nnen. So wurde zum Beispiel vorgeschlagen, dass bei vielen \u00dcberstunden oder hohen Stundenkonten Neueinstellungen verpflichtend werden m\u00fcssten. Das w\u00e4re eine \u201eSache der Politik\u201c, entgegneten die Spitzenb\u00fcrokratInnen. Dabei f\u00fchrt ver.di an den Krankenh\u00e4usern gerade darum einen Tarifkampf. Der Apparat war letztlich zwar gezwungen, diese Idee mit in die Forderungen aufzunehmen, aber so vage, dass sie im ersten Vorgespr\u00e4ch mit dem Unternehmerverband fallengelassen werden d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Im Osten f\u00fcr die 35<\/strong><\/p>\n<p>Ebenfalls mit aufnehmen musste er die Forderung aus dem Osten, die 35-Stunden-Woche endlich wieder anzugehen. Dort werden noch immer 38 Stunden pro Woche gearbeitet. Hier spielte sich eine Schlacht in der Gewerkschaft ab, und das d\u00fcrfte der gr\u00f6\u00dfte Erfolg der Basis innerhalb der IG Metall seit dem von unten erzwungen Streik in der Tarifrunde 2003 sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Mecklenburg-Vorpommern als Teil des Bezirks K\u00fcste sowie Sachsen-Anhalt im Verbund mit Niedersachsen und Th\u00fcringen als Teil des Bezirks Mitte der Apparat die Forderung nach Arbeitszeitverk\u00fcrzung unterdr\u00fccken konnte, gelang dies im Tarifgebiet Berlin-Brandenburg-Sachsen (BBS) nicht. Gegen den Willen des vom Vorstand eingesetzten Bezirksleiters fassten die dortigen Gremien die entsprechenden Beschl\u00fcsse. Wo immer sie die Gelegenheit hatten, bei der Bundesvertrauensleutekonferenz oder der Arbeitszeitkonferenz, ergriffen VertreterInnen aus BBS das Wort. Die Informationssperre des Vorstands \u2013 kein Wort in der \u201emetall\u201c-Zeitung, kein Wort in den Berichten der westdeutschen Bezirksleitungen an die Tarifkommissionen \u2013 konnte so durchbrochen werden.<\/p>\n<p>Zwei Pfeile haben die Spitzen-B\u00fcrokratInnen noch im K\u00f6cher, um den Kampf f\u00fcr diese Forderung zu unterlaufen:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein schneller Abschluss: Die Laufzeit f\u00fcr die 38 Stunden in BBS endet ein halbes Jahr sp\u00e4ter als die K\u00fcndigungsfristen der Manteltarifvertr\u00e4ge, die auch die Arbeitszeit regeln. Deren K\u00fcndigungsfristen hat die IG Metall jetzt gemeinsam mit Gesamtmetall noch harmonisiert \u2013 ausdr\u00fccklich ohne BBS. Ein schneller Abschluss lie\u00dfe BBS allein im Regen stehen.<\/li>\n<li>Spaltung: Nat\u00fcrlich ist der Druck bei den Autoherstellern BMW, Porsche und VW h\u00f6her als in anderen Betrieben im Osten. Jetzt lanciert der Vorstand eine \u201ebetriebliche L\u00f6sung\u201c bei der dortigen Arbeitszeit \u2013 und w\u00fcrde damit die Tarifeinheit zerst\u00f6ren, indem die kampfkr\u00e4ftigsten Belegschaften Verbesserungen erhalten und die anderen im Stich gelassen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Warum das Ganze?<\/strong><\/p>\n<p>Warum ist der Apparat diesen Weg gegangen? M\u00f6glicherweise hat die Frankfurter Spitze tats\u00e4chlich den Widerstand von unten und vor allem aus dem Osten untersch\u00e4tzt. Aber die langfristige Planung zeigt, dass sie durchaus auf einiges vorbereitet war.<\/p>\n<p>Das ganze Vorgehen l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass der F\u00fchrung klar war, dass sie irgendwann um das Thema Arbeitszeit nicht rumkommt. Die Vertr\u00e4ge sind seit Jahren k\u00fcndbar. Will sie Ruhe an dieser Front, muss sie sie jetzt neu aushandeln und dann mit langer Laufzeit die Manteltarife zumachen, die die Arbeitszeiten regeln. Dazu hat sie sich eine Forderung ausgedacht, die den KapitalistInnen nicht wirklich weh tut \u2013 so sehr die jetzt auch heulen. Auch das geh\u00f6rt zum Ritual Tarifrunde.