{"id":2736,"date":"2017-11-18T16:51:45","date_gmt":"2017-11-18T14:51:45","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2736"},"modified":"2017-11-18T16:51:45","modified_gmt":"2017-11-18T14:51:45","slug":"glace-beton-besetzungen-gentrifizierung-und-widerstand-in-zuerich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2736","title":{"rendered":"Glac\u00e9, Beton, Besetzungen \u2013 Gentrifizierung und Widerstand in Z\u00fcrich"},"content":{"rendered":"<p><em>Miriam Damari. <\/em><strong>In Z\u00fcrich thematisiert ein B\u00fcndnis mittels Plakatkampagne die verschiedenen \u00abGesichter der Aufwertung\u00bb und ruft zu einer Demonstration auf. Liegt der Hauptfokus hierbei auf den innerst\u00e4dtischen Quartieren, zeigt ein Blick<!--more--> nach Z\u00fcrich-Nord ebenfalls eine rasant voranschreitende Stadtaufwertung. Wo fr\u00fcher Fabriken standen, will die Stadt hoch hinaus und l\u00e4sst nun B\u00fcrot\u00fcrme aus Glas und Beton das Stadtbild dominieren \u2013 mit weitreichenden Folgen f\u00fcr das ehemalige Arbeiter*innenquartier und seine Bev\u00f6lkerung.<\/strong><\/p>\n<p>Oerlikon. Von Baul\u00e4rm untermalt reckt sich der Andreasturm bedrohlich hinter den Gleisen empor. Obwohl noch nicht fertig, verspr\u00fcht er bereits den diskreten Charme von Anz\u00fcgen und Champagnergl\u00e4sern. Kein Wunder, stammt dieses Prachtexemplar neoliberaler Stadtaufwertung doch von denselben Architekt*innen, die schon den Primetower entworfen haben. Der Andreasturm ist ein Projekt der SBB-Immobilien. Die SBB-Immobilien haben den Leistungsauftrag, Profit f\u00fcr die eigene Kasse zu machen. Dies tun sie aber mit st\u00e4dtischem Boden und mit Beseitigungen baurechtlicher H\u00fcrden durch die Stadt.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.e-periodica.ch\/digbib\/view?pid=hoc-001:2010:23::17#21\">So bem\u00e4ngelt zum Beispiel auch die Architekturzeitschrift\u00a0<em>Hochparterre<\/em>, dass die SBB-Immobilien in diesem \u2013 wie auch in vielen anderen F\u00e4llen \u2013 als Staatsbetrieb von der \u00d6ffentlichkeit profitieren, dieser aber nichts zur\u00fcckgebe (z.B. mit Genossenschaftswohnungen)<\/a>. Abgesehen von 20\u2019000 m2 B\u00fcrofl\u00e4chen schafft die SBB weitere Raumangebote f\u00fcr Verkauf und Gastronomie. Die Beschreibung des Andreasturms liest sich wie ein neoliberaler Traum. Er sei repr\u00e4sentativ in der Ausstrahlung, flexibel nutzbar und optimal zu erreichen. Anders sieht das eine Passantin mit Kinderwagen: \u00abWas sicher ist, ist dass es viel mehr Verkehr geben wird und das Oerlikon voller wird. Wie und ob die Quartiere negativ beeinflusst werden, kann ich im Moment zwar noch nicht sagen, aber denkbar ist es. Und kinderfreundlich ist der vermutlich auch nicht.\u00bb Ob B\u00fcrot\u00fcrme f\u00fcr die SBB-Immobilien mehr rentieren als Wohnt\u00fcrme, ist unklar.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/zuerich\/stadt\/viele-leere-verkaufsraeume\/story\/24239957\">Dass jedoch umgerechnet bereits neun Andreast\u00fcrme an B\u00fcrofl\u00e4che in Z\u00fcrich leer stehen, zeigen die Statistiken.