{"id":2900,"date":"2017-12-19T09:23:57","date_gmt":"2017-12-19T07:23:57","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2900"},"modified":"2017-12-19T09:23:57","modified_gmt":"2017-12-19T07:23:57","slug":"der-atmosphaerische-tod-in-palaestina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2900","title":{"rendered":"Der atmosph\u00e4rische Tod in Pal\u00e4stina"},"content":{"rendered":"<p><em>Hovhannes Gevorkian.<\/em> <strong>Die letzten Tage in Pal\u00e4stina zeigen immer wieder die offene Unterdr\u00fcckung durch den israelischen Staat und die Auswirkungen der Kolonisation. Die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA<!--more--> f\u00fchrte zu weiteren aufopferungsvollen K\u00e4mpfen, in denen neue Held*innen geboren werden.<\/strong><\/p>\n<p><em>The colonized, like all the people in underdeveloped countries and all the dispossessed everywhere, do not see life as blossoming and fruition but as a permanent struggle against atmospheric death. This death, this mort \u00e0 bout touchant manifests itself as endemic famine, unemployment, the high death rate, the feeling of inferiority, and the absence of future prospects. \u2013 Frantz Fanon<\/em><\/p>\n<p>Vielleicht weil die Besatzung Pal\u00e4stinas seit nunmehr fast 70 Jahren andauert, sind Kinder das Symbol des Widerstandes in den letzten K\u00e4mpfen der Pal\u00e4stinenser*innen geworden. Nationale Unterdr\u00fcckung manifestiert sich auch darin, dass sie keine Unterscheidung zwischen Alt und Jung macht. So kommt es, dass der 16-j\u00e4hrige Mohammed Fawzi Al Junaidi zum Kristallisationspunkt eines Kampfes wird, der um die Befreiung aus dem zionistischen Joch gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Ein Junge, der von 23 Soldaten der israelischen Armee abgef\u00fchrt wird, seine Augen zugebunden, fast um zu zeigen, dass die Besatzungsmacht nicht nur Herrin der pal\u00e4stinensischen K\u00f6rper ist, sondern auch der Sinne dieser jungen Menschen. Mohammed Fawzi Al Junaidi, ein Junge von 16 Jahren, der wehrlos den hochger\u00fcsteten Einsatzkr\u00e4ften ausgeliefert ist und nicht wei\u00df, wohin ihn dieser Weg umgeben von Maschinenpistolen f\u00fchren wird\u2026 Was haben wir damals mit 16 Jahren eigentlich gemacht?<\/p>\n<p>Al Junaidi hatte wie tausende andere pal\u00e4stinensische Jugendliche gegen die Entscheidung Donald Trumps demonstriert, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Da sein Vater seit einem Arbeitsunfall nicht mehr arbeitsf\u00e4hig ist, musste er schon fr\u00fch inmitten der besetzten Gebiete arbeiten gehen. Al Junaidi wurde nicht zuf\u00e4llig zum Symbol des Widerstands der letzten Wochen, der weiterhin Menschen auf die Stra\u00dfen treibt, obwohl sie von scharfer Munition und Tr\u00e4nengasgranaten angegriffen werden.<\/p>\n<p>In Pal\u00e4stina ist der atmosph\u00e4rische Tod der ewige Begleiter, der einen ganz schnell vereinnahmen kann, wenn die zionistischen Bomben und Sch\u00fcsse fallen und wie bei den jetzigen Protesten vier Tote verursachen. In Pal\u00e4stina dr\u00fcckt sich dieser unangenehme Begleiter aber auch darin aus, dass der zionistische Staat all diejenigen, die gegen die Besatzung k\u00e4mpfen, ins Gef\u00e4ngnis stecken kann.<\/p>\n<p>Auch hier sind Kinder die Belege f\u00fcr die Totalit\u00e4t der Repression: Seit dem Jahr 2000 wurden mehr als 12.000 Kinder von den Besatzungskr\u00e4ften festgenommen. In den letzten Tagen kursierten immer wieder Videos von Festnahmen von Kindern, die von schwerbewaffneten Soldat*innen abgef\u00fchrt werden. Der zionistische Staat versucht gar nicht erst so zu tun, als seien diese Ma\u00dfnahmen zwar hart, aber gerecht; er legitimiert sie offen und verst\u00e4rkt sie auch noch.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrt dazu, dass die Pal\u00e4stinenser*innen in der Tat ein Leben in der Kolonisation f\u00fchren, wie es Frantz Fanon in seinen Untersuchungen \u00fcber die Kolonisierten beobachten konnte: Das Leben nicht als Aufbl\u00fchen oder Verwirklichung des Individuums, sondern als permanenter Kampf gegen den atmosph\u00e4rischen Tod. Hunger, Arbeitslosigkeit und keine Perspektive kennzeichnen diesen Kampf, der in Gaza dramatisch versch\u00e4rft ist, wenn ein Gro\u00dfteil keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat oder nur drei Stunden Strom per Tag. Ein Leben in permanenter Bedrohung, denn obwohl Al Junaidi erst 16 Jahre alt ist, wird er vor ein israelisches Milit\u00e4rtribunal gebracht werden und sitzt bis heute in Haft.<\/p>\n<p>Die Lage der Pal\u00e4stinenser*innen, die gerade deswegen so schlecht wie noch nie ist, wird nicht zuf\u00e4llig in dieser Zeit von Trump ausgenutzt, um die letzten Reste des Oslo-Prozesses ins Grab zu schaufeln. Damit einher geht auch die Intention des zionistischen Kolonialismus, das pal\u00e4stinensische Volk nicht nur zu unterdr\u00fccken, sondern mit dieser Unterdr\u00fcckung die Vertreibung der Pal\u00e4stinenser*innen zu erreichen. Es verwundert nicht, dass Folge dieser Politik eine Dehumanisierung sondergleichen ist, die selbst Kinder nach ihrer Festnahme in K\u00e4figen einsperrt.<\/p>\n<p>Denn nichts anderes bedeutet es, wenn Jugendliche f\u00fcr angebliche Steinw\u00fcrfe auf vollausger\u00fcstet Besatzungssoldat*innen bis 90 Tage in Haft bleiben k\u00f6nnen, ohne dass sie Rechtsbeistand haben. Eine Ma\u00dfnahme, die einmal verl\u00e4ngert werden kann, sodass es sein kann, dass er insgesamt 180 Tage in Haft bleibt, ohne je eine*n Anw\u00e4lt*in zu sehen. Al Junaidi ist damit nicht alleine, denn derzeit sitzen etwa 350 Jugendliche in israelischer Haft.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-atmosphaerische-tod-in-palaestina\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 19. Dezember 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hovhannes Gevorkian. 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