{"id":2812,"date":"2017-12-04T16:28:23","date_gmt":"2017-12-04T14:28:23","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2812"},"modified":"2017-12-04T16:28:23","modified_gmt":"2017-12-04T14:28:23","slug":"arbeiterkampf-gegen-entlassungen-bei-vw-in-polen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2812","title":{"rendered":"Arbeiterkampf gegen Entlassungen bei VW in Polen"},"content":{"rendered":"<p><em>Monika Kupczyk.<\/em> <strong>Nachdem die polnische Basisgewerkschaft \u201eInicjatywa Pracownicza\u201d (Die Arbeiter-Initiative) im Volkswagen-Werk in Poznan-Antoninek Anfang September 2017 eine Betriebsgruppe ins Leben gerufen hat, wurde die folgende<!--more--> Entlassung von drei Arbeitern als Versuch der Einsch\u00fcchterung der gewerkschaftlich aktiven Arbeiter*innen verstanden.<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort war die Intensivierung des gewerkschaftlichen Engagements der VW-Besch\u00e4ftigten, n\u00e4mlich die Gr\u00fcndung einer betriebs\u00fcbergreifenden IP-Betriebsgruppe.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Das Leben eines normalen Arbeiters bei VW ist kein Urlaub&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>So schreiben die Arbeiter*innen in dem vor dem Werk verteilten Flugblatt. Sie haben die erzwungenen \u00dcberstunden, mit einj\u00e4hriger Versp\u00e4tung ausbezahlte \u00dcberstundenzuschl\u00e4ge und die niedrigen L\u00f6hne beklagt.<\/p>\n<p>Dazu kommen noch die Jahr f\u00fcr Jahr verl\u00e4ngerten Leiharbeitsvertr\u00e4ge, die die prek\u00e4re Lage der Arbeiter*innen vertiefen. Zur Emp\u00f6rung der Belegschaft haben vor allem die zuletzt geplanten \u00c4nderungen gef\u00fchrt, die unter Zustimmung der im Betrieb pr\u00e4senten Solidarnosc Gewerkschaft, aber ohne Absprache mit den Besch\u00e4ftigten, erfolgt sind. Es handelt sich um die Einf\u00fchrung der dritten Samstagsschicht, obwohl erst vor kurzem im Werk eine zweite Samstagsschicht eingef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Diese Situation wurde von den Arbeiter*innen auf Facebook kommentiert, mit dem Aufruf sich zu organisieren. In Folge wurden drei Arbeiter gefeuert, einer hat eine verhaltensbedingte K\u00fcndigung f\u00fcr den Facebook-Post bekommen. Diese Repressionen sollen als Beispiel dienen, um zuk\u00fcnftige Organisierungsversuche zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr bessere L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Das sagen die VW-Besch\u00e4ftigten in ihrem Flugblatt. Damit meinen sie nicht nur die Festangestellten, sogar auch die Leiharbeiter*innen, die ein Drittel der 10.000 Angestellten ausmachen. Die Arbeiter*innen werden unter Druck gesetzt, um \u00dcberstunden zu machen. Besonders diejenigen mit befristeten Arbeitsvertr\u00e4gen k\u00f6nnen sich dem kaum verweigern, da sie um ihre Arbeit f\u00fcrchten. Neben dieser Erpressung, die sich auch auf die Verf\u00fcgbarkeit bezieht, sind die Arbeiter*innen h\u00f6heren Anforderungen und steigendem Arbeitspensum ausgesetzt. Es betrifft vor allem die Arbeiter*innen \u00fcber 50, die aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden diese Anforderungen nicht immer bew\u00e4ltigen (k\u00f6nnen). Die jungen Arbeiter*innen verdienen noch weniger, da ihr Einstiegslohn geringer ausf\u00e4llt und sie damit rechnen m\u00fcssen, dass ihre Arbeitsbedingungen noch prek\u00e4rer werden. F\u00fcr alle kommen noch Probleme mit der Arbeitssicherheit dazu. Die Belegschaft ist motiviert mit der neuen Gewerkschaft bessere Arbeits- und Lebensbedingungen f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten im Betrieb zu erk\u00e4mpfen. Deshalb sind viele von der Solidarnosc zur IP \u00fcbergetreten. Somit hat das Ausbremsen einer neuen Organisation im Betrieb nicht geklappt.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Allein haben wir keine Chance&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Zur Gr\u00fcndungsversammlung Anfang August 2017 kamen \u00fcber 120 Leute. Seitdem wurden regelm\u00e4ssig Flugbl\u00e4tter vor den Werken mit Informationen \u00fcber die neue Organisation und die Situation im Betrieb verteilt.