{"id":2892,"date":"2017-12-18T10:17:06","date_gmt":"2017-12-18T08:17:06","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2892"},"modified":"2018-01-19T17:29:50","modified_gmt":"2018-01-19T15:29:50","slug":"frauenunterdrueckung-im-dienst-des-kapitals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2892","title":{"rendered":"Frauenunterdr\u00fcckung im Dienst des Kapitals"},"content":{"rendered":"<p><em>Critica<strong>.<\/strong><\/em> <strong>Der konservative Backlash der Kleinfamilie hat immense Vorteile f\u00fcr den\u00a0<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/neoliberales-denken-und-handeln-warum-menschen-sowas-mitmachen\/\">neoliberal gepr\u00e4gten Staat.<\/a> Wohlfahrtsstaatliche Aufgaben k\u00f6nnen getrost in die H\u00e4nde der unbezahlt arbeitenden (Ehe-)Frauen abgeben werden.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Ein Embryo, dazu die lispelnde Stimme Angela Merkels: \u201eIn welcher Welt wirst du einmal leben?\u201c Gl\u00fcckliche Familien, h\u00fcpfende Kinder mit sch\u00f6nen Eltern auch im SPD-Wahlwerbespot. Die AfD spitzt das zu, was auch die anderen Videos implizieren: \u201eNeue Deutsche machen wir selber\u201c. Die Kleinfamilie Mutter-Vater-Kind erlebt eine Renaissance. Konservative befeuern ideologisch das, was wirtschaftlich nie abgeschafft wurde: Die Frau als Mutter, vielleicht halbtags berufst\u00e4tig, finanziell abh\u00e4ngig, aus dem Berufsleben herauskatapultiert mit der Geburt des ersten Kindes. Die SPD gibt sich progressiver: Gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit, hei\u00dft es da. Doppelverdienerhaushalte gelten als fortschrittlich. Die Kinder werden ganztags in der KiTa betreut. Besserverdienende leisten sich Haushaltshilfen \u2013 weiblich, unterbezahlt, meist migrantisch; symptomatisch f\u00fcr schlecht entlohnte Berufsgruppen.<\/p>\n<p><strong>Familie als erstes Eigentumsverh\u00e4ltnis<\/strong><\/p>\n<p>Ob Mutter oder Haushaltshilfe, am Ende des Tages steht eine Frau vor dem Kindergarten, um die Kleinen abzuholen. In den meisten F\u00e4llen, also in niedrig und durchschnittlich verdienenden Familien, ist es die Mutter. Das ist noch nicht alles. Ums Abendessen k\u00fcmmern? Die Mutter. Den Kindern Nachhilfe geben? Die Mutter. Den pflegebed\u00fcrftigen Opa versorgen? Die Mutter. All diese Arbeit, die unsichtbar hinter verschlossenen T\u00fcren unbezahlt verrichtet wird, nennt der \u00d6konom und Philosoph Karl Marx Reproduktionsarbeit. Im Vergleich zur Produktionsarbeit, die in unserer Gesellschaft meist als Lohnarbeit organisiert ist, scheint die unbezahlte Arbeit keine Produkte und somit keinen Mehrwert zu schaffen. Marx stellt fest, dass hier wie dort Ausbeutung an der Tagesordnung ist und benennt das kleinfamili\u00e4re Verh\u00e4ltnis als das, was es ist: Erstes Eigentumsverh\u00e4ltnis, in dem der Mann sich die Arbeit der Frau aneignet. W\u00e4hrend der Berufst\u00e4tige auf dem Arbeitsmarkt wenigstens einen Lohn erh\u00e4lt, kann sich der Ehemann vollends darauf verlassen, dass seine Frau die Arbeit, die zu Hause anf\u00e4llt, umsonst verrichtet.