{"id":2824,"date":"2017-12-05T16:39:21","date_gmt":"2017-12-05T14:39:21","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2824"},"modified":"2017-12-05T16:39:21","modified_gmt":"2017-12-05T14:39:21","slug":"rassismus-in-der-lehre-ein-interview-mit-einem-betroffenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2824","title":{"rendered":"Rassismus in der Lehre \u2013 ein Interview mit einem Betroffenen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie im Artikel <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2789\">\u00abFl\u00fcchtlingslehre\u00bb: Integration durch Ausbeutung<\/a> gezeigt wird, hat das Schweizer B\u00fcrgertum ein Interesse daran, gefl\u00fcchtete Menschen mittels einer Berufslehre in den hiesigen Arbeitsmarkt zu \u00abintegrieren\u00bb. Abgesehen davon, dass<!--more--> eine auf gleichen Rechten beruhende \u00abIntegration\u00bb nicht vorgesehen ist, scheitert diese auch oftmals an den weit verbreiteten rassistischen Vorurteilen in der Schweiz. Gerade in der Lehre sind Gefl\u00fcchtete besonders schutz- und machtlos dem Willen ihrer Vorgesetzten und deren rassistischen Diskriminierungen ausgeliefert. Diese beginnen bei der Lehrstellensuche und begleiten die Betroffenen oftmals w\u00e4hrend ihrer ganzen Lehrzeit. Um diese Situation exemplarisch zu veranschaulichen, f\u00fchrte die Lehrlingsgruppe der Bewegung f\u00fcr den Sozialismus (BFS) ein Interview mit Berhane Tesfai, der aus Eritrea in die Schweiz gekommen ist und sehr eindr\u00fccklich und schockierend \u00fcber die Vorkommnisse w\u00e4hrend seiner Lehrzeit berichtet.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lehrlingsgruppe der BFS: Kannst du dich kurz vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Berhane Tesfai:<\/strong> Ich heisse Berhane Tesfai und komme aus Eritrea. Ich bin seit 2008 in der Schweiz. Hier besuchte ich die Sekundarschule und fing eine Lehre als Montageelektriker in einem mittelst\u00e4ndischen Betrieb in der Deutschschweiz an.<\/p>\n<p><strong>Wie bist du zu deiner Lehrstelle gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich schaute mir zuerst viele Berufe im Gesundheits- und Handwerksbereich an. Ich entschied mich f\u00fcr eine technisch-handwerkliche Lehre auf dem Bau. Als ich keine Lehrstelle finden konnte, entschied ich mich 2012 ein Praktikum zu absolvieren, um den Beruf als Montageelektriker kennenzulernen und meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Die Firma bot mir auch gleich an, nach dem Praktikum die Lehre bei ihnen zu absolvieren. Parallel zum Praktikum besuchte ich das 10. Schuljahr. Ich ging zwei Tage zur Schule und arbeitete drei Tage als Montageelektriker. Um mit den anderen Sch\u00fcler*innen mitzuhalten, die f\u00fcnf Tage zur Schule gingen, ging ich jeweils zwei Stunden vor Schulbeginn in die Schule, um selbstst\u00e4ndig zu lernen. Schliesslich schloss ich die Schule mit Bestnote ab.<\/p>\n<p><strong>Ab wann wurdest du in der Lehre rassistisch diskriminiert? <\/strong><\/p>\n<p>Schon bei der Einstellung betrachtete mich der Lehrmeister, der zugleich der Chef war, und musterte meinen K\u00f6rper. Er meinte, dass ich ja aus Afrika komme, stark sei und er mich deshalb \u00abbrauchen\u00bb k\u00f6nne. Er hatte von Anfang an im Sinn mich einfach f\u00fcr die k\u00f6rperlich schweren Aufgaben wie Spitzen und Kabelziehen einzusetzen. Das habe ich allerding erst mit der Zeit verstanden. Am Anfang war ich einfach froh, dass ich die Praktikumsstelle bekommen hatte. Doch dann fingen die Schikanen erst richtig an\u2026<\/p>\n<p><strong>Kannst du uns ein Beispiel geben?