{"id":2705,"date":"2017-11-15T09:13:55","date_gmt":"2017-11-15T07:13:55","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2705"},"modified":"2017-11-15T09:13:55","modified_gmt":"2017-11-15T07:13:55","slug":"60-000-faschisten-marschieren-durch-warschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2705","title":{"rendered":"60.000 Faschisten marschieren durch Warschau"},"content":{"rendered":"<p><em>Clara Weiss.\u00a0<\/em>Am Samstag den 11. November versammelten sich mindestens 60.000 faschistische Demonstranten aus Polen, Ungarn und der Slowakei in der polnischen Hauptstadt Warschau. Aus Anlass des polnischen \u201eUnabh\u00e4ngigkeitstags\u201c<!--more--> veranstalteten sie die gr\u00f6\u00dfte rechtsradikale Demonstration seit dem Sturz des Nationalsozialismus. Einige Meldungen sprechen sogar von 100.000 Teilnehmern.<\/p>\n<p>Die Kundgebung wurde von einer Reihe rechtsradikaler Gruppen organisiert, darunter das polnische National-Radikale Camp, die Nationale Bewegung und die Allpolnische Jugend, die allesamt antisemitisch und wei\u00dfe Rassisten sind. Die historischen Vorl\u00e4ufer dieser Gruppen waren in den 1930er-Jahre f\u00fcr gewaltt\u00e4tige antisemitische Pogrome verantwortlich und halfen den Nazis w\u00e4hrend der deutschen Besatzung, Juden zu jagen, sogar als sie selbst von den Nazis verfolgt wurden.<\/p>\n<p>Die Parolen auf der Kundgebung forderten im Endeffekt eine ethnische S\u00e4uberung Europas. Auf den Transparenten stand: \u201eEin wei\u00dfes Europa br\u00fcderlicher V\u00f6lker\u201c, \u201eEuropa wird wei\u00df oder entv\u00f6lkert\u201c, \u201eReines Polen, wei\u00dfes Polen!\u201c, \u201eTod den Feinden des Vaterlands\u201c, \u201eBetet f\u00fcr den islamischen Holocaust\u201c und \u201eFl\u00fcchtlinge, verschwindet!\u201c Die Demonstranten schwenkten polnische Fahnen und trugen brennende Fackeln. Manche zeigten auch die Falanga, das wichtigste Symbol des polnischen Faschismus.<\/p>\n<p>Zur Demonstration waren Tausende von Faschisten und Ultranationalisten aus anderen L\u00e4ndern angereist, darunter aus Schweden, Ungarn und der Slowakei. Der bekannte amerikanische wei\u00dfe Rassist Richard Spencer wurde eingeladen, um auf der Kundgebung eine Rede zu halten, war aber offensichtlich von der polnischen Regierung an der Einreise gehindert worden.<\/p>\n<p>Nichts an dieser Demonstration war spontan oder zuf\u00e4llig. Sie war eine sorgf\u00e4ltig geplante Provokation und Machtdemonstration der osteurop\u00e4ischen Rechtsradikalen, die zum Ziel hatte, alle einzusch\u00fcchtern, die die Rechtswende in der europ\u00e4ischen und internationalen Politik und die immer fieberhafteren Kriegsvorbereitungen ablehnen. Sie wurde bewusst in einer Stadt inszeniert, die 1944 von der Deutschen Wehrmacht fast v\u00f6llig zerst\u00f6rt und deren j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung in Auschwitz und Treblinka vernichtet wurde. Unter der Nazi-Besatzung kamen in Polen f\u00fcnf Millionen Menschen um, drei Millionen davon Juden. Au\u00dferdem war es der Hauptstandort f\u00fcr die industrielle Vernichtung des europ\u00e4ischen Judentums.<\/p>\n<p>Die faschistischen Gruppen, die sich in Warschau unverfroren und provokativ produzierten, wurden sowohl von rechten Regierungen als auch dem US-Imperialismus unterst\u00fctzt und sogar bewaffnet.<\/p>\n<p>Das Motto der Demonstration lautete: \u201eWir wollen Gott\u201c. Das ist eine Zeile aus einem alten religi\u00f6sen polnischen Lied, das US-Pr\u00e4sident Trump w\u00e4hrend seines Besuchs in Warschau im Juli zitiert hatte. Wie die WSWS damals erkl\u00e4rte, heizte Trump damit in der Rede, mit der er seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr Antisemitismus, Nationalismus, Katholizismus und wei\u00dfen Rassismus signalisierte, bewusst faschistische Stimmungen und religi\u00f6sen Fanatismus an.