<\/p>\n<p>&#8222;In unserer Organisation hat jeder Arbeiter die gleiche Stimme, wir k\u00e4mpfen f\u00fcr ein besseres Leben f\u00fcr uns alle, nicht f\u00fcr die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie. Wenn du genug davon hast f\u00fcr einen Hundelohn bis zum letzten Schweisstropfen ausgequetscht zu werden, von korrupten Gewerkschaftlern und der Arroganz der Chefs, wenn du kein 18-Schicht-System willst, tritt der Inicjatywa Pracownicza bei. In der IP organisieren sich Festangestellte und Leiharbeiter, Mitglieder anderer Gewerkschaften und bisher Unorganisierte aus den Werken in Antoninek, Wrzesnia, Swarzedz und der Giesserei. Allein haben wir keine Chance gegen die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung. Gemeinsam sind wir st\u00e4rker!&#8220;<\/p>\n<p>Bei der Gewerkschaft sind schon \u00fcber 300 Mitglieder organisiert und es kommen st\u00e4ndig weitere Beitrittserkl\u00e4rungen dazu. Die IP-Mitglieder haben auch mehr als zweitausend Unterschriften f\u00fcr die Petition an VW f\u00fcr die Wiedereinstellung ihrer Arbeitskollegen gesammelt. Die Gespr\u00e4che mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung haben jedoch nichts gebracht.<\/p>\n<p><strong>Wozu braucht man Gewerkschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Vor kurzem hat die Belegschaft im VW-Werk in der Slowakei nach dem Streik eine Lohnerh\u00f6hung um 13,5 Prozent erk\u00e4mpft. Die polnischen Arbeiter*innen wollen ihrem Beispiel folgen. Im Vergleich liegt ein Durchschnittslohn in der Slowakei bei 1.800 Euro, in Polen nur bei 1.000 Euro. Angesichts dessen und der versch\u00e4rften Arbeitsbedingungen sind die VW-Arbeiter*innen motiviert, um f\u00fcr die Erh\u00f6hung ihrer L\u00f6hne zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser daf\u00fcr war offensichtlich der Protest der Arbeiter*innen in der Slowakei. Sie wussten jedoch, dass sie daf\u00fcr eine neue Gewerkschaft gr\u00fcnden m\u00fcssen. In ihrem Flugblatt schreiben die Arbeiter*innen, dass die Solidarnosc &#8222;(&#8230;) fest an der Seite der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung steht. Ihre Leute sieht man nie in den Produktionshallen, denn sie verstecken sich in den B\u00fcros. Bei allt\u00e4glichen Problemen ist von ihnen kaum Hilfe zu erwarten. Vor kurzem hat die Solidarnosc der Einf\u00fchrung einer zus\u00e4tzlichen 18. Schicht zugestimmt, und zwar ohne die Arbeiter zu fragen. Aber wenn die Solidarnosc nicht den Willen der Arbeiter vertritt, wozu ist sie dann im Betrieb? Gleichzeitig hat VW drei unserer Kollegen in Antoninek entlassen. Offizielle Gr\u00fcnde waren Posts auf Facebook. Aber wir alle wissen, dass es darum ging, zu verhindern, dass im Betrieb eine Gewerkschaft entsteht, die die Interessen der Arbeiter vertritt und nicht die des Chefs.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Internationale Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeiter*innen sehen die Notwendigkeit der engen internationalen Zusammenarbeit, da sie bei einem internationalen Konzern t\u00e4tig sind.<\/p>\n<p>Durch den Austausch der Informationen \u00fcber die Situation in den anderen VW-Werken haben die Arbeiter*innen in Polen Chancen ihre Forderungen durchzusetzen. Die Briefe und die Gespr\u00e4che mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung haben bislang nichts gebracht.<\/p>\n<p>Daher wurden schon Kontakte mit den VW-Arbeiter*innen aus Spanien, Portugal und der Slowakei hergestellt. So wie ihre polnischen Kolleg*innen sind die Arbeiter*innen in Portugal gegen die Einf\u00fchrung die zus\u00e4tzlichen Samstagsschichten (16. und 17.). \u00dcber die Ereignisse in Portugal und in der Slowakei diskutiert die VW-Belegschaft in Polen sehr lebhaft. Die internationale Solidarit\u00e4t unter den Arbeiter*innen kann ihnen helfen die gew\u00fcnschten Ziele zu erreichen und die Arbeiter*innen-Bewegung zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.graswurzel.net\/424\/vw.php\">graswurzel.net&#8230;<\/a> vom 4. Dezember 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monika Kupczyk. 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