<\/strong><\/p>\n<p>Die Firma hatte einen Arbeitsauftrag auf einer Baustelle, die auf einem H\u00fcgel lag. T\u00e4glich fuhren die Mitarbeiter und Monteure mit zwei Lieferwagen zur Baustelle. Sie nahmen mich vom Gesch\u00e4ft aus mit. Allerdings musste ich jeden Tag \u2013 und es war Winter! \u2013 unten am H\u00fcgel bei einer Tankstelle aussteigen. Dies bekam niemand mit, weil es dort keine Leute hatte. Von da aus war ich gezwungen, die restliche Strecke zu Fuss auf den H\u00fcgel zu laufen (zum Teil auch mitsamt allen schweren Werkzeugen). Den ganzen Winter hindurch liess ich das \u00fcber mich ergehen, ohne es jemandem zu erz\u00e4hlen. Nach 3-4 Monaten hielt ich die Diskriminierungen und die Beschimpfungen nicht mehr aus und erz\u00e4hlte es meinem Lehrmeister. Dieser ging zu den Monteuren und brachte sie einigerma\u00dfen zur Vernunft. F\u00fcr mich war es ein Kampf, dies alles einzustecken ohne aufzugeben und weiterhin die Motivation zu behalten.<\/p>\n<p><strong>Und wie ging es weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Der Lehrmeister sprach die rassistischen Monteure an und fragte sie, warum sie dies gemacht h\u00e4tten. Danach waren sie erst richtig w\u00fctend auf mich. In der Folge musste ich die ganze Zeit nur noch Scheissarbeiten wie Putzen, Spitzen, Kabelziehen etc. machen. W\u00e4hrend dieser Zeit lernte ich wenig und verlor mein Selbstbewusstsein. Trotzdem habe ich das Praktikumsjahr durchgehalten.<\/p>\n<p><strong>Wurde es dann besser?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Kurz vor den Sommerferien bekam meine Bude einen Grossauftrag. Wie andere Mitarbeiter hatte auch ich Sommerferien eingegeben. Alle anderen konnten in die Ferien gehen \u2013 ich nicht. Ich fragte meinen Chef, warum ausgerechnet ich nicht in die Ferien durfte. Er antwortete mir: \u00abIch habe dir die M\u00f6glichkeit gegeben, eine Lehre zu machen. Nun musst <em>du<\/em> etwas opfern. Deshalb musst du den Sommer durcharbeiten.\u00bb<\/p>\n<p>Wir waren nur zu zweit auf dieser neuen Baustelle, obwohl es mehr Leute gebraucht h\u00e4tte. Aber die waren in den Ferien. Wir arbeiteten t\u00e4glich 12 Stunden von 7 bis 19 Uhr, mussten k\u00f6rperlich extrem harte Arbeiten machen und hatten oftmals nicht einmal richtig Zeit f\u00fcr die Zn\u00fcni- und Mittagspause. Als ich den Chef darauf ansprach, dass ich auch Ferien br\u00e4uchte, sagte er zu mir an einem Donnerstagabend, dass ich am Freitag nicht in die Bude kommen m\u00fcsse und ein verl\u00e4ngertes Wochenende machen k\u00f6nne. Dies seien meine Ferien. Einen Tag Ferien gab er mir!<\/p>\n<p><strong>Das t\u00f6nt ja schrecklich. Warum hast du nach den Sommerferien trotzdem die Lehre in dieser Firma begonnen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich war tats\u00e4chlich dankbar, dass ich die Lehre mache konnte. Ich wusste auch nicht recht, dass das, was ich durchmachen musste, nicht normal ist.<\/p>\n<p><strong>Woher kam diese Dankbarkeit?<\/strong><\/p>\n<p>Schon in der Sekundarschule sagte mir mein Lehrer \u2013 ein engagierter SVP-W\u00e4hler \u2013 st\u00e4ndig, dass ich dankbar sein solle, dass ich hier in der Schweiz sein kann und die M\u00f6glichkeit habe, zur Schule zu gehen. Dort wurde mir das schon eingeredet. Das hat mich gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Dann hast du die Lehre begonnen. Wie ging es dann weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Die Monteure haben von Anfang an nicht an mich geglaubt. Ich habe mir viel M\u00fche gegeben und Extra-Aufwand auf mich genommen. Sie haben mich aber nie unterst\u00fctzt und mir auch nichts gezeigt. So war das Lernen sehr schwierig.