<\/p>\n<p><strong>Frauenunterdr\u00fcckung im Dienst des Kapitals<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem Gott und Kirche als Begr\u00fcndung f\u00fcr diesen Sachverhalt aus der Mode gekommen sind, st\u00fcrzen sich die vermeintlich aufgekl\u00e4rten Geister auf den Darwinismus: Es sei biologisch angelegt, dass eine Frau Haus- und Sorgearbeit leiste. Die sei minderwertig und somit ist es auch die Person, die diese Arbeit verrichtet. Frauenunterdr\u00fcckung funktioniert auf diese Weise ganz ohne Kirche, denn sie steht heute im Dienst des Kapitals, des neuen am Altar der freien Marktwirtschaft angebeteten G\u00f6tzen. Historisch wurden Frauen immer dann ermuntert, ins Erwerbsleben einzutreten, wenn einerseits der Mehrwert m\u00f6glichst billig gesteigert werden sollte und andererseits die Familie mit einem einzigen Gehalt nicht mehr \u00fcber die Runden kam. Frauen eigneten sich seit jeher zur Lohndr\u00fcckerei, da sie billigere Arbeitskr\u00e4fte waren und sich lange Zeit politisch nicht organisieren durften. Auch heute sind Frauen mehrheitlich schlechter bezahlt. H\u00e4ufig sind sie in schlecht entlohnten, sozialen Berufen besch\u00e4ftigt, in denen sie Reproduktionsarbeit beziehungsweise Sorgearbeit leisten. Die L\u00f6sung ist aber nicht, wie uns neoliberale Profitideologen wei\u00df machen wollen, dass Frauen in sogenannte MINT-F\u00e4cher (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) eintreten sollen. Die L\u00f6sung ist auch nicht unbedingt eine Frauenquote in F\u00fchrungsetagen. Die neoliberalen \u201eDer-Markt-Regelt-alles\u201c-Apologeten verpacken in diese Forderung lediglich das Interesse, die berufst\u00e4tigen Frauen unter dem Vorwand der Gleichberechtigung noch besser auszubeuten: Auf dem Arbeitsmarkt und zu Hause.<\/p>\n<p><strong>Altersarmut ist Frauenarmut<\/strong><\/p>\n<p>Da Frauen, die Kinder haben, weniger flexibel sind und keine 40-60 Stunden pro Woche arbeiten k\u00f6nnen, werden M\u00fctter auf Jobsuche benachteiligt. F\u00fcr Alleinerziehende ist die Situation noch schwerer. Die Kinder- und Altersarmut ist vorprogrammiert. Es ist kein Zufall, dass Altersarmut ein mehrheitlich weibliches Ph\u00e4nomen ist.<\/p>\n<p>Konservative behaupten nun, die Frau m\u00fcsse zur\u00fcck an den Herd, ein Familieneinkommen m\u00fcsse ausreichen. Diese Haltung zementiert die Sklaverei der Frau erst recht. Die feministische Forderung nach wirtschaftlicher Unabh\u00e4ngigkeit der Frau kann nicht durch ein Taschengeld vom Ehemann oder eine \u201eHerdpr\u00e4mie\u201c erf\u00fcllt werden. Es gilt vielmehr, f\u00fcr einen Mindestlohn, h\u00f6here Grundsicherung und h\u00f6heres Kindergeld zu k\u00e4mpfen. Des Weiteren sollten wir als hochtechnisierte Gesellschaft die immerw\u00e4hrende Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit nicht hinnehmen, sondern f\u00fcr eine Verk\u00fcrzung streiten. Besonders essentiell ist die Entwicklung einer solidarischen Verteilung von Reproduktionsarbeit, geschlechtergerecht und gesamtgesellschaftlich. Dazu muss die wirtschaftliche Funktion der Kleinfamilie \u00fcberwunden und Sorgearbeit kollektiv organisiert werden. Frauen m\u00fcssen ihre Mehrfachbelastung durch Arbeit anprangern und sich nicht auf \u201eChancengleichheit\u201c vertr\u00f6sten lassen, die ihnen FDP-Posterboy Chris Lindner und andere neoliberale D\u00f6del versprechen. Es gibt keine nachhaltigen und gerechten L\u00f6sungen innerhalb dieses Wirtschaftssystems f\u00fcr das Problem der Unterdr\u00fcckung. Die Kleinfamilie st\u00fctzt das Wirtschaftssystem, das Wirtschaftssystem st\u00fctzt die Kleinfamilie und damit die spezifische Ausbeutung der Frau. Ein Angriff auf beide Institutionen ist daher gleicherma\u00dfen unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/frauenunterdrueckung-im-dienst-des-kapitals\/\">diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/a> vom 18. Dezember 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Critica. Der konservative Backlash der Kleinfamilie hat immense Vorteile f\u00fcr den\u00a0neoliberal gepr\u00e4gten Staat. 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