<\/a><\/p>\n<p><strong>Steiler Aufstieg eines Bauerndorfs<\/strong><\/p>\n<p>War Oerlikon noch bis Anfang dieses Jahrtausends das Ausweichgebiet f\u00fcr die aus der Stadt Verdr\u00e4ngten, werden diese nun durch die voranschreitende Entwicklung noch weiter in die Peripherie vertrieben. Doch beginnen wir fr\u00fcher: Oerlikon hat sich im 20. Jahrhundert rasant entwickelt, von einer kleinen Gemeinde zum Knotenpunkt Z\u00fcrich-Nord innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit. Als Dorf wurde auch Oerlikon Mitte des 19. Jahrhunderts von der Industrialisierung ergriffen. Gleisanlagen und ein kleiner Bahnhof wurden errichtet, und n\u00f6rdlich davon entstand eine Industriezone. Begonnen hat diese mit der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO), aus welcher sp\u00e4ter die Oerlikon B\u00fchrle entstand, die u. a. Waffen an Nazi-Deutschland lieferte. Diese industrielle Entwicklung zog Arbeiter*innen nach Oerlikon, und die Gemeinde auf der anderen Gleisseite verst\u00e4dterte. Oerlikon legte seither einen steilen Aufstieg an den Tag. Als die Fabriken langsam ausgelagert wurden und Industriebrachen \u00fcbrigblieben, wurde f\u00fcr Oerlikon-Nord Ende des 20. Jahrhunderts ein neuer Plan zur Gestaltung von Neu-Oerlikon ausgearbeitet und 1995 mit dessen Umsetzung begonnen. Aus dem Nichts wurden neue Quartiere gestampft.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/-48a7\">Die neu entstandenen Quartiere hatten keine Zeit, historisch zu wachsen, so dass nun vieles leer wirkt<\/a>. Heute soll Oerlikon zum eigenst\u00e4ndigen Zentrum des Glatttals entwickelt werden. Der umgebaute und erweiterte Bahnhof, aber auch Prestigebauten wie der Andreasturm und der in Planung befindliche Franklinturm fungieren als Aush\u00e4ngeschild dieses Vorhabens.<\/p>\n<p><strong>Was ist an dieser kapitalistischen Stadtentwicklung dran?<\/strong><\/p>\n<p>Die Gestaltung des Raumes richtet sich nicht nach dem m\u00f6glichen Nutzen f\u00fcr die Bewohner*innen. Das ist ein Merkmal der kapitalistischen Stadtentwicklung. Stattdessen ist das zentrale Kriterium der finanzielle Gewinn, welcher bei einer Umgestaltung winkt. Diese Entwicklung wird dadurch angetrieben, dass \u00fcbersch\u00fcssiges Kapital aus anderen Wirtschaftsbereichen verwertet werden muss und in die Baut\u00e4tigkeit fliesst. Gentrifizierung ist ein h\u00e4ufig verwendeter Begriff, wenn es um die Kombination von Verdr\u00e4ngung und Stadtentwicklung geht. Er beschreibt die Ver\u00e4nderung der sozialen Struktur der Bev\u00f6lkerung als Folge der baulichen Umgestaltung. Dabei werden Leute mit tiefem oder mittlerem Einkommen von Leuten mit hohem Einkommen ausgetauscht. Der Charakter der entsprechenden Quartiere wird somit grundlegend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Dies kann man auch in Oerlikon beobachten. So ist die Schaffhauserstrasse in Alt-Oerlikon ein Beispiel daf\u00fcr, wie die erste Phase der Gentrifizierung aussehen kann.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/zuerich\/aktuell\/in-den-strassen-von-zuerich-gelebte-anti-gentrifizierung-ld.17062\">In einem Artikel in der NZZ wird sie als bunt durchmischte Strasse beschrieben<\/a>, ja gar als \u00abgelebte Anti-Gentrifizierung\u00bb. Grund hierf\u00fcr seien die Diversit\u00e4t der Bewohner*innen und die Konsumst\u00e4tten. Aber nat\u00fcrlich ist an diesen liberalen Lobges\u00e4ngen etwas faul. Das Zentralorgan des Z\u00fcrcher B\u00fcrgertums vollzieht hier gerade den ersten Schritt der Gentrifizierung. Die steigende Attraktivit\u00e4t wird bald mehr zahlungskr\u00e4ftige Investor*innen, Mieter*innen und Konsument*innen anziehen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Projekt \u00abDreieck Edison-Franklin-Querstrasse\u00bb, welches zwischen 2008 und 2012 ein privater Investor realisierte. Dieser liess H\u00e4user abreissen, um Neubauten zu errichten.