<\/p>\n<p>Ich wollte dem Chef trotzdem zeigen, dass ich es ernst meine. \u00dcber Weihnachten gab es einen Auftrag und ich meldete mich freiwillig, bei diesem Auftrag zu helfen. Die Arbeit war streng und wieder einmal hatten wir keine Zeit f\u00fcr die Mittagspausen. Der Chef kam jeden Tag auf die Baustelle. Er begr\u00fcsste mich nicht einmal, zeigte keine Dankbarkeit und Komplimente gab es schon gar nicht. Das verletzte mich sehr.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem hast du durchgehalten?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das Praktikum habe ich gemacht und auch die ersten zwei Lehrjahre absolviert. Danach hielt ich es nicht mehr aus. Immer nur Spitzen und Kabelziehen\u2026ich lernte gar nichts! Mir war bewusst, dass ich so die Lehrabschlusspr\u00fcfung (LAP) nicht bestehen w\u00fcrde. Denn alle anderen Lehrlinge machten eine richtige Ausbildung und konnten alle n\u00f6tigen Kenntnisse erlernen. Trotzdem wollte mir der Lehrmeister keine anderen Arbeiten geben. Ich war einfach eine billige Arbeitskraft.<\/p>\n<p>Auch von den Mitarbeitern wurde ich nicht unterst\u00fctzt. Diese wollten gar nicht erst mit mir arbeiten, weil ich Fl\u00fcchtling bin. Sie waren einfach rassistisch! Dann habe ich beschlossen den Lehrvertrag zu k\u00fcndigen.<\/p>\n<p><strong>Danach hast du den Betrieb gewechselt. Hat sich dort etwas ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, es wurde sogar noch schlimmer. Ein Beispiel: Ich arbeitete zusammen mit einem Monteur auf einer Baustelle. Einmal befahl er mir, mit dem Fahrrad zur Baustelle zu fahren und versprach mir, dass er gleich nachkommen w\u00fcrde. Er kam jedoch erst nach zwei Stunden. Ich wartete also alleine auf der Baustelle. Beginnen konnte ich nicht, da der Monteur den Schl\u00fcssel zum Haus hatte. Als er nach zwei Stunden endlich kam, fragte ich ihn ganz normal, wo er geblieben sei. Ich sagte ihm auch, dass ich das nicht okay finde. Er f\u00fchlte sich gleich angegriffen und sagte, ich solle sofort ins Gesch\u00e4ft zur\u00fcckgehen. Ich weigerte mich zuerst und sagte ihm, dass ich nicht zwei Stunden auf ihn gewartet habe, um gleich wieder ins Gesch\u00e4ft zu gehen und dass ich jetzt gerne arbeiten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Daraufhin rastete er voll aus und beschimpfte mich als Schwarzer, als Fl\u00fcchtling, den man \u00fcberhaupt nicht gebrauchen k\u00f6nne und so weiter. Ich war geschockt, packte meine Sachen und lief zur\u00fcck ins Gesch\u00e4ft. In der Zwischenzeit rief der Monteur meinen Chef an und erz\u00e4hlte ihm, dass ich respektlos sei. Der Chef wartete im Gesch\u00e4ft auf mich und sagte mir \u2013 \u00a0ohne zuerst zu fragen, was genau passiert ist: \u00abWeisst du was, ich gab dir die Chance bei mir die Lehre zu machen und du gehst mit meinen Monteuren so schlecht um und bist dazu noch respektlos!\u00bb<\/p>\n<p>Das war mir zu viel. Immer wurde ich umhergeschoben, konnte nie ruhig arbeiten und wurde dann auch noch f\u00fcr die Probleme anderer verantwortlich gemacht. Ich fing vor dem Chef an zu weinen. Erst dann h\u00f6rte der Chef mir zu und ich konnte ihm erkl\u00e4ren, was vorgefallen war. Ich glaube, er sah ein, dass ich nichts falsch gemacht habe. Er schickte mich nach Hause und ich konnte ein verl\u00e4ngertes Wochenende machen \u2013 allerdings unbezahlt!<\/p>\n<p><strong>Gab es keine Mitarbeiter*innen, die dich unterst\u00fctzt haben oder sich f\u00fcr dich eingesetzt haben, wenn du rassistisch beschimpft wurdest?