{"id":2945,"date":"2018-01-01T13:28:50","date_gmt":"2018-01-01T11:28:50","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2945"},"modified":"2018-01-01T13:28:50","modified_gmt":"2018-01-01T11:28:50","slug":"2018-die-welt-am-tropf-der-zentralbanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2945","title":{"rendered":"2018 \u2013 Die Welt am Tropf der Zentralbanken"},"content":{"rendered":"<p><em>Ernst Wolff. <\/em>Die Lage zum Jahresende 2017 scheint extrem widerspr\u00fcchlich: Die Wirtschaft w\u00e4chst, die Aktienm\u00e4rkte verzeichnen Rekordst\u00e4nde, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Industrie zeigt ein seit langem nicht gesehenes Ma\u00df an Optimismus. Zugleich<!--more--> erstickt die Welt unter der h\u00f6chsten Schuldenlast ihrer Geschichte, krankt an der gr\u00f6\u00dften sozialen Ungleichheit und wird von h\u00f6heren Risiken als vor der Krise von 2007\/2008 bedroht.<\/p>\n<p>Wo stehen wir denn nun wirklich? fragen sich die meisten von uns zum Jahreswechsel. K\u00f6nnen wir beruhigt in die Zukunft sehen oder drohen historische Gefahren? Gibt es irgendeine Wirtschaftstheorie, die uns diese Fragen klar und deutlich beantworten kann?<\/p>\n<p><strong>Die Wirtschaftstheorien der Vergangenheit helfen nicht mehr weiter<\/strong><\/p>\n<p>Nein, die gibt es nicht. Und zwar aus einem einfachen Grund: Weil wir in einer Ausnahmesituation leben, die die Welt so noch nicht gesehen hat: Das globale Wirtschafts- und Finanzsystem ist seit 2008 klinisch tot. Es funktioniert nur noch, weil es wie ein Patient auf der Intensivstation k\u00fcnstlich am Leben erhalten wird, und zwar durch die Zentralbanken.<\/p>\n<p>Seit dem Beinahe-Zusammenbruch von 2008 haben die gr\u00f6\u00dften Zentralbanken der Welt zwischen 14 und 16 Billionen US-Dollar ins globale Finanzsystem gepumpt und fast siebenhundert Mal die Zinsen gesenkt. Der gr\u00f6\u00dfte Teil dieses \u201ebilligen\u201c Geldes ist in die Finanzspekulation geflossen und hat so f\u00fcr eine historisch nie dagewesene Verzerrung der M\u00e4rkte gesorgt.<\/p>\n<p>Konnte man fr\u00fcher davon ausgehen, dass Aktienkurse etwas \u00fcber die Gesundheit eines Unternehmens aussagen, so ist es damit vorbei: Gro\u00dfkonzerne in aller Welt haben das billige Geld genutzt, um eigene Aktien zur\u00fcckzukaufen und deren Kurse k\u00fcnstlich in die H\u00f6he zu treiben. Sagten fr\u00fcher die Kosten und Zinsertr\u00e4ge von Staatsanleihen etwas \u00fcber die wirtschaftliche und finanzielle St\u00e4rke eines Landes aus, so geh\u00f6rt auch das der Vergangenheit an: Die Zentralbanken haben ganze L\u00e4nder vor dem Bankrott gerettet, indem sie deren Anleihen zu \u00fcberh\u00f6hten Preisen aufgekauft und durch k\u00fcnstlich geschaffene Nachfrage M\u00e4rkte erzeugt haben, wo es eigentlich keine mehr gab.<\/p>\n<p><strong>Die Manipulation ist grenzenlos<\/strong><\/p>\n<p>Doch das ist nicht alles: Inzwischen greifen die Zentralbanken auch direkt in die Aktienm\u00e4rkte ein und sorgen daf\u00fcr, dass sogar ins Schlingern geratene Unternehmen \u00fcber Wasser gehalten und andere weit \u00fcber ihrem tats\u00e4chlichen Wert gehandelt werden. Die Schweizer Nationalbank (SNB) zum Beispiel ist inzwischen Gro\u00dfaktion\u00e4r bei Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon und Facebook und h\u00e4lt zur Jahreswende 2017\/2018 US-Aktien im Wert von 91 Milliarden Dollar. Nur zur Erinnerung: Die SNB kann das Geld, mit dem sie Aktien kauft, selber schaffen&#8230;<\/p>\n<p>Das alles hei\u00dft: Wir leben in einem durch Geldsch\u00f6pfung und Zinssenkung k\u00fcnstlich angetriebenen und aufgebl\u00e4hten System. Das aber hat fatale Nebenwirkungen, denn Zentralbanken funktionieren nach denselben Prinzipien wie der Rest unseres Wirtschafts- und Finanzsystems: Das Geld, das sie sch\u00f6pfen, wird nicht verschenkt, sondern muss zur\u00fcckgezahlt werden. Es erh\u00f6ht also stetig den globalen Schuldenberg.