<\/p>\n<p>Die K\u00fcndigung der Manteltarifvertr\u00e4ge erlaubt es den Arbeit\u201egeber\u201cverb\u00e4nden, ihrerseits Forderungen aufzustellen, die den MetallerInnen weh tun und gegen die es zu k\u00e4mpfen lohnt -, was dann die k\u00e4mpferischen MetallerInnen auch tun werden.<\/p>\n<p>Dazu sind seit dem letzten Gewerkschaftstag auch Eintages-Streiks m\u00f6glich. Bis dahin war es \u00fcblich, dass Belegschaften f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit die Arbeit niederlegten. Was im Einzelhandel ein sinnvolles Mittel ist, weil es die Betriebsabl\u00e4ufe kurzfristig st\u00f6rt, bis die L\u00e4den ihre Ersatzleute besorgt haben, ist in der Auto-Industrie vom Management durchaus planbar und kann dann durch anschlie\u00dfende Zusatzschichten wieder ausgeglichen werden. Zur Forderung, die m\u00f6glichst vage bleibt, gesellt sich die Streikform, die m\u00f6glichst wenig weh tut und auch leichter von oben kontrolliert werden kann. Die wird aber trotzdem mit Sicherheit befolgt werden \u2013 was bleibt k\u00e4mpferischen KollegInnen denn anderes \u00fcbrig?<\/p>\n<p>Ganz anders als die Arbeitszeitforderung wurde die Entgeltforderung sehr schnell durchgedr\u00fcckt ohne viel Zeit zur Diskussion. Es ist jetzt schon zu bef\u00fcrchten, dass jeglicher \u201eErfolg\u201c bei der Arbeitszeit auf das Lohnergebnis angerechnet werden d\u00fcrfte, das zugleich \u2013 wie zuletzt \u00fcblich \u2013 mit Laufzeit und mehreren Stufen so gestaltet werden d\u00fcrfte, dass es kaum nachzurechnen geht.<\/p>\n<p><strong>Der Feind im eigenen Haus<\/strong><\/p>\n<p>Ganz sicher wird der Apparat alles tun, um den Kampf f\u00fcr die 35 im Osten an die Wand zu fahren. Erstens, weil das Niedriglohngebiet Ost f\u00fcr das deutsche Kapital erhalten bleiben soll und die B\u00fcrokratie darum keinen Gro\u00dfkonflikt will, zweitens, weil die unbotm\u00e4\u00dfigen Funktion\u00e4rInnen gezeigt bekommen sollen, wer die Macht hat. Die Rache des Apparates folgt m\u00f6glicherweise auf dem Fu\u00df.<\/p>\n<p>GewerkschafterInnen aus allen Branchen und aus allen Regionen k\u00f6nnen und m\u00fcssen deshalb den Kampf f\u00fcr die 35 im Osten unterst\u00fctzen. Der beispiellose Verrat am Streik 2003 durch die Gesamtbetriebsratsf\u00fcrsten aus der Autoindustrie muss allen eine Warnung sein. W\u00e4hrend damals aber die IGM-F\u00fchrung unter Peters den Streik immerhin, wenn auch halbherzig, f\u00fchrte, wird die heutige F\u00fchrung unter Hoffmann alle Mittel nutzen, den Kampf zu verhindern und \u2013 falls das misslingt \u2013 zu sabotieren.<\/p>\n<p>Eine gute Chance bietet sich also f\u00fcr alle k\u00e4mpferischen und oppositionellen MetallerInnen, ihre Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln, m\u00f6glichst vielen die Augen zu \u00f6ffnen, wo und wof\u00fcr die Metall-F\u00fchrung steht, und gemeinsam eine Opposition in der Gewerkschaft aufzubauen. Unmittelbar wird es nicht mehr m\u00f6glich sein, die Forderungen zu \u00e4ndern, mit denen die IG Metall in die Tarifrunde geht, auch wenn sie vage gehalten und die nach \u201everk\u00fcrzter Vollzeit\u201c weit hinter dem zur\u00fcckbleibt, was n\u00f6tig w\u00e4re. Auch f\u00fcr diese Forderungen muss jedoch gek\u00e4mpft werden, genauso wie f\u00fcr die 6 %.