<\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Betrieb nicht. Im zweiten gab es den Projektleiter, der sich teilweise f\u00fcr mich eingesetzt hatte. Zum Beispiel auf dem Gesch\u00e4ftsausflug. Auf diesen wollte ich zuerst gar nicht gehen, weil ich keine Lust hatte, mit den Leuten zusammen zu sein, die mich immer rassistisch beleidigten. Auf dem Ausflug gingen wir Bootfahren. Ich war mit dem Chef und dem Projektleiter in einem Boot. Die Monteure waren im anderen Boot. Ich redete mit dem Projektleiter und erz\u00e4hlte ihm \u00fcber meine Erlebnisse w\u00e4hrend der Arbeit. W\u00e4hrend dem Ausflug gab es viel Alkohol und die Monteure waren bereits betrunken. Bei einem Zwischenhalt kamen sie zu mir und sagten, ich solle Zigaretten kaufen gehen. Ich ahnte schon, dass dies eine weitere Schikane war. Als ich zur\u00fcckkam, fragte ich, warum gerade ich f\u00fcr ihn Zigaretten holen musste. Er antwortete mir: \u00abWeil du ein Neger bist.\u00bb Alle anderen haben gelacht.<\/p>\n<p><strong>Was f\u00fcr ein Arschloch. Wie ging es weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Als wir weiterfuhren, musste ich mit den Monteuren auf das Boot und sie machten sich die ganze Zeit \u2013 \u00fcber eine Stunde! \u2013 lustig \u00fcber mich. Zum Beispiel schmissen sie etwas ins Wasser und sagten, ich solle es herausholen, obwohl sie wussten, dass ich nicht gut schwimmen kann. Trotzdem habe ich es gemacht. Das war so etwas wie eine Mutprobe\u2026ich musste mich beweisen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dem Abendessen kam der gleiche Monteur, der mich zuvor zum Zigaretten kaufen geschickt hatte, nochmals und fragte mich, ob ich dankbar sei, dass ich auf dem Ausflug dabei sein und gratis essen und trinken k\u00f6nne. Er sagte w\u00f6rtlich: \u00abBist du dankbar, dass du dabei sein kannst so als Neger?! In Afrika k\u00f6nntest du das ja sicher nicht!\u00bb Er fing an, meine Kleider zu betrachten und fragte mich, ob ich mir diese \u00fcberhaupt leisten k\u00f6nne. Danach klaute er meine M\u00fctze und schmiss sie ins Wasser. Dann kam immerhin ein anderer Mitarbeiter und sagte ihm, dass er nun zu weit gegangen sei. Als ob es vorher nur Spass gewesen w\u00e4re, als sie mich Neger nannten?!<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kam der Monteur aber nochmals zu mir, und fragte mich, ob ich Fl\u00fcchtling nun nach Hause gehe. Ich sagte ihm, dass ich kein Fl\u00fcchtling mehr sei. Dann kam der Projektleiter und sagte dem Monteur, er solle mich in Ruhe lassen. Als wir nach Hause fuhren, bin ich im Car eingeschlafen. Dann fragte der Monteur wieder: \u00abWo ist der Neger?\u00bb Als er mich entdeckt hatte, sagte er zu mir: \u00abFl\u00fcchtlinge d\u00fcrfen nicht schlafen und sich erholen.\u00bb Er h\u00f6rte nicht auf mich zu diskriminieren.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, am n\u00e4chsten Montag wieder 8,5 Stunden mit diesen Leuten zusammen zu sein, war schrecklich.<\/p>\n<p><strong>Krass. Hast du keine Unterst\u00fctzung von den anderen Lehrlingen bekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Ich wurde eigentlich immer alleine gelassen.<\/p>\n<p><strong>Hat sich die Diskriminierung auf deinen Berufsalltag beschr\u00e4nkt oder hat sie auch Einfluss auf dein Privatleben genommen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Mitarbeiter versuchten mich auch im Privaten, wo immer m\u00f6glich, zu behindern. Ich bin Pfadileiter. Als ich in meinem Pfaditreff einen Deutschkurs organisieren wollte, warb ich daf\u00fcr mit einem Inserat in unserer Lokalzeitung. Mein Chef und die anderen Mitarbeiter lasen das Inserat ebenfalls. Da ich den Schl\u00fcssel f\u00fcr den Pfaditreff hatte, hing der p\u00fcnktliche Beginn des Kurses jeweils von mir ab. Mein Chef wusste das und liess mich von diesem Tag an jedes Mal, wenn der Deutschkurs stattfinden sollte, l\u00e4nger arbeiten, sodass ich den Zug verpasste und eine Stunde zu sp\u00e4t kam. Selbst wenn keine Arbeit vorhanden war, musste ich belanglose und \u00fcberfl\u00fcssige Dinge erledigen, mit dem einzigen Zweck mich vom Deutschkurs abzuhalten.