<\/p>\n<p>Um die Bedienung dieser Schulden zu erleichtern, gibt es nur ein bew\u00e4hrtes Mittel: das Anheizen der Inflation. Das Ansteigen des allgemeinen Preisniveaus f\u00fchrt dazu, dass die H\u00f6he der Schulden im Verh\u00e4ltnis zu den \u00fcbrigen Geldwerten sinkt. Doch die Herbeif\u00fchrung einer solchen Inflation erfordert genau die Mittel, die seit 2008 angewandt wurden: Geldsch\u00f6pfung und Zinssenkung.<\/p>\n<p>Obwohl die Zentralbanken in aller Welt seit einiger Zeit ank\u00fcndigen, ihre Geldpolitik nach zehn Jahren des billigen Geldes wieder straffen zu wollen (und \u2013 wie die FED &#8211; einige sehr zaghafte Versuche in diese Richtung unternommen haben), k\u00f6nnen sie diesen Weg nicht weiter beschreiten, ohne dass ihnen der gr\u00f6\u00dfte Schuldenberg in der Geschichte in die Quere kommt. Ihn zu ignorieren, h\u00e4tte den Bankrott zahlloser Schuldner zur Folge, w\u00fcrde riesige L\u00f6cher in die Kassen der Gl\u00e4ubiger rei\u00dfen und das System in die n\u00e4chste, m\u00f6glicherweise noch schwerere Krise als 2007\/2008 st\u00fcrzen.<\/p>\n<p><strong>Es gibt kein Zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Die Situation, in der wir stecken, l\u00e4sst sich also folgenderma\u00dfen beschreiben: Die Zentralbanken haben sich auf eine Geldpolitik eingelassen, die an der Oberfl\u00e4che zwar einige positive Ph\u00e4nomene erzeugt, die sich aber nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen l\u00e4sst, ohne das System als Ganzes zum Einsturz zu bringen.<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: Das globale Finanzsystem gleicht einem Suchtkranken, der auf Grund von Drogeninjektionen immer wieder kurze Aufschwungphasen erlebt, dessen Organe aber von Mal zu Mal st\u00e4rker gesch\u00e4digt werden und die irgendwann \u2013 ohne Vorank\u00fcndigung &#8211; ihren Dienst versagen werden.<\/p>\n<p>Wann das sein wird \u2013 ob 2018 oder sp\u00e4ter &#8211;\u00a0 kann niemand voraussagen. Nur eines ist sicher: Die Mittel der Manipulation, die den Zentralbanken zur Verf\u00fcgung stehen, sind weitgehend ausgereizt. Nach Niedrig- und Nullzinsen bleiben nur noch Negativzinsen \u2013 und damit die Zerst\u00f6rung des klassischen Bankgesch\u00e4ftes, n\u00e4mlich der Kreditvergabe &#8211; und nach der Flut neu geschaffenen Geldes bleibt nur die Schaffung von noch mehr Geld \u2013 und damit der direkte Weg in die Hyperinflation.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.scharf-links.de\/43.0.html?&amp;tx_ttnews%5btt_news%5d=63513&amp;tx_ttnews%5bbackPid%5d=56&amp;cHash=23005627a8\">scharf-links.de&#8230;<\/a> vom 1. Januar 2018<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ernst Wolff. Die Lage zum Jahresende 2017 scheint extrem widerspr\u00fcchlich: Die Wirtschaft w\u00e4chst, die Aktienm\u00e4rkte verzeichnen Rekordst\u00e4nde, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Industrie zeigt ein seit langem nicht gesehenes Ma\u00df an Optimismus. 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