<\/p>\n<p>Jede Versch\u00e4rfung der Tarifrunde durch die UnternehmerInnen sollte zum Anlass genommen werden, seitens der IG Metall eine Schippe draufzulegen \u2013 f\u00fcr eine allgemeine Verk\u00fcrzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich!<\/p>\n<p>Sollte es zu den Eintages-Streiks kommen, m\u00fcssen es die Vertrauensleute bzw. die Mitglieder sein, die \u00fcber eine Teilnahme entscheiden \u2013 nicht die B\u00fcrokratInnen der Ortsvorst\u00e4nde, die jetzt schon festlegen, wer streiken darf und wer nicht. Wenn diese Strukturen dar\u00fcber entscheiden k\u00f6nnen, ist es auch leichter m\u00f6glich, Streiks auszuweiten \u2013 sowohl was die L\u00e4nge wie auch die Breite der Beteiligung betrifft.<\/p>\n<p>Die Tarifrunde 2018 birgt n\u00e4mlich durchaus eine m\u00f6gliche politische Sprengkraft vor dem Hintergrund einer neuen Regierung und des Kampfes um die 35-Stundenwoche im Osten. F\u00fcr die B\u00fcrokratie steht offenkundig im Vordergrund, zu verhindern, dass die Aktionen \u00fcber ein Dampf Ablassen hinausgehen oder dass sie die Kontrolle auch nur partiell verliert wie beim Aufstellen der Arbeitszeitforderung im Osten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Revolution\u00e4rInnen gilt es, allen k\u00e4mpfenden KollegInnen zu helfen, die Kontrolle zu bekommen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Kontrolle \u00fcber den Kampf dadurch, dass die Entscheidung \u00fcber die Aktionen bei der Belegschaft, den Gewerkschaftsmitgliedern und von ihnen gew\u00e4hlten Streikkomitees oder ihren VertreterInnen, den Vertrauensleuten, liegt.<\/li>\n<li>Die Kontrolle \u00fcber die Arbeitszeit: Die Besch\u00e4ftigten m\u00fcssen in ihren Abteilungen Forderungen nach mehr Personal zur Entlastung der Arbeitenden aufstellen. Die Betriebsr\u00e4te m\u00fcssen sich das zu eigen machen. Die Strategie der Konzernf\u00fchrung, \u00fcberall noch mehr aus den Menschen rauszupressen, muss von der Gewerkschaft generell bek\u00e4mpft werden \u2013 nicht mit Trostpflastern f\u00fcr die, die nicht mehr k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Zusammenlegung und enge Koordinierung des Kampfs um Entgelt, Arbeitszeitregelung im Westen mit dem um Verk\u00fcrzung auf 35 Stunden im Osten \u2013 dazu braucht es Kontrolle \u00fcber die Kampftaktik und \u00fcber etwaige Verhandlungen. Kein Abschluss, kein Aussetzen von Aktionen ohne Zustimmung der Basis!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Forderungsdebatte in der IG Metall hat auch gezeigt, wie weit der Apparat inzwischen von der Realit\u00e4t der Betriebe weg ist. Die F\u00fchrung will offenkundig die Tarifrunde nicht zu hitzig werden lassen. Umgekehrt liegt gerade im Kampf um die 35-Stundenwoche auch eine enorme Sprengkraft, da diese Forderung sicher nur mit l\u00e4ngeren, fl\u00e4chendeckende Streiks und Solidarit\u00e4tsstreiks im ganzen Bundesgebiet durchgesetzt werden kann. Ein solcher Erfolg h\u00e4tte weit \u00fcber den Landesteil und die Branche hinausreichende Folgen. Er wird aber auch davon abh\u00e4ngen, dass sich alle, die konsequent daf\u00fcr k\u00e4mpfen wollen, organisieren, koordinieren, die notwendige Politik in den Gewerkschaften durchsetzen \u2013 kurzum, dass sie beginnen, sich als eine klassenk\u00e4mpferische Opposition zu formieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2017\/11\/08\/tarifrunde-metall-ritual-oder-mobilisierung\/\">Neue Internationale 224, November 2017&#8230;<\/a> vom 9. November 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frederik Haber. Die kommende Tarifrunde startet unter neuen politischen Vorzeichen. 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