<\/p>\n<p><strong>Du hast bis zur Lehrabschlusspr\u00fcfung (LAP) durchgehalten. Was ist dann passiert?<\/strong><\/p>\n<p>Vor der LAP wurde ich erneut krass schikaniert und von den anderen Mitarbeitern gemobbt. Wie schon im ersten Betrieb konnte ich mich auch im zweiten nie richtig auf die LAP vorbereiten. Der Lehrmeister unterst\u00fctzte mich nicht, weil auch er einen Hass auf mich hatte. Er sabotierte meine Vorbereitung auf die LAP und behinderte mich, wo er nur konnte. Er gab sich richtig M\u00fche, damit ich die LAP nicht bestehe! Warum tat er das? Ich verstehe das nicht.<\/p>\n<p>Das viel gr\u00f6ssere Problem war allerdings, dass mein Chef gleichzeitig Experte bei den LAP war\u2026<\/p>\n<p><strong>Scheisse. Was passierte als n\u00e4chstes?<\/strong><\/p>\n<p>Auch w\u00e4hrend der LAP wurde ich als einziger in der Pr\u00fcfungsgruppe von den Experten \u2013 welche beste Freunde von meinem Chef sind! \u2013 schikaniert. Zum Beispiel sagte ich ihnen, dass ich nicht gut Schweizerdeutsch verstehe und bat sie mit mir Hochdeutsch zu sprechen. Dies taten sie aber nicht und so habe ich die Aufgaben teilweise gar nicht richtig verstanden. Schliesslich habe ich die LAP nicht bestanden. Sp\u00e4ter stellte sich auch heraus, dass sie mich bewusst durchfallen liessen, indem sie meine Bewertung sabotieren.<\/p>\n<p><strong>Und nach der LAP?<\/strong><\/p>\n<p>Als ich anschliessend ein Gespr\u00e4ch mit meinem Chef hatte, empfahl er mir allen Ernstes, zur Arbeitslosenkasse zu gehen oder einen anderen Beruf zu erlernen! Er drohte mir, dass er mir Steine in den Weg legen w\u00fcrde, falls ich versuchen w\u00fcrde, die Lehre bei einer anderen Bude zu beenden!!!<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit hatte ich eigenst\u00e4ndig eine neue Bude in einem anderen Kanton gefunden, um meine Lehre zu beenden. Bei der Jobsuche unterst\u00fctzte mich meine Berufsberaterin anfangs. Als der ex-Chef dies erfuhr, nahm er sogleich mit ihr Kontakt auf. Er redete ihr ein, sie solle mir sagen, dass ich einen anderen Beruf w\u00e4hlen solle. Diese meldete sich danach tats\u00e4chlich per Telefon bei mir und sagte, ich solle auf den Chef h\u00f6ren und einen anderen Beruf w\u00e4hlen! Die neue Stelle wurde mir dann doch nicht gegeben, weil der neue Arbeitgeber sich bei meinem ex-Chef nach mir erkundigte \u2013 und dieser logischerweise nur Schlechtes erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Danach entschied ich mich, die ganze Geschichte dem Lehrlingsamt zu melden. Das n\u00fctzte aber auch nicht viel, denn das Lehrlingsamt schickte mich einfach zu einem Psychologen \u2013 wie wenn das Problem bei mir liegen w\u00fcrde! Der Gipfel war schliesslich, dass ich den Psychologen noch selbst bezahlen musste. Gebracht hat es mir nichts.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Lehrlingsamt, der Lehrer, die Gemeinde haben dich also nie richtig und konsequent unterst\u00fctzt. Hast du dich mal bei der Gewerkschaft gemeldet?<\/strong><\/p>\n<p>Das Lehrlingsamt und der Lehrer haben mir insofern geholfen, dass ich die LAP nun nochmals wiederholen darf, obwohl ich keinen Lehrbetrieb mehr habe. Ich bereite mich zurzeit individuell auf die Pr\u00fcfung vor.