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/zuerich\/wie-oerlikons-zentrum-seine-neubauten-verdaut-1.17676907\">Durch den gestiegenen Mietpreis in den neuen beziehungsweise sanierten Wohnungen zogen neue Bev\u00f6lkerungsgruppen ins Zentrum von Alt-Oerlikon<\/a>.<\/p>\n<p>Wo heute der Andreasturm emporw\u00e4chst, standen zuvor zwar keine Wohnungen. Durch die Kundschaft, die er anziehen wird, werden sich jedoch die umliegenden Quartiere ver\u00e4ndern. Einerseits werden nicht wenige der gutverdienenden Nutzer*innen in die N\u00e4he ihres Arbeitsplatzes ziehen wollen und also Wohnungen nachfragen. Andererseits werden sich Gesch\u00e4fte, Restaurants und andere Dienstleistungsangebote in den umliegenden Gebieten vermehrt auf dieses Klientel ausrichten. Eine \u00e4hnliche Entwicklung kann man bei der Hardbr\u00fccke beobachten. Seit der Prime Tower im ehemaligen Industriegebiet steht, ist das Quartier zu einer Hochburg der Banker*innen und B\u00fcroangestellten geworden.<\/p>\n<p><strong>Die vielen Gesichter der Aufwertung<\/strong><\/p>\n<p>Oerlikon ist nur ein Beispiel von vielen. Bekannter f\u00fcr die Gentrifizierung in Z\u00fcrich sind wohl die Kreise 4 und 5 rund um die Langstrasse. Besonders markant ist die Europaallee \u2013 ebenfalls ein Projekt der SBB-Immobilien \u2013, die nun vom Hauptbahnhof eine Schneise ins Langstrassenquartier schl\u00e4gt. Die Langstrasse ist seit Jahrzenten im Wandel. Stellte sie urspr\u00fcnglich den Mittelpunkt der proletarischen Kreise 4 und 5 dar, entwickelte sie sich in der j\u00fcngsten Vergangenheit zu einer ausschliesslichen Ausgehmeile. Durch die erneute Aufwertung wird die Langstrasse nun aber auch f\u00fcr die ersten hippen Zuz\u00fcger<em>innen zu teuer. Auf der anderen Seite der Gleise befindet sich die Neugasse, ein weiteres SBB-Immobilien-Projekt, wo eine neue Gross\u00fcberbauung geplant ist.\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/www.noigass.ch\/\"><em>Quartierbewohner<\/em>innen fordern in einer Kampagne, dass die gesamte Wohn- und Gewerbefl\u00e4che gemeinn\u00fctzig vermietet wird<\/a>.<\/p>\n<p>Doch Stadtaufwertung geschieht jedoch nicht nur, wenn Glaspal\u00e4ste oder Gross\u00fcberbauungen errichtet werden. Es gibt auch dezentere Versionen. So werden einzelne H\u00e4user im Langstrassenquartier totalsaniert oder umgebaut. Damit steigen die Mieten, was der bisher ans\u00e4ssigen proletarischen und migrantischen Bev\u00f6lkerung den Verbleib in ihrem Quartier verunm\u00f6glicht. Zus\u00e4tzlich wird das Leben im eigenen Quartier teurer, da sich nun Boutiquen und Restaurantketten verbreiten. So ziehen beispielsweise am Lochergut Restaurantketten wie das \u00abLillys\u00bb ein und verteuern mit ihren h\u00f6heren Preisen den Konsum im Quartier. Aber nicht nur das, die Anspr\u00fcche der wohlhabenden Zuz\u00fcger*innen auf grossz\u00fcgige Wohn- und Arbeitsr\u00e4umlichkeiten f\u00fchren auch dazu, dass nun insgesamt weniger Menschen auf dem selben oder sogar auf gr\u00f6sserem Raum leben. Es kann also nicht einmal von Verdichtung die Rede sein.