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus signalisierte Trump w\u00e4hrend seines Besuchs die volle Unterst\u00fctzung des Wei\u00dfen Hauses f\u00fcr die Pl\u00e4ne der polnischen Recht- und Gerechtigkeits-Regierung (PiS), eine sogenannte Intermarium-(Zwischen den Meeren)-Allianz von Staaten Osteuropas zu schaffen, die sich sowohl gegen Russland als auch gegen Deutschland richtet. Historisch gingen die Pl\u00e4ne f\u00fcr eine solche Allianz immer von Polen aus, das versuchte zu einer Regionalmacht zu werden, indem es sich auf faschistische und ultranationalistische Gruppen in Osteuropa st\u00fctzte, darunter in der Ukraine, Rum\u00e4nien und in der Slowakei. An diese Gruppen richtete sich der Appell Trumps bei seiner Rede, und sie haben das sehr wohl verstanden.<\/p>\n<p>Schon vor dem Amtsantritt der Trump-Regierung hat die US-Regierung daran gearbeitet, die Rechtsextremen \u00fcberall in Osteuropa, insbesondere in der Ukraine, zu st\u00e4rken. Der von den USA inszenierte Putsch in Kiew im Februar 2014 st\u00fctzte sich stark auf die faschistischen Gruppen des Landes. Im aktuellen B\u00fcrgerkrieg, der das Land seitdem verw\u00fcstet, wurde ihnen so gut wie freie Hand gelassen. Gruppen wie das Regiment Asow, das beim Putsch eine wichtige Rolle gespielt hat, wurden eingesetzt, um gegen die separatistischen Truppen in der Ostukraine zu k\u00e4mpfen und die lokale Bev\u00f6lkerung zu terrorisieren. Wie so viele rechtsradikale Gruppen in der Region unterst\u00fctzt das Regiment Asow offen die Wiederbelebung der Intermarium-Allianz.<\/p>\n<p>Die Recht- und Gerechtigkeits-Regierung in Warschau hat ihren Teil dazu beigetragen, die Rechtsextremen zu st\u00e4rken, seit sie im Herbst 2015 die Mehrheit im Parlament errungen hat. Sie verbreitet ununterbrochen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit, Antisemitismus, Nationalismus und Militarismus. Dar\u00fcber hinaus gibt es in diesem Land mit weniger als 40 Millionen Einwohnern sch\u00e4tzungsweise 400.000 Menschen, die Mitglied in paramilit\u00e4rischen Organisationen sind, die von rechtsradikalen Ideologien beherrscht werden. Das Verteidigungsministerium hat vor, diese Gruppen zu bewaffnen und sie in eine paramilit\u00e4rische Miliz zu integrieren, die parallel und in gewissem Ma\u00dfe im Gegensatz zu den regul\u00e4ren Streitkr\u00e4ften des Landes aufgebaut wird.<\/p>\n<p>Es ist deshalb kein Zufall, dass der polnische Innenminister Mariusz B\u0142aszczak die Demonstration lobte: \u201eEs war ein herrlicher Anblick. Wir sind stolz darauf, dass so viele Polen sich entschieden haben, an einer Feier zum Unabh\u00e4ngigkeitstag teilzunehmen.\u201c Andere Teile der polnischen Regierung, darunter auch das Au\u00dfenministerium, \u00e4u\u00dferten sich in \u00e4hnlicher Weise.<\/p>\n<p>Der polnische Pr\u00e4sident Andrzej Duda verurteilte die Demonstration und erkl\u00e4rte, es gebe in Polen keinen Platz f\u00fcr Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und Nationalismus. Angesichts wachsender sozialer und politischer Opposition gegen die PiS-Regierung, hat Duda im Verlauf des letzten Jahres versucht sich von der Politik der Regierung zu distanzieren. Er selbst tr\u00e4gt jedoch auch Verantwortung daf\u00fcr. Er war nicht nur eine entscheidende St\u00fctze der Regierung, indem er die Rolle des vermittelnden Puffers zwischen der Regierung und der Opposition \u00fcbernommen hat. Er war auch einer der ersten, der den Aufbau einer Allianz im Stil des Intermariums als offizielle Regierungspolitik verk\u00fcndete, als er im Sommer 2015 zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p>Das Wiedererstarken der extremen Rechten in Osteuropa, das Schauplatz einiger der gr\u00f6\u00dften Verbrechen in der Geschichte der Menschheit war, die von den deutschen Nationalsozialisten und ihren lokalen faschistischen Verb\u00fcndeten ver\u00fcbt wurden, ist eine dringende Warnung an die internationale Arbeiterklasse. Wie in den 1930er-Jahren bereitet sich die Bourgeoisie auf Krieg und die Unterdr\u00fcckung der sozialen Revolution vor, indem sie die extreme Rechte aufbaut.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/11\/15\/pola-n15.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 15. November 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Clara Weiss.\u00a0Am Samstag den 11. November versammelten sich mindestens 60.000 faschistische Demonstranten aus Polen, Ungarn und der Slowakei in der polnischen Hauptstadt Warschau. 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