{"id":2740,"date":"2017-11-18T17:15:22","date_gmt":"2017-11-18T15:15:22","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2740"},"modified":"2017-11-18T17:15:22","modified_gmt":"2017-11-18T15:15:22","slug":"stadtentwicklung-den-oeffentlichen-raum-zurueckerobern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2740","title":{"rendered":"Stadtentwicklung: Den \u00f6ffentlichen Raum zur\u00fcckerobern!"},"content":{"rendered":"<p><em>BFS Jugend Z\u00fcrich. <\/em><strong>Die Entwicklung der St\u00e4dte unter kapitalistischen Vorzeichen ist weltweit ein Skandal. F\u00fcr die lohnabh\u00e4ngigen BewohnerInnen bedeutet Stadtaufwertung nicht mehr Wohn- und Lebensqualit\u00e4t, sondern ins Unermessliche steigende<!--more--> Mieten, die Vertreibung aus den Quartieren, Repression gegen alles Unliebsame und die Privatisierung des \u00f6ffentlichen Raumes. Begleitet wird diese \u00abEntwicklung\u00bb von der Entstehung toter B\u00fcroquartieren oder unn\u00fctzen \u00abhippen\u00bb Einkaufsl\u00e4den. Diese Entwicklungen kennen wir in Z\u00fcrich nur allzu gut. Es ist an der Zeit Rezepte f\u00fcr eine andere Stadtentwicklung zu denken. Solche Rezepte k\u00f6nnen nur erfolgreich sein, wenn die kapitalistischen Eigentumsverh\u00e4ltnisse radikal in Frage gestellt werden. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Gemeinsam gegen kapitalistische Stadtaufwertung!<\/strong><\/p>\n<p>St\u00e4dte ver\u00e4ndern sich st\u00e4ndig. Sie sind heute nicht mehr nur Wohn- und Arbeitszentren, sondern auch Kultur-, Freizeit- und immer mehr auch Konsumorte. Die vielen verschiedenen Bed\u00fcrfnisse und Konflikte, die auf engem Raum entstehen, rufen immer neue Dynamiken hervor. Ver\u00e4nderungen m\u00fcssen dabei nicht zwingend schlecht sein. Eine Stadtentwicklung unter Einbezug aller hier lebenden Menschen k\u00f6nnte die Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr alle verbessern. Niemand h\u00e4tte etwas gegen mehr Begegnungsorte, tiefere Mieten, mehr Gr\u00fcnfl\u00e4chen oder gute und erschwingliche Freizeit- und Kulturangebote. Was hingegen in Z\u00fcrich und in vielen anderen St\u00e4dten weltweit in den letzten Jahren zu beobachten ist, ist eine kapitalistische Stadtaufwertung, die von den staatlichen Institutionen (Regierung, Polizei, etc.) und privaten Unternehmen Hand in Hand durchgedr\u00fcckt wird und dabei die Profitmaximierung ins Zentrum stellt: die Profite von Immobilienfirmen, Grossunternehmen, Banken und von \u00abStart-Ups\u00bb mit ihren hippen Zwischennutzungskonzepten. Diese globalen Dynamiken wurden durch die Krise seit 2007, die das Kapital in noch extremerem Ausmass zwingt sich stets neue Anlage- und Verwertungsm\u00f6glichkeiten zu suchen, sogar noch beschleunigt. Als Folge werden seit Jahren Menschen aus den (ehemaligen) Arbeiter*innenquartieren der Stadt Z\u00fcrich, vor allem den Kreisen 3, 4 und 5, vertrieben. Sie k\u00f6nnen sich die steigenden Mieten, die trendigen Burgerrestaurants oder den veganen Bio-Laden nicht mehr leisten. Offensichtlich werden diese Entwicklungen, wenn man heute die Langstrasse runterf\u00e4hrt oder sich sogar einen Besuch an der Europaallee zumutet. Sie sind aber vor allem auch f\u00fcr die vielen Anwohner*innen tagt\u00e4glich sp\u00fcrbar, die bereits weggezogen sind und hippen Jungunternehmer*innen in ihren teuren Loftwohnungen platzgemacht haben, oder die seit Jahren mit steigenden Mietpreisen zu k\u00e4mpfen haben und sich nach neuen Wohnungen umsehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Nein zur Privatisierung des \u00f6ffentlichen Raums!