<\/p>\n<p><strong>Vielf\u00e4ltiger Widerstand<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wir-bleiben-alle.ch\/\">Aktuell thematisiert eine Plakatkampagne diese vielf\u00e4ltigen Aspekte<\/a>. Unter dem Titel \u00abAufwertung hat viele Gesichter\u00bb, werden je nach Standort oder Objekt andere Gesichter der Stadtaufwertung benannt. Auf einer A4-Seite, von Ohren umrahmt, wird beschrieben, wie ein solches Gesicht aussieht. In Wiedikon etwa ist das schon ein l\u00e4nger anhaltender Prozess. Begonnen hat er beim Idaplatz, wo in der Erwartung, dass die Immobilienwerte mit der Verkehrsberuhigung der Weststrasse steigen wird, verst\u00e4rkt investiert wurde.\u00a0<a href=\"http:\/\/wir-bleiben-alle.ch\/Wiedikon\">Zuletzt gipfelte der Prozess im Austausch der Schlange wartender Gefl\u00fcchteter vor der Asylberatungsstelle durch eine Schlange von Glac\u00e9freund*innen<\/a>.<\/p>\n<p>\u00abNach dem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ajour-mag.ch\/der-internationale-kongress-gegen-kapitalistische-stadtentwicklung-bot-raum-zum-erfahrungsaustausch-zwischen-verschiedenen-stadten-ein-bericht\/\">Internationalen Kongress gegen kapitalistische Stadtentwicklung im Mai dieses Jahres<\/a>\u00a0fragten wir uns, wie das Thema Stadtentwicklung aufgearbeitet werden kann und welche Aktionsformen m\u00f6glich sind. So versuchen wir es nun mit den Plakaten\u00bb, erl\u00e4utert Maurice, Mitwirkender bei der erw\u00e4hnten Plakatkampagne.\u00a0<a href=\"http:\/\/wir-bleiben-alle.ch\/demo\">Doch dabei soll es nicht bleiben, auch eine Demonstration ist geplant<\/a>: \u00abWir finden, dass die Aufwertung momentan extrem rasant voranschreitet und es deshalb auch wiedermal Zeit ist, eine dynamischere Aktionsform zu w\u00e4hlen. Ausserdem gab es schon lange keine Demonstration mehr zum Thema Aufwertung.\u00bb<\/p>\n<p>Auch ausserhalb Z\u00fcrichs gingen in diesem Herbst Menschen gegen Aufwertung, Vertreibung und f\u00fcr selbstbestimmte Freir\u00e4ume auf die Strassen.\u00a0<a href=\"https:\/\/renverse.co\/La-ville-est-a-nous-3000-personnes-dans-les-rues-de-Geneve-1239\">So fand Anfang Oktober in Genf eine grosse Demonstration mit 3000 Teilnehmer*innen statt<\/a>. Sie legte ihren Fokus auf das Wohnprojekt \u00abMalagnou\u00bb, welches durch R\u00e4umungsandrohung und Privatisierungsbestrebungen gef\u00e4hrdet ist. Eine ebenfalls prominente Stellung hatten die Forderungen der CUAE, der studentischen Gewerkschaft der Universit\u00e4t Genf, welche bessere Wohnbedingungen f\u00fcr junge Menschen forderte.\u00a0<a href=\"https:\/\/barrikade.info\/Fast-1000-Menschen-in-Bern-zur-Demo-zum-Reitschule-Jubilaum-505\">Ende Oktober fand in Bern anl\u00e4sslich des 30-j\u00e4hrigen Bestehens des autonomen Kulturzentrums \u00abReitschule\u00bb die Demonstration \u201e30 Jahre sind nicht genug\u201c in Bern statt<\/a>. Die Reitschule ist ein ein praktisches Beispiel daf\u00fcr, was es heisst, sich den st\u00e4dtischen Raum anzueignen und ihn nach den eigenen Ideen und Vorstellungen einer lebenswerten Gesellschaft zu gestalten.<\/p>\n<p>Solche R\u00e4ume m\u00fcssen aber immer wieder von neuem erk\u00e4mpft werden.