<\/p>\n<p>Ja, ich erkundigte mich beim Rechtsdienst der Gewerkschaft Unia. Dieser interessierte sich aber nicht daf\u00fcr. Sie verwiesen mich einfach an das Lehrlingsamt. Als ich ihnen sagte, dass das Lehrlingsamt mich auch nicht mehr unterst\u00fctzt, sagten sie zu mir, dass ich zuerst Gewerkschaftsmitglied werde m\u00fcsse, bevor sie etwas machen k\u00f6nnten. Dann habe ich es bleiben lassen.<\/p>\n<p><strong>Ist es angesichts all dieser rassistischen Vorkommnisse in der Lehre nicht l\u00e4cherlich bis zynisch von einer \u00abIntegration in den Arbeitsmarkt\u00bb zu reden?<\/strong><\/p>\n<p>Voll, kein Lehrling wird \u00abintegriert\u00bb, indem er rassistisch beleidigt und nur als billige Arbeitskraft missbraucht wird.<\/p>\n<p><strong>Was br\u00e4uchte es, damit Gefl\u00fcchtete tats\u00e4chlich eine sinnvolle Lehrzeit absolvieren k\u00f6nnten? <\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssten alle hier lebenden Menschen die gleichen Rechte in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz bekommen. Dazu braucht es nat\u00fcrlich eine Akzeptanz in der Gesellschaft \u2013 also keinen Rassismus. Zudem rate ich allen, die die gleichen oder \u00e4hnliche Probleme in der Lehre haben, sich zu wehren \u2013 m\u00f6glichst mit anderen zusammen. Man darf das nicht alles hinnehmen! Zudem sind das nicht individuelle Probleme. Rassismus betrifft viele Menschen und ist ein gesellschaftliches Problem.<\/p>\n<p><strong>Wir bewundern deinen Durchhaltewillen und dein Engagement sehr. Was nimmst du pers\u00f6nlich von all diesen Erlebnissen mit?<\/strong><\/p>\n<p>Mich nervt es, dass ich immer f\u00fcr alles dankbar sein soll. Wieso soll ich dankbar sein? Ich habe auf der Flucht durch die W\u00fcste und \u00fcber das Mittelmeer so viel durchgemacht. Ich weiss, was Dankbarkeit ist, glaubt mir. Ich verdiene es zu leben, eine anst\u00e4ndige Ausbildung machen zu k\u00f6nnen und ich habe ein Recht darauf hier zu sein!<\/p>\n<p><strong>Word! Danke vielmals Berhane f\u00fcr deine spannenden, wenn auch haarstr\u00e4ubenden Erz\u00e4hlungen. Das spornt uns alle an, weiterhin gegen Rassismus und Ausbeutung in der Lehre zu k\u00e4mpfen! Wir w\u00fcnschen dir auf jeden Fall viel Mut und Erfolg beim Abschluss der Lehre. Halte durch, Bruder, und lass dich nicht unterkriegen!<\/strong><\/p>\n<p><em>Falls auch ihr eure Erlebnisse aus der Lehre erz\u00e4hlen m\u00f6chtet, um damit eine \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die Schikanen und Diskriminierungen w\u00e4hrend der Lehrzeit schaffen zu k\u00f6nnen, d\u00fcrft ihr euch gerne bei uns melden. Danach k\u00f6nnen wir zusammen diskutieren, in welcher Form (Interview, Erlebnisbericht, Video etc.) wir eure Erlebnisse ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnen. Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen wir das alles anonym machen. Schreibt uns an unter info@bfs-zh.ch<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0Quelle: <a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2017\/schweiz-weil-du-ein-neger-bist-rassismus-in-der-lehre-ein-interview-mit-einem-betroffenen\/\">sozialismus.ch&#8230;<\/a> vom 5. Dezember 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie im Artikel \u00abFl\u00fcchtlingslehre\u00bb: Integration durch Ausbeutung gezeigt wird, hat das Schweizer B\u00fcrgertum ein Interesse daran, gefl\u00fcchtete Menschen mittels einer Berufslehre in den hiesigen Arbeitsmarkt zu \u00abintegrieren\u00bb. 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