<\/strong><\/p>\n<p>Etwas subtiler, aber genauso sp\u00fcrbar, entwickelt sich auch der \u00f6ffentliche Raum in diesen Gebieten hin zu einer sterilen, \u00fcberwachten und sauberen, sprich toten Umgebung. Beginnen wir beim Offensichtlichsten: Es gibt Strassen in dieser Stadt, an denen man nicht entlanglaufen kann, ohne zumindest einem Polizeikastenwagen zu begegnen, egal zu welcher Tageszeit. Die Polizei ist derart omnipr\u00e4sent, dass viele Menschen das schon gar nicht mehr wahrnehmen. In benachbarten L\u00e4ndern m\u00fcsste man lange suchen, um eine \u00e4hnliche Dichte der Polizeipr\u00e4senz zu finden wie in Z\u00fcrich. Neuster Wurf wird das PJZ (Polizei- und Justizzentrum) sein, ein Repressionsprunkbau inmitten des Arbeiter*innenviertels und die architektonische Aufhebung der Gewaltenteilung (Polizei (Exekutive) und Justiz (Judikative) im gleichen Geb\u00e4ude). Die Militarisierung der Stadt, die in den letzten Jahren von scheinbar linken Regierungen, von Maurer (SP) \u00fcber Leupi (Gr\u00fcne) bis Wolff (Alternative Liste) weiter ausgebaut wurde, auch sie ist Teil der Stadtaufwertung von Oben, welche die noch nicht komplett gez\u00e4hmten Gebiete der Stadt st\u00e4ndig kontrolliert, \u00fcberwacht und \u2013 wenn es sein muss \u2013 von st\u00f6renden Elementen \u00abs\u00e4ubert\u00bb. Erlaubt sei schliesslich das, was nicht st\u00f6rt, und st\u00f6rend sind all die Elemente, welche dem Profitdenken mit teureren Mieten und Investitionen in Geb\u00e4ude als Anlagewerte etwas entgegenzusetzen haben. Die kapitalistische Stadtaufwertung ist dabei ein widerspr\u00fcchlicher Prozess, da es zumindest in einer ersten Phase der Aufwertung gerade das \u00abBelebte\u00bb, das \u00abMultikulturelle\u00bb, das \u00abUrbane\u00bb ist, welches Stadtteile auch f\u00fcr reichere Mieter*innen interessant macht und die N\u00e4he zur \u00abSzene\u00bb sogar als Verkaufsargument dienen kann. Doch sobald das Kapital einzieht, sobald es darum geht, m\u00f6glichst viel Profit aus ganzen Stadtgebieten zu ziehen, bleibt kein Platz mehr f\u00fcr eben dieses \u00abLeben\u00bb. Kapital braucht Anlagesicherheit, und deshalb gibt es zu den teureren Wohnungen mehr Kameras, mehr Polizei und mehr Kontrollen dazu.<\/p>\n<p><strong>Die Dystopie Z\u00fcrich-West: Nicht mit uns!<\/strong><\/p>\n<p>Zu sp\u00fcren bekamen diese Entwicklungen in Z\u00fcrich in den 1990er-Jahren als einige der ersten die Drogenkonsument*innen. Die damals entwickelten Diskurse und Zwangsmassnahmen, wie etwa Wegweisungen, wurden mittlerweile schon l\u00e4ngst auf andere Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Migrant*innen oder Gefl\u00fcchtete \u00fcbertragen. So werden immer weitere Gruppen definiert, die nicht ins Bild einer profitgetriebenen Stadtentwicklung passen. Es sind auch oft diese Gruppen, welche sich die teureren Mieten nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Das Ideal dieser Entwicklung ist eine tote Stadt mit leeren Strassen und leeren, luxussanierten Wohnungen mit denen auf h\u00f6here Preise spekuliert werden kann. Wer sich Teile von Z\u00fcrich-West anschaut, kann diesen kapitalistischen Alptraum bereits in der Realit\u00e4t begutachten.<\/p>\n<p>Aber warum sollten Immobilienfirmen, Grossunternehmen oder abgehobene Stadtr\u00e4te entscheiden, wie wir in unseren Quartieren, Strassen und H\u00e4usern zu leben haben? Wir wollen keine Luxuswohnungen, die sich niemand leisten kann, kein Hiltl an der Langstrasse und keine Kameras an jeder Tramhaltestelle. Wir wollen einen \u00f6ffentlichen Raum, der f\u00fcr Alle offen steht, Begegnungsorte f\u00fcr die Menschen und bezahlbare Wohnungen f\u00fcr Alle. Eine ganze Stadt, wie die toten Retortenbauten in Z\u00fcrich-West oder die Europaallee: eine dystopische Zukunft gegen die es sich zu wehren lohnt!<\/p>\n<p><em>Der Text wurde als Flyer an der Demo gegen kapitalistische Stadtaufwertung und Vertreibung in Z\u00fcrich am 18. November 2017 verteilt.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2017\/stadtentwicklung-den-oeffentlichen-raum-zurueckerobern-gegen-repression-und-ueberwachung\/\">sozialismus.ch&#8230;<\/a> vom 18. November 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFS Jugend Z\u00fcrich. Die Entwicklung der St\u00e4dte unter kapitalistischen Vorzeichen ist weltweit ein Skandal. 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