\u00a0<a href=\"https:\/\/barrikade.info\/Fam-WINTER-hat-FRISCH-BESETZT-515\">Dies zeigte sich k\u00fcrzlich etwa in der wiederholten Besetzung und schnellen R\u00e4umung eines Hauses in Z\u00fcrich Schwammendingen<\/a>. Das Ziel hierbei war es, sich leer stehende Geb\u00e4ude anzueignen, um einen selbstbestimmten Raum zu schaffen. Doch das sei schwieriger geworden, erkl\u00e4rt ein Mitbesetzer: \u00abSeit etwa einem Jahr nutzt die Polizei neue M\u00f6glichkeiten, verst\u00e4rkt Personenkontrollen durchzuf\u00fchren\u00bb. Dies ist f\u00fcr Z\u00fcrich eine neue Entwicklung, nachdem in den 1970er- und 1980er-Jahren erk\u00e4mpft wurde, dass unbenutzte H\u00e4user nur ger\u00e4umt werden, wenn eine Abbruch- oder Baubewilligung vorliegt.<\/p>\n<p><strong>Personalisierung wird der Thematik nicht gerecht<\/strong><\/p>\n<p>Gentrifizierung ist ein breit diskutiertes Thema in Z\u00fcrich, und verschiedene Kr\u00e4fte setzen sich damit auseinander \u2013 oder werden durch \u00e4ussere Umst\u00e4nde zwangsl\u00e4ufig dazu gen\u00f6tigt. So schreiben b\u00fcrgerliche Medien wie der Tages-Anzeiger oder die NZZ regelm\u00e4ssig dazu, auch wenn letztere diese meist zu widerlegen versucht. Sogar in der Gratiszeitung \u00ab20 Minuten\u00bb erschien ein immerhin nicht g\u00e4nzlich abwertender Artikel zur kommenden Demonstration. Doch so vielf\u00e4ltig wie die Vertreibung durch Aufwertung sind auch die Widerst\u00e4nde dagegen. Nun sollten wir die verschiedenen K\u00e4mpfe und Formen zusammendenken und verbinden. Dazu geh\u00f6rt aber, nicht nur unter uns die Schuldigen am Aufwertungsprozess einzeln zu benennen und anzuprangern. Anzuprangern und zu bek\u00e4mpfen gilt es die Strukturen, welche es wenigen erm\u00f6glichen, Profit auf Kosten von vielen zu machen. Denn Aufwertung ist Klassenkampf von oben, der dementsprechend mit K\u00e4mpfen von unten beantwortet werden muss. Hierf\u00fcr braucht es anschlussf\u00e4hige Projekte, die eine breite und widerst\u00e4ndische Praxis etablieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Ankn\u00fcpfungspunkte bestehen ja schon. \u00dcber den Kampf f\u00fcr g\u00fcnstigen bzw. gemeinn\u00fctzigen Wohnraum l\u00e4sst sich die soziale Frage thematisieren. Erw\u00e4hnte Grossprojekte wie die Neugasse oder das Dreieck Edison-Franklin-Querstrasse und grosse Akteure wie die SBB bieten genug Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr konkrete K\u00e4mpfe. Einerseits, weil diese ihrer Dimension wegen bereits politisch diskutiert werden. Andererseits weil der Einfluss solcher Projekte sich nie nur auf ihre eigenen Kubikmeter beschr\u00e4nkt. Wie wir in Oerlikon sehen, ver\u00e4ndern sich immer auch die angrenzenden Quartiere bis hin zu den Ausweichgebieten in der weiteren Peripherie. Deshalb m\u00fcssen solche K\u00e4mpfe in den Quartieren stattfinden und eine Vernetzung und Selbstorganisierung der Bev\u00f6lkerung zum Ziel haben. Selbst wenn Projekte nicht immer vollst\u00e4ndig verhindert werden k\u00f6nnen, entstehen so widerst\u00e4ndige Strukturen.<\/p>\n<p><em>OISI STADT OISI QUARTIER &#8211; Demo gegen Aufwertung und Verdr\u00e4ngung<\/em>\u00a0&#8211;\u00a0<em>Samstag, 18.11.17 \/ 14 Uhr \/ R\u00f6ntgenplatz Z\u00fcrich <\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.ajour-mag.ch\/glace-beton-besetzungen-gentrifizierung-und-widerstand-in-zurich\/\">ajour-mag.ch&#8230;<\/a> vom